auch ich habe, wie einige hier sicherlich auch, die Karnevalszeit einfach nutzen müssen
Manche hier sehen dieses Fest ja mit gemischten Gefühlen, und haben Angst um ihre/ unsere Glaubwürdigkeit.
Nachdem ich weder ein besonders mutiger Mensch bin, und auch niemanden habe der mir auf meinem Weg helfen würde, muss ich die Chacen ergreifen die sich mir bieten.
Da dies meine erste Erfahrung in diesem Umfang ist, möchte ich sie euch auch nicht vorenthalten.
Los ging es am Samstag, als ich mir im Drogeriemarkt eine kurze Einführung zum Thema schminken geben lies. Habe hierfür einen etwas ruhigeren Markt ausgesucht, und erstmal gesagt, es sei für Fasching. Die nette junge Dame fand das sehr interessant und hat mich auch sehr gut beraten. Um das passende zu finden beschrieb ich ihr mein Kleid und wir haben uns auch ganz nett unterhalten. Als ich den Markt verließ hatte ich alles was nötig war um mich schön rosa-pink, aber dezent und nicht zu aufdringlich schminken zu können.
Der Sonntag bestand dann aus youtube Recherche, wie ich denn überhaupt einen Eyeliner auftrage, und was noch so alles dazugehört, damit ich nicht aussehe wie ein Clown, dass wollte ich unbedingt vermeiden. Es sollte schon so gut wie möglich aussehen (auch wenn beim ersten mal schminken die Erwartungen noch nicht so hoch sind)
In der Nacht zum Montag konnte ich vor lauter Nervosität gar nicht schlafen, bis dann der Wecker um 2:30 läutete, puh, das ist eher eine Zeit um ins Bett zu gehen statt es zu verlassen.
Frisch geschminkt ging ich zu Fuß zum Treffpunkt um mich erstmal an das Leben außerhalb meiner Wohnung zu gewöhnen. Ich hatte weiße Ballerina (für so einen Tagestripp hielt ich 10cm Absätze für unpassend), doppelte Strumpfhose damit es nicht kalt wird (war bei Wind aber trotzdem kalt) mein pinkes Kleid und eine lockige Perücke an. Dem Busfahrer stellte ich mich noch mit Männername vor, da es ja so in den Unterlagen steht, zu den anderen Mitreisenden rief ich erstmal lauthals ein MoinMoin in die Menge. Motiviert durch die freundliche Drogeriemarksangestellte vom Samstag und einen Typen im rosa Hasenkostüm dem ich auf dem Weg begegnete, fand ich den Mut mich einfach als Anna vorzustellen (juuuhuuu, first time) und alle fanden es anscheinend ganz normal, vielmehr überrascht waren sie von der Tatsache, dass ich mich traute alleine nach Köln zu fahren. (Wird die Mann/Frau Frage heute tatsächlich als selbstverständlicher angesehen als eine Busfahrt ??? wenn dem so ist, über was grübeln wir dann überhaupt noch nach?)
Auf der Raststätte lackierte ich mir dann noch die Nägel. (natürlich pink und mit Glitzer) Die Frauen fanden das ganz toll, und fragten ob ich das öfter mache, da ich es wohl sehr gut hinbekommen habe. Der Nagellack wurde dann auch noch kurz ausgeliehen weil die Farbe so toll war. (wie man dass eben so macht unter Frauen).
In Köln angekommen zog ich erst einmal mit zwei jungen Frauen aus dem Bus los, wir haben haben etwas gegessen, sind durch die Stadt gezogen, und haben den "Zuch" angesehen (nicht ganz, er war einfach zu lang), später sind wir dann eigene Wege gegangen (ich wollte lieber noch draussen in der Sonne bleiben), und ich traf andere Leute mit denen ich mich gut verstand (natürlich auch wieder als Anna), da waren dann auch einige Männer dabei, was ich besonders schön fand, denn da ist es denke ich ein wenig schwieriger in einer Gruppe aufgenommen zu werden. Das war jedenfalls alles ganz wundervoll. Gegen Ende habe ich von einem netten Herrn auch noch eine Rose geschenkt bekommen, da ich noch keine hatte, und so hätte ich doch nicht einfach gehen können. Die kleine Anna durfte nun endlich mal raus und freut sich schon so richtig auf das nächste mal
Schade ist jedoch, dass mir jemand mein schönes Kleid mit seiner sch... Zigarette angesengt hat. Und später als eine größere Gruppe "Immigranten" an mir vorbei ging und mich lautstark mit "immer diese sch... schw..." beschimpfte, konnte ich mir die "Empfehlung zur Ausreise" nicht verkneifen, auch wenn ich aus eigener familiärer Erfahrung weis dass so eine Begegnung auch ohne eigenes Zutun im Krankenhaus enden kann. Das war aber der einzige Moment an diesem Tag an dem ich mich unwohl fühlte (und auch ein wenig Angst hatte), sonst war alles Sonnenschein.
Abschließend kann ich aus meiner Sicht nur allen die sich noch nicht raus trauten empfehlen, nutzt solche Gelegenheiten wie Fasching oder Halloween. Die Selbstverständlichkeit, die Freundlichkeit und das Interesse das mir entgegengebracht wurden, taten soooooo gut, ich habe mich heute richtig befreit gefühlt, selbstbewusst und Energiegeladen. Es kam mir fast so vor als wurde ich als Frau viel eher akzeptiert und verstanden als als Mann. Es heißt immer sei du selbst, dann klappts auch mit den Mitmenschen. Das hat bei mir noch nie geklappt, und vielleicht war ich gestern mehr ich selbst als ich es jemals war,... ich habe auch die anderen Menschen aus einer ganz anderen Perspektive gesehen (auch der männliche "Jagdinstinkt" war verschwunden).
Ich höre hier immer wieder die Aussage, nehmt euch jemanden mit, zu zweit ist es einfacher. Keine Ahnung wo ich Person 2 hernehmen soll, aber das ist mir egal, jeder Mensch ist im Grunde alleine, und so werde ich auch diesen Weg (wie so viele andere auch) notfalls alleine gehen müssen. Der gestrige Tag war so schön, dass ich keine Rücksicht mehr darauf nehmen möchte was einfacher, schöner oder Sicherer ist. Ich werde versuchen diese Seite öfter herauszulassen, und mich mit diesem Thema vorsichtig Familie und Freunden zu nähern versuchen.
Ohje, jetzt habe ich euch wieder vollgetextet,... aber wenns läuft dann läufts, da kann ich so schwer wieder aufhören...
Bild von mir in Köln wird nachgereicht, wenn ich eine Galerie erstellen darf. (was hoffentlich bald der Fall sein wird)
Wenn ich noch irgendwelche wichtigen Aspekte vergessen haben sollte oder ihr noch Fragen zu meiner ersten Reise habt, nur raus damit, ich bin für euch da,
Eure Annabelle