Rechtes Motiv wird ignoriert
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Marlene K.
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Rechtes Motiv wird ignoriert

Post 1 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

https://www.taz.de/Urteil-nach-Totprueg ... /!5599509/
Urteil nach Totprügeln von Schwulem
Mit nicht endender Gewalt malträtierten Stephan H., Terenc H. und Jens H. im April 2018 den 27-jährigen Christopher W. in einem Abrisshaus im sächsischen Aue. Schläge, Tritte, Stiche mit einer Lampenröhre, ein Wurf in eine Grube, am Ende ein Bordsteinkick. Dann war Christopher W. tot. Am Freitag nun sprach das Landgericht Chemnitz das Urteil: Haftstrafen bis zu 14 Jahren wegen Totschlags.

Die Tat erregte auch deshalb Aufsehen, weil sie von der Bundesregierung als einziges rechtsextremes Tötungsdelikt 2018 eingestuft wurde.
...
Richterin Simone Herberger sagte, die Angeklagten hätten "in menschenverachtender Weise einen Menschen getötet".
...
Ich stelle wieder mal fest, dass jedes Gesetz und jede Vereinbarung nur so gut ist wie der Mensch, der damit umgeht.
https://www.crossdresser-forum.de/phpBB ... en#p230807
Als politisch motivierte Kriminalität werden bezeichnet und erfasst:
...
2. Straftaten, die in der Allgemeinkriminalität begangen werden können (wie z.B. Tötungs- und Körperverletzungsdelikte, Brandstiftungen, Widerstandsdelikte, Sachbeschädigungen),bei denen jedoch unter Würdigung der gesamten Umstände der Tat und/oder der Einstellung des Täters Anhaltspunkte dafür gegeben sind, dass sie:
...
6. sich gegen eine Person wegen ihrer politischen Einstellung, Nationalität, Volkszugehörigkeit, Rasse, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Herkunft oder aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes, ihrer Behinderung, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres gesellschaftlichen Status richten (sog. Hasskriminalität).
Ja, es ist ein Verbrechen in Rechtsradikalen Kreisen. Ja, auch dass Opfer verkehrte dort. Ja, auch er war ein Mensch mit allen Rechten und eigener Würde.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Michi
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Re: Rechtes Motiv wird ignoriert

Post 2 im Thema

Beitrag von Michi »

Richterin Simone Herberger sagte, die Angeklagten hätten "in menschenverachtender Weise einen Menschen getötet".
Wenn sich die Richterin so äußert, dann kann ich gleich zweimal nicht nachvollziehen, warum die Angeklagten mit Totschlag davon gekommen sind.

Schon die Schilderung, wie die Tater das Opfer zu Tode gequält haben, lässt stark annehmen, dass da mindestens ein Mordmerkmal und damit der Tatbestand für Mord erfüllt wurde.

Paragraph 211 StGB
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Marlene K.
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Re: Rechtes Motiv wird ignoriert

Post 3 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

...und weiter in dieser Tradition:
https://taz.de/Gewalttaten-in-Deutschland/!5771783l/
...
Franz Zobel von der Opferberatungsstelle ezra sieht das anders. "Die Täter haben Mario K. als homosexuellen Menschen markiert und aus einer rechten Ideologie heraus mit Pädophilie in Verbindung gebracht, um dann Selbstjustiz walten zu lassen", ist er überzeugt. Zobel betont, dass pädophile Zuschreibungen und eine damit einhergehende legitimierte Selbstjustiz ein verbindendes Element der extremen Rechten sei. "Dazu kommt diese völlig hemmungslose Gewalt und Entmenschlichung des Opfers. All das zusammen spricht deutlich für ein homofeindliches und sozialdarwinistisches Motiv."

Die Thüringer Sicherheitsbehörden aber ordnen den Fall weiter nicht als politisch ein — und nach dem Urteilsspruch dürfte sich das auch nicht ändern. Die Divergenz zwischen den Behörden und der Verbände für Opfer rechter Gewalt ist nicht neu. Seit Jahren liegen die Zahlen beider Seiten auseinander.
...
Marlene

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Jasmine
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Re: Rechtes Motiv wird ignoriert

Post 4 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Zitat aus dem Artikel: Die Motivation für die Tat habe der Prozess "nicht erschließen" können. "Es war ein Motivbündel, das die Kammer nicht aufzuklären vermag."

Ich persönlich denke, das Gericht hätte bei solch einer unfassbaren Tat die Pflicht lückenlos das Motiv aufzuklären. Bei solch einer Gewalttat wäre meiner Meinung nach lebenslänglich mit anschließender Sicherheitsverwahrung angemessen. Welches Zeichen setzt das Gericht denn hier? Ich denke das solch eine Tat eher als Mord aus niederen Beweggründen bezeichnet werden müsste und hier wäre natürlich wichtig das Motiv lückenlos aufzuklären.

Nachdenkliche Grüße Jasmine
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