Geschlechtsidentitäten: Mein Aussehen, deine Meinung | Terra Xplore
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zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
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Liv
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Geschlechtsidentitäten: Mein Aussehen, deine Meinung | Terra Xplore

Post 1 im Thema

Beitrag von Liv »

Terra Xplore mit Leon Windscheid & Avi Jakobs:
Wir lernen, was es heißt Frau oder Mann zu sein und bewegen uns dann oftmals in diesem vorgefertigten, kleinen Raum. Aber was passiert, wenn ich diesen Normen nicht entspreche? Warum braucht man diese Attribute überhaupt? In einem aufwändigen Studioexperiment erleben 14 Menschen, wie tief #Vorurteile in uns verwurzelt sind und welchen Einfluss sie auf unseren Umgang miteinander haben.
Lavendellöwin
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Re: Geschlechtsidentitäten: Mein Aussehen, deine Meinung | Terra Xplore

Post 2 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Hey...

ich bin heute bei YT nochmal über diese Doku gestolpert und fand sie wirklich spannend.
Ganz dunkel hatte ich auch im Hinterkopf, das ich etwas in der Richtung hier gesehen hatte.

Also vielen Dank Liv, das du sie geteilt hattest.


Gestern ist mir zum Thema Stereotype auch selbst etwas passiert. Naja passiert, irgendwie hatte ich mich
dabei schon leicht seltsam gefühlt.

Ich habe Freunden beim Umzug geholfen und habe vor dem Haus dann Leute getroffen, die auch geholfen haben
und mit denen ich noch nicht bekannt war.

Also habe ich mich vorgestellt und wir haben zu dritt angefangen die Pflanzen auf den Balkon zu bringen.
Da waren auch schwerere Kästen und Kübel dabei..jedenfalls hat Annette ziemlich schnell zu mir gesagt,
die schweren Sachen sollen dann doch lieber die Männer machen..
das fand ich strange denn einerseits hätte ich mir die zugetraut und andererseits habe ich vielleicht meine
Ausstrahlung wieder nicht richtig eingeschätzt.
Sie hat tatsächlich mich noch mehrmals gebremst ich soll die schwereren Sachen sein lassen. Hmm..
sie hat die Augen verdreht weil ich dennoch helfen wollte.

Wo jetzt meine Gedanken so ein wenig kreisen: ich konnte es nicht vollständig annehmen wie sie mich eingeschätzt hat.
Kenne ich mich wirklich richtig, was sind die Stereotype die ich mir selber noch zuschreibe, kann ich die völlig loslassen
oder sitzen sie selbst bei mir so tief?

Wie sehr habe ich mich denn tatsächlich verändert in den letzten 6, 7 Jahren? Vor kurzem war ja mein 6ter Hormongeburtstag.
Ich weiss das nicht mehr..und nicht alle Tage sind gleich..

Naja...habt es gut Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Susi T
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Re: Geschlechtsidentitäten: Mein Aussehen, deine Meinung | Terra Xplore

Post 3 im Thema

Beitrag von Susi T »

Lavendellöwin hat geschrieben: So 22. Sep 2024, 14:55
Wo jetzt meine Gedanken so ein wenig kreisen: ich konnte es nicht vollständig annehmen wie sie mich eingeschätzt hat.
Kenne ich mich wirklich richtig, was sind die Stereotype die ich mir selber noch zuschreibe, kann ich die völlig loslassen
oder sitzen sie selbst bei mir so tief?
Ja spannende Geschichte, Stereotype, Sozialisierung, das sind alles wechselhafte Einflüsse die uns selbst und unsere Mitmenschen beeinflussen. Da ist das Video gut in der Betrachtung das manches gut ist, aber manches auch schadet.
Die Frage Marie ist, ob ein völliges loslassen nötig ist, wenn du in deinen alten Verhaltensweisen deine Stärken siehst.
Vieleicht gibt es aber auch andere Stärken, die nun auch ausgespielt werden können, aber das können wir nur Stück für Stück ausprobieren und gegebenenfalls neu erlernen.
Wenn kräftige Hände benötigt werden ist es gut mit anlangen zu können und wenn andere Dinge benötigt werden ist es gut wenn sich dafür jemand findet. Wer es gewohnt ist schwer mit anzupacken hat vieleicht keinen Sinn für Vor und Nacharbeiten. Vergißt die Verpflegung, das gute verpacken und sortieren... genug zu tun gibt es immer und unser Vorteil ist oft, das wir vieleicht mehr können als nur schwere Dinge zu tragen, was andere vieleicht besser können, oder ausschließlich.

Bei mir ist die Sache eigendlich viel einfacher, ich habe nichtmal genug Kraft um mit den meisten Frauen mitzuhalten, trotzdem hab ich lange Zeit versucht meinen Job als "Mann im Haus" zu erfüllen. Mit fortschreitender Krankheit völlig dumm, aber das was von mir erwartet wurde.
Vor 2 Jahren hab ich angefangen mich davon zu trennen. Anstatt kurze Zeit alles zu geben und dann den Rest der Zeit unnütz zu sein, erfüll ich andere Jobs. Ich hab Erfahrungen, damit kann ich vorplanen und vorbereiten. Bei Schwierrigkeiten evt. Aushelfen oder mich um Verpflegung, beschaffen von Material oder für gutes Arbeitsumfeld sorgen. Genug Dinge, die Hilfreich sind und für die andere keine Gedanken haben.

"Deine Mutti weiß aber echt gut bescheid" wurd dann schonmal gesagt, wenn ich meiner Tochter erklärte wie wir die Arbeit doch schaffen konnten und ihr zeige wie sie wo anpacken muß, denn die schweren Dinge mußte sie erledigen.
Ich kann glücklicherweise einiges was Männer oder Frauen typischerweise machen, da ich in meiner Kindheit vieles davon gelernt habe. Aber ich hab auch langsam begriffen das das untypisch ist. Von 9-12 Lebensjahr war ich Ersatzmutter eines Neugeborenes und eines 5 Jahre jüngeren Geschwisterlein. Vorher hab ich schon lange die typischen Mädchenarbeiten gemacht, weil meine einzige Schwester 10 Monate vor mir geboren und gestorben ist. Trotzdem hab ich auch jahrelang in meiner Jugend auf dem Bau gearbeitet als meine Mutter dort weniger arbeiten wollte. Genauso hab ich mich auch gegen Jungens behauptet und bin in typische Männerrolle geschlüpft. Sowas wirkt sich auch aus und die Erfahrungen sind ja nichts schlechtes.
Was man dann auslebt ist eine andere Sache.
Es stimmt aber schon das sich Männer nur ungerne was von einer Frau sagen lassen und so lass ich Sie oft einfach machen und geb dann nur Anregungen wenn es dann mal nötig ist, auch wenn es mich so manchesmal kribbelt. Andererseits mag ich es auch typisch Frauendinge mit einzubringen, denn früher hat es so manches mal dran gemangelt, wenn ich es nicht auch gemacht habe und oft konnte ich kaum beides erledigen.
Vieleicht ist es mein Vorteil das ich so manches einfach nur zulassen muß und nicht alles neu erlernen. Ich reagiere oft dadurch ganz selbstverständlich und rutsche ganz normal in diesem typisch weiblichen mit rein. Aber das war schon immer so, nur wundert sich niemand mehr drüber. Es ist etwas bei dem ich mich wohl fühle und fast schon Dankbar für diese Stereotype bin, denn nun passt es ja zu mir und wird so wargenommen. Ich finde mich so selbstverständlich in Frauengesellschaft, ohne danach suchen zu müssen.
Trotzdem hab ich auch weiterhin andere Stärken und auch das ist gut und auch das ist manchmal gefragt.
Liebe Grüße, Tira
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
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Re: Geschlechtsidentitäten: Mein Aussehen, deine Meinung | Terra Xplore

Post 4 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Tira hat geschrieben: Mo 23. Sep 2024, 14:08 ob ein völliges loslassen nötig ist, wenn du in deinen alten Verhaltensweisen deine Stärken siehst.

Hey...

naja, hmm, ich finde es schlimm, wenn ich nach der Zuordnung in eine Schublade etwas können sollte.
Noch viel schlimmer finde ich aber das mir jemand etwas nicht zutraut, weil ich die bin die ich bin.

Herberger Frauen waren immer starke Frauen, die getan haben, was ansteht und da bin ich nicht anders.
Das meine ich jetzt nicht bezogen auf körperliche Kraft, denn da habe ich tatsächlich nicht so viel, sondern eher
den Gedanken, das ich alles schaffen kann, was ich mir auch zutraue. Und meine Mama ist vielfach auch
mental über sich hinausgewachsen, das ist einfach mein Erbe.

Es war für alles gesorgt, ich, wir alle waren nur zum tragen bestellt.
Vorher hatte ich mich schon um den Telefonanschluss und die Netzwerkdinge gekümmert und Nane weiss
das sie mich um jeden Gefallen, egal welcher Art bitten darf.

Ich wurde auch nicht nach Rolle erzogen, denn meine Eltern hatten schon die typische hetero-Verteilung nicht,
ich durfte was ich wollte. Trotzdem ertappe ich mich halt dabei, Stereotype bei mir zu beobachten obwohl die
so kein bisschen etwas mit meiner Geschlechstidentität zu tun haben. Ich will einfach nur tun können worauf
ich grade Lust hab und es auch schaffen kann, da ich keinen Sinn darin sehe mich durch Rollenbilder einschränken zu lassen.

Ich trage ja auch schon von der Biologie her beides in mir, genau wie du, das heisst doch im Grunde das ich genau
das erfülle was ich bin, genau wie ich von der einen Person weiblich und von der anderen zu gleichen Zeit männlich gelesen werde.
It is what it is...

habs gut, Marie (flo)
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Re: Geschlechtsidentitäten: Mein Aussehen, deine Meinung | Terra Xplore

Post 5 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Tira hat geschrieben: Mo 23. Sep 2024, 14:08 Ja spannende Geschichte, Stereotype, Sozialisierung, das sind alles wechselhafte Einflüsse die uns selbst und unsere Mitmenschen beeinflussen.
Finde ich auch spannend. Das fängt bei schon damit an, wen oder was ich im Spiegel eigentlich sehe. Das wechselt immer wieder einmal, aber es ging immer in Richtung einer Kategorie und gleichzeitig war mir klar, dass ich in keine passe. Ganz schwierig wird es, das in Gesprächen mit meiner Frau deutlich zu machen. Sie versteht das nicht, weil sie vor dem Hintergrund der Kategorien denkt.

Was ist Wunschdenken, was "Realität" ? Ein Satz wie, "lass' das die Männer machen" ist auch ein Satz vor dem Hintergrund von Kategorien. Mir würde der Satz den Boden unter den Füssen wegziehen. Er wäre eine Bestätigung meiner Weiblichkeit, schafft aber gleich wieder eine neue Einordnung in eine Kategorie. Ginge es um die Frage der Körperkraft alleine, wäre es einfacher für mich zu sagen, dass das Andere besser können. Aber so werde ich gleich in einen Topf mit Zuweisungen geworfen.

Ich denke, es geht in den Gesprächen mit meiner Frau um ähnliches. Und viele Partnerinnen sagen ja, dass sie einen Mann geheiratet haben und keine Frau. Die Kategorisierung impliziert automatisch auch alle anderen zugeschriebenen Eigenschaften, die ja real gar nicht zutreffen. Wir sagen dann gerne, dass sich doch eigentlich gar nichts ändert außer ein paar Kleidungsstücke. Wie kommt man da heraus ? Wir nutzen durch unsere Art, wie wir uns darstellen, genau die Stereotype, die uns einschränken. Es ist ein klassisches Dilemma. Wir brauchen die Stereotype zum Ausdruck, widersetzen uns aber der "Definition" und reklamieren Selbstbestimmung. Wo liegt der Fehler ?

Ich bin gemacht, wie ich bin. Daran will und werde ich nicht rütteln. Doch wie kann ich das erkennen, wenn ich ausschließlich auf Stereotype angewiesen bin. Wie kann ich mich ausdrücken, wenn ich auf Stereotype angewiesen bin ? Im Kern sehe ich das Problem darin, wie stringend die Stereotype angewandt werden bzw. wie flexibel können sie gehandhabt werden. Liegt darin der Königsweg ?
Viele Grüße
Vicky

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Susi T
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Re: Geschlechtsidentitäten: Mein Aussehen, deine Meinung | Terra Xplore

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Beitrag von Susi T »

Ja, da kann ein möglicher Weg liegen und ab und zu sieht man dahin Entwicklungen.
Zu Beginn einer Transistion geht meist vieles um Passing, möglichst unauffällig leben. Wenn das erreicht ist entwickeln sich manche weiter und suchen ihren eigenen Style, wärend andere froh sind nicht weiter aufzufallen. Manche angagieren sich in queere Themen, auch wenn das ein ständiges Outing bedeutet, andere werden freier in Outfit oder Tätigkeiten und scheren sich nicht mehr ständig darum was besonders weiblich ist, sondern sind so wie sie sich fühlen. Da kommt dann schonmal eine Bundesoffizierin daher und läßt sich einen Bart stehen. Sicherlich etwas ungewöhnlich, aber nur mit einer ordenlichen Portion Selbstbewustsein möglich.
Wie weit da gegangen wird entscheidet jede/r für sich selbst.
Ich selber beweg mich aktuell nur im Bereich der Stereotype, aber laß mir da auch keine engen Grenzen mehr setzen. Als sportliche Frau kann ich vieles ausleben, selbstbewußt meinen eigenen Style leben. Auffallen wenn ich mag, aber auch mal chillig im Strom schwimmen, wenn ich es mag oder brauche. Mal leicht Overdresst rumlaufen, oder auch mal ungeschminkt und einfach gedresst. Das sind dann Freiheiten die mir gut tun, meinen eigenen Weg finden lassen.
Manchmal wird vieleicht auch mal ein dickeres Fell gebraucht, wie am Wochenende erlebt, als ein Besoffener uns gegenüber sehr lautstark wurde. Da ist dann auch jedliches reden, was mir eigendlich sehr gut liegt, völlig überflüssig. Schreien lassen und ignorieren ist da dann das was ich von meiner Liebsten mir abschauen konnte, auch wenn die halbe "Einkaufsstraße" geschaut hat.
Sicherlich wäre das nicht passiert, wenn wir unauffälliger gekleidet gewesen wären, aber wir hatten einen Anlaß und wenn wir im Botanischen Garten, wie beabsichtigt, gegangen wären, wäre es unauffällig zwischen Hochzeitgästen u.ä. gewesen. Aber es sollte nicht sein und dann muß man sich auch nicht einengen lassen.
Manchmal hab ich den Eindruck, das wir die Grenzen absichtlich ausweiten, uns nicht einengen lassen wollen.
Ich mag es nicht eingequetscht zu werden, auch wenn ich nicht nonbinär oder sonst wie zwischen den Geschlechtern sein möchte. Eine Frau mit Variationen passt da ganz gut.
Liebe Grüße, Tira (flo)
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