der Titel ist vielleicht ein wenig unpräzise, da er meine Gefühlswelt nicht ganz korrekt darstellt.
Aber der Reihe nach...
Mein Kleiderschrank platzt mittlerweile analog zu den Schuhschränken (!) aus allen Nähten
Daher ist diese Baustelle seit längerem abgehakt; wenn ich da noch etwas besorge, sind das zumeist reine Lustkäufe.
Mein Problem war immer das Schminken.
Ich mache im Moment einige für mich bemerkenswerte Fortschritte, was den Umgang mit Make-Up angeht.
Im Dezember habe ich mir bei einer versierten Visagistin (wirklich hilfreichen) Rat geholt und auch mit meiner Partnerin konnte ich in der Vergangenheit des Öfteren ein wenig üben.
Nichts desto Trotz waren dann die Versuche im "Alleingang" zwar deutlich besser als noch vor wenigen Monaten, aber eben nicht "perfekt".
Kurzum, ich war zufrieden, mehr aber auch nicht.
Vor einigen Tagen überkam es mich dann.
Ich hatte wieder ein wenig Zeit um den Pinsel zu schwingen, habe mich im Anschluss noch umgezogen, stand vor dem Spiegel... und ja, was soll ich sagen.
Alte Handtasche meiner Süßen geschnappt und ehe ich mich versah, stand ich um 19:00 (es war dunkel) auf der Straße und lief los.
Das erste Mal überhaupt.
Es war befreiend, es war einfach wunderschön.
Da ich sehr auf meine Bewegung und die Armhaltung geachtet habe, denke ich, dass dieser Teilbereich meiner Außenwirkung durchaus in Ordnung war.
Autofahrer und Leute auf der anderen Straßenseite interessierten sich nicht an mir, auch eine entgegenkommende Mutter mit Kindern zeigte keine Reaktion.
Ich fühlte mich trotz des nicht hundertprozentigen Make-Ups wie im siebten Himmel, bis...
Ja, da war er, dieser Moment.
Gedankenverloren lief ich die bewohnte Straße entlang und an einer Hauswand lehnte ein Anwohner (etwa mein Alter) und rauchte eine Zigarette.
Da ich ihn tatsächlich erst in dem Moment wahrgenommen habe, als wir fast auf einer Höhe waren, muss ich ein wenig erschrocken geschaut haben (und nein, ich bin sicher nicht in die Luft gesprungen
Ich ging also weiter und hörte ihn leise lachen.
Ob es nun an meiner Reaktion lag; daran, dass er mich erkannt hatte oder an was auch immer weiß ich nicht.
Ich weiß nur, dass ich im Anschluss mit den Lippen das "S-c-h"- Wort geformt habe und dann einfach nur noch nach Hause wollte.
Der Rückweg gestaltete sich unproblematisch, da liefen mir auch einige Leute über den Weg bzw. ich musste die Straßenseite wechseln, wodurch es zu keinem derart nahen Kontakt mehr kam.
Und nun sitze ich hier.
Diese Erfahrung nehme ich zum Anlass, mich weiter zu verbessern, sie demoralisiert mich also keineswegs.
Aber gestört hat es mich dennoch. Und zwar so sehr, dass ich diese Nichtigkeit mit euch teilen musste
Ich hänge ein paar Bilder an, damit ihr einen ungefähren Eindruck davon bekommt, wie ich ausgesehen habe.
Dazu kam ein taillierter, anthrazitfarbener Wintermantel, ein grauer Schal, graue Handschuhe und Stiefeletten mit etwa 8cm Absatz und ohne "Klack".