Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht
Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
Olivia
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2228
Registriert: Fr 13. Apr 2012, 11:25
Geschlecht: ?
Pronomen: ?
Wohnort (Name): Regensburg
Hat sich bedankt: 41 Mal
Danksagung erhalten: 363 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 1 im Thema

Beitrag von Olivia »

Berliner Zeitung: Der Fall einer Transfrau, die von einem fränkischen Frauenfitnessstudio abgewiesen wurde, landet nun vor Gericht. Die 29-Jährige hat beim Landgericht Nürnberg-Fürth Klage gegen die Inhaberin des Fitnessstudios eingereicht, wie das Landgericht auf Nachfrage bestätigte.

https://www.msn.com/de-de/nachrichten/p ... 466b&ei=27
SylviaM
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 206
Registriert: Sa 10. Sep 2016, 19:43
Geschlecht: M
Pronomen:
Wohnort (Name): Soest
Hat sich bedankt: 28 Mal
Danksagung erhalten: 25 Mal
Kontaktdaten:

Re: Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 2 im Thema

Beitrag von SylviaM »

Die 29-Jährige ist als Frau anerkannt, hat aber noch keine geschlechtsangleichende Operation gemacht, wie sie der dpa sagte.

Uh, halte ich für schwierig. Ich finde hier darf auch das Hausrecht mal greifen, insbesondere wenn bewusst dieses Fitnessstudio nur für Frauen und quasi als geschützter Raum gedacht ist.

Ich frage mich auch gerade wie man als Frau anerkannt wird
Wenn damit die Änderung des Eintrags zur Geschlechtszugehörigkeit gemeint ist, die wird schon von dem ein oder anderen bewusst missbraucht, das fände ich hier auch nicht hinreichend
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3998
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 289 Mal
Danksagung erhalten: 1271 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 3 im Thema

Beitrag von Jaddy »

SylviaM hat geschrieben: Sa 3. Mai 2025, 19:18 Die 29-Jährige ist als Frau anerkannt, hat aber noch keine geschlechtsangleichende Operation gemacht, wie sie der dpa sagte.
Uh, halte ich für schwierig. Ich finde hier darf auch das Hausrecht mal greifen, insbesondere wenn bewusst dieses Fitnessstudio nur für Frauen und quasi als geschützter Raum gedacht ist.
Ich vermute zu wissen, was du meinst. Allerdings benötigen gerade trans Frauen geschützte - Frauen- - Räume, weil sie häufig doppelt gefährdet sind: Als Frauen und als trans Personen. Zahlreiche Studien zeigen das. Geschlechtsbezogene Gewalt geht praktisch ausschliesslich von cis Männern aus. Das liegt nicht an ihren Genitalien und sie machen sich nicht die Mühe, sich einen anderen Personenstandseintrag zu holen oder sich zu "verkleiden".

Real wäre da also mit fast absoluter Sicherheit kein "Sicherheitsproblem". Ich erinnere auch noch mal, dass die betroffene trans Frau vorgeschlagen hat, dass sie nur die Geräte nutzt, aber nicht die Umkleiden und Duschen.

Die Vorbehalte der Betreiberin richten sich offenbar gegen trans Frauen, möglicherweise generell. Ob rein persönlich oder aus -hm- kommerziellen Gründen, weil sie Vorbehalte ihrer Kundinnenschaft antizipiert; wird sich vielleicht im Prozess herausstellen. Insgesamt ein wichtiger Prozess, denke ich.
SylviaM hat geschrieben: Sa 3. Mai 2025, 19:18 Ich frage mich auch gerade wie man als Frau anerkannt wird
Wenn damit die Änderung des Eintrags zur Geschlechtszugehörigkeit gemeint ist, die wird schon von dem ein oder anderen bewusst missbraucht, das fände ich hier auch nicht hinreichend
Hast du mal ein konkretes Beispiel, wie irgendwer einen geänderten Geschlechtseintrag tatsächlich missbraucht (hat)? Also sich damit irgendwelche Rechte oder Vorteile verschafft hat?
Maxine
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 305
Registriert: Fr 30. Okt 2015, 17:09
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Neumünster
Hat sich bedankt: 39 Mal
Danksagung erhalten: 141 Mal
Kontaktdaten:

Re: Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 4 im Thema

Beitrag von Maxine »

Also der Artikel gibt ja nur wenige Fakten her. Also interpretiere ich mal das gelesene.

Die 29-jährige Transfrau hat eine Personenstandsänderung vollzogen aber noch keine GaOp. Damit ist sie rechtlich als weiblich anzusehen. Damit hätte sie zunächst einmal Zugang zu einem rein für Frauen gedachten Ort erhalten können.
Ich sage bewusst "können", denn ich finde hier sollten noch weitere Aspekte berücksichtigt werden. So lässt sich solch ein Ort z.B. als weiblicher Schutzraum definieren, in dem Frauen vor den nicht selten aufdringlichen Blicken von Männern mit wenig bis gar keinen Anstand geschützt sind. Auch wenn die Damen dort sicherlich nicht unbekleidet durch die öffentlichen Räume laufen werden. Damit komme ich zu dem für mich stärksten Argument, dass da gegen spricht, der Dame dort Zugang zu gewähren oder aus ihrer Sicht dort überhaupt Zugang zu suchen. Sie hat nach eigener Aussage die GaOp noch nicht vollzogen. Das ist grundsätzlich auch voll ok, aber muss ich mich dann dort "reindrängen" ? Spätestens unter der Dusche nach dem Sport würde sie sich den Damen mit ihren "männlichen" Attributen zeigen und könnte damit die anderen Gäste vor den Kopf stoßen. Denn anders als im Schwimmbad, wo ich unter der Dusche den Badeanzug noch anlassen kann, wird sie ja nicht mit ihren Sportklamotten duschen, auch gibt es in solchen Studios in der Regel keine Einzelkabinen um sich umzuziehen. Ich bin der Meinung, dass hier eine gewisse Rücksicht auf meine Mitmenschen angebracht ist und ich daher nicht versuchen sollte mich in solch einen geschützten Bereich hineinzudrängen. Ich lebe seit 2022 in allen Bereichen des sozialen und beruflichen Lebens als Frau, seit 2024 auch offiziell mit neuer Geburtsurkunde und Ausweis. Ich habe noch keine GaOp machen lassen können, dafür passt der BMI aktuell nicht. Erst seit diesem April gehe ich im Schwimmbad in die Damendusche zum duschen, davor bin ich immer so ins Wasser gegangen und nach Hause gefahren, aber der Badeanzug bleibt an. Ich würde auch derzeit keine reine Damensauna aufsuchen, weil ich es persönlich ungehörig gegenüber den anderen Damen dort finden würde. Ich bin eine Frau, eine Transfrau, aber trotzdem eine Frau, dass heißt aber nicht, dass ich völlig unempathisch auf jedes Recht als Frau pochen muss. Manchmal ist es halt angebracht sich selbst zurückzunehmen um auf seine Mitmenschen Rücksicht zunehmen. Daher komme ich zu dem Schluss, es ist richtig sich gegen eine offensichtliche Diskriminierung zu wehren, moralisch halte ich aber den Ansatz sich in diesem körperlichen Stadium in einen solchen "geschützten Bereich" reindrängen zu wollen für fragwürdig.

Zu der Aussage, dass Transfrauen häufig doppelt gefährdet sind, kann ich nichts sagen, ich hatte bisher das Glück, dass es weder im Schwimmbad, im Fitnessstudio oder sonst wo in der Stadt, mit der Bahn nach München etc. zu unerfreulichen Begegnungen gekommen ist. Aber ich lebe auch in der Provinz und ganz ehrlich selbst hier würde ich zu gewissen späten Zeiten nicht mehr allein draussen rum laufen. Obwohl ich einen großen Schatten werfe. :lol:

Liebe Grüße
Kathi
Andrea aus Sachsen
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2502
Registriert: Mi 30. Nov 2011, 08:43
Geschlecht: Transfrau
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 19 Mal
Kontaktdaten:

Re: Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 5 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Dieser Fall ging ja bereits vor einiger Zeit durch die Medien. Und jetzt landet das Ganze vor Gericht.
Ich kann nur hoffen, dass die Klägerin hier nicht durchkommt. Eine Person, die zwar amtlich als Frau geführt wird, aber augenscheinlich eindeutig als Mann durchgeht, hat meines Erachtens in ausschließlich für Frauen eingerichteten Räumen nichts zu suchen. Alles andere wäre nur Wasser auf die Mühlen der Transgegner.
Gleichbehandlung hin oder her – dafür wurde das Selbstbestimmungsgesetz nicht geschaffen.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
Vesta
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 257
Registriert: Sa 24. Feb 2024, 22:51
Geschlecht: w
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 59 Mal
Danksagung erhalten: 118 Mal
Kontaktdaten:

Re: Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 6 im Thema

Beitrag von Vesta »

Andrea aus Sachsen hat geschrieben: Sa 3. Mai 2025, 20:13 Eine Person, die zwar amtlich als Frau geführt wird, aber augenscheinlich eindeutig als Mann durchgeht, hat meines Erachtens in ausschließlich für Frauen eingerichteten Räumen nichts zu suchen.
Wie kommst du darauf, dass sie eindeutig als Mann durchgeht?

Einen Zwang zu dieser OP darf es nicht geben, und im Fitnessstudio zeigt man seine Genitalien üblicherweise nicht. Wenn sie ein ordentliches Passing hat, darf ihr dauerhaft der Zugang nicht verwehrt werden, alles andere ist Diskriminierung.
SylviaM
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 206
Registriert: Sa 10. Sep 2016, 19:43
Geschlecht: M
Pronomen:
Wohnort (Name): Soest
Hat sich bedankt: 28 Mal
Danksagung erhalten: 25 Mal
Kontaktdaten:

Re: Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 7 im Thema

Beitrag von SylviaM »

Jaddy hat geschrieben: Sa 3. Mai 2025, 19:43 Hast du mal ein konkretes Beispiel, wie irgendwer einen geänderten Geschlechtseintrag tatsächlich missbraucht (hat)? Also sich damit irgendwelche Rechte oder Vorteile verschafft hat?
https://taz.de/Missbraeuchliche-Geschle ... /!6062893/

https://weltwoche.de/daily/mit-bart-und ... unity-vor/
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3998
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 289 Mal
Danksagung erhalten: 1271 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 8 im Thema

Beitrag von Jaddy »

ich bin etwas irritiert, dass die Vorgeschichte offenbar völlig vergessen wurde, obwohl die auch hier im Forum zu lesen war. Oder über Suchmaschinen schnell zu finden, zB (1),
(2).
  • Von "augenscheinlich eindeutig als Mann" war nie die Rede
  • Die Betroffene hatte angeboten, weder Umkleiden noch Dusche zu benutzen. Sie wollte einfach nur ohne cis Dudes drumrum trainieren.
  • Das Selbstbestimmungsgesetz spielt hier keine Rolle (bzw hat sich selbst da raus gezogen)
  • Vom AGG her ist die Sache keineswegs so klar - und kann vermutlich auch nie eindeutig geregelt werden.
Es wird darauf hinauslaufen, ob ein reines "Unwohlsein" der Betreiberin und_oder ihrer Kundinnen als Ausschlussgrund ausreicht, wenn keine handfesten Gründe vorliegen. Ein "ich sehe dich nicht als Frau" ist nämlich nicht zulässig, soweit ich das verstanden habe.

Ich bin ja auch im Zwiespalt, ob der Klageweg oder überhaupt Druck zu machen was bringen wird. Andererseits müssen wir langsam mal Klarheit schaffen. Ich lese ja auch hier zwischen den Zeilen so eine optische Hierarchie der gesellschaftlichen Teilnahmerechte heraus. Ganz oben femme presenting cis Frauen, darunter Butches, irgendwo trans Frauen mit perfektem passing und ganz am Ende jene, die das nicht hinkriegen. Deren Haare nie voll und lang werden, die aus welchen Gründen auch immer keine Genital-OPs machen können oder die nie mehr als kleine AA-Cups füllen werden. Wir haben in der SHG ein paar dieser Leute und es tut mir in der Seele weh, wie sie unter dieser HIerarchie leiden. Hier "unter uns" finde ich das traurig (und manchmal schäbig gegenüber körperlich Benachteiligten). "Draussen" werden daraus die transfeindlichen Lügen und die Hetze über "Männer im Kleid" und "we can always tell".

Ich möchte da mal eine andere Perspektive bieten. Wir haben uns nicht ausgesucht, trans zu sein. Das ist irgendwann um unsere Geburt passiert und wird immer wieder passieren. Wir sind seit unserer Geburt einer konstanten "Konversionstherapie" ausgesetzt, die stets und ständig versucht, uns in eine cis-hetero Form zu pressen. In ein System kultureller Normen, basierend darauf, wie andere unsere äussere Erscheinung einschätzen. Wir wissen, dass das nicht funktionieren wird, sondern einfach nur krank macht. Einige haben Glück, sind körperlich bevorteilt, bekommen die richtige medizinische Versorgung (und treffen die richtigen Menschen) und können sich dann "als cis tarnen". Immer bedroht durch "Enttarnung". Das ist aber keine wirkliche Lösung.

Hätte das Studio eine kleinwüchsige Person abgewiesen oder eine sehr dicke, wäre die Sache ziemlich klar: Optische Präferenzen werden vom Hausrecht nicht gedeckt. Genauso liegt der Fall aber auch hier. Eine Frau lebt als Frau, ist Frau, möchte als Frau unter Frauen trainieren, aber wird trotz aller Zugeständnisse von ihrer Seite nach Augenschein abgewiesen. Andere massen sich an, sie nicht als Frau zu akzeptieren.

Es ist diese Fremdbeurteilung - soweit ich weiss ohne andere Gründe -, die grundsätzlich nicht in Ordnung ist. Weder rechtlich noch menschlich. Nicht bei Frauen, trans oder cis, nicht bei Männern, trans oder cis, und auch nicht bei nichtbinären Wesen.
Andrea aus Sachsen
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2502
Registriert: Mi 30. Nov 2011, 08:43
Geschlecht: Transfrau
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 19 Mal
Kontaktdaten:

Re: Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 9 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Vesta hat geschrieben: Sa 3. Mai 2025, 22:54 Wie kommst du darauf, dass sie eindeutig als Mann durchgeht?
In den alten Medienberichten war ein Foto zu sehen, auf dem trotz Verpixelung ein Mann mit Halbglatze zu sehen war. Gut, das Foto muss nicht echt gewesen sein, aber entscheidend ist doch, dass die Studiobetreiberin hier eine Person gesehen hat, die dem üblichen Erscheinungsbild eines Mannes entspricht (nicht nur wegen des männlichen Geschlechtsteils) und deshalb nicht in ihr Studio passte.
Mit einem ordentlichen Passing wäre das eine andere Situation.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3998
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 289 Mal
Danksagung erhalten: 1271 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 10 im Thema

Beitrag von Jaddy »

SylviaM hat geschrieben: Sa 3. Mai 2025, 23:02
Jaddy hat geschrieben: Sa 3. Mai 2025, 19:43 Hast du mal ein konkretes Beispiel, wie irgendwer einen geänderten Geschlechtseintrag tatsächlich missbraucht (hat)? Also sich damit irgendwelche Rechte oder Vorteile verschafft hat?
https://taz.de/Missbraeuchliche-Geschle ... /!6062893/
https://weltwoche.de/daily/mit-bart-und ... unity-vor/
Ich dachte mir schon, dass du mit diesen beiden Figuren kommst. Ich hätte da noch einen scheinbaren Fall bei einer Grünen Konferenz in Reutlingen - https://archive.ph/ovhUw

Nur: Die haben damit gar nichts erreicht. Alles allerhöchstens versuchter Missbrauch - unter Verkennung der Realität.

Marla-Svenja Liebig wird voraussichtlich nicht in einen Frauenknast kommen und wenn, dann gut abgeschirmt. Justizvollzug kann mit potenziell gefährlichen Leuten umgehen. Egal ob cis, trans oder Troll.

Bijan Tavassoli ist eine offensichtliche Provokation, weil im Alltag keineswegs als Frau lebend, keinen Geschlechtseintrag geändert und seine Provokation auch klar bekennend. Immerhin hat die Sauna in Wien in einem eleganten Troll-Aikido nach Rücksprache mit den anderen Gästinnen ihn einfach mal rein gelassen. Er würde keinen Prozess gewinnen und das weiss er als Jurist auch. Inzwischen ist er via Afd beim BSW gelandet und trollt da herum (https://archive.ph/WmkVg).

Und Allison hat ebenfalls nix mit Geschlechtseintrag zu tun, sondern dem parteiinternen Frauenstatut (pdf). Er wurde auch formal korrekt behandelt - und dann einfach nicht gewählt.

Also: Es ist einfach bisher kein plausibles Szenario denkbar, in dem ein geänderter Geschlechtseintrag irgendwie "missbraucht" werden kann. Die Frage habe ja nicht nur ich oft gestellt, sondern auch Rechtsexpertys und "Sicherheitsbehörden" und so weiter. Dadurch, dass der Eintrag im Privaten quasi witzlos ist und im staatlichen Bereich nur mässig wenig Einfluss hat ("unter welchem Namen Sie Post vom Amt bekommen. Sonst nichts"), bringt er nicht wirklich was.
Nico
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 213
Registriert: Sa 12. Sep 2020, 20:50
Geschlecht: ∈ [x;m[
Pronomen: er
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 36 Mal
Kontaktdaten:

Re: Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 11 im Thema

Beitrag von Nico »

Ich lese hier wie bei so vielen anderen Themen eigentlich nur drei Fragen raus:
Was ist eine Frau?
Wer ist wann eine Frau?
Wie muss sich eine Frau verhalten?

Was ist ausschlaggebend? Chromosomen, Zuordnung bei der Geburt, Passing, Genitalien, Verhalten, Geschlechtsidentität, Geschlechtseintrag, Erziehung, Brüste, Kleidung,…….

Ich habe das Gefühl, dass einige (trans) Menschen, auch hier im Forum, genau dort die Grenze ziehen, dass sie selber noch gradeso zur gewünschten Kategorie zählen.
LG Nico
[er]
Andrea aus Sachsen
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2502
Registriert: Mi 30. Nov 2011, 08:43
Geschlecht: Transfrau
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 19 Mal
Kontaktdaten:

Re: Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 12 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Jaddy hat geschrieben: Sa 3. Mai 2025, 23:32 Andererseits müssen wir langsam mal Klarheit schaffen.
Völlige Klarheit werden wir hier wohl nie erreichen. Es wird immer Grenzfälle geben, in denen jemand entscheiden muss, ob eine Person die Kriterien xy erfüllt. Ich weiß, das ist wieder Fremdbestimmung, aber werden wir davon jemals ganz loskommen?
In derartigen Fällen wird dann der Ruf nach klareren Gesetzen schnell laut. Ein Blick ins Gesetzbuch und schon wüsste man bzw. frau (natürlich auch divers), was zu tun ist. Doch das halte ich für keine gut Lösung, weil die Gesetze meist fernab vom Ort des Geschehens entstehen würden ohne individuelle Belange zu berücksichtigen. Die Regelung über das Hausrecht sehe ich dagegen als guten Kompromiss, solange nicht versucht wird, dieses unter dem Deckmantel der Gleichbehandlung auszuhebeln.
Wer sich dadurch ungerecht behandelt fühlt, dem steht es natürlich frei, rechtliche Stritte einzuleiten. Doch ob es Sinn macht, Zeit, Geld und Nerven in einen Gerichtsprozess zu stecken? Ich denke, da wäre es einfacher, sich ein anderes Fitnessstudio zu suchen.
Jaddy hat geschrieben: Sa 3. Mai 2025, 23:32 Hätte das Studio eine kleinwüchsige Person abgewiesen oder eine sehr dicke, wäre die Sache ziemlich klar: Optische Präferenzen werden vom Hausrecht nicht gedeckt. Genauso liegt der Fall aber auch hier.
Dieser Vergleich hinkt meines Erachtens ein wenig, sofern besagte Personen Frauen sind. Es macht doch einen Unterschied, ob sogenannte Frauenschutzräume von körperlich nicht optimal ausgestatteten Frauen besucht werden oder von einem augenscheinlichen Mann.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
SylviaM
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 206
Registriert: Sa 10. Sep 2016, 19:43
Geschlecht: M
Pronomen:
Wohnort (Name): Soest
Hat sich bedankt: 28 Mal
Danksagung erhalten: 25 Mal
Kontaktdaten:

Re: Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 13 im Thema

Beitrag von SylviaM »

Jaddy hat geschrieben: So 4. Mai 2025, 00:02 [ingen - https://archive.ph/ovhUw

Nur: Die haben damit gar nichts erreicht. Alles allerhöchstens versuchter Missbrauch - unter Verkennung der Realität.
Der Missbrauch beginnt für mich dort, wo unter Bezugnahme eines Gesetzes jedoch entgegen der Intention des Gesetzes agiert wird. Das ist bei de genannten Fällen durchweg der Fall.

Es muss nicht gleich in einen physischen oder psychischen Missbrauch enden, dann wäre die Aussenwirkung auch um ein vielfaches Höher und eine Änderung der Gesetzeslage zu unseren Ungunsten nicht mehr aufhaltbar.
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3998
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 289 Mal
Danksagung erhalten: 1271 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 14 im Thema

Beitrag von Jaddy »

SylviaM hat geschrieben: So 4. Mai 2025, 17:34
Jaddy hat geschrieben: So 4. Mai 2025, 00:02 Nur: Die haben damit gar nichts erreicht. Alles allerhöchstens versuchter Missbrauch - unter Verkennung der Realität.
Der Missbrauch beginnt für mich dort, wo unter Bezugnahme eines Gesetzes jedoch entgegen der Intention des Gesetzes agiert wird. Das ist bei de genannten Fällen durchweg der Fall.

Es muss nicht gleich in einen physischen oder psychischen Missbrauch enden, dann wäre die Aussenwirkung auch um ein vielfaches Höher und eine Änderung der Gesetzeslage zu unseren Ungunsten nicht mehr aufhaltbar.
Liebich ist die einzige Person, die tatsächlich den Eintrag hat ändern lassen. Die anderen nicht. Allyson nicht, weil noch nicht in Kraft (und er ja auch "nur" das Frauenstatut der Grünen angreifen wollte), Tavassolli weiss mglw genau, dass ihm das nichts bringt. Also: Ein einziger bekannter versuchter, bisher gescheiterter Missbrauch.

Kann sein, dass es in absehbarer Zeit noch mehr probieren werden, die aber genauso gewiss scheitern werden - nachdem sie den bürokratischen Zirkus mit den geänderten Papieren hinter sich gebracht haben. Und dann wird sich das irgendwann rumgesprochen haben.

Die Intention des Gesetzes ist tatsächlich, den Eintrag mit der persönlichen Identität in Einklang zu bringen. Steht so drin in den Dokumenten. Da steht aber auch, dass der Staat auf Fremdbestimmung verzichtet, weil die geschlechtliche Identität nicht von aussen beurteilt werden kann. Punkt. Also ich weiss nicht, ob Marla-Svenja Liebich cis oder trans ist. Ich hab da eine Vermutung angesichts der Biografie, aber wer weiss. Bis dahin gilt: Sie hat staats-offiziell erklärt, sich dem weiblichen sozialen Geschlecht/Gender zugehörig zu fühlen und die neuen Namen zu führen. Also sprechen wir über "sie". Aber that's all. Mehr passiert nicht.

Der für mich zentrale Punkt ist: Es ist aktuell realistisch nicht möglich, sich mittels SBGG irgendwelche Vorteile zu verschaffen. Weil dieser Eintrag einfach rechtlich wertlos ist. Es glauben nur immer noch Leute dran. Deshalb finde ich die Behauptung von irgendwelchem Missbrauchs auch schädlicher als die Leute, die es versuchen. In den Köpfen von Unbedarften, Unterinformierten setzt sich dann nämlich fest, dass irgendein Missbrauch tatsächlich möglich wäre.

Ach so: "Aktuell" deshalb, weil die einzige praktische Auswirkung sein könnte, nicht zum "Dienst an der Waffe" herangezogen zu werden, bzw nicht verweigern zu müssen, um das zu vermeiden. Das nur, falls mal ein Vertiedigungs- oder Spannungsfall ausgerufen oder der "Wehrdienst" tatsächlich aus der Mottenkiste geholt würde.
Lana
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1729
Registriert: Fr 8. Jan 2021, 01:29
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 866 Mal
Danksagung erhalten: 1402 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Zugang verweigert: Transfrau zieht gegen Frauenfitnessstudio vor Gericht

Post 15 im Thema

Beitrag von Lana »

Irgendwie ist es jedesmal das gleiche:
Jemand versucht Verständnis für die Sicht der Frauen zu vermitteln, diesmal für die, die bisher in dem Fitness-Studio trainieren.
Jemand anderes hebt die Diskussion auf eine abstrakte, juristische Ebene, mit der Hauptaussage, dass die personenstandsrechtliche Seite eh keine Rolle spielt und auch gar keine Gefährdung der anderen Frauen nachweisbar sei.

Darum geht es aber gar nicht.
Würde ich in diesem Studio als Frau trainieren, dann würde ich mich womöglich an einer Person neben mir stören, die ich intuitiv dem männlichen Geschlecht zuordnen würde. Schließlich habe ich mich bewusst für ein Studio entschieden, wo ich keine Männer antreffe. Weil ich das nicht möchte. Warum das so ist, geht niemanden was an.

Nun haben wir die auf der anderen Seite die Transfrau, der es genauso geht. Auch sie möchte in einer Umgebung trainieren, wo sie nicht auf Männer trifft. Weil sie das nicht möchte. Warum das so ist, geht niemanden was an.

Auf den ersten Blick wäre sie in dem Frauenstudio gut aufgehoben, wäre da nicht die Anatomie ihres Körpers. Die ist nämlich männlich. Gut, sagt sie, ich will ja niemanden mit meiner Anwesenheit behelligen. Ich weiß ja selbst, wie unangenehm es sein kann, ein Rudel Männer um sich zu haben. Aber erstens bin ich nur eine Person, und zweitens laufe ich nicht nackig in der Dusche rum, oder noch besser, ich benutze die Dusche dort gar nicht und ziehe mich zu Hause um.

So verstehe ich die Ausgangslage. Ich denke, damit müsste man den meisten Befindlichkeiten gerecht werden können.

Wenn eine Seite dann trotzdem nicht möchte, dann ist das halt so. Wenn ich keine Menschen mit Penis in meinem Laden haben will, dann lass ich die nicht rein. Passiert vor jedem Club in jeder beliebigen Nacht ganz oft. Wird mit Hausrecht begründet. Hat jemand ein Problem damit?
Ja klar, alle die nicht reinkommen.

Rennen die gleich zum Gericht und wollen sich reinklagen? Stecken es dann der Presse, um öffentlich Druck zu machen?
Nein, weil es meistens ohnehin benachteiligte Menschen ohne Lobby sind. Junge Männer mit arabischen Wurzeln zum Beispiel. Die bekämen eh nur zu hören:
Geschieht dir wahrscheinlich ganz recht so.


Ich halte es für schlechten Stil, diesen Anlass hier zum Anlass für eine juristische Auseinandersetzung zu nehmen. Weil es da keine Gewinner geben kann.

Beschädigt ist schon jetzt die Inhaberin des Studios, aber auch die Klägerin, die durch ihre Sturheit allen trans Menschen einen Bärendienst erweist. Bestätigt sie doch den Irrglauben, dass das neue Gesetz ein Einfallstor für Männer in Frauenräume sei, wie es von interessierter Seite wieder und wieder behauptet wird.

Und wenn es dumm läuft, steht am Ende ein ähnliches Urteil wie neulich in GB. Dann wissen wir zwar ganz genau, wie Frau juristisch definiert ist, aber diese Definition könnte uns womöglich gar nicht gefallen.

Ist der aktuelle Stand wirklich so diskriminierend und benachteiligend, dass wir mit dem Kopf durch die Wand müssen? Oder können wir mit den Fortschritten der letzten Jahre nicht sehr gut leben? Sollten wir das nicht auch mal anerkennen und den vielen Menschen da draußen, die Trans nicht als eigenes Thema haben, ein bisschen Zeit geben, sich darauf einzustellen, so wie das im Laufe der Jahre mit Homosexualität passiert ist?

Gesellschaftliche Akzeptanz muss wachsen. Wir können sie nicht erzwingen, weder mit Aktivismus, noch vor Gericht.

Und an dieser Stelle komme ich zu mir selbst zurück:
Mir ist sehr klar bewusst, dass ich hier nur deshalb so leben kann wie ich bin, weil ich auf einen wohlwollenden Umgang der vielen unbeteiligten Menschen um mich herum zählen kann. Sobald das nicht mehr der Fall ist, wird niemand mehr von uns hier friedlich und sicher leben können. Daher sehe ich solche Aktionen mit sehr gemischten Gefühlen.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
Antworten

Zurück zu „Meldungen, Literatur, Filme, Theater, Tanz, Fernsehsendungen“