Vorschläge zur Reform der Krankenversicherung | Bundestag
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Anne-Mette
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Vorschläge zur Reform der Krankenversicherung | Bundestag

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Beitrag von Anne-Mette »

Gesundheit/Anhörung

Gesundheitsfachleute haben Vorschläge für kurzfristige und langfristige Reformen in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) erörtert. Anlass war eine Anhörung des Gesundheitsausschusses über einen Antrag (21/344) der Linksfraktion für eine gerechte Finanzierung der Krankenversicherung. Mehrere Sachverständige machten deutlich, dass vor allem die Ausgaben im Gesundheitssystem überprüft werden müssten. Die Experten äußerten sich am Mittwoch in der Anhörung sowie in schriftlichen Stellungnahmen.

Der Sozialökonom Simon Reif von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg erklärte, es gebe eine Reihe von Möglichkeiten, die Ausgaben zu senken, und nannte die hohe Zahl an Krankenhausbehandlungen und Arztbesuchen. Mit einer besseren Versorgungssteuerung und -planung ließen sich Kosten einsparen, und Patienten würden von weniger Über- und Fehlversorgung profitieren. Eine Dynamisierung des Bundeszuschusses an die GKV hält Reif für den falschen Weg. Das würde die Anreize zum wirtschaftlichen Handeln der GKV mindern.

Richard Ochmann vom IGES-Institut für Gesundheits- und Sozialforschung verwies auf Projektionen seines Hauses, wonach die Beitragsbelastungen in den kommenden Jahren erheblich zunehmen werden. Daher seien Reformen nötig, die der Ausgabenentwicklung von Kranken- und Pflegeversicherung entgegenwirken. Mit der Krankenhausreform (Qualitätsorientierung) und der geplanten Notfallreform (Bedarfsorientierung) sei ein wichtiger Grundstein gelegt. Auch das geplante Primärarztsystem gehe grundsätzlich in die richtige Richtung.

Strukturreformen forderte auch Christian Karagiannidis von der Universität Witten/Herdecke. Nötig sei eine bessere Steuerungsfunktion im System, sagte er und sprach sich für eine Selbstbeteiligung von Patienten aus. Diese könne ganz unterschiedlich und sozialverträglich ausgestaltet werden. Zu empfehlen sei das niederländische System. Dort liege der Satz derzeit bei 385 Euro pro Jahr. Erst ab diesem Betrag trete die Krankenversicherung in Kraft.

Ilias Essaidada vom Sozialverband VdK wies Forderungen nach mehr Eigenverantwortung zurück. Das schüre Angst unter den Versicherten, insbesondere unter Rentnern, und schädige das Vertrauen in den Sozialstaat. Er forderte stattdessen den Bund auf, seinen Finanzierungspflichten stärker nachzukommen. Der Bund müsse seinen Zuschuss zur GKV deutlich erhöhen. Die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze und der Versicherungspflichtgrenze wäre ebenfalls ein Schritt in die richtige Richtung.

Antje Kapinsky vom Verband der Ersatzkassen (vdek) sagte mit Blick auf die Expertenkommissionen für GKV und SPV: „Es liegen genügend Ideen auf dem Tisch, sodass man sofort loslegen könnte.“ Zwar würden aufgrund der aktuellen Finanzentwicklung schnell wirksame Sofortmaßnahmen benötigt, langfristig seien jedoch strukturelle Änderungen erforderlich. Kurzfristig sei die Anhebung des Herstellerrabatts für Arzneimittel denkbar sowie eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel von 19 auf sieben Prozent.
Lana
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Re: Vorschläge zur Reform der Krankenversicherung | Bundestag

Post 2 im Thema

Beitrag von Lana »

Ja, ist klar. Die Leistungen müssen gekürzt werden, sagen die "Experten".
Wen will man bitte mit diesen Nebelkerzen verwirren?

Der Bund kommt seit Jahren seiner Pflicht zum Ausgleich von Leistungen nicht nach, denen keine Beitragszahlungen gegenüberstehen. Das sind Ansprüche, die der Bund beschlossen hat und somit auch bezahlen muss, und zwar aus Steuermitteln.
Tatsächlich wälzt er diese Lasten auf die gesetzlichen Krankenversicherungen ab, die die Löcher aus den Beitragszahlungen der Versicherten stopfen.

Jetzt verklagt der GKV-Spitzenverband den Bund. Es geht um 10 Milliarden. Pro Jahr!

Würde der Bund seinen Verpflichtungen nachkommen, wäre man der Lösung des Problems schon ein gutes Stück näher und die Defizite der letzten Jahre wären in dieser Größenordnung gar nicht aufgelaufen.

https://www.gkv-spitzenverband.de/gkv_s ... 112896.jsp

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
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