Mein familiäres Outing liegt bereits viele Jahre zurück und nach einer "Eingewöhnungsphase" hat mich meine Mama ganz und gar akzeptiert. Anfänglich war ich noch ihr Kind, aber schon bald sah sie mich als ihre Tochter an - kann es für mich ein schöneres Kompliment von meiner Mama geben? Ab diesen Zeitpunkt wünschte ich mir, daß wir beide ein genauso schönes und inniges Verhältnis haben werden, wie es CIS-Mütter und Töchter haben. In dieser Zeit gab es für mich viel nachzuholen und Hilfe holte ich bei Tina. Dabei wuchsen wir immer mehr zusammen und tauschten viele Informationen aus. Daneben gab es einige Themen, die ich selbst nie körperlich erfahren würde, CIS-Töchter aber immer hilfesuchend an die Mutter wenden. Dies wären bsw. Fragen zur Schwangerschaft, Menstruation oder anderen "körperbezogenen" Aspekten. Auch wenn mich diese Punkte nicht selbst betreffen, so löcherte ich Tina mit vielen Fragen und wollte dazu alles wissen. Meine Mama konnte dabei aus erster Hand erzählen und ich hörte wissbegierig zu - dabei holte sie weit aus und schilderte die Schwangerschaft, als ich in ihrem Bauch so langsam heranwuchs. Das Gefühl einer Schwangerschaft werde ich nie verspüren...
In einigen "harten" Fällen habe ich davon gehört, daß sich Mütter und Töchter durchaus in Konkurrenz sehen, sei es in der Arbeit, Beziehung, "körperlichen" Punkten oder beim Lebensverständnis. Zum Glück kann ich sagen, daß so ein Verhältnis zwischen Tina und mir nicht herrscht. Natürlich sind wir beiden nicht immer einig und zu kleineren Meinungsverschiedenheiten kommt es auch, dennoch stechen wir beide uns nicht gegenseitig aus. Ich würde Tina sogar als Vorbild sehen, auch wenn sie mit persönlichen Eigenschaften wie Arroganz, Selbstverliebtheit oder Eitelkeit nicht hinterm Berg hält - womit ich in mit meiner eher zurückhaltenden Art manches Mal schwer umgehen kann. Deshalb hat Tina auch die Kraft mir ihre Meinung direkt ins Gesicht zu sagen und mir so eine andere Sichtweise auf bestimmte Dinge zu geben. Dies ist nicht immer leicht für mich zu akzeptieren, aber die Hilfe nehme ich gerne an.
Da ich mich erst im Erwachensenalter meiner Mama hin geöffnet habe (...Outing), werde ich es nie erfahren, wie ich als Jugendliche von ihr behandelt worden wäre. Hätte sie mich meine eigenen Entscheidungen treffen lassen? Wäre sie eine Gluckenmutter gewesen? Hätte sie mich geführt und auf das Erwachsenenleben vorbereitet? Sich darüber nun den Kopf zu zerbrechen macht keinen Sinn, vielmehr investieren wir unsere Energie in das Hier und Jetzt. Tina und ich sind uns einig, daß wir ein ganz besonderes Verhältnis haben - sehen wir uns wie Freundinnen oder sind wir doch Mutter und Tochter? Ich sehe von allem etwas in unserer Beziehung - wir sind offen und vertraut wie es in einer Familie möglich ist, tun aber auch sehr gern Dinge gemeinsam wie es Freundinnen tun.
Ich denke letztendlich ist es egal, in welchem Verhältnis wir uns sehen. Hauptsache ist, daß wir überhaupt eine so innige und liebevolle Verbindung haben.
Tina habe ich viel zu verdanken, daß ich heute die Person / Frau bin, als die man mich kennt. Dafür schulde ich meiner Mama so viel...
Interessanten Blogbeiträge zum Thema findet ihr bsw. hier:
https://www.brigitte.de/familie/mitfueh ... 23244.html https://familienblog.nuernberg.de/muetter-und-toechter/
Schreibt mir doch gerne, wie ihr euer Verhältnis zu eurer Mama seht.
Jennifer