queer.de | Studie Gesundheitsversorgung: "Eklatante Lücken" bei trans und nichtbinären Menschen
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Nico
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queer.de | Studie Gesundheitsversorgung: "Eklatante Lücken" bei trans und nichtbinären Menschen

Post 1 im Thema

Beitrag von Nico »

Ein Bericht über eine Studie, die die Gesundheitsversorgung von trans und/oder nicht binären Menschen untersucht hat.
Wenig überraschend gibt es große Mängel.

https://www.queer.de/detail.php?article_id=45601
LG Nico
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Lana
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Re: queer.de | Studie Gesundheitsversorgung: "Eklatante Lücken" bei trans und nichtbinären Menschen

Post 2 im Thema

Beitrag von Lana »

Wenig überraschend sind die im art beispielhaft dargestellten Mängel eine nahezu zwangsläufige Folge der Umdeutung des Begriffes "Geschlecht", weg von der biologischen Bedeutung, und hin zu dem, was neudeutsch auch "Gender" genannt wird.

Insofern ist die Strategie, etablierten Begriffen ihre ursprüngliche Bedeutung zu nehmen, ein Schuss ins eigene Knie.

Ich finde, es ist zu kurz gesprungen, wenn man dem behandelnden Personal diese Probleme anlastet. Wie sollen die denn beim Beratungsgespräch wissen, was ihre Patienten zwischen den Beinen haben? Da müssen die Betroffenen schon selbst konstruktiv mitarbeiten und nicht gleich Diskriminierung wittern.

Vielleicht braucht es künftig eine Zusatzkategorie in der Patientenakte - Behandlungsgeschlecht oder so - um derlei Tatsachen abzubilden?

Dann blieben noch Intersexmenschen, die schon immer durchs Raster gefallen sind und die aufgrund von besonderen Ausprägungen schwerlich in eine Schublade zu packen sind.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
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Nico
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Re: queer.de | Studie Gesundheitsversorgung: "Eklatante Lücken" bei trans und nichtbinären Menschen

Post 3 im Thema

Beitrag von Nico »

Die Körper vieler trans und/oder nicht binären Menschen funktionieren aber weder wie die Körper von cis männlichen noch von cis weiblichen Personen. Von daher kann man gar kein pauschales Behandlungsgeschlecht festlegen, sondern muss es immer individuell auf die Person abstimmen.

Ich denke zwar auch, das Patient:innen ein wenig mithelfen müssen, dennoch sollten Menschen im medizinischen Bereich im Hinterkopf haben, dass es trans und/oder nicht binäre Menschen gibt. Zudem ist ein großes Problem, dass Wissen für eine optimale Behandlung fehlt.

Der Mangel fängt z.B. in Bremen schon damit an, dass es meines Wissens seit Jahren keine Praxis gibt, wo flächendeckend trans Menschen eine Hormontherapie beginnen können. Viele fahren nach Hamburg, Hannover oder Oldenburg.
LG Nico
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Lana
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Re: queer.de | Studie Gesundheitsversorgung: "Eklatante Lücken" bei trans und nichtbinären Menschen

Post 4 im Thema

Beitrag von Lana »

Zustimmung, lieber Nico.

Dennoch ist auch das nur eine weitere Ausprägung des allgemeinen Kapazitätsmangels im Medizin- und Pflegebereich, der zu Lasten des Personals ausgetragen wird. Daher habe ich auch wenig Hoffnung, dass bei der allgemeinen Überlastung des Personals wesentliche Verbesserungen überhaupt möglich sind. Die sind einfach am Rande ihrer Kapazität, und das nicht erst seit es Patienten mit speziellen Bedürfnissen wie trans oder nb gibt.

Es gibt in diesem System von ganz Vielem nicht genug, so dass unzumutbare Wartezeiten oder lange Wege daraus resultieren. Das ändert natürlich nichts an den beklagten Zuständen für trans und nichtbinäre Menschen. Die fügen dem ohnehin schon vollen Fass der Mangelversorgung nur noch einen weiteren Tropfen hinzu.

LGL
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Jaddy
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Re: queer.de | Studie Gesundheitsversorgung: "Eklatante Lücken" bei trans und nichtbinären Menschen

Post 5 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Die Studie beschränkt sich auf HIV und andere STI (sexually transmitted infections). Das mag exemplarisch sein für die med. Versorgung, aber nicht ausreichend.

Dass med. Personal in der Regel unzureichend informiert, nicht geschult und nicht vertraut ist mit trans und nichtbinären Körpern und Wesen ist Tatsache. Von einigen spezialisierten Praxen mal abgesehen. Aber Standards wie HNO, Augen, Allgemeinmedizin: Nope. Gleiches gilt übrigens für Schwarze und PoC.

Für TIN Personen geht es mit dem Empfang los. Auf mein X auf der Karte muss ich extra hinweisen und die Anrede erklären. Das wird aber häufig weder gespeichert (falls die Software das überhaupt hergibt), noch weitergegeben. Ab Aufruf im Wartezimmer muss ich nochmal erklären. Personen mit dem falschen Marker auf der Karte haben häufig keine Chance auf richtige Anrede, selbst wenn sie klar nicht "Herr Meier" aussehen. Aufrufe bei Gynäkologie gerne auch mal pauschal "Frau", weil vom Tresen häufig nur die Nachnamen übermittelt werden. Also mangelhafte Prozesssicherheit.

Sobald ich trans erwähne, Hormonumstellung, etc. sehe ich bei Ärztys häufig ein TILT! in den Augen, weil sie plötzlich sehr unsicher werden, ob das was an ihrer Routine ändert. Einige machen dann einfach weiter und ich muss selbst darauf achten, dass manche Dinge bei mir anders funktionieren. (Hab schon überlegt, mir an passender Stelle tätowieren zu lassen, dass Katheter nicht glatt rein gehen...) Und andere schalten auf extreme Vorsicht und wollen am liebsten gar nichts damit zu tun haben.

Glücklicherweise habe ich - inzwischen - kein genitales Schamgefühl mehr, aber viele trans Personen berichten von unsensiblem Umgang, der körperliche Dysphorien ignoriert, körperliche Besonderheiten, usw. Artikel aus den USA: https://funcrunch.medium.com/eyeballs-h ... edcfe6bcdc Hier sieht das nicht anders aus.

Eine Freundin von mir, trans und beruflich in der Pflegeausbildung, engagiert sich stark für trans-sensible Pflege. Vor ihr bekomme ich live mit, wie unzureichend allein die Pflege ist.

Wir wissen, dass unser medizinisches System auf der ausführenden Seite unglaublich knapp gehalten wird. Unterbezahltes und überlastetes Personal, deshalb Zeitdruck, daraus folgende Mängel bei Sorgfalt und Achtsamkeit. Aber auch mangelhafte Ausblidung auf allen Ebenen für den Umgang mit Menschen ausserhalb der 80% weissen, cis-binär-dyadischen Mehrheit.

Was Nico schrieb, die absolute Nullversorgung bei transgeschlechtlicher Hormontherapie hier rund um Bremen, ist auch eine Folge dieses Ausbildungsnotstands. Wieder USA und Ergebnisse einer Umfrage unter Endos von 2017, aber sieht in D meines Wissens nicht besser aus, wenn ich an die Berichte aus meiner trans/nb Umgebung denke. Kurze Zusammenfassung: Nur 36% der Endos sagten, dass sie eine Ausbildung in trans Versorgung hatten, 11% hielten sich für sehr kompetent, nur 5% gaben die richtigen medizinischen Antworten. Dies ist das Paper dazu https://sci-hub.st/https://doi.org/10.4158/EP151185.OR

Auch wenn bei Pflege, Praxisorganisation und allem, was MFAs betrifft viel an Überlastung liegt, hat diese Versorgungslücke aka Wissensmangel, sowohl in der Erstausbildung, als auch in der Weiterbildung bei einem ganz zentralen Bedarf für trans_nb Personen nichts mit Überlastung zu tun, sondern mit Vernachlässigung.
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