Geschlechtsidentität im Gesetz: Esoterische Vorstellung | taz | Kommentar
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Anne-Mette
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Geschlechtsidentität im Gesetz: Esoterische Vorstellung | taz | Kommentar
Das Selbstbestimmungsgesetz führt einen Geschlechtsbegriff ein, der dazu beiträgt, dass sexistische Stereotype nicht mehr hinterfragt werden.
https://taz.de/Geschlechtsidentitaet-im ... /!6043902/
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Jaddy
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Re: Geschlechtsidentität im Gesetz: Esoterische Vorstellung | taz | Kommentar
Die Autorin ist Chantalle El Helou, die ihre Vorstellungen schon durch diverse Artikel getragen hat. Es sind immer die gleichen falschen Interpretationen.
Ich gehe noch mit, dass sich der Staat mit dem SBGG aus der Debatte herauszieht, was Geschelcht nun eigentlich ist und dies "der Gesellschaft" überlässt. Das finde ich aber auch sehr gut. Für staatliche Aufgaben ist eine Festlegung dazu ebensowenig erforderlich, wie Aussagen zu Religion. Es reicht anzuerkennen, dass Vergeschlechtlichung als Aspekt existiert und das Zusammenleben so zu regeln, dass die Werte des Grundgesetzes eingehalten werden. Mehr wäre Gängelung und damit von übel.
Tatsächlich wird durch das SBGG aber gerade nicht "total vergeschlechtlicht". Die Vergeschlechtlichung findet vollkommen unabhängig von Gesetzen statt. Bei Produkten "for men", bei stetiger und tw exzessiver Zweiteilung von Räumen und Gruppen, usw. Mit der gleichen Argumentation müsste sich El Helou auch gegen die Abschaffung aller anderen geschlechtsspezifischen Regelungen wenden, zB bei Rente etc.
Bei der allgemeinen Vergeschlechtlichung sehe ich auch eine Zunahme in den letzten Jahren. Anders gesagt: An einigen Stellen waren wir schon mal weiter. Ich weiss nicht, ob ein Mario Barth in den 80ern so viel Publikum gehabt hätte. Vielleicht ist das auch eine Reaktion auf die rechtliche Gleichstellung. Auch cis geschelchtliche Menschen möchten ihre Identität (im Sinne von Zugehörigkeit) schärfen. Da beissen sich dann Style und Gleichstellung.
In anderen Bereichen beginnt die echte Arbeit aber jetzt erst richtig. Vor allem in der Arbeitswelt. #metoo & Co und die Benachteilung aller nicht-cis-männlichen Menschen.
El Helous zentraler Fehlschluss ist, dass die Selbstbestimmung den Sexismus auflösen würde. Im Gegenteil. Selbstbestimmung bedeutet die Souveränität darüber, wie ich behandelt werden will. Sexismus hingegen ist die Fremdbestimmung anderer über mich. Das beginnt mit deren Mutmassung aufgrund der äusseren Erscheinung, wie sie mich ansprechen, welche Geschechtsstereotype sie mir unterstellen usw.
Sexismus gegen Frauen betrifft alle, die als "weiblich" gelesen werden. Sei es per Augenschein oder per Name. Eine staatliche Definition von geschlechtlichen Parametern oder Gutachten ändert daran absolut gar nichts.
Naja und zum Ende hin driftet sie natürlich in die Mythen ab, die sie eigentlich motivieren und Basis ihrer intellektuellen Verklausulierungen sind: Männer wollen in Frauenräume eindringen und der Staat schleift die (Selbst)Schutzrechte von Frauen. Was Unfug ist. Auch die Hausrechtsbehauptung, wo sie bis nach Australien ausgreifen muss.
Ganz deutlich wird dies mit dem Satz "Transmenschen auszuschließen bedeutet nicht, der Existenz dieser Individuen feindlich gegenüberzustehen, sondern schlicht, gewisse Räume nicht mit ihnen teilen zu wollen". Tja, was heisst das übersetzt: Einige Frauen definieren nicht nur, wer für sie eine Frau ist, sondern sie wollen dies am besten auch gesetzlich festschreiben. Basierend auf biologischen Parametern. Das ist die genaue Definition von TERF.
Mit der Anerkennung von 1-4% TIN Personen wird sich am Sexismus nichts ändern. Die Auseinandersetzung findet gegenüber der cis-männlichen Dominanz statt, also gegenüber dem Patriarchat, auf das das SBGG absolut keine Auswirkungen hat.
Ich gehe noch mit, dass sich der Staat mit dem SBGG aus der Debatte herauszieht, was Geschelcht nun eigentlich ist und dies "der Gesellschaft" überlässt. Das finde ich aber auch sehr gut. Für staatliche Aufgaben ist eine Festlegung dazu ebensowenig erforderlich, wie Aussagen zu Religion. Es reicht anzuerkennen, dass Vergeschlechtlichung als Aspekt existiert und das Zusammenleben so zu regeln, dass die Werte des Grundgesetzes eingehalten werden. Mehr wäre Gängelung und damit von übel.
Tatsächlich wird durch das SBGG aber gerade nicht "total vergeschlechtlicht". Die Vergeschlechtlichung findet vollkommen unabhängig von Gesetzen statt. Bei Produkten "for men", bei stetiger und tw exzessiver Zweiteilung von Räumen und Gruppen, usw. Mit der gleichen Argumentation müsste sich El Helou auch gegen die Abschaffung aller anderen geschlechtsspezifischen Regelungen wenden, zB bei Rente etc.
Bei der allgemeinen Vergeschlechtlichung sehe ich auch eine Zunahme in den letzten Jahren. Anders gesagt: An einigen Stellen waren wir schon mal weiter. Ich weiss nicht, ob ein Mario Barth in den 80ern so viel Publikum gehabt hätte. Vielleicht ist das auch eine Reaktion auf die rechtliche Gleichstellung. Auch cis geschelchtliche Menschen möchten ihre Identität (im Sinne von Zugehörigkeit) schärfen. Da beissen sich dann Style und Gleichstellung.
In anderen Bereichen beginnt die echte Arbeit aber jetzt erst richtig. Vor allem in der Arbeitswelt. #metoo & Co und die Benachteilung aller nicht-cis-männlichen Menschen.
El Helous zentraler Fehlschluss ist, dass die Selbstbestimmung den Sexismus auflösen würde. Im Gegenteil. Selbstbestimmung bedeutet die Souveränität darüber, wie ich behandelt werden will. Sexismus hingegen ist die Fremdbestimmung anderer über mich. Das beginnt mit deren Mutmassung aufgrund der äusseren Erscheinung, wie sie mich ansprechen, welche Geschechtsstereotype sie mir unterstellen usw.
Sexismus gegen Frauen betrifft alle, die als "weiblich" gelesen werden. Sei es per Augenschein oder per Name. Eine staatliche Definition von geschlechtlichen Parametern oder Gutachten ändert daran absolut gar nichts.
Naja und zum Ende hin driftet sie natürlich in die Mythen ab, die sie eigentlich motivieren und Basis ihrer intellektuellen Verklausulierungen sind: Männer wollen in Frauenräume eindringen und der Staat schleift die (Selbst)Schutzrechte von Frauen. Was Unfug ist. Auch die Hausrechtsbehauptung, wo sie bis nach Australien ausgreifen muss.
Ganz deutlich wird dies mit dem Satz "Transmenschen auszuschließen bedeutet nicht, der Existenz dieser Individuen feindlich gegenüberzustehen, sondern schlicht, gewisse Räume nicht mit ihnen teilen zu wollen". Tja, was heisst das übersetzt: Einige Frauen definieren nicht nur, wer für sie eine Frau ist, sondern sie wollen dies am besten auch gesetzlich festschreiben. Basierend auf biologischen Parametern. Das ist die genaue Definition von TERF.
Mit der Anerkennung von 1-4% TIN Personen wird sich am Sexismus nichts ändern. Die Auseinandersetzung findet gegenüber der cis-männlichen Dominanz statt, also gegenüber dem Patriarchat, auf das das SBGG absolut keine Auswirkungen hat.
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ExUserIn-2026-04-08
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Re: Geschlechtsidentität im Gesetz: Esoterische Vorstellung | taz | Kommentar
Es ist ja schön, dass die TAZ auch andere Meinungen zu Wort kommen lässt. Ich will ja auch nicht sagen, dass der Kommentar, selbst nach Inkrafttreten des SSBG noch nachtritt. Ich will ja auch nicht sagen, dass die Autorin vorsätzlich tatsachen unterschlägt, 
aber der Satz
aber der Satz
Gibt mir doch zu denken. Wurde das Hausrecht geändert ? Wieso sollte dann heute Dinge erzwungen werden können. Das Gesetz stärkt ja gerade das Hausrecht.Das Hausrecht soll zwar formell Handlungsfähigkeit gewährleisten, doch das kann faktisch durch Klagen und hohe Entschädigungszahlungen zermürbt werden.
Welche Räume geteilt werden, entscheidet doch der Eigentümer der Räume und keine wie auch immer gestaltete Gesinnung.Transmenschen auszuschließen bedeutet nicht, der Existenz dieser Individuen feindlich gegenüberzustehen, sondern schlicht, gewisse Räume nicht mit ihnen teilen zu wollen.
Es mag ja sein, dass es solche Menschen gibt, aber ist es wirklich "Common Sense" ? Ich sehe das nicht, denn die Beharrlichkeit liegt ja auf der anderen Seite. Da werden Forderungen und Untersagungen von einer Seite gefordert, denen das gar nicht zusteht. Es gilt in Saunen und Toiletten etc. das Hausrecht des Eigentümers.Es ist zum Common Sense geworden, es als Transfeindlichkeit zu bezeichnen, wollen andere diesem Beharren nicht nachkommen.
Den Satz finde ich besonders "schön". Natürlich unterliege ich der Begrenztheit meiner Möglichkeiten. Das hat aber nichts damit zu tun, was ich empfinde. Ist es nicht eine diktatorische Anmaßung, mir diese Gefühlswelt abzusprechen ? Besonders amüsant finde ich, dass die Autorin von "lesbischen Zusammenschlüssen" schreibt. Glaubt sie etwa, dass sei der Sinn des SSBG ? Im SBGG wird mir nur das Recht zugestanden, dass ich in rechtlicher Hinsicht selber bestimmen kann, welcher Eintrag in meinem Ausweis zu stehen hat. Mehr nicht.Die Behauptung von "Geschlechtsidentität" ist hier das trotzige Beharren auf Teilhabe und das Nichtanerkennen der Begrenztheit eigener Möglichkeiten: Auch als Mann möchte man Teil lesbischer Zusammenschlüsse sein.
Wer behauptet das denn ? Meine Sexualität und mein Geschlecht sind Teil meiner Identität, nicht umgekehrt.So wenig wie Sexualität eine Identität ist, ist es Geschlecht,
Ich glaube, ich überdenke noch einmal mein Eingangsstatement ...So ist die Forderung, alle müssten der Selbstaussage Glauben schenken und dies müsse sich auch gesetzlich manifestieren, die Manifestierung der "Geschlechtserkenntnis von innen".
Viele Grüße
Vicky
Respekt ist nicht teilbar.
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Jaddy
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Re: Geschlechtsidentität im Gesetz: Esoterische Vorstellung | taz | Kommentar
Genau so ist es. -§6(2) "Betreffend den Zugang zu Einrichtungen und Räumen sowie die Teilnahme an Veranstaltungen bleiben die Vertragsfreiheit und das Hausrecht des jeweiligen Eigentümers oder Besitzers sowie das Recht juristischer Personen, ihre Angelegenheiten durch Satzung zu regeln, unberührt."Vicky_Rose hat geschrieben: Di 5. Nov 2024, 13:36aber der SatzGibt mir doch zu denken. Wurde das Hausrecht geändert ? Wieso sollte dann heute Dinge erzwungen werden können. Das Gesetz stärkt ja gerade das Hausrecht.Das Hausrecht soll zwar formell Handlungsfähigkeit gewährleisten, doch das kann faktisch durch Klagen und hohe Entschädigungszahlungen zermürbt werden.
Das einzige, was eins nicht machen darf: Sich auf das biologische Geschlecht als Grund beziehen. Aber die Begründung jenes Fitness-Studios, muslimische Frauen und Opfer männlicher sexueller Gewalt würden sich von männlichen Geschlechtsteilen bedroht fühlen, ist vermutlich bereits stichhaltig.
Eine Zermürbungstaktik ist theoretisch denkbar, aber faktisch wohl sehr unwahrscheinlich. Die meisten TIN Personen gehen lieber gar nicht in ein Gym oder Sauna oder Schwimmbad, als sich reinzuklagen. Das Ergebnis dürfte wohl nie ein entspanntes Erleben sein.
*hihi* ja, da dürfte sie mit jenen aneinanderrasseln, die sich stark für das L in FLINTA* einsetzenVicky_Rose hat geschrieben: Di 5. Nov 2024, 13:36Wer behauptet das denn ? Meine Sexualität und mein Geschlecht sind Teil meiner Identität, nicht umgekehrt.So wenig wie Sexualität eine Identität ist, ist es Geschlecht,
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 5. Nov 2024, 13:36 Ich glaube, ich überdenke noch einmal mein Eingangsstatement ...
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Lavendellöwin
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Re: Geschlechtsidentität im Gesetz: Esoterische Vorstellung | taz | Kommentar
Hmmm...Vicky_Rose hat geschrieben: Di 5. Nov 2024, 13:36Ich glaube, ich überdenke noch einmal mein Eingangsstatement ...So ist die Forderung, alle müssten der Selbstaussage Glauben schenken und dies müsse sich auch gesetzlich manifestieren, die Manifestierung der "Geschlechtserkenntnis von innen".
glauben kann ich nur was ich auch wirklich spüre und wahrnehme und wird denn Glaube/n gesetzlich verordnet?
Ich denke nein..
sondern nur das ich auf rationaler Ebene jede Person so sein lassen kann und sollte, wie sie sich wahrnimmt. Und das ist sowieso irgendwie klar...
dachte ich zumindest.
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.