Vorab das Wichtigste: Ich und meine Liebsten stehen 100%-ig hinter den Corona Regeln, ich und meine Liebsten wir tragen den Mundnasenschutz, waschen und desinfizieren unsere Hände und halten uns an die Abstandsregeln (und verreisen auch nicht). Michi&ich sind dankbar für jede neue Info zum Thema Corona die die Wissenschaftler uns geben können.
Nun zur Kehrseite dieser Mediale. Ich kann solche Äußerungen wie hier zB von Kerstin absolut verstehen... viewtopic.php?p=289478#p289478
Ich verstehe auch die Angst die dahintersteckt. Warum? Sorry, weil ich es ähnlich und trotzdem anders bereits vor 30 Jahren erlebt habe, wie viele, sehr viiiiiieeeeeele ehemalige DDR Bürger damals auch!
Seit einem Auftritt von Tim Mälzer bei "Lanz" im ZDF beschäftigt mich dieses Thema immer wieder mal... https://youtu.be/t2liDVz-u2o
Ich bitte an dieser Stelle jetzt schon vielmals und mit ehrlichen Herzen um Entschuldigung, weil meine nachfolgenden Gedanken nicht sehr positiv sind. Ich möchte keinen Streit anstacheln, im Gegenteil. Seit ner Weile habe ich heute mal wieder in dem "Corona-Thread" gelesen, und ich möchte mich nun trauen einen Gedanken hier auszusprechen, der vermutlich nicht nur in mir arbeitet, sondern in vielen Menschen womöglich ebenso arbeitet.
Und noch mal möchte ich wiederholen, es sind meine ganz persönlichen Gedanken, die ich mit keiner Stastik belegen kann.
Worum geht es mir?
Es geht mir genau um den Punkt den Kerstin (oben erwähnt) angesprochen hat, wie die Wirtschaft unter Corona leidet.
Als ich vor 5 Monaten Mälzer bei Lanz hab weinen sehen, passierte mit mir etwas. Ich fühlte mich unwichtig/ungesehen. Warum?
Springt mit mir zusammen bitte 30 Jahre zurück. Mit der Euphorie der Wiedervereinigung die im "allgemeinen" so herrschte, konnte ich nicht angesteckt werden. Ich hatte Angst, ich hatte richtig richtig dolle Angst! Und genau diese Angst empfinde ich in solchen Worten von Kerstin, wenn ich heute manchen "Coronagegner", der sich um seinen Arbeitsplatz sorgt, wahrnehme. Aber! Trotzdem empfinde ich mich selbst abseits der breiten Masse. Heute mit Corona, Deutschland vereint, treiben mich meine Gedanken immer wieder in alte Erinnerungen der Wendezeiten, und in mir arbeiten alte und neue Gefühle. Meine Erinnerungen an die Wende und die Wiedervereinigung, und meine damaligen Angstgefühle lassen mich die Worte von Kerstin echt verstehen. Aber! Meine damaligen leidvollen Erfahrungen, geschleppt ins Hier&Jetzt, lassen mich etwas neues fühlen. Ich erinnere mich an einen Begriff, an eine Betitelung die wir ehemaligen DDR Bürger jaaahrelang ertragen mussten. Der Begriff des "Jammerossis" wurde irgendwann geboren, weil wir ehemaligen DDR Bürger für den Westen vollkommen unerklärlich, angeblich zu Unrecht ständig rumjammern würden.
Und nun tut mir bitte einen Gefallen, versucht bitte mein Gefühl zu verstehen, wie verletzend es für mich und vermutlich viele ehemalige DDR Bürger war (und noch ist!), als wir jahrelang als "Jammerossi" bezeichnet wurden, und, wenn man dann bei "Lanz" sieht wie Tim Mälzer dort sitzend durch Corona mit den Tränen kämpft, weil er für seine Angestellten und sich selbst Existenzängste hat.
Und jetzt Klartext von mir!
Ich behaupte, dass es in den letzten 30 Jahren nur sehr wenige im Westen a) interessiert hat und b) kaum jemand in den ganzen 30 Jahren nachfühlen konnte, wie wir im Osten mit der Massenarbeitslosigkeit durch die Wende gelitten haben. Natürlich weiß ich um die vielen Vorzüge für den Osten durch die Wiedervereinigung, dass will ich gar nicht anzweifeln. Aber! Sorry, der Westen hat irgendwann begonnen sich über die gerechtfertigten Äußerungen aus dem Osten lustig zu machen, in Unwissenheit. Sorry, man muss ein DDR Bürger gewesen sein um nachfühlen zu können, wovon ich spreche... bis Corona kam! Denn jetzt, auf einmal trifft diese drohende Massenarbeitslosigkeit auf ganz Deutschland und nicht nur den Osten zu!
Und jetzt frage ich mich, können wir den Begriff des "Jammerossis" umbenennen?
Ich frage mich, ist die Massenarbeitslosigkeit die nur Ostdeutschland betraf/betrifft weniger tragisch, als eine Massenarbeitslosigkeit die durch Corona auf einmal ganz Deutschland betrifft? Für Familie Müller, Meier, Schulze aus dem Osten, die das schon mehrfach in den letzten 30 Jahren wiederholt erleben mussten, vermutlich nicht!?
In meiner Wahrnehmung könnte der Westen mit Corona eine Chance haben, den ehemaligen DDR Bürgern nachempfinden zu können, was sie seit 30 Jahren leben. Und vielleicht könnte Einsicht in so manchem Hirn sich entwickeln, was der Begriff "Jammerossi" in so manchem Ossiherz in den letzten Jahren angerichtet hat.
Die drohende Welle der Massenarbeitslosigkeit mit Corana, ist für den Osten Deutschlands die zweite leidvolle Erfahrung und für den Westen Deutschlands die erste (in den letzten 30 Jahren) .. so ist jedenfalls meine persönliche Wahrnehmung
Zum Abschluss!
Ich wiederhole ausdrücklich das ich kein Coronagegner bin, und ich auch auf keine Coronademo gehen werde, weil ich meinen Alltag mit den Coronaregeln so nicht mehr leben könnte.
Mir geht es mit diesen Post einzig und allein darum, dass ich die Ängste und Sorgen wie sie Kerstin (zwar rumpelig und bissl provozierend) äußert, verstehen kann, weil sie nicht vollkommen Unrecht hat, in meiner Wahrnehmung!
Und es geht mir um den Begriff des "Jammerossi" der auch wieder in meiner Wahrnehmung, im Westen durch Unwissenheit geboren wurde, und der höchstwahrscheinlich sehr viele Menschen, seit sehr vielen Jahren bereits verletzt.
Jede Arbeitslosigkeit ist tragisch egal ob Ostdeutschland, Westdeutschland, Polen, Russland, Frankreich, Italien, und und und. Menschen die in einer solchen Krise gemeinsam sitzen, können auch die Chance des zusammenwachsen haben, und sich nicht nur als Gegner sehen.
Namaste