Das Wohnmobil
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Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Beate 1968
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Das Wohnmobil

Post 1 im Thema

Beitrag von Beate 1968 »

Bisher habe ich meine weibliche Seite immer zu Hause, oder auf einsamen Feldwegen ausgelebt.
Meine Lebensgefährtin weiß von "Bea", sie hat mich so kennengelernt, toleriert sie, aber ist nicht begeistert, dass sie ein Teil von mir ist. Sie hat Angst vor den Nachbarn, ihren Kunden und deren Reaktionen. Wahrscheinlich hat sie sogar Recht damit, aber ich will nicht nur im Haus verkümmern.
Jetzt habe ich mir ein altes Wohnmobil gekauft und möchte mein "Ich" auch mal länger erleben.
Am Montag war es soweit. Meine Lebensgefährtin war auf einem Kurs angemeldet und ich hatte Urlaub. Also wollte ich einmal als Frau drei Tage unterwegs verbringen.
Angst hatte ich natürlich, sehr sogar. Also packte ich einen Satz meiner Männerkleidung, für Notfälle, ins Wohnmobil, versteckte sie aber ganz hinten im Kofferraum.
Mit den Jahren hat sich ein großer Fundus an Frauenkleidung angesammelt, somit war es keine Schwierigkeit die passende Garderobe für die Reise zu finden.
Ich wollte in den Schwarzwald zum Wandern und Besichtigungen machen. Alles ohne Plan und spontan. Ob ich mich wirklich unter Leute wagen würde war fraglich. Leider bin ich trotz Kleidung und Make Up immer als Mann zu erkennen.
Egal erstmal, Wandern und Burgen und Kirchen besichtigen geht bestimmt. Der Andrang hier ist meist nicht sehr groß. Im Wald kann man sich ja auch aus dem Weg gehen, die Erfahrung hatte ich ja schon seit Jahren gemacht.
Zu Hause richtete ich mich als Frau her, die Perücke ließ ich noch weg, wegen der Nachbarn, enge Jeans und Bluse gehen für die paar Meter zum Auto.
Meine Brüste hatte ich bereits festgeklebt, ich hatte Angst, das ich sie zu früh abnehme, außerdem sollten sie auf der Reise nicht verrutschen. Angeblich haften sie ja ein paar Tage (stimmt aber nicht)
Nach ein paar Kilometern, konnte ich die Perücke und meine hochhackigen Stiefel anziehen. Nun begann mein Urlaub richtig.
Da ich in der Nähe des Bodensees lebe fuhr ich erst einmal durch das Donautal, nahm mir die Zeit eine kleine Kaffeepause an der Donau zu machen, und weiter ging es nach Nahgold. Ich hatte mir vorgenommen dort die erste Nacht am Stausee zu übernachten. Es wird da schon einen Stellplatz geben, schließlich ist mein Bus für 3-4 Tage autark.
Ich war trotzdem nervös. Leute wollte ich nicht treffen, das war ich nicht gewöhnt. Klein bei geben kamaber auch nicht in Frage. Ich hatte Glück, 600 Parkplätze für Autos und Wohnmobile, aber nur ein VW Bus und ein Auto, welche am Ufer parkten.
Ich nahm mir einen Stellplatz in der Nähe des Waldes, mein Klo wollte ich nicht nutzen, lieber mit Klappspaten in den Wald.
Den Rest des Abends verbrachte ich mit einem Lehrbuch, 53 Jahre bin ich jetzt, aber brauche ein Fernstudium um einen besseren Job in meinem Beruf zu finden, ätzend. Lesen war für die Reise also fest mit eingeplant.
Hin und wieder wanderte ich zum See um mir die Beine zu vertreten. In einem großen Abstand betrachtete ich die jungen Leute am See. Gerne wäre ich am Ufer gesessen, traute mich aber nicht.
Später zog ich mein Nachthemd an und ging schlafen. Auch wenn ich nicht alles gemacht hatte, was ich heute als Frau tun wollte, kehrte Zufriedenheit bei mir ein. Am nächsten Tag werde ich als Bea wach!
Ein Spaziergang um den Stausee war geplant, 1h in meinen neuen Stiefeln, gut machbar, sonst flanieren hier auch Kinderwägen.
Leider war es noch kalt und es nieselte, draußen war ein städtischer Mitarbeiter, welcher mehr pausierte als arbeitete. Dem wollte ich nicht begegnen, aber erst Schminken und Frühstücken, vielleicht ist er ja bis dahin weg.
Pustekuchen, ich muss in den Wald und will anschließend laufen.
Schließlich reichte es mir. Also Klappspaten schnappen und schnell außer Sicht in den Wald . Meine Frau macht das schließlich auch so.
Mittlerweile war es mir egal, als Mann erkannt zu werden, ging in die entgegengesetzte Richtung los. Ich laufe gern mit hochhackigen Stiefeln. Sie klappern so auf dem Asphalt und ich fühle mich schick angezogen.
Den See hatte ich fast ganz für mich, ein paar Wanderer und Gassi Geher, somit war alles total entspannt für mich. Vor den wenigen Entgegenkommenden konnte ich mich unter meiner Kapuze verstecken.
Anschließend bin ich zurück nach Nagold gefahren, die Ruine wollte ich kennenlernen. Mich interessieren diese nur ein wenig, aber ich wollte einfach als Frau unterwegs sein und nicht erkannt werden. Wieder begegnete ich nur ein paar Wanderern, die mich ignorierten.
Zurück beim Auto wollte ich ein neues Ziel suchen, aber mein Handy gab mir nicht viele Informationen.
Ich schallt mich einen Idioten, ich möchte als Frau unterwegs sein und nun verkopfte ich mich hier im Bus, wo doch eine Karte vom Schwarzwald die einfachste Lösung sei. Außerdem hatte ich einen Tee, Süßigkeiten, und Kleinzeug vergessen.
Ich beschloss beim nächsten Discounter einkaufen zu gehen und in einer Buchhandlung in Nagold eine Karte zu kaufen.
Das zweite Mal in meinem Leben so richtig unter Leute.
Der Discounter war kein Problem, nur ein paar Minuten einkaufen, einen Schminkspiegel gab es auch im Angebot. Keiner beachtete mich, also zur Kasse, ein Pärchen mich vollem Einkaufswagen vor mir, der junge Mann ließ mich vor. Nervös und innerlich in Panik, bedankte ich mich und quetschte mich vorbei.
Zahlen, eine freundliche Kassiererin, alles vorbei. Mein erstes Abenteuer dieser Art.
Zurück im Bus musste ich erst mal runterkommen und tief durchatmen.
Jetzt noch die Karte, die nächste Buchhandlung war in der Fußgängerzone in Nagold.
3 Tage komplett als Frau hatte ich mir vorgenommen, ohne Wenn und Aber. Also Navi an und los, kein Parkplatz für meinen Bus. Ich stellte mich an eine Baustelle ins Halteverbot, 3 min zu Fuß durch die Fußgängerzone bis zur Buchhandlung. Es war viel los, also so schnell laufen wie es mit den Stiefeln ging. Einen 8 cm hohen, breiten Absatz haben sie, aber es ging gut voran.
Kurz vor der Buchhandlung wusste ich nicht weiter, aber dann sah ich sie. Erleichterung. Nun allen Mut zusammennehmen, die Karte suchen und anschließend zahlen. Ich muss also mit einem Menschen reden, ich bin aufgeregt.
Von hinten klopfte plötzlich jemand auf meine Schulter. "Escuse ce moi".
Mann klopft keiner unbekannten Frau von hinten auf die Schulter, auch als Franzose nicht, und mir schon gar nicht. Ich rannte zur Buchhandlung. Karte auswählen, Portemonnaie in der Handtasche suchen, zahlen, alles bestens.
Die Panik fiel langsam ab.
Der Mann war weg. Also zurück zum Bus, ein Knöllchen war das letzte, was ich noch brauchte.
Vor meinem Bus standen dutzende von Schülern, die Schule war aus und gegenüber der Busbahnhof. Zähne zusammenbeißen und mich durchdrängeln, hat Frau es dabei leichter? Freundlich ließen sie mich durch. Vor Aufregung nahm ich beim weg fahren einem Mann fast den Vorrang. Erst ein böser Blick, dann lächeln, hat er mich erkannt?, oder war`s "Frau am Steuer", wieder Kopfkino.
Auf dem nächsten großen Parkplatz suchte ich meine nächsten Reiseziele aus. Eine 3h Wanderung mit Kirchenbesichtigung.
Irgendwie bereute ich es keinen Bummel durch die Fußgängerzone gemacht zu haben. Aber soweit war ich noch nicht, der Bus im Halteverbot war hierzu auch eine willkommene Ausrede.
Da ich keinen passenden Stellplatz fand suchte ich mir einen kleinen Waldparkplatz, es wurde ja auch schon langsam dunkel.
Am nächsten Tag wollte ich ja laufen, es war einen einsame Tour an einer Klosterquelle vorbei zum Kloster im Dorf. Nichts Besonderes, aber ich war ja unterwegs um Zeit für mich zu haben.
Am nächsten Tag ging es nach Alpirsbach, ein paar Kinder spielten draußen, sie schauten mich zwar an, aber sagten nichts. Mittlerweile war es mir auch fast egal. Die Angst erkannt zu werden und schlechte Erfahrungen zu machen ließ nach.
Langsam musste ich auch nach Hause, am nächsten Tag waren ein paar Termine.
Die Triberger Wasserfälle hatte ich in meiner Kindheit zuletzt gesehen. Hier wollte ich hin.
Unterwegs war ein Hinweisschild zu der historischen Altstadt von Schiltach. Spontan bog ich ab.
Als Frau, dort die Innenstadt zu besichtigen sollte doch schön sein.
So war es auch, ein paar freundliche Menschen die mich grüßten, ein kleiner Einkauf in der Bäckerei. Das größte Glück war, das sich meine Angst vor dem Erkannt werden, reduzierte und ich immer mehr zu meinem Selbst fand. Immer mehr konnte ich meinen Ausflug genießen.
Erstaunlich was so ein paar Tage aus mir machten.
Die Wasserfälle waren ein Reinfall, fast alles wegen Eisbruch-Gefahr gesperrt, die 6 € Eintritt haben sie aber kassiert. Ein Mann sprach mich an und schimpfte über den Wucher und ich gab ihm recht.
Ein kurzes Gespräch, aber für mich ein großer Schritt.
Einen Bummel, an den Geschäften vorbei, hat dann aber doch noch stattfinden müssen.
Mir war es mittlerweile egal, was die Anderen dachten. Die bisherigen Tage haben mich reuen lassen, das ich nicht schon viel früher so unterwegs und unter Menschen war.
Zufrieden fuhr ich nach Hause, nicht aber ohne im Einkaufzentrum von Villingen anzuhalten und ein wenig Schmuck zu kaufen. Mann wird sonst komisch angeschaut, wenn man Schmuck anprobieren will.
So reagierte die Verkäuferin nicht auf mich, obwohl sie erkannt haben muss, wer da einkauft. Für mich war es plötzlich selbstverständlich Schmuck aussuchen zu können, also ließ ich mir Zeit.
So war dies ebenfalls ein tolles Erlebnis.
Essen im Fastfood Lokal und Tanken waren der Abschluss meines Ausflugs als Frau.
Auch wenn ich nichts wahnsinnig Tolles erlebt und gesehen habe, war die Reise zu mir selbst der Gewinn. Über mehrere Tage so zu sein wie ich mich fühle. Als Frau das Leben genießen zu dürfen, auch wenn ich mich vieles noch nicht traue, so habe ich doch vor vielem nicht mehr so viel Angst.
Es wird nicht meine letzte Tour als Frau gewesen sein, im Gegenteil, es ist wunderschön und es wird nicht lange dauern und ich bin wieder unterwegs.

Bea
Tina
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Re: Das Wohnmobil

Post 2 im Thema

Beitrag von Tina »

Hallo Bea,
eine schöne Beschreibung deiner Exkursion "en femme""¦ wie du es beschreibst, haben viele von uns angefangen..
Meine Erfahrung, je unsicherer und heimlicher ich als "Frau" gekleidet unterwegs war/bin, desto auffälliger. Als ich anfangs im Wald unterwegs war (aus Angst erkannt zu werden) haben ich wahrscheinlich bei Menschen die mir begegnet sind, mehr Angst erzeugt, als bei mir, erkannt zu werden!?
Wünsche dir auf deinem Weg zum eigenen "ICH" weiterhin viel Spaß"¦
Liebe Grüße
Tina
Momo58
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Re: Das Wohnmobil

Post 3 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Hi Bea,

Ich bin stolz auf dich. Du hast richtig tolle Erfahrungen machen dürfen. Du bist auf einem guten Weg. Die meisten Menschen interessiert es gar nicht, wie du dich kleidest. Dazu dein Reisebericht, einfach klasse. Vielleicht treffen wir uns mal in der Bäckerei in Sigmaringen auf ein Tässchen Kaffee.

Liebe Grüße
Manuela
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Re: Das Wohnmobil

Post 4 im Thema

Beitrag von Dunja »

Hallo Bea,

da stimme ich den anderen zu.
Deine Nähe zum Bodensee, das ist doch glatt für eine Einladung und ein zusammenteffen am Bodensee Bedingung.
Wenn Du Lust auf ein paar Stunden oder Tage Bodensee hast, ich heiße dich gerne hier in Friedrichshafen willkommen.
Melde dich einfach.
Als 67 er Jahrgang bin ich unwesentlich älter.
Mai und zeitweise Juni, bin ich allerdings out of order.

LG Dunja
Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als Angst.
(Zitat aus dem Film "Plötzlich Prinzessin")
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Re: Das Wohnmobil

Post 5 im Thema

Beitrag von Georgette »

Hallo,
ein schöner und nachvollziehbarer Bericht.
(ap)
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