Andrea aus Sachsen hat geschrieben: So 28. Jan 2018, 14:25
... Ich sehe das Hauptproblem allerdings nicht im Besuch eines wie auch immer gearteten Tanzkurses, sondern einen Partner zu finden, um das Gelernte danach mehr oder weniger regelmäßig praktizieren zu können. ...
Das dürfte der Kern des Problems sein. Alles andere dürfte keine allzu großen Schwierigkeiten bereiten. Wenn eine (lesbische) Frau allerdings gerne "gleichgeschlechtlich" tanzt, dürfte auch das leichter lösbar sein, bei dem Frauenüberschuß, der wahrscheinl an den meisten Tanzschulen herrscht.
Ähnliches ist mir bereits begegnet, als ich bei einer Volkstanzgruppe hier in Aue mal angefragt hatte, ob sie noch weitere Leute als Neueinsteiger suchen oder aufnehmen würden. Nachdem die Frau gesagt hatte, daß das derzeit nicht unbedingt der Fall sei, kam auch sofort der Einwand: "Und einen Mann müssen Sie schon selber mitbringen." Das wäre sowieso meine nächste Frage gewesen. Mit ihrer vorweg genommenen Antwort hatte sich das Ganze dann auch schon erledigt. (*)
Finde mal heutzutage einen Mann, der 1. Lust auf Volkstanz hat, 2. der nach Möglichkeit etwas größer als 1,75 m oder zumindest nicht viel kleiner ist (**), und 3. sich nicht scheut, mit einer Transfrau zum Tanz zu gehen und bei öffentlichen Aufführungen aufzuztreten.
Da es hier in der Gegend keine weitere deutsche Volkstanzgruppe mehr gibt, werde ich wohl nach Zwickau gehen müssen (nur 25 km), wo ich mich einer polnischen Volkstanzgruppe anschließen kann. Die Tänze sind ja mehr oder weniger die selben. Und die polnischen Trachten sind auch sehr schön. Und es sind anscheinend auch immer wieder mal genügend Interessenten da, daß man auch als alleinstehende Frau mitmachen kann.
Mal sehen, wann da wieder der nächste Kurs für Anfänger anfängt. Die Leiterin hat mir schon empfohlen, daß ich mich besser der "Seniorengruppe" anschließen sollte, wenn wieder eine zustande kommt. Nachdem ich mir mal eine Probe der Jugendgruppe (ca. 14 bis 20 Jahre) angeschaut hatte, und da am Rande auch immer wieder einige Schritte mitgetanzt hatte, habe ich ihr gesagt: "Das lewo - prawo -hopp" - bei dem die Mädchen mit Schwung auf Augenhöhe der Jungs hochspringen und angehoben werden und dann aus über 1 m Höhe wieder auf den Boden treffen, - sei allerdings nichts für meine Bandscheiben. Da meinte sie nur: "Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, daß die Seniorengruppe besser für Sie wäre." Als ich dann etwas säuerlich lächeln mußte, meinte sie - selber etwa in meinem Alter: "Wir sind alle noch jung. Aber diese hier haben noch mehr Kondition."
Ach ja, bei Trachtenfesten ist es schon mehrmals vorgekommen, daß eine der anderen Trachtenfrauen nach einiger Zeit sich angeboten hatten, mal eine Runde mit mir zu tanzen. "Ich sehe doch, daß du so gerne auch mal mittanzen würdest." Auch wenn das vlt eher aus Mitleid geschah, fand ich das dann doch sehr lieb und aufmerksam.
Einmal hat mich eine allerdings dann zu einer "Annemarie-Polka" aufs Glatteis - ääh ... auf den Tanzboden geführt.

Ich weiß nicht, ob sie vorher schon ahnte, daß ich diesen Tanz noch gar nicht kannte. Ich bin jedenfalls ganz schön ins Schwitzen gekommen - in voller Tracht, mit all dem durchaus auch wintergeeigneten Wollzeug an einem schwülwarmen Sommerabend. Aber nach ein paar Runden (das geht immer im Kreis herum) hatte ich die Schritte raus und es ging ganz gut - gerade noch rechtzeitig, bevor das Tempo immer schneller und schneller wurde.

Sie lachte nur und meinte: "Siehste, geht doch."
Sollte das mit einem geeigneten Tanzpartner allerdings über kurz oder lang nicht klappen, so blieben da verschiedene schöne Solotänze. So sind beim irischen und schottischen Volkstanz (Highlandtanz) und anderen Arten von Stepptanz sehr viele Tänze reine Solotänze (z.B. Jigs, Reels u.ä.). Selbst bei Gruppentänzen - egal ob nur Frauen / Männer oder gemischt - handelt es sich hier häufig um choreografierte Reihen- oder Kreistänze ohne Berührung der Tanzenden (wie z.B. Riverdance o.ä.). Das paßt auch gut bei russischer oder osteuropäischer Musik (Kasatschok u.ä.). Bei Konzerten u.ä. Veranstaltungen tanze ich so was sehr gerne.
Auch beim orientalischen Ausdruckstanz (auch bekannt als Bauchtanz) handelt es sich in der Regel um Solotänze. Bei Gruppentänzen sind es meist auch berührungsfreie Choreografien, wo jede das selbe tanzt. Das Problem mit den Tanzpartnern stellt sich hier auch nicht. Wenn sich nicht ausnahmsweise mal ein einzelner Mann in so einen Kurs verirrt, dann sind die Frauen meistens sowieso unter sich.
Ich mach das schon seit über 10 Jahren. Und ich hab immer noch Freude daran, obwohl meine Fortschritte angesichts dieser langen Zeit eigentlich nicht so toll sind. Aber das Üben hat auch zur Folge, daß meine Bewegungen auch bei anderen Tänzen ansehnlicher geworden sind. Und wenn man sich nicht an eine vorgegebene Choreografie halten muß oder will, dann bewegt man sich sowieso freier und gelöster und tanzt nur das, was man schon gut kann oder wozu man gerade Lust hat, oder improvisiert mit irgend etwas ganz neuem.
Ich mische sogar bisweilen gerne Bewegungen vom Stepptanz mit solchen vom orientalischen Tanz. Hat mir doch mal die Sängerin von einer Tanzkapelle gesagt: "Das macht mich ja ganz wuschig, wenn du da vor meiner Nase einen halben Bauchtanz aufführst."
Vielleicht ist ja auch das eine Lösung für die eine oder andere, um endlich mal außerhalb der eigenen 4 Wände zum Tanzen zu kommen. Dann zwar eben solo getanzt, aber eben doch unter vielen Leuten. Vom Disko-Tanz ist man das ja schon länger gewohnt. Und auch da sind die tanzenden Frauen ja meistens in der Überzahl.
liebe grüße
triona
zur Erläuterung:
*) Beim Volkstanz gibt es zwar auch reine Frauentänze und reine Männertänze. Und bei gemischten Kreis- oder Reihentänzen ist das Geschlecht der Tänzer oft nicht so wichtig, weil sich da immer eine mögliche Choreografie findet. Bei den Paartänzen hingegen ist es üblich, daß immer ein Mann mit einer Frau tanzt - zumindest bei öffentlichen Aufführungen. Auch wenn man hier mittlerweile selbst auf Trachtenfesten u.ä. immer häufiger Paare mit zwei Frauen bei überlieferten Paartänzen sieht, damit die Bühne nicht gar so leer aussieht. Vor allem in Deutschland sind tanzfreudige Männer leider äußerst selten. In vielen anderen Ländern ist das anscheinend (noch?) nicht ganz so krass.
**) Versuch mal einen Dreher mit Anfassen - wie z.B. bei Polka oder Dirndl-Draa'n, wenn der Mann einen Kopf kleiner ist als du. 