Hallo ihr lieben,
für alle die mich noch nicht kennen, hier war mein Vorstellungs-Thread
viewtopic.php?f=2&t=17693
Dort könnt ihr entnehmen was mich letztendlich bewegte diesen Weg zu gehen.
Ohne schnulzig klingen zu möchten, ich befinde mich erst am Anfang einer langen Reise und möchte hier meine Gefühle, Gedanken, Entscheidungen mit euch und vor allem allgemein teilen, damit andere Menschen in der gleichen Situation den Mut fassen können ebenfalls einen Schritt in die richtige Richtung zu wagen.
Ich habe angefangen meine Gedanken zu Papier zu bringen, weil wenn ich nachts wach liege, dann finde ich einfacher die richtigen Worte.
Es ist für mich eine Art selbst Therapie und soll möglichst unverblümt einen ehrlichen Einblick ermöglichen.
Eintrag 3: Ich packe meine Koffer
Montag, 11. Februar 2019
Gefühle: aufgeregt, optimistisch
Oh weh, da habe ich ganz schon etwas losgetreten in den letzten Tagen.
Noch vor einer Woche war ich total verunsichert. Emotional am tiefpunkt meines Lebens angekommen.
Jetzt hingegen habe ich eine klare Vorstellung von dem was ich möchte.
Es war nicht leicht mich selber zu akzeptieren und auf das zu hören was ich wirklich möchte. Als diese Hürde überstanden war ging doch alles ganz schnell.
Drei mir wichtige Menschen in meinem Leben wissen bereits von meinem kleinen Geheimnis. Und zwei weitere sind in Planung.
Die Unterstützung bis jetzt ist sehr positiv. Das gibt mir Mut und Kraft, denn ich weiß es wird nicht immer so sein.
Es geht mir nicht darum Menschen zu täuschen. Es ist mir klar, dass ich vermutlich ohne operativer Hilfe nie auch nur ansatzweise den Schönheitsidealen einer Frau entsprechen werde. Ich möchte kein bunt geschminkter Paradiesvogel sein. Ich brauche keine Brüste unnatürlich groß und rund. Ich bin keine Tussi, die auf alles steht was pink ist und glitzert. Ja, ich mag Einhörner, aber das ist ein anderes Thema. Ich möchte das meine Mitmenschen mich respektieren als Frau, auch wenn sie merken ich bin eine Transfrau. Es geht mir nicht darum mich nur wie eine Frau zu kleiden, mich zu schminken. Ich will in den richtigen Momenten albern sein dürfen, ich möchte heulen dürfen wenn mir danach ist und ich möchte auch mal in den Arm genommen werden wenn ich Trost brauche.
Jeder Mensch hat Kummer, Ängste, Sorgen und Stress im Alltag. Den Weg den ich einschlagen möchte wird dies noch zusätzlich erschweren.
Ich habe keine Illusionen, dass ich Hormone bekomme und mein Leben auf einmal zum Ponyhof wird.
Rückschläge, Ablehnung, Selbstzweifel werden mich begleiten. Ich bin trotzdem entschlossen meinen Weg zu gehen.
Auch wenn ich noch nicht bereit bin 24/7 als Frau in die Öffentlichkeit zu treten habe ich bereits angefangen meine männliche Fassade abzulegen.
Sehr gepflegte Fingernägel habe ich schon länger. Das ist mir im täglichen Kontakt mit Menschen einfach wichtig. Jetzt werden sie halt langsam etwas länger.
Mein Deodorant habe ich bereits gegen ein weibliches getauscht. Auch hat der Duft von Narciso Rodriguez - for her (EdT) es mir total angetan. Allerdings befindet sich von diesem zur Zeit nur eine kleine Probe in meinem Besitz.
Die meisten Menschen mit denen ich in Kontakt trete werden das nicht einmal bemerken. Und wenn doch, schon bei der Auswahl meines Herrenduftes vor einigen Jahren hat die Dame welche mich beraten hat gemeint viele Männer tragen mittlerweile Damendüfte und umgekehrt.
Höflich war ich schon immer. Ich fluche echt sehr selten und kann nicht nur schriftlich ganze Sätze formulieren ohne Wörter wie "Alter" und "schwöre" zu verwenden.
Jetzt ist mir halt nicht mehr "scheiße kalt", sondern "es ist schon ein wenig frisch" oder "ich friere"
Bis der Pinselschwung mit Nagellack sicher gelingt, müssen meine Zehen als Leinwand herhalten.
Und glaubt mir Mädels, ich brauche noch jede menge Übung was Schminke betrifft.
Ich mag es eher dezent, es soll natürlich aber feminin wirken.
Beim Stehen versuche ich nicht mehr typisch männlich so viel Platz wie möglich einzunehmen.
Schultern nach hinten, schmaler aber selbstbewusster Stand.
Meinen Kopf habe ich vorher alle zwei Tage rasiert. Damit ist jetzt Schluss. Der Bart bleibt allerdings erst einmal erhalten. Dauerhafte Haarentfernung ist aber geplant.
Ich habe sogar das Vapen aufgegeben. Ursprünglich sollte das eh dazu dienen mit dem Rauchen aufzuhören.
Wann gibt es einen besseren Zeitpunkt als aktuell, wo ich voller Zuversicht hoch motiviert die wenigen Tage zu meinem ersten Therapiebesuch abwarte. Es ist erst einmal nur ein Beratungsgespräch. Ich bin aber echt super aufgeregt.
Ausreichende Erfahrungen in dem Gebiet sind jedenfalls laut eigenen Angaben vorhanden.
Ich habe meine Ernährung ein wenig angepasst. (gesünder und ausgewogener)
Ich bin gesegnet damit essen zu können was und wieviel ich möchte. Ich hoffe das bleibt auch so, wenn ich einen derartigen Eingriff in den Hormonhaushalt starte.
Wieso das Ganze?
Ein gesunder Geist und Körper sollen mir den maximalen Wohlfühlfaktor liefern.
Wenn mein Körper sich in der zweiten Pubertät verändert, dann sollte er nich noch zusätzlich mit Giftstoffen zu kämpfen haben.
In meinem Postfach habe ich die Bestätigung erhalten. Am 21.02. findet das erste persönliche Treffen mit meiner vermutlich zukünftigen Therapeutin statt.
Mein Magen verkrampft sich jetzt schon vor Aufregung. Zum Glück möchte mich eine Freundin bis zur Praxis begleiten. Dann kann ich auch keine kalten Füße bekommen und im letzten Moment die Flucht ergreifen.
Ich komme gerade aus der Uni, offiziell bin ich zum Ende des Wintersemester 2018/2019 exmatrikuliert.
Auf der einen Seite erleichtert auf der anderen traurig lief ich vor dem Gespräch im Sekretariat das letzte Mal ins Café 1, dem Dreh- und Angelpunkt für den Fachbereich meines Studiengangs.
Die gleiche Person welche mir seit drei Jahren morgens meinen Kaffee macht steht schon mit der Tasse in der Hand bereit.
Heute nehme ich mal einen Kaffee Crema zur Feier des Tages. Ich erzählte ihm, dass es heute der letzte Kaffee sei den ich hier trinken werde.
Wir redeten noch kurz über Gott und die Welt. Ein sympathischer und immer gut gelaunter Iraner. Ich werde ihn ein bisschen vermissen.
Komilitonen aus meiner Anfganszeit habe ich keine getroffen. Aber es ist auch Klausurenphase. Vorlesungen sind weitgehend beendet alle sind im Lernstress. Von den 120 Studenten sind auch nur noch eine Hand voll übrig. Seinen Abschluss hat noch keiner.
Auch in meinem Lebenslauf wird jetzt stehen "Ohne Abschluss". Das ist das erste Mal in meinem Leben in dem ich etwas was ich angefangen habe nicht beenden konnte. Es macht mich ein wenig traurig, aber ich darf mich davon nicht herunterziehen lassen.
Ende Eintrag 3
Euch ist sicherlich aufgefallen, dass mein Reisetagebuch hier mit dem dritten Eintrag beginnt.
Der Grund hierfür ist, dass auf der einen Seite meine Vorstellung hier schon gewisser Weise einen Eintrag darstellt.
Ich habe einen weiteren Punkt, der erst zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht wird. Es geht um die Veränderungen an meinem Körper. Ein "Vorher-Nachher - Vergleich" Eintrag 2 umfasst lediglich angaben zu meinen Körpermaßen zu allen relevanten Punkten.
Feedback ist gerne gesehen.
LG