Religion und Medizin im Konflikt? | beck aktuell
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Anne-Mette
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Religion und Medizin im Konflikt? | beck aktuell

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Der Chef­arzt für Frau­en­heil­kun­de am Kli­ni­kum im ost­west­fä­li­schen Lipp­stadt, das An­fang des Jah­res von einem ka­tho­li­schen Trä­ger über­nom­men wurde, darf mit sei­nem Team seit­dem keine Schwan­ger­schafts­ab­brü­che mehr durch­füh­ren, und zwar auch dann nicht, wenn eine me­di­zi­ni­sche In­di­ka­ti­on vor­liegt. Seine Klage gegen zwei ent­spre­chen­de Wei­sun­gen sei­nes Ar­beit­ge­bers hat das ArbG Hamm ab­ge­wie­sen. Und auch wenn der Fall damit noch nicht ab­ge­schlos­sen ist, stellt sich be­reits heute die Frage, ob sich Re­li­gi­on und Me­di­zin nicht ver­tra­gen. Ein Ge­spräch mit Prof. Dr. Kars­ten Scholz.

https://rsw.beck.de/aktuell/daily/magaz ... m-konflikt

In diesem Interview werden grundsätzliche juristische und medizinische Fragen erörtert
steffiSH
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Re: Religion und Medizin im Konflikt? | beck aktuell

Post 2 im Thema

Beitrag von steffiSH »

Ich denke wenn jemand ein Krankenhaus kauft, dann kann er dort auch behandeln was er will - solange das rechtlich ok ist. Andererseits kann der Staat da regulierend eingreifen und diverse Unterstützungen dafür nicht zahlen, wenn das Krankenhaus sich nicht kooperativ verhält.
sum sum sum - no Latein
Jaddy
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Re: Religion und Medizin im Konflikt? | beck aktuell

Post 3 im Thema

Beitrag von Jaddy »

steffiSH hat geschrieben: Fr 5. Sep 2025, 14:13 Ich denke wenn jemand ein Krankenhaus kauft, dann kann er dort auch behandeln was er will - solange das rechtlich ok ist. Andererseits kann der Staat da regulierend eingreifen und diverse Unterstützungen dafür nicht zahlen, wenn das Krankenhaus sich nicht kooperativ verhält.
Ganz so einfach ist das nicht. Der Staat hat eine Verpflichtung, gleichwertige Lebensverhältnisse herzustellen. Die med Versorgung gehört dazu. In diesem speziellen Fall geht es nicht um optionale Leistungen, sondern med notwendige. Das KH will die nur bei akuter Lebensgefahr zulassen. Solche Regelungen haben in anderen Ländern dazu geführt, dass a) das Leiden der Betroffenen unnötig verlängert wurde und b) in nicht weniger Fällen zu lange gewartet wurde, also mit Todesfolge.

Der zweite Punkt ist, dass das KH als Arbeitgeber dem Arzt auch Abbrüche in seiner privaten Praxis verboten hat. Und das greift mE zu sehr in dessen Persönlichkeitsrechte ein - folgt aber der (mMn unzulässigen) arbeitsrechtlichen Sonderstellung kirchlicher Betriebe, ihren MA auch in die private Lebensführung reinzuwirken. Also bspw homosexuelle oder geschiedene Menschen rauszuwerfen. Bei anderen Betrieben wäre das ein sonnenklarer Fall für's Arbeitsgericht.

Punkt drei ist, dass es inzwischen regionale Monopole solcher KH-Betreiber gibt, so dass eigentlich zulässige und noch dazu zeitkritische Leistungen wie Schwangerschaftsabbrüche nur noch mit erhöhten Schwierigkeiten zu erreichen sind. Lange Fahrten zum Beispiel, die sich dann mehr Betroffene zeitlich, geldlich oder organisatorisch nicht leisten können.

Von daher bin ich der Ansicht, dass KH, die für die allgemeine Versorgung in der Region ausgelegt sind und dementsprechend in der kommunalen Gesundheits-Planung, zur Bereitstellung aller zulässigen Leistungen verpflichtet werden sollten. Wenn ihnen das nicht passt kriegen sie eben zB keine Kassen-Zulassung.
Claudia
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Re: Religion und Medizin im Konflikt? | beck aktuell

Post 4 im Thema

Beitrag von Claudia »

Anne-Mette hat geschrieben: Fr 5. Sep 2025, 12:18 [...] darf mit sei­nem Team seit­dem keine Schwan­ger­schafts­ab­brü­che mehr durch­füh­ren, und zwar auch dann nicht, wenn eine me­di­zi­ni­sche In­di­ka­ti­on vor­liegt.
Da hat aber jemand seine eigene Religion vergessen. Über 'nur gewünschte' Abbrüche könnte man ja noch streiten, aber bei medizinischer Indikation ist die Hilfe gerade aus religiösen Gründen angesagt.

Die KH-Betreiber gehören nach meinem Empfinden exkommuniziert. Leo, walte Deines Amtes.

LG Claudia
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Re: Religion und Medizin im Konflikt? | beck aktuell

Post 5 im Thema

Beitrag von Val44721 »

Claudia hat geschrieben: Fr 5. Sep 2025, 17:02 Über 'nur gewünschte' Abbrüche könnte man ja noch streiten, aber bei medizinischer Indikation ist die Hilfe gerade aus religiösen Gründen angesagt.
Wer sich über „gewünschte“ Abbrüche streitet und dagegen ist tut im Endeffekt genau das gleiche wie die, die es bei med. indizierten Abbrüchen verweigern. Sie sagen „your body my choice“.
Nature has made us intolerant to change but fortunately, we have the capacity to change our nature - Arcane
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Re: Religion und Medizin im Konflikt? | beck aktuell

Post 6 im Thema

Beitrag von Claudia »

Val44721 hat geschrieben: Fr 5. Sep 2025, 21:37
Claudia hat geschrieben: Fr 5. Sep 2025, 17:02 Über 'nur gewünschte' Abbrüche könnte man ja noch streiten, aber bei medizinischer Indikation ist die Hilfe gerade aus religiösen Gründen angesagt.
Wer sich über „gewünschte“ Abbrüche streitet und dagegen ist tut im Endeffekt genau das gleiche wie die, die es bei med. indizierten Abbrüchen verweigern. Sie sagen „your body my choice“.
Sich um die Durchführung dieser 'gewünschten', nicht medizinisch notwendigen Abbrüche zu streiten oder dagegen zu sein ist zweierlei.

Es streiten sich ja gerade die Klinik und der Arzt darum. Hier streitet ein Arzt darum, die Wünsche der Frau erfüllen zu können. „her body her choice“

Genauso könnte ein Arzt mit sich selbst streiten, wenn er aus Gewissensgründen, die nicht unbedingt religiös sein sein müssen, eine Abtreibung ohne medizinische Indikation zwar ablehnt, aber doch ebenso aus Gewissensgründen mit Blick auf die Bedürfnisse der Frau doch durchführen möchte.

Bei einer medizinischen Indikation darf es ein infrage stellen überhaupt nicht geben.

LG Claudia
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