Ich freue mich auf die Zukunft...
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Lebensplanung, Standorte
Joe95
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Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 1 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Diesen Satz sagte ich - unter anderem - bei meinem letzten Termin meiner Endokrinologin.

Aber ich versuchs mal ein wenig sortierter.
In letzter Zeit habe ich vermehrt das Gefühl akzeptiert zu sein.
Es scheint da auch eine Wechselwirkung mit dem Outfit zu geben. Je mehr ich mich akzeptiert fühle, um so leichter finde ich ein wohlfühl-Outfit und je wohler ich mich (in meinem Outfit) fühle, um so akzeptierter fühle ich mich.
Und zwar als ich selber. Mag sein, dass mich nur die wenigsten als Frau sehen, aber ich sehe es als Teil der Akzeptanz wenn das Geschlecht gar kein Thema ist.
Diva hat geschrieben: Mi 7. Aug 2019, 17:46 Letztlich landet man in der Sch..., aus der man kommt. Es gibt kein Entrinnen, nur ein Schönreden, Uminterpretieren, Schaffen von Scheinwelten oder das Anlegen riesiger Scheuklappen. Die verschiedenen Methoden können hier wunderbar an den Beiträgen einzelner Leute studiert werden. Keine schlechten Überlebensstrategien, aber ich lehne sie für mich ab.
Liebe Diva, was du da schreibst zeigt mir wie sehr dich das belastet. Du bist eine Frau und möchtest nicht als irgendwas anderes gesehen werden.
Methoden, Überlebensstrategien...
Mein erster Gedanke war "wie wärs mit akzeptieren?". Einfach gesagt, wenn man - wie ich - in der glücklichen Lage ist mit "Trans" leben zu können.
Aber es hat was. Kein Stress mit dem Passing. Kein Missgendern, weil ja beides gleichermaßen falsch wie richtig ist. Einfach frei sein, kein Zwang sich einem Geschlecht entsprechend verhalten zu müssen, denn meine Weiblichkeit ist die mir angeborene, da ist nichts antrainiertes oder gelerntes.

Mal ehrlich, die paar blöden Blicke kannte ich früher schon. Da war ich einfach nur ein fetter Kerl, sehr unbedeutend.
Das mich fremde Menschen anlächelten und mir "daumen hoch" zeigten gab es erst als ich anfing "wohlfühl Kleidung", sprich Röcke, zu tragen.

Ok, ich habe hin und wieder den Eindruck in Gummersbach die Quoten- oder Vorzeigetranse zu sein, aber das stört mich nicht im geringsten. Eher im Gegenteil, man kennt mich, behandelt mich zuvorkommend und respektvoll.
Liebe Diva, was ich dir noch sagen wollte:
Du bist ein ganz besonderer Mensch, viel mehr als nur dein Geschlecht.

Ich für meinen Teil fühle mich wohl auf meinem Weg, ich freue mich auf die Zukunft.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...
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Re: Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 2 im Thema

Beitrag von Olivia »

Hallo Joe,

als ich zum Forum kam, warst Du schon länger dabei und für mich ein "alter Hase". Von Dir - wie von vielen anderen - habe ich viel gelernt. Umso schöner fand ich Deinen jetzigen Beitrag in dem Du schreibst, Du fühlst Dich angekommen und akzeptiert. Ich hab mich selten so über einen Beitrag gefreut!

Ganz liebe Grüße und alles erdenklich Gute für Dich auf Deinem weiteren Weg von

Olivia
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Re: Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 3 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Joe95 hat geschrieben: So 18. Aug 2019, 14:56 Ich für meinen Teil fühle mich wohl auf meinem Weg, ich freue mich auf die Zukunft.
Lieber Joe,

das ist eine schöne Aussage und ich freue mich diesen Satz zu lesen.

Irritiert bin ich jedoch, dass Du Dich dabei mit Diva auseinandersetzt und beschäftigst.
Ihre Schwankungen zwischen Himmelhoch jauchzend und tiefster Betrübnis sollten nicht das Maß anderer hier sein.

Alles Gute und liebe Grüße
Vanessa
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Re: Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 4 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt »

VanessaL hat geschrieben: So 18. Aug 2019, 16:43 Ihre Schwankungen zwischen Himmelhoch jauchzend und tiefster Betrübnis sollten nicht das Maß anderer hier sein.
...aber auch nicht komplett untergehen. Bei manchen läuft es so, bei anderen so....egal um welches Thema es geht.

@Joe: Schön, so viel positives von Dir zu lesen (ki)

Liebe Grüße
Michelle
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Weihnachtsmarkt ist das Wacken für Büroangestellte!
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Re: Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 5 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Schöne Worte und Gefühle.
Ich freue mich sehr für Dich das du es geschafft hast dich so anzunehmen.
Es ermöglicht dir ein wesentlich zufriedeneres Leben als manch andere.
Ich gebe zu ich hadere des Öfteren mit mir und muss dadurch mehr kämpfen um zufrieden zu Leben mit mir selber.
Liebe Grüße Lisa
Liebe geben und offen sein für Neues
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Re: Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 6 im Thema

Beitrag von Diva »

Liebe Joe,

zunächst herzlichen Dank für Dein freundliches Statement:
Joe95 hat geschrieben: So 18. Aug 2019, 14:56 Liebe Diva, was ich dir noch sagen wollte:
Du bist ein ganz besonderer Mensch, viel mehr als nur dein Geschlecht.
Ich hoffe, du bekommst deshalb keinen (weiteren) Ärger, da meine Person offenbar ziemlich die hiesigen Gemüter spaltet. Es geht soweit, dass hier einige allen Ernstes nicht nur am Wahrheitsgehalt meiner Posts, sondern an der Existenz meiner Person zweifeln - lach. Leider hab ich Schwerwiegenderes zu stemmen, als mich mit solchen Witzigkeiten auseinanderzusetzen.

Heute kann ich mir den Titel deines Threads auch auf meine Fahne schreiben. Vom ersten August an bis gestern stand da noch: "Ich hasse das Leben!". Genau - nicht nur meines, sondern allgemein diesen aufgezwungenen Zustand von Materie, gegen den man sich kaum wehren kann.
Joe95 hat geschrieben: So 18. Aug 2019, 14:56 In letzter Zeit habe ich vermehrt das Gefühl akzeptiert zu sein.
Es scheint da auch eine Wechselwirkung mit dem Outfit zu geben. Je mehr ich mich akzeptiert fühle, um so leichter finde ich ein wohlfühl-Outfit und je wohler ich mich (in meinem Outfit) fühle, um so akzeptierter fühle ich mich.
Und zwar als ich selber. Mag sein, dass mich nur die wenigsten als Frau sehen, aber ich sehe es als Teil der Akzeptanz wenn das Geschlecht gar kein Thema ist.

Mein erster Gedanke war "wie wärs mit akzeptieren?". Einfach gesagt, wenn man - wie ich - in der glücklichen Lage ist mit "Trans" leben zu können.
Aber es hat was. Kein Stress mit dem Passing. Kein Missgendern, weil ja beides gleichermaßen falsch wie richtig ist. Einfach frei sein, kein Zwang sich einem Geschlecht entsprechend verhalten zu müssen, denn meine Weiblichkeit ist die mir angeborene, da ist nichts antrainiertes oder gelerntes.
Liebe Joe, ich hatte dir schon vor etlicher Zeit ein ausführliches Kompliment für dein neues sympathisches Avatar-Foto und vor allem deine unglaubliche Zuversicht, Stärke und Zufriedenheit gemacht, wie du dein sicher keineswegs leichtes Leben meisterst. Ich wiederhole das gerne. Es wundert mich nur, dass du dich erst jetzt "angekommen" fühlst. Mein Eindruck war, dass du dieses Ziel bereits erreicht hättest.

Mit Trans leben wäre kein Problem, wenn die "normalen" Leute im Zwischenmenschlichen daraus kein Problem machen würden. Ich habe keine Schwierigkeiten im Alltag auszustehen, kein Missgendering, keine blöden Blicke oder gar Sprüche. Im Gegenteil: Ich erhalte mehrmals wöchentlich von fremden Männern auf offener Straße Komplimente (am Tage) oder werde spontan gegrüßt. Kein dumpfes Pfeifkonzert, nein, sehr respektvoll und nett formulierte Sätze von smarten Typen zwischen 30 und 50. Aber leider ist das nur eine Facette meines "Lebens". Ich nenne es lieber Dahinvegetieren, wenn auch nicht auf niedrigstem ökonomischem Niveau. Denn das Letzte, was mir dank meines unglaublichen Egoismus der Transiton blieb, war meine materielle Basis. Der Rest - also alles Menschliche - ist weg.

Ich kann mein Trans bislang nicht akzeptieren, weil es mir die Isolation beschert hat, mir täglich die Luft auf Arbeit vergiftet und beinahe jede Chance auf einen neuen Freundeskreis oder gar Partner nimmt. Immer wieder wird mir in diesen Bereichen auf brutalste Art und Weise gezeigt, wo ich hingehöre: in den Mülleimer der Gesellschaft. Darum gleicht es einem Wunder, dass ich vor 6 Wochen den Mann meines Lebens fand - oder er mich. Er ist überhaupt der erste Mensch, der mir begegnete, der mich rundum akzeptiert und obendrein liebt, wie ich bin, mit all meinen anstrengenden (Diva-)Allüren, Macken, Ansprüchen usw. - vor allem mit der "Erbsünde", in einem Geschlecht geboren zu sein, in dem ich nicht lebe.
Das hat mir bereits ein Stückweit geholfen, mich selbst besser anzunehmen und u.a. auch die GAOP unter einem neuen Blickwinkel zu sehen.
Aber unsere Krisen sind heftig. Wenigstens hab ich auf Arbeit 2 Freundinnen, die mir etliches im Verhalten der Kerle erklären können. Da ich selbst nie "richtig" Mann war, sind mir auch die typisch männlichen Verhaltensmuster unbekannt. Allerdings bekamen sie diese Art von Problemen erst nach einem Jahr Beziehung womit wir uns schon jetzt herumschlagen.

"Ich freue mich auf die Zukunft" wenn ich mit 160 km/h auf der Gegenspur auf einen Schwerlaster zupresche, die nächsten Tage deshalb unter Schock stehe, wenn ich tagelang im Hungerstreik bin, wochenlang mit 2 Stunden Schlaf auskommen muss (nicht wegen Parties wohlgemerkt und Alkohol trinke ich keinen) und über 180 Puls habe, wenn ich mir Abend für Abend den Arm aufschneide? Das waren meine letzten Wochen. Er hatte mich an meinem Geburtstag sitzen lassen, ich brach mitten in einer Schulung in meinem schönen weißen Retro-Kreuzfahrt-Kleid zusammen, lag ein paar Stunden später erneut mit einem kleinen scharfen Gegenstand im Bett ... Die Freude auf die Zukunft beschränkte sich darauf, dass Zukunft auch zwangsläufig Tod bedeutet.

Heute nun der Durchbruch nach dem Schlussmachen - ein Neuanfang. Wir haben beide viel aus dem Desaster gelernt, hoffe ich. Nach drei Wochen Hölle sehen wir uns wieder, planen unseren ersten kleinen Liebesurlaub. Aus einem Persönlichkeitstest der psychologischen "Big Five" weiß ich, dass ich angeblich zu den obersten 10% der Deutschen in Sachen Sensibilität, Impulsivität und Verletzlichkeit zähle. Das hab ich irgendwie geahnt und mein Liebster kann es zweifelsfrei allein aus den paar Wochen bestätigen, denke ich ...
Dazu kommt das Hormon-Chaos durch die HET, zusätzlich angeheizt durch extremste Verliebtheit, die selbst bei "Normalen" alles durcheinander würfelt.
Ich weiß, wie dumm es ist, alles auf eine Karte zu setzen. Aber ich hab nur die Eine und auf der steht zum Glück gerade im Moment dein Slogan: "Ich freue mich auf die Zukunft" und ich hoffe, bete drum, dass es lange so bleibt.

Liebe Grüße
-Diva
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Re: Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 7 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Das klingt schon sehr nach bipolarer Persönlichkeit, Diva. Falls dem so ist, wäre es je nach Intensität - und die scheint sehr hoch bei dir zu sein - sehr unwahrscheinlich, dass du diese ständige Achterbahn ohne professionelle Hilfe in den Griff bekommst. Einen offenen Beinbruch kriegt 1 ja auch nicht mit Bindfaden und Tesafilm wieder in den Griff. Manches lässt sich ändern, gerade im Umfeld. Toxische Menschen vermeiden, eine andere Umgebung, Job, Freund*innen. Auch das nicht ohne Kosten und Konsequenzen auf der anderen Seite, das ist klar. Aber das ändert nicht so einfach die Gefühle, die Interpretation der Welt im eigenen Kopf. Das tut auch keine HET und keine OP von sich aus. Ich bin stark dafür, das als getrennte, individuelle Aufgaben zu betrachten: Kopf, Körper, Umgebung. Und beim Kopf lohnt es sich auch, genau passende Fachpersonen zu Hilfe zu holen, die nicht nach Schema F vorgeht, sondern genau die Wünsche der Klient*in beachtet.
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Re: Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 8 im Thema

Beitrag von Diva »

Jaddy hat geschrieben: So 18. Aug 2019, 20:44 Das klingt schon sehr nach bipolarer Persönlichkeit, Diva.
Jede sehr leidenschaftliche und tiefe Liebe weist diese Symptome auf, Jaddy. Schau dir nur an, was die Weltliteratur in Lyrik und Prosa um das Thema gerankt hat, das keineswegs "normal" anmutet und oftmals mit Mord- und Totschlag einhergeht.
Bei mir kommen außerdem die HET und eine überdurchschnittliche Emotionalität hinzu (siehe o.a. "Big-Five"-Test).
Jedenfalls bin ich froh, dass du nicht mein(e) Psycholog*in bist und mir mit dieser ggf. falschen Diagnose den Rest "Leben" mit Medikamenten verdirbst. Übrigens fliehen sich mehr als 2/3 der Betroffenen Bipolaren in Alkohol und Drogen, was ich - wie oft geschrieben - überhaupt nicht anrühre.

Goethes Klärchen aus Egmont fiele demnach auch unter deine gewagte Ferndiagnose, denn genau aus ihrem Lied stammt die ständig in dem Zusammenhang bemühte Metapher "Himmelhoch jauchzend, Zum Tode betrübt — "
Literaten werten das übrigens keineswegs als krankhaft - sondern als Bestandteil des Lebens schlechthin.
Magst du dem armen Klärchen auch ein ev. ICD 10 F31.x anlasten? Das müsstest du dann aber mit dem alten Goethe ausmachen, wie auch immer das funktionieren soll ...

Grüße von einer lächelnden
-Diva

PS: Ach ja, und die schweigend zustimmenden Damen zu Jaddy's Ferndiagnose dürfen ihre Gedanken auch gerne einmal in die o.a. Richtung lenken. Es ist immer leichter, Menschen in die Schublade "krank" zu packen, als die Dinge einigermaßen sachlich zu betrachten, auch wenn es den eigenen Horizont der Vorstellungskraft übersteigen mag.
Zuletzt geändert von Diva am Mo 19. Aug 2019, 11:14, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 9 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Joe95 hat geschrieben: So 18. Aug 2019, 14:56 ..............
Ich für meinen Teil fühle mich wohl auf meinem Weg, ich freue mich auf die Zukunft.
Ich freue mich für dich.
Liebe Grüße Jasmine
Céline
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Re: Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 10 im Thema

Beitrag von Céline »

Guten Morgen,


"Aber ich versuchs mal ein wenig sortierter.
In letzter Zeit habe ich vermehrt das Gefühl akzeptiert zu sein.
Es scheint da auch eine Wechselwirkung mit dem Outfit zu geben. Je mehr ich mich akzeptiert fühle, um so leichter finde ich ein wohlfühl-Outfit und je wohler ich mich (in meinem Outfit) fühle, um so akzeptierter fühle ich mich.
Und zwar als ich selber. Mag sein, dass mich nur die wenigsten als Frau sehen, aber ich sehe es als Teil der Akzeptanz wenn das Geschlecht gar kein Thema ist."

Dieser Abschnitt von Dir gefällt mir sehr gut denn diese Wechselwirkung mit dem Outfit kenn ich genau so auch.
Und lächeln musste ich auch das du die quasi Vorzeigetransfrau in Gummersbach bist..Ich bins gefühlt auch in meiner Ortschaft aber mit viel Respekt und Aktzeptanz.
Ich freue mich auf jeden Fall für Dich und drück dir weiterhin die Daumen
Liebe Grüße
Céline
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
C.B.
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Re: Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 11 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Diva hat geschrieben: So 18. Aug 2019, 18:48 Ich hoffe, du bekommst deshalb keinen (weiteren) Ärger, da meine Person offenbar ziemlich die hiesigen Gemüter spaltet. Es geht soweit, dass hier einige allen Ernstes nicht nur am Wahrheitsgehalt meiner Posts, sondern an der Existenz meiner Person zweifeln - lach.
Ich schrieb ja auch besonders und nicht einfach.
Ich kenne dich nicht persönlich, daher wäre es zumindest möglich dass deine Person "nur" ausgedacht ist. Mal angenommen es wäre so würde das für mich - bis jetzt - keinen Unterschied machen, denn meine Reaktionen auf dich sind Reaktionen auf das, was ich von dir lese. Natürlich gehe ich davon aus, dass du real bist, etwas anderes würde mich schon ein wenig enttäuschen, aber innerhalb des Forums - also ohne reale Begegnung - ist der Unterschied doch marginal.
Diva hat geschrieben: So 18. Aug 2019, 18:48 Es wundert mich nur, dass du dich erst jetzt "angekommen" fühlst.
Das hängt davon ab wie und wo ich mich angekommen fühle.
Das letzte mal fühlte ich mich angekommen als ich einsah Trans zu sein. Jetzt fühle ich mich angekommen, weil ich meinen Weg gefunden habe, weil ich weiß das da ein Leben möglich ist wie ich es leben möchte.
Da werden bestimmt noch ein paar Punkte in meinem Leben auftauchen, an denen ich mich angekommen fühle.
Diva hat geschrieben: So 18. Aug 2019, 18:48 Mit Trans leben wäre kein Problem, wenn die "normalen" Leute im Zwischenmenschlichen daraus kein Problem machen würden. Ich habe keine Schwierigkeiten im Alltag auszustehen, kein Missgendering, keine blöden Blicke oder gar Sprüche. Im Gegenteil: Ich erhalte mehrmals wöchentlich von fremden Männern auf offener Straße Komplimente (am Tage) oder werde spontan gegrüßt. Kein dumpfes Pfeifkonzert, nein, sehr respektvoll und nett formulierte Sätze von smarten Typen zwischen 30 und 50. Aber leider ist das nur eine Facette meines "Lebens". Ich nenne es lieber Dahinvegetieren, wenn auch nicht auf niedrigstem ökonomischem Niveau. Denn das Letzte, was mir dank meines unglaublichen Egoismus der Transiton blieb, war meine materielle Basis. Der Rest - also alles Menschliche - ist weg.

Ich kann mein Trans bislang nicht akzeptieren, weil es mir die Isolation beschert hat, mir täglich die Luft auf Arbeit vergiftet und beinahe jede Chance auf einen neuen Freundeskreis oder gar Partner nimmt. Immer wieder wird mir in diesen Bereichen auf brutalste Art und Weise gezeigt, wo ich hingehöre: in den Mülleimer der Gesellschaft.
Wo ist dein Problem?
Ok, diese Frage hat meist einen abwertenden Unterton, weil sie ja meist von jemandem kommt, für den alles kein Problem ist.
Ich sehe das da ein Problem ist, sogar ein schwerwiegendes, aber ich kann es nicht greifen, nicht begreifen.
Kein Missgendern, gutes Passing, keine Schwierigkeiten im Alltag...
Bis dahin hört es sich doch beneidenswert an, aber "Isolation", "Luft vergiftet", "Chance genommen" bis hin zu "Mülleimer der Gesellschaft" klingt für mich schrecklich.
Wie kann das sein?
Für mich ist "Trans" auch nur eine Facette meines Lebens und zwar - zumindest nach aussen - eine möglichst kleine.
Ich rede nicht darüber, mache es nicht zum Thema. Ich lebe es einfach so natürlich wie möglich, denn es ist eben meine Natur.
Frau, Mann, Enby... Es gibt viele Spielarten der Natur, alle etwas anders, aber anders sein ist doch nicht schlecht, oder?
Trans zu sein und meinen Weg gefunden zu haben ist für mich ein so überwältigendes Gefühl der Befreiung, das alle Hindernisse, die vor zwei Jahren noch unüberwindlich vor mir standen, zu kleinen Stolpersteinen geworden sind.
Ok, da kommt bestimmt noch so mancher schmerzhafte Fall, aber der Schmerz geht vorbei und am Ende bin ich frei!

Deine Gedanken scheinen sich von meiner extrem zu unterscheiden, wie sonst könntest du an den "Mülleimer der Gesellschaft" denken?
Sicherlich hast du schon oft Sprüche gehört wie:
"Wie soll dich jemand achten, wenn du es selber nicht tust?"
"Jeder Mensch ist einzigartig und wertvoll!"
Es widerstrebt mir mit solchen Plattitüden zu kommen, aber unwahr ist da nichts dran.
Wikipedia hat geschrieben:Diva — Plural Diven, auch weniger gebräuchlich Divas — rührt von der weiblichen Form des lateinischen divus "göttlich" her.
Diva- den Namen hast du dir selbst gegeben.
Eine erste Selbsterkenntnis?
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

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ExuserIn-2019-12-18
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Re: Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 12 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Diva hat geschrieben: So 18. Aug 2019, 18:48 Heute nun der Durchbruch nach dem Schlussmachen - ein Neuanfang. Wir haben beide viel aus dem Desaster gelernt, hoffe ich. Nach drei Wochen Hölle sehen wir uns wieder, planen unseren ersten kleinen Liebesurlaub. Aus einem Persönlichkeitstest der psychologischen "Big Five" weiß ich, dass ich angeblich zu den obersten 10% der Deutschen in Sachen Sensibilität, Impulsivität und Verletzlichkeit zähle. Das hab ich irgendwie geahnt und mein Liebster kann es zweifelsfrei allein aus den paar Wochen bestätigen, denke ich ...
Dazu kommt das Hormon-Chaos durch die HET, zusätzlich angeheizt durch extremste Verliebtheit, die selbst bei "Normalen" alles durcheinander würfelt.
Ich weiß, wie dumm es ist, alles auf eine Karte zu setzen. Aber ich hab nur die Eine und auf der steht zum Glück gerade im Moment dein Slogan: "Ich freue mich auf die Zukunft" und ich hoffe, bete drum, dass es lange so bleibt.
Ach liebe Diva,

es findet sich sicherlich niemand hier, der Dir Deine positive Zukunft nicht gönnt. Und letztendlich liegt es wohl an Dir selbst glücklich zu sein, in welcher Form auch immer. Da Du nun weißt, wieso Dein Pendel zwischen den Extremen herumschlägt, wird es Dir sicher auch gelingen, die Schäden auf beiden Seiten des Ausschlages zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Dies wünsche ich mir zumindest für Dich.


Liebes Forum,

noch etwas zum "angekommen sein".

Wer ankommen will, muss wohl auch einfach mal stehen bleiben und sich umschauen, ob er den Ort gefunden hat, an dem er sich wohl fühlt. Permanent nur aus dem Fenster des Zuges schauen und denken, hier wäre es aber schön gewesen, wird nicht reichen. Es gilt auszuprobieren ohne sich zu verbiegen. Langsam, gefühlvoll und dezent für den einen und wild, rasant für den anderen - vielleicht auch mal gemischt.

Und wer dann angekommen ist, wird möglicherweise eines Tages erkennen, dass es vielleicht gar keinen "fremden Ort" braucht, um anzukommen, sondern der Ort zum Glücklichsein in einem liegt. Bei sich ankommen kann man überall, an jedem Ort oder auch auf seinen Reisen.

Haltet Eure Hoffnung bei Euch und sucht Eure Zukunft nicht in anderen Menschen oder an anderen Orten, wäre mein Rat, um anzukommen.
Aber natürlich ist jede_r frei, sich selbst auszuprobieren und den eigenen Weg oder Ort zu finden.

Lieber Joe,

ich freue mich sehr für Dich

Liebe Grüße
Vanessa
Zuletzt geändert von ExuserIn-2019-12-18 am Mo 19. Aug 2019, 20:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 13 im Thema

Beitrag von Diva »

Liebe Vanessa,

ich freue mich, dass wir zu einem respektvollen, un-provokanten Umgang gefunden haben, so grundverschieden wir beide auch sind, und danke Dir für die freundlichen Worte.
VanessaL hat geschrieben: Mo 19. Aug 2019, 17:39 Ach liebe Diva,

es findet sich sicherlich niemand hier, der Dir Deine positive Zukunft nicht gönnt. Und letztendlich liegt es wohl an Dir selbst glücklich zu sein, in welcher Form auch immer. Da Du nun weißt, wieso Dein Pendel zwischen den Extremen herumschlägt, wird es Dir sicher auch gelingen, die Schäden auf beiden Seiten des Ausschlages zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Dies wünsche ich mir zumindest für Dich.
Sehr schön beschrieben.
Ja, die "Kollateralschäden" im Umkreis einer Diva sind nicht zu verachten. Meinem armen Bürokollegen hab ich fast das Kreuz gebrochen, als er mir letzte Woche nachträglich zum Geburtstag gratulierte - und mich tatsächlich umarmte. Er konnte nicht ahnen, wie sehr ich mich danach sehnte in meiner Krise. Allerdings ist er wesentlich kleiner und schmächtiger als mein Liebster ... es ist zum Glück nichts passiert, lach.

Ob ich wirklich weiß, wieso ich bin wie ich bin? Eher nicht. Ich bin halt "extrem" verdrahtet und muss lernen, vor allem die negativen Phasen nicht jedesmal ins Bodenlose stürzen zu lassen. Ohne Hilfe schaffe ich das nicht. Ich will doch leben, wenigstens ein paar Jahre lang glücklich sein - in meiner Identität. Das ist mein größter Wunsch.
VanessaL hat geschrieben: Mo 19. Aug 2019, 17:39 Haltet Eure Hoffnung bei Euch und sucht Eure Zukunft nicht in anderen Menschen oder an anderen Orten, wäre mein Rat, um anzukommen.
Aber natürlich ist jede_r frei, sich selbst auszuprobieren und den eigenen Weg oder Ort zu finden.
Das ist leicht gesagt. Ebenso wie man Therapeuten aufsucht, um Hilfe zu bekommen, können auch andere Menschen helfen, die keine psychologische Ausbildung besitzen. Das sind dann meist besondere Menschen, aus der Familie - oder in Ermangelung einer Familie wie bei mir - der Geliebte. Das Risiko, Hilfe anzunehmen, ist in beiden Fällen im Endeffekt das gleiche: Die gescheiterte Therapie zieht ein Fiasko nach sich wie eine gescheiterte Beziehung. Mit viel Glück ist die Persönlichkeitsentwicklung- ja Heilung der seelischen Schäden - bis dahin so weit fortgeschritten, dass ein Weiterleben aus eigener Kraft möglich ist.

Aber ist es denn in der Liebe nicht so, dass man sich mehr oder weniger immer in die Hand eines anderen begibt? Wenn erst einmal der letzte Schutzwall durchbrochen ist und das Herz offen liegt, ist grenzenlose Ekstase ebenso möglich wie tötliche Verwundung. Bei Menschen, die sich ohnehin durch Transition in einem mittleren Chaos der Emotionen befinden, sind die Auswirkungen umso gewaltiger. Zum einen gibt es Glücksgefühle, bei denen buchstäblich das Durchbrennen der Synapsen spürbar wird - zum anderen tiefste Verzweiflung, die in wahnsinnigen Affekthandlungen gipfelt.

Den Weg muss man zweifellos im tiefsten Inneren alleine gehen - aber nicht nach außen. Da ich keine Familie mehr habe, danke ich täglich für meine beste Freundin (die übrigens gebürtige Türkin ist - soviel zu einem anderen aktuellen pauschalisierenden Thread), weil sie mich nie aufgegeben hat, obwohl ich sie in meinen schlimmen Phasen von mir stieß wie etliche andere.
Ich hab es anfangs zwangsläufig versucht, das "Ankommen" alleine zu meistern, aber mich nur in mich selbst zu erschöpfen ist bald eine magere Kost, die keinen Fortschritt mehr zulässt.

Liebe Grüße
-Diva
Whoopy Highfly
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Re: Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 14 im Thema

Beitrag von Whoopy Highfly »

Vanessa,
Falls ich einen neuen Therapeuten suche, hoffe ich, das du einen Termin für mich hast.

GGLH
Bin auf dem Weg. Bitte sucht mich nicht.
Melde mich demnächst wieder.

Bye
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Re: Ich freue mich auf die Zukunft...

Post 15 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Whoopy Highfly hat geschrieben: Mo 19. Aug 2019, 19:40 Vanessa,
Falls ich einen neuen Therapeuten suche, hoffe ich, das du einen Termin für mich hast.
dem ist nichts hinzuzufügen außer - ich stell mich auch an....
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