R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen
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Lebensplanung, Standorte
Marlene K.
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R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

Post 1 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Nein, auch ich nicht, der Sie nie kennen gelernt hat

Vor zwei Jahren lernte ich die Frau kennen, für die mein Bruder in die Provinz von "¦ gezogen ist. Wir haben uns auf Anhieb verstanden, wohl auch weil wir beide mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, aber auch weil ich seit kurzem meine weibliche Seite zulasse.

Sie erzählt mir von ihrer Tochter, die sie immer noch mit "seinem" Taufnamen anspricht und von der Unfähigkeit, die Tochter zu sehen.
Sie erzählt von eigenem Missbrauch, Gewalt in der ersten Ehe und ihrem Weg zu sich selber. Davon, dass die Tochter in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt.

Später, bei einer Familienfeier, reden wir darüber, dass die Tochter Hormone nimmt und jetzt zeugungsunfähig ist. Noch immer nicht weiß ich wie sie heißt, die Tochter.
Vor drei Wochen ist die Tochter nicht aufzufinden. Ich weiß, dass sie schon Selbstmordversuche gemacht hat. Sie suchen nach dem Sohn und erst in zweiter Linie nach der Tochter.
Nur mein Bruder nennt sie wie sie heißt.

Heute die Nachricht, die ich in die Kopfzeile gesetzt habe.

Ich hoffe, mein Bruder kann seine Frau schützen. Ich hoffe, meine Schwägerin kann mich ertragen.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

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Re: R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

Post 2 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Guten Tag,

so etwas wühlt auf, weil diese Situation auch wieder eigenes Erleben oder Sein
wohl auch weil wir beide mit psychischen Problemen zu kämpfen haben
"aktualisiert" und in den Fokus rückt.
Ich hoffe, meine Schwägerin kann mich ertragen.
Das klingt nach Schuldgefühlen(?) - ich hoffe, Du kannst Dich davon frei machen und ihrfindet weiterhin zu einem guten Miteinander.

Herzliche Grüße
Anne-Mette
Marlene K.
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Re: R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

Post 3 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ich danke Dir, liebe Anne-Mette

Nein, Schuldgefühle habe ich genau wie jeder, der die Menschen kennt und liebt. Ich wünschte, ich hätte meine Erfahrungen teilen können, dass ist alles.

Meine Angst ist, dass alleine mein So Sein meiner Schwägerin ein stummer Vorwurf ist und sie mich deswegen nicht mehr erträgt.
Marlene

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Frieda
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Re: R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

Post 4 im Thema

Beitrag von Frieda »

Ralf!?
Du hast mein tiefes Mitgefühl!
Achte bitte gut auf dich und deine Gedanken, denn nicht alle Gedanken die wir denken sind immer richtig, vor allem die in Unwissenheit!!!

Ein etwas nachdenkliches Namaste🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*
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Re: R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

Post 5 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Ralf-Marlene,

mit dem Mitgefühl tue ich mich wegen meiner Sozialphobie aus der Rolle als Mann schwer. Aber die Sache berührt mich.

Ich frage mich gerade, ob es meine Mutter jemals fertig gebracht hätte mich als Nicole anzureden. Ich habe mich erst nach ihrem Tod geoutet. So hat sie nie erfahren, woran das Leben ihres "kleinen Söhnchens" (mit ü 50 !) am Ende zerbrach.

Ich kann nur hoffen, das es da nur eine Flucht und keinen Selbstmord gibt. Beim Gedanken an eine betreute Wohngemeinschaft wird mir schlecht. Also könnte ich Weglaufen und unter einer Brücke Schlafen als ein kleineres Übel ansehen. In diesem Sinne besteht vielleicht noch Hoffnung. Aber als Sohn will sie bestimmt nicht zurück kommen und wird weiter untertauchen.

Bei Deiner Schwägerin könnte es ähnlich sein, wie bei einem Nachbarn, der mich ums Verrecken nicht als Nicole ansprechen würde - aber der kann mich von mir aus "Rumpelstilzchen" nennen ("DAS R." mit non-binärem Pronomen :mrgreen: ) .

Liebe Grüße
Nicole
Marlene K.
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Re: R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

Post 6 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ihre Tochter ist gestern gefunden worden. Sie hat sich getötet.
Marlene

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Re: R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

Post 7 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ich danke Euch für die Anteilnahme und verzeiht, wenn ich heute brüsk wirke. Zu allem streikt mein PC und ich gehe jetzt über Palm.
Marlene

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Re: R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

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Beitrag von Céline »

Es tut mir so unendlich leid...
Bitte mach Dir keine Vorwürfe
LG
Kelly
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C.B.
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Re: R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

Post 9 im Thema

Beitrag von Frannie »

HI Ralf-Marlene!

Mein Beileid ... das ist so eine gequirlte Sch***e, daß es immer noch so viel Abneigung gibt, gerade wenn es in der eigenen Familie ist, wobei ich es der Mama auch nicht wirklich verdenken kann. Es kann halt nicht jeder damit umgehen. Ich hoffe für Dich, daß die Dame mit Dir weiterhin umgehen kann und sich nicht in Selbstvorwürfen ertränkt --- Fühl Dich mal ordentlich gedrückt von mir!
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Re: R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

Post 10 im Thema

Beitrag von Karla »

NEIN!!! - Wenn eine Mutter das eigene Kind aufgibt, nur weil es sich nicht in das heteronormative Weltbild einfügt...
quote=Frannie post_id=213663 time=1536947452 user_id=13264]
HI Ralf-Marlene!

Mein Beileid ... das ist so eine gequirlte Sch***e, daß es immer noch so viel Abneigung gibt, gerade wenn es in der eigenen Familie ist, wobei ich es der Mama auch nicht wirklich verdenken kann. Es kann halt nicht jeder damit umgehen. Ich hoffe für Dich, daß die Dame mit Dir weiterhin umgehen kann und sich nicht in Selbstvorwürfen ertränkt --- Fühl Dich mal ordentlich gedrückt von mir!
[/quote]
Diese Mutter hat nicht nur den Sohn verloren, sondern auch die Tochter, die sie hätte haben können und die die Hilfe ihrer Mutter dringend gebraucht hätte!!!
Zeugungsunfähig: ein paar Spermien hätte man rechtzeitig vorher einfrieren können.
@Ralf-Marlene:
Ich wünsche Euch allen, daß Deine Schwägerin ihre Schuld eingesteht und dennoch darunter nicht zerbricht!
Zu büßen und zu beichten hat sie allerdings einiges! (Und sollte sie "Demo für alle" auf den Leim gegangen sein, so muß sie sich unbequemen Fragen stellen - es gab Alternativen!)
LG Elly
Ein Leben ohne Möps(chen) ist möglich, aber sinnlos. (frei nach Loriot)
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Re: R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

Post 11 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ich verstehe die Reaktionen. Meine Schwägerin hat ihr Kind nie alleine gelassen oder aufgegeben. Dazu ist sie nicht der Mensch. Aber genau das ist sie: Ein Mensch.

Sie hat eigene Gefühle, Wünsche, Ängste. Sie hat ihrem Kind nicht helfen können. Aber auch hier fragt keiner nach dem Vater und dessen Verantwortung, die ich nicht kenne. Ich kenne nur sie, einen warmherzigen Menschen, der leidet.

Wir können alle nicht aus den Bildern unserer Kindheit, der Gesellschaft, heraus. Wir können nur nachdenken und uns mit und mit bewegen.
Marlene

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Re: R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

Post 12 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ich erinnere mich durch diese Selbsttoetung an die ganzen Verletzungen, die meine Eltern mir zugefügt haben, als ich mich mit 16 das erste mal zu outen versuchte. Ich, das brave, das funktionierende Kind.

Die Reaktionen waren so deutlich, dass ich mit 18 ausgezogen bin und mir nur gewünscht habe, den Kontakt abreißen zu lassen, um mich ohne sie zu verletzen, umzubringen.

Trotzdem habe ich meine Eltern immer geliebt und heute ist mein Vater ein echter Freund. Er hat sich bewegt, gelernt und sieht jetzt mich, wie ich bin.
Marlene

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Re: R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

Post 13 im Thema

Beitrag von Michi »

Hallo Ralf-Marlene,

mein aufrichtiges Mitgefühl für dich/euch zu diesem Verlust. (dr)

Ich weiß selbst, wie schlimm es sein kann, wenn man (ungeoutet) nur glaubt, dass man von seinen Eltern nicht so akzeptiert wird, wie man ist. Aber wie schlimm muss es erst sein, wenn man es dann tatsächlich so erleben muss?!

Das soll jetzt kein Vorwurf an sie werden, doch wenn deine Schwägerin ihr Kind nicht als das Mädchen akzeptiert hat, was sie war, dann trägt sie eine große Mitverantwortung an dessen Tod. Ich hoffe, sie lässt sich bei er Verarbeitung dessen helfen, um nicht daran zu zerbrechen, denn das würde nur weiteres Leid produzieren ... für deinen Bruder und wohl auch für dich.


Nachdenklich
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Marlene K.
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Re: R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

Post 14 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ja, diese Schuld muss sie aushalten.
Genau deswegen habe ich Angst, dass sie mein Sein nicht ertragen kann.
Auch für mich ist es ein gefühlsmäßiger Spagat.
Marlene

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Re: R. I. P. SohnTochter Keiner konnte ihr helfen

Post 15 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

In den nächsten Tagen wird Sie beerdigt. Die Familie meines Bruders fährt einige Tage später hin. Eine lange geplante Feier wurde wegen der Ereignisse abgesagt und diese überlagern alle Fröhlichkeit.
Ich danke Euch allen für Eure Unterstützung, die mir sehr viel bedeutet.
Marlene

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