Da bin ich wieder. Ich bin Topsy und war seit über einem Jahr nicht mehr in diesem Forum angemeldet. Dieses Forum und seine User haben meine Entwicklung vor einer gefühlten Ewigkeit wesentlich beeinflusst. Meine Identitätsfindung wäre ohne dieses Forum vielleicht nicht möglich gewesen. Vielleicht ist dies auch einer der Gründe, warum ich im Januar 2024 zurückkehre.
Ich kehre zurück und starte einen neuen Thread. Weil der alte Thread nicht mehr so gut gepasst hat. Weil ich mich weiterentwickelt habe. Meiner Erfahrung nach bilden die ersten Jahre der Transition auch eine zeitliche Periode, in der wir uns ständig verändern und ja wahrscheinlich auch bewusst nach "Verbesserung" streben. Ich kann dabei erstmal nur für mich sprechen, andererseits habe ich dies indessen auch (überwiegend im Internet) bei anderen trans Personen beobachtet. Meine Vergangenheit ist ein Teil von mir, aber ich würde heute nicht mehr alles posten, was ich damals gepostet habe. Und ich würde bzw. kann heute auch anders über mich schreiben.
Wer ist denn nun diese Topsy?
Also generell bin ich mir treu geblieben. Wer nun befürchtet, es gäbe keine lebenslustige wie fröhliche Topsy mehr, irrt sich glücklicherweise. Ich bin einfach nur MEHR als das, was ich früher gewesen bin. Ich bin mehr als das, was ich mir früher zu sein ERLAUBT habe. Besonders schwierig ist für mich das vergangene Jahr gewesen. Dass ich an einer somatisierten Depression leide, das ist nichts Neues. Dass ich aber nach wie vor auch psychisch und nicht nur physisch leide, musste ich mir in 2023 erstmal eingestehen. Trotzdem kämpfe ich gegen meine depressiven Phasen an, nur eben ohne sie zu leugnen. Immer wieder ein schöner Spruch: Ein Mensch ist mehr als die Summe seiner Teile. Das werde ich mir künftig wohl noch häufig in Erinnerung rufen.
Ich liebe Partys und hasse Alkohol. Wer meint, dass dies nicht zusammenpassen würde, hat den Aspekt "Party" nicht verstanden.... oder was "Partylaune" bedeutet. Der Tanz füllt mich aus und ist einer meiner größten Leidenschaften. Wenn ich tanze, erkenne ich erst, dass ich lebe. Nach wie vor lebe ich diese Leidenschaft auch gerne zuhause vor dem Spiegel aus... zu meiner Lieblingsmusik und häufig zu Disco-Beleuchtung. Ansonsten bevorzuge ich die queeren Partys, die in meiner Stadt veranstaltet werden. Da bin ich niemals fehl am Platze. Auch wenn ich ohnehin über ein gutes Passing verfüge, fühle ich mich dort generell besser aufgehoben. Und die Stimmung ist ohnehin großartig.
Auch mir ist es wichtig, zu wissen, wer oder was ich bin. Ansonsten könnte ich heute nicht Topsy sein. Doch vermutlich weiß ich nach wie vor nicht alles über mich. Es ist nie zu spät, mehr über sich zu lernen. Meine Transidentität ist letztlich der Grundstein für mein neues Leben gewesen, und es wird wohl kaum etwas Größeres und Bedeutsameres geben. Alles, was es darüber hinaus über mich zu wissen gibt, dürfte entsprechend klein ausfallen. So wie etwa die Tatsache, dass ich pansexuell bin, und eine*n potentielle*n Partner*in nicht nach Gender auswählen würde. Irgendwie kann ich mir eine Beziehung momentan besser mit einem Mann vorstellen, aber das dürfte auch nicht so viel aussagen. Zumal ich mir momentan eigentlich überhaupt keine Beziehung vorstellen kann. Das ist ja vollkommen legitim. Überhaupt denke ich, dass Partnerschaften in dieser Gesellschaft viel zu wichtig genommen werden. Mir sind Freundschaften wichtiger.
Inzwischen habe ich neue Freundinnen gefunden. Und seitdem ich als Frau lebe, gelingt es mir auch besser, die Bedeutung von Freundschaften zu erfassen. Mir gelingt es besser, daran festzuhalten, und Eigeninitiative zu ergreifen. Menschen wissen zu lassen, dass man gerne etwas mit ihnen unternehmen möchte. Und es ist bestenfalls schade, aber noch lange nicht schlimm, wenn mal jemand keine Lust auf etwas oder einfach keine Zeit hat. Das nächste Mal wird garantiert folgen. Erkläre das mal jemand meinem früheren Ich!
Es ist auch einfach toll, neue liebe Menschen kennenzulernen, die mich früher nie gekannt haben. Die mich niemals anders gesehen oder erlebt haben. Die nur meine positive weibliche Erscheinung kennen. Und mit denen ich dann auch gar nicht über frühere Zeiten sprechen möchte. Weil es vollkommen in Ordnung ist, dies nicht zu tun. Und weil es einfach schon anstrengend genug ist, immer wieder mal daran denken zu müssen, wie lange ich im falschen Geschlecht bzw. in der falschen Rolle gelebt habe. Tatsächlich verhält es sich bei mir auch so, dass ich keine besonders nahen Kontakte zu queeren Menschen pflege. Es ist nicht so, dass ich mir keine Freundschaften zu trans Personen vorstellen könnte, aber trotz der Existenz einer örtlichen trans*-Gruppe hat sich das bisher nicht ergeben. Was auch kein Problem ist. Ich bevorzuge keine Menschen, weil sie trans oder anderweitig queer sind. Ich bevorzuge Menschen, weil sie lieb und sympathisch sind. Weil Gemeinsamkeiten vorhanden sind, womit ich dann doch eher persönliche Interessen und Leidenschaften meine. UND ganz wichtig: Ich will und lasse mich nicht auf meine Transidentität beschränken. Ich bin eine Frau, das allein zählt für mich. Gut, dass ich ein Mensch bin, zählt generell natürlich auch. Aber inzwischen habe ich im Alltag kaum noch Bock darauf, über mich als Transfrau zu reden. Einfach weil ich mich nicht immer daran erinnern möchte, dass ich ein schwieriges und falsches Leben hinter mir gelassen habe, das (in dieser Form!!!) jeder cis Frau erspart geblieben ist.
Darf ich übrigens mal diese Gelegenheit nutzen, um zu verlautbaren, dass ich gerade meine erste Hochzeitseinladung bekommen habe? Ja, auch hierbei spreche ich wieder von DIESEM und nicht von meinem früheren Leben. Und das ist einfach nur großartig. Ich habe bestimmt niemals eine solche Vorfreude auf eine Hochzeit verspürt. Es ist unfassbar aufregend und ich kann dieses Ereignis kaum abwarten.
Ich und meine besondere Verbindung zu Schmetterlingen.
(Links: Schmetterling Lily, rechts: Blauer Morphofalter im Schmetterlingsgarten.)
Wie hat sich Topsy entwickelt?
Nach wie vor ist Topsy eine Frau, die viel vom Leben erwartet, und auch stets bereit ist, es sich zu nehmen. Hihi. Nein, im Ernst: Ich weiß, dass man sich im Leben vieles erkämpfen muss. Und seitdem ich Topsy bin, ist die Bereitschaft hierzu immens gewachsen. Das ebbt bis heute nicht ab. Ich überlege mir, wie ich mich, meine Umstände und mein Leben verändern und verbessern kann. Wie ich mehr zum großen Glück beitragen kann. Doch das muss ich für mich entscheiden und mit mir selbst ausmachen. Es wird weiterhin "Projekte" geben, denen ich mich mit Vorfreude und Beharrlichkeit widmen kann.
Verändert habe ich mich auch äußerlich. Ich bin mehr zu der Frau geworden, die ich auch optisch gerne sein möchte. Im letzten Jahr hatte ich meinen ersten Termin bei der Gynäkologin, was geradezu die Euphorie in mir entfacht hatte.
Es gibt noch Ziele und es gibt noch Baustellen. Das treibt mich an. Aber besonders auf unliebsame Baustellen, wozu auch die chronischen körperlichen Beschwerden zählen, könnte ich gut verzichten. Trotzdem geht es mir ganz gut, gerade wenn ich das Schlechte weitgehend ausblende und mich dem Leben hingebe. Weil dieses Leben noch sehr viel Schönes für mich bereithält. So bleibt die Hoffnung, dass 2024 für mich wieder eine größere Verbesserung darstellen könnte. Ich glaube daran - und auch dieser Glaube treibt mich an. Ich wünsche allen Menschen, die diesen relativ langen Text gelesen (oder zumindest überflogen) haben, ein glückliches, gesundes und erfolgreiches neues Jahr!
Inwieweit ich diesen Thread künftig für regelmäßige "Status-Updates" nutzen werde, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlich lesen wir bald auch wieder im Püppchen-Thread voneinander (bzw. all jene, die es interessiert!), denn meine Sammlung ist inzwischen auch ganz gut gewachsen.
Liebe Grüße
Topsy