Der Vater eines Transmädchen kommt nicht klar .
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Simone 65
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Der Vater eines Transmädchen kommt nicht klar .
Meine Frau wurde von einer Bekannten angeschrieben. Sie weiss von mir . Eine gute Freundin von ihr hat eine 16 jährige Tochter , die als Junge geboren ist . Sie als Mutter akzeptiert ihre Tochter und liebt sie . Aber der Vater kommt nicht klar .
Ich habe ihr schon mal die Adresse vom KISS Stuttgart gegeben . Kann ich der Mutter noch einige Tips und Rat geben?
Liebe Grüße Simone.
Ich habe ihr schon mal die Adresse vom KISS Stuttgart gegeben . Kann ich der Mutter noch einige Tips und Rat geben?
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Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .
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Lorelai74
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Re: Der Vater eines Transmädchen kommt nicht klar .
Hallo Simone,
Ohne nähere Infos ist denke ich jeder Tipp vergebens.
Warum der Vater das Mädchen ablehnt sind persönliche Themen Bei ihm - Werte, Ängste, vielleicht alte Verletzungen. Da kann alles dahinter stecken und auch der mitfühlendste Rat /Tipp kann in die falsche Richtung gehen.
Eine Mediation kann helfen oder eine gemeinsame Systemischer Familienberatung / Therapie.
Vlg
lori
Ohne nähere Infos ist denke ich jeder Tipp vergebens.
Warum der Vater das Mädchen ablehnt sind persönliche Themen Bei ihm - Werte, Ängste, vielleicht alte Verletzungen. Da kann alles dahinter stecken und auch der mitfühlendste Rat /Tipp kann in die falsche Richtung gehen.
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Männlich / Weiblich: das sind doch bürgerliche Kategorien.
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Momo58
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Re: Der Vater eines Transmädchen kommt nicht klar .
Hallo Simone,
Ich denke, du hast genau richtig gehandelt. Bei KISS trifft sich die SHG trans-stuttgart. Alles andere ist Privatsache dieser Familie. Viele Väter haben Probleme damit, wenn aus dem Sohn eine Tochter wird. Da wird der Vater noch viel emotionale Arbeit an sich selbst leisten müssen. Letztlich muss er sich auf seine Tochter zu bewegen. Ob er das kann, muss er für sich selbst entscheiden.
LG Manuela
Ich denke, du hast genau richtig gehandelt. Bei KISS trifft sich die SHG trans-stuttgart. Alles andere ist Privatsache dieser Familie. Viele Väter haben Probleme damit, wenn aus dem Sohn eine Tochter wird. Da wird der Vater noch viel emotionale Arbeit an sich selbst leisten müssen. Letztlich muss er sich auf seine Tochter zu bewegen. Ob er das kann, muss er für sich selbst entscheiden.
LG Manuela
Wir alle sind nur ein unbedeutendes Staubkorn im Universum
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Karla
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Re: Der Vater eines Transmädchen kommt nicht klar .
praktische Überlegung am Rande:
Weiß die Familie von der Möglichkeit der Kryokonservierung?
(hat hier schon jemand Erfahrungen damit? Auch mit der Kostenübernahme?)
Möglicherweise kann der Vater "seinen Sohn" dann leichter loslassen und die Tochter akzeptieren, wenn die Chance auf genetisch eigenen Nachwuchs nicht verbaut ist.
Geb zu: Ich möchte auch Ompa werden!
KISS in Stuttgart mit der passenden SHG ist wohl eine gute Adresse.
Die Selbsthilfegruppen für Eltern von trans-Kindern, Trans-Frauen, -Männer treffen sich dort teils einzeln, teils auch zusammen.
LG Karla
Weiß die Familie von der Möglichkeit der Kryokonservierung?
(hat hier schon jemand Erfahrungen damit? Auch mit der Kostenübernahme?)
Möglicherweise kann der Vater "seinen Sohn" dann leichter loslassen und die Tochter akzeptieren, wenn die Chance auf genetisch eigenen Nachwuchs nicht verbaut ist.
Geb zu: Ich möchte auch Ompa werden!
KISS in Stuttgart mit der passenden SHG ist wohl eine gute Adresse.
Die Selbsthilfegruppen für Eltern von trans-Kindern, Trans-Frauen, -Männer treffen sich dort teils einzeln, teils auch zusammen.
LG Karla
Ein Leben ohne Möps(chen) ist möglich, aber sinnlos. (frei nach Loriot)
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Blossom
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Re: Der Vater eines Transmädchen kommt nicht klar .
Meines Erachtens hast du schon alles getan, was geht und vernünftig ist.
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
Billie Jean King (*1943)
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
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Magdalena
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Re: Der Vater eines Transmädchen kommt nicht klar .
Liebe Simone,
aus der Ferne ist es schwer zu sagen, was hier noch helfen könnte. Der Verweis auf das KISS und die SHG ist ein Anfang. Nur ob der Vater des Transmädchens bereit ist, da auch hinzugehen, bleibt offen. Wir kennen ihn nicht.
Vielleicht würde ich noch unser Forum empfehlen. Da kann der Vater und auch die Mutter am besten gemeinsam in unseren Beiträgen lesen.
Viele liebe Grüße von Magdalena
aus der Ferne ist es schwer zu sagen, was hier noch helfen könnte. Der Verweis auf das KISS und die SHG ist ein Anfang. Nur ob der Vater des Transmädchens bereit ist, da auch hinzugehen, bleibt offen. Wir kennen ihn nicht.
Vielleicht würde ich noch unser Forum empfehlen. Da kann der Vater und auch die Mutter am besten gemeinsam in unseren Beiträgen lesen.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Lebe jeden Tag.
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Helga
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Re: Der Vater eines Transmädchen kommt nicht klar .
Um Himmels Willen nicht mit solchen Ratschlägen in die Tür fallen. Hormontherapie, geschlechtsangleichende Operationen, ..., die damit verbundenen Veränderungen: Das ist für Angehörige (verzeiht den Ausdruck) das absolute Horrorszenario. Die damit verbundene lebenslange Unfruchtbarkeit ist dann nur noch "Dreingabe".Karla hat geschrieben: Fr 22. Apr 2022, 19:17 Weiß die Familie von der Möglichkeit der Kryokonservierung?
Es ist gut, dass das Thema "Trans" mit allen Facetten gesellschaftlich immer mehr Beachtung und Verständnis findet. Wir müssen aber unbedingt davon wegkommen dass "Trans" automatisch mit medizinischen Maßnahmen verknüpft wird. Diese automatische Verknüpfung, die sich in den Köpfen der breiten Öffentlichkeit festgesetzt hat und in der "Fachwelt" offensichtlich auch noch weit vertreten ist, dürfte nebenbei für die weit verbreitete Skepsis beim Selbstbestimmungsgesetz mitverantwortlich sein.
Um eine neue Mutmaßung beizusteuern, die häufig in Beiträgen von Eltern anklingt: Es gibt für Eltern kaum etwas Schlimmeres als ohnmächtig anzusehen, wie die Kinder unter fremde Einflüsse geraten sind, die diese dazu bringen etwas Falsches zu tun. Schule, Jugendamt, therapeutisches Fachpersonal... . Wer auch immer beteiligt ist, hat zweifellos die besten Absichten und die größte Hilfsbereitschaft. Diese Hilfsbereitschaft darf aber nicht dazu führen, dass Eltern das Gefühl haben ihnen wird das Kind weggenommen.
In diesem Fall wäre sicherlich das Beste, wenn Vater und Tochter Zeit miteinander verbringen, damit sie erkläre und er verstehen kann was in ihr vorgeht. Die zweitschlechteste Lösung wäre wenn Fremde dem Vater erklären was in der Tochter vorgeht, die Schlechteste wenn er gar keine Erklärungen bekommt.
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
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Ich muss mich nicht festlegen.
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Alex_andra
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Re: Der Vater eines Transmädchen kommt nicht klar .
Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass es längst keinen Automatismus bezüglich medizinischer Maßnahmen gibt (welcher Art auch immer) und dass es selbst dann, wenn akut Hilfe benötigt wird, lange dauert bis die Menschen ausfindig gemacht werden können, die zu helfen bereit sind, die die notwendige Kompetenz besitzen und die vor allem "Patient:innen" orientiert arbeiten. Zu den medizinischen Maßnahmen gehören neben den oft gescholtenen endokrinologischen und chirurgischen auch die aus dem Bereich der Psychologie, Psychosomatik und Therapie.Helga hat geschrieben: Mo 25. Apr 2022, 21:47 Es ist gut, dass das Thema "Trans" mit allen Facetten gesellschaftlich immer mehr Beachtung und Verständnis findet. Wir müssen aber unbedingt davon wegkommen dass "Trans" automatisch mit medizinischen Maßnahmen verknüpft wird. Diese automatische Verknüpfung, die sich in den Köpfen der breiten Öffentlichkeit festgesetzt hat und in der "Fachwelt" offensichtlich auch noch weit vertreten ist, dürfte nebenbei für die weit verbreitete Skepsis beim Selbstbestimmungsgesetz mitverantwortlich sein.
Viele Kinder und Jugendliche haben oftmals teils schwere "Störungen" die ihr Sozialleben extrem einschränken und mit Selbstverletzendem Verhalten einhergehen. Das Outing als queerer Mensch oder hier als trans* sollte von allen Beteiligten als Teil der Lösung und nicht als Teil des Problems (oder der Herausforderung) betrachtet werden und dem Menschen der sich outet sollte, nachdem die beschriebenen anderen Symptome bekannt, beschrieben und gegebenenfalls erfolgreich therapiert wurden, nach Ermessen der betroffenen Person auch andere medizinische Maßnahmen zur Verfügung stehen, als die des einfühlsamen Gesprächs.
Auch wenn sich hier viele aufgrund ihrer Peer-Erfahrung als Fachmenschen verstehen und glauben im Sinne der/des Kinder/s zu schreiben, sind die Erfahrungen von Eltern und Kindern, die sich direkt mit einer solchen Situation konfrontiert sehen, ganz anders gelagert und werden von viel Unsicherheit und oft Verzweiflung begleitetet. Unheimlich viele gut gemeinte Ratschläge von allem Seiten, bis alle in der Cakophonie des Chors der Ratschläge die Orientierung verloren haben.
Wenn wir die betroffenen Kinder/Jugendlichen ernst nehmen, dann nehmen wir auch die klare Äußerung des anders Seins als bisher wahrgenommen ernst und schaffen nicht permanent neue Hindernisse, die den scheinbar richtigen alten Kontext festigt und an der Selbstbeschreibung der betroffenen Person vorbei geht. Und da wären wir wieder beim Thema Personenstand, aber dazu gibt es schon genug hervorragend ausgeführte Argumente. ich denke meine Haltung hierzu ist klar.
Ich bin sicher, dass es neben dem Gespräch zwischen Elternteil und Kind von großer Notwendigkeit ist, sich gemeinsam mit Menschen auszutauschen, die im Bereich trans* bereits Aufklärungserfahrungen besitzen und die in diesem Bereich auch geschult sind. Den hier schon erwähnten Verein aus Stuttgart kenne ich nicht, weiß aber, dass die dgti in Süddeutschland auch stark vertreten ist und würde vor allem Bettina Kemp als Ansprechpartnerin empfehlen (bin mir aber nicht sicher, ob die in diesem Bereich tätig ist). Sie ist Angehörige und Biologin und damit zumindest in zwei Bereichen ein gute und kenntnisreiche Vermittlerin.
Ich kann auch nur den Kontakt zu der Elterngruppe Trakine empfehlen und empfehlen, bei Gelegenheit eine Veranstaltung zu diesem Thema mit Dr. Erik Schneider (Psychiater und Psychotherapeut, arbeitet unter anderem zur psychischen Gesundheit von trans* Kindern und Jugendlichen. Er ist Mitherausgeber des Buches "Normierte Kinder — Effekte der Geschlechternormativität auf Kindheit und Adoleszenz") zu besuchen.
Wichtig sind aber vor allem Kontakte zu Menschen, die bereits über einen weiten Erfahrungsschatz verfügen, und die dem Alter der betroffenen Person eher entspricht.
Am Ende geht es im Westlichen um das gelungene Leben der Person, die vor allem betroffen ist, also um das des Kindes/Jugendlichen und ein sensibles Herausarbeiten der Bedürfnisse diese Menschen. Die wenigsten Fachmenschen sind bereit, schnell und ohne Rückversicherung entwicklungsverzögernde oder körperverändernde Maßnahmen einzuleiten. In nicht wenigen Fällen sind aber genau diese der erste oder zweite Schritt in die Richtung, die eine wirkliche Lösung verspricht. Und nochmals, das hat nichts mit der rechtlichen Selbstbestimmung bezüglich der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe zu tun. Das ist etwas vollkommen anderes und hilft bestenfalls im Bereich dessen, was therapiert werden kann oder ersetzt die oft leidliche Therapie.
Und jetzt zu den Tipps für die Mutter:
Liebe an erster Stelle, dann Zuneigung, Akzeptanz (ohne dass permanent das den Eltern eigene Verständnis dessen, wie ein Mädchen oder ein Junge zu sein habe, bestätigt werden muss), Austausch von Erfahrungen, eventuell authentische Erzählungen aus der eignen Jugend, Offenheit, das Zulassen von Intimität im Leben des Kindes im Sinne von Lebensbereichen, die vor den Eltern geheim gehalten werden, nicht alles wissen zu müssen und vor allem nicht alles verstehen zu wollen, sich im besten Fall als Vorbild, als role model zu verstehen...
Na ja, in aller Kürze: Liebe (bedingungslos, Akzeptanz (ohne zwingendes Verstehen) und Offenheit (auch wenn Entscheidungen den eigenen Sichtweisen und Entscheidungen zuwider gefällt werden, Bereitschaft neues zu lernen)
So viel geschrieben, einiges zum Thema, manches eher grundsätzlich,
liebe Grüße Alexandra
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Helga
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Re: Der Vater eines Transmädchen kommt nicht klar .
Liebe Alexandra,Alex_andra hat geschrieben: Do 28. Apr 2022, 12:24 Die wenigsten Fachmenschen sind bereit, schnell und ohne Rückversicherung entwicklungsverzögernde oder körperverändernde Maßnahmen einzuleiten. In nicht wenigen Fällen sind aber genau diese der erste oder zweite Schritt in die Richtung, die eine wirkliche Lösung verspricht.
ist ist sicherlich nicht komplett falsch was du hier schreibst, es ist aber auch nicht ganz richtig. Betrachtungen dieser Art übersehen leider völlig, dass es eine Gruppe von Menschen in großer Zahl mit noch größerer Dunkelziffer gibt, die sich gerne eine Zeitlang gegengeschlechtlich kleiden, fühlen und vielleicht sogar so leben möchten, für die körperverändernde Maßnahmen aber definitiv kontraproduktiv wären. Diese Gruppe wird in Ermangelung geeigneter deutschsprachiger Begriffe als "Crossdresser" bezeichnet. Aus Gründen, die ich nicht nachvollziehen kann, wird häufig das kleine Wörtchen "nur" vorangestellt.
Wir können die Situation immer nur von unserem eigenen Standpunkt aus betrachten. Aber es ist gut, dass wir überhaupt einen Standpunkt haben, denn cis- Menschen, die alles, was mit "Trans" zu tun hat von außen betrachten, haben keinen geeigneten Betrachtungsstandpunkt und sind auf unsere Expertise angewiesen.
Es ist nicht gut, dass ich meine Gefühle und Bedürfnisse so lange vor der Welt und letztlich auch vor mir selbst verstecken musste. Aber es ist gut, so wie es jetzt ist. Ohne HRT, GOAP und was die Trans- Medizin noch so zu bieten bieten hat.
Ich habe meine Variante der geschlechtlichen Entwicklung vor der intoleranten, engstirnigen Gesellschaft der 1980er Jahre versteckt. Wenn ich mir allerdings anschaue, wie heute mit jungen Menschen umgegangen wird, die ähnliche Varianten zeigen, dann kann meine Empfehlung nur lauten: "Wenn ihr Spaß daran habt euch gelegentlich mal gegengeschlechtlich zu kleiden, zu fühlen und vielleicht auch vorstellen könnt eine Zeitlang so zu leben, dann behaltet diese Neigung unbedingt für euch und lebt sie heimlich aus, denn sonst wird eine Herrscharr von Helfersyndrom- gesteuerten Gutmenschen über euch herfallen und euch traumatisierende Therapien, Pubertätsblocker, Hormontherapien, Operationen und vieles Weiteres angedeihen wollen, was den Rest eures Lebens völlig verändern wird, obwohl ihr es wirklich nicht benötigt!"
Nochmal: Es ist gut, dass unsere Gesellschaft dem Thema mittlerweile sehr viel offener gegenübersteht. Das eröffnet Chancen, das eröffnet aber auch Risiken. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Diese sollen sich gerne ausprobieren können, aber unbeeinflusst und insbesondere ohne dass ständig des Gespenst einer "falschen" Pubertät heraufbeschworen wird.
Liebe Grüße
Helga
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Alex_andra
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Re: Der Vater eines Transmädchen kommt nicht klar .
Hallo,Helga hat geschrieben: Do 28. Apr 2022, 22:25 "Wenn ihr Spaß daran habt euch gelegentlich mal gegengeschlechtlich zu kleiden, zu fühlen und vielleicht auch vorstellen könnt eine Zeitlang so zu leben, dann behaltet diese Neigung unbedingt für euch und lebt sie heimlich aus, denn sonst wird eine Herrscharr von Helfersyndrom- gesteuerten Gutmenschen über euch herfallen und euch traumatisierende Therapien, Pubertätsblocker, Hormontherapien, Operationen und vieles Weiteres angedeihen wollen, was den Rest eures Lebens völlig verändern wird, obwohl ihr es wirklich nicht benötigt!"
eigentlich bin ich mir nicht sicher, ob es richtig ist, hier nochmals zu schreiben. Dieser Konflikt führt schon so oft zu Eskalation und seitenlangen Diskussionen, die nur Energie kosten und doch nichts bringen.
Meist versuchen wir die eigene Sichtweise zu verteidigen und verkaufen eigene Meinungen als objektives Wissen.
Das ist für Bereiche, in denen wir für oder über uns Selbst schreiben auch die richtige Vorgehensweise. Bei Sachverhalten, deren Komplexität wir uns bestenfalls annähern können, aber eigentlich nur eigene irgendwie ähnliche Erfahrungen ins Spiel bringen, kann das der Diskussion eine vollkommen andere Richtung geben und am Problem vorbei, hin zu den eigenen Themen führen, um die es vorher gar nicht ging.
Mir wird bei Äußerungen wie "eine Heerschar von helfersyndromgesteuerten Gutmenschen" immer sehr mulmig zumute, diskreditiert diese Ausdrucksweise doch die Haltung der anderen (den so Bezeichneten) als falsch, im besten Fall gut gemeint, aber das Gegenteil bewirkend.
Die eigene Position scheint die richtige zu sein und deshalb besteht die Legitimation, Ratschläge geben zu dürfen, von einer Minderheit (im Unterschied zu der Heerschar) aufrichtiger Menschen (keine Gutmenschen) , die sich trauen das Offensichtliche zu sagen und das natürlich nicht aufgrund des Umstands, dass sie helfen möchten um des Helfens Willen (also keine Helfersyndrom), sondern nur deshalb, weil das Offensichtliche ja mal gesagt werden muss, um andere, oft unerfahrene Hilfsbedürftige (?) vor zu schnell gemachten Fehlern zu bewahren.
Ich kenne aus dem Bereich der von mir beschriebenen Fachmenschen mit Beratungserfahrung keine Person, die sich zu den hier aufgeführten Ratschlägen bezüglich körperlich verändernder Maßnahmen einfache so hinreisen lassen würde. Gerade bei Jugendlichen wird das Thema Geschlecht oft vollkommen anders aufgefasst und die beschriebene Binarität spielt eine wesentlich geringere Rolle, als in den erwähnten 80er Jahren des für Jugendliche gefühlten letzten Jahrhunderts oder Jahrtausends.
Die Bereitschaft sich Auszuprobieren und keiner genormten geschlechtlichen Auffassungen entsprechen zu wollen, ist sehr groß. Bei jüngeren Kindern scheint das Bedürfnis, den gängigen Mustern entsprechen zu wollen, hingegen noch sehr groß. Hier bedarf es aber meist keiner verändernden Maßnahme, um diesem Wunsch entsprechen zu können.
Mit dem Beginn der Pubertät ändert sich das und das verlangt von allen die beschriebene Sensibilität. Aussagen wie"du darfst sein wie du willst" helfen nichts, wenn das Bedürfnis des körperlichen Ausdrucks von den gegebenen Features abweicht. Zu dieser Aussage gehört dann irgendwann auch, dass die Bedürfnisse wirklich ernst genommen werden und mit den oben beschriebenen medizinischen Maßnahmen begonnen werde kann. Die Hürden für dieser Art Maßnahmen sind aber noch immer sehr hoch und für keinen Menschen wird sich nach dem Outing eine Welt eröffnen, in der sich alle Bedürftigen ohne Einschränkungen jeder Maßnahme nur zu bedienen brauchen, ähnlich einem Selbstbedienungsladen ... aber auch das wurde hier schon mehrfach und ausführlich beschrieben.
Gegen eine bedarfsgerechte therapeutische Rückversicherung, eine gute Beratung, die Zusammenarbeit mit den Eltern und dem sozialen Umfeld spricht überhaupt nichts und ist von allen gewollt, empfohlen und soweit möglich auch unbedingt notwendig. Das Ausprobierten und die Akzeptanz sind Grundlagen für alles Weitere.
Oft liegt das Problem aber nicht darin, dass diese Erkenntnis fehlen würde und die jungen Menschen mit den erwähnten Fachmenschen keine Bereitschaft zu einer solchen Zusammenarbeit hätten, sondern dass sie ihnen wegen der Ängste des Umfelds vor Veränderungen, die außerhalb des Vorstellbaren liegen, verwehrt wird. Viele Ärzt:innen und Therapeut:innen scheuen das Risiko und die Verantwortung, den meisten fehlt die Erfahrung und in der Ausbildung spielte diese so sensible Thematik bisher kaum eine Rolle (hier wage ich Aussagen, die ich gerade nicht belegen kann, da ich die Quellen hierzu nicht mehr weiß, verweisen kann ich aber auf den von Jaddy hier verlinkten Podcast https://lila-podcast.de/trans-sein-und- ... ah-oswald/ und all die Veröffentlichungen, die es in der letzten Zeit zum Thema trans* Gesundheit gegeben hat).
Das Problem stellt also nicht die allzu leichtfertige Anwendung der hier negativ beschriebenen medizinischen Maßnahmen dar, sondern dass das nicht alle Register gezogen werden können und nach der Zeit des Ausprobierens, der Akzeptanz ... und dem dann immer noch vorhandenen Bedürfnis nach körperlichen Veränderungen bei den Betroffenen, die Hürden hierzu sehr hoch, oft unüberwindlich bleiben. Aber auch das wurde schon sehr breit ausgeführt.
Ich schreibe hier nicht bezüglich der Erfahrungen meiner eigenen Transition oder des Leids in meiner Jugend. Das liegt alles längst hinter mir und bringt die Diskussion überhaupt nicht weiter. Ich schreibe hier als selbst betroffenes Elternteil. Ich kenne ansatzweise die Problematik, den Spagat, das Spannungsfeld des Jugendlichen, die eigenen Ressentiments, die unseres Umfelds ..., die Angst vor Fehlern und das ganz vorsichtige Vorangehen. Ich kenne die Verzweiflung vieler Eltern, deren Ängste um ihr Kind und kenne Kinder und Jugendliche, die behutsam ihre Transition machen, so weit es ihrem Bedürfnis entspricht, und die endlich die eigentlichen Probleme, die oft nur Folge der vorher empfundenen Zwänge waren, losgeworden sind. Aber auch dafür gibt es keine Garantie, deshalb die behutsame Vorgehensweise.
Zu diesen guten und nachvollziehbaren Entscheidungen des behutsamen Vorgehens, des Ermöglichens vieler Schritte, die reversibel sind, gehört auch die unkompliziert zu gestaltende Wahl der Zugehörigkeit zu einer oder zu keiner der Gruppen, die wir geschlechtlich labeln (in vielen hier erwähnten Texten wird ja beschrieben, wie die geschlechtliche Zuordnung auf vielen verschiedenen Ebenen stattfindet bzw. ihren Ausdruck findet. Der Personenstand ist eben nur ein Teil davon).
Jetzt noch einmal zum eigentliche Thema:
Der Ansatz, den Ausdruck des eigenen Selbst darin zu finden, was der eigene Körper aus sich selbst heraus anbietet, halte ich für richtig und wenn es so ist, dann prima.
Wenn es allerdings nicht funktioniert, dann sollte sehr sensibel mit dem Menschen, der sich so äußert, umgegangen, die genannten Bedürfnisse ernst genommen und Hilfe ohne gesellschaftliche Ressentiments ermöglicht werden.
Und all das natürlich ohne Helfersyndrom, Gutmenschen und Ratschlägen von außen bzw. von Menschen, die zwar eine Meinung haben, aber eben keine objektive, die nicht um Rat gefragt wurden und die meist keine fundierte Ausbildung für eine Beratung haben. In so weit sind wir ja alle einer Meinung, nur sehe ich im Zugang zu den erwähnten medizinischen Maßnahmen eher eine Chance als ein Problem für die Menschen, die wir als Patinet:innen bezeichnen.
Na dann, allen ein schönes Wochenende und natürlich lieb Gruß
Alexandra