Hexen
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Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
Wally
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Post 1 im Thema

Beitrag von Wally »

Nach längerer Zeit ("Der intelligente BH" ist schon wieder ein Vierteljahr her) habe ich mal wieder eine Fantasiegeschichte geschrieben. Es geht dabei um einen nicht ganz freiwilligen Geschlechtswechsel, irgendwo zwischen Märchen, Science Fiction und Erotik, mit ein paar philosophisch-anthropologischen Gedanken als Hintergrund. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!
Herzlichen Gruß, Wally

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Hexen - Teil 1

Ausgerechnet in einem sehr entlegenen Bergdorf mitten in den Karpaten erwischte mich die Autopanne: mit einem hässlichen, metallischen Knirschen blieb plötzlich der Motor stehen und ließ sich nicht mehr starten. Der Anlasser gab nur noch ein klackendes Geräusch von sich, da drehte sich nichts mehr: der Motor war blockiert.

Zum Glück gab es in dem Ort eine kleine Werkstatt. Mein Auto war ein primitiver, alter VW Käfer, noch ohne jegliche Elektronik. Der Meister - eine Art Dorfschmied, der sich wohl um alles im Dorf kümmerte, was Räder oder auch nur Scharniere hatte - kannte sich gut damit aus. Aber angesichts des vorliegenden Schadens konnte auch er nach einer kurzen Untersuchung nur mit den Schultern zucken: da helfe nur ein Austausch. Doch woher einen Ersatzmotor nehmen? "Da findet sich schon was, irgendwo ein paar Dörfer weiter wird's schon noch einen geben, dieser Typ ist hier in den Bergen noch recht gebräuchlich. Kann aber ein paar Tage dauern" brummelte der braungebrannte, grauhaarige, schon deutlich aufs Seniorenalter hinsteuernde Mann. Glücklicherweise verstand ich seine Landessprache gut.

Aber damit stellte sich das nächste Problem: "ein paar Dörfer weiter" konnte hier leicht 100 km Strecke bedeuten, die nächste Stadt war fast 200 km teils übelster Schotterstraßen entfernt; Omnibuslinien oder gar eine Bahnstrecke gab es weit und breit nicht. Wo konnte ich also so lange bleiben, bis mein Auto wieder lief? Das Urlaubsende war zwar noch weit, ein paar verlorene Tage spielten kaum eine Rolle; aber irgendwo musste ich übernachten. Ich hatte kein Zelt dabei, und die Nächte konnten hier - auf über 1000 m Höhe - empfindlich kalt werden. Ich fragte den Werkstattmann nach einem Hotel.

Die Antwort war ein Kopfschütteln und eine wegwerfende Handbewegung. "Wo denken Sie hin? Nein, hier gibt's kein Hotel und auch keinen Tourismus, hier kommen nur sehr selten fremde Leute wie Sie durch - und wenn, dann fahren die gleich weiter, die bleiben nicht hier."

"Vielleicht ein privates Zimmer?" versuchte ich es weiter; irgendwo musste ich ja über Nacht bleiben. Aber auch auf diese Frage folgte nur ein - diesmal langsameres, bedächtigeres - Kopfschütteln. Dem braven Mann ging wohl allmählich auf, dass ich ein ernstes Problem hatte. "Wir sind hier in einer sehr armen Gegend, müssen Sie wissen; unser einziger Reichtum sind unsere Kinder, davon haben wir viele; aber der Wohnraum ist knapp, wir leben hier alle sehr beengt, wir können nichts vermieten und auch nichts zum Essen abgeben. Hier nimmt niemand Gäste auf, außer vielleicht oben die Hexen ..." Er wies mit eine kurzen Kopfdrehung in Richtung eines nahen Berghangs, stockte dann aber und sagte schnell: "Gut, ich seh's ja ein, Sie brauchen für die Nacht ein Dach über dem Kopf. Sie können hier in einer Ecke meiner Werkstatt am Boden schlafen. Ich verlange auch nichts dafür."

Die "Werkstatt" war ein halboffener Verschlag mit verdrecktem, ölverschmiertem Betonboden. Da zu nächtigen, ohne irgendeine weiche Unterlage oder warme Zudecke, und nicht einmal die Aussicht auf eine warme Mahlzeit zu haben, schien wenig verlockend. In meinem inzwischen hergeschleppten, auf die Reparatur wartenden VW Käfer zu schlafen war auch keine Option: wer die Platzverhältnisse in diesem alten Autotyp kennt, wird das bestätigen. Aber was war mit diesen ominösen "Hexen da oben"? Gab es dort vielleicht eine Möglichkeit, menschenwürdig für ein paar Nächte unterzukommen? Ich fragte nochmal danach.

Der Mann hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund; die Bemerkung war ihm wohl mehr unbewusst herausgerutscht und keinesfalls als konkreter Hinweis gemeint gewesen. "Das können Sie unmöglich wollen. Bei denen geht's nicht mit rechten Dingen zu! Dieses halbe Dutzend Weiber da oben" - er wies wieder mit dem Kopf den Berghang hinauf - "führt ein gotteslästerliches Leben. Man sagt, sie hätten einen Bund mit dem Teufel und würden Leute verhexen. Jeder brave Mensch hier unten hat Angst vor denen und geht ihnen aus dem Weg, wo es nur irgendwie möglich ist. Es heißt zwar, sie hätten schon verschiedentlich Leute als Gäste aufgenommen und bewirtet. Aber einige von denen sind angeblich nie zurückgekommen, und andere waren danach nicht mehr sie selbst."

Was hatte das nun wieder zu bedeuten? Der Autowerker weigerte sich strikt, zu den Gruselgeschichten genauere Angaben zu machen, die vielleicht einen Anhaltspunkt dafür hätten geben können, ob etwas Ernstzunehmendes daran war. Die Bevölkerung in solch abgeschiedenen Gegenden ist ja oft abergläubisch und jedem feindlich gesinnt, der ihre manchmal recht abstrusen Sitten und Ansichten nicht teilt.

Andererseits: in diesen abgelegenen Bergtälern versteckte sich damals bekanntermaßen auch manches Gesindel, das - weitab von jeglichem Polizeischutz - von Raubüberfällen an zufällig Durchreisenden lebte und sie mitunter gar umbrachte. Sollten diese "Hexen" womöglich so ein Räubernest betreiben?

Dass es angeblich "ein halbes Dutzend Weiber" - also nur Frauen - waren, sprach dagegen; der bei aller Voreingenommenheit doch redlich wirkende Werkstattmann hätte wohl anders und nicht so vage und einsilbig über sie gesprochen, wenn es sich um gefährliche Kriminelle gehandelt hätte. Und: hatte ich denn überhaupt eine Wahl? Hier unten gab es kein zumutbares Quartier für mich; ich konnte es nur noch bei den "Hexen" versuchen. Als einzige, konkrete Information beschrieb mir der brave Mann schließlich den Weg dort hin, nachdem er eine recht großzügige Anzahlung für die Autoreparatur verlangt und erhalten hatte; offenbar bezweifelte er tatsächlich ernsthaft, dass ich überhaupt jemals von "da oben" zurückkommen würde. "Gleich dort hinterm Ortsende geht rechts ein Fußpfad schräg den Hang hinauf, es ist eine Stunde Aufstieg. Sie können es nicht verfehlen, es gibt da nur diesen einen Weg. Aber ich habe Sie gewarnt..." brummte er noch leise vor sich hin und beendete den Dialog abrupt, indem er grußlos mit dem Geld und dem Autoschlüssel hinter der Tür seiner kleinen, heruntergekommenen Wohnbaracke verschwand. Mit einem reichlich mulmigen Gefühl im Bauch packte ich meinen Rucksack mit den paar Sachen voll, die mir für wenige Tage Aufenthalt in einer hoch gelegenen Bergunterkunft nötig schienen, und machte mich auf den Weg.

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Herzliche Grüße
Wally
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Re: Hexen

Post 2 im Thema

Beitrag von Wally »

Teil 2

Der Anstieg führte quer über einen Berghang, durch eine düstere Schlucht und über ausgedehnte Geröllfelder schließlich zu einer hoch gelegenen Alm. Ich brauchte anderthalb Stunden, bis endlich am Rande eines steilen Serpentinenwegs erste Anzeichen einer menschlichen Ansiedlung erkennbar wurden: ein paar alte, verrottete Viehgatter und Reste von Holzzäunen. Noch eine letzte, steile Wegbiegung, dann tat sich vor mir eine dem Berg auf einem Felsabsatz vorgelagerte, kleine, grasbewachsene Hochebene auf - und darauf, ganz hinten unter die weiter aufragenden Felsen geduckt - ein eingeschoßiges, weiß gekalktes Wohnhäuschen mit nur zwei kleinen Fenstern neben der mittigen Eingangstür, und ein paar hölzernen Schuppen daneben. Einige uralte Tannen beschatteten das Anwesen. An einer Seitenwand war Brennholz in Scheiten sorgfältig hoch aufgeschichtet, und vor dem Häuschen umrahmte ein solider Holzzaun einen üppig bewachsenen Kräuter- und Gemüsegarten. Das ganze Ensemble war sehr einfach und kleinräumig, aber offensichtlich sauber und liebevoll gepflegt. Im milden Abendlicht - die Sonne verschwand gerade hinter der gegenüber liegenden Bergkette, als ich das Gehöft erreichte - wirkte es heimelig. Sah so ein Hexenhaus aus?

Mit klopfendem Herzen - von der Anstrengung der letzten, beschleunigten Schritte, aber auch von der Anspannung gegenüber dem, was nun geschehen würde - näherte ich mich dem Wohnhaus von der rechten Seite. Hinter dem mit einer weißen Gardine verhängten Fenster vernahm ich helle Frauenstimmen, fröhlich durcheinanderredend, scherzend und lachend. Schemenhaft sah ich mehrere Personen rund um einen Tisch sitzen. Ich ging zur Tür; sie schien nicht verriegelt zu sein, es gab aber auch keinen Klingelknopf oder Ähnliches, um mich bemerkbar zu machen. Mein schüchternes Klopfen zeitigte keinerlei Reaktion, es wurde drinnen offenbar nicht gehört. Einfach hineinplatzen wollte ich auch nicht; also kehrte ich die paar Schritte zum Fenster zurück und klopfte dort an die Glasscheibe. Eine der Personen hinter der Gardine stand auf und begab sich zur Haustür, um mich zu begrüßen.

Ich staunte sehr über die Gestalt, die nun plötzlich unter der Tür stand und mich freundlich lächelnd fragte, was mich so spät am Abend noch hier her führe, und was man für mich tun könne. Nach der düsteren Beschreibung des Werkstattmanns hatte ich mir das "halbe Dutzend Weiber" mit dem "gotteslästerlichen Lebenswandel" als dürre, alte, krumme, giftig zahnlos dreinblickende Vogelscheuchen vorgestellt - etwa so, wie Hexen in Grimm's Märchen beschrieben wurden. In der Tür stand aber eine höchst wohlgeratene, etwa 30-jährige, rothaarige Frau mit Sommersprossen in ihrem hübschen Stupsnasengesicht. Sie war groß - fast genauso groß wie ich - und kräftig gebaut, ohne freilich auch nur im geringsten "dick" zu sein; ein eng anliegendes, knielanges Sommerkleid betonte vorteilhaft ihre sehr weiblichen Körperformen. Das füllige, naturgewellte Rothaar hatte sie zu einem einseitigen, bis zur Taille reichenden Zopf geflochten, und ihre aparten, grünen Augen leuchteten bei der Begrüßung. Die ganze Person wirkte auf eine vertrauenerweckend natürliche, sympathische Art sehr, sehr sexy: eine Frau zum Verlieben.

Etwas verwirrt stotternd sagte ich mein Sprüchlein auf, das ich mir während des Aufstiegs zurechtgelegt hatte: dass ich wegen einer Autopanne in der Gegend gestrandet sei und deshalb eine Bleibe für ein paar Nächte suchte. Dass mir die Leute unten im Tal nichts anbieten konnten, mir aber den Tip gegeben hätten, es hier oben zu versuchen. Angesichts der so unerwartet attraktiven Begrüßung konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, grinsend anzufügen: "Man hat mich allerdings auch vor Ihnen gewarnt: Sie seien Hexen!"

Die Frau lachte hell auf. "Und - haben Sie es geglaubt?" fragte sie mit einem belustigten Funkeln in ihren Augen. "Wäre ich dann hier?" konterte ich. "Selbstverständlich können Sie bei uns wohnen," bestätigte sie, jetzt etwas ernster, "gerne auch länger, wenn Sie möchten. Wir freuen uns hier über jede Abwechslung, und Ihnen wird es bei uns bestimmt auch gut gefallen. Kommen Sie herein!"

Der kurze, unregelmäßig mit grob behauenen Steinen gepflasterte Flur hatte links und rechts nur je eine Tür. Neben der linken stand, an die niedrige Wand gelehnt, ein großer, fast mannshoher, in den Ecken schon erblindeter, aber dennoch sauber geputzter Spiegel, an der Oberkante mittels eines primitiven Wandhakens gesichert. Am Ende des Flurs ließ ein kleines Fenster gedämpftes Licht herein. Hier stand allerlei Haushaltsgerät offen herum: Besen, Schrubber, Blecheimer und dergleichen Utensilien, die zur Pflege des kleinen Anwesens benötigt wurden. Daneben hingen an einfachen Nägeln ein paar Arbeitsschürzen an der Wand, teils aus grobem Leinen, teils aus Gummi.

Die rechte Tür stand offen; das Gespräch im Raum war verstummt, als mir meine bezaubernde Gastgeberin beim Eintreten vorausging und mich ihren erwartungsvoll zur Tür blickenden Mitbewohnerinnen vorstellte. "Wir haben einen Gast. Ähm - wie heißt du eigentlich?" Ich hatte mich etwas bücken müssen, um mir an dem niedrigen Türrahmen nicht den Kopf zu stoßen, und richtete mich gerade wieder auf. "Gerhard" lautete meine schüchterne Antwort auf die so unvermittelt im vertraulichen "Du" gestellte Frage.

In der kleinen, niedrigen Wohnküche, die vom schwindenden Tageslicht durch das einzige Fenster gerade noch ausreichend erhellte wurde, war es überraschend warm - fast schon zu warm, wenn man von draußen kam. Ein großer, gemauerter Herd mit zwei Feuerstellen und einem dazwischen integrierten Backofen nahm fast eine gesamte Wandbreite des mit groben Dielen belegten Raums ein und strahlte seine Hitze in ihn ab. Ein riesiger Wasserkessel samt Deckel stand darauf. Gegenüber, neben dem Fenster zur Tür hin, beanspruchte eine große, gezimmerte Anrichte mit Wandregalen darüber weiteren Platz. In der verbleibenden Nische links neben dem Fenster gab es eine kleine Eckbank, einen schlichten, rechteckigen Tisch und ein paar Stühle. Hier saßen, eng aneinander gerückt, den Blick neugierig, aber durchaus freundlich auf mich gerichtet, die Bewohnerinnen des Anwesens.

Die fünf Frauen - die sechste stand immer noch neben mir - stammten wohl ursprünglich nicht aus dieser Region, unter ihnen waren fast alle Ethnien zusammengewürfelt: eine strohblonde, ebenfalls circa 30 Jahre alte Schönheit, die ihre wasserblauen Augen an einem norwegischen Fjord zum ersten Mal geöffnet haben mochte; neben ihr eine noch blutjunge, höchstens zwanzig Jahre zählende Brünette, die wohl mit englischen Wurzeln in den USA oder im Commonwealth aufgewachsen war. Kaum älter war eine auffallend hübsche Frau mit schwarzem Kräuselhaar, Wulstlippen und dunkelbraunen Glutaugen, deren überraschend helle Haut in einem warmen, bräunlichen Goldton schimmerte; in ihren Vorfahren hatten sich wohl Afrikaner mit Weißen und Indios vermischt. Eine der Frauen - sie war etwas kleiner als die anderen und hatte ihr ebenfalls schwarzes, aber glattes, langes Haar kunstvoll mit zwei Holzstäbchen hochgesteckt - schien aus Ostasien zu stammen. Einzig eine dunkelhaarige, schon etwas ältere Frau - sie war wohl um die vierzig - hätte sich einigermaßen unauffällig unter die hiesige Bevölkerung mischen können. Ihr leicht herbes, feingeschnittenes Gesicht bildete einen aparten Kontrast zu ihren besonders üppigen Körperformen, und ihr Anblick machte mich im ersten Moment sehr verlegen: denn sie saß mit vollständig entblößtem Oberkörper da, die schweren, vollen, ebenmäßig weißen Brüste bis fast zum Schoß hängend, während sie auf dem Tisch an einem Kleidungsstück - ihrem Hemd, das sie ausgezogenen hatte? - nähte.

"Ich bin Nela" begrüßte sie mich mit warmer Stimme. Sie machte dabei keinerlei Anstalten, ihre Blöße zu bedecken, im Gegenteil: indem sie sich mit schaukelnden Brüsten etwas aufrichtete und direkt zu mir wandte, reichte sie mir offen die Hand zum Gruß. "Schön, dass du da bist!" Auch die anderen Frauen begrüßten mich der Reihe nach mit Handschlag, quer über den Tisch, und nannten mir ihre Namen, die ich mir so schnell freilich noch nicht merken konnte. Mir fiel dabei auf, dass Nelas lässige Freizügigkeit in dieser Frauenrunde Usus zu sein schien: die hübsche Mulattin, die sich mir als "Juana" vorstellte, den ersten Buchstaben als weiches "ch" hauchend, trug ein sehr kurzes Hemd, das gerade noch die beiden Pole ihrer beachtlichen Oberweite bedeckte, während die Unterseiten ihrer weichen, runden Glocken frei unter dem Saum heraus blitzten. Carol, die junge Angelsächsin, schien gar - wenngleich oben herum züchtig bekleidet - vom Bauchnabel abwärts völlig nackt auf der Holzbank zu sitzen.

"- und ich bin Shay" schloss die rothaarige Gastgeberin, die mich hereingeführt hatte und immer noch neben mir stand, die Vorstellungsrunde ab. "Nun setz dich erst mal, Gerhard!" Sie wies auf den einzigen, freien Stuhl am Tisch, der wohl vor meinem Kommen der ihre gewesen war. Unsicher zögernd folgte ich ihrer Aufforderung, nachdem ich meinen kleinen Rucksack abgenommen und unter dem Fenster auf den Boden gelegt hatte. "Du hast doch sicher Hunger, nach dem Aufstieg? Wir haben schon gegessen, aber es ist noch Suppe übrig."

Ich nickte dankbar. Shay holte mit schnellem Griff einen Suppenteller aus der Anrichte und füllte ihn randvoll mit der Kelle aus einem Topf, der ganz außen auf der großen Herdplatte stand. Dazu reichte sie mir einen altmodischen, teils schwarz angelaufenen Silberlöffel - "Unser bester!", wie sie bei kritischer Prüfung auf Sauberkeit mit ironischem Augenzwinkern betonte - und einen schnell abgeschnittenen Kanten frisch gebackenes, kerniges, intensiv gewürztes Brot. Ein Krug erfrischender, kalter Buttermilch vervollständigte das einfache, aber sehr wohlschmeckende Mahl. Shay stellte noch schnell ein einfaches Talglicht auf den Tisch, das sie geschickt mit einem dünnen Holzspan aus dem Herdfeuer anzündete, dann gesellte sie sich wieder zur Runde: "Rück' doch mal!" sagte sie beinahe schroff zu der barbusigen Lena, die mit den anderen zwei auf der Eckbank sitzenden Frauen engstmöglich zusammenrückte und der hinzugekommenen Shay freundschaftlich den Arm um die Schulter legte.

Während ich mit großem Appetit meine würzige, überraschend gehaltvoll sättigende Kartoffelsuppe löffelte, überhäufte mich die muntere Gesellschaft mit neugierigen Fragen: wo ich herkam, was mich in diese Gegend geführt habe, was ich beruflich machte, wie es in meiner Heimat aussah und zuging, wie dort die politischen Verhältnisse waren, welche neuen, technischen Errungenschaften es gab, und so weiter und so fort. In auffälligem Gegensatz zu ihrer abgeschiedenen Einsiedelei erwiesen sich die Frauen als überraschend weltläufig und gebildet. Sie verfügten ausnahmslos über detaillierte Kenntnisse in Geographie und Geschichte, obwohl sie - kein Wunder, ohne Zeitung, Fernsehen und Radio, nicht einmal ein Telefon gab es hier - über die jüngsten Entwicklungen der Weltgeschichte noch nicht informiert waren; um so begieriger interessierten sie sich dafür. Jede von ihnen beherrschte zudem außer der Landessprache noch mindestens eine Fremdsprache fließend. Im Gespräch untereinander tauschten sie gelegentlich einzelne Sätze in Englisch oder Russisch aus. Meine Erzählung von den Äußerungen des Werkstattmeisters unten im Dorf kommentierten sie nur knapp: "Ja, die Leute hier in der Gegend sind schon manchmal etwas eigen. Brav und redlich, aber halt auch abergläubisch - und sehr arm; hier hat keiner was zu verschenken."

So entspannend die wohltuende Mahlzeit und das angeregte Gespräch in gemütlicher Runde auf mich wirkte: ich konnte dabei meine anfängliche, schüchterne Beklemmung nicht ablegen. Diese Frauen - sehr unterschiedlich in Art und Aussehen, aber jede von ihnen auf ganz spezifische Weise höchst anziehend und bezaubernd - strahlten eine so überwältigende, unverhüllte, animalische Weiblichkeit aus, dass ich dieser erotischen Aura nichts entgegenzusetzen hatte. Es war mir unmöglich, dieser Atmosphäre als Mann selbstbewusst betrachtend von außen zu begegnen, wie es wohl angemessen gewesen wäre. Ich konnte mich nur widerstandslos hineinziehen lassen - und war längst rettungslos kopfüber darin eingetaucht, seit ich mich in dieser kleinen, mollig warmen Wohnhöhle befand. Unter so viel urtümlicher, unverhohlen zur Schau gestellter, weiblicher Intimität fühlte ich mich regelrecht eingeschüchtert und verloren. Ich spürte, wie mich diese Aura bis in die intimsten Winkel meines Körpers durchdrang, und begann zu ahnen, dass mich das nicht unverändert lassen würde. Was hatte doch der Werkstattmann unten im Dorf gesagt? "Einige von denen" - die hier zu Gast waren - "sind angeblich nie zurückgekommen, und andere waren danach nicht mehr sie selbst." War ich am Ende doch unter Hexen geraten? Gab es denn wirklich Hexen?

Gesättigt, aber müde von dem ereignisreichen Tag, und zunehmend verunsichert von dieser seltsamen, keusch durchdringenden, weiblichen Intimität, hatte ich das intensive Bedürfnis, erst mal wieder allein zu sein und meine aufgewühlten Gedanken zu ordnen. Ich fragte die neben mir sitzende Shay nach meinem Zimmer, und wollte außerdem wissen, welchen Preis man für meine Unterkunft und Verpflegung erwarten würde.

"Dein Zimmer?" Shay sah ziemlich entgeistert erst mich, dann mit großen Augen die auf der anderen Tischseite sitzende Ostasiatin Gerel an: die schaute ebenso erstaunt zurück. Beide fingen an, hinter vorgehaltener Hand zu glucksen, und prusteten schließlich laut los. Die Anderen fielen in das Gelächter ein.

"Verzeih' -" übernahm Gerel die undankbare Aufgabe, mich über die Ursache der plötzlichen Heiterkeit aufzuklären. "Die Vorstellung von einem extra Zimmer ist so himmelweit von unseren Verhältnissen hier entfernt, da mussten wir einfach lachen. Nein, hier hat niemand ein extra Zimmer, auch du nicht, so feudal geht's hier nicht zu. Wir leben hier genauso beengt wie alle anderen in dieser gottverlassenen Gegend. Du musst schon mit dem vorlieb nehmen, was wir haben: diesen gemeinsamen Wohnraum, und das gemeinsame Schlafzimmer gegenüber. Komm mit, ich zeig's dir!"

Sie stand auf, griff sich eine zweite Tranfunzel von der Anrichte, zündete sie an der ersten, auf dem Tisch stehenden an und ging mir voraus, hinaus in den Flur und hinüber in das Schlafgemach. Ich nahm meinen Rucksack und folgte ihr. Draußen war es inzwischen stockfinster geworden.

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Herzliche Grüße
Wally
Ninadieflocke
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Re: Hexen

Post 3 im Thema

Beitrag von Ninadieflocke »

Hallo Wally, bin begeistert von Deiner so abwechslungsreichen und wirklich gut zu lesenden "Schreibe". Fiebere schon der Fortsetzung entgegen"¦
Nina
Andi 125
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Re: Hexen

Post 4 im Thema

Beitrag von Andi 125 »

Servus, denke das wird eine schöne Geschichte,
Mfg. Andi
Nascha

Re: Hexen

Post 5 im Thema

Beitrag von Nascha »

wau, so schöne Geschichte... (he)
Da hät ich nicht lang überlegt. Hexen sind spannend, magisch und meist nicht gefährlich... :-D
Wally
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Re: Hexen

Post 6 im Thema

Beitrag von Wally »

Teil 3

Gerel leuchtete mit ihrer flackernden Funzel in das dunkle Zimmer gegenüber und wies mit der anderen Hand auf das "Bett": eine etwa zwei Meter lange und drei Meter breite, mit Seegrasmatratzen ausgelegte Fläche am Boden, bedeckt mit einer einzigen, über die ganze Fläche reichenden, dünnen Zudecke. An der Wandseite lag eine unregelmäßig verteilte Reihe Kopfkissen; das Bett füllte neben einem großen Eckschrank die gesamte, verbliebene Zimmerbreite unter dem Fenster aus. Gegenüber gab es nur noch einen weiteren, grob gezimmerten, riesigen Schrank, der beinahe die ganze andere, vom Fenster abgewandte Hälfte des Zimmers einnahm und wohl sämtliche Kleidung und Wäsche der kleinen Gesellschaft beherbergte. "Hier schlafen wir" erklärte Gerel überflüssigerweise. "Klar, es ist eng, wir müssen eben zusammenrücken. Das ist aber auch gut so: das Schlafzimmer ist nicht beheizbar, in der Kälte halten wir uns so gegenseitig warm."

Mir wurde heiß und kalt gleichzeitig. Wo sollte ich denn hier schlafen? Ich konnte mich doch nicht zu sechs wildfremden Frauen unter deren gemeinsame Decke in dieses eng belegte Bett legen... Neben dem Bett war kaum genug Platz, und der kalte Steinboden in diesem Zimmer lud auch nicht gerade dazu ein, sich darauf schlafen zu legen. Die Wohnküche gegenüber war wiederum viel zu überheizt, um darin Schlaf zu finden, und auch da fehlte es an einer geeigneten, gepolsterten Liegefläche.

Ich beschloss, mich in Geduld zu üben und die Beantwortung dieser Frage der Initiative meiner Gastgeberinnen zu überlassen; spätestens, wenn sie selber zu Bett gingen, würden sie mir sicher meine Schlafgelegenheit zuweisen. Ein wenig enttäuscht legte ich meinen Rucksack vor dem Bett ab und begab mich mit Gerel wieder zurück zu den anderen Frauen.

In der Wohnküche herrschte jetzt emsige Aktivität: Nela und die blonde Solveig - sie stammte aus Schweden, wie ich später erfuhr - hatten inzwischen gemeinsam eine schwere, verzinkte Sitzbadewanne aus dem Flur hereingeschleppt und circa einen Meter vor dem Herd abgestellt. Nun machten sie sich daran, mit großen Schöpfkrügen abwechselnd kaltes Wasser aus einem großen Bottich neben dem Herd und heißes Wasser aus dem Kessel, der auf dem Herd stand, in die Wanne zu füllen, immer wieder die Temperatur des Badewassers prüfend. Meinen Stuhl hatten sie zur Seite unters Fenster gestellt, um etwas Platz zu schaffen; als ich hereinkam, winkten mir Shay und Carol und forderten mich auf, mit ihnen auf der kleinen Eckbank zusammenzurücken, wo wir mit direktem Blick auf das Geschehen in der Küche unser vorher unterbrochenes Gespräch wieder aufnahmen.

Es fiel mir nicht leicht, mit meinen Gedanken beim Gesprächsthema zu bleiben: denn nun stand plötzlich die hübsche Juana neben der Badewanne, streifte flink ihr kurzes Hemdchen ab, ihre wunderschönen, vollen Brüste gänzlich entblößend, und entledigte sich gleich darauf auch ihres weiten Rocks und des Miederhöschens darunter. Ich fühlte mich ertappt, als ich - ihren perfekten, völlig unverhüllten Körper sehnsüchtig bewundernd - ihrem Blick begegnete. Aber sie lächelte mich nur kokett an und setzte unbekümmert unser laufendes Gespräch fort, meine Aufmerksamkeit damit weiter auf sich fixierend, während sie sich langsam in das warme Badewasser setzte und genüsslich ihre intimsten Körperteile einseifte und wusch. Gerel ging ihr zur Hand, indem sie mit einem Krug warmes Wasser aus der Wanne schöpfte und der Badenden vorsichtig über ihr schwarzes Kraushaar goss, um es anschließend einzuseifen und ihr zärtlich die Kopfhaut und den Rücken zu massieren.

Als Juana mit ihrer Körperpflege fertig war, stieg sie aus der Wanne, griff zu einem großen Handtuch, das zum Trocknen und Anwärmen über dem Herd hing, und trocknete sich damit sorgfältig ab; Gerel half ihr dabei, indem sie der Wohngenossin den Rücken frottierte und ihr schließlich ein dünnes, kaum oberschenkellanges Neglige reichte. Juana streifte es sich über - es zeichnete die Formen ihres Körpers verführerisch nach - und setzte sich in engem Kontakt neben mich auf die Bank, anstelle von Carol, die sich nun ihrerseits anschickte, in die Badewanne zu steigen. So zelebrierten die Frauen reihum ihre Abendtoilette und assistierten einander dabei liebevoll, das Gespräch in der Runde munter weiterführend.

Als Solveig - die strohblonde, schwedische Schönheit - aus der Wanne stieg, sah sie mich auffordernd an und wies mit der Hand darauf. "Willst du nicht auch baden? Nach dem Anstieg hier herauf tut dir das doch sicher gut!"

Die Vorstellung verursachte mir spontan Herzklopfen, ich genierte mich sehr: nicht nur, weil ich ich mich dazu genauso vor den Augen aller würde entblößen müssen, wie die Frauen das so freimütig taten. Viel mehr noch war es die alles durchdringende Intensität jener weiblichen Intimsphäre, in der das geschah. Bei aller erotischen Verlockung forderten diese prachtvollen Frauenleiber meine Männlichkeit nicht heraus, sondern schüchterten sie ein und drängten sie gnadenlos an den Rand; als Mann verlor ich mich mehr und mehr in diesem erotischen Fluidum, es veränderte mich zusehends. Ich spürte, dass ich diesen Frauen, denen ich ja nun auf Gedeih oder Verderb ausgeliefert war, auf irgend eine rätselhafte Weise mit jeder Stunde des Zusammenseins ähnlicher wurde. Mit ihnen hier in trauter Runde nun auch noch das Badewasser zu teilen, weckte in mir die seltsame Befürchtung, mein Geschlecht könnte sich in diesem warmen Wasser auflösen, verschwinden, und stattdessen würden mir weibliche Attribute wachsen: Brüste, Hüften, eine weibliche Scham...

Was für unsinniges Zeug spukte da in meinem Kopf herum? Gerade noch eben hatte ich mich im Gespräch über den Aberglauben der Bevölkerung unten im Tal ereifert... Ich schalt mich selber einen Dummkopf und folgte Solveigs Aufforderung. Nela - noch immer mit nackten Brüsten, wie schon den ganzen Abend - ging mir dabei zur Hand, sie wusch mir die Haare und seifte mir den Rücken ein. Es tat wirklich gut. Die Beschämung wegen meiner Nacktheit hielt sich dabei in Grenzen: die Frauen sahen zwar durchaus hin, aber nur gelegentlich, beiläufig, es lag keinerlei Sensationsgier in ihren Blicken.

Nachdem Nela mir das Handtuch gereicht und mir zärtlich den Rücken trocken gerubbelt hatte, überreichte sie mir lächelnd ein zusammengefaltetes, rosafarbenes Stück Wäsche: ein seidenes Neglige, offenbar aus ihrem persönlichen Fundus. Peinlich berührt zögerte ich einen Augenblick, dieses pikante Angebot anzunehmen: das Nachthemd, das ich als Mann mir hier vor aller Augen überstreifen sollte, war ein sehr betont weibliches Wäschestück mit großen, fein ausgearbeiteten, rundum mit Spitze verzierten Brustkörbchen, passend zu Nelas ausladender Oberweite.

Selbstverständlich hatte ich meinen Pyjama mit hier heraufgebracht; aber der steckte in meinem Rucksack drüben im Schlafraum; ich hätte erst noch splitternackt dort hinüber huschen müssen, um ihn zu holen. Und jetzt, just in diesem Augenblick, ruhten plötzlich alle Blicke auf mir: erwartungsvoll und neugierig, ob ich nun auch auch dieser delikaten Aufforderung Folge leisten würde. Ich empfand das als Druck, dem zu widerstehen ich mich kaum in der Lage fühlte. Widerstrebend und heftig errötend schlüpfte ich in das zarte Kleidungsstück. Die Frauen, die mich nun interessiert von allen Seiten darin betrachteten, empfanden den Anblick offenbar als angemessen: hier und da ein anerkennendes Kopfnicken, keinerlei Erstaunen war zu bemerken; keine machte sich lustig darüber.

Was all die geballte Erotik dieser Frauen angesichts der einschüchternden Atmosphäre weiblicher Dominanz bisher nicht bewirken konnte, das bewerkstelligte nun plötzlich meine unfreiwillige Travestie: mein Geschlechtsteil schwoll unweigerlich vor Erregung an, es richtete sich auf und beulte das zarte Nachthemd aus, die weibliche Silhouette grotesk konterkarierend. Ich schämte mich - und zwar noch weit mehr für dieses unbotmäßige Aufbegehren meines Körpers, als für das spitzenverzierte Neglige an meiner Mannesbrust. Aber die Frauen beachteten es kaum, sie sahen diskret darüber hinweg, bis der Aufruhr von selbst erschlaffte. Männlichkeit schien hier keine Chance zu haben, in welcher Form auch immer.

Wir alle saßen nun im Nachthemd weiterhin in der mollig warmen Wohnküche und ließen unsere Haare trocknen, bis auch Shay als Letzte genüsslich gebadet hatte; die junge Carol ging ihr dabei zur Hand. Eigentlich wäre dazu jetzt wohl ich an der Reihe gewesen, und gerade für Shay hätte ich das auch liebend gerne getan; schon seit unserer allerersten Begegnung hatte es mir die Rothaarige mit dem hübschen Stupsnasengesicht und der atemberaubenden Figur angetan. Aber ich wagte es nicht: trotz des weiblichen Negliges, in das man mich gesteckt hatte, war ich ja immer noch ein Mann - und noch dazu ein Fremder. Als solcher einer dieser attraktiven Frauen hier so unmittelbar körperlich beim Baden assistieren zu wollen, das konnte nur allzu leicht als Übergriff interpretiert werden. So saß ich - in weitere, angeregte Gespräche vertieft - in der Runde am Tisch und sah beiläufig zu, mit einer Mischung aus Sehnsucht und Eifersucht im Bauch, wie Carol der sommersprossigen Irin hingebungsvoll diesen Liebesdienst erwies.

Als schließlich auch Shay mit ihrem Bad fertig war, kam Bewegung in die Runde: Nela - nach ihrem Bad nun im Neglige - und Solveig leerten die Wanne krügeweise aus und schleppten sie nach draußen. Die anderen Frauen räumten die Wohnküche noch ein wenig auf, sahen nach dem Feuer, und begaben sich dann in die Schlafkammer. Ich folgte ihnen und stand unschlüssig vor dem Bett, als sich alle - außer Nela, die noch mit dem flackernden Talglicht in der Hand hinter mir stand - auf die enge Liegefläche gelegt hatten.

"Worauf wartest du? Komm, leg dich hier zwischen uns, wir machen dir Platz!" forderte mich die etwas rechts von der Mitte liegende Shay auf, rückte ein kleines Stück von der links vor ihr liegenden Juana weg, die auch ihrerseits noch ein bisschen nach der anderen Seite wegrückte, und wies mit der Hand auf die so entstandene, schmale Lücke. Vorsichtig balancierte ich auf der Matratze zwischen die beiden Frauen und legte mich hinein; der frei gelassene Platz war so schmal, dass ich mich ebenfalls auf die Seite legen musste. Shay zog die große, gemeinsame Bettdecke bis zur Schulter über uns hoch und kuschelte sich genüsslich von hinten an mich; ich spürte deutlich ihren warmen Atem in meinem Nacken und den sanften Druck ihrer großen, weichen Brüste an meinem Rücken. Auch die vor mir liegende Juana rückte wiederum näher und schmiegte mir mit einem wohligen Seufzer ihren runden, warmen Po in den Schoß. So lag ich zwischen den beiden Frauen eingeklemmt wie die Wurst in der Stulle; Berührungsängste durfte man hier als Übernachtungsgast wahrlich nicht haben.

Nela stellte das Talglicht auf ein kleines Wandregal über dem rechten Rand der Liegefläche, blies es dort aus und schlüpfte als letzte an ihrem Platz an der Wand unter die große, gemeinsame Bettdecke. "Gute Nacht!" sagte sie noch in die Dunkelheit, dann war alles still, bis auf den einen oder anderen, tieferen Atemzug der anderen Frauen, die bereits in den Schlaf hinüberdämmerten.

Ich lag etwas verkrampft in meiner engen Nische zwischen den beiden Frauenleibern, den rechten Arm zum Kopf hin angewinkelt, die Linke auf den eigenen Körper abgelegt, um die vor mir liegende Juana nicht ungebührlich zu berühren, und konnte mir nicht recht vorstellen, wie ich - so eingekeilt - überhaupt Schlaf finden könnte. Aber meine Nachbarinnen lösten die schüchterne Verkrampfung alsbald auf: ich spürte, wie Shay ihre Linke leise auf meinen nackten Oberschenkel legte, knapp unterhalb des Randes meines von Nela geborgten, bereits etwas hochgerutschten Nachthemds. Von dort strich die suchende Hand zielstrebig unter dem Stoff auf meiner nackten Haut weiter nach oben und vorne, bis hin zu meinem männlichsten Körperteil, das sie ohne weitere Umstände umfasste und sanft drückte. Unter dem zärtlichen Griff schwoll mein Penis sofort an und verlangte nach mehr. Aber Shay hatte dabei wohl gar nicht wirklich sexuelle Absichten: still und reglos hielt sie mich weiter in der Hand, nahm einfach wie selbstverständlich Besitz von mir. Ihre langsamer werdenden, tiefen Atemzüge verrieten, dass sie so zu schlafen gedachte.

Dafür angelte nun die vor mir liegende Juana - blind, ohne sich umzudrehen - nach meiner linken Hand, ergriff sie und führte sie vorsichtig nach vorne unter ihr Neglige an ihre nackte Brust. Dort drückte sie meine offene Handfläche auf ihr zartes, warmes Fleisch; unter meinen Fingerwurzeln spürte ich, wie ihre drallweiche Mamille anschwoll und sich meinem forschenden Griff lustvoll entgegenreckte. Mit einem tiefen, zufriedenen Atemzug ließ Juana meine Hand wieder los, nachdem sie ihr diesen delikaten Platz zugewiesen hatte, und kuschelte sich ebenfalls zum Schlafen zurecht, mein Handgelenk dabei sanft unter ihrem Oberarm einschließend und haltend.

Ganz leise und vorsichtig wagte ich es, Juanas verführerische Weichheit noch ein wenig zu streicheln und zu kneten. Dann folgte ich dem Beispiel von Shays stetiger Berührung meiner Männlichkeit und hielt die mir dargebotene Brust nun meinerseits still und reglos weiter in meinem Besitz. Haut und Fleisch beider Seiten gewöhnten sich schnell an die lustvollen Berührungen, die alsbald unter die Wahrnehmungsgrenze sanken und einer euphorischen Entspannung den Weg bahnten. Die Müdigkeit und Erschöpfung eines langen, ereignisreichen Tages gewann darin die Oberhand; ich fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

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Wally
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Re: Hexen

Post 7 im Thema

Beitrag von chris »

Hi Wally,

wow ne tolle Geschichte - da kribbelt es direkt *schmunzel
Freu mich auf das nächste Kapitel

LG
chris
Wally
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Re: Hexen

Post 8 im Thema

Beitrag von Wally »

Teil 4

Als ich erwachte, war es taghell. Ich lag allein in der kleinen Schlafkammer mit dem großen Gemeinschaftsbett. Von der Wohnküche hörte ich durch die geschlossenen Türen gelegentlich Stimmen und Geschirrklappern herüber. Gut erholt, wenn auch leicht fröstelnd schlug ich die Bettdecke zurück, stand auf und sah aus dem halb geöffneten Fenster, aus dem ein Hauch frischer, eiskalter Bergluft hereinwehte. Die Gipfel der gegenüberliegenden Bergkette glitzerten im hellen Sonnenlicht, während der Talgrund noch in tiefem Schatten lag.

Gut gelaunt suchte ich nach meinem Rucksack, um meine Morgentoilette zu absolvieren - und fand ihn nicht. Stattdessen lag da nur ein rosa Slip und ein einfaches, knielanges Damenkleid aus naturfarbenem Leinen am Fußende des Betts - just an der Stelle nahe der Mitte, wo ich geschlafen hatte. Das konnte doch wohl nicht für mich hier bereitgelegt worden sein? Ich sah mich gezwungen, in Nelas geliehenem Nachthemd und barfuß - meine Schuhe hatte ich wie alle Anderen im Flur abgestellt - in die Küche hinüber zu gehen und nach dem Verbleib meiner Sachen zu fragen.

In der Wohnküche werkelten - in ein angeregtes Gespräch vertieft - Solveig und Gerel. Die anderen Frauen waren wohl schon zu ihrem Tagwerk irgendwo draussen auf dem Anwesen unterwegs. Die beiden Verbliebenen begrüßten mich mit einem freundlichen "Hallo", fragten, ob ich gut geschlafen hätte ("Wie ein Murmeltier" war meine dankbare Antwort) und boten mir ein Frühstück an. Auf die Frage nach meinen Habseligkeiten meinte Solveig entschuldigend: "Wir dachten, du brauchst erst mal frische Kleidung - deshalb haben wir für dich die Sachen aufs Bett gelegt. Dein Rucksack ist im Schrank, da haben wir ein Fach für dich frei gemacht. Komm, ich zeig's dir."

Erleichtert nahm ich meine Sachen aus dem Fach und schickte mich an, mich erst einmal wie gewohnt zu rasieren. Das gestaltete sich freilich etwas schwierig: es gab hier weder ein Waschbecken, um mit Pinsel und Seife Rasierschaum zu erzeugen, noch einen gut beleuchteten Spiegel, um die Bartstoppeln unfallfrei aus dem Gesicht zu schaben. Noch während ich aber nach den benötigten Utensilien suchte, stellte ich verblüfft fest, dass sich die ganze Aktion sowieso erübrigte: mir waren keinerlei Bartstoppeln gewachsen - im Gegenteil! Selbst der Ansatz von Rauhigkeit, den ich am Abend zuvor noch - wie jeden Abend - im Gesicht gespürt hatte, war über Nacht verschwunden. Kinn, Wangen und Oberlippe waren völlig glatt, da gab es nichts zu rasieren.

Konsterniert inspizierte ich vor dem Spiegel im Flur meinen nackten Körper, nachdem ich Nelas meine Männlichkeit so verhöhnendes Nachthemd abgestreift und zur Seite gelegt hatte: meine Brustwarzen schienen über Nacht größer und empfindlicher geworden zu sein. Auch um sie herum zeigte sich jeweils eine weiche, konzentrische Schwellung, sie ragten darauf heraus wie auf einem kleinen, flachen, umgedrehten Teller, und die Nippel reagierten auf jede noch so leise Berührung mit einem intensiven, schon fast ins Schmerzhafte reichenden, kitzeligen Gefühl. Sollten mir da etwa weibliche Brüste wachsen?

Selbst meine Schultern und mein Brustkorb kamen mir plötzlich ungewohnt schmal vor, die Hände und Füße ungewohnt klein, während die Hüften sich groß und rund auswölbten und mein Geschlechtsteil, das sowieso noch nie durch besondere Größe aufgefallen war, dazwischen auf ein geradezu lächerliches Maß geschrumpft schien.

Das konnte und durfte doch alles nicht sein; warum bildete ich mir hier - im Halbdunkel vor einem teilweise blinden Spiegel stehend - plötzlich all solchen Unsinn ein? Kopfschüttelnd floh ich wieder zurück ins Schlafzimmer zu meinen Habseligkeiten, schob das geschrumpfte Geschlechtsteil auf die garstige Kälte in dem zugigen Flur und rettete mich in meine mitgebrachte Kleidung, die ja durchaus noch in zivilisiertem Zustand war; wozu also sollte ich hier als Transvestit in der mir so fürsorglich angebotenen Damengarderobe herumlaufen? Die ungewohnte Atmosphäre hier oben - vereint mit der unausweichlichen, intimen Nähe zu all diesen attraktiven Frauen - hatte mir wohl einen Streich gespielt und meine Selbstwahrnehmung vor dem Spiegel getäuscht.

Wieder etwas beruhigt - als weiterhin nicht zu leugnendes Fragezeichen rumorte freilich die fehlende Notwendigkeit einer Rasur in meinem Hinterkopf - begab ich mich wieder hinüber in die mollig warme Wohnküche, und genoss das von Gerel und Solveig inzwischen für mich bereitete Frühstück. Es gab einen wohlschmeckenden Malzkaffee mit heißer Milch dazu, und - völlig unerwarteter Luxus - knackfrische, noch ofenwarme Vollkornbrötchen. Man leistete sich hier offenbar den Aufwand, jeden Morgen noch vor dem Frühstück frisch zu backen! Als Beilagen wurden Butter, mehrere Sorten Käse, leckere, selbstgemachte Marmelade und Honig gereicht; auch ein Rührei mit frischen Kräutern und ein Glas selbstgepressten Apfelsafts fehlte nicht. Angesichts der kargen Umgebung fühlte ich mich fürstlich verwöhnt, und meine charmanten Gastgeberinnen trugen mit allerlei kurzweiligen Bemerkungen und freundlichen Scherzen zu meiner guten Laune bei.

Gestärkt und ausgeruht bat ich Gerel und Solveig, mir das Anwesen zu zeigen und mich in den Tagesablauf und die täglich anfallenden Arbeiten einzuweisen. So gedachte ich mich einerseits als Dank für die liebevolle Gastfreundschaft ein wenig nützlich zu machen; andererseits hoffte ich, diese bemerkenswerte Lebensgemeinschaft der sechs Frauen etwas näher zu ergründen. Die beiden gingen erfreut darauf ein; sie zeigten mir zunächst die Details und Arbeitsabläufe im Haus und in dem davor angelegten Gemüsegarten. Später übergaben sie mich der Reihe nach an die anderen vier Frauen, die draußen bei den Stallungen, auf den kleinen Getreide- und Kartoffelfeldern und den Viehweiden ihre Arbeit verrichteten.

Die Frauen hatten sich hier ein kleines, weitgehend autarkes Selbstversorger-System aufgebaut. Es gab ein paar Kühe, deren Milch auch der Herstellung von Butter und diversen Käsesorten diente. Ebenso lieferte eine kleine Schafherde Milch - und Wolle, die in den ruhigeren Wintermonaten zu Strickwaren verarbeitet wurde. Hühner und Enten in jeweils abgefriedeten Arealen gaben Eier und Fleisch. Mehrere kleine, mühsam von Hand umgegrabene Felder für Kartoffeln und mehrere Getreidesorten deckten den Bedarf an Grundnahrungsmitteln. Sogar ein Bienenhaus gab es am Rande des Anwesens; Shay war - neben wichtigeren Aufgaben bei den Tieren - die Spezialistin für die Gewinnung von Honig und die Herstellung von Kerzen aus dem Wachs der Waben. Wenn bei den Kälbern und Schafen Schlachtungen fällig wurden, räucherten die Frauen den größeren Teil des Fleischs und tauschten es später - zusammen mit ihrem Überschuss an Eiern, Geflügel und Milchprodukten - unten im Dorf gegen andere, auf dem Anwesen nicht herstellbare Güter und Gegenstände ein. Obwohl die Frauen bei den Dorfbewohnern als "Hexen" verschrien waren und persönlich weitgehend gemieden wurden, nahm man ihre Produkte angesichts der verlässlich guten Qualität doch gerne an.

Mit wachsender Kenntnis gewann ich enormen Respekt vor der Leistung dieser Frauen: es war faszinierend zu beobachten, wie jede einzelne von ihnen in geradezu meditativ anmutender Ruhe und Stetigkeit, aber gleichzeitig mit erstaunlicher Effizienz und beeindruckendem Sachwissen ihrer vielgestaltigen Arbeit nachging - meistens alleine für sich, nur im Haus oder bei Außenarbeiten, die mehr Hände gleichzeitig erforderten, auch gemeinsam. Schon die bloße Begleitung an diversen Rundgänge auf dem Anwesen, bei denen ich nur hier und da nach Anweisung mit Hand anlegte, brachte mich körperlich an meine Grenzen, und von den vielen Erklärungen schwirrte mir der Kopf. So war ich sehr froh über die zweistündige, gemeinsame Ruhezeit, die die Frauen mittags gemeinsam im Haus verbrachten, bei einer - heute von Gerel und Solveig bereiteten - kräftigen, warmen Mahlzeit und später Kaffee und Kuchen.

Ich wunderte mich sehr darüber, dass die Frauen hier oben, ganz ohne Männer und in dem denkbar kargen Umfeld des Gebirges, es schafften, sich nicht nur notdürftig am Leben zu erhalten, sondern sogar für eine bescheidene Art Luxus zu sorgen, wie etwa die frischen Brötchen zum Frühstück und den leckeren Kuchen am Nachmittag. Trotz aller Härte erschien mir das Ganze wie ein kleines Paradies: die Frauen gingen liebevoll miteinander um, für alles Wichtige war gesorgt, und die Arbeit in der frischen Bergluft tat Leib und Seele gut. Letzteres relativierte Shay freilich prompt: "Ja, jetzt bei dem herrlichen Sonnenschein ist das wirklich ein Paradies. Aber bei Schmuddelwetter im November fällt uns manchmal schon auch die Bude auf den Kopf, dann ist das alles nicht so lustig!"

Meinen anerkennenden Vergleich mit den den Dorfbewohnern im Tal, die es trotz doch eigentlich viel besserer Voraussetzungen kaum schafften, sich selbst zu ernähren, während die Frauen hier oben der kargen Natur sogar noch Überschüsse abtrotzten, wollte Nela nicht gelten lassen: "Wir sind hier alle relativ jung, gesund und kräftig; wir brauchen weder Kinder noch Alte und Kranke mit durchzufüttern, wie es im Tal unten die Regel ist; da haben wir es schon auch leichter." Auf meine Gegenfrage, warum das eigentlich so wäre, und warum hier keine Männer und Kinder lebten, bekam ich keine Antwort; Nela sah nur starr vor sich hin, die anderen Frauen senkten betreten den Blick; die sonst so fröhliche Atmosphäre wich für einen Moment einer stillen Traurigkeit, angesichts derer es mir geboten schien, taktvoll das Thema zu wechseln.

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Das fallweise Zusammensein mit jeweils nur einer der Frauen bei der Arbeit tat meinem ramponierten, männlichen Selbstbewußtsein gut. Jede einzelne von ihnen sprach auf spezifische Weise den Mann in mir an, jede spielte mit mir beiläufig, aber mit sichtlichem Genuss das uralte Verführungsspiel: Shay in unbekümmerter Frische und Natürlichkeit, die blutjunge Carol eher wie ein scheues Reh, Gerel geheimnisvoll mit asiatischer Rätselhaftigkeit, die kraushaarige Juana kokett und lasziv, die schöne, blonde Solveig selbstbewußt kühl lächelnd, und selbst die doch schon etwas ältere Nela vermittelte mir mit ihrer besonders üppigen Weiblichkeit eine Wärme, die keineswegs nur mütterlich zu nennen war. Jede von ihnen weckte in mir das intensive Verlangen nach erotischen Intimitäten - und keine von ihnen schien dem abgeneigt!

Um so unverständlicher war mir das enthaltsame Einsiedlerleben, das diese durchweg sehr attraktiven und alles andere als prüden Frauen in ihrer klösterlich anmutenden Abgeschiedenheit führten. Was für ein dunkles Geheimnis mochte sich wohl dahinter verbergen? Was bedeutete das betretene Schweigen, als ich nach dem Grund für ihre Männer- und Kinderlosigkeit gefragt hatte?

Meine Einschüchterung angesichts des Übermaßes an Weiblichkeit war im Lauf des Tages ebenso gewichen wie die morgendliche Verunsicherung vor dem Spiegel. Meine Gesichtshaut zeigte gegen Abend nun doch wieder die gewohnte Rauheit nachwachsender Bartstoppeln, und mein Intimstes reagierte auf all die erotischen Flirts mit permanentem, heftig raumforderndem Aufruhr in der Hose. Ich schalt mich selber einen Esel und beschloss, vorerst keine Fragen mehr zu stellen, sondern einfach die sich mir hier bietenden Gelegenheiten zu nutzen und in vollen Zügen zu genießen.

Doch daraus wurde nichts. Schon beim gemeinsamen Abendessen umfing mich wieder eine seltsame Verzagtheit: ein Gefühl, mich als Mann in diesem Meer aus Weiblichkeit zu verlieren, mich restlos darin aufzulösen. Beim anschließenden Baderitual, das die Frauen wie jeden Abend gemeinsam zelebrierten und mich dabei wie am Vorabend auch wieder mit einbezogen, ergab es sich, dass die junge Carol mir bei meinem Bad liebevoll assistierte - nicht ohne dabei mit einem schelmischen Lächeln zwischendurch unvermittelt ins Wasser zwischen meine Beine zu greifen, um meine schüchtern auf minimale Größe zurückgezogene Männlichkeit neckisch zu provozieren. Für einen kurzen Moment lockte sie meinen kleinen Mann damit tatsächlich wieder aus der Reserve, und ich nahm mir fest vor, mich anschließend - wenn sie badete und ich ihr assistierte, mit einem beherzten Griff an ihre kleinen, aber sehr wohlgeformten, keck vorstehenden Jungmädchenbrüste zu revanchieren, sie zum beiderseitigen Genuss und zur Ergötzung der anderen, zuschauenden Frauen ausgiebig und zärtlich mit beiden Händen einzuseifen.

Als es aber so weit war und ich wieder trocken, in Nelas Neglige, neben der nun verführerisch nackt in der Badewanne sitzenden Carol stand, war mein kleiner Mann schon längst wieder zum belanglosen Anhängsel geschrumpft, und jegliche, männliche Kühnheit hatte mich verlassen. Ich wusch dem zart gebauten Mädchen sorgfältig ihr volles, welliges, brünettes Haar, rubbelte ihr danach fürsorglich den Rücken trocken und reichte ihr das feine, seidene Nachthemd, ohne sie in irgendeiner Weise unkeusch berührt zu haben. Ich wagte es nicht.

Es war nicht die Frage, ob ich es durfte: alle Frauen hier - auch Carol - signalisierten mir dezent, durch die Blume, aber stetig und unmissverständlich, dass Zärtlichkeiten bis hin zu intimsten Berührungen durchaus erlaubt und sogar erwünscht seien, und sie ließen zudem kaum eine Gelegenheit aus, mich sogar dahingehend zu provozieren. Aber je mehr ich mich in die eingeschworene, kleine Gemeinschaft einfügte, desto mehr wuchs in mir gerade wegen der Intensität dieser erotischen Verlockungen auch eine diffuse Angst vor dem, was solche Berührungen mit mir selbst machen würden. Irgend etwas in mir schlug da Alarm: eine Ahnung kroch in mir hoch, dass mich jegliche Intimität mit diesen Frauen ein Stück weit aussaugen, mich als Mann Stück um Stück aufbrauchen, reduzieren, mich am Ende gar zu Tode konsumieren würde. Es würde mich - so meine angstschauernde Vorstellung - unwiderruflich transformieren und aus mir einen gänzlich anderen Menschen machen: eine Frau, eine wie sie. Da war wieder diese Verunsicherung, wie ich sie morgens vor dem halbblinden Spiegel plötzlich empfunden hatte: unlogisch, grotesk, paranoid - aber alle Vernunft half kaum noch dagegen; es kostete mich große Mühe, die seltsamen Ängste und Befürchtungen in mir niederzukämpfen.

Die anschließende Nachtruhe war dagegen nun schon beruhigende Gewohnheit: ich schlüpfte wieder in meine enge Nische zwischen Shay hinter mir und Juana vor mir. Wieder suchte Shay mit ihrer Hand von hinten nach meinem Geschlechtsteil, ergriff es und hielt es sanft fest. Mein Penis schwoll diesmal nicht mehr an; dennoch fühlte ich mich in dem zärtlichen, ruhigen Griff geborgen und besänftigt. Es bedurfte diesmal auch nicht mehr Juanas lenkender Initiative, dass ich meine Hand unter ihrem Nachthemd leise an ihre Brust gleiten ließ; die verführerische Mulattin hob nur ihren Arm ein wenig, um mir ungehindert Zugang zu ihren zarten, vollen Weichheiten zu gewähren, kuschelte sich dann mit einem wohligen Seufzer in meinen lüsternen Griff - und schlief alsbald ein. Ich selbst lag noch eine Weile wach und dachte über diese ganze, seltsame Situation nach. Das war alles so rätselhaft... Irgendwann siegte dann doch die Müdigkeit, und ich fiel wieder in einen erholsamen Schlaf.

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Wally
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Re: Hexen

Post 9 im Thema

Beitrag von Wally »

Teil 5

Der neue Morgen begann mit einem Schock. Wiederum hatte ich länger geschlafen als meine Gastgeberinnen; ich war allein in dem kleinen Schlafraum, in den das halb geöffnete Fenster eiskalte Morgenluft hereinwehen ließ. Fröstelnd zog ich Nelas Nachthemd über den Kopf, um in meine gewohnte Tageskleidung zu schlüpfen; aber beim zufälligen Herunterblicken auf meine Brust erstarrte ich vor Schreck: da erhoben sich zwei handtellergroße, keck nach vorne ragende, weiche Erhebungen - weibliche Brüste! Anders als am ersten Morgen, als ich die noch sehr dezenten, körperlichen Veränderungen mehr erahnt als wirklich wahrgenommen hatte, gab es nun keinerlei Raum mehr für irgendwelche Zweifel und Interpretationen: das war keine Einbildung, kein Produkt meiner überhitzten Fantasie - das war handfeste Realität!

Konsterniert befühlte ich meine beiden Neuerwerbungen mit den Händen. Sie waren warm und sehr weich; der forschende Zugriff meiner Finger löste in der zarten Haut ungewohnt intensive Gefühlssensationen aus, die sich beim Berühren der prompt anschwellenden, drallen Zitzen zu einer beinahe schmerzhaften Kitzeligkeit steigerten. Eine Welle sexueller Erregung durchströmte dabei meinen Körper: seltsamerweise ohne Beteiligung meines männlichen Geschlechtsorgans, das sich bis auf eine kaum noch auffindbare Winzigkeit in sich selbst zurückgezogen hatte. Stattdessen rieselten mir prickelnde, euphorische Schauer vom Nacken den Rücken hinab, durch Arme und Beine bis in die Finger- und Zehenspitzen - eine nie gekannte, den ganzen Körper erfassende Glücksempfindung. Gleichzeitig drohte mir ein Gefühl grenzenloser Scham den Boden unter den Füßen wegzuziehen; die Vorstellung, dass mich irgendwer so sehen könnte, als Mann mit weiblichen Brüsten, die in Form und Größe beinahe schon Carols verführerischen Jungmädchenbrüsten ähnelten - das war zuviel, mir wurde schwindlig. Vorsichtig hockte ich mich auf den Matratzenrand, den Kopf auf die Hände gestützt, und rang verzweifelt um Fassung.

Einer plötzlichen Eingebung folgend, griff ich nach einiger Zeit nach der Kleidungsgarnitur, die mir meine Gastgeberinnen in beharrlicher Fürsorglichkeit auch heute morgen wieder an den Bettrand gelegt hatten. Mein heftig dagegen aufbegehrendes Schamgefühl tapfer überwindend, schlüpfte ich in das rosa geblümte, elastische Höschen, stand auf und zog mir das geöffnete, kurzärmelige Kleid über den Kopf. Es kostete mich einige Verrenkungen, den Reißverschluss am Rücken zu schließen. Das einfache, schmucklose Leinenkleid - der Größe nach mochte es wohl aus Shays Garderobe stammen - schien mir einigermaßen zu passen: meine mir so unvermittelt zugewachsene Oberweite wölbte den Stoff dezent, aber doch unübersehbar aus. In der Taille lag das Kleid glatt an; der glockenartig sich erweiternde Rock reichte mir bis knapp unterhalb der Knie und umschmeichelte sanft meine nackten Oberschenkel, als ich die paar Schritte auf den Flur hinaustrat, um mich im Spiegel zu betrachten.

Zunächst wunderte ich mich über mein Gesicht: es schien über Nacht weicher, runder, weiblicher geworden zu sein. Aber es war immer noch unverkennbar mein Gesicht, es dominierten darin immer noch die gewohnten, männlichen Züge. Bildete ich mir die Veränderung nur ein? Der Bartwuchs fehlte wiederum völlig, die Stoppeln vom Vorabend waren erneut auf dieselbe, rätselhafte Weise verschwunden. Das Kopfhaar dagegen kam mir deutlich länger vor als noch am Vortag.

Insgesamt war die Figur, die ich im Spiegel sah, immer noch eindeutig ein Mann - trotz des luftigen Damenkleids und der desavouierenden Auswölbung durch zwei keck vorstehende, kleine Brüste. Die Schultern darüber waren breit, die Hüften darunter männlich schmal wie schon immer. Letzteres empfand ich jetzt, frierend in dem leichten Kleidchen vor dem Spiegel stehend, paradoxerweise als Mangel. Nein: ich war nun mal keine Frau. Was ich im Spiegel sah, war ein weiblich gekleideter Mann, ein Transvestit, eine "Tunte" - obwohl die Brüste unter dem Kleid sogar echt waren...

Unter normalen Umständen hätte ich mich in Grund und Boden geschämt, mich vor anderen Leuten - und gar noch vor einer ganzen Gruppe attraktiver Frauen - so zu präsentieren. Keine zehn Pferde hätten mich dazu gebracht... Aber diese sonderbare Gesellschaft hier schien sich ja ausdrücklich zu wünschen, dass ich als ihr männlicher Gast Damenkleidung trug; man hatte mir das Kleid extra bereitgelegt. Und diese unsägliche, selige Schmach zweier weiblicher Brüste, die mir so plötzlich über Nacht zugewachsen waren, ragte jetzt wie ein doppeltes Rufzeichen an mir hervor; ich konnte sie nicht mehr unterm Hemd verbergen. Das Kleid legitimierte diese Formen wenigstens ein bisschen, es entschuldigte mich gewissermaßen dafür; unter einem Damenkleid durfte so etwas eher sein als unter einem Herrenhemd... Kurz entschlossen wandte ich mich um und betrat - so, wie ich war - tief durchatmend die Küche.

In der kleinen Wohnküche war es wie immer mollig warm - eine Wohltat für mich, in dem leichten Kleidchen, mit nackten Armen und Beinen. Fast die ganze, kleine Gemeinschaft saß hier noch munter plaudernd beim Frühstück, nur Solveig fehlte. Sie hatte sich wohl schon nach draußen begeben, um das Vieh zu versorgen. Die Frauen begrüßten mich mit freundlichem "Hallo"; ihr Blick streifte nur kurz und beiläufig meine Kleidung und die darunter erkennbaren, pikanten Formen, ohne irgendeine Verwunderung oder Überraschung erkennen zu lassen. Nur Shay nickte bei einem kurzen, verstohlenen Blickwechsel mit Nela zufrieden anerkennend; sie schien die für mich so verwirrenden, aufwühlenden Veränderungen meines Äußeren erwartet zu haben und gut zu heißen. Was wussten die Frauen darüber? Hatten sie diese unfreiwillige, beschämende Metamorphose an mir womöglich gar irgendwie bewusst und gewollt herbeigeführt? Wenn sie so etwas bewirken konnten, mussten sie wirklich Hexen sein. Aber gab es denn Hexen? Und wenn nicht: wie war das alles dann möglich? Mir fiel einfach keine plausible Erklärung ein, und ich wagte auch nicht zu fragen.

Das Gespräch beim Frühstück drehte sich entspannt und fröhlich um Belanglosigkeiten, als ob ich schon wochenlang hier zu Gast und nahtlos in den Alltag der Frauen integriert wäre. Ich ließ mir den für heute geplanten Tagesablauf erklären und gesellte mich für den Vormittag zu Juana und Nela, um im Kräutergarten Unkraut zu jäten und anschließend für die ganze Gesellschaft das Mittagessen zuzubereiten.

Es war ein höchst ungewohntes, aufregendes Gefühl, die ganze Zeit in dem Kleidchen im Haus und auf dem Hof herumzulaufen. Einerseits genierte ich mich dessen sehr, andererseits weckte es gleichzeitig eine prickelnde, selige Euphorie in mir, genauso feminin bekleidet zu sein wie meine bezaubernden Gastgeberinnen, die ungeachtet dessen auch jetzt keine Gelegenheit ausließen, mit mir zu flirten und mich mit ihrer betörenden Weiblichkeit zu locken. Die Flirts schmeichelten mir und weckten in mir auch immer wieder den intensiven Wunsch nach Intimitäten. Aber obwohl ich dadurch ohne jeden Zweifel auch sexuell erregt wurde, blieb die in solchen Fällen gewohnte Erektion völlig aus. Bei aller Geilheit versteckte sich mein kleiner Mann so unauffällig in dem rosa Damenhöschen, als ob er gar nicht mehr da wäre. Wie war das nur möglich, bei gleichzeitig so intensiven, erotischen Gefühlen? Und was bedeutete das für mich als Mann? War ich denn überhaupt noch einer? Was, zum Teufel, ging da in mir vor?

Die ausgedehnte Mittagspause verbrachten wir alle gemeinsam unter den Bäumen neben dem Haus. Im strahlenden Sonnenschein war es tagsüber sehr warm geworden; Nela und Juana holten selbst gezimmerte, klappbare Liegestühle aus einem der Schuppen und stellten sie auf der von den Schafen säuberlich kurz gehaltenen Grasfläche auf. Eine nach der andern zogen sich die Frauen aus und genossen in Badekleidung auf den Liegestühlen die kühlende Brise; obwohl mit ungebetenen Zuschauern hier oben kaum zu rechnen war, mochten sie sich so im Freien wohl doch nicht gänzlich entblößen. Auch ich legte mich in meinem Kleidchen auf einen der Stühle und döste genüsslich vor mich hin, als plötzlich Shay - in einem schlichten, einteiligen Badeanzug, sie sah darin umwerfend sexy aus - neben mir auftauchte und mich ansprach: "Willst du dich nicht auch ausziehen? Hier hast du was für die Brust!" Sie reichte mir ein Bikini-Oberteil - in demselben, geblümten Rosa wie das Höschen, in das ich am Morgen unter heftigen Schamgefühlen geschlüpft war, und das ich unter dem Kleid immer noch trug.

Meine Gesichtsfarbe muß wohl noch röter geworden sein als das delikate Dessous, als ich gehorsam das Kleid über den Kopf zog und mir hastig das Bikini-Oberteil um die entblößte Brust legte. Ich hatte noch nie so etwas getragen - wozu auch: schließlich gab es da bei mir als Mann nichts zu halten oder zu bedecken. Es war für mich zutiefst aufwühlend und verwirrend, nun, seit der vergangenen Nacht, so plötzlich und unerklärlich mit weiblichen Brüsten behängt zu sein, die tatsächlich einer solchen Umhüllung bedurften. Noch mehr verwirrte und beklemmte mich die Erfahrung, dass das von mir eilig, aber verzweifelt umständlich - weil völlig ungeübt - hinterm Rücken zugenestelte Dessous am Ende zwar züchtig meine Brüste bedeckte, aber die bloße, für einen Mann doch höchst beschämende Tatsache ihrer Existenz paradoxerweise wie zwei "Achtung!"-Schilder nun erst recht zur Schau stellte und noch weit mehr Aufmerksamkeit darauf lenkte, als wenn ich die obszönen Weichheiten einfach unbedeckt gelassen hätte.

Shay schien sich über meine seltsame Metamorphose überhaupt nicht zu wundern, im Gegenteil: sie hatte mir in dieser absurden Situation das pikante Dessous so beiläufig angeboten, als ob es das Selbstverständlichste auf der Welt wäre. Was für ein Spiel wurde hier gespielt? Was wusste sie darüber? Was, zum Teufel, stellten diese Frauen mit mir an?

Die ganze Situation verunsicherte mich zutiefst - und erregte mich gleichzeitig. Rundherum lockten mich hübsche, leicht bekleideten Frauen mit ihren aufregenden Körperformen - und der ungewohnte, sanfte Druck meines Bikini-Oberteils um meine Brust erinnerte mich beständig und beharrlich daran, dass auch ich selber nun plötzlich solche, verführerische Weichheiten hatte, wie ich sie an den Frauen so sehnsüchtig bewunderte. Wieder rieselten mir euphorische Schauer über Rücken, Po und Hüften - eine ungewohnt intensive Art sexueller Erregung, die den ganzen Körper erfasste, während mein männliches Geschlechtsteil sich dabei schüchtern, ohne jede Regung in dem rosa Bikini-Höschen verbarg. Seltsamerweise war ich froh darüber: denn plötzlich genierte ich mich meiner Männlichkeit.

Verschämt sah ich mich ein ums andere mal um: keine der anderen Frauen nahm von dem peinlichen Wäschestück an meiner Mannesbrust besonders Notiz. Sie ignorierten es auch nicht, sie sahen nicht gezielt darüber hinweg; sie nahmen es genauso selbstverständlich hin wie die Umhüllung ihrer eigenen Brüste. Was für mich eine unerklärliche, aufwühlende, irritierende Ausnahmesituation war, die mich an meinem eigenen Verstand zweifeln ließ, schienen diese Frauen an mir als Mann für genauso normal zu halten wie an sich selber.

-----

Für den Nachmittag übertrug man mir zum ersten Mal eine eigenständige Aufgabe: ich sollte die kleine Schafherde an einem Weideplatz weiter oben am Berg beaufsichtigen. Carol half mir, die Tiere dort hinauf zu treiben, und zeigte mir das Areal, das die Schafe beim Grasen möglichst nicht verlassen sollten. Dann wünschte sie mir ein paar schöne, ruhige Stunden. Abends würden die Schafe nahezu selbständig mit mir wieder zur Alm zurückkehren; sie waren an diesen Ablauf gewöhnt.

Es war eine sehr geruhsame Arbeit: ich setzte mich mit meinem Stock an strategisch günstiger Stelle auf einen Felsbrocken und brauchte während der drei bis vier Stunden nur wenige Male aufzustehen, um ein paar der Tiere, die sich beim friedlichen Grasen langsam von der Herde entfernten, in gemächlichem Spazierschritt wieder dort hin zurück zu treiben. Ansonsten saß ich still in der Sonne, froh darüber, eine Zeitlang allein zu sein und meine verwirrte Gedankenwelt ein wenig ordnen zu können.

Einerseits erschien mir mein Leben hier oben paradiesisch: in einer wildromantischen Bilderbuchlandschaft, umgeben von sechs höchst attraktiven, jungen Frauen, die mich rundherum liebevoll versorgten und mich ohne jegliche Tabus in ihr engvertrautes, intimes Zusammenleben aufnahmen. Ich könne auch gerne länger bleiben, hatte Shay mir schon gleich bei meiner Ankunft gesagt; und sie alle ließen im ständigen Umgang mit mir deutlich erkennen, dass sie mein Verbleiben wünschten und sogar fest damit rechneten. Besser konnte es ein Mann doch gar nicht treffen!

Ein Mann"¦ War ich denn überhaupt noch ein Mann? Unwillkürlich fasste ich mir wieder an die Brust - an die Brüste, die mir in der vergangenen Nacht so wundersam zugewachsen waren. Nein, das war keine Halluzination; diese beiden hoch empfindsamen, zartweichen Rundungen, die sich da in sanfter Schwere herauswölbten und bei jedem Schritt spürbar ein wenig mitschwangen und nachzitterten, waren unleugbar real - so unerklärlich ihre Entstehung auch scheinen mochte. Sie fühlten sich unglaublich gut an: wohlig euphorisch schmiegten sie sich in den forschenden Griff meiner Hände. Ich hatte das Bikini-Oberteil, das Shay mir in der Mittagspause so freundlich anempfohlen hatte, danach auch unter dem Kleid anbehalten, als Büstenhalter. Der beständige, sanfte Druck um die Brust erinnerte mich seitdem jede Sekunde an die seltsame Metamorphose, die sich an meinem Körper vollzog, und der ich nun schon den ganzen Tag genierlich, aber letztlich doch gehorsam mit dem Tragen kompletter, weiblicher Kleidung Rechnung trug.

So sehr ich als Mann die intimen, erotischen Verlockungen der Frauen und die Flirts mit ihnen genoss, so eindeutig scheiterte ich an der Herausforderung, die das für einen Mann zugleich bedeutet. Je näher und intimer ich mit ihnen zusammen war, desto jämmerlicher zog sich jegliche Manneskraft in mir zurück; meine männliche Sexualität implodierte geradezu vor diesem Übermaß dominanter Weiblichkeit um mich herum. Ich hatte nicht die geringste Chance, mich bei diesen Frauen als Mann zu bewähren.

Das Seltsamste daran war, dass meine erotischen Gefühle dabei nicht etwa verschwanden, sondern sich in einer schwer zu beschreibenden Weise veränderten. Ihre Intensität nahm dabei sogar eher noch zu: ein wohliges, vor Angstlust bebendes Prickeln, das sich von meinem Schoß in die Brust und von dort in meinen ganzen Körper ausbreitete. Und dann die körperlichen Veränderungen: schon in der ersten Nacht hier war mein Bart nicht mehr gewachsen; sogar der abends schon vorhandene Ansatz war über Nacht, ganz ohne Rasur, einfach verschwunden. Jetzt, seit der zweiten Nacht, hatte ich plötzlich diese runden, weichen Brüste, die ich schon wieder zärtlich streichelte und knetete. Sobald ich ungestört alleine war, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, sie wieder und wieder mit beiden Händen zu liebkosen, diese seltsam süße Schande für einen Mann.

Das alles konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen"¦War ich denn wirklich unter Hexen geraten? Ich glaubte nicht an so etwas, ich hielt solche Geschichten für naiven Aberglauben. Und gerade diese sechs Frauen hatten doch so gar nichts Hexenartiges an sich: sie wirkten mit ihrer erfrischend ungezwungenen, natürlichen Art so vertrauenerweckend sympathisch, dass man kaum anders konnte, als sie spontan ins Herz zu schließen. Einzig Gerel strahlte neben aller Offenheit und Freundlichkeit auch ein klein wenig exotische Rätselhaftigkeit aus; doch das mochte mit ihrer uns Europäern fremden, asiatischen Abstammung und Kultur zusammenhängen.

Aber seit ich mit diesen Frauen zusammen war, veränderte sich mein Körper - und es gab dafür einfach keine vernünftige Erklärung! Mehr noch: so ungewöhnlich und unerklärlich diese Veränderungen waren - die Frauen schienen sich in keiner Weise darüber zu wundern. Sie verhielten sich mir gegenüber so, als ob es das Selbstverständlichste auf der Welt wäre, als ob sie es gar nicht anders erwartet hätten; sie boten mir gar spontan die dazu - und nur dazu! - passende Bekleidung an. Wenn sie schon nicht - weiß Gott oder der Teufel, wie - willentlich durch irgendeinen Zauber diese Metamorphose an mir bewirkten, so schienen sie doch zumindest Näheres darüber zu wissen.

Wo würde das hinführen, wenn ich noch länger hier bei ihnen blieb? Unwillkürlich musste ich wieder an die Warnung des Werkstattmanns unten im Dorf denken: "Einige von ihnen sind angeblich nie zurückgekommen; andere waren danach nicht mehr sie selber." Genau das schien jetzt gerade mit mir zu passieren, in der einen oder in der anderen Form. War ich denn wirklich noch ich selber? Und wenn nicht: konnte ich dann - so verändert, wie ich jetzt schon war - überhaupt noch in mein normales, gewohntes Leben zurückkehren? Schon jetzt wäre das mit Komplikationen verbunden; ich konnte nur vage darauf hoffen, dass sich die Veränderungen meines Körpers mit wachsender Entfernung von den Frauen wieder zurückbilden würden - genauso spontan und unerklärlich, wie sie zustande gekommen waren.

Aber würde das wirklich so sein? Und vor allem: wollte ich das denn überhaupt? So sehr mich diese rätselhaften Veränderungen schockierten und mir Angst einjagten - es lag doch auch eine seltsam süße Verführung darin, eine unstillbare Sehnsucht nach mehr. Wieder griff ich mir an die Brüste, gab meine Weichheiten in lasziver Duldsamkeit dem lüsternen Besitzergreifen meiner Hände hin"¦

Eines schien klar: der Mann in mir würde das nicht überleben; er würde untergehen, sterben, verschwinden. Ich war mein ganzes, bisheriges Leben ein Mann gewesen, alles war dafür eingerichtet und darauf eingestellt. Wenn ich als Mann nicht mehr existierte - was würde ich dann noch sein? Konnte ich denn überhaupt etwas anderes sein? War dieses andere Leben hier oben, das mir die Frauen so verführerisch offerierten, eine reale, auf Dauer taugliche Alternative - oder war es womöglich nur ein unsichtbarer Abgrund, eine tödliche Illusion?

Auf all das konnte und wollte ich es nicht ankommen lassen. Morgen im Lauf des Tages würde mein Auto voraussichtlich repariert sein; wenn nicht, musste ich mich eben eben mit einer unbequemen, kalten Nacht auf dem Werkstattboden abfinden, um dann am Tag darauf endlich die Weiterreise anzutreten. Tapfer nahm ich mir vor, mich morgen früh von den Frauen zu verabschieden und ins Dorf zurückzukehren - und schon vorher, in der letzten, verbleibenden Nacht, möglichst wenig unmittelbaren Körperkontakt mit den Frauen zuzulassen, da ich in eben dieser Nähe Anlass und Ursache meiner körperlichen Veränderungen vermutete.

Die Vorstellung vom Abschied zerriss mir schier das Herz und trieb mir heiße Tränen in die Augen; ich hatte die kleine Gemeinschaft in diesen Tagen lieb gewonnen. Dennoch musste es sein. Ich fühlte mich, wie Adam sich gefühlt haben muss, als er - von Eva verführt - den verbotenen Apfel vom Baum der Erkenntnis aß und dabei erkannte, dass er das Paradies verlassen musste.

Die Sonne näherte sich dem Horizont, es wurde kühl. Mit schwerem Herzen nahm ich den Stock und trieb meine blökende, kleine Schafherde in langsamen, zögernden Schritten hinab zur Alm.

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Wally
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Re: Hexen

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Beitrag von Lillie »

Vielen Dank für die tolle Geschichte. Nicht nur dass man sich in die Rolle hineinwünscht sondern auch sehr gut geschrieben.
Viele Grüße
Lillie
Wally
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Re: Hexen

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Beitrag von Wally »

Lillie hat geschrieben: So 17. Dez 2023, 18:09 Vielen Dank für die tolle Geschichte.
Ist noch nicht zu Ende :-)
Herzliche Grüße
Wally
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Re: Hexen

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Beitrag von Kerstin »

Wally hat geschrieben: So 17. Dez 2023, 19:28
Lillie hat geschrieben: So 17. Dez 2023, 18:09 Vielen Dank für die tolle Geschichte.
Ist noch nicht zu Ende :-)
Worauf ich jetzt aber gespannt bin.
Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
Wally
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Post 13 im Thema

Beitrag von Wally »

Teil 6

Der Abend ließ sich anders an, als ich erwartet hatte. Zwar nahmen wir, wie schon gewohnt, gemeinsam das Abendessen ein und unterhielten uns dabei angeregt über den Ablauf des Tages. Ich berichtete von meinen ruhigen Stunden beim Schafe-Hüten - ohne freilich den Entschluss zu erwähnen, den ich dabei gefasst hatte: damit wollte ich erst am nächsten Morgen herausrücken, unmittelbar vor meinem endgültigen Abschied.

Doch das erwartete, gemeinschaftliche Bad blieb diesmal aus. Nela bereitete einen großen Krug süßen, aromatischen Kräutertees, an dem wir genüsslich nippten, und stellte einen Teller mit tagsüber frisch gebackenem Konfekt zum Naschen auf den Tisch. Das Gespräch schweifte wieder in weltläufige Sphären ab: Details aus Geschichte und Kultur jener Länder, aus denen die Frauen stammten, und der allmähliche Wandel der Lebensweise in diesen Ländern über Jahrzehnte hinweg. Meine Neugierde bezüglich der genaueren Herkunft der Frauen und der jeweiligen Umstände, die sie hierher geführt haben mochten, blieb dabei freilich unbefriedigt: immer wieder wichen sie solchen Fragen aus, schweiften ins Ungefähre ab, stellten Gegenfragen. Insbesondere Shay interessierte sich auffällig für alle Details meines bisherigen Lebens, meines Berufs, meiner Arbeit, meiner Lebensverhältnisse. Ich sah keinen Grund, meinerseits mit der Beantwortung solcher Fragen zurückhaltend zu sein: was konnte es schon schaden, wenn sie all das wussten? Ihr Interesse für meine Person schmeichelte mir; und vielleicht verrieten mir die Frauen ja doch wenigstens noch das eine oder andere, kleine Detail, wenn ich mich offen zeigte. Viel Gelegenheit würde ich nicht mehr haben, das Geheimnis dieser seltsamen, eingeschworenen Gemeinschaft zu ergründen"¦

Später verließ ich die traute Runde kurz, um mit einem der Talglichter in der Hand in den Schlafraum hinüber zu gehen. Ich wollte diese letzte Nacht nicht wieder in Nelas Nachthemd verbringen; um mich gegen die Frauen und ihre rätselhafte Wirkung auf meinen Körper wenigstens ein bisschen abzugrenzen, nahm ich meinen mitgebrachten Schlafanzug aus dem Schrank und legte ihn mir am Bettrand zurecht.

Im Schlafraum war Juana gerade dabei, die Laken und Bezüge des Betts auszuwechseln, und bat mich prompt, ihr dabei zu helfen. Ich fragte sie, warum wir denn heute nicht badeten. "Weil wir heute Nacht unsere Tage kriegen" lautete ihre beiläufig hingemurmelte Antwort. Erst durch meinen fragenden Gesichtsausdruck sah sie sich zu einer ausführlicheren Erläuterung veranlasst: "Wenn Frauen so lange so eng zusammenleben wie wir, dann synchronisiert sich das; wir kriegen unsere Monatsblutung immer alle gleichzeitig. Wir spüren und wissen, wann es wieder so weit ist. Um uns Arbeit und Umstände mit der Wäsche zu ersparen, schlafen wir dann die ersten beiden Nächte in Gummilaken, die wir einfach feucht abwischen können, und baden morgens statt abends."

In der Tat bestand die Bettwäsche, die Juana nun mit meiner Hilfe sorgfältig auf dem Bett ausbreitete - eine Lage als Betttuch, eine weitere zum gemeinschaftlichen Zudecken - aus geschmeidigem, mit Talkum eingepudertem, schwarzem Gummi; sogar die Kopfkissenbezüge waren aus demselben Material gefertigt, nur zum Kontrast in weißer Farbe. Als Juana meinen Schlafanzug am Bettrand liegen sah, meinte sie kopfschüttelnd: "Deine Nachtwäsche? Pack die mal besser weg. In dem Gummizeug schlafen wir alle nackt. Irgendwelcher Stoff wird da drin doch bloß ekelhaft klitschnass, und schmutzig dazu. Das bringt nichts." Gehorsam verräumte ich meinen Schlafanzug wieder im Schrank - und bekam von der Vorstellung, für die Nacht mit den Frauen zusammen splitternackt in dieses Gummibett zu schlüpfen, eine wohlig-gruselige Gänsehaut. Mit mehr körperlicher Distanz würde es in dieser letzten Nacht wohl nichts werden - im Gegenteil! Entgegen meinem Vorsatz fühlte ich jetzt aber nicht mehr die Kraft in mir, mich dagegen aufzulehnen; ich war mir nicht einmal mehr sicher, ob ich das überhaupt wollte.

Als die Frauen schließlich, des Gesprächs müde, sich aller Kleider entledigten und eine nach der anderen nackt unter das Gummilaken schlüpften, rollte Shay sich diesmal nach ihrer linken Seite, zu Nela hin, und bedeutete mir mit einem kurzen Wink, mich dort zwischen die beiden zu legen. Nela lag auf ihrer rechten Seite, sodass mir beide Frauen ihre üppig weibliche, nackte Vorderfront zuwandten. Shay presste sich damit genüsslich von hinten an mich, während Nela mich mit schelmischem Lächeln noch ein wenig mehr zu sich heran zog. Meine rechte Hand, die angesichts des Gewoges weiblichen Fleisches um mich herum nicht so recht wußte wohin, verstaute sie kurz entschlossen zwischen ihren stattlichen Brüsten, die um mein Handgelenk geschmeidig weich und warm herumflossen und wieder vereint an meiner Brust anbrandeten.

"Gute Nacht!" Nelas Aufforderung zum Schlaf klang für mich fast höhnisch: wiederum eingequetscht wie die Wurst in der Stulle, lag ich da zwischen den nackten Frauenleibern, unter und über mir glatte, weiche, noch kühle, sich im Hautkontakt schnell erwärmende Gummilaken, die mich zusammen mit all der üppigen Weiblichkeit hermetisch einschlossen wie in einen Kokon; selbst mein Gesicht lag auf kühlem, glattem Gummi, dessen intensiver Geruch nach Naturkautschuk sich mit dem animalisch-erotischen Duft der Frauen zu einem fremdartig betörenden, die Sinne raubenden Äther vermischte. Shays Hand glitt wieder von hinten an meiner nackten Hüfte entlang; sie suchte und fand diesmal aber nicht mein männliches Geschlecht, sondern weiter oben meine kleine, runde, weiche Mädchenbrust, die mir in der vergangenen Nacht so unversehens gewachsen war, und die sich jetzt wohlig süß in den lüsternen Griff einschmiegte.

Die ambivalenten Gefühle in dieser mir so nolens volens aufgenötigten, weiblichen Intimität erinnerten mich an Szenen meiner Kindheit: als ich mich als kleiner Junge von irgendwelchen, mir kaum bekannten Tanten oder Cousinen hemmungslos herzen und abschmatzen lassen musste. Das berührte meine noch unreife, embryonal heranwachsende Sexualität zur Unzeit, viel zu früh, mich maßlos überfordernd. Einerseits lockten mich die so ausgelösten, fremdartigen Gefühle mit ungekannter Süße und Sehnsucht; andererseits jagten sie mir mit ihrer überwältigenden Intensität Angst ein, nährten die Sorge, dass hier etwas Unbotmäßiges, Schändliches geschähe, das meine zarte Seele nicht unbeschadet lassen würde.

Freilich war es nicht meine inzwischen längst gereifte, bewährte, männliche Sexualität, die mich jetzt in so ratlose Ambivalenz stürzte. Der Mann in mir hatte angesichts der weiblichen Übermacht hier oben schon längst kapituliert, sich zurückgezogen, die Waffen gestreckt und sich ergeben. Mein einsamer Entschluss am Nachmittag bei den Schafen war noch ein letztes, verzweifeltes Aufbäumen dieses Mannes "Gerhard" gewesen; jetzt lag er in wehrloser Agonie und ergab sich widerstandslos in alles, was da noch kommen sollte. Eine gänzlich andere, aber nicht minder intensive Art von Erotik hatte stattdessen von mir Besitz ergriffen: genauso fremd, einschüchternd und überwältigend wie einst die viel zu früh aufgeweckte, männliche Sexualität des kleinen Jungen. War das weibliche Sexualität, die sich nun in mir regte und mich in so heillose Verwirrung trieb?

Eingepresst in den engen Kokon aus nackten Frauenleibern, mit denen ich in der zumehmend schwitzigen Höhle des Gummibettes zu verschmelzen und zusammenzufließen schien, konnte ich lange nicht einschlafen. Als ich dann irgendwann doch endlich ins Land der Träume hinüber driftete, drängten sich mir wilde, absurde, aufwühlende, erschreckende, obszöne Bilder auf: mir waren zwei gigantische Brüste gewachsen, jede von ihnen größer und schwerer als mein ganzer, übriger Körper. Weich und schwer quollen sie in zwei große, an der Decke eines stallartigen, dunklen Holzschuppens aufgehängte Hängematten hinaus und schaukelten darin herum wie Meereswogen. An meine meterweit außerhalb der Reichweite meiner eigenen, kleinen Hände prangenden, faustgroßen, höchst empfindsamen Zitzen setzte man zwei Saugnäpfe einer primitiven, elektrischen Melkmaschine an, die mir literweise süße Muttermilch in große Kannen abpumpte, mit so endlos langsamen, synchronen, beinahe schmerzhaft intensiven Saugimpulsen, dass ich fürchtete, am Ende ganz in die Apparatur hineingesaugt zu werden.

In einem weiteren Traum lag ich als riesige, nackte Frau auf dem Rücken, an der Stelle der Alm, an der sich vorher das Wohnhaus der Frauen befunden hatte. Ich hatte die Beine angewinkelt und weit gespreizt; meine geöffnete Vulva bildete nun den Eingang zu dem Haus, in dem die Frauen lebten, eingerahmt von zwei Fenstern in meinen Pobacken, hinter denen sich die Küche und der Schlafraum befanden. In meiner linken Hüfte spürte ich die Wärme des Küchenofens. Es herrschte reger Verkehr in dem Häuschen, die Frauen gingen mit allerlei Gerät ein und aus; das kitzelte mich jedesmal in der Scheide. Irgendwann sah ich, wie ich selber - nein: nicht ich selber, sondern der Mann Gerhard, der ich noch bis vor kurzem gewesen war - das Haus verließ: ein kleines, schmales Puppenmännchen. Ich versuchte, ihm nachzurufen; er schien mich nicht mehr zu hören. Entschlossen den Rucksack geschultert, stieg er ins Tal ab, ohne sich nochmal umzudrehen. Ich wusste: er würde nie wieder hierher zurückkehren. Ich hatte ihn für immer verloren.

Mit meinem unruhigen Schlaf musste ich Nela wohl schon zum wiederholten Mal aufgeweckt haben. Sie richtete sich kurz auf und suchte nach etwas, was auf dem Wandregal über ihr lag. In dem fahlen Mondlicht, das durch das kleine Fenster drang, konnte ich trotz meiner an die Dunkelheit gewöhnten Augen nur Umrisse erkennen. "Lass dir die Schlafhaube überziehen; das hilft, wenn wir nicht schlafen können" flüsterte sie mir ins Ohr und hob mir sanft den Kopf vom Kissen, um mir die Haube darüber zu ziehen. Es war eine Gummikappe, ähnlich den großen, über die Ohren reichenden Schwimmhauben, die Frauen in früheren Zeiten in öffentlichen Badeanstalten trugen, mit einem ebenfalls aus Gummi bestehenden Kinnriemen, den Nela mir sorgsam mittels eines Druckknopfs schloss.

Die Ränder der Haube reichten so weit herunter, dass sie nicht nur meine Ohren, sondern auch die Augen überdeckten. In samtige Nachtschwärze gehüllt, in den Ohren nur noch das stumpfe, reflektierte Rauschen des eigenen Körpers, lag ich nun da und spürte, wie Nela meine rechte Hand wieder zwischen ihren weichen Brüsten barg und mir mit einem Streicheln ihrer Linken an meiner Schulter ein nochmaliges, diesmal nonverbales "Gute Nacht" sagte.

Es war höchst seltsam, so blind, taub und nackt, ganz auf die Wahrnehmungen meiner Haut reduziert, in der dämpfigen, feuchtheißen Gummihöhle zwischen den Frauen zu liegen. Aber die Deprivation zeigte tatsächlich schon nach kurzer Zeit Wirkung; meine ruhelos kreisenden Gedanken versandeten in der Nachtschwärze, und das abgeschottete, eintönige Rauschen in meinen Ohren säuselte mich endlich doch in einen ruhigen, erholsamen Tiefschlaf.

---
Herzliche Grüße
Wally
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Re: Hexen

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Beitrag von Wally »

Teil 7

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war etwas nicht in Ordnung. Genauer gesagt: es war nichts mehr in Ordnung.

Es begann mit einem beständigen, leicht schmerzhaften Ziehen in meinem Unterbauch; dann merkte ich, dass ich jämmerlich fror. Ich lag wieder allein in dem großen Gemeinschaftsbett; in den Gummilaken war alles nass und kalt, da die Körperwärme meiner inzwischen aufgestandenen Nachbarinnen fehlte. Ich schlug die Zudecke zurück und setzte mich auf, immer noch blind, mit der Schlafhaube über den Augen - und wunderte mich darüber, wie stabil breithüftig ich nun plötzlich auf der Matratze saß: nicht so kippelig, wie ich es auf einer so weichen Unterlage mein Leben lang gewöhnt war.

Die Gummikappe war im Verlauf der Nacht etwas nach oben gerutscht, so dass ich darunter einen schmalen Spalt weit heraussah. Als ich mit den Händen den Kinnriemen und dessen Verschluss befühlte, um mich der Sichtbehinderung zu entledigen, glaubte ich durch den offenen Spalt zarte, sommersprossige Frauenhände zu erkennen. Beim Herunternehmen gab die Haube mein Gesicht auch nicht so einfach frei, wie ich es erwartet hatte: darunter fielen mir dicke Strähne vollen, langen, roten Haars wiederum sichtbehindernd vor die Augen. Und während all der Manipulationen an der Schlafkappe drängte sich mir ein seltsames, beidseitig symmetrisches Ziehen an meiner Brust ins Bewusstsein, als ob mir da zwei schwere Gegenstände - oder besser: Aussackungen meiner selbst - frei herunterhängen und bei jeder Bewegung an mir herumschaukeln würden.

All diese überraschenden, fremdartigen Wahrnehmungen schossen in meinem immer noch schlaftrunkenen Kopf wild durcheinander; ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Verwirrt legte ich die abgestreifte Gummikappe neben mir ab, strich mir das darunter nass und strähnig herausgefallene Haar aus dem Gesicht und sah an mir herunter:

Da waren Brüste! Nein: nicht die kleinen, kess herausragenden Jungmädchenbrüste, die mir - seltsam und beschämend genug für einen Mann - bereits am Vortag gewachsen waren. Das hier waren jetzt große, schwer hängende, sich in der Mitte aneinander schmiegende und über meinen wunderlich schmal gewordenen Brustkorb auch seitlich noch deutlich hinausquellende Glocken, an ihren prominenten Polen gekrönt von daumendicken Zitzen mit faustgroßen, hellrosa leuchtenden Warzenhöfen darum herum. Die Taille darunter fühlte sich zerbrechlich schmal an; aber die voluminösen Brüste verdeckten mir jeglichen Blick darauf. Um so üppiger holten dafür meine auf der Matte ruhenden Hüften in weitem, ebenmäßigem Bogen aus, breiter noch als Brustkorb und Schultern; und zwischen den weichen Schenkeln verlor sich sanftrund eine dunkle Scham, in der nichts, aber auch gar nichts Männliches mehr zu erkennen war.

Zu Tode erschrocken sprang ich auf und rannte splitternackt, wie ich war, auf den Flur hinaus, vor den Spiegel. Meine durch nichts gehaltenen, schweren Brüste schlackerten bei den hastigen Schritten so heftig herum, dass es weh tat.

Im Spiegel stand mir Shay gegenüber: mit ungekämmtem, strähnig feuchtem Haar, das ihr/mir wild über die schmalen Schultern fiel. Der Ausdruck ihres sommersprossigen Gesichts war konsterniert, derangiert, verzweifelt, wie ich es an der sonst so fröhlichen, natürlich-charmanten Shay noch nie gesehen hatte; zu meiner eigenen, momentanen Gefühlslage passte das freilich nur allzu gut. Der üppig weibliche, nackte Körper glänzte noch schweißnass von der Nacht in den Gummilaken; vom Bauchnabel bis zu den Knien war die Haut stellenweise rötlich-bräunlich verschmiert. Aus der Spalte zwischen den Beinen rann an der Innenseite des rechten Schenkels ein dünner Faden schwarzroten Menstruationsbluts herab.

Peinlich berührt von dem so gar nicht gesellschaftsfähigen Anblick sah ich wieder nach oben, ins Gesicht meines Spiegelbilds - und war elektrisiert von dessen Augen: als einziges, körperliches Detail schienen sie nicht zu Shay zu passen. In die aparten, lichtgrünen Augen meiner zauberhaften Gastgeberin hatte ich mich in den Tagen hier oben prompt verliebt. Mein Spiegelbild aber sah mich aus einem Paar mir zeitlebens sehr vertrauter, klarer, graublauer Augen an. Es gab keinen Zweifel: diese Frau im Spiegel war nicht Shay. Das war ich!

Zuviel... Unter Verlust jeglicher Selbstbeherrschung stürzte ich direkt in die Wohnküche und rief - nein: schrie endlich die Frage in die Runde, die mich schon seit Tagen beschäftigte, die zu stellen ich aber nicht gewagt hatte: "Was habt ihr mit mir gemacht?" Der vorwurfsvoll aggressive Ton, der mir darin aus der Seele schrie, verwandelte sich - in Shays weiblicher Stimmlage aus meinem Mund kommend - unversehens in schrille Hysterie und Verzweiflung.

Die fünf Frauen sahen mich mit großen Augen an. Sie alle hatten sich bereits vor dem Frühstück in der Badewannne von ihrer nächtlichen Monatsbefleckung gereinigt und saßen nun in der gewohnten Tageskleidung am Tisch - bis auf Gerel, die gerade eben erst aus der Wanne gestiegen war und sich noch ankleidete.

"Beruhige dich," sprach Nela leise, besänftigend auf mich ein. Sie stand betont langsam von ihrem Stuhl auf, prüfte die Wassertemperatur in der Wanne und goß nochmal einen Krug heißen Wassers aus dem auf dem Herd stehenden Kessel nach. "Komm, setz dich jetzt erst mal in die Badewanne. Du hast das genauso nötig wie wir alle, sieh dich doch an!"

Damit hatte sie zweifellos recht. Kleinlaut gehorchte ich und stieg in das von den anderen Frauen schon sichtbar rötlich gefärbte Wasser. Die intensive Wärme tat unfassbar gut; meine flatternden Nerven kamen darin ein Stück weit zur Ruhe, ich atmete tief durch. Aber meine Frage stand immer noch im Raum, ein großes, schwarzes Loch in meine Seele fressend. Aus meiner kleinen Wannenzuflucht sah ich Nela unablässig an wie das Kaninchen die Schlange: ich wollte, ich MUSSTE die Antwort jetzt haben, egal, wie vernichtend sie für mich ausfallen würde.

"Wir haben nichts mit dir gemacht. Es geschieht einfach. Wir können es nicht verhindern - und auch nicht rückgängig machen, falls du dir da Hoffnungen machen solltest." Nelas sehr ernst, aber einfach und ruhig gesprochene Worte klangen nicht abwehrend, auch nicht entschuldigend; sie erklärten nur ganz neutral, fast beiläufig, eine Sachlage, die für diese Frauen schon seit Jahrzehnten selbstverständlich geworden zu sein schien. "Jeder Mann, der mit uns näher in Berührung kommt, verwandelt sich innerhalb weniger Tage in eine Frau; er wird unweigerlich eine von uns. Unsere Weiblichkeit ist ansteckend, wie eine Infektionskrankheit. Das ist das besondere, unabänderliche Schicksal, das uns hier miteinander verbindet - und auch der Grund, weshalb wir uns in diese Einsamkeit zurückgezogen haben. Es gab zu viele Komplikationen, solange wir unter normalen Menschen lebten. Man hat uns als Gefahr gesehen und verfolgt."

"Ihr seid also tatsächlich Hexen?" fragte ich ungläubig.

Nela lachte. "Ja - wenn auch nicht gerade so, wie sich die meisten Leute das vorstellen. Gottseidank sind wir weder alt noch bucklig, unsere Besen verwenden wir ganz normal zum Kehren, nicht zum Fliegen, und wir können auch gar nicht zaubern, nicht mal ein bisschen. Schade eigentlich - manchmal wär's doch ganz praktisch"¦ Aber wir sind tatsächlich dieselben, die Jahrhunderte lang auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Seitdem gibt es nur noch wenige von uns."

Ich hatte unterdessen begonnen, mich mit einem Stück Seife einzureiben, das mir Nela während ihrer Erklärung beiläufig gereicht hatte. "Dann bleibt das also so, wie es jetzt aussieht? Endgültig? Unwiderruflich?" Konsterniert betrachtete ich diesen weichen, sanft gerundeten, üppig weiblichen Körper, der da an meiner Stelle in der Badewanne saß, und wunderte mich erneut über den hellen Klang der Stimme aus meinem Mund. Dieser Körper war wunderschön, das begann ich erst jetzt wahrzunehmen; die schändlichen Schmutzflecken von der nächtlichen Blutung hatten sich im Wasser bereits weitgehend aufgelöst, die zarte, weiße Haut leuchtete ebenmäßig und lockte zu intimen Berührungen. An den häufig der Sonne ausgesetzten Händen und Füßen zeigten sich fein ineinander verschwimmende, in warmen, bräunlich-orangen Farben schimmernde Sommersprossen. Wohlige Schauer durchfuhren mich, als ich die großen, schweren Brüste einseifte, sie mit beiden, noch ungewohnt kleinen Händen anhob und wog, sie lüstern sanft knetete und die empfindsam kitzeligen, sofort anschwellenden Mamillen zart streichelte. Das alles ganz offen und unverfänglich vor den Augen der Gemeinschaft: es gehörte hier zur normalen, täglichen Körperpflege, es war in Ordnung, es wurde sogar von mir erwartet - ebenso wie der vor aller Augen vorsichtig forschende Griff in mein Intimstes zwischen den Beinen, das die zudringliche, sanft reinigende Berührung meiner Finger prompt mit lustvoll euphorischem Aufruhr quittierte. Es müsste doch wundervoll sein, so eine Frau sein zu dürfen - es WAR wundervoll!

"Ihr hättet mich wenigstens warnen können!" Irgendwie musste ich jetzt doch schnell noch meinen Groll artikulieren, bevor ihn die in mir aufkeimende Euphorie restlos wegschwemmen würde. Dabei spürte ich - bei aller Verwirrung und Verunsicherung - insgeheim eine wohltuende Erleichterung und Befreiung darüber, dass in meinem glattrunden Schoß nicht mehr dieses groteske, aufsässige, männliche Gewürm prangte.

"Es war zu spät, dich zu warnen." schaltete sich Carol ein. "Als du hier ans Fenster geklopft hast, war dein Schicksal bereits besiegelt. Du hättest uns zu diesem Zeitpunkt nicht geglaubt, wenn wir dir das alles erzählt hätten. Und wir konnten dich auch nicht bei einbrechender Dunkelheit wieder den gefährlichen Pfad ins Tal hinunterschicken; du hättest dich in der Finsternis unweigerlich verirrt und die Nacht schwerlich überlebt. Du musstest hier übernachten, so oder so. Vorher, unten im Dorf, hatten sie dich ja sogar rechtzeitig gewarnt - aber denen wolltest du auch nicht glauben."

"Außerdem siehst du nicht so aus, als ob du über diesen Stand der Dinge wirklich so unglücklich wärst" ergänzte Juana mit einem hintersinnig verführerischen Lächeln. "Gib ruhig zu, dass du dich in deinem neuen Körper wohl fühlst; man sieht's dir doch deutlich an. So oder so bist du jetzt eine von uns - willkommen!"

"Willkommen!" wiederholte der Reihe nach jede der Frauen den Gruß, zuletzt auch Nela. Ich war völlig perplex: was ich selber erst vage, verstohlen und höchst irritierend in mir aufkeimen spürte, schien für diese Frauen wie ein offenes Buch da zu liegen. Ich genierte mich meiner für mich so neuen, verwirrenden, erotischen Regungen, ich fühlte mich dabei ertappt. Eine Weile schwieg ich und genoss still, dass Nela mir mit zärtlicher Geduld das prachtvolle, lange, rote Haar wusch und auskämmte.

"Bekommt ihr eigentlich keine Kinder - oder wollt ihr das nicht?" Meine Neugier ließ mich den Faden wieder aufnehmen; an dieser kleinen Gemeinschaft gab es noch so viel Rätselhaftes, Geheimnisvolles zu erkunden"¦ Da ich nun selber dazugehörte und wohl auch persönlich davon betroffen war, schien es mir nicht ungebührlich, diese heikle Frage nochmal zu stellen.

Wie schon beim ersten Mal folgte darauf auch diesmal ein betretenes Schweigen. Erst nach einer ganzen Weile übernahm es Carol, mit einem tiefen Seufzer zu antworten: "Du berührst da unseren wundesten Punkt - den einzigen Herzenswunsch, der uns schicksalhaft versagt bleibt. Doch, natürlich hätten wir gerne Kinder, und körperlich wären wir vermutlich auch in der Lage, welche zu bekommen. Aber die Männer sind nicht mehr fähig, mit uns Hexen Kinder zu zeugen. Du hast es ja selber erlebt, wie sich deine Männlichkeit im näheren Kontakt mit uns verflüchtigt hat - je näher, desto schneller. Bevor es da überhaupt zu einem Geschlechtsakt kommen könnte, ist der Mann schon kein Mann mehr. Sexuell ist das für uns kein Problem, wir sind pansexuell, als Frau bist du uns genauso lieb. Aber Kinder können dabei nicht entstehen."

Carol wischte sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel, während Solveig die Erklärung fortführte:

"Das war nicht immer so. Früher gab es auch Zauberer - das männliche Pendant zu uns Hexen. Die konnten zwar - trotz ihres Namens - genauso wenig zaubern wie wir; das war immer schon eine bloße Legende. Sie hatten aber vice versa dieselbe Wirkung auf normale Menschen des Gegengeschlechts: normale Frauen wurden im Kontakt mit ihnen zu sogenannten Zauberern verwandelt, genauso, wie du jetzt im Kontakt mit uns zur Hexe geworden bist. Diese Zauberer konnten mit uns Hexen tatsächlich Kinder zeugen; sie waren immun gegen unsere geschlechtstransformierende Wirkung, genauso, wie wir gegen die ihre. Gemeinsam waren wir das Produkt einer tiefgreifenden Mutation, die schon seit Urzeiten eine neue Menschheitslinie begründete. Aber in den großen Hexenverfolgungen wurden die Zauberer leider ausgerottet - vollständig, soweit wir wissen. Carol ist hier in unserer Gemeinschaft die letzte und einzige, die tatsächlich noch von einem Zauberer gezeugt und von einer Hexe geboren wurde; wir anderen wurden alle erst später zur Hexe verwandelt, auf ähnliche Weise wie du jetzt. Die Ausrottung unseres männlichen Zweigs hat uns zu einer Sackgasse der Evolution verdammt: wir können uns zwar auf dem Weg der Transformation, wie sie auch dir jetzt widerfahren ist, noch geradlinig replizieren, aber nicht mehr durch Gen-Austausch bei der Zeugung weiterentwickeln, wie es die Menschheit sonst tagtäglich tut."

Ich war mir nicht sicher, ob ich den Sinn und die Folgerungen dieser Ausführungen richtig verstanden hatte. Aber eines konnte da keinesfalls stimmen: die Hexenverfolgung - und somit auch die Ausrottung der Zauberer - war doch schon mindestens 300 Jahre her; wie konnte also die blutjunge, höchstens zwanzig Jahre alte Carol von einem Zauberer gezeugt worden sein? Ich fragte danach.

"Das täuscht -" antwortete Carol schnell. "Tatsächlich bin ich mit weitem Abstand die Älteste hier. Du musst dazu wissen, dass wir Hexen nicht altern - doch, wir altern schon, aber nicht in den für Menschen üblichen Zeiträumen. Ich wirke nur deshalb so jung, weil ich schon als Hexe geboren wurde und der Alterungsprozess bei mir deshalb sehr früh - schon kurz nach der Pubertät - nahezu zum Stillstand kam. Seit ungefähr 350 Jahren - genau weiß ich das nicht - sehe ich annähernd so aus, wie du mich jetzt kennst."

"Und ich bin hier tatsächlich die Jüngste - nein, nur noch die Zweitjüngste," korrigierte sich Lena mitten im Satz, "weil ja jetzt du unser Nesthäkchen bist. Ich war 39 Jahre alt, als ich vor 20 Jahren als letzte von uns hierher kam - und ungefähr genauso alt sehe ich jetzt immer noch aus. Ich war einer der Männer, von denen man drunten im Dorf munkelt, sie seien von hier oben nie zurückgekommen". Sie lächelte versonnen.

Das musste ich erst einmal verdauen. Es erklärte zwar manches - zum Beispiel, wie es möglich war, dass diese so jung wirkenden Frauen sich eine so beeindruckende Fülle an Wissen angeeignet hatten, und wie sie dieses Anwesen allein, ohne fremde Hilfe aufbauen konnten: immerhin hatten sie Jahrhunderte Zeit dafür gehabt. Aber sich die zarte, junge Carol als eine weit über 300 Jahre Jahre alte Hexe zu denken, das überstieg dann doch mein Vorstellungsvermögen - ebenso der Gedanke, dass auch ich selber nun womöglich so uralt werden könnte, ohne mich äußerlich noch zu verändern.

Andererseits war keinerlei Grund ersichtlich, warum mir die Frauen Lügengeschichten auftischen sollten. Schon die radikale Verwandlung meines Körpers erschien ja nicht weniger fantastisch und unwahrscheinlich als das, was sie mir erzählten - und war doch unleugbare Realität.

Nela hatte mir inzwischen die Seife aus dem Haar ausgewaschen, mir danach fürsorglich aus der Badewanne hochgeholfen und ein großes, wohlig warmes Handtuch um die Schultern gelegt. Während ich mich damit abtrocknete, fiel mir auf, dass wir in der Küche nur sechs Personen waren. "Wo ist denn jetzt Shay - ähm, ich meine die Shay, die bis gestern Abend in diesem Körper steckte?"

"Meinst du mich?" tönte hinter mir eine Männerstimme. Erschrocken fuhr ich herum. In der Küchentür stand vor mir - gerade erst hereingekommen - ich. Nein, natürlich nicht "ich", nicht die Person, mit der ich mich jetzt identisch fühlte, sondern der Mann, der ich - wenn auch schon mit gewissen, pikanten Einschränkungen - bis gestern noch gewesen war: Gerhard. In meiner mitgebrachten Männerkleidung stand er süffisant lächelnd da und hielt mir, spielerisch provokant zwischen Daumen und Zeigefinger am äußersten Ende gehalten, einen großen, weißen Büstenhalter entgegen. "Ich habe da was für dich. Den brauche ich jetzt nicht mehr - du dafür um so mehr!"

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Herzliche Grüße
Wally
Sophia69
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Re: Hexen

Post 15 im Thema

Beitrag von Sophia69 »

Hallo Wally,
vielen Danke für deine tolle Geschichte! Ach, wäre deine Fantasien doch nur Realität! :roll:
Unverzüglich würde ich mich zu den von dir so nett beschriebenen Hexen auf dem Weg machen und sei es bis ans Ende der Welt (smili) (he) Diesen Schritt würde ich mit Sicherheit nie bereuen, sondern im Gegenteil ist er Bestandteil meiner größten Sehnsucht und Tagträume.

Danke für deinen literarisches Werk, ich habe alle sieben Teile regelrecht verschlungen.

Liebe Grüße
Sophia
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