Verena will endlich Verena sein
Verena will endlich Verena sein

Wer möchte, kann sich vorstellen: bitte kurz fassen
und längere Diskussionen in den dafür vorgesehenen
Themen führen!
VerenaM78
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Verena will endlich Verena sein

Post 1 im Thema

Beitrag von VerenaM78 »

Hallo Ihr lieben,

ich verzichte darauf mich zuerst mit meinem männlichen Vornamen vorzustellen, denn wenn nicht hier - wo sonst sollte ich Verena sein dürfen ?

Bei mir ist irgendwie alles noch sehr frisch ...und doch auch nicht.

Schon in früher Kindheit (Kindergarten) wollte ich ein Mädchen sein und mir war irgendwie klar das "Junge" nicht richtig ist.
Bei diesem Gefühl und diesem Wissen / Wunsch (ich bin eine Frau oder auch wäre lieber eine -richtige- Frau) ist es tief in mir auch irgendwie geblieben.
Immer wieder kam ein wenig davon an die Oberfläche und ich habe es wieder unter Wasser gedrückt. Habe mir "meine Männlichkeit" beweisen wollen (Männerdominierter gefährlicher Beruf, Riskante Hobbies usw.) usw.
Letzte Woche hatten wir eine Tagung auf der auch eine Sozialarbeiterin vorgetragen hat und in einem eigentlich ganz anderen Zusammenhang davon sprach, das das schlimmste was der Mensch sich selbst antut ist, ständig gegen seine Bedürfnisse zu handeln, diese zu unterdrücken oder zu verleugnen und das niemand dies Zeit Lebens durchhalte.
Irgendwann brechen diese durch oder der Mensch bricht vollends zusammen.
Mir war zwar schon irgendwie klar das ich genau dass bereits mein ganzes Leben lang (also über 40 Jahre lang) tat, aber genau in dem Moment wurde mir klar, das es bei mir seit Jahren schon eigentlich genau an dem Punkt ist das ich meine Bedürfnisse eben nicht länger unterdrücken kann und zumindest in Teilen durchbrechen lassen muss, wenn ich nicht vollends zerbrechen möchte.

Da ich erst seit ein paar Tage bereit bin mir dies alles selbst gegenüber vollends einzugestehen, kann ich Stand heute eigentlich noch nicht mit voller Sicherheit sagen was mein korrektes Gender ist.
Fakt ist jedoch, ich bin kein CIS-Mann. Dies fühlt sich für mich seit Ewigkeiten (eigentlich seit Kindesbeinen an) falsch an. Richtig ist auf jeden Fall, das ich mich im wesentlichen weiblich fühle; auch wenn ich nicht alles männliche an mir (z.B. meine handwerklichen Fähigkeiten — was aber ja auch nichts zwingend männliches ist) vollständig ablehne. Möglich wäre also das ich entweder Transgender oder auch vielleicht auch Non-Binär (hier gibt es ja viele Varianten) bin.
Da "Frau/weiblich" immer das war was in meinen Gedanken richtig war und sich am richtigsten anfühlt nehme ich (getreu Oakham bei Hufen denk an Pferde) aber ersteinmal an das ich Frau/weiblich ergo Transgender bin - auch wenn sich vielleicht ein paar Details finden die auch auf Non-Binär, Genderfluid oder sonstiges hinweisen, das ich noch gar nicht vollends einordnen kann.
Ich wollte immer eine Frau sein, habe mich als Frau gefühlt und fühle mich so....deshalb habe ich entschieden bis zum Beweis für vielleicht etwas anderes einfach Frau/weiblich zu sein und es nicht komplizierter zu machen als es ja ohnehin schon ist.

Ich möchte etwas mehr über mich erzählen, denn ich habe erst heute den Mut gefunden überhaupt auch nur einmal meiner Therapeutin meine Probleme zu schildern und in der Sicherheit dieses Forums möchte ich es auch den nächsten Menschen mitteilen.
Meine Therapeutin ist also der erste Mensch der dies erfahren hat und Ihr seid die nächsten. Sonst weiß oder ahnt niemand etwas.

Was möchte ich ?
Ich möchte mich in Frauenrunden bewegen und nicht in den Männergruppen. Ich möchte Röcke, Kleider, schicke Pullover, schöne Wäsche, tolle Schuhe usw. tragen, zu Beautyabenden gehen, mit Freundinnen shoppen, mir die Nägel machen lassen, zum Wellness usw. usw. und nicht auf ein Bier treffen mit den Jungs, Hosen tragen und in die Sportsbar Fußball schauen.
Die einzigen Gedanken die dem entgegenlaufen sind, das ich meine Frau liebe und sie nicht verlieren möchte und Scham.
Lasst es mich so zusammenfassen:
Könnte ich sicher sein dass meine Frau bei mir bliebe und wir weiterhin ein Paar wären das schlichtweg fortan aus 2 Frauen besteht würde ich sofort zu 100% als Frau leben und sicherlich auch die Scham im sonstigen sozialen Umfeld überwinden und mich outen. Dies kann ich jedoch nicht und daher möchte ich zunächst Wege finden möglichst unauffällig mein weibliches selbst zumindest mehr oder teilweise auszuleben.

Erzogen wurde ich natürlich typisch cis-männlich. Blau für Jungs, Rosa für Mädchen, Indianer weinen nicht"¦.bist doch ein großer Junge, willst doch ein starker Mann sein usw.
Meine ersten richtigen Erinnerungen betreffen meine Zeit im Kindergarten und bereits dort war ich unglücklich damit "in die Jungsecke" gesteckt zu werden. Bildlich und wörtlich.
Ich habe lieber typische Mädchenspiele gespielt, war lieber mit den Mädchen zusammen und wäre lieber ein Mädchen gewesen. Haare kämmen, mit Puppen spielen, Teeparty usw. waren alles Dinge die ich mochte, während ich mich unwohl fühlte wenn ich bei den Jungs sein musste bei denen neben Autos halt toben, raufen, Ballspielen usw. angesagt war.
Schon damals fühlte ich das ich nicht dazugehöre und ich wollte auch gar nicht dazugehören.
Dies ist queer durchs Kindes-/Jugend und jungen Erwachsenenalter bis heute so geblieben.
Weder interessieren mich die Dinge die die Männer besprechen, noch fühle ich mich sozial integriert oder gar wohl. Muss ich mich notgedrungen in diesen Gruppen aufhalten schalte ich ab und will einfach nur weg und der Situation entfliehen. Wohl hingegen und passend fühlt es sich für mich in den weiblichen Gruppen an. Natürlich bin ich als offenkundiger Mann auch dort nur bis zu einem gewissen Grad integriert und gehöre nicht dazu, aber es fühlt sich trotzdem richtig an dort zu sein.

Aber zurück zum Kindergarten
Bereits damals habe ich auch nach dem Kindergarten fast ausschließlich Mädchen als Freunde gehabt. Spielen mit Puppen, Haare kämmen, Teerunden usw. war für mich immer schön. Lediglich zuhause mit meinem Vater habe ich immer mit Lego gespielt und fand dies auch gut. Ansonsten waren mir die männlichen Aktivitäten immer zu wider.
Auch die Art und Weise wie Jungs/Männer und Mädchen/Frauen miteinander umgehen sagste mir schon damals (wie heute) das weiblich korrekt für mich ist.
Ich bevorzuge weibliche Umgangsformen, sich beim unterhalten berühren, die beste Freundin in den Arm nehmen, Hand in Hand / Arm in Arm mit der Freundin durch die Stadt gehen - alles Dinge die Männern total fern liegen.
Bereits damals habe ich nach dem Kindergarten bei meiner besten Freundin auch gern mit Ihr Klamotten getauscht, uns spielerisch geschminkt, die Nägel lackiert usw. Natürlich haben viele Jungen mal eine solche Phase, bei mir war es aber eben keine Phase sondern das konkrete und dauerhafte erleben "so sollte es eigentlich sein""¦.
Später — wohl ab dem Grundschulalter habe ich die meisten Verhaltensweisen dann schon unterdrückt, mich aber immer noch zu diesen hingezogen gefühlt und teils bereits hin und wieder im geheimen ausgeübt (Kosmetik, Kleidung, stöbern in Beauty- und Modezeitungen mit Frauenkleidung usw.). Auch durch dieses Alter zieht sich hindurch, das ich eigentlich immer in weibliche Gruppen integriert war und mich mit männlichen schwer tat und deplatziert fühlte.

In der späteren Schulzeit wurde dies teils schwieriger, da sich die Mädchen mehr von mir als biologischem Mann abgrenzten. Zugleich waren mir die typischen Jungsgruppen und deren Umgang aber nach wie vor zutiefst unsympatisch. Ich fügte mich notgedrungen ein, aber es fühlte sich nie gut und richtig an. Ich weiß noch wie wir damals die sogenannten Arbeitsgruppen ("Wahlfächer" , wenn auch keine Fächer im klassischen Sinn) die je 2x 90min pro Woche auf dem Plan standen aussuchen konnten. Was ich nicht mal mehr weiß ist welche AGs die Jungs typischerweise aussuchten (außer Fussball)"¦"¦ich jedenfalls wählte Bauernmalerei und Rock'n'Roll (also tanzen). Dies waren die schönsten und harmonischsten Stunden der Woche, da ich und die 2 oder 3 anderen Jungs die sich in diesen AGs fanden voll in die Gruppen aus Mädels integriert waren und dadurch auch der Kontakt in den Pausen usw. wieder besser wurde. Damals überlegt ich mir dann auch schon meine Ausrede wenn ich ob dieser "obskuren Fächerwahl" schräg beäugt oder blöd angemacht wurde und erzählte jedem der/die es hören wollte (einschl. meinen Eltern), na bei Fußball gibt es nur Jungs, da sind alles tolle Mädels um einen rum"¦.besser kann man keine Freundinnen "aufreissen""¦"¦ich stellte mich also als Schürzenjäger da der ich nie war.
Diese Taktik habe ich gelegentlich bis ins Erwachsenenalter immer wieder bemüht um davon abzulenken, wenn ich weibliche Interessen oder Gesellschaft bevorzugt habe.

In den letzten Tagen habe ich mehrere Seiten durchgearbeitet mit Tips, an welchen Merkmalen und Hinweisen man festmachen kann vermutlich Transgender zu sein.

Wenn ich mich einmal traue möchte ich auch das noch ein wenig kürzen (es stammt aus dem Brief an meine Therapeutin) und mit Euch teilen.

1. Denk darüber nach wie es Dir als Kind mit Deinem Geschlecht ergibt.
Habe ich schon einiges zu geschrieben. Trotzdem gehe ich die aufgeführten Anhaltspunkte einmal durch und beantworte sie (ggf. dann mit siehe oben).
a) Du bestehst darauf, nicht das Geschlecht zu haben das Deine Eltern Dir zuschreiben.
Dies habe ich nie getan aber auch nie verstanden warum ich nicht trotzdem ein Mädchen sein kann oder mich wie eines verhalten darf wenn ich doch wie eines fühle und nunmal einfach viel lieber ein Mädchen als ein Junge wäre.
b) Du denkst wenn Du groß bist wirst Du das richtige Geschlecht haben
Hier war mir sehr früh klar das dies leider nicht passieren wird. Ich habe immer gedacht "ich wäre gern ein Mädchen""¦..meine Gedanken sagen auch heute seit Jahren "ich wäre lieber (auch biologisch) eine Frau", aber mir war schon als Kind klar das das leider nicht geht.
c) Wenn Du Dir Geschichten ausdenkst hast Du in diesen das andere Geschlecht.
Volltreffer. Das habe ich immer getan und tue es noch. Sobald es die Möglichkeit gibt (also auch bei virtuellen Gelegenheiten, Spielen o.ä.) wählte und wähle ich eine weibliche Rolle.
In meinen Gedanken sehe ich mich immer als Frau.
d) Du willst Kleidung tragen die typischerweise mit dem anderen Geschlecht asozziert wird.
Volltreffer. Wollte ich schon als Kind und habe mit meiner Freundin Klamotten getauscht und weibliche Bekleidung fühlte sich damals schon richtig an und tut es noch heute.
Gestern habe ich mich das erste mal 2 Dinge getraut. Ich habe mir eine Strumpfhose gekauft, da dies ein weibliches Kleidungsstück ist, das sich aber sehr versteckt tragen lässt und habe sie unter meiner normalen Kleidung getragen. Und es hat sich nicht einfach gut, sondern richtig angefühlt, so sollte es normal sein.
Dann habe ich mir (so blöd es klingt) eine neue Wintermütze gekauft und mich getraut etwas zu kaufen was (zumindest für mich) sehr weiblich ist. Nichts auffälliges, aber eine Damenmütze, hellgraue Wolle, ohne jede Verzierung oder ähnliches, aber wunderbar weich. Ich finde sie jedenfalls sehr typisch weiblich. Allein aufgrund der Farbe und Strickmuster ist bei genauem Hinsehen schon deutlich, dass dies keine Herrenmütze ist. Für die meisten von Euch nichts besonderes aber für mich einfach soo toll. Nur eine Mütze, ja, aber ganz anders als jede Herrenmütze die ich je hatte. Eindeutig feminin. Hier habe ich auch tatsächlich Angst das jemand dies sieht und anspricht (sag mal hast Du die Mütze von Deiner Frau dabei, oder bist Du schwul geworden - in meinem extrem männlichen Umfeld wäre dies nicht überraschend wenn jemand das so unbesonnen anspricht - vielleicht sogar ohne böse absicht). Auch habe ich angst das jemand es bemerkt und hinter meinem Rücken getuschelt wird "was ist denn mit xxVerenaxx los.....hast Du gesehen was der für ne Mütze anhat?", aber es fühlt sich trotzdem einfach richtig an, sich etwas schönes gekauft zu haben und ich vertraue darauf das hoffentlich doch keiner was bemerkt — denn Männer sind ja für Mode nicht gerade aufmerksam. Und es ist für alle anderen ja eigentlich "auch nur eine Mütze".
Also Ja, am liebsten würde ich ausschließlich weibliche Kleidung tragen, von Wäsche bis Wintermantel, von Nachthemdchen bis Badeanzug usw.
e) Du hast mehr Freunde aus dem anderen Geschlecht.
Volltreffer. Siehe oben....wobei ich zugeben muss eigentlich gar keine wirklichen Freunde zu haben. Aber mein Bekanntenkreis ist eindeutig weiblich geprägt und in sozialen Gruppen ordne ich mich eindeutig weiblichen Gruppen zu.
f) Du hast das starke Bedürfnis an Aktivitäten und Veranstaltungen teilzunehmen die typisch für das andere Geschlecht sind
Volltreffer. Siehe oben. Galt schon als Kind und bis heute in allen Bereichen.
g) Du weigerst Dich mit Spielzeug zu spielen das mit Deinem körperlichen Geschlecht asoziiert wird.
Mich zu weigern habe ich mich nie getraut. Ich war schon früh sehr gut darin die Rolle des Mannes zu spielen und zu handeln wie es von mir erwartet wurde — auch wenn mir etwas nicht gefiel oder ungeliebte (männliche) Geschenke mich unglücklich gemacht haben.
h) Du spürst eine Abneigung gegen Deine Anatomie oder Deine Genitalien
Jein. Ich erinnere mich als Kind durchaus eine Abneigung gespürt zu haben, denn meine Genitalien sind schuld, das ich nicht dort sein kann und das tun kann was ich eigentlich möchte. Dies ist heute im Grunde auch noch so.
Ich fühle keinen Ekel und auch keine direkte Ablehnung, aber es fühlt sich auch nicht richtig an und ich wäre wenn ich die Wahl hätte gern auch biologisch eine Frau.
Ich sehe mich sozial und auch sexuell als Frau — auch wenn ich weiterhin meine Frau aus vollem Herzen liebe, sie nach wie vor sexuell anziehend finde (auch wenn mir auch Männer gefallen) und sie nie verlieren möchte.

2. Kannst Du Dich mit Deiner sozialen Rolle identifizieren ?
Kurz gesagt: NEIN
a. Wenn Du zu etwas eingeladen wirst was stereotyp für Dein körperliches Geschlecht ist fühlt sich dies falsch an ?
JA. Als würde ich in eine Schublade gezwungen. Ich will das einfach nicht ;-(
Ich kann doch nix dafür, aber es interessiert mich nicht, es fühlt sich nicht gut an"¦.ich will das einfach nicht ;-(
b. Fühlst Du Dich in einer Gruppe Deines körperlichen Geschlechts so als würdest Du zwar als einer von Ihnen durchgehen aber doch nicht ganz dazugehören ?
ABSOLUT ! ! ! Ich glaube hier habe ich schon einiges zu gesagt.
3. Welche Gefühle lösen Dein Namen und die Pronomen bei Dir aus ?
Ich habe 44 Jahre mit diesen gelebt und empfinde prinzipiell nichts dabei. Gefallen hat mir mein Name nie — aber hier geht es sicherlich vielen Menschen so. Wenn ich in Gedanken schonmal überlegt habe wie ich denn lieber gehießen hätte denke ich jedoch immer an weibliche Namen, nicht an männliche.
a) Wie fühlt es sich an wenn Du Dich in einer Gruppe deines bevorzugten Geschlechts befindest und jemand spricht die ganze Gruppe als "sehr geehrte Damen" o.ä. an.
Das ist mir schon mehrfach passiert und es fühlte sich einerseits nicht besonders an, sondern sehr normal / richtig, andererseits hat es mich gefreut. Wenn der/die Person den "Fehler" dann bemerkte und ein "oh entschuldigen, natürlich Damen und Herren" hinterherschob war es hingegen ein Gefühl des Bedauerns das er/sie die Anrede nun korrigiert hat.
b) Was passiert mit Dir wenn jemand versehentlich das Pronomen des anderen Geschlechts für Dich verwendet.
siehe a. Es gefällt mir; aber da es fast nie unbemerkt bleibt fühlt es sich dann traurig an wenn es korrigiert wird.

Wie geht es weiter ?
Tja. Ich möchte jetzt Möglichkeiten finden meiner weiblichen Seite - also Verena - zumindest mehr Raum zu bieten und diese nicht komplett zu unterdrücken.
Ich denke hier muss/kann ich vieles entdecken. Definitiv möchte ich das jedoch unauffällig und im geheimen. Zu mehr bin ich stand heute noch nicht bereit.
Insbesondere es vor meiner Frau zu verbergen ist natürlich durchaus schwierig und fühlt sich nicht gut an, aber meine Angst ist zu groß um etwas zu sagen.
Aller Anfang ist schwer, aber der Anfang ist zumindest für mich gemacht.
Ich habe 44 Jahre damit verbracht die falsche Rolle zu spielen. Am liebsten würde ich von jetzt auf gleich alles ändern, aber das würde vermutlich in einer Katastrophe enden und das darf nicht passieren. Ich werde es also langsam angehen lassen und versuchen Dinge einzuschleichen und normalität werden zu lassen, die mir mehr weiblichkeit ermöglichen ohne das mein Umfeld es merkt oder zumindest ohne es besonders auffällig zu finden. Da ich zudem viel beruflich unterwegs ist werde ich diese Gelegenheiten nutzen Verena vielleicht auch dort etwas Freiraum zu bieten. Leider reise ich beruflich nicht allein, das wäre natürlich fabelhaft, sondern bin immer mit einer großen Gruppe im gleichen Hotel, sodass es nicht in Frage komme hier zeitweise komplett Verena zu sein, aber zumindest einige weibliche Aktivitäten kann ich mit hier bieten.
Anschließend dann mal schauen wie es sich entwickelt.

Ich möchte künftig
- Zunächst mehr Kleidung wählen die ich auch im Alltag als Mann tragen kann, die aber tendentiell zumindest androgyn oder unisex ist, aber mehr weiblichen Charakter hat (siehe die Mütze - meine Frau findet z.B. diese stehe mir super.....die Hintergründe kennt sie ja nich). So kann ich weibliche Bekleidung haben und nutzen ohne dass dies allzu auffällig wirkt, sondern sich zumindest noch im Grenzbereich von "gerade noch männlich genug um nicht anzuecken" bewegt. Heimlich schöne Wäsche zu tragen wird wohl eher nicht funktionieren, denn irgendwo muss diese ja Gelagert aufbewahrt werden; aber ab und an mal eine Strumpfhose unter der normalen Hose bietet ja auch schon ein wenig weiblichkeit und die Sicherheit das es niemand sieht.
- wenn ich in XYZ (dort wo ich immer hinreise) bin möchte ich die Gelegenheit nutzen zunächst zumindest heimlich möglichst vielen angenehmen (weiblichen) Aktivitäten nachzugehen die ich mich zuhause nicht trauen würde. Gestern war ich wie gesagt shoppen und habe durchaus auch mal Blicke in die Damenabteilungen geworfen (hier würde ich mich mehr trauen wenn ich eine Freundin hätte die ich mitnehmen könnte). Für Morgen habe ich einen Termin in einem Nagelstudio. Das erste mal in meinem Leben. Zwar nur eine Maniküre für Männer, aber in einem ganz weiblichen Studio das wohl sehr LGBTQI freundlich sein soll und das richtig "girly" ist :-)
- Versuchen nach und nach mehr Kosmetik in mein Leben einfließen zu lassen, sodass es gar nicht groß auffällt. (zunächst natürlich pflegende, nicht dekorative Kosmetik — aber Kosmetik die mir gefällt"¦.sprich Bodylotion mit weiblichem Duft statt "Nivea men", ein feminines Parfum statt Gaultier "Le mal", eine schöne Creme statt einfach Creme aus dem Rossmann usw.)
- Versuchen in XYZ eine Selbsthilfegruppe zu finden
- Mit meiner Therapeutin an diesem Thema arbeiten und daran arbeiten vielleicht den Mut zu finden mich auch meinem Psychiater (ich bin in Behandlung wegen Depressionen, deren wirkliche Ursache mir nur zu klar wird) und vielleicht einer "Haus"Ärztin anzuvertrauen. Ich denke es gibt sehr viel zu reden und zu verarbeiten, da ich sehr lange und sehr viel absolut gegen mein Selbst gearbeitet habe — ich habe schon gelesen das dies wohl ein häufiges Problem ist"¦..sich selbst und anderen die (vorgespielte) Männlichkeit beweisen zu wollen usw. usw. ich glaube hier gibt es wirklich seeeeehr viel.

Tja. einer meiner nächsten Schritte ist sicherlich auch hier im Forum aktiv zu sein. Vielleicht dann auch zu verraten wo ich regelmäßig hinreise usw.
Ich lasse es also auf mich zukommen.
So.
Ich hoffe der Text ist nicht so lang geworden das niemand ihn mehr liest, aber ich musste einfach alles hier loswerden.
Liebe Grüße an Euch alle
Verena
Shoshana
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Re: Verena will endlich Verena sein

Post 2 im Thema

Beitrag von Shoshana »

Hallo Verena,

erstmal von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum. Außerdem vielen Danke für die wirklich ausführliche Vorstellung.
Du wirst feststellen, dass es hier vielen vergleichbar geht bzw. gegangen ist. Du bist also sicher nicht alleine.

Was das Tragen weiblich gesetzter Kleidung angeht: Das geht auch als Mann. Eventuell ist das in deinem wohl sehr maskulinen, beruflichen Umfeld schwierig aber Mann im Rock oder auch Kleid erregt üblicherweise kaum Aufmerksamkeit. Beim Gang durch z.B. die Fußgängerzone gibt es zu 99% keine, gelegentlich eine positive und nur ganz selten eine negative Reaktion. Insbes. Verkäuferinen haben mein Rock Outfit schon ein paar mal gelobt. Da sitzt meiner Erfahrung nach die größte Bremse zwischen den eigenen Ohren.

Gerade wenn dein berufliches Umfeld keinen Freiraum für Verena bietet wirst du nicht umhin kommen deine Frau einzuweihen. Verstecken, Heimlichtuerei , "¦ geht auf die Dauer nicht gut, kostet dich jede Menge Kraft und stellt einen Vertrauensbruch deiner Frau gegenüber dar.
Sie weiß doch sicherlich, dass du unter Depressionen leidest, das ist doch ein "perfekter" Aufhänger für ein offenes Gespräch. Besprich das doch einfach mal mit der Therapeutin. Falls es dir alleine zu schwer fällt, kann sie dir eventuell dabei helfen.

Ach ja: Noch etwas. Deine weibliche Ausrichtung gehört zu dir, geht nicht weg und deine Frau hat dich so kennen und lieben gelernt. An deiner Persönlichkeit ändert sich garnichts wenn du Rock statt Hose trägst.

LG, Shoshana
Care about what other people think and you will always be their prisoner. - Lao Tzu
Jasmine
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Re: Verena will endlich Verena sein

Post 3 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Herzlich willkommen in diesem schönen Forum und danke für deine ausführliche Vorstellung.
Liebe Grüße Jasmine
ChristinaF
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Re: Verena will endlich Verena sein

Post 4 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Auch von mir ein herzliches Grüß Gott in diesem wunderbaren Forum. Und danke für die ausführliche Vorstellung. Ich bin sicher, dass hier viele Fragen deinerseits beantwortet werden. Fühl dich einfach wohl. (moin)
LG Christina
lexes
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Re: Verena will endlich Verena sein

Post 5 im Thema

Beitrag von lexes »

Jasmine hat geschrieben: Mi 14. Dez 2022, 12:35 Herzlich willkommen in diesem schönen Forum und danke für deine ausführliche Vorstellung.
Liebe Grüße Jasmine
Dem Satz möchte ich mich vorbehaltlos anschließen
anika500
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Re: Verena will endlich Verena sein

Post 6 im Thema

Beitrag von anika500 »

Tolle Geschichte, herzlich Wilkommen

Grüsse anika
Heike-Simone
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Re: Verena will endlich Verena sein

Post 7 im Thema

Beitrag von Heike-Simone »

Willkommen in dieser schönen Runde,hab Spaß! (moin)
Frau sein ist schön!
Anjali-Sophie
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Re: Verena will endlich Verena sein

Post 8 im Thema

Beitrag von Anjali-Sophie »

Hallo VeenaM78

Hallo und Herzlich Willkommen hie im Foum , und Danke für deine Ausfürliches Vorstellen

LG:Anjali-Sophie
Susi T
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Re: Verena will endlich Verena sein

Post 9 im Thema

Beitrag von Susi T »

Herzlich Willkommen hier im Forum,

Ich wünsche Dir viel Erfolg und Freude auf deine Reise,
Hier gibt es ja viele die auf einer Ähnlichen sind, also bist du schonmal nicht alleine.

Liebe Grüße Tira (flo)
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
Magdalena
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Re: Verena will endlich Verena sein

Post 10 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo Verena,

Danke für die ausführliche Vorstellung. Und auch von mir3ein herzliches Willkommen hier in unserem Forum.

Und so wie Du es beschreibst, haben es viele hier durchlebt. Bereits im Kindesalter zu merken, da wo andere mich einordnen, gehöre ich nicht hin. Bis hin zum Verleugnen und Verdrängen, gegen das wahre Ich eine Rolle spielen lernen.
Bis, bis das Kartenhaus zusammenfällt.

Um so wichtiger ist es seinen Partner/Partnerin ins Vertrauen zu ziehen.

Ich wünsche Dir für Deinen Weg alles Gute.

Viele liebe Grüße von Magdalena
Lebe jeden Tag.
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Re: Verena will endlich Verena sein

Post 11 im Thema

Beitrag von VerenaM78 »

Oh mein Gott, so viele liebe Antworten. Ich antworte euch heute Abend, spätestens morgen ausführlich. Ich hatte einen Wahnsinnstag und jetzt geht"™s auf den Weihnachtsmarkt.
Drückt mit bitte die Daumen das keiner was sagt.
Ich habe einen neuen Mantel. Meine Frau fand ihn absolut ok"¦.Antarktistauglich"¦..aber er ist schon eigentlich sehr typisch weiblich
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Re: Verena will endlich Verena sein

Post 12 im Thema

Beitrag von Petra N. »

Hallo Verena,

Eine sehr ausführliche Introduction!
Wie die anderen Leute schon gesagt haben, deine Probleme sind hier gar nicht so unbekannt.
Viele von uns haben dasselbe Wünsche und Gedanken und du wirst alles bei anderen hier auch erleben können.
Herzlich Willkommen im Forum, ich wunsche dir hier viel Vergnügen!

LG Petra.
"Nichts ist wichtiger als Mitgefühl für das Leid anderer. Nichts. Keine Karriere, kein Reichtum, nicht Intelligenz und ganz sicher nicht Status. Wir müssen Mitgefühl haben, wenn wir in Würde leben wollen"
- Audrey Hepburn
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Re: Verena will endlich Verena sein

Post 13 im Thema

Beitrag von Ramona B. »

Hallo Verena,

auch von mir ein Herzlich Willkommen in diesem Forum.

Deine Vorstellung liest sich fast wie eine Kopie meines eigenen Lebens, mit dem Unterschied, dass ich an einer partnerschaftlichen (sexuellen) Beziehung (weder Frau noch Mann) nie Interesse hatte und noch habe.
Zufällig heute am Nachmittag hatte ich ein Gespräch mit meiner jüngeren Schwester und meinem Vater geführt, in dem ich auch genau dieses Empfinden und Verhalten in meiner Kinderzeit zur Sprache brachte.
Wie es Shoshana schon beschrieb, habe ich auch klein angefangen.
Begonnen habe ich mit einem Sarong, wie sie in asiatischen Ländern von Männern getragen werden.
Und schön, dass Deine Frau nun schon die ersten "weiblichen" Kleidungsstücke an Dir akzeptiert.
Ich könnte mir vorstellen, dass sie im Sommer auch an Dir einen Sarong akzeptieren würde.

LG, Ramona
Sei Du selbst!
Lass Dich von niemandem verbiegen, denn es gibt Menschen, die Dich genau so lieben und brauchen wie Du bist.
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Re: Verena will endlich Verena sein

Post 14 im Thema

Beitrag von Michaela Smile »

Hallo Verena,
Na das war ja mal ne Vorstellung.. Hut ab....
Danke, das du uns so tief von dir erzählst. Und ich denke auch das sich einige hier in deinen Schilderungen wiederfinden. Ich jedenfals könnte einiges unterschreiben.

Auf jedenfall mal ein ganz herzliches Willkommen hier :-D

Grüßle
Michaela
Michaela
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bunt ist das dasein......und granatenstark!
VerenaM78
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Re: Verena will endlich Verena sein

Post 15 im Thema

Beitrag von VerenaM78 »

Hallo Ihr Lieben und erst nochmal ganz ganz lieben Dank für Eure Kommentare und Euren Zuspruch.

Ich möchte natürlich ein paar von den Dingen die Ihr angesprochen habt aufgreifen....
Reisen: Ja, während der Reise 2x umziehen ist definitiv eine Option. Die Fahrt ist weit genug das es sich lohnt !

Psychologin / Psychiater: Ich habe tatsächlich beides. Einen Psychiater (der noch nichts von dieser Problematik ahnt) und eine Psychologin die die erste Person ist die ich ins Vertrauen gezogen habe.

Was das Thema: Outing bei der Ehefrau angeht.
Ich verstehe Eure Beiträge, aber ich bin ja ehrlich gesagt erst ein paar Tage so weit es mir selbst so weitgehend einzugestehen wie es ist. Natürlich geht meine weibliche Seite nicht nicht weg. Ich fühle seit über 40 Jahren das ich eine Frau sein möchte (?) / bin (?).....da wäre es sehr naiv zu glauben es geht doch vorüber.......
Nein, der Damm ist gebrochen, die Schiffe sind verbrannt. Verena ist draußen; ich bin draußen. Ich habe soweit die Flucht nach vorn angetreten und die Brücken zurück abgerissen das es nicht mehr möglich ist wieder ganz in ein Verdrängen / Verleugnen zu verfallen; aber jetzt gilt es auch besonnen zu bleiben und nichts zu überstürzen. Ich habe 44 Jahre lang etwas falsch gemacht, da darf es auch einige Monate oder auch Jahre dauern behutsam rauszufinden was und wie genau der richtige Weg ist und wie man ihn gehen sollte.
Bei allem inneren Druck und auch der Befreiung die ich gleichzeitig spüre wäre es sehr dumm jetzt einfach wild drauflos Verena zu sein, denn das würde einiges an Porzellan zerbrechen (beruflich wie privat) das bei einem besonnenen Vorgehen vielleicht heile bleiben kann.
Das gilt auch (oder ganz besonders) für das Thema Outing. Ich möchte rausfinden ob es nötig ist, oder ich nicht weiter im wesentlich den Mann spielen kann wenn ich genaug Freiheiten finde ich selbst zu sein. Wie auch immer die Entscheidung ausgeht .....noch steht sie nicht an. Natürlich werde ich das eingehend mit meiner Therapeutin besprechen usw. aber jetzt heißt es erstmal nicht alles auf einmal und vor allem erstmal Finger weg von den glühenden Eisen.

Wie gesagt. Momentan möchte ich mir gönnen einfach ein paar Dinge zu tun und auszuleben; Erfahrungen zu sammeln und zumindest ein paar Tage / Wochen (vielleicht Monate) vorsichtig Erfahrungen zu sammeln.

Also....wie war mein Tag ?
OHa.....der hatte es in sich.
Ich hatte heute quasi frei. Und das habe ich genutzt.
Heute morgen bin ich losgezogen zum vorsichtigen shoppen.
Natürlich noch ganz im M-Outfit, aber zumindest eine Strumpfhose hatte ich drunter (was bei den aktuellen Temperaturen auch einen weiteren Vorteil bietet) und meine Damenmütze hatte ich an.
In die Damenabteilung zum probieren habe ich mich zunächst nicht getraut.......aber dann war ich bei Urban-Outfitters.
Ein toller Laden, weil zumindest in einem Stockwerk keine Trennung von Damen und Herren ist. Weder die Bekleidung, noch die Kabinen. Auch steht nirgends dran ob ein Kleidungsstück für Damen oder für Herren sein soll.
HIer habe ich mich schließlich (noch sehr verschämt) ein paar (ganz eindeutig weibliche) Strickpullover von der Stange gerissen und zügigen Schrittes in eine Kabine und anprobiert.
Was war das toll.
Geklauft habe ich keinen, denn den könnte derzeit nicht dezent zuhause reinschmuggeln.....und sie passten auch nicht so toll wie ich es gern hätte. Aber alleine das anprobieren was toll.
Zudem stellte ich fest. Egal ob beim rein- oder rausgehen.....keine Sau interessiert sich dafür welche Klamotten ich über dem Arm habe und mit in die Kabine nehme :-)
Klar, geht dort besonders gut, da der Laden halt zumindest teils nicht getrennt ist.
Dann habe ich eine Wintermantel / Winterjacke / Parka gesehen. Dick gefüttert, schwarz und für mich knieland. Nicht tailliert, aufgesetzte Taschen, etwa Knielang. Ohne Schild, aber definitiv weiblich. Gar kein Zweifel. Geschnappt anprobiert......in XL zu groß, in L grenzwertig weit, aber aufgrund meiner Körpergröße brauche ich die Armlänge.
Und das Teil ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Und vor allem brauche ich (auch als M) dringend eine dicke warme Jacke, da ich abgenommen habe und meine alte viel zu weit ist.
Also: Versuch macht klug. Manches muss man ja nur verkaufen oder nicht drüber reden. Also meine Frau geschrieben das ich einkaufen bin, eine tolle Jacke/Mantel gesehen habe, aber mir nicht sicher sei, weil grenzwertig groß, aber ich brauch die Armlänge. Ich würde ihr ein Foto schicken und sie solle entscheiden.......
Gesagt getan. Das Foto ein wenig so gemacht das es möglichst maskulin wirkt (also Mantel offen; eine Hande cool in der Hosentasche, breiter Stand.....ein wenig Trickkiste....Text dazu "sieht nach Antarktis aus , oder ?" Ergebnis:Meine Frau fand den toll.....ich war total überrascht. Also schnell zweites Bild (zu und ohne tricksen hinterher) und nochmal "wirklich ?" Ja. Kauf ihn Dir.
Habe ihr dann euphorisch wie ich war noch geschrieben "Den können wir beide anziehen". Antwort: :-) Ja nee ist klar. Ich habe 2 dicke Mäntel.
Prima. Läuft. Hat sich schon fast angefühlt wie ich es mir vorstellen würde wie es werden könnte....und ein wenig fühlte es sich an wie shoppen mit ner Freundin....

Draußen dann Etiketten abgeschnitten, Tascheninhalt umgepackt (festgestellt....oha....sehr wenig Taschen...klar....Damenmantel, wofür viele Taschen, gibt ja Handtaschen). Alte Jacke in die Umhängetasche vom Laden, Mantel angezogen.
Uih.......fühlte sich toll an, auch wenn ich Fortan das Gefühl hatte die ganze Stadt starre mich an. Aber nein. Im Grunde war es allen egal. Klar schauten viele mal kurz, aber ich schaue im vorbeeigehen ja auch kurz andere Menschen an....es kennt mich keiner (erst später fiel mir ein das mich ja auch ein Kollege sehe könnte)....also....egal. Einmal raunte ein Prolet im Vorbeigehen "Memme".......aber da habe ich nur gedacht: Ich mag zwar eine Frau, aber ich könnte Dich jetzt mit einem Schlag erledigen und Du wärst tot bevor Du es merkst.....(OK....wohl übers Ziel hinaus, aber mit hat es geholfen mich überlegen zu fühlen und mir nicht den frischen Mut abnehmen zu lassen)

Dann ging es weiter.
Ich wollte mir etwas Beauty gönnen und ich habe mir etwas Beauty gegönnt......
Im Nachhinein hoffe ich damit nicht nicht übers Ziel rausgeschossen zu sein aber jetzt ist es so. Ich hatte mir einen Termin gemacht um meine Augenbrauen machen zu lassen. Zupfen, Färben.-ok....es hätte dann wohl erstmal zupfen gereicht und färben dann erst später mal.....aber zu spät.....jetzt ist es so
Was soll ich sagen: Es war soooo schön. Zwar habe ich mich nicht getraut dort drum zu bitten auch Verena genannt zu werden, aber ich habe deutlich gemacht, das ich meine Augenbrauen über die nächsten Monate nach und nach femininer haben möchte. Ruhig angehen......tolle 30 Minuten habe ich dann meine Brauen aufhübschen lassen.
Das Ergebnis war dann allerdings ein wenig ein Schock. Ich habe keine dichten Brauen und sie hat sich wirklich nur meiner natürlichen Kontour gemäß gezupft und geschnitten......aber sie sehen schon vieieieieiel femininer aus als ich es für einen ersten Termin gewagt hätte. Oh mein Gott.....jeder wird mich anstarren

Meiner Frau habe ich später am Tag geschrieben das ich bei einer Werbeaktion ein Testpaket "Beauty for men" gemacht habe, mit Augenbrauen, Maniküre und Gesichtsmassage inkl. ein Bier und das ich es total schön fand und es mir gefallen hat. Und sie hat sich ehrlich gefreut das ich Spaß hatte und einen schönen Tag.
OK. Alles nicht ganz ehrlich von mir, aber auch nicht meilen weit weg von der Wahrheit. Für den Anfang ganz ok denke ich. Da kann man dran arbeiten.

Aber zurück zum Ergebnis: Es ist echt vieieiel auffälliger und femininer als ich es gewagt hätte und ich hätte nie gedacht das es meine Augen direkt so betont. Sehr schön also, es sieht (zumindest für mich - schon echt toll aus) aber es macht mir Angst. Auf Fotos ist meiner Frau zumindest nichts so negativ aufgefallen das sie etwas gesagt hätte und meine Kollegen haben auch nicht übermäßig kritisch geschaut. Da bis auf ganz wenig Frauen fast ausnahmlos alles Männer sind hoffe ich das Ihnen nichts auffällt. Den meisten vermutlich sowieso nicht. Die ein oder 2 Schwulen Kollegen werden es vielleicht sehen, aber da vertrau ich drauf das sie einfach instinktiv gar nix dazu sagen.

Tja. einen schönen Cappuccino getrunken. Ein wenig Schuhe shoppen........bei Deichmann hoffte ich etwas zu finden was androgyn genug ist das ich es auch als M tragen kann und nicht verstecken muss, aber halt auch so das es mir feminin genug ist. Bei Größe 44 schonmal kein leichtes unterfangen.
In der Männerabteilung fehlanzeige. Zwar gab es ein paar schöne Schuhe die bio Frauen sicher tragen könnten und die dann einen weiblichen style ergäben (ähnlich wie D. Martens), aber wenn ich diese trage sehen die gleichen Schuhe halt nicht annähernd feminin, sondern sehr sehr maskulin aus (wisst ihr was ich meine ?).
In die Damenabteilung wollte ich mich tatsächlich mal vorwagen......und hatte an ein paar flache Stoffschuhe gedacht, oder auch ein paar Lederstiefeletten mit sehr wenig Absatz, die zu einer Männertuchhose unverfängliche Winterschuhe wären, aber zu einer figurbetonten Hose (auch wenn meine Figur nicht so toll ist) definitiv weiblich.....
Ich sah auch ein paar Exemplare die vielleicht einen Blick wert gewesen wären ob es sie in Groß gibt, aber die schwatzhafte und nervige Verkäuferin (kann ich ihnen helfen junger Mann,.......noch alles gut bei Ihnen.......noch nichts gefunden, suchen sie was spezielles.........) war ein zu großer Hemmschuh und ich bin nicht rüber.
Statt dessen wollte ich mein Glück später bei Kaufhof versuchen, wo ja allein aufgrund der Aufbauten nie klar ist ob jemand etwas für sich sucht, für seine Frau holt oder was auch immer......aber leider gab es nichts in meiner Größe.....Nichts....gar nichts. Nichts was mir gefiel.....nicht mal ein paar Stiefel, Stiefeletten oder auch geschlossene Business-Halbschuhe (an Heels o.ä. wollte ich mich nun wirklkich nicht wagen) die mir nicht gefielen, die ich aber hätte wenigstens mal anprobieren können.
Schade.
Aber dafür habe ich dann den Weg in die Taschenabteilung gefunden......und Bingo....auch hier Handtaschen in styles an die ich mich wirklich noch nicht ranwagen würde, gemischt mit eindeutig weiblichen Aktentaschen, eindeutig männlichen Aktentaschen und vielem irgendwo dazwischen.
Da ich nicht auch noch eine neue Tasche zuhause anschleppen wollte habe ich einen Kauf zwar direkt ausgeschlossen, aber viele schöne Sachen angeschaut :-)


Weiter ging es....
Ich habe es schon oben erwähnt. Maniküre.
Auch da das gleiche. Nicht als Verena vorgestellt oder um Anrede gebeten, aber die Behandlung und diese absolut weibliche Athmosphäre des Ladens und naja....was gibt es weiblicheres als Nägel machen total genossen. Zum Start sind meine Nägel jetzt wirklich sehr kurz, damit sie gleichmäßig in Form gefeilt werden konnten. Maniküre komplett, natürlich kein Lack, aber poliert und mit Nagelöl behandelt ist es schon ein schönes Ergebnis. Jetzt natürlich der Versuch diese nach und nach ein klein wenig länger zu bekommen. Nicht viel, aber so, dass eindeutig ein wenig Nagel da ist. Jetzt sind sie wirklich ganz kurz....also kurz vorm einscheiden unter dem Nagel. Ich denke es reichen 2 / 3, vielleicht max. 5mm. mehr um ein Ergebnis zu bekommen das mir vorerst dann genügt.
Ach, ich bin es so gewohnt alles immer so sachlich zu schildern. Es war einfach nur schön. Und niemand hat geglotzt oder sonstwas. Ich freue mich jetzt schon aufs nächste mal.

Tja....das wars es dann soweit....
Was mir natürlich total auffällt ist das meine Hosen und Schuhe überhaupt nicht zu dem Mantel passen.
Zudem finde ich das ich (trotz dezenter Wahl bei Mantel und Mütze) das es total auffällig wirkt und ich halt aussehe wie "Mann mit Frauenmantel und Frauenmütze". Versteht ihr was ich meine ? Es fühlt sich gut an, aber es sieht nicht gut aus. Mein Gesicht ist halt total männlich :-(
Klar, Gang usw. bedarf auch noch viel übung usw. im stehen und sitzen ist es viel besser. Was aber ganz dringend fehlt damit es wirklich etwas weiblicher aussieht sind passende Schuhe und Hose.
Naja....es ist ja erst der Beginn des Weges, nicht das Ziel.

Zurück im Hotel waren dann 2 Päckchen für mich angekommen......2 Bodies von Amazon.
Da meine Frau die Bestellungen sieht hatte ich ihr schlichtweg gesagt das sie sich nicht wundern solle, aber ich hasse es bekanntlich wenn mir T-Shirts hochrutschen.-....gerade auch zuhause beim arbeiten am Haus (ist nicht gelogen) und da es keine langärmeligen Thermobodies für Männer gibt (stimmt ebenfalls) hätte ich mir kurzerhand halt 2 für Frauen bestellt....in der Hose und unter ner Jacke würde man das eh nicht sehen und es stehe ja auch nicht "Body" drauf.
Also alles sachlich total richtig und von der Denkweise für meine Frau nachvollziehbar. Einziges Fehl halt, das ich diese natürlich auch anderweitig tragen möchte.
Jetzt aber erstmal anprobiert und WOW ! die fühlen sich toll an und sehen auch total gut aus. Und vor allem sehr neutral. Mit einer Männerhose und einer Strickjacke die (untenrum geschlossen getragen) den Übergang Hose/Body verbirgt würde ich damit überall hingehen.
Ich war so geflashed das ich meine Frau direkt genau das als Bild geschickt habe und das ich total überrascht sei wie gut das aussähe, und schön warm, und rutscht nicht.
Kommentar meiner Frau: Na, warum auch nicht. Was Frauen steht steht Dir halt auch.
Uih. Habe ich als Kompliment aufgefasst, denn immerhin sagt sie ja, das mir weibliche Bekleidungsstücke stehen. Klar meint sie damit "als Mann".....also das es eben nicht lächerlich "weiblich" aussieht....aber das ist ein Anfang auf den man aufbauen kann. Stellt Euch vor. Mit das Eröffnet mir doch tatsächlich die Möglichkeit wenn ich mit Ihr weggehe schonmal einen Body zu tragen. Den Mantel hat sie auch abgenickt und die Mütze fand sie toll.......also einzeln sollte das auch möglich sein. Vor einer Kombination würde ich derzeit noch zurückschrecken.....zu offensichtlich und ich möchte keinesfalls das sie mein Aussehen am Ende lächerlich findet. Da nehme ich es lieber in ganz kleinen Schritten....wie gesagt....klar möchte ich über 40 Jahre Fehler aufholen, aber das geht nicht über Nacht, sondern Gut Ding will Weile haben.

Bis hierher außer dem blöden Gefühl zeitweise man könne mich bei genauerem Betrachten lächerlich finden alles prima.....

Jaaa..und dann war es soweit.
Treffen mit Kollegen für Weihnachtsmarkt.
Hier hatte ich mich entschieden die neue Mütze wegzulassen (Mantel und Mütze sind halt wirklich schon zusammen nicht mehr zu verleugnen) und statt dessen den Mantel als weibliches Kleidungsstück im androgynen style mit männlichem Outfit zu kombinieren. Also eine dunkelgraue Mütze, meine normale Männerhose und Sportschuhe.
Drunter Thermostrumpfhose und einen Body mit Rollkragen von Amazon. Zwischenlage schwarze Herrenstrickjacke....
Weggegangen sind wir mit 4 Kollegen. Kollege 1 war gestern schon mit mir unterwegs als ich die Mütze ausgeführt habe und hat außer einen vielleicht 2 oder 3 Sekunden zu langen Blick keinerlei Reaktion gezeigt.
Kollege 2 hat mich offenkundig mehrmals von unten bis oben angeschaut, leicht schiefes Gesicht und vielleicht was negatives dabei gedacht....keine Ahnung. Gesagt oder so hat er nix.
Kollege 3 hat ebenfalls komisch geschaut, aber sonst keine Regung.
Dann Kollege 4.....hat mich offenkunden mehrfach gemustert, wirklich blöd geschaut und dann blöd gesagt: Sag mal was hast Du denn da an. Meine Antwort: Mantel, Wintermantel...Antarktistauglich....MIR wird jedenfalls nicht kalt.
Er: Das sieht ja aus wie ein Rock
(OK......Scheiße....Volltreffer.....genau das ist es wonach es aussieht....klar. solche Mäntel tragen wirklich nur Frauen)
Also ich: ALTER. EY.....Großes Augenaufreißen und drohendes Aufrichten (typisch männliche aggressive Geste) AAAAALLTER Wir sprechen uns noch wenn Dir kalt wird

OK. Erstmal ruhe. Noch ein paar Blicke, dann sind wir los.
Unterwegs er bibbert schon ein wenig mit den Zähnen......jetzt musste ich (Männerrolle lief ja) ihm natürlich eine mitgeben: Na, kalt ? Mir nicht.
Er: Ich frier nur im Gesicht. Ey, das sieht wirklich aus wie ein Kleid
Also ich: Alter Schwede. Jetzt hakts wohl. Das nennt man Mantel. Kleid.....wer macht denn hier jetzt schon Mimimi ? Mir ist warm !

Naja....damit war dann auch Ende.
Aber natürlich hat dies gewaltig Selbstvertrauen gekostet und seitdem ist das Gefühl jeder sieht das hier ein Mann Frauenklamottek trägt und findet das lächerlich natürlich viel stärker. Auf dem Weihnachtsmarkt habe ich natürlich genau die Leute beobachtet. OK. Vielleicht ist genau so ein Mantel (weil er halt auch ungeschlitzt ist, recht weit und dick) schon grenzwertig. OK. Solche Mänter werden haufenweise von Frauen getragen und ich hab keinen eizigen Kerl mit sowas gesehen.....also vielleicht doch zu weit aus dem Fenster gelehnt.....
Naja....da meine Frau das Ding abgesegnet hat werd ich ihn auf jeden Fall am Wochenende mit Ihr auf dem Weihnachtsmarkt tragen. Sie hat einen sehr ähnlichen. Vielleicht fällt es dann ja gar nicht sooo auf und gibt mir etwas mehr Sicherheit ? ? ? Wir werden sehen.
Positiv war zum Glück später Kollege 5 der hinzukam. Entweder habe ich es nicht bemerkt (obwohl ich natürlich irre sensibel dafür war) oder er hat tatsächlich nicht mal blöd geschaut. Oder er kann es nur besser verbergen. Egal. Ich habe mich jedenfalls in der Runde dann betont adäquat männlich verhalten und es gab keine Vorfälle mehr.
Kollege 4 hat dann frierender weise früher die Segel gestrichen und ist früher abgehauen, sodass ich ihm (klar, wartete jetzt jeder drauf) nochmal eine mitgeben konnte. Aber das hat Kraft gekostet.
Ihr Lieben, warum gehen Männer so schlecht miteinander um obwohl sie eigentlich Freunde sind ?
Klar sind wir Kollegen, aber wir sind oft zusammen unterwegs und verbringen gemeinsam mehr Zeit als mit allen Freunden im privaten Umfeld. Man geht ja auch überlicherweise immer mit denen weg mit denen man sich eben gut versteht und dann ist man doch eben nicht nur Kollege, sondern Freunde. Erzählt über Kinder, Frau, Scheidung, Krisen, Krankheit.......Freunde halt.
Und warum geht man dann so miteinander um ? Es tat wirklich weh. Da könnte ich heulen. Natürlich können Frauen auch fies und gemein. Aber Freundinnen würden doch nicht so miteinander umgehen. Da ist es wieder....ich bin dieses männliche Verhalten so leid.

Naja....zumindest der Rest des Abends verlief dann unbeschadet.
Für morgen habe ich mir jetzt 2 Punkte vorgenommen:
1. Ich habe einen Beratungstermin in einem Institut für Haarentfernung. Leider habe ich sehr viel Körperbehaarung und da möchte ich dauerhaftere Lösungen in Erwägung ziehen. Natürlich auch alles eine Preisfrage. Aber man kann mit einer Zone anfangen und Rom wurde ja nicht an einem Tag erbaut.
2. Eine schöne Hose anprobieren und ein paar passende Schuhe. Vielleicht dann morgen noch nicht mal kaufen, hauptsache erstmal anprobieren und dann sehen wir weiter. Kommt Zeit kommt Rat.

in diesem Sinne schönen Abend und Gute Nach
Verena
Antworten

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