Aus Pikachu wird Lea - mein Weg zu mir
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Pikachu
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Aus Pikachu wird Lea „ mein Weg zu mir

Post 1 im Thema

Beitrag von Pikachu »

Hallo in die Runde,
Ich hab mich länger nicht mehr gemeldet, aber ich habe diese Forum und die netten Menschen hier nicht vergessen.
Daher wollte ich gerne mal ein paar Updates geben und auch einige Gedanken, Ängste Hoffnungen und Träume mit euch teilen.

Zu erst mein Name. Ich hatte mich hier angemeldet mit dem User Pikachu. Mein Lieblings-Pokemon und so musste ich mich nicht festlegen. Aber seit einigen Monaten habe ich mich entschieden, dass ich Lea heißen möchte. Das ist nun der Name, den auch einige Freunde mir gegenüber nutzen und das finde ich sehr schön.

Ich habe in den letzten Monaten sehr viel über mich gelernt und auch mich gegenüber Menschen geöffnet und auch als Lea gezeigt.
Ich hab auch herausgefunden, dass ich eine Transfrau bin. Das hat zu vielen Problemen in meiner Beziehung geführt, aber wir arbeiten dran.

Das erste Mal als Lea in der Öffentlichkeit war sehr aufregend. Mit ein paar Freunden sind wir in eine Bar, wo es einen Raum für Transpersonen und Crossdresser gibt. Ich war so nervös, dass ich mit niemandem außer meinen Freunden geredet hatte, aber es war so schön in der Öffentlichkeit zu sein wie ich mich wohlfühle. Dann den High Heels nach Hause, nach 5 Stunden. Über Kopfsteinpflaster, mit der S-Bahn usw. Ich war so überfordert mit meinen Gefühlen. Es gab aber keine Kommentare. Vielleicht ein paar Blicke, aber mehr nicht. Und desto mehr ich merkte, dass nichts passiert, desto besser ging es mir. Zuhause angekommen, konnte ich nur noch grinsen und lachen. Ich war so glücklich.
Das war dann die anderen Male auch so. Ich fühlte mich draußen einfach so wohl, dass mir egal war, ob jemand komisch guckt. Dann bin ich nach Rostock gefahren, ich war in Köln. Alles als Lea und es war so schön endlich ich zu sein. Ich habe mich gefunden und genieße jeden Tag, den ich so leben kann.
Ich möchte auch eine Hormontherapie beginnen und sammel gerade alle nötigen Dinge zusammen.
Das Outing vor meinen Eltern steht an. Ich möchte es ihnen so gerne sagen. Damit ich mich auch dort so fühlen kann, wie zuhause. Und damit die wissen, wer ich bin. Und das ich endlich den Weg gefunden habe, um glücklich zu sein.
Und natürlich steht auch das Gala Wochenende an, auf das ich mich schon so sehr freue😊😊😊

Aber... es gibt nicht nur die schönen Seiten. Es gibt auch immer wieder Momente, wo es mir nicht gut geht. Zusammenbrüche, weil ich nicht weiß, ob ich das richtige tue oder weil ich mich einfach so unwohl fühle. Gefühlsmäßig ist es eine reine Achterbahnfahrt. Aber ich kann das schnell wieder einfangen. Dennoch gibt es immer wieder diese Ängste. Die Angst alleine zu sein, weil keiner einen so akzeptiert. Oder ich fühle mich wie eine Belastung für meine Freunde, weil ich immer was loswerden muss.
Mich belastet es auch sehr, dass ich mich abends abschminke, morgens rasiere und MakeUp auftrage. Ich möchte einfach morgens aufwachen, in den Spiegel schauen und mich sehen. Einfach glücklich sein, ohne diesen ganzen Aufwand. Und Abends ist das Abschminken auch immer schwerer.
Die Arbeit kommt auch noch dazu. Hier weiß es noch keiner. Aber ich möchte auch hier endlich ich sein. So wie ich bin.
Auch dort ist die Angst sehr groß, wie die Kollegen reagieren, wie das Arbeiten abläuft usw.
Aber ich habe eine Therapeutin, die mir hilft. Ein Umfeld, was mich unterstützt. Und ich habe dieses Forum, wo man mich akzeptiert, wie ich bin (he)

Ich möchte alle anderen, die sich alleine fühlen oder auch Probleme haben, sagen: ihr seid nicht alleine. Auch wenn es sich so anfühlt. Es gibt so viele von uns, die das gleiche erleben, erlebt haben oder es verstehen.
Danke, dass ich in diesem Forum die Kraft, den Mut und die Unterstützung gefunden habe, die Person zu sein, die ich bin (und immer war). Ohne euch wäre ich nicht an diesem Punkt in meinem Leben.
Ich freue mich schon sehr darauf, einige von euch am Wochenende kennenzulernen.

Liebe Grüße aus Berlin
Lea (smili)
missy
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Re: Aus Pikachu wird Lea „ mein Weg zu mir

Post 2 im Thema

Beitrag von missy »

Liebe Lea, ich bewundere dich, und ich bin froh, dass du da bist. Danke.
LG, missy
Toleranz ist lernbar, zu viel Toleranz ist heilbar.
Helga
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Re: Aus Pikachu wird Lea „ mein Weg zu mir

Post 3 im Thema

Beitrag von Helga »

Liebe Lea,
viele Dank für diesen tiefen Einblick in dein innerstes!
So wie dir ging es uns allen irgendwann einmal: Die lange Unterdrückung eines tiefen Bedürfnisses, endlich das Zulassen, das erste mal "als Frau" in der Öffentlichkeit ist ein wirklich unvergessliches Erlebnis, die Glücksgefühle vor dem Spiegel, die Niedergeschlagenheit wenn das Makeup schließlich doch runter muss, die Art und Weise wie die Kleidung die eigene Gefühlswelt triggert... . Ein Wechselbad von Gefühlen, die man(n) vorher einfach nicht kannte.
Es ist so verlockend in diesem (geschminkten) Spiegelbild das wahre ich zu erkennen.
Aber Achtung! Spiegelbilder sind Trugbilder, den das "wahre ich" hat kein Abbild. Nach einer gewissen Zeit dieses Wechselbades der Gefühle, dieser Unsicherheit über sich selbst, stellt sich irgendwann wieder Normalität ein. Sich nicht täglich schminken zu müssen und das spärliche Haupthaar einfach trockenrubbeln zu können ist ein spürbarer Gewinn von Lebenszeit. Die fast vergessenen (männlichen) Hobbys und Interessen tauchen wieder aus der Versenkung auf, der Job macht sich einfach besser in Hosen... .
Um nicht falsch verstanden zu werden: Es stellt sich eine Normalität ein, deren fester Bestandteil das Crossdressing ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
Momo58
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Re: Aus Pikachu wird Lea „ mein Weg zu mir

Post 4 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Hej Lea,

Herzlichen Glückwunsch zu deiner Erkenntnis. Als ich an dem selben Punkt stand, erging es mir wie dir. Da war dieses befreiend Gefühl; ich war in mir selbst angekommen. Das innere Gefängnis war plötzlich weg. Die Ängste sind ganz normal. Natürlich werden sich ein paar Freund*innen von dir abwenden. Natürlich kann es im Beruf zu Problemen kommen, weil die Kollegen nicht wissen wie sie mit der neuen Situation mit dir als Transfrau umgehen können. Je nach Elternhaus gibt es HOP oder TOP. Wenn du den Weg weiter gehst wirst du feststellen, dass dein Leben nach Ablauf deiner zweiten Pubertät als Frau sich normalisiert. Du wirst von anderen immer mehr als Frau gesehen. Die Blicke werden weniger, je besser drin Passing ist. Die Achterbahnfahrten werden nicht mehr so euphorisch sein. Einige deiner Probleme wirst du in dein neues Leben mit nehmen. Die Hormonbehandlung verändert dich körperlich und seelisch. Ich freue mich, dass du den Weg zu deinem ICH gefunden hast.

Liebe Grüße
Manuela
Wir alle sind nur ein unbedeutendes Staubkorn im Universum
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Re: Aus Pikachu wird Lea „ mein Weg zu mir

Post 5 im Thema

Beitrag von Lea Michele »

Hallo liebe Namensvetterin,

du sprichst mir aus dem ❤️ ❣️

LG Lea Michele (he) (ki) (he)
Auf dem Weg endlich so zu sein wie ich mich fühle❣️
Susi T
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Re: Aus Pikachu wird Lea „ mein Weg zu mir

Post 6 im Thema

Beitrag von Susi T »

Viel Freunde und Erfolg auf deiner Reise wünsch ich dir.

Wie du liest haben alle unterschiedliche Erfahrungen gemacht, schon alleine weil wir und unser Umfeld auch unterschiedlich sind, trotz vieler Gemeinsamkeiten und geben unterschiedliche Empfehlungen.
Das finden des eigenen Weges ist sehr wichtig, denn das erleichtert die Suche zu dir selbst und kann am leichtesten zu Glück und Zufriedenheit führen.

Alles liebe, Tira (flo)
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
Alicia
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Re: Aus Pikachu wird Lea „ mein Weg zu mir

Post 7 im Thema

Beitrag von Alicia »

Liebe Lea,

es ist schön zu lesen, dass du zu deinem eigentlichen Ich findest. Das Name dazu ist bereits ein wichtiger Anfang.
Auch ich habe lange gehadert mit meiner Rolle als Frau und konnte viele Jahre so gar nichts damit anfangen. Nicht einmal einen Namen hatte ich für diese Identität. Erst mit dem Forum kam die ganze Sache richtig ins Rollen. Meine Gedanken wurden fester und ich habe begonnen, meine neue Rolle zu entwickeln. Mittlerweile bewege ich fast schon wie selbstverständlich en femme im Freien und habe bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht, obwohl mein Passing eher suboptimal ist.
Also wünsche ich dir viel Mut, innere Stärke und Erfolg, um deinen neuen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Liebe Grüße, Alicia (ki)
Eine Lebensweise zu erfinden ist nichts. Sie zu verinnerlichen, ein Anfang. Sie zu leben ist alles.
(Frei nach Otto Lilienthal)
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