Letzte Chance?
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Diva
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Letzte Chance?

Post 1 im Thema

Beitrag von Diva »

Es herrschte lange Zeit Stille von meiner Seite - nahezu Todesstille. Nachdem mir 2019 neben meiner ersten - freilich gescheiterten - Liebe vor allem Blut und Tränen bescherte, mag ich die schlimmen Geschichten im geschlossenen Suizid-Bereich nicht fortführen. Ich versuche mich von der Greuel zu distanzieren, bei der ich mir den Hass von anderen zueigen machte und mich selbst grausam bestrafte. Obgleich ich von einem wirklichen Neuanfang weit entfernt bin, möchte ich nicht daran anknüpfen.

Was geschah seitdem? In tiefster Verzweiflung und von allen verlassen tat ich mir erneut Anfang März Grauenhaftes an, was zum totalen Zusammenbruch führte. Danach kam ich als Akut-Aufnahme in stationäre psychiatrische Behandlung. Drei Monate lang absolvierte ich mehr als 200 Therapiestunden unterschiedlichster Art, dazu kamen krankheitsbezogene Grundlagen der Psychologie (sog. "Psycho-Edukation") und täglicher Sport. Der Therapieplan war von Montag bis Freitag derart gefüllt, dass von acht bis siebzehn Uhr außer der Mittagspause nur ab und an mal eine Stunde Pause zwischen den Maßnahmen lag. Zwischendurch gab es dann Visiten, Medikamenten-Gespräche mit den dortigen Arznei-Spezialisten und regelmäßige Gesundheitsüberwachung mit u.a. EKG, Blutabnahme und Psycho-Tests.

Nichts erfordert mehr Kraft, ständig dazu gezwungen zu werden, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Doch anfangs konnte ich diese Kraft nicht aufbringen. Zu groß war die Verzweiflung, am Ende angekommen zu sein. Allein dieses Eingeständnis nicht einzig als vollumfängliche Niederlage zu empfinden, geht an die emotionalen Grenzen. Anstatt mit meinen süßen Vintage-roten Koffern in einen ersten Urlaub zu fahren und vielleicht ein paar Glücksmomente zu erhaschen, reiste ich mit Sack und Pack in die "Irrenanstalt". Der Schmerz über das, was mir Familie, Verwandte, sog. Freunde, Chefs und KollegInnen angetan hatten und was ich mir daraufhin selbst zufügte wurde nun noch verstärkt durch das schreckliche Gefühl, komplett versagt zu haben. Das verdichtete sich zu meinem bösen Motto, zu dumm zum Leben, aber gleichermaßen zu feige zum Sterben zu sein. Um mich nicht durch ständige Heulkrämpfe und zu wenig Schlaf weiter zu schwächen und überhaupt therapierbar zu werden, begann ich erstmals auf dringendes Anraten der Ärzte mit der Einnahme von Medikamenten. Jahrelang hatte ich mich dagegen gewehrt, doch da sich jetzt im stationären Setting mein Zustand derart zuspitzte, willigte ich ein.

Nach fünf Wochen offenbarten sich kleine positive Wirkungen. Ausgerechnet aus diesem schlimmen Anlass erfuhr ich zum ersten Mal, dass sich fremde Menschen um mich bemühten und mir wirklich helfen wollten. Der hohe persönliche Einsatz aller dort Beschäftigten von der Empfangsdame über die Pfleger, Schwestern, Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten, Köche, Servierfrauen und Reinigunskräfte bis hin zum Chefarzt war ein enormer Glücksfall für alle Patientinnen und Patienten. Was ich bislang an ambulanter Therapie erfahren hatte, verblasste dagegen als reines Blabla, was ja schlussendlich auch wirkungslos blieb und die Katastrophen nicht verhindern konnte. Nach meinem Klinik-Aufenthalt bin ich der Überzeugung, dass ernsthafte psychische Probleme ambulant nicht wirksam genug behandelt werden können. Ich hab es ja nun schriftlich, psychisch schwer krank zu sein und da hilft aus bitterer Erfahrung offenbar einzig eine stationäre Therapie, auf der danach ambulant aufgebaut werden kann, bis die nächste Intervallbehandlung in der Klinik ansteht.

Ungeachtet meiner Art auf niemanden von mir aus zuzugehen, gewann ich in wenigen Wochen erstmals positive und nicht destruktive neue soziale Kontakte, darunter meinen einzigen Freund und meine einzige Freundin. Zugleich erfuhr ich von vielen anderen kategorische Ablehnung; es kam zu mehreren verbalen transphoben Übergriffen. Doch anstatt die AggressorInnen zwei Meter tief unangespitzt im Erdboden zu versenken, wurde ich angehalten, die Vorfälle zu melden, da sie mich schwer belasteten und meinen Therapiefortschritt gefährdeten. Es kam zu Gesprächen unter Leitung der Stationsärztin, die dann die jeweiligen Einzel-Therapeutinnen fortführten. Generell wurde den Patientinnen und Patienten nahegelegt, Übergriffe jeglicher Art keinesfalls schweigend zu erdulden, sondern rigoros zu melden. Wir befanden uns schließlich in einem "geschützten Bereich", in dem sich alle an einen gewissen Verhaltenskodex zu halten hatten. Es war Sache des Hauses, Verstöße zu ahnden und so zu klären, dass sie Eingang in die laufende Therapie fanden, weil derlei Vorfälle oftmals diagnoseindiziert waren.
Nur einer hatte das Pech, mich im Sportraum anzugreifen, sodass er sich nach einem vorschriftsmäßigen Sparring am Boden wiederfand. Danach waren wir uns einig, die Sache ausnahmsweise unter uns geklärt zu haben. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Seitdem verbot ich mir, meine Wut und meinen Hass am Sandsack auszutoben. Der richtete zwar auch an meinen unbandagierten Händen und Füßen keinen Schaden an, aber an meiner Seele. Wie konnte sich eine Dame mit kaum messbarem Testosteron-Spiegel derart undamenhaft betragen? Während andere Frauen Begeisterung zeigten und von mir "Tricks" lernen wollten, lehnte ich ab und betrat diesen Raum der Gewalt nie wieder. Stattdessen konzentrierte ich mich ausschließlich auf mädchenhaftere Neigungen, aktivierte Petticoat und Swingrock und begann nach Jahren wieder mit freiem Ausdruckstanz und Bauchtanz. Ich stellte schweißtreibende Play-Lists zusammen, übte ein paar Choreos ein von orientalischem Techno über Resident-Evil-Movieklängen bis zu Wagner und Schubert - Lohengrin und Schwanengesang waren meine Favoriten.

Corona ereilte uns in den ersten Wochen meines Aufenthalts und ich wunderte mich, dass nicht nur ich, sondern offenbar die gesamte Welt krank geworden war. Wir existierten wie auf einer Insel. Die Neuaufnahme von Kranken wurde gestoppt und nur zögernd unter Einhaltung von Tests und vorbeugender Quarantäne wieder aufgenommen. Da wir das Gelände nicht mehr verlassen durften, mussten dringende Besorgungungen online erfolgen. Mit Schrecken sah ich, wie sogar die Onlineshops leergekauft wurden und besorgte mir eilends lebensnotwendige Kosmetik und Beautyartikel, dazu einen ordentlichen Nachschub Strumpfhosen. Ich hasse Leggings und trug auch beim täglichen Sport stets Strumpfhosen zum schwarzen Tellerrock. Ungeachtet übergezogener Feinsöckchen (ich trage keine Schuhe in der Halle) war der Verschleiß beachtlich.
Die Pandemie belastete uns alle schwer. Die meisten quälte das Besuchs- und Heimfahrverbot, da sie ihre Lieben nicht sehen konnten. Da wurde mir bewusst, dass ich schon längst unter einer Art Quarantäne gelebt hatte. Seit der Trennung von meiner ersten Liebe gab es niemanden mehr in meinem Leben und die o.g. Verbote tangierten mich gar nicht, weil es da draußen keinen gab, der mich sehen wollte. Es gab einzig diejenigen, die auf meinen Tod hofften, um Witwenrente zu kassieren und mein Haus zu versilbern.

Es gelang der Klinikleitung, alle neuen Hygienemaßnahmen verträglich umzusetzen, sodass die Therapien dennoch fortgeführt werden konnten. Ich begann seit der Pubertät wieder mit dem Malen. Ohne die engagierte Kunst-Therapeutin hätte ich niemals wieder einen Pinsel in die Hand genommen. Anfangs arbeitete ich die Suizidversuche auf, danach ging es an die zerstörte Liebe. Erstaunlicher Weise war mein damaliges Talent (als Kind nahm ich mit meinen Bildern erfolgreich an vielen Kunstwettbewerben und Ausstellungen teil) nur ermüdet, aber nicht verloren gegangen. Besonders dabei wurde deutlich, dass es Fortschritte gibt, die eben nicht aus eigener Motivation heraus, sondern einzig durch die Hilfe anderer erzielt werden können.

Nach drei Monaten war ich therapiemüde und optimistisch (!), mit dem Erlernten draußen überleben zu können. Die Fortführung meiner Medikation und vor allem die ambulante Nachsorge durch Psychiater und Therapeuten wurde geplant und ich fuhr zuversichtlich in mein leeres, kaltes Zuhause ...
Monatelang kämpfte ich allein um ein halbwegs erträgliches Leben. Doch weder Therapeuten noch meine vielen Maßnahmen, das vereinsamte Dahinvegetieren erträglich zu gestalten, konnten verhindern, dass ich nur 6 Wochen später erneut nahezu am Ende stand. Ich räumte mein Haus um, entsorgte fast alles, was an meine Ehe und meine letzte Liebe erinnerte, richtete mir ein Atelier ein, hängte in einigen Räumen meine Bilder auf, pflanzte Rosen, denen ich meine ganze Liebe schenkte, die niemand will und wollte, wagte Spaziergänge, fuhr mit Staffelei oder Fotoausrüstung an romantische Orte ...
Während ich in der ersten Zeit noch meditierte oder zum Pinsel griff, wenn ich spürte, emotional zu kollabieren, erstarrte ich wochenlang in depressiver Lähmung. Noch nicht einmal die Medikamente wirkten und ich breche erneut jeden Tag zusammen. Alle Versuche, zwischenmenschlich etwas aufzubauen oder auf besserem Level fortzuführen (Kollegen), endeten in neuen Demütigungen und Verletzungen.

Den Rest gab mir der Versuch, beruflich wieder einzusteigen. Jetzt zeigten mir meine Feinde, was sie von mir hielten. Ich wurde meinen Leitungsposten los, jede Chance auf einen Neuanfang wurde mir verweigert, stattdessen war das Wegsperren in der sprichwörtlichen Besenkammer geplant, wie es viele Transpersonen trifft, die nicht sofort entlassen werden können. Bei mir jedoch mit mehrjähriger Verspätung und nicht wie üblich zeitnah nach dem Coming Out.
Ich sollte "nur noch schnell mein Wissen transferieren", damit meine Aufgaben künftig in heteronormativen dualgeschlechtlichen Händen lägen. Aus dem "nur schnell" wurden über 40 Stunden Inhouse-Schulung, die ich trotz Hamburger Modell abhielt, und die Notwendigkeit, 80% meiner Arbeit auf zunächst drei Neue zu verteilen. Die restlichen 20% müssen aus Personalmangel unbesetzt bleiben und man wartet, bis es dort sprichwörtlich "knallt". Und "Knallen" wird es ohnehin, denn es ist klar, dass in 15 Jahren erworbenes Spezialwissen nicht innerhalb kurzer Zeit vermittelbar ist und die Neuen gar nicht leisten können, was die Führung verlangt.
Aber alles ist besser, als mich weiterhin ertragen zu müssen. Denn was wirklich zählt, sind nicht etwa Fachwissen, Berufserfahrung und Kompetenz, sondern einzig, dass Chefs und Kollegen keine persönlichen Probleme und Komplexe in Bezug auf eine qualifizierte Person außerhalb der geschlechtlichen Dualität erleiden. Und all das unter den Augen von Frauenvertretung, Personalrat, Diversitybeauftragten und der Regenbogenflagge, die so hübsch verlogen und zynisch über der Berliner Verwaltung weht ...
Das ist mein ganz persönlicher Beitrag, bereits im Vorgriff auf den nächsten Rechtsruck die hiesige Verwaltung ein kleines bisschen "sauberer" zu machen.

Zufällig kam ich mit einer Dame aus dem Büro der Diversitybeauftragten der zuständigen Senatsverwaltung ins Gespräch, die sich lediglich durch Nennung einiger Details entsetzt zeigte. Sie will meinen Fall (zunächst anonym) unbedingt ihrer neuen Chefin vortragen, die in Kürze ihren Dienst aufnimmt. Doch was soll es bringen? Für mich ist sowieso alles zu spät. Selbst wenn ich irgendeinen Neuanfang bekäme, bräuchte ich dafür enorme psychische Kraft, die ich schlichtweg nicht mehr habe.
Ständig wird von mir verlangt, alles aufzugeben, was mir noch geblieben ist: meine Arbeit, meinen Beamtenstatus, mein Haus, alles, was ich in Jahrzehnten aufgebaut habe. Und der Grund ist einzig, damit all jenen zu weichen, die meinen, ein "Problem" mit mir haben zu müssen. Ich bin keine 20 mehr, sondern 49! In diesem Alter baut niemand alles einfach mal neu auf, ob nun privates Gefüge oder Job. Doch dazu mehr in einem gesonderten Thread.

Durch die beruflichen Schikanen und Diskriminierungen hat sich mein ohnehin schlechter Zustand weiter verschärft. Neben Traumatherapie werden nun eine neue Medikation und Behandlung von Angststörungen notwendig, da ich inzwischen nicht mehr unterscheiden kann, ob ich draußen auf unvoreingenommene Leute treffe oder auf Gebriefte, Hater, Aufgehetzte. Dadurch traue ich mich kaum noch auf die Straße. Nun lässt sich witzeln, dass das ja beim neuerlichen Lockdown ohnehin egal sei, doch für mich ist das leider kein Witz, sondern tägliche psychische Qual, die darin endet, dass ich irgendwann nichts mehr zu essen habe und mir die Tabletten ausgehen. Spätestens dann MUSS ich raus, aller Ängste zum Trotz.
Ungeachtet der schlimmen Folgen bin ich froh, den beruflichen Wiedereinstieg gewagt zu haben, alle Kräfte zusammen zu nehmen, meinen Peinigern ins Gesicht zu schauen und offen zu sein. Es ging mir nie um die Zurrechenschaftziehung derjenigen, die mich vor aller Augen in alkoholisiertem Zustand attackierten, beleidigten und angriffen; derer, die von Hass getrieben keinerlei Professionalität zeigten und offen die Zusammenarbeit unter meiner Projektleitung verweigerten - unter stummer Duldung ihrer Chefs. Diese Leute kann und will ich ebenso wenig zur Verantwortung zwingen wie die Ärzte, die sich unter Ausnutzung ihrer Machtstellung im Rahmen sog. "Zwangsbegutachtungen" an mir vergingen und mir schwere psychische Schäden zufügten, die nun mühevoll von Psychologen therapiert werden müssen. Wenn sich die "Allgemeinheit" empören sollte, die hohen Kosten für meine jahrelangen Behandlungen tragen zu müssen, dürfen sie sich gerne an diejenigen wenden, die ihren Hass, ihre Komplexe oder einfach nur ihre Geilheit im weißen Kittel schamlos an mir austobten.

Ich sitze im zwangsverordeten Rest-urlaub (da ich so frech war, wegen enormen Termindrucks und mangels Vertretung 2 Jahre lang durchzuarbeiten) und warte auf die Zusage für den Beginn meiner stationären Intervallbehandlung. Nun muss ich mit einem komplett geänderten Weltbild klarkommen, dass auch meine "Karriere" beendet ist und mir einzig bleibt, die drohende Zwangspensionierung hinauszuzögern. Mit vielleicht Mitte 50 in Pension zu gehen, entsprach nun wirklich nicht meiner Planung. Aber ich beuge mich dem Willen meiner Feinde, die auf ganzer Linie gesiegt haben - herzlichen Glückwunsch!

Darum sehe ich die Fortsetzung meiner Therapie als letzte Chance, das Leben unter den ständig schlimmeren Bedingungen irgendwie dennoch annehmen und vor allem ohne tägliche Zusammenbrüche ertragen zu können.
Bibi Melina
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Re: Letzte Chance?

Post 2 im Thema

Beitrag von Bibi Melina »

solchern leute gehören in die gullis gehauen und nach gespült
Glaube an Wunder, Liebe und Glück! Schaue nach vorn und niemals zurück! Tu was du willst, und steh dazu, denn dieses Leben lebst nur du
Momo58
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Re: Letzte Chance?

Post 3 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Nachgespült? Schade um das schöne Wasser. Lasst uns lieber am Gedenktag für die Opfer von Transfeindlichkeit am 20.11.2020 eine Kerze für alle ermordeten oder psychisch getöteten Trans*Menschen anzünden.

Wenn ich meinen Nazi-Nachbarn sehe, könnte ich ihm eine in die Fresse hauen, aber ich werde das nicht umsetzen, denn ersten wäre das nicht damenhaft und zweitens wird er lernen müssen, meinen Anblick zu ertragen. Lasst uns weiter gegen Transfeindlichkeit vorgehen, aber mit legalen Mitteln und mit den Waffen einer Frau.
Wir alle sind nur ein unbedeutendes Staubkorn im Universum
Helga
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Re: Letzte Chance?

Post 4 im Thema

Beitrag von Helga »

Diva hat geschrieben: Sa 31. Okt 2020, 15:42 Es herrschte lange Zeit Stille von meiner Seite - nahezu Todesstille.
Hallo Diva,
bei all den negativen Einzelaspakten deines Berichtes lese ich hier doch eine sehr positive Erkenntnis heraus, nämlich die dich noch unter den Lebenden zu wissen. Ich freue mich wieder von dir zu lesen. (nicht über den Inhalt sondern über die Tatsache)
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
ExuserIn-2020-11-14
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Re: Letzte Chance?

Post 5 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-11-14 »

Hallo Diva,

ich musste noch kürzlich an Dich denken. Ich schrieb: Wenn ich mich hier nicht mehr melde, ist entweder wieder einmal das Internet gestört oder es gibt mich nicht mehr - und wer seinen Abschied ankündigt, kommt wieder! Womit ich wieder einmal Recht behalten sollte. Herzlich willkommen zurück.

Und sonst dürfte es wohl am besten sein, wenn wir uns wieder freundlich und respektvoll aus dem Weg gehen.

Liebe Grüße
die dolle Nicole, die nach einem dramatisch inszenierten Abschied als Erich_Erika wieder auftauchte
Whoopy Highfly
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Re: Letzte Chance?

Post 6 im Thema

Beitrag von Whoopy Highfly »

Mit Mitte 50 in Rente mit den gleichen Bezügen zu gehen, hat auch was. Jedoch sollte man nicht in Depressionen verfallen. Dazu steht ein Gesundheitsteam gerne zur Verfügung.
Bin auf dem Weg. Bitte sucht mich nicht.
Melde mich demnächst wieder.

Bye
Diva
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Re: Letzte Chance?

Post 7 im Thema

Beitrag von Diva »

Whoopy Highfly hat geschrieben: Sa 31. Okt 2020, 21:46 Mit Mitte 50 in Rente mit den gleichen Bezügen zu gehen, hat auch was. Jedoch sollte man nicht in Depressionen verfallen. Dazu steht ein Gesundheitsteam gerne zur Verfügung.
Da bist du falsch informiert. Genau solche Aussagen sind dazu geeignet, die Leute gegen das Beamtentum zu empören, auch wenn du das sicherlich nicht böse gemeint hast (ich denke da mal positiv!).
Die Bezüge im Fall einer vorzeitigen Pensionierung betragen 61% vom letzten Netto, gekürzt um die Anteile, die nicht Ruhegeld-fähig sind, wie z.B. die neue Hauptstadtzulage in Berlin i.H.v. 150,- €.
Zudem werden Pensionen nicht von den Krankenkassen gezahlt, sodass das Gesundheitssystem auch im Fall einer krankheitsbedingten Frühpensionierung rein gar nichts damit zu schaffen hat.

Bitte immer bei den Fakten bleiben - danke.
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Re: Letzte Chance?

Post 8 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Liebe Diva,

ich habe mir alles durchgelesen und viele Sachen die du davor geschrieben hast auch. Es tut mir Leid was dir alles passiert ist. Ich wünschte ich könnte helfen - ich kann es jedoch nicht. Einzig etwas was mir aufgefallen ist, ist deine Art zu denken und zu analysieren. Da kommt es stätig so herüber als ob du immer allen alles Recht machen willst aber alle es sehr böse mit dir meinen. Dabei würde vielleicht helfen:

1. Nicht so drauf Wert zu legen was die anderen meinen. Man kann eben keine Pizza backen, die allem schmeckt.
2. Nicht alles negativ zu sehen oder empfinden. Du selber wirst auch nicht alles was andere tun toll finden. Wenn du es darfst, dann andere auch.
3. Ab und zu den Spieß umdrehen und sich fragen:
- Bin ich wirklich immer an allem unschuldig?
- Würde ich mich selber als jemand anderes unkompliziert finden oder mit mir selber arbeiten wollen?
- Bin ich wirklich so viel Spaß und Freude für meine Mitmenschen oder mache ich es ihnen schwer?

Wenn ich mir diese Fragen stelle, kann ich sie nie 100% mit "JA" beantworten.
Ich hoffe es hilft dir alles nicht so dramatisch zu empfinden (dr)

VlG
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Re: Letzte Chance?

Post 9 im Thema

Beitrag von Diva »

Laila-Sarah hat geschrieben: So 1. Nov 2020, 16:40 Liebe Diva,

ich habe mir alles durchgelesen und viele Sachen die du davor geschrieben hast auch. Es tut mir Leid was dir alles passiert ist. Ich wünschte ich könnte helfen - ich kann es jedoch nicht. Einzig etwas was mir aufgefallen ist, ist deine Art zu denken und zu analysieren. Da kommt es stätig so herüber als ob du immer allen alles Recht machen willst aber alle es sehr böse mit dir meinen. Dabei würde vielleicht helfen:

1. Nicht so drauf Wert zu legen was die anderen meinen. Man kann eben keine Pizza backen, die allem schmeckt.
2. Nicht alles negativ zu sehen oder empfinden. Du selber wirst auch nicht alles was andere tun toll finden. Wenn du es darfst, dann andere auch.
3. Ab und zu den Spieß umdrehen und sich fragen:
- Bin ich wirklich immer an allem unschuldig?
- Würde ich mich selber als jemand anderes unkompliziert finden oder mit mir selber arbeiten wollen?
- Bin ich wirklich so viel Spaß und Freude für meine Mitmenschen oder mache ich es ihnen schwer?

Wenn ich mir diese Fragen stelle, kann ich sie nie 100% mit "JA" beantworten.
Ich hoffe es hilft dir alles nicht so dramatisch zu empfinden (dr)

VlG
Liebe Laila-Sarah,

vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, dich mit meiner Situation zu beschäftigen und obendrein eine sachliche Antwort finden konntest.
Meine Sicht der Dinge entspricht inzwischen nicht mehr der eines seelisch gesunden Menschen. Durch meine ständigen Depressionen haben sich leider Schwarz-Weiß-Denken und Tunnelblick sehr verfestigt. Die sog. depressiven Episoden sind lang und mir bleiben meist nur ein paar Tage zwischendurch zum Luftholen. Dazu kommen noch andere Störungen, die ich hier nicht öffentlich posten mag. Corona trifft mich besonders hart, denn wenn ich mal weder Angst noch Depression habe, kann ich nicht tun, was ich sonst tat: In die Berliner Clubs fahren und in Petticoat und Swingrock eine Tanzfläche nach der anderen rocken. Das baute mich damals für ein paar Tage auf. Jetzt ist die Einsamkeit quasi staatlich verordnet für alle, die eben dumm wie ich waren, sich nicht rechtzeitig mit einem dichten sozialen Netz auszustatten. Nur ist es Ende 40 alles andere als leicht, nach dem Verlust der alten sozialen Bindungen komplett alles neu aufzubauen - erst recht als TS.

Das "Dramatische" hast du gut erkannt. Damit einher gehen noch andere Dinge, wie meine schreckliche Romantik, die überhaupt nicht in diese zwischenmenschliche Eiszeit hineinpasst. Leider kann ich mir die Tiefe meiner Emotionen nicht aussuchen. Noch nicht einmal die Ärzte sind sich einig, ob da die Folgen der HET mit hineinspielen oder ob es gewissen anderen Störungen geschuldet ist, da mein Blutbild gesünder als das mancher Dreißigjährigen aussieht. Auch das ist ein Schwerpunkt meiner Therapien, das emotionale Pendel nicht ganz so weit ausschlagen zu lassen. In der Klinik wirkten noch Medikamente dagegen, aber im RL leider nicht mehr. Denn am Ende bin ich diejenige, die darunter leidet und sich das Leben noch schwerer macht, als es ohnehin schon ist.

Dein Ansatz, sich auf sich selbst zurückzuweisen, ist keineswegs falsch. In über hundert Psychotherapiestunden hatte ich viel Gelegenheit, mich zu reflektieren. Abgesehen davon, dass wohl niemand deinen Fragenkatalog 100% mit "Ja" bantworten können dürfte, gibt es auch keine "unkomplizierten" Menschen. Allein diese Formulierung in der Frage geht an jeglicher Realität vorbei. Alles ist Kompromiss und allein jede Kommunikation birgt zahllose Gefahren von Missverständnissen (schau dir mal das "Kommunikationsquadrat" an).
Dein Katalog bezieht sich nur auf einen kleinen Teil der möglichen Wahrheit. Hegel formulierte so treffend, dass der Mensch nun mal im dialektischen Verhältnis zur Natur steht und Produkt seiner Umwelt ist. Nach abgeschlossener Anamnese sagten meine Einzelpsychotherapeutin und meine Traumatherapeutin unabhängig voneinander: Jetzt weiß ich, warum Sie sind, wie Sie sind. Bei derlei negativen Erfahrungen ist das kein Wunder.

Ohne die seelische Stabilität eines buddhistischen Mönches ist bei jedem Menschen früher oder später die Grenze der Vulnerabilität überschritten, wann Schicksalsschläge, Verletzungen, Übergriffe usw. einfach nicht mehr schadlos ausgesessen werden können. Die Antwort darauf ist pathologisch - eine seelische Erkrankung. Kein Psychiater oder Psychotherapeut käme auf die aberwitzige Idee, die Patientin durch Schulterklopfen ("Nun ha'm se sich mal nicht so!") oder gar Schuldzuweisungen ("Ihre Umwelt hat einzig schlecht reagiert, weil Sie daran Schuld waren!") heilen zu wollen. Genau das wird jedoch im Alltag und vor allem in Foren (wie auch diesem) immer wieder von Neunmalklugen vollkommen unreflektiert in den Raum geworfen. Dass sie dabei äußerst verletzend, unsachlich und unnmenschlich agieren, ist den meisten gleichgültig.

Es gibt nun mal ab einer gewissen Härte von Realitäten kein moralisches Recht mehr, die Opfer zu Tätern zu machen und ihnen selbst die Schuld zuzuweisen. Ein wenig deutet jedoch deine Frage Nummer 3 erster Spiegelstrich in diese gefährliche und unverantwortliche Richtung.
Nichts kann den Angriff meiner betrunkenen Kollegen auf mich oder die widerwärtigen Übergriffe der Ärzte rechtfertigen. Hier liegen teils bereits strafrechtlich relevante Delikte vor. Warum ich mich nicht gerichtlich wehre? Weil ich in Deutschland lebe und keine psychische Kraft besitze, diese schlimmen Dinge immer und immer wieder vor fremden Leuten zu erzählen, um mir dann vom gegnerischen Anwalt anhören zu müssen, dass ich selbst alles provoziert hätte, weil angeblich der Rock 5mm über dem Knie endete oder ich einen "herausfordernden" Blick geworfen hätte, sodass der Mann quasi zur Gewalt gegen mich "gezwungen" wurde. Das geht genau in die o.a. unmoralische Richtung, aber derlei Urteile gibt es zuhauf.
Schau dir mal ein Interview mit einer Frau an, die jahrelang durch die Mühlen der Justiz gedreht wurde, nur um schlussendlich ihren Vergewaltiger freizusprechen. Das ist die Realität.
Ich fand bislang noch nicht mal die Kraft, im Rahmen meiner Therapien über alles zu sprechen. Keinesfalls könnte ich die Dinge gerichtlich durchfechten. Dann würde ich erst recht niemals Ruhe finden. Also gehe ich so lange in Behandlung, bis ich stabil genug bin, mit all dem irgendwie abzuschließen und mir das aktuelle Leben nicht ständig durch den Schmerz über Vergangenes zu belasten. Da ist u.a. die Traumatherapie ein gutes Instrument. Problematisch ist, dass in der Zwischenzeit weitere negative Dinge geschehen, die zusätzlich verkraftet werden müssen.

Mein Psychiater lobte, dass ich die Kraft aufwendete, zwischen den Intervallbehandlungen einen beruflichen Wiedereinstieg zu leisten. Die meisten lassen sich zwischendurch komplett krankschreiben. Doch statt eines fairen Neuanfangs nach all den Vorkommnissen werde ich in die Richtung gedrängt, mein Berufsleben zu beenden. Das war für mich ein Schlag ins Gesicht und führte meine positive offene Herangehensweise ad absurdum. Jetzt hab ich eine vollkommen andere Situation und muss den Rest meiner Tage neu planen - und das sicher nicht so, wie ich es mit vorsichtigem Optimismus geglaubt hatte.
Das Schreiben hier verschafft mir momentan trotz manchen Gegenwindes ein wenig Erleichterung und vor allem Ablenkung. Beides kann ich gut gebrauchen.

LG
Diva
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Re: Letzte Chance?

Post 10 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Liebe Diva,

...schreibs dir von de Seele, was dich bewegt und stehe zu dir selbst. nur dann kann es etwas werden. Die Arschlöcher der Welt, mal ganz drastisch ausgedrückt kannst und wirst du nicht ändern können. Aber indem du dich selbst annimmst, kannst du auch Stärke anderen Menschen gegenüber entwickeln und ein inneres Vertrauen aufbauen. Das Leben ist kein Wunschkonzert, da müssen wir oft genug die Musik selber machen; malen , schreiben , musizieren etc. ... Das Leben ist es wert, gelebt und gestaltet zu werden - ich denke, die Voraussetzungen hast du dazu. Ein alter Punkerspruch aus meiner Zeit als ABM-Jugendpfleger anno 1985 war: du hast keine Chance, also nutze sie. Da steckt m.E. viel Wahrheit drin.

Grüße, Ulrike-Marisa
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Re: Letzte Chance?

Post 11 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Diva hat geschrieben: Mo 2. Nov 2020, 11:47 Nichts kann den Angriff meiner betrunkenen Kollegen auf mich oder die widerwärtigen Übergriffe der Ärzte rechtfertigen.
Hallo Diva,

Oh, da gebe ich dir absolut Recht und so war es auch nicht gedacht. Es ist kein Aufruf alles (z.B. Gewalt) hinzunehmen und sich immer als Schuldigen zu sehen. Eher eine Strategie die kleine, tägliche verbale Sticheleien, Rangeleien mit Freunden, Bekannten, Mitmenschen oder Kollegen zu betrachten. Und eine Teilschuld ist bei solchen Sachen nicht immer aber sehr oft vorhanden. Zumindest bei mir. Z.B: das ich lange eine passiv aggressive Haltung an den Tag lege bis die ersten etwas direkter Kontern. Vielleicht ist es ja nur bei mir so.

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Re: Letzte Chance?

Post 12 im Thema

Beitrag von lexes »

Liebe Diva .. ich habe diesen Riesen-Text jetzt in Gänze gelesen und bin ernsthaft betrübt ....

Man ( ich sehe das als der MANN, der ich bin ) möchte danach in so viele Gesichter treten , daß es hernach sicher neues Schuhwerk braucht.

Aber das ist eine theoretische Diskussion und hilft Dir kein Stück weiter.

Ich bin zusätzlich auch nicht psychologisch-qualifiziert genug um jemandem, der schon dich die Hände vieler kompetenter Menschen gegangen ist , auch nur ansatzweise qualifizierte Tipps gegen zu können und das tut mir tatsächlich leid.

Lailas Worten von weiter oben möchte ich mich dennoch ohne Vorbehalte anschließen .... Du darfst nie vergessen das Du zwar Stein des Anstoßes aber nie Kern des Problems bei anderen Menschen bist.... Sag' Dir das immer wieder obwohl Du es genau weisst.

Ich möchte ( neben Umräumen , Malen und Rosenzucht ) noch eine weitere sehr kreative Art des Zeitvertreibs und Ausdruckes anmerken ...

Wer solche Sachen formuliert :
Diva hat geschrieben: Sa 31. Okt 2020, 15:42 Und all das unter den Augen von Frauenvertretung, Personalrat, Diversitybeauftragten und der Regenbogenflagge, die so hübsch verlogen und zynisch über der Berliner Verwaltung weht ...
,der darf sich wahrlich eloquent nennen .... Und man sieht ja , daß Du keine Hemmungen hast die Tastatur auch mal länger zu bearbeiten ...

Schreib ... es scheint Dir wirklich in den Genen zu liegen ... und ich meine kein Tagebuch .. ich meinen einen Blog , eine Kolumne , oder einfach ein ganzes Buch.=> schreib für alle .. nicht nur für Dich

Jemand mit Deinem Potential hat über so etwas ohnehin schon nachgedacht... und wenn Du etwas völlig fiktives zu Papier bringst .. ABBER SCHREIB UM GOTTES WILLEN

Und wenn es Dir mal wieder schlechter geht : dann schreib uns hier .. wir hören zu .. und nichts ist schlimmer eine dunkle Phase alleine und isoliert durchzumachen .. wir werden nicht viel Produktives beitragen können .. aber Du weisst das andere ( und wenn auch nur in Gedanken ) bei Dir sind ...

Liebe Grüße

Lexi
Zuletzt geändert von lexes am Di 3. Nov 2020, 10:14, insgesamt 1-mal geändert.
Engelchen
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Re: Letzte Chance?

Post 13 im Thema

Beitrag von Engelchen »

lexes hat geschrieben: Di 3. Nov 2020, 08:42 Schreib ... es scheint Dir wirklich in den Genen zu liegen ... und ich meine kein Tagebuch .. ich meinen einen Blog , eine Kolumne , oder einfach ein ganzes Buch.=> schreib für alle .. nicht nur für Dich

Jemand mit Deinem Potential hat über so etwas ohnehin schon nachgedacht... und wenn Du etwas völlig fiktives zu Papier bringst .. ABBER SCHREIB UM GOTTES WILLEN

Und wenn es Dir mal wieder schlechter geht : dann schreib uns hier .. wir hören zu .. und nichts ist schlimmer eine dunkle Phase alleine und isoliert durchzumachen .. wir werden nicht viel Produktives beitragen können .. aber Du weisst das andere ( und wenn auch nur in Gedanken ) bei Dir sind ...

Liebe Grüße

Lexi
Liebe Lexi und Diva

Danke für eure so klaren Statements.
Ich bin leider nicht in der Lage solche Dinge auszuformulieren und dankbar das ihr es tut.
Ich kann mich da einfach nur anschließen.
Liebe Diva - schreib dir alles von der Seele wenn dir das hilft - ich werde immer eine stille Mitleserin sein und wünsch dir all die Kraft die du brauchst um da zu überstehen.

Liebe Grüße

Lisa

PS: Ich bin sehr froh das du noch unter uns weilst
Liebe geben und offen sein für Neues
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Re: Letzte Chance?

Post 14 im Thema

Beitrag von Whoopy Highfly »

Liebe Diva,
Wie schon mehrmals geschrieben wurde, schreibe alles von der Seele. Wir lesen alles und sind in Gedanken bei dir. Auch wenn ich/dir nicht direkt helfen können, überlegen wir, wie wir dich unterstützen können.
Ich habe mir in deiner Anwesenheit viel an dich gedacht. Bei jeder Sirene oder Martinshorn bin ich zusammen gezuckt und hoffte das du nicht .... Du weißt was ich meine.
Drücke dir die Daumen, dass du alles in den Griff bekommst.
Schreibe dir rede, es wird dir geholfen werden.
Bin auf dem Weg. Bitte sucht mich nicht.
Melde mich demnächst wieder.

Bye
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Re: Letzte Chance?

Post 15 im Thema

Beitrag von Diva »

Ich bin positiv überrascht und danke euch für die Statements und Anregungen!
Aber auch ihr habt sicher momentan kein leichtes Leben, da die Isolation, in der ich mich schon seit langem befinde, nun für alle mehr oder weniger staatlich verordnet ist. Passt auf euch auf, dass ihr nicht auch noch depressiv werdet. Ein abschreckendes Beispiel seht ihr in mir.
Lisa-Weber hat geschrieben: Di 3. Nov 2020, 08:51 Liebe Lexi und Diva

Danke für eure so klaren Statements.
Ich bin leider nicht in der Lage solche Dinge auszuformulieren und dankbar das ihr es tut.
Ich kann mich da einfach nur anschließen.
Liebe Diva - schreib dir alles von der Seele wenn dir das hilft - ich werde immer eine stille Mitleserin sein und wünsch dir all die Kraft die du brauchst um da zu überstehen.

Liebe Grüße

Lisa

PS: Ich bin sehr froh das du noch unter uns weilst
Liebe Lisa,
ich habe deine Posts der letzten Monate alle nachgelesen und bewundere deinen Mut, die GAOP durchgezogen zu haben - und dann auch noch im gewünschten Umfang; vor allem im Hinblick auf dein psychisches Tief kurz zuvor. Übrigens hattest du enorm Glück mit der Polizei-Psychologin. In Brandenburg gibt es das gar nicht!
Ich bin ebenso froh, dass deine Krise damals keine ernsthafteren Folgen hatte und du nun obendrein einen riesigen Schritt nach vorne tun konntest!
Dennoch mach ich mir auch Sorgen um dich, weil ich mir ehrlich nicht vorstellen mag, falls sich bei dir etwas akut verschlechtern sollte und dir das Krankenhaus Corona-bedingt versagt bliebe ... Da würde ich selbst riesige Angst haben. Ich poste das absichtlich hier und nicht in deinem "Schmetterlings"-Thread, um dort die positive Stimmung nicht zu verhageln. Meine Freundin sitzt schon ewig mit furchtbaren Zahnschmerzen daheim, weil sie erst so spät einen OP-Termin bekam. Und nun ist nicht sicher, ob die sie überhaupt operieren ... So schlimm auch ein Zahn ist, dürften GAOP-Folgen noch eine andere Nummer sein, sodass ich hoffe, dass dort im Notfall auch zeitnah gehandelt wird.
Also drücke ich dir die Daumen und vertraue auf deine große positive Kraft und die vielen Glückshormone, die du aus der OP gewonnen hast!
Leider sind wir ja dermaßen weit auseinander ... sonst könnten wir mal gemeinsam das Alleinsein bekämpfen.

LG
Diva
Whoopy Highfly hat geschrieben: Di 3. Nov 2020, 10:14 Liebe Diva,
Wie schon mehrmals geschrieben wurde, schreibe alles von der Seele. Wir lesen alles und sind in Gedanken bei dir. Auch wenn ich/dir nicht direkt helfen können, überlegen wir, wie wir dich unterstützen können.
Ich habe mir in deiner Anwesenheit viel an dich gedacht. Bei jeder Sirene oder Martinshorn bin ich zusammen gezuckt und hoffte das du nicht .... Du weißt was ich meine.
Drücke dir die Daumen, dass du alles in den Griff bekommst.
Schreibe dir rede, es wird dir geholfen werden.
Liebe Whoopy,
nein, du brauchst nicht bei jedem Martinshorn zusammenzuzucken. Sicher bin ich nach wie vor suizidgefährdet, aber nicht akut. Ich befinde mich ja in der Warteschleife bis zur nächsten stationären Therapie. Leider hat der Chefarzt die Sache persönlich an sich gerissen und nun dauert alles noch länger ... Zwar kennt er meine Geschichte in- und auswendig (er ist auch mein behandelnder Psychiater) und hatte sich bereits im Frühjahr persönlich gegen meine Krankenkasse durchgesetzt, aber als Chef zweier Kliniken hat er eigentlich genug anderes um die Ohren. Doch er kann es nie lassen, sich immer wieder in schwierigen Fällen persönlich einzubringen. Das Warten versetzt mich zeitweise in Panik und ich muss mich ablenken.
Das Schreiben hier ist eine gute Sache. Aber ich fand gestern endlich nach Wochen wieder die Kraft, meinen Pinsel in die Hand zu nehmen und zu malen ... für mich eine große Leistung.
Danke für die guten Wünsche!

LG
Diva

lexes hat geschrieben: Di 3. Nov 2020, 08:42 Liebe Diva .. ich habe diesen Riesen-Text jetzt in Gänze gelesen und bin ernsthaft betrübt ....

Man ( ich sehe das als der MANN, der ich bin ) möchte danach in so viele Gesichter treten , daß es hernach sicher neues Schuhwerk braucht.

Aber das ist eine theoretische Diskussion und hilft Dir kein Stück weiter.

Ich bin zusätzlich auch nicht psychologisch-qualifiziert genug um jemandem, der schon dich die Hände vieler kompetenter Menschen gegangen ist , auch nur ansatzweise qualifizierte Tipps gegen zu können und das tut mir tatsächlich leid.

Lailas Worten von weiter oben möchte ich mich dennoch ohne Vorbehalte anschließen .... Du darfst nie vergessen das Du zwar Stein des Anstoßes aber nie Kern des Problems bei anderen Menschen bist.... Sag' Dir das immer wieder obwohl Du es genau weisst.

Ich möchte ( neben Umräumen , Malen und Rosenzucht ) noch eine weitere sehr kreative Art des Zeitvertreibs und Ausdruckes anmerken ...

Wer solche Sachen formuliert :
Diva hat geschrieben: Sa 31. Okt 2020, 15:42 Und all das unter den Augen von Frauenvertretung, Personalrat, Diversitybeauftragten und der Regenbogenflagge, die so hübsch verlogen und zynisch über der Berliner Verwaltung weht ...
,der darf sich wahrlich eloquent nennen .... Und man sieht ja , daß Du keine Hemmungen hast die Tastatur auch mal länger zu bearbeiten ...

Schreib ... es scheint Dir wirklich in den Genen zu liegen ... und ich meine kein Tagebuch .. ich meinen einen Blog , eine Kolumne , oder einfach ein ganzes Buch.=> schreib für alle .. nicht nur für Dich

Jemand mit Deinem Potential hat über so etwas ohnehin schon nachgedacht... und wenn Du etwas völlig fiktives zu Papier bringst .. ABBER SCHREIB UM GOTTES WILLEN

Und wenn es Dir mal wieder schlechter geht : dann schreib uns hier .. wir hören zu .. und nichts ist schlimmer eine dunkle Phase alleine und isoliert durchzumachen .. wir werden nicht viel Produktives beitragen können .. aber Du weisst das andere ( und wenn auch nur in Gedanken ) bei Dir sind ...

Liebe Grüße

Lexi
Liebe Lexi,

es freut mich, von Dir lesen zu dürfen! Es tut mir leid, dass Dich mein Text derart betrübt und zudem aggressiv macht, da Du sonst stets mega positiv bist und immer irgendeinen Lösungsvorschlag parat hast. Bitte sieh mir nach, dass ich zu Deinem letzten Thread nichts beitragen kann. Aber ich vermag mich einfach nicht in diesen Positivismus hineinzuversetzen. Bei uns prallen quasi Deine Tonne Glitzer-Sternenstaub (nein, ich hab Deine Formulierung nicht vergessen) auf meine finsterste Materie ...
Wobei Du ahnst, dass diese Finsternis im Grunde die liebevollsten, zärtlichsten und verletzlichsten Emotionen umschließt, die ungewollt und unakzeptiert langsam davon zerquetscht werden, bis nichts mehr bleibt. Ich hab jetzt schon so oft vor dem vermeintlichen Ende gestanden, dass ich ernstlich Angst davor habe, mit dermaßen starken unerfüllten Sehnsüchten zu sterben, weil ich befürchte, dass diese nicht verschwinden und den Tod irgendwie überdauern, um mich auf ewig zu quälen. Darum ist meine Theorie, beim nächsten Glücksmoment, sofern er denn jemals käme, den Löffel abzugeben und dieses Gefühl dann auf die andere Seite mit hinüber zu nehmen ... Soweit die Theorie. Es mangelt zudem am Glücksmoment, da ich vor zwei Wochen mein einjähriges Total-Einsamkeits-Jubiläum begehen durfte nach der letzten Trennung.

Blog, Kolumne ... Du hast vollkommen Recht. Wäre ich seelisch gesund und hätte Mut, käme das durchaus in Frage. Als ich 2017 binnen eines halben Jahres zur "Vollzeitfrau" wurde und von Endorphinen überschwemmt war, wäre das noch möglich gewesen. Ich bot mich auf Arbeit sogar für den Posten einer Gleichstellungsbeauftragten an und wollte für den Personalrat kandidieren ... Unbedingt wollte ich denen helfen, die vielleicht unerkannt in meiner Umgebung ihre Identität unterdrückten und gegen Diskriminierungen vorgehen. Heute bin ich selbst kaputt-gemobbt. Das war's. Ich benötige alle Kraft, jeden einzelnen Tag zu überleben.
Das ist vielleicht vergleichbar mit denen, die sogar auf politischer Ebene für Trans* kämpfen wollen. Doch mehr Sichtbarkeit bedeutet auch unzählige neue Feinde. Spätestens nachdem Haus oder Auto angezündet oder Scheiben eingeschlagen werden, beginnen die Fragen, ob der Weg in die Öffentlichkeit diese Opfer wert ist. Werden zudem noch Angehörige bedroht (was bei mir ja komplett ins Leere ginge), verschlimmert sich das Szenario noch mehr.

Und Ähnliches geschieht mit denen, die sich in Social Media beruflich und / oder privat darstellen. Die Leute werden 100% angreifbar für Feinde, die sie noch nicht einmal persönlich kennen, landen auf div. "Todeslisten" und dürfen täglich Beschimpfungen und Morddrohungen wegklicken. Genau das geschieht auch bei einer Bloggerin oder Autorin. In Interviews meinen diese Menschen, dass sie es als Tribut für ihre Öffentlichkeitsarbeit betrachten und damit leben müssen, obgleich es sie belastet. Selbstverständlich wäre es fatal, wenn sich alle sofort einschüchtern ließen. Aber diese Leute sind ja psychisch gesund und besitzen ausreichend Resilienz - ich nicht.
Im Web bin ich ausschließlich hinter "verschlossenen Türen" anzutreffen, in diesem Forum zu 90% in geschlossenen Bereichen und zeitweise in etlichen Datingportalen, bei denen Profile nicht mit Google zu finden sind und die Rechte auf Bilder und Texte bei mir verbleiben und nicht ohne meine explizite Zustimmung verkauft werden (wie z.B. bei Lemon Swan!). Und auch dort lösche ich nach monatelangem Misserfolg alles eigenhändig, überschreibe Texte mit Blabla und speichere ab, um möglichst wenige Spuren zu hinterlassen. Zusätzlich scanne ich das Web regelmäßig nach meinen Fotos, ob nicht doch irgendwo etwas illegal veröffentlicht wurde.
Und genau so muss es bleiben!

Dennoch hab ich ausreichend Beschimpfungen, Schmähungen und auch Morddrohungen erhalten - in Datingportalen von bildlosen leeren Profilen! Anstatt das zu melden, hatte ich stets eine passende Antwort parat - Schimpf den Beschimpfern und Drohung den Drohern. Bei Morddrohungen schrieb ich zurück, dass sie mir Ort und Uhrzeit nennen sollten und ich wähle die Waffen - und bitte pünktlich sein! Die konnten ja nicht wissen, dass es nichts bringt, einer Lebensmüden mit Mord zu drohen ... Es kam nie eine Antwort.
Dass sich auch unter uns rechte U-Boote befinden, kann niemand ausschließen. Ich denke da an die islamischen Leute, die einem Aufruf auf fb folgten, sich massenhaft in LSBTIQ*Portalen anzumelden, um Nachbarn, Freunde zu denunzieren und auf Todeslisten zu bringen. Darum setzte ich auf Datingportalen alles auf Igno, was "verdächtig" aussieht ...

Schreiben und Bloggen würden zu dem führen, was ich mir einfach nicht leisten kann: zu unkontrollierbarer Reichweite und Sichtbarkeit.
Angreifer*innen sind regelmäßig feige, bleiben anonym. Niemand wird mich auf offener Straße attackieren oder derart wahnsinnig sein, in mein Haus einzudringen (vor allem nicht, wenn ich selbst zu Hause bin). Stattdessen gibt es genug andere Möglichkeiten, eine Person fertigzumachen.

Während ich mich überall dort relativ frei bewege, wo niemand ohne weiteres meinen Wohnort ausspähen kann, vermeide ich jeden Gang durch das hiesige Dorf. Als Zuzüglerin hatte ich nie Kontakte aufgebaut, aber es gibt leider Leute, die meinen, mich zu kennen. Meine Ex-Frau hatte vor ihrem Auszug noch jede Menge verbrannte Erde für mich hinterlassen und etlichen erzählt, was ich doch für eine "schwule Sau", "widerliche Transe" usw. sei. Das fällt freilich bei gottesfürchtigen braven Dörflern auf fruchtbaren Boden, die schon mal die Heugabeln wetzen. Der Witz an der Sache ist, dass die mich meist nicht kennen bzw. nicht wieder-erkennen und mich ausschließlich identifizieren, wenn ich aus dem Auto steige und in das Haus gehe. Die Kinder in meiner Straße sind tüchtig aufgehetzt, glotzen und lassen Sprüche ab, wenn sie mich vorm Haus sehen. Dagegen laufen sie an mir vorbei, wenn sie mich zufällig drei Häuser weiter treffen ... Als es mir noch seelisch besser ging, sprach ich die Kinder mal an, was sie für ein Problem hätten. Die meinten, Mama erzähle, ich sei ein Mann. Ich stellte mich vor sie und forderte sie auf, mal genau hinzuschauen, ob so ihr Papa aussehe oder andere Männer. Nach einer Weile erwiderten sie: "Hm, du bist eine Frau. Das ist komisch. Das müssen wir gleich Mama erzählen, dass du kein Mann bist." Selbstredend dürfte die liebe Mama komplett ausgerastet sein und hat ihre Kinder rasch wieder in die Spur gebracht, denn schon wenig später ging das Gezische: "Das ist ein Mann!" unverdrossen weiter. Das beweist, dass es keine Chance gibt, mit Offenheit und Vernunft gegen Hass und Dummheit anzukommen. Letzteres ist immer stärker, wie ebenso meine berufliche Situation zeigt.

Darum kannst Du Dir vorstellen, welche Panik ich bekam, als ich nun während meiner langen Krankschrift nach der Klinik quasi gezwungen war, zum dörflichen Geldautomaten zu gehen oder mir hier eine Kfz-Werkstatt zu suchen. Bis dato hatte ich alles in Berlin erledigt! Meine Rezepte löste ich freilich 30km entfernt in einem anderen Ort ein, wo mich hoffentlich niemand kennt. Denn woher weiß ich denn, dass die Verkäuferin nicht zufällig die Mutter des ehemaligen Schulkumpels meines Kindes ist, die vielleicht jetzt noch Kontakt haben? Freilich hätte sie mich in persona nicht erkannt, aber den Namen! Schlimmstenfalls würde über diese Umwege meine Ex-Frau wissen, was ich so alles an Medikamenten nehmen darf und ins Jubeln geraten - keine schöne Vorstellung.
Beim LIDL muss ich wenigstens keinen Ausweis zeigen, besitze sowieso keine Geldkarten, nutze wohlweislich keine App und kann anonym einkaufen. Die tötliche Verbindung ist stets meine Person mit dem Wohnort. Das muss ich um jeden Preis schützen.
Ja, sicher bin ich paranoid und nicht begeistert, mich hier quasi verstecken zu müssen. Ich warte förmlich auf die Antwort aus einem kleinen Baumarkt, dass sie ja keine Probleme habe und alles soo wundervoll sei auf dem Dorf. Kann ich nur gratulieren - aber meine Situation ist nun mal anders.

Und den Beweis bekam ich vor ein paar Wochen ... ich stand zwei Tage lang unter Schock, schlafe seitdem keine einzige Nacht mehr durch, patroulliere nachts stundenlang hinter den Fenstern entlang und rechne mit dem Schlimmsten. Irgendein Vollidiot hat ganz gezielt mein Auto mit einem Feldstein bearbeitet und die Scheiben eingeschlagen ... Glaub mir, von so einem Anblick erholt sich niemand so schnell, erst recht nicht, wenn die Psyche ohnehin krank ist.
In der gesamten Straße ist es der einzige Schaden, den Stein, den er 20m weiter extra aus einer Blumenrabatte ausgebuddelt hatte, hat er direkt vorm Auto liegen lassen. Zwar gibt es keine Hakenkreuze, keinen Drohbrief, aber es ist schon klar, dass er es einzig auf mich abgesehen hatte. Nun habe ich ungeachtet aller Vorsicht und Unsichtbarkeit einen persönlichen Feind, den ich gar nicht kenne! Was kommt als nächstes - der Stein in meine Fensterscheiben - ein brennender Lappen in meinen Tankstutzen - aufgestochene Reifen - ein Brandsatz ins Haus??
Die erste Woche danach wurde ich fast wahnsinnig vor Angst. Ich hab ja niemanden! Niemanden, den ich anrufen kann, niemanden zum Reden. Mein einziger Freund und meine einzige Freundin sind seit langem selbst abgestürzt und haben jeden Kontakt abgebrochen ...
Und dann saß ich fest ohne Auto, hatte nichts zum Essen mehr und auch kein Wasser außer aus dem Hahn! Abgesehen davon, dass hier keine Lebensmittelgeschäfte mehr fußläufig erreichbar sind, traue ich mich jetzt gar nicht mehr raus.
Woher weiß ich, ob ich dem Kerl begegne, ihn erneut provoziere und ich ihn aber nicht erkenne, weil ich niemanden kenne??
Ich weiß nicht genau, was ich mache, wenn ich den bei meinen Nacht-Patroullien erwische. Auf jeden Fall öffne ich das Fenster, filme seine Fresse, damit er aus der Anonymität raus ist. Von der Polizei hab ich genug.
Die musste ich ja wegen der Versicherung holen. Ich ahnte, was mir blüht. Auch die bekamen nicht mit, dass sie es mit einer Transperson zu tun hatten. Nach meinem Outing gingen die Schikanen los ... Ich kann nur jeder raten, die Herrschaften einzig im äußersten Notfall zu holen. Der Frust ist dermaßen groß und muss zwangsläufig an den Opfern ausgelassen werden, da sie die Täter*innen ja nicht kriegen. Vor Wut über meine Bitte, den Fall auch aus rechts- und transfeindlicher Seite zu prüfen, drohten sie mir mit Zwangseinweisung, weil ich so dumm war zu erwähnen, dass ich psychisch krank bin und darum ja um eine Polizeipsychiaterin gebeten hatte. Auf meine Frage, ob sie denn nicht merkten, dass ich unter Schock stehe kam ein achselzuckendes "Nö" zurück.
Nun hab ich vielleicht neue Feinde, denn woher weiß ich, ob nicht einer von denen in einem rechten Netzwerk hängt und meine Adresse an seine glatzköpfigen Kumpels weitergibt? Aber ich musste die doch holen - ich bin wirklich total verzweifelt, mit den Kräften am Ende.

So liebe Lexi, nun weißt Du, dass alles noch viel schlimmer ist als gedacht und wirst verstehen, dass ich garantiert keinen Blog mache und kein Buch schreibe, sondern mich vor meinen unbekannten Feinden verstecke und nur noch auf den nächsten Angriff warte ...

LG
Diva
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