Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung/Ausschuss
Der Klimawandel stellt das Wassermanagement in Deutschland vor wachsende Herausforderungen. In einem öffentlichen Fachgespräch im Bundestag am Mittwochnachmittag diskutierten Fachleute und Abgeordnete über das Thema "Zukunftsfähiges Wassermanagement in der Landwirtschaft". Organisiert vom Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, widmete sich die Veranstaltung den Risiken des Klimawandels für die Wasserversorgung und beleuchtete innovative Strategien, um die Resilienz der Landwirtschaft zu stärken. Die Moderation übernahm Armin Grunwald, Leiter des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) und des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS).
Der Ausschussvorsitzende Kai Gehring (Bündnis 90/Die Grünen) hob die zentrale Bedeutung des Wassers hervor: "Wasser ist nicht nur Lebensgrundlage und Lebensmittel für alle, sondern auch ein zentraler Faktor für die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen." Angesichts des Klimawandels und knapper werdender Ressourcen sei eine wissenschaftlich fundierte Orientierung durch das TAB unverzichtbar, um zukunftsweisende Entscheidungen treffen zu können.
Das TAB stellte dabei Zwischenergebnisse seines diesjährigen Resilienz-Checks vor: Tim aus der Beek, Forschungsleiter im Bereich Wasserressourcenmanagement am IWW Zentrum Wasser, präsentierte alarmierende Zahlen: Zukünftig werde der Wasserbedarf sowohl in Haushalten als auch in der Landwirtschaft deutlich steigen. Bis 2100 könnte der Wasserbedarf in der Landwirtschaft um 300 Prozent zunehmen. Auch der Wasserbedarf pro Kopf und Tag könnte um 20 Liter steigen.
Auch die Veränderungen im Niederschlagsmuster - trockenere Sommer und stärkere Regenfälle im Winter - erschwerten eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung. Besonders gefährdet seien zukünftig die Großstädte, der Großraum Uelzen und Süddeutschland. Aus der Beek hob hervor, dass Maßnahmen wie Wasserrückhalt, die Nutzung von Starkregen und die Speicherung von Wasser für trockene Perioden essenziell seien.
Das TAB und das Projektteam des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) stellten drei Schlüsselbereiche für ein zukunftssicheres Wassermanagement vor: innovative Bewässerungssysteme, neue Bewirtschaftungsformen und geschlossene Produktionssysteme. Diese Ansätze sollen die Effizienz erhöhen, Wasserverluste minimieren und die Abhängigkeit von saisonalen Niederschlägen verringern.
André Uhl vom Projektteam Resilienz-Check erklärte, dass innovative Bewässerungssysteme wie automatisierte Regenmaschinen eine effizientere Wasserverteilung ermöglichen könnten. Darüber hinaus gewönnen Systeme zur Wiederverwendung von Wasser an Bedeutung, um knappe Ressourcen mehrfach zu nutzen. Wasserspeichersysteme, die Starkregen speichern und für Trockenzeiten aufbereiten, könnten ebenfalls dazu beitragen, die Verfügbarkeit zu stabilisieren. Da viele dieser Systeme auf Künstliche Intelligenz (KI) setzten, um den Wasserverbrauch zu optimieren, warnte Uhl vor neuen Risiken: Die zunehmende Technologisierung könnte durch Cyberangriffe oder Datensicherheitsprobleme gefährdet werden. Um solche Systeme flächendeckend einzusetzen, seien Investitionen in Forschung, technische Sicherheit und Infrastruktur erforderlich.
Carolin Kahlisch vom IZT betonte, dass innovative Ansätze wie Agroforstsysteme oder Agri-PV-Anlagen (Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen) neue Wege eröffnen könnten. Agroforstsysteme integrierten Bäume und Sträucher in landwirtschaftliche Flächen, was die Wasserspeicherung im Boden verbessere. Agri-PV-Anlagen böten Schutz vor Verdunstung und eine zusätzliche Einkommensquelle für Landwirte. Dennoch blieben diese Ansätze voraussichtlich vorerst eine Nische, da hohe Anfangsinvestitionen und Anpassungskosten für Landwirte eine Herausforderung darstellten. Mittelfristig könnten politische Förderungen und technologische Fortschritte den Wandel beschleunigen. Gleichzeitig weisen die innovativen Systeme Schwachstellen auf, erklärte Kahlisch. So könnten sie etwa durch Extremwetterereignisse wie Hagel beschädigt werden.
Nona Bledow vom IZT stellte geschlossene Produktionssysteme wie Indoor-Farming oder Präzisionsfermentation vor. Diese Systeme nutzten vollständig kontrollierte Umgebungen, um Pflanzen anzubauen oder Lebensmittel zu produzieren. Ein Beispiel sei kultiviertes Fleisch, das langfristig die Viehzucht ergänzen könnte. Geschlossene Systeme minimierten den Wasserverbrauch und reduzierten die Abhängigkeit von saisonalen Bedingungen. Allerdings seien sie aktuell noch kostspielig und energieintensiv, erklärte Bledow. Bis 2035 könnten Veränderungen in der Konsumnachfrage und technologische Fortschritte diese Systeme verbreitern. Forschungsförderung und ein Ausbau der erneuerbaren Energiequellen seien entscheidend, um die Entwicklung zu beschleunigen, so Bledow.
Insgesamt brauche es einen "integrativen und systematischen Ansatz", um den Herausforderungen im Wassermanagement zu begegnen, sagte Ingo Kollosche, Leiter des Forschungsfelds Zukunftsforschung und Transformation beim IZT. Zudem müsse auch regionalspezifisch geschaut werden, welche Maßnahmen beim Wassermanagement anwendungsfähig und effizient seien.
Abgeordnete aller Fraktionen waren sich einig, dass ein systematischer und regionalspezifischer Ansatz nötig ist. Lars Rohwer (CDU) forderte, die Wasserstrategie in Zusammenarbeit mit Ländern und Kommunen umzusetzen, während Holger Becker (SPD) die Multidisziplinarität der Problemlösung betonte. Stephan Seiter (FDP) machte auf die Bedeutung einer besseren digitalen Infrastruktur aufmerksam, um innovative Systeme voranzutreiben, während Laura Kraft (Bündnis 90/Die Grünen) Diversität als Schlüssel zur Resilienz hervorhob. Michael Kaufmann (AfD) forderte einen größeren Fokus auf die Stärkung natürlicher Wasserkreisläufe.
Auch in der anschließenden Podiumsdiskussion mit Expertinnen und Experten, Beteiligten des TAB-Projekts und Mitgliedern des Deutschen Bundestages wurde deutlich, dass die Anpassung an den Klimawandel und die Optimierung des Wassermanagements entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft und der Gesellschaft sind. Es brauche Investitionen, Forschung und politische Maßnahmen, um sowohl technologische als auch natürliche Lösungen voranzutreiben. Kai Gehring betonte: "Es ist hochrelevant, den Blick in die Zukunft zu richten."
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