Helenas Weg
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Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Marie B
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Helenas Weg

Post 1 im Thema

Beitrag von Marie B »

Hallo ihr Lieben,

ich habe Anfang einer Geschichte geschrieben, um in hier einzustellen. Bin gespannt auf Eure Rückmeldungen.

Die Geschichte spielt in einer anderen Welt. Oder Zeit. Vielleicht auch beides. Auf jeden Fall ist auch dort nicht alles gut.

Bitte lest, was Helena widerfährt "¦

Viele Grüße
Nina65

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Teil 1
-»Du siehst zum Anbeißen aus-«, flüstert mir Luana ins Ohr.

Sie ist meine beste Freundin, wir kennen uns seit letztem Sommer. Seit damals frage ich mich, wie es wäre, sie zu küssen. Luana ist wunderschön mit ihren langen, dunklen Haaren. Ich schenke ihr ein Lächeln. Warum habe ich ihr nie gesagt, dass ich ein Junge bin? Ein Junge war.

-»Er wird dich auf Händen tragen, Helena "¦-«

Wird er nicht. Ich weiß um Prinz Magnus"˜ Jähzorn, und ich habe Angst, dass er mir was antut, wenn meine Lüge heute Nacht auffliegt!

Wir warten vor der Kapelle auf Einlass. Um mich herum kichern die Brautjungfern wie kleine Mädchen. Mir ist schwindelig, eine Wolke aus Patschuli und Rosenduft hüllt mich ein und betäubt meine Sinne. Ich bin müde und meine Füße tun weh. Die Schuhe drücken. Ich bin so hohe Absätze nicht gewöhnt.

Als sich die Pforte öffnet, ziere ich mich.

-»Nun geh schon!-«, sagt Luana und schiebt mich in die Kapelle.

Ich zupfe meinen Schleier zurecht und schaue ich mich um. Prinz Magnus hat sich in meine Richtung gedreht, und die Begierde in seinem Blick lässt meinen Herzschlag rasen. Ich schlucke und atme durch. So tief, wie es geht, denn mein Mieder ist eng geschnürt, und das Fischbein drückt unangenehm gegen meine Brüste.

In diesem Augenblick wird mir bewusst, wie sehr sich mein Leben verändert hat. Vor einem Jahr hieß ich Hektor, habe für meinen Onkel geschuftet und auf einer schimmligen Strohmatte im Geräteschuppen geschlafen.

Und nun trage ich das schönste Kleid der Welt und warte auf meine Vermählung. Ich schaue an mir hinunter, fahre mit der Hand über die strahlend weiße Spitze an meinem Bauch und fasse einen Entschluss. Ich will heute Abend keine Angst haben. Ich will Wein trinken und tanzen und genießen, dass ich im Mittelpunkt stehe.

Mit wiegenden Hüften gehe ich auf Prinz Magnus zu.
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Re: Helenas Weg

Post 2 im Thema

Beitrag von Dwt-Lilo-SL »

Hallo Nina,
klingt für den Anfang schon mal schön.
lg
LILO-GINA

PS: schreib gerne weiter wenn du magst
Seufzer gleiten die Seiten des Herbstes entlang,
Treffen mein Herz mit einem Schmerz dumpf und bang
Marie B
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Re: Helenas Weg

Post 3 im Thema

Beitrag von Marie B »

Teil 2

Ich schaue zum Küchenfenster. Tante Agnes knetet den Brotteig, diese Gelegenheit darf ich nicht verstreichen lassen. Schnell husche ich zur Wäscheleine, greife nach dem Kleid meiner Base und verstecke mich hinter der Regentonne. Ich bin klein für mein Alter und zart gebaut. Das Kleid wird mir passen.

Vor ein paar Tagen sind Neuigkeiten zu uns gedrungen. Der König habe seinen einzigen Sohn aufgefordert, unverzüglich Brautschau zu halten. Schon länger munkelte man, dass ihm die Gicht das Leben zur Qual mache und er sich wünsche, endlich sein Enkelkind in den Armen zu halten. Drum habe er erlassen, dass jedes Dorf im Lande seine heiratsfähigen Töchter zu präsentieren habe. Morgen würde ein Gesandter des Hofes kommen, um das hübscheste Mädchen unseres Dorfes ins Schloss von Falkenburg zu bringen.

Unser Dorf ist klein. Mehr als ein Dutzend Mädchen kommt nicht infrage. Ich werde mich unter sie mischen.

Falls ich ausgewählt werde, bin ich morgen über alle Berge. Onkel Anselm wird toben. Aber diesmal wird er nicht seinen Gürtel ziehen und mich windelweich prügeln. Vor zwei Monaten hatte ich mich auf einem Ochsenkarren zwischen Kartoffelsäcken versteckt, um ihm zu entkommen. Noch bevor ich das Dorf verlassen hatte, bekam ich einen Niesanfall "¦

Niemals würde ich mich trauen, alleine davonzulaufen. Der Gegend ist voller Räuber. Als ich vier war, sind meine Eltern im Wald vor meinen Augen erschlagen worden. Ich hatte mich im Unterholz verkrochen und alles mit angesehen. Seitdem wohne ich bei meinem Onkel. Er verachtet mich. Weil ich zu weich bin und damals viel geweint habe.

Mein Plan muss gelingen!

Ich will mich gerade aus dem Staub machen, da fällt mir eine Schürze ins Auge, die direkt vor der Scheune hängt. Sie hat die Farbe von blühendem Flieder und ist mit Stickereien übersät. Ich brauche keine Schürze. Mit dem Kleid und dem Haartuch werde ich als Mädchen durchgehen. Und doch frage ich mich, wie sie mir stehen würde. Gewiss gäbe sie einen schönen Kontrast zu dem weißen Stoff des Kleides.

Ich schleiche mich zur Scheune und versuche abzuschätzen, ob ich irgendwie an die Schürze rankommen kann. Tante Agnes ist immer noch beschäftigt. Mein Herz klopft. Ich würde hübsch damit aussehen. Hübscher als die meisten Mädchen aus dem Dorf. Und wenn ich sie eng bände, dann hätte ich sogar ein bisschen Taille. Mein Herz pocht bis zum Hals! Ich werde sie jetzt holen "¦

In diesem Augenblick schaut meine Tante zum Fenster heraus.

Erschrocken renne ich davon.
Marie B
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Re: Helenas Weg

Post 4 im Thema

Beitrag von Marie B »

Teil 3

-»Gleich bist du dran-«, flüstert das Mädchen neben mir.

Ich beobachte aus den Augenwinkeln, wie der königlichen Gesandte die erste Kandidatin begutachtet und ziehe verschämt mein Haartuch tiefer ins Gesicht.

Heute Morgen habe ich mich gewaschen und mit dem Rasiermesser meines Onkels den Flaum an meinem Kinn entfernt. Dann habe ich im Schuppen das Kleid angezogen und die Schürze umgebunden.

-»Zeig dein Haar-«, fordert der Mann mich auf. Ich nehme das Tuch ab und schaue zu Boden. -»Warum ist es so kurz?-«

-»Läuse-«, lüge ich.

Verdammt. Wenn er mir auf die Schliche kommt, geht es mir wie dem Sohn des Müllers. Sein Bruder hat ihn überrascht, mit knallroten Lippen, als er sich mit Kohle die Augenbrauen nachgezogen hat. Zwei Tage später hat ihn sein Vater für eine Handvoll Kupfermünzen an das Freudenhaus in Falkenburg verkauft.

Er packt mich am Kinn und dreht meinen Kopf zur Seite. -»Hübsche Nase-«, brummt er. -»Mund auf!-«

Ich gehorche und er untersucht meine Zähne. Wie auf dem Pferdemarkt komme ich mir vor; am liebsten wäre ich im Boden versunken!

-»Wie heißt du?-«

Mein Gott, was soll ich jetzt sagen?

-»Helena-«, platze ich heraus.
Marie B
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Re: Helenas Weg

Post 5 im Thema

Beitrag von Marie B »

Teil 4

-»Mach dich obenrum frei-«, fordert Maylin mich auf.

Ich zögere, streife dann aber die Träger über meine Schultern und lasse das Kleid zu Boden gleiten. Nun stehe ich im Schnürleibchen und Unterrock vor ihr.

-»Ganz.-«

Was will sie von mir? Ich löse die Schürung und ziehe mein Oberteil aus. Ihre Augen mustern meine nackte, allzu flache Brust. Ich schäme mich.

-»Möchtest du wirklich weitermachen?-«

Ich nicke.

-»Du musst auf dich aufpassen, Helena. Mir wäre wohler, wenn du Falkenburg verlässt. Ich kann dafür sorgen, dass du in der nächsten Runde ausgemustert wirst.-«

Mein Mund wird trocken. Weiß sie, dass ich ein Junge bin?

Ich überlege. Wenn ich Schloss Falkenburg verlasse, werde ich Luana nie wiedersehen. Die wunderbare, hübsche, warmherzige Luana, mit der ich seit zwei Wochen eine Kammer teile. Die mich behandelt, als seien wir seit frühester Kindheit befreundet. Mit der ich lachen kann und die mich tröstet, wenn sich die anderen Mädchen über mein struppiges Haar lustig machen. Die mir hilft, wenn ich mich beim Sticken ungeschickt anstelle. Ich bin sicher, dass sie diejenige ist, die von Prinz Magnus zum Altar geführt wird. Und wenn ich mich anstrenge, kann ich vielleicht in ihrer Nähe bleiben. In ihren Gemächern würde es genügend Arbeit geben.

-»Bitte Maylin, ich kann nicht "¦-«

Ich spüre, wie meine Augen feucht werden. Ich hasse das.

-»Das dachte ich mir, Helena. Drum habe dir ich was mitgebracht.-«

Sie stellt zwei Dosen auf den Tisch.

-»Das ist aus meiner Heimat und wird dir helfen, fraulicher zu sein. Damit der Prinz Gefallen an dir findet. Mit der Salbe massierst du morgens und abends deine Brust, und von dem Pulver hier nimmst du drei mal täglich einen Fingerhut mit reichlich Wasser. Aber nicht mehr, verstanden?-«

Maylin drückt aufmunternd meine Hand.

-»Und nun zieh dich wieder an.-«
Marie B
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Re: Helenas Weg

Post 6 im Thema

Beitrag von Marie B »

Danke für dein Lob, Lolle
Eigentlich hatte ich das schon geplant, aber momentan bekomme ich nicht arg viel auf die Reihe.
Ich nehme es mir vor, ok?
Viele Grüße
Nina
Marie B
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Re: Helenas Weg

Post 7 im Thema

Beitrag von Marie B »

Teil 5

Luana sitzt vor mir auf dem Hocker und ich genieße den Duft ihrer langen, welligen Haare. Es macht mir Spaß, sie nach dem Waschen zu bürsten, und ich frage mich, wie ich mich fühlen werde, wenn meine endlich die gewünschte Länge haben. Wenn ich mir wie Luana eine elegante Hochsteckfrisur zaubern kann mit kleinen Zierkämmen aus Perlmutt. Und passenden Ohrringen.

Alle paar Tage verbringt der Prinz einen ganzen Tag mit zwei anderen Mädchen. Heute sind wir beide an der Reihe. Gemeinsam mit Graf Henrik werden wir eine Kutschfahrt unternehmen. Vielleicht laden sie uns sogar zu einem Picknick ein. Ich freue mich. Es ist ein herrlicher Frühlingstag und Maylin hat mir extra für diesen Anlass ein lindgrünes Kleid geschenkt. Es ist bezaubernd und passt zu meinen Augen.

Ich mag Maylin. Sie ist wie eine Mutter zu mir. Zu uns allen. An sie kann ich mich wenden, wenn mir danach ist.
-»Vielen Dank, Helena. Nun bist du an der Reihe.-«

Wir tauschen die Plätze.

Ich schließe die Augen und atme den Duft nach Rosenseife ein. Schon vor dem Morgengrauen bin ich aufgestanden, um mich gründlich zu waschen. Ganz früh, damit mich niemand nackt zu sehen bekommt.

-»Dein Haar ist ganz anders-«, sagt Luana plötzlich und hält mit dem Bürsten inne. -»Es glänzt und fühlt sich nicht mehr so spröde an. Wenn du es jetzt noch schön lang wachsen lässt "¦-«

Sie mustert mich und öffnet erstaunt den Mund.

-»Und im Gesicht bist du rundlicher geworden. Das steht dir, Helena.-«

Ihr ist es also auch aufgefallen. Ich habe zugenommen. An den Hüften. Und seit einigen Wochen spannt meine Brust. Meine Brüste. Manchmal schmerzen sie und dann kann ich kaum schlafen. Anfangs hat mir das Angst gemacht, aber inzwischen kann ich nicht genug bekommen. Ich liebe es, wenn ich sie beim Laufen spüren kann. Bei jeder Gelegenheit berühre ich sie und wundere mich, wie sensibel sie sind. Nicht mehr als ein Fingerhut, hat Maylin gesagt. Ich nehme dreimal so viel. Und die Salbe trage ich ganz dick auf.

-»Nascht du zu viel?-«, fragt Luana neugierig und zwickt mich unter der Achsel. Sie stutzt. -»Helena, was ist los mit dir? Vor Kurzem warst du noch fast ein Kind und nun bekommst du den Körper einer Frau!-«

-»Ja-«, sage ich und lächle sie selig an.
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