Die "liebe" Arbeit
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Lebensplanung, Standorte
Lara Celine
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Die "liebe" Arbeit

Post 1 im Thema

Beitrag von Lara Celine »

Guten Morgen ihr Lieben,

Ich stecke in einer "kleinen" Zwickmühle und brauche euren Rat und vielleicht Erfahrungen von Frauen in ähnlicher Situation.

Es ist wunderbar zu sich selbst gefunden zu haben und zu wissen wer man ist. Es fühlt sich als wäre man endlich "angekommen".
Meine Depressionen verbessern sich stetig, meine Lebensfreude steigt, ich lache mehr und schaffe es sogar ein femme raus zu gehen ohne Angst zu haben schief angeschaut zu werden. Auch wenn es noch etwas ungewohnt ist, fühlt es sich gut und richtig an.

Den ersten Termin bei meiner Therapeutin hatte ich auch schon und befinde mich deshalb auf dem Weg zur HRT.

Nun gibt es ein Problem und das ist mein Arbeitsplatz.
Ich arbeite in einem reinen "Männerberuf". Natürlich dürften auch Frauen meinen Beruf ausüben, macht aber kaum eine und ich glaube die Annahmequote für weibliche Bewerberinnen geht ziemlich gegen null.

Grundsätzlich wäre es vermutlich das kleinere Problem mich auf der Arbeit zu outen u d meine Befürchtungen wegen Diskriminierung sind gefühlt gering.
ABER ich arbeite in meinem Unternehmen erst seit etwas mehr als einem Jahr und habe aktuell nur einen befristeten Vertrag für zwei Jahre bekommen.
Diese Befristung soll noch in diesem Jahr aufgehoben werden. Allerdings habe ich das nur mündlich zugesichert bekommen.
Nun habe ich die Befürchtung das mein Vertrag durch ein Outing nicht entfristet wird.
Diese Sorge teilt meine Therapeutin tatsächlich auch und meinte ich sollte mit dem Outing warten bis die Entfristung durch ist.
Leider kann ich es mir nicht erlauben meinen Job zu verlieren, zumal ich in meiner Branche nicht so schnell eine neue Stelle bekommen könnte. Und als Transfrau schon gar nicht.
Seit heute ist mein Urlaub vorbei und ich musste heute morgen Lara "zuhause" lassen und als Kevin zu Arbeit gehen.
Seit Wochen geht Kevin nirgendwo mehr hin, sondern ich lebe als Lara.

Nun sitze ich hier und bin traurig, wütend, frustriert und verzweifelt. Und das obwohl ich noch nicht mal einen ganzen Tag hinter mir habe. Vielleicht liest sich das übertrieben, aber es fühlt sich so an.
Vor August kann ich mit einem offiziellen Gespräch zur Entfristung nicht rechnen und die Vorstellung mich so lange verstecken und verstellen zu müssen macht mich wahnsinnig.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Und wie seid ihr damit umgegangen?
Sollte ich das Risiko eingehen mich ohne die Entfristung zu outen?
Ich weiß nämlich ehrlich nicht wie ich noch mehr als drei Monate oder sogar länger aushalten soll"¦

Herzlichst
Eure Lara Celine
ChristinaF
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 2 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Eine nicht leicht zu beantwortende Frage, bei der ich auch keine Antwort darauf weiß.
Vielleicht löst sich das alles mit der Zeit, wenn Celine sich überhaupt nicht mehr "verstecken" will und du, so oder so, den innerlichen Druck nicht mehr aushältst. Dann kommt es ohnehin zum Outen.
Ich wünsche dir für diese Zeit, dass du dann das Richtige tun kannst.
Liebe Grüße
Christina
Valerie Bellegarde
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 3 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

Hallo,
Ich hatte früher lange Zeit selber Mitarbeiter und möchte dir deswegen die Situation aus Sicht des Arbeitgebers mal darstellen, bekanntlich hat alles zwei Seiten. Wenn du Glück hast, wirst du auf einen aufgeklärten Chef treffen, wenn nicht, dann geht das mit dem outing zum jetzigen Zweitpunkt ziemlich sicher schief. Hat der Chef eine andere, nämlich negativere Optik zum Thema "Trans" als du (was sehr wahrscheinlich ist) oder hat er überhaupt kein detailliertes Wissen darüber, dann wird er aus seinem Halbwissen heraus reagieren und im Zweifel gegen dich entscheiden.

Solche 50/50 Entscheidungen nach Probezeiten sind gar nicht so selten und wenn das so ist, dann würde ich an deiner Stelle jetzt in diesem Moment alles vermeiden, was eventuell gegen dich sprechen könnte. Ich nehme an, du willst deinen Job entfristen, dann schiebe dein outing in der Firma lieber noch etwas hinaus, auch wenn es schwerfällt.

Valerie
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 4 im Thema

Beitrag von Lara Celine »

Liebe Valerie,

Um meinen Arbeitgeber als Firma mache ich mir dabei noch nicht mal Sorgen.
Es geht dabei eher um meinen direkten Vorgesetzten und die Schicht(en).
Das Thema Aufklärung ist in meinem Unternehmen vermutlich nicht das Problem.
Sondern eher die "Unpässlichkeit" einiger Kollegen oder meines Meisters.

Herzlichst
Eure Lara Celine
Malvine
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 5 im Thema

Beitrag von Malvine »

Hallo Lara Celine,
...der berühmte Blick in die Glaskugel...was wird sein?
Ein vorheriges Gespräch mit den AG kann positiv ausfallen, weil dieser merkt, das dir an einer vertrauensvollen Beziehung etwas liegt und du mit offenen Karten spielst - auch auf die Gefahr, das du deinen Vertrag nicht verlängert bekommst. Dies kann wirklich als Positiv aufgenommen werden, wenn der AG oder der Entscheidungsträger mit der Situation umgehen kann. Dein Outing hat ungefähr die Tragweite einer nicht angegebenen Schwangerschaft bei Bio-Frauen. Welchen Eindruck hinterläßt es beim AG, wenn du dich nach der Entfristung die Karten auf den Tisch legst? Fühlt man sich da als Ag getäuscht? Auch hier ist es ein Blick in die Glaskugel...
Grundsätzlich kann ein AG dich immer fristgerecht kündigen - auch wenn du einen unbefristeten Arbeitsvertrag hast. Er brauch nur die passende Begründung - die dich nicht als Person diskriminiert. Betriebliche oder wirtschaftliche Gründe sind da noch am besten geeignet.

Darf ich mal indiskret Fragen, in welcher Branche du tätig bist?

Hast du die Möglichkeit, dich mit anderen Menschen während der nächsten Monate verstärkt auszutauschen um dein Defizit besser auszugleichen, wenn du als Mann auf die Arbeit gehst? Ein emotionaler Ausgleich wäre in meinen Augen wichtig, damit du deine Weiblichkeit weiter leben kannst.

Grüße von Malvine - die als Mathias soloselbständiger Handwerksmeister ist.
Nicht das schwarze Schaf ist anders, die Weißen sind alle gleich
Shoshana
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 6 im Thema

Beitrag von Shoshana »

Hmmm, das ist ganz schwierig. Einerseits reduzierst du das Risiko keinen unbefristeten Vertrag zu bekommen deutlich wenn du mit dem Outing wartest. Andererseits besteht die Gefahr, dass sich dein Vorgesetzter (oder dessen Chef) betrogen fühlen, wenn du dich kurz nach der Entfristung outest. Das führt dann zwar nicht zur Entlassung belastet aber das Verhältnis und kann zu Gegenreaktionen (direkt oder indirekt) führen.
Die Reaktion deiner Kollegen ist da nicht so wichtig, entscheidend ist wie dein Chef und dessen Chef reagieren. Kannst du das einschätzen?
Um die Risiken weitgehend zu reduzieren müßtest du mit dem Outing nicht nur bis nach der Entfristung sondern noch deutlich länger (denke mal min. 6 Monate länger) warten. Traust du dir das zu?

LG, Shoshana
Care about what other people think and you will always be their prisoner. - Lao Tzu
Lara Celine
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 7 im Thema

Beitrag von Lara Celine »

Ihr Lieben,

Ich versuche mal meine Vermutungen und Gedanken zu der Einstellung meines Arbeitgebers als Firma und meiner direkten Kollegen wiederzugeben.

Ich arbeite in einem großen Unternehmen in dem mein direkter Vorgesetzter nicht entscheidet ob ich gehe oder bleibe. Die Aufgabe liegt bei jemand anderem. Allerdings hat er insofern schon Einfluss darauf, weil er mich beurteilt und auf diese Beurteilung geachtet wird.
Mein Unternehmen wird es vermutlich nicht jucken ob ich Trans bin oder nicht, da sich meine Arbeitsleistung nicht verringert bzw. verschlechtert.
Grundsätzlich sollte das bei meinem direkten Vorgesetzten und meinen Kollegen auch so sein.
Aber ob das der Fall ist kann ich schlecht einschätzen.

Der Einwand das ich noch länger warten müsste um nicht etwas "zu verheimlichen" ist berechtigt. Daran hatte ich tatsächlich noch gar nicht gedacht.
Gefühlt ist mir das unmöglich"¦ es scheint mir schon äußerst schwer so lange durchzuhalten bis die Entfristung durch ist"¦

Herzlichst
Eure Lara Celine
Lavendellöwin
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 8 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Lara Celine hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 12:24 Grundsätzlich sollte das bei meinem direkten Vorgesetzten und meinen Kollegen auch so sein.
Aber ob das der Fall ist kann ich schlecht einschätzen.
Hi Lara...

hmm..hast du schon mal bei deinem Meister und den Kollegen hingespürt, hast du sie schon mal
über Themen aus dem LGBTQIA+ Bereich reden hören? Und was hast du da wahrgenommen.
Es ist grade doch sehr wahrscheinlich das der Meister und die Kollegen jetzt und in einem halben
Jahr die Gleichen sind, deshalb wird es auch mit der Reaktion auf dich so sein.

Ich würde vertrauensvoll mit der Personalabteilung und/oder Gleichstellungsbeauftragten reden,
dir da Unterstützung abholen, wenn dir klar ist das dein Unternehmen Diversity unterstützt.

Das dazu...es gibt hier auch etliche Menschen im Forum die eher in Männerdomänen arbeiten,
es kann also schon gut funktionieren...
Lara Celine hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 12:24 Mein Unternehmen wird es vermutlich nicht jucken ob ich Trans bin oder nicht, da sich meine Arbeitsleistung nicht verringert bzw. verschlechtert.
naja..ich sage dir offen, die Transition ist nicht nur schön und es wird Zeiten geben wo du psychisch wie
physisch zu kämpfen haben wirst. Grade die körperliche Belastbarkeit kann sich schon immens verändern,
deshalb ist es wichtig wirklich immer in einem guten Training zu bleiben..nimm das bitte mal
in deine Gedanken auf.

Was ich dir aber auch sagen möchte..."wir" sind nicht mehr sooo ungewöhnlich und ausgefallen,
ich habe grade einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben, der erste auf dem von vorne weg mein
"richtiger" Name steht. In dem Unternehmen in dem ich anfange und auch bei den Auftraggebern
gibt es mehrere trans* Personen die geschätzt sind und auch höhere Positionen ausfüllen.
Wobei ich in der IT bin und da das Umfeld meist eh offener ist..

In früheren Projekten und Jobs, habe ich auch öfter den "geschlechtlichen" Ausdruck geändert,
weil mich "als Mann" eh kaum jemand wirklich wahrgenommen hat-sei bitte wer du bist!

Alles Liebe Marie (flo)
Zuletzt geändert von Lavendellöwin am Sa 21. Mai 2022, 14:51, insgesamt 2-mal geändert.
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 9 im Thema

Beitrag von Mary »

Liebe Celine,

natürlich kann Dir niemand die Entscheidung abnehmen und unser aller Kristallkugel ist ziemlich blind, was die Zukunft angeht...

Du hast dich auch nur ziemlich nebulös ausgedrückt, was deine Arbeit angeht und warum du befürchtest, nicht mehr akzeptiert zu werden. Das das passieren kann, ist klar. Ob es passieren wird, weiß niemand. Oft finden Männer Frauen in typischen Männerberufen ja faszinierend - mein Mann (er ist CD und ihm stellt sich das Problem nicht) berichtet immer von einer Industriemechaniker-Kollegin, die auf Händen getragen wird. Deine "Offenbarung" ist natürlich nochmal ne andere Nummer.

Du sagst,du bist auf den Verdienst angewiesen. Das kann ich verstehen. Dennoch frage ich mich, ob Du, wenn du es tatsächlich schaffst, so lange hinterm Berg zu halten, bis Du eine Festanstellung hast und dann noch ein paar Monate ins Land gehen, die Situation für dich verbesserst. Im besten Fall wird es akzeptiert. Im schlimmsten Fall werden deine Vorgesetzten sich hintergangen fühlen und Du wirst dich eventuell dem Gespött deiner Kollegen ausgesetzt sehen. Was machst du dann? Selber kündigen? Die betriebsbedingte Kündigung deines Arbeitgebers abwarten (denen fällt sicher was ein)?

Auch wenn es schwer fällt, würde ich das Gespräch suchen. Eventuell mit jemandem vom Betriebsrat, vielleicht findest du dort ja eine Person, der Du vertraust.

In einer idealen Welt wäre es egal ob da Kevin oder Celine kommt, aber die haben wir nicht. Und es geht ja nicht nur um Verdienst sondern auch um Deine Zukunft. Auch wenn du einen Verbleib am Arbeitsplatz gegen den Willen deiner Chefs durchsetzen könntest,zB mit einem Arbeitsrechtler, hättest du nichts davon, wenn die Atmosphäre für dich unerträglich würde.

Ich wünsche dir alles Gute!
Mary
Wenn dir das Leben in den Hintern tritt, nutze den Schwung um vorwärts zu kommen....
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 10 im Thema

Beitrag von Olivia »

Hallo Lara Celine,

in Deinem ersten Post frägst Du konkret nach einem Rat. Auch wenn das aus verschiedenen Gründen extrem schwierig ist, hier zu einem Rat zu kommen, lehne ich mich mal aus dem Fenster:

Nach allem, was Du geschrieben hast über Deine berufliche Situation denke ich, ganz realistisch und "nüchtern" betrachtet ist es besser, wenn Du mit dem Outing abwartest, bist Du Deinen festen Vertrag respektive die Entfristung Deines Arbeitsvertrages in der Tasche hast. Ob es bis August sehr lange hin ist oder ob es eine kurze überschaubare Zeit ist, ist eine Frage der Perspektive - und in der Nachschau ist ohnehin alles einfacher, als man/frau vorher denkt.

Ich will das jetzt nicht konkret eins zu eins begründen, da die Datenlage das nicht unbedingt hergibt und man/frau sicher auch zu der gegenteiligen Ansicht kommen kann. Es ist eben mein persönlicher subjektiver Rat an Dich.

Liebe Grüße von Olivia, die Dir ganz fest die Daumen drückt
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 11 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Lara Celine hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 10:15 Guten Morgen ihr Lieben,

Ich stecke in einer "kleinen" Zwickmühle und brauche euren Rat und vielleicht Erfahrungen von Frauen in ähnlicher Situation.

Es ist wunderbar zu sich selbst gefunden zu haben und zu wissen wer man ist. Es fühlt sich als wäre man endlich "angekommen".
Meine Depressionen verbessern sich stetig, meine Lebensfreude steigt, ich lache mehr und schaffe es sogar ein femme raus zu gehen ohne Angst zu haben schief angeschaut zu werden. Auch wenn es noch etwas ungewohnt ist, fühlt es sich gut und richtig an.

Den ersten Termin bei meiner Therapeutin hatte ich auch schon und befinde mich deshalb auf dem Weg zur HRT.

Nun gibt es ein Problem und das ist mein Arbeitsplatz.
Ich arbeite in einem reinen "Männerberuf". Natürlich dürften auch Frauen meinen Beruf ausüben, macht aber kaum eine und ich glaube die Annahmequote für weibliche Bewerberinnen geht ziemlich gegen null.

Grundsätzlich wäre es vermutlich das kleinere Problem mich auf der Arbeit zu outen u d meine Befürchtungen wegen Diskriminierung sind gefühlt gering.
ABER ich arbeite in meinem Unternehmen erst seit etwas mehr als einem Jahr und habe aktuell nur einen befristeten Vertrag für zwei Jahre bekommen.
Diese Befristung soll noch in diesem Jahr aufgehoben werden. Allerdings habe ich das nur mündlich zugesichert bekommen.
Nun habe ich die Befürchtung das mein Vertrag durch ein Outing nicht entfristet wird.
Diese Sorge teilt meine Therapeutin tatsächlich auch und meinte ich sollte mit dem Outing warten bis die Entfristung durch ist.
Leider kann ich es mir nicht erlauben meinen Job zu verlieren, zumal ich in meiner Branche nicht so schnell eine neue Stelle bekommen könnte. Und als Transfrau schon gar nicht.
Seit heute ist mein Urlaub vorbei und ich musste heute morgen Lara "zuhause" lassen und als Kevin zu Arbeit gehen.
Seit Wochen geht Kevin nirgendwo mehr hin, sondern ich lebe als Lara.

Nun sitze ich hier und bin traurig, wütend, frustriert und verzweifelt. Und das obwohl ich noch nicht mal einen ganzen Tag hinter mir habe. Vielleicht liest sich das übertrieben, aber es fühlt sich so an.
Vor August kann ich mit einem offiziellen Gespräch zur Entfristung nicht rechnen und die Vorstellung mich so lange verstecken und verstellen zu müssen macht mich wahnsinnig.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Und wie seid ihr damit umgegangen?
Sollte ich das Risiko eingehen mich ohne die Entfristung zu outen?
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Herzlichst
Eure Lara Celine
Hallo!
Ich denke Du kommst nicht darum herum, offen mit Deinem Arbeitgeber zu reden.
Ich denke mal, dass Du Deine Transsexualität belegen kannst (Bescheinigung durch den Gutachter).
Dein Arbeitgeber wird sich wundern, dass er erst jetzt von Deiner Transexualität erfährt, aber immer noch besser als ihm gar nichts zu sagen und ihn vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Der Zeitpunkt mit der noch offenen Weiterbeschäftigung ist sicher ungünstig.
Aber so hast auch Du Gewissheit, ob er sich der Herausforderung gewachsen sieht mit Dir zusammenzuarbeiten.
Mit einer PÄ bist Du als Frau zu behandeln, aber durch die Hintertür?
Da würde Dein Arbeitgeber sich hintergangen sehen, und Du würdest als unzuverlässig dastehen.

Rede doch mal mit dem Therapeut über die Situation.
LG Verena
Solange Du in Dir selber nicht zuhause bist, bist Du nirgendwo zu Haus.

Die Natur ist Wakan Tanka. Leider haben das nur Wenige verstanden.

Maka Ke Wakan Die Erde ist heilig
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 12 im Thema

Beitrag von Marit »

Liebe Lara Celine,

wenn ich etwas gelernt habe in der Transition, dann ist es Geduld. Du bist noch am Anfang und wirst merken, dass jeder Schritt seine Zeit braucht.
Bartentfernung beispielsweise dauert mehr als ein Jahr und dazu musst du erstmal jemanden finden, der es macht und so weiter.

Daher wäre meine Empfehlung, erst mal die Füße still zu halten bis der Job sicher ist, auch wenn es gerade (verständlicherweise) unangenehm für dich ist.

Liebe Grüße von Marit
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 13 im Thema

Beitrag von Lara Celine »

Ihr Lieben,

Wow, so viel Feedback. Vielen Dank erstmal dafür. Ihr seid die Besten.
Mary hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 14:47 Du hast dich auch nur ziemlich nebulös ausgedrückt, was deine Arbeit angeht und warum du befürchtest, nicht mehr akzeptiert zu werden. Das das passieren kann, ist klar. Ob es passieren wird, weiß niemand. Oft finden Männer Frauen in typischen Männerberufen ja faszinierend - mein Mann (er ist CD und ihm stellt sich das Problem nicht) berichtet immer von einer Industriemechaniker-Kollegin, die auf Händen getragen wird. Deine "Offenbarung" ist natürlich nochmal ne andere Nummer.
Liebe Mary,

ich möchte das gern etwas weiter ausführen. Ich arbeite bei einem Energieversorger als Kraftwerker. Heißt im Klartext, das ich Strom und Fernwärme für eine größere Stadt "produziere".
Ich arbeite im Wechselschichtmodell Früh-, Spät-, Nachtschicht. Wir sind insgesamt vier Schichten.
Alles Männer durchweg. Legen das Verhalten von "typischen" Männergruppen an den Tag.
Grundsätzlich würde ich bei den meisten sagen, dass es dabei keine Probleme geben dürfte, aber wir haben auch den ein oder anderen komischen Typen dabei mit komischen Ansichten bezüglich Frauen. Bei denen kann ich nicht sagen, wie sie reagieren würden.
Alles in Allem GLAUBE ich das ich mir eigentlich keinen Kopf machen muss, aber da meine berufliche Zukunft in dem Unternehmen davon abhängen könnte wie sie reagieren will ich natürlich nicht blind in das Thema Outing rennen.
Mary hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 14:47 Du sagst,du bist auf den Verdienst angewiesen. Das kann ich verstehen. Dennoch frage ich mich, ob Du, wenn du es tatsächlich schaffst, so lange hinterm Berg zu halten, bis Du eine Festanstellung hast und dann noch ein paar Monate ins Land gehen, die Situation für dich verbesserst. Im besten Fall wird es akzeptiert. Im schlimmsten Fall werden deine Vorgesetzten sich hintergangen fühlen und Du wirst dich eventuell dem Gespött deiner Kollegen ausgesetzt sehen. Was machst du dann? Selber kündigen? Die betriebsbedingte Kündigung deines Arbeitgebers abwarten (denen fällt sicher was ein)?
Das ist ein guter Punkt und natürlich besteht die Gefahr. Andersrum ist die Stelle die ich besetze wichtig und man braucht mich faktisch. Einfach gegen jemand anderen ersetzen geht bei uns nicht so einfach, da die Anlernphase sehr lang ist. Aber du liegst mit deiner Ausführung natürlich richtig, wenn sie es drauf anlegen bekommen sie mich schon irgendwie quitt. Entweder durch Mobbing bis ich selbst kündige oder durch einen Vorwand.
EmmiMarie hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 14:43 hmm..hast du schon mal bei deinem Meister und den Kollegen hingespürt, hast du sie schon mal
über Themen aus dem LGBTQIA+ Bereich reden hören? Und was hast du da wahrgenommen.
Es ist grade doch sehr wahrscheinlich das der Meister und die Kollegen jetzt und in einem halben
Jahr die Gleichen sind, deshalb wird es auch mit der Reaktion auf dich so sein.

Ich würde vertrauensvoll mit der Personalabteilung und/oder Gleichstellungsbeauftragten reden,
dir da Unterstützung abholen, wenn dir klar ist das dein Unternehmen Diversity unterstützt.
Liebe Marie,

Wie schon in diesem Post erwähnt, glaube ich mir bei den meisten auf meiner Schicht sicher zu sein, dass das kein Problem ist. Aber bei dem ein oder anderen bin ich mir unsicher. Wie die Kollegen auf den anderen Schichten sind kann ich nicht einschätzen, da ich die nicht gut genug kenne.
Ich werde definitiv mit dem Gleichstellungsbeauftragten sprechen. Das war auch mein grundsätzlicher Plan gewesen. Erst mit dem Psychosozialen Dienst, dann mit den Gleichstellungsbeauftragten und anschließend mit dem Meister. Und notfalls noch mit dem Betriebsrat.
EmmiMarie hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 14:43 naja..ich sage dir offen, die Transition ist nicht nur schön und es wird Zeiten geben wo du psychisch wie
physisch zu kämpfen haben wirst. Grade die körperliche Belastbarkeit kann sich schon immens verändern,
deshalb ist es wichtig wirklich immer in einem guten Training zu bleiben..nimm das bitte mal
in deine Gedanken auf.
Das meine körperliche Kraft schwindet ist mir bewusst, sowie mir auch klar ist, dass ich durchaus Stimmungsschwankungen haben werde. Aber dennoch danke für den Hinweis. :)
Sabrina Verena hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 16:32 Ich denke mal, dass Du Deine Transsexualität belegen kannst (Bescheinigung durch den Gutachter).

Nein, tatsächlich war ich erst einmal bei meiner Therapeutin und stehe ja noch am Anfang. Dadurch liegt noch kein Gutachten vor. Wäre schön, weil ich dann schon mit den Hormonen beginnen könnte. :D


Ich hoffe ich konnte auf alles adäquat antworten.

Herzlichst
Eure Lara Celine
Zuletzt geändert von Lara Celine am Sa 21. Mai 2022, 17:06, insgesamt 1-mal geändert.
Mary
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 14 im Thema

Beitrag von Mary »

Ich wünsche dir jedenfalls gutes Gelingen! Wenn du relativ unverzichtbar bist, gibt dir das ja eine gewisse Sicherheit. Ich bleibe dennoch dabei, dass ich es nicht drauf ankommen lassen würde. Aber - das ist natürlich ganz allein deine Entscheidung.

Mary
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Andrea aus Sachsen
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 15 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Hallo Lara Celine,
eine wahrhaft verzwickte Situation, in der du da steckst!
Wie kommst du eigentlich zu der Auffassung, dass du in deiner Branche woanders keine Arbeit findest? Ich denke, die Chance dafür ist genau so gut oder schlecht wie nach dem Outing in deiner jetzigen Firma.
Und wie sieht es mit deiner Berufserfahrung aus? Mit Anfang 30 und nur einem reichlichen Jahr in der Firma, hast du da möglicherweise noch nicht viel ansammeln können. Wäre es unter diesen Bedingungen eventuell eine Option, noch einmal ganz neu anzufangen, in einer anderen, weniger männerdominierten Branche?

Ich stand vor 6 Jahren vor der Herausforderung, mir eine neue Arbeit zu suchen. Damals lebte ich schon komplett als Frau, sodass sich die Sache mit dem Outing erübrigte.
Ich dachte kurzzeitig daran, ganz neu anzufangen, aber als fast 60-jährige Berufsanfängerin? Da blieb ich doch lieber in meinem alten (Männer-)Beruf, in dem ich auf 25 Jahre Erfahrung zuückgreifen konnte.
Die Arbeitssuche war nicht einfach. Erst nach über 70 Bewerbungen und 13 Vorstellungsgesprächen wurde ich eingestellt. In dieser Firma arbeite ich heute noch.

Und um noch einmal auf deine Situation zurückzukommen: Ich würde das Outing nicht hinauszögern. Wenn es mit der Entfristing des Arbeitsvertrages klappt, ist es gut, wenn nicht, musst du eben auf Plan B oder C ausweichen. Ein späteres Outing mag vielleicht etwas bessere Chancen für eine Weiterbeschäftigung bieten, aber wenn es nicht funktioniert, hättest du wertvolle Zeit verloren und es bliebe wieder nur Plan B oder C.
Ich hoffe, du findest für dich einen gangbaren Weg.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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