Anforderungen an Frauenhäuser
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Anne-Mette
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Anforderungen an Frauenhäuser

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

mich interessiert, ob es besondere Anforderungen von Frauen mit transsexuellem Hintergrund gibt und wie die aussehen könnten.
Weiterhin würde mich interessieren, ob es Erfahrungen oder Einschätzungen gibt, was den Bedarf angeht.

Gruß
Anne-Mette
Marlene K.
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Re: Anforderungen an Frauenhäuser

Post 2 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Eine hochinteressante Frage, die auch mich umtreibt.
Ich sage mal meine Gedanken und Erfahrungen hierzu.

Ich selbst bin groß und kräftig, werde dadurch als wehrhaft gelesen und so weniger in Gefahr, körperlich gefährdet zu werden. Ich habe auch ein gutes Sensorium für Bedrohung, dass mich schon als junger Mensch, damalsa noch als Mann zu lesen, Angriffe verbal abwehren lies, durch Lügen und Täuschungen...

Ich denke, dass ich damit nicht alleine bin und "männliche" Abwehrmechanismen uns weiterhin, anders als manche Frau, schützen. Wie viele trans Frauen also Bedarf an Schutz in einem Frauenhaus haben, ist so natürlich schwer abzuschätzen.

Gleichzeitig fällt mir ein ehemaliger Freund/ Bekannter ein, der als schwuler Mann, klein und zierlich, vergewaltigt wurde. Noch Jahre später konnte er Zärtlichkeit nur schwer ertragen, Sexualität nicht leben. Für diesen Mann gab es in den frühen achtziger Jahren des mzwanzigsten Jahrhunderts keine Hilfe. Wenn diese Vergewaltigung in einer Partnerschaft stattgefunden hätte, hätte dieser Mann einen Schutzraum analog zu einem Frauenhaus gebraucht. Ich kenne auch heute noch keinen solchen Raum. Hier ist ein Mensch ohne funktionierendes privates Netzwerk vollkommen schutzlos. Jetzt ist die Frage, ob es spezielle queere Schutzräume bräuchte...
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Anne-Mette
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Re: Anforderungen an Frauenhäuser

Post 3 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Guten Morgen,
Marlene K. hat geschrieben: Di 31. Aug 2021, 09:29 Jetzt ist die Frage, ob es spezielle queere Schutzräume bräuchte...
Es gibt einige/wenige "Männerschutzräume" https://www.maennergewaltschutz.de/maen ... ichtungen/
Die wurden zwar gestern in der Anfrage auch angesprochen, aber um die soll es hier nicht gehen.

Es geht wirklich nur um Frauenhäuser und ich bemühe mich, die Anfrage so zu beantworten, dass nicht nur die anfragende Organisation etwas davon hat, sondern auch betroffene Frauen mit einem transsexuellen Hintergrund.

Gruß
Anne-Mette
MiriamR
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Re: Anforderungen an Frauenhäuser

Post 4 im Thema

Beitrag von MiriamR »

Eine Frage die sich stellt, dürften wir im Ernstfall eigentlich da hin?? So als Transfrau??
Da ja immer wieder das Schreckgespenst an die Wand gemalt wird wir würden uns ja nur verkleiden um in Frauenhäusern oder im Frauenknast zu spannen oder zu vergewaltigen??
Ich denke die akzeptanz als Frau ist das entscheidende.
Wenn ich lese was (manche) Cis-Frau so von sich gibt....oder den Schwierigkeiten die es gibt wenn es um einen Schwimmbadbesuch oder ähnliches geht.

Wir werden doch, so empfinde ich es, in diesen Räumen gar nicht als Frau akzeptiert.

weibliche Grüße )))(:

Miriam
Have fun.....always.
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Re: Anforderungen an Frauenhäuser

Post 5 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
MiriamR hat geschrieben: Di 31. Aug 2021, 10:51 Wir werden doch, so empfinde ich es, in diesen Räumen gar nicht als Frau akzeptiert.
Nach den Antworten, die ich bisher von Menschen bekommen habe, die mit Frauenhäusern zu tun haben, z.B. dort arbeiten, sieht das anders aus.

Gruß
Anne-Mette
MiriamR
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Re: Anforderungen an Frauenhäuser

Post 6 im Thema

Beitrag von MiriamR »

Anne-Mette hat geschrieben: Di 31. Aug 2021, 11:39 Nach den Antworten, die ich bisher von Menschen bekommen habe, die mit Frauenhäusern zu tun haben, z.B. dort arbeiten, sieht das anders aus.
Dann ist es ja gut und beruhigend zu wissen. Es war halt nur mein subjektives Empfinden, basierend auf Zeitungsberichten und Erfahrungen anderer.
Besonders pre GaOp, wenn es noch deutlich ist woher wir kommen.

weibliche Grüße )))(:

Miriam
Have fun.....always.
Anne-Mette
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Re: Anforderungen an Frauenhäuser

Post 7 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Die näheren Einzelheiten werden zu erörtern sein; aber grundsätzlich soll es wohl keine Probleme geben.

Herzliche Grüße
Anne-Mette
Marie-Elle
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Re: Anforderungen an Frauenhäuser

Post 8 im Thema

Beitrag von Marie-Elle »

Ich hatte in der Richtung auch schon etwas Diskussion:
Nehmen wir eine Transfrau und die verschiedenen "Stufen".
Wann darf ein Mann/eine Transfrau ins Frauenhaus? Wenn er/sie einen Rock/ein Kleid trägt? Wenn er/sie sich mit weiblichen Namen vorstellt?
Wenn er/sie weibliche Hormone nimmt? Wenn er VÄPÄ durch hat? Wenn die GaOP durch ist?
Oder anders herum: Wann darf eine Frau/Transmann nicht mehr ins Frauenhaus?
Ich finde dies recht schwierig und jede Festlegung ist irgendwie ungerecht.

Ich kenne übrigens selbe Diskussion auch aus der Ecke Psychosomatische Klinik: Ein Frau, die dort z.B. einen sexuellen Übergriff verarbeitet.
Soll man dann als Transfrau (wieder alle Stufen) in die gleiche (Therapie-)Gruppe oder gar aufs gleiche Zimmer?
Es ist eine sensible Umgebung. Ich verstehe, dass manches ungewollt Schaden anrichten kann. Es ist m.E. viel Rücksicht nötig.

Mir wurde mal mitgeteilt, dass es dort (kann leider nichts genaueres nennen) keine feste Regel gibt,
sondern die Mitarbeiter*innen sich ein Bild von einem machen (Verhalten, Vorgeschichte, ...) und dann individuell entscheiden.
Und dies find ich auch gut.
Anne-Mette
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Re: Anforderungen an Frauenhäuser

Post 9 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

ich hatte heute noch einmal ein längeres und interessantes Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Frauenhauses, das mich angesprochen hat.
Wir konnten Themen ansprechen, die für die weitere Arbeit wichtig sind.
Einige Aspekte sind natürlich abhängig von örtlichen Bedingungen und den daraus resultierenden Möglichkeiten.
Transsexuelle Frauen oder Frauen mit einem transsexuellen Hintergrund, die keine geschlechtsanpassenden Operationen durchführen lassen wollen oder können, erfordern sicherlich auch
eine besondere Berücksichtigung.
Angesprochen haben wir auch "***-Häuser"; denn wie wir auch hier schon oft festgestellt haben, benötigen nicht nur Frauen besondere Schutzräume.

Für weitere Gespräche - vielleicht auch Info-Veranstaltungen mit Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern - hätte ich gerne mehr Input aus unseren Kreisen, was "Wünsche und Anforderungen" angeht.

Allerdings kann ich für unseren Bereich (nördliches Schleswig-Holstein) sagen, dass mir keine "aktuellen Fälle" bekannt geworden sind.
So habe ich dann auch von einem Frauenhaus aus der Nähe den Bescheid bekommen: "... würden wir aufnehmen; aber bisher gab es diesen Fall noch nicht".
Das stimmt mich "vorsichtig optimistisch".

Gruß
Anne-Mette
Wally
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Re: Anforderungen an Frauenhäuser

Post 10 im Thema

Beitrag von Wally »

Marlene K. hat geschrieben: Di 31. Aug 2021, 09:29 Ich selbst bin groß und kräftig, werde dadurch als wehrhaft gelesen und so weniger in Gefahr, körperlich gefährdet zu werden.
Da kennst Du offenbar die Situation eines mißhandelten Partners nicht aus eigener Erfahrung (sei froh darüber...)

Das hat NICHTS mit dem Kräfteverhältnis zu tun, es ist lediglich eine Frage der Skrupellosigkeit des mißhandelnden Partners. Ich war seinerzeit meiner ersten Ehefrau körperlich überlegen, ich war größer und kräftiger als sie - trotzdem hat sie mich viele Male körperlich verletzt und zweimal sogar mein Leben bedroht. Mit einem Ehepartner lebt man nun mal auf engem Raum zusammen, da gibt's jede Menge Gelegenheiten, auch einen körperlich stärkeren Partner zu mißhandeln und zu verletzen: Überraschungsmoment, Tatwaffe... Das ist kein kräftemessendes Rangeln wie unter pubertären Jungs, das ist KRIEG!

Ich hätte damals ein "Männerhaus" verdammt gut brauchen können: als Zufluchtsort, und vor allem auch, um kompetenten Zuspruch zu kriegen und aus der pathologischen Beziehung vielleicht ein bißchen früher als erst nach 5 Jahren rauszufinden. Leider gab's damals sowas für Männer nicht, und gibt es auch bis heute so gut wie nicht.
Herzliche Grüße
Wally
Marie-Elle
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Re: Anforderungen an Frauenhäuser

Post 11 im Thema

Beitrag von Marie-Elle »

Bei Wallys Text fällt mir auch der Begriff Gaslighting ein.
( https://de.wikipedia.org/wiki/Gaslighting )

Wenn man dringend vom Partner weg muss und keine bezahlbare Wohnung findet
(was heute oft kein Einzelfall ist, oder man keine Kraft hat, sich auch noch im Geheimen auf die Suche zu machen)
und keine Hilfe durch vertrauensvolle Freunde oder Bekannte hat, an die man sich wenden kann,
denke ich, wäre ein Frauenhaus/Transhaus/Männerhaus/Haus viel wert.
Schutz vorm Partner, professionelle Hilfe bei der Verarbeitung des Erlebten,
Beginn eines neuen unabhängigen Lebens.

@Anne-Mette: Wobei ich beim Schreiben zugeben muss, dass mir gar nicht so ganz klar ist,
was ein Frauenhaus überhaupt bietet.
Unabhängig von Trans: Wie könnte mir im Fall des Falles ein Frauenhaus helfen?
Ist es mehr wie Schutz vom Partner? Bieten sie Gesprächsangebote an?
Oder nur zwischen den Bewohner*innen? Oder unterstützen sich die Bewohner*innen nur selbst?
(Also wie eine Besondere Art von geschützter WG?)
Oder gar etwas wie (Einzel-/Gruppen-)Therapie?
Hängt vermutlich auch vom jeweiligen Frauenhaus ab...
Anne-Mette
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Re: Anforderungen an Frauenhäuser

Post 12 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Guten Morgen,

die Konzepte unterscheiden sich und sind je nach Einrichtung und den räumlichen und personellen Möglichkeiten verschieden gestaltet.
Erst einmal geht es darum, Frauen und auch die Kinder aus einer häuslichen Gewaltsituation herauszuholen und ihnen eine Atempause zu gönnen.
In der Zeit im Frauenhaus wird mit den Anwesenden psychologisch und pädagogisch gearbeitet. Außerdem gibt es vielfältige Beratung und Hilfe bei einer Wohnungssuche, Antragstellung bei Ämtern usw.
Es werden Konzepte erarbeitet, bald wieder ein eigenständiges Leben führen zu können.
Mit einer WG ist das Leben im Frauenhaus sicherlich zu vergleichen; denn die Frauen sind in die Tagesabläufe einbezogen.

Hintergrundinfo

"Kein Platz im Frauenhaus": https://www.facebook.com/watch/?v=181422270285066
Gedanken einer Frauenhausleiterin: https://www.facebook.com/watch/?v=733091190395974

Gruß
Anne-Mette
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Re: Anforderungen an Frauenhäuser

Post 13 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Bei uns im ländlichen Raum hat das Frauenhaus einen katholischen Träger. Es gibt für cis-Frauen zu wenig Platz. Mit der Aufnahme von Transfrauen ist der Träger völlig überfordert. Es gibt gut gemeinte, aber schlecht umgesetzte "Beratungsangebote" die weder cis-Frauen noch Transfrauen wirklich weiter helfen. Auch die Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung, um aus der Gefahrenzone zu kommen, scheitert daran, dass es im ländlichen Raum zu wenig Wohnungen gibt. Da gibt es noch erheblichen Verbesserungsbedarf.

LG Manuela
Wir alle sind nur ein unbedeutendes Staubkorn im Universum
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Re: Anforderungen an Frauenhäuser

Post 14 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Momo58 hat geschrieben: Sa 4. Sep 2021, 16:43 Es gibt für cis-Frauen zu wenig Platz. Mit der Aufnahme von Transfrauen ist der Träger völlig überfordert.
für mich ist die Frage, ob "cis-Frauen" und "Transfrauen" getrennt betrachtet werden müssen oder sollen; ich denke eher nicht.

Das erfordert aber sicherlich noch einiges an Überzeugungsarbeit.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Anforderungen an Frauenhäuser

Post 15 im Thema

Beitrag von Michi »

Marlene K. hat geschrieben: Di 31. Aug 2021, 09:29 ...
Wally hat geschrieben: Fr 3. Sep 2021, 22:38 ...
Hallo Wally, Hallo Marlene,

ich habe es zum Glück nicht ganz so schlimm wie Wally erlebt, doch ich kann bestätigen, dass die körperlichen Voraussetzungen bei solchen Auseinandersetzungen in der Partnerschaft keine entscheidende Rolle spielen. Meine Ex-Frau hat auch ganz gezielt das Überraschungsmoment und Gegenstände als Waffe genutzt. Es ist schlicht ein dummes Vorurteil, was da gepflegt wird und dafür sorgt, dass betroffene männliche Opfer auch weiterhin nicht ernst genommen und verspottet werden.

Aber ich denke, wir sollten jetzt wieder zum Thema zurück kommen.


Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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