Hallo von mir!
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Phillygirl
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Hallo von mir!

Post 1 im Thema

Beitrag von Phillygirl »

Zuerst mal "Hallo" aus dem Hunsrück. Ich bin Jessica, 33 und lebe im Hunsrück.

Ich weiß irgendwie nach insgesamt 20 Jahren noch immer nicht so ganz was ich denn nun bin.

Erstmals gespürt habe ich da was um 1999/2000 mit 14, als ich einen Internetzugang bekam. In einem Forum zu meiner damaligen Lieblingsshow habe ich mich als Frau angemeldet. Ich weiß gar nicht warum. Weder wollte ich damit Leute trollen noch anbaggern. Ich habe mir dennoch dieses Alter Ego geschaffen und war nach der Schule immer glücklich, wenn ich meine normale Existenz ablegte um sie zu sein. Das Thema Transsexualität existierte in meiner Wahrnehmung gar nicht. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, da kam man damit nicht in Berührung und im Fernsehen stieß ich nie auf eine Sendung. Auch wenns sich blöd für eine damals heranwachsende anhört: Ich wusste gar nicht, dass geschlechtsangleichende Operationen möglich sind.
Leider schlief dies irgendwann ein, auch weil mir meine Eltern den Zugang strichen, nachdem ich 3 Mal in Folge die Telefonrechnung gesprengt hatte (wir haben wir nur ohne Flatrate überleben können...).
Das nächste Mal, dass ich was für mich erkannt hatte, war dann um 2005. Immer öfter kam mir der Gedanke, dass ich lieber eine Frau wäre. Wenn ich über eine Beziehung mit einer Frau nachdachte, sah ich mich dabei eigentlich immer ebenfalls in einer weiblichen Rolle, nie männlich.
In einem Hilfeforum für jüngere Transgender hatte ich andere Betroffene kennengelernt, mich auch mit mehreren getroffen um Erfahrungen auszutauschen. Ich ging damals auch erstmals zu einem Psychotherapeuthen und hatte das Ziel vor Augen eine Frau zu werden. 2007 sollte dann der ganz große Schritt kommen. Mein Studium in einer neuen Stadt sollte der nächste entscheidene Schritt zur Frau sein, von Tag eins an wollte ich weiblich auftreten. Tja, es wäre so schön gewesen, denn dann brach alles in sich zusammen. Ich ging am ersten Tag zu den Einführungsveranstaltungen und entdeckte dabei den letzten Menschen, dem ich begegnen wollte. Ein klassischer Bully-Typ, der mich in den letzten 2 Schuljahren auf dem Kieker hatte und das Leben irgendwo zur Hölle machte. Ausgerechnet der begegnete mir am anderen Ende des Bundeslandes. Bemerkt hatte er mich damals zwar nicht, aber bevor er mich ins Visier nehmen konnte sperrte ich die Frau in mir ein und war ab Tag 2 so wie in den Jahren davor.
Parallel dazu habe ich mein zweites Outing an die Wand gefahren, denn ich wollte wenigstems im Internet nur noch Frau sein. Ich registrierte mich mit weiblichem Namen in einer damals beliebten Social Media-Plattform für Studenten und schrieb dann eben auch Freundschaftsanfragen an ehemalige Mitschüler, engeren Freunden schickte ich einen langen Text über das warum und weshalb mit. Leider kam das nur mittelprächtig an. Wie schon erwähnt stamme ich halt vom Land und viele waren durch so ein Outing wohl verwirrt/überfordert/whatever. Letztendlich hat mich die Aktion den halben Freundeskreis gekostet. Bei der anderen Hälfte bin ich froh, dass sie damals keine Nutzer dieser Plattform waren, daher kam das vermutlich nie bei ihnen an. Dennoch hatte ich jahrelang auch immer wieder Bedenken, dass da über Klatsch und Tratsch etwas hinüber schwappen könnte. Ein ehemaliger Mitschüler der sich als Transsexuell outet, das ist doch ein ziemlicher Tratschhammer... Natürlich kann man jetzt sagen "Besser so, wer das nicht akzeptiert, den sollte man nicht als Freund/in haben wollen", aber so leicht ist es nicht, wenn du mit der Hälfte der dir bekannten Menschen nicht mehr oder nur noch verkrampft reden kannst. Das wirft einen massiv zurück, wenn man so einen Weg gehen will.

Danach schloss ich die Frau in mir komplett weg, war wohlmöglich in einer ziemlich depressiven Phase. Ich hatte zwar nie akute Selbstmordgedanken, aber ich ließ mich ziemlich gehen. Ich nahm drastisch zu, vernachlässigte die Körperpflege total. Selbst sowas seit der Kindheit eingebranntes wie Zähne putzen machte ich nicht mehr. Wie geschrieben hatte ich nie den konkreten Gedanken an das "Ende", aber irgendwo habe ich mich damals aufgegeben und Folgen wie das Gewicht habe ich bis heute nicht in den Griff bekommen.
Ich bin da eigentlich nur heilfroh, dass ich niemals Kontakt zu Drogen hatte und auch kein Bedürfnis besaß mich im Alkohol zu ertränken
Zwischendurch folgten immer wieder Phasen in denen sich meine weibliche Seite befreien konnte, aber das beschränkte sich dann eher auf einzelne Dates, die mich aber letztlich auch nicht glücklich machten wenn ich da irgendwo zwischen CD und TV unterwegs war.

Nun bin ich nach so vielen Jahren wieder an einem Punkt an dem ich mich nicht einordnen kann. Ich bin kein glücklicher Mensch, schon lange nicht. Ich sehe mich in meinen Gedanken aber wie damals noch immer als weiblich, ich mag es wenn ich mich etwas weiblicher kleide. Ich fühle mich dabei nicht sexuell erregt, sondern befreit. Das ist eine Sache die mich glücklich macht. Allerdings sehe ich mich nicht mehr auf einem Weg zu einer geschlechtsangleichenden OP. Ein Punkt unterschied mich von den meisten Transfrauen die ich kennengelernt habe: Ich hatte und habe kein großes Problem damit einen Penis zu besitzen, er hat mich psychisch nie belastet.
Dazu habe ich nach meinen horrenden Outing-Erfahrungen nur wenig interesse daran derartiges zu wiederholen, gerade im Alleingang... Rein vom Klischeedenken her (viele verbinden nun leider noch immer bestimmte Klischees mit Trans*) würde vermutlich niemand glauben das ich TS sein könnte, was dann wieder Leute vor den Kopf stoßen würde. Nicht, dass ich irgendwie ein besonders männliches Auftreten oder irgendwelche "Macho-Allüren" hätte, aber meine meisten Hobbys sind ein Widerspruch zu den dämlichen, in der Gesellschaft etablierten, Ansichten... Ich liebe bspw. American Football. Ich liebe den Sport mit jeder Faser meines Körpers, schaue jedes Spiel das mit unter die Finger kommt, egal ob NFL am Fernseher oder deutsche Football-Regionalliga und betreibe den Sport sogar selbst aktiv! Natürlich gibt es auch einige Frauen die den Sport mögen, die Sportart boomt in den letzten 3-4 Jahren ja ziemlich. Genauso gibt es Frauen-Mannschaften (und ich meine nicht die in den USA bekannten Ligen mit halbnackten Models). Aber die Klischees denken noch anders...
Sofern sich das so einkategorisieren lässt, würde ich sagen, dass ich zwischen beiden Geschlechtern stehe, wenn auch psychisch mit einer klaren Tendenz zur Frau

Soviel jedenfalls zu meiner Person, hoffentlich ist das jetzt nicht zu viel Text ;)
Renée
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Re: Hallo von mir!

Post 2 im Thema

Beitrag von Renée »

Hallo Jessica,
willkommen hier im Forum. Danke für deine umfangreiche Vorstellung. Für viele hier wird dein Text den ein oder anderen Wiedererkennungseffekt haben.
Mit hat sich nur die Frage gestellt, wenn dein Penis dich nicht stört, warum hast du dann eine OP angestrebt, weil der nicht zu Frauensein gehört? Auch so ein Klischee.
Ansonsten willkommen im Club, ich fühle mich auch zwischen den Stühlen. Der Körper sagt das eine die Seele das andere. Machen wir das Beste draus.
Schönen Abend.
Liebe Grüße
Renée

Wenn jemand zu Dir sagt "Das geht nicht". Denk daran, es sind seine Grenzen, nicht Deine.
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Re: Hallo von mir!

Post 3 im Thema

Beitrag von Phillygirl »

Sycorax hat geschrieben: Mo 25. Feb 2019, 21:20 Mit hat sich nur die Frage gestellt, wenn dein Penis dich nicht stört, warum hast du dann eine OP angestrebt, weil der nicht zu Frauensein gehört? Auch so ein Klischee
Ich denke das lag an der Zeit. So wie mir als Landei um 2000 das Thema Transsexualität unbekannt war, war es um 2006 wohl die Möglichkeit zwischen den Geschlechtern stehen zu können. Seit damals hat sich ja auch in der Gesetzgebung so manches getan. Mir war z.B. der Name wichtig, ich wollte nicht mehr XYZ sein sondern Jessica. Bis vor ein paar Jahren war dafür dann ja die OP Pflicht und ich hätte das in Kauf genommen (dass mich der Penis nicht stört soll nicht heißen, dass ich unendlich glücklich darüber bin einen zu haben ;) Er ist halt da.). Mittlerweile ist man da ja etwas offener.
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Re: Hallo von mir!

Post 4 im Thema

Beitrag von Céline »

Hi Jessica,
Danke für deine Vorstellung und Herzlich Willkommen hier bei uns
Liebe Grüße
Céline
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
C.B.
Michi
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Re: Hallo von mir!

Post 5 im Thema

Beitrag von Michi »

Hallo Phillygirl,

herzlich willkommen hier im Forum. )))(:

danke für deine sehr ausführliche Vorstellung. (yes)

Ich habe auch lange nicht gewusst, "was ich sein will" .. oder besser gesagt: "was ich bin" ... und das noch ein paar Jahre länger als du. Ich wusste schon recht früh, in den 1980er Jahren um die Möglichkeit einer OP, und hin und wieder klang es auch verlockend, ganz Frau zu sein. Aber irgendwie hat es doch nicht so recht gepasst. Die "Alternative" zu TS war damals der Fetischist oder auch Transvestit, der sich an weiblicher Kleidung berauschte, sie ggf. der Nachbarin von der Leine stahl. Und das war auch nicht ich. Und so blieb ich lange Zeit in der Luft hängen, wusste nicht, was ich bin. Mit dem Zugang zum Internet fand ich auch die ersten einschlägigen Webseiten und Foren, und dachte/hoffte, vielleicht doch nur den Wunsch nach einem erweiterten Repertoire im Kleiderschrank zu haben. Doch erst die Erkenntnis, deutlich weibliche Anteile zu haben, eher zwischen den Geschlechtern zu hängen bzw. zu pendeln, und noch einmal später den Schritt zu wagen, gelegentlich als Frau vor die Tür zu gehen, haben mich an einen Punkt gebracht, an dem ich mich zum ersten Mal wirklich wohler fühle.

Und ich denke, jede(r) muss für sich herausfinden, was richtig ist, wo in dieser Hinsicht die persönliche Wohlfühlzone liegt. Und die findet man wohl eher seltenst über die Wege, die andere für sich selbst gefunden haben, auch wenn sie dir diese noch so sehr andienen möchten.


Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Jasmine
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Re: Hallo von mir!

Post 6 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Hi Phillygirl,
vielen Dank für deine ausführliche Vorstellung.
Herzlich willkommen in diesem schönen Forum.
Liebe Grüße Jasmine
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