Am Scheideweg meines Lebens
Am Scheideweg meines Lebens

Lebensplanung, Standorte
Linalein

Am Scheideweg meines Lebens

Post 1 im Thema

Beitrag von Linalein »

Hallo liebe Freunde,

ich bitte euch darum mich meiner Sache anzunehmen, denn sonst kann ich mit
niemandem darüber Unterhalten. Deswegen bin ich hier. Zu aller erst, sorry das ich
mich noch nicht vorgestellt habe, aber das kommt bei Zeiten im "Vorstellungs" Forum.

Nun zu meinem Problem, zu der all umfassenden Frage die mich seit langem quält.
Einige von euch kennen dieses Gefühl vielleicht, andere wiederum nicht. Dieses (ich
nenne es mal "GEWISSEN" oder diese "SCHULDGEFÜHLE" die nach einiger Zeit immer
wieder aufkommen). Ich frage mich ob es normal ist was ich hier mache. Natürlich
ist daran nichts verkehrt, jedoch suggeriert unsere Gesellschaft etwas anderes.
Dieses Gefühl ein Crossdresser zu sein, von Gelegenheit zu Gelegenheit weibliche
Kleidung anzuziehen. Wie viel Geld nur schon all zu oft in den Sand gesetzt wurde,
weil neu erworbene Feinstrumpfhosen oder Kleider wieder mal gespendet wurden?

...ich bin kurz davor wieder zu versuchen davon loszukommen. Wie lange hält die Phase der Abstinenz?
Ich weiß es selbst nicht! Vielleicht Monate, wenn es gut läuft ein Jahr. Aber dann...
Etwas in mir verlangt nach dieser...Leidenschaft! Um es so simpel wie nur möglich
auszudrücken: Es fühlt sich so an wie notgeiler Sex mit einer X beliebigen Person,
wo man nach dem Höhepunkt denkt. "Was zum Teufel mache ich hier?!"
So in etwa, vielleicht auch etwas anders...

Kann man, kann Ich es schaffen, nie wieder dem Verlangen weibliche Kleidungstücke anzuziehen
zu entkommen? Oder ein Leben lang zu widerstehen?

Ich danke jedem schon einmal für seine Beteiligung, ihr seid echt meine letzte Station :?

MfG Lina :()b
Flora

Re: Am Scheideweg meines Lebens

Post 2 im Thema

Beitrag von Flora »

Hey Lina! (ki)

Beschreib das Gefühl nicht weiter. Ich kenne es genau. Und ich muss sagen, dass ich weiß, dass ich eigentlich ein Mädchen bin. Ich habe nur gedacht es ab und zu verdrängen zu müssen. Und das mit dem Klamotten Spenden kenne ich auch. Mehrfach. Das war immer der größte Fehler, den ich je getan habe! Ich belügte mich selbst, ignorierte wer ich bin und leugnete was ich werden will. Ich mach mir unheimlich viele Vorwürfe deswegen, weil ich mir nur Zeit geraubt habe. Noch bin ich sehr jung. Und nochmal passiert mir das nicht. Nur noch Schritte nach vorn. Kleine Schritte. Und alle zu ihrer Zeit. Aber niemals wieder ein Schritt zurück!

Wie es dir dabei genau in deinem Inneren geht, musst du wissen. Mir reißt es mein Herz und meine Seele aus, wenn ich nicht sein kann, wer ich bin.

Vielleicht hilft dir meine Erfahrung damit ja. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute für deine Zukunft. Und dass wir dir hier ein wenig helfen können. Wenn du reden willst, kannst du mir gern auch jederzeit eine PN schicken.

Bis dahin erstmal alles Gute. Du wirst deinen Weg gehen.

Deine Flora (flo)
Dolores59
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Re: Am Scheideweg meines Lebens

Post 3 im Thema

Beitrag von Dolores59 »

Hi Lina,

wenn es Dir ein echtes Bedürfnis ist Frauenkleidung zu tragen, solltest Du nicht dagegen ankämpfen. Anscheinend hast Du schon einige Versuche gestartet, von diesem Bedürfnis loszukommen und bist doch wieder bei Frauenkleidung gelandet. Versuche lieber einen Weg zu finden, wie Du das Crossdressen in Dein Leben integrieren kannst. Für das Tragen von weiblicher Kleidung musst Du Dir kein schlechtes Gewissen machen oder einreden lassen. Du tust nichts Verbotenes. Gleichwohl kenne ich auch solche Anwandlungen eines irgendwie gearteten Schuldgefühls. Dann ist es gut, sich vor Augen zu führen, dass Frauen ähnliche Probleme hatten, als sie vor über 100 Jahren mit dem Tragen von Hosen anfingen. Der gesellschaftliche Druck kann sehr hoch sein, weil Du etwas tust, dass nicht den allgemeinen Erwartungen entspricht. Das auszuhalten, darum kommst Du nicht herum. Aber es ist für Männer nicht verboten Röcke, Kleider, Feinstrumpfhosen usw. zu tragen. Und das nicht nur heimlich hinter verschlossenen Türen, sondern offen und frei und selbstverständlich.

Ein Auf und Ab* wie Du es schilderst, habe ich nicht erlebt. Wahrscheinlich deshalb, weil ich erst spät mit dem Crossdressen begonnen habe und nicht mehr der Jüngste bin. Auch habe ich viel Rückhalt in der Familie und die meisten Menschen haben sich nach ca. 3 Jahren daran gewöhnt.

*Aus Schilderungen anderer UserInnn weiß ich, dass dieses Hin und Her nicht ungewöhnlich ist. Lies die Erlebnisberichte und Lebensläufe aufmerksam durch und Du wirst Paralelen zu Deinem Werdegang finden. Und auch Lösungen.

LG
Dolores
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
(Psalm 139,14)
Linalein

Re: Am Scheideweg meines Lebens

Post 4 im Thema

Beitrag von Linalein »

Ich danke euch für die ausführlichen Antworten. Ich bin leicht verwirrt, weiß nicht was ich tun soll. Eigentlich dachte ich daran meine
Sachen die Tage zu "entsorgen", jedoch wie oben schon erwähnt, kommt es später nochmal wieder. Und dann fängt man wieder bei 0 an.
Vielleicht liegt es an der Erziehung, an der Sorge etwas unvernünftiges zu machen. In meinen recht jungen 20 Jahren beschäftige ich mich
schon seit der frühen Kindheit mit weiblicher Kleidung. Woher das kommt? Nun, da gab es schon einige Erlebnisse die vielleicht prägend
waren. Aber ich stehe auf das weibliche Geschlecht. Muss der Männerrolle nach außen hin gerecht werden, jedoch diese andere, weibliche
und zärtliche Seite nicht unterfordern. Diese Dinge zu managen ist...schwierig! Ich bin froh, dass es im Internet überhaupt solche Foren wie
dieses hier gibt. Da ist man unter Gleichgesinnten (smili)

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich noch zu Hause bei den Eltern leben (Ausbildung und co.) usw.
Vieles geschieht geheim und verschlossen. Das macht mir nichts aus, da habe ich meine Wege gefunden und perfektioniert!
Joe95
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Re: Am Scheideweg meines Lebens

Post 5 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Hallo Lina,
nicht nur dieses Forum ist voll mit Geschichten, die deiner ähnlich sind.
Ob sie nun zum x-ten mal ihre Strumpfhosen "entsorgt" haben weil man (oder gar sie selbst) ihnen Schuld und ein schlechtes Gewissen einredet, oder ob sie aus Angst vor der Zukunft, der Gesellschaft, um die Familie versuchen sich selbst zu verleugnen, das Prinzip ist das Gleiche.
Sie leiden drunter, und nicht nur sie selbst.
Hier im Forum findest du Beispiele dafür wie Persönlichkeiten änderten, die Leute unausstehlich wurden und Familien zu zerbrechen drohten weil jemand versuchte sich selbst zu unterdrücken.
Druck entsteht dabei, das lässt sich nicht leugnen. Auch nicht verhindern.
Aber reicht es nicht was an Druck von aussen kommt? Warum dir selber welchen machen?

Meine Meinung...
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...
Flora

Re: Am Scheideweg meines Lebens

Post 6 im Thema

Beitrag von Flora »

Joe das hast du traumhaft auf den Punkt gebracht. Es ist egal wie weit es in einem geht. Das Prinzip ist das gleiche.

Will ich in 50 Jahren über mich sagen dass ich mich mein ganzes Leben selbst geleugnet habe? Was in der Zeit auch zwangsläufig zu Problemen führt. Oder will ich in 50 Jahren sagen dass ich noch rechtzeitig endlich so wurde wie ich bin...
Nicoletta
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Re: Am Scheideweg meines Lebens

Post 7 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Hallo, Linalein,

ich vermute, dass die Mehrheit hier im Forum ähnliche Erfahrungen gesammelt hat. Dabei hast Du es noch gut, dass die heutigen Möglichkeiten mit Internet und natürlich diesem Forum Dir in jungen Jahren helfen können, Dich selbst zu verstehen. Als ich in Deinem Alter war, hatte ich ebenfalls diese Schuldgefühle, aber keine Erklärung für den Drang, es dennoch immer wieder zu tun. Ich war etwa 37, als ich erstmals in einem Buch auf das Stichwort Transsexualität stieß, habe aber die Diagnose sofort verdrängt, mich "heilen" wollen, in meinem Falle durch Hinwendung zu religiöser Strenge. Es gibt aber keine "Heilung". Heilen solltest Du Dich nur von Schuldgefühlen, indem Du Dich akzeptierst, wie Du bist. Ich bedaure noch heute, dass ich manches schöne Kleidungs- oder Schmuckstück nicht mehr habe, weil auch ich viele Male alles entsorgt habe und beschlossen, nun endlich ein "richtiger Mann" zu werden. Du solltest versuchen zu erkunden, wo Du wirklich stehst, welche Funktion die weibliche Kleidung für Dich hat. Genügt es Dir, von Zeit zu Zeit weibliche Kleidungsstücke zu tragen, oder drückst Du damit Deine eigentliche Identität aus? Vielleicht hilft es Dir auch, wenn Du Dich einer Freundin oder einem Freund gegenüber öffnen kannst, ist wahrscheinlich leichter als bei den Eltern. Dabei wäre eine gute Freundin wahrscheinlich die bessere Wahl; nicht nur wird sie es nicht als Verrat am angeborenen Geschlecht betrachten, denn für sie ist das weibliche Erleben ja selbstverständlich, sie könnte Dir auch in manchem behilflich sein, was Mädchen im Laufe ihres Lebens an weiblichen Fertigkeiten erworben haben, Dir aber vermutlich eher fehlt. Lass Dir Zeit, aber nicht zuviel, damit es Dir nicht geht wie vielen hier (mich eingeschlossen), die erst im Großvateralter akzeptieren, dass sie eigentlich eine Frau sind und dann nur noch bedauern können, Jahrzehnte in der falschen Rolle gelebt und manches Schöne versäumt zu haben. Alles Gute für Dich,

Nicoletta
Ne budi ono što si bio, postani to što jesi. -- Sei nicht, was du gewesen, werde, was du bist!
exuserin-2016-12-21

Re: Am Scheideweg meines Lebens

Post 8 im Thema

Beitrag von exuserin-2016-12-21 »

Hallo Linalein! (moin) (888) ,
herzlich willkommen und schön das du noch so jung bist!!
Du gehörst zu uns die genau so fühlen und denken. Ich habe vor ein paar Tagen ein Erlebniss einer Freundin(auch CD) geschrieben . Ich stelle dir unsere Unterhaltung mal in einem Link ein:
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Der Beginn:
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Ja der Fritz-Box Router ist kaputt, und ich bin gestern mit meiner Frau losgefahren und habe einen günstigen Laptop gekauft!! Funke dir die Nachricht jetzt über den Router meines Nachbarn Helmut . Bin im sehr Dankbar!!
Geht es dir besser? Bei uns ist alles gut ,obwohl es in den letzten zwei Tagen sehr gekriselt hat!!Ich nahm Soja-Pillen für die Möglichkeit des Brustwachstums! Kati hat sie gefunden in meinem Beisein.
War echt schlimm die Reaktion von ihr ,und ich war geschockt und erstmal sprachlos.Diese Heimlichkeiten und der Wunsch der eigenen natürlichen Brüste !Schlimm.Ich weiß nicht was mit mir los ist??? Ich habe soviel Inge in mir und ich verletzte dadurch meine Familie ohne Nach zu Denken. Nach dem ganzen Vorfall haben wir gestritten und Kati wollte eine Entscheidung von mir ,die ich ihr aber nicht geben konnte.Wir gingen ohne Worte zu Bett und am frühen Morgen habe ich meinen Sohn zu einem Freund nach Schermbeck(bei Bottrop)gefahren . 900 km hin und zurück zusammen und diese Ruhe im Auto ,ich war nur am "Hirnen". Wir waren kurz vor der Trennung,wie sie halt nicht leben kann mit einem "Mann" mit Brüsten!! Ich kann aber auch nicht ohne sie und meinen Kindern leben.
Ich habe mich für mine jetzige Situation entschieden und bleibe einfach der Crossdresser wie jetzt . Wir sprachen erst wieder ein Tag später miteinander ,sie stellte mich Morgends zur Rede und wollte mit mir reden .Ich war aber in dem Moment noch nicht bereit und wollte meine tägliche Wanderung absolvieren. Das tat ich auch und brachte dabei Frühstücksbrötchen mit. Ich sah meine Kati mit weinerlichen Augen und ich entschloss mich entgültig. Ich kramte meine versteckten Soja Tabletten raus und ging zu ihr ! Ich gab sie ihr in die Hand und weinte dabei ,sie zeitgleich mit mir . Und sie sagte zu mir "" ohne Worte ""!!! Ich , ja mein Schatz ,ohne Worte ,ich liebe dich und meine Kinder ,ich möchte euch nicht verlieren.
So wie es ist leben wir es jetzt. Hoffe ich liebe Andrea!Unser Leben ist nicht einfach!!

noch einer: Der zweite 2 Tage später
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Guten Morgen !!!
Mit meiner Kati und mir ist alles wieder in Ordnung!!Es war keine schöne Zeit ,ich fühlte mich total Elend.Das möchte ich nicht noch öfter so fühlen.Ist nicht schön und man fühlt sich wie eine Aussätzige mit Lebraerkrankung. Also einfach falsch auf dieser Welt. Das macht es ganz schön schwer und ich kämpfe gerade gegen Inge sodas der Dietmar noch eine Chance hat. Anders kann ich es nicht beschreiben ,momentan.
Es ist lieb von dir das du meine Facebookseite so rege besuchst ! Dafür habe ich sie eingerichtet. Nur für mein Ich als Inge. Meine Männerseite kennst du ja. Kati ihre wahrscheinlich auch.Ich habe auf deine Mails geantwortet und ich hoffe das es dir gut geht ?? Internet mäßig bin ich ein bisschen eingeschränkt! Die letzten zwei Monate sind uns 2 Lapis kaputt gegangen (Mainbord beschädigt,zu teuer) und der Router letzte Woche.Warten auf Ersatz aber die Post braucht eine Weile. Somit ist der feste PC nur zum spielen zu gebrauchen ,da er kein W-Lan unterstützt und über unseren Stick können wir keine Verbindung zu unserem Nachbarn herstellen. Ein PC ist mit meinem Sohn auf Reisen im Kohlenpott bei Essen. Jetzt habe ich dich wieder vollgelabbert . Ich habe dich lieb und denke an dich . Wünsche dir und deiner Partnerin eine schöne Woche und bleib bitte Gesund!
Bis dann deine Inge

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Das geht seit drei Jahre so,ich bin Familienvater von 6 Kinder ,und liebe meine Frau! Ich führe meine Gefühle seit meiner Kindheit und habe sie unterdrückt ,bis vor drei Jahre . Es wird schlimmer und ich kämpfe .
Du liebe Lina ,du bist noch jung und lass es nicht soweit kommen ,und stelle dich solange du nicht auch für andere Menschen mitentscheiden musst und wieder nicht du bist der du sein möchtest und wie du fühlst.
Ich denke in der Form wie Dolores und Joe95.
Wegschmeissen bringt nichts . Meine Frau hat meine Sachen verbrannt ! Und ich kaufte neue!!
Sie hat Angst mich in ihrem eigenen Geschlecht zu verlieren,da kann sie nicht mehr mit mir leben ,da sie nicht lesbisch ist . Ich schon. Horch in dich rein und dann frage dich ob du so weitermachen möchtest oder deine wahre Identität leben ,ohne andere Rechenschaft abgeben zu müssen oder Rücksicht zu nehmen . Jetzt hast du noch alle Bälle in der eigenen Hand !Später leider nicht mehr.
Drücke dir fest die Daumen und eine schöne Zukunft ,die deinem Leben entspricht.Ich weiß wie du fühlst :cry: :roll:
LG Inge )))(:
Zuletzt geändert von exuserin-2016-12-21 am Mi 17. Aug 2016, 06:18, insgesamt 1-mal geändert.
Linalein

Re: Am Scheideweg meines Lebens

Post 9 im Thema

Beitrag von Linalein »

Freut mich nicht allein zu sein, danke euch. Und danke für deinen ausführlichen Bericht Inge, sehr aufschlussreich.

Im Großen und Ganzen weiß ich nicht wo ich stehe. Der Drang meine verstauten Sachen zu entsorgen ist fast verschwunden. Ich weiß nicht woran das liegt,
ob an euren Posts, oder wer weiß was. Die Sache ist, dass ich nun...nehmen wir mal Beine rasieren als Beispiel. Zum Glück geht es auf den Herbst zu und
eine lange Hose (Jeans) ist eh das optimalste. Am Anfang, vor ca. 4 Jahren, als ich zum ersten Mal komplett meine Beine rasiert habe, da war so ein
beklemmendes Gefühl da. Doch irgendwie ganz schön (ihr wisst sicherlich was ich meine) aber es fühlte sich etwas nun, fremd oder anders an.
Ich habe mich daran aber gewöhnt und merke es noch kaum. Natürlich spürt man es schon gelegentlich, aber da war nicht mehr diese "Innere Stimme" die
sagt: "Du bist in der Öffentlichkeit als Kerl und hast rasierte Beine unter der Hose, schäm dich!" Naja, nicht ganz so drastisch, aber so in der Art.
Für die perfekte weibliche Verwandlung sind auch bestimmte körperliche Rundungen notwendig. Da mir vor einem Jahr Luftballons oder Klopapier
(ja, ich weiß :roll: ) auf die Nerven gingen und ich einfach etwas authentischeres brauchte, habe ich mir zwei hochwertige Silikonbusen gekauft.
Die sich übrigens echt klasse und gut anfühlen! Da die nicht ganz günstig waren, überlegt man es sich gleich zwei mal, ob man sie in die Tonne drückt.
Wie bereits erwähnt, vor ein paar Tagen habe ich mich richtig hilflos und falsch gefühlt, ich wusste einfach nicht mehr weiter...

Könntet ihr mir vielleicht noch etwas beantworten? Ich weiß, wir sind keine Psychologen, aber wir haben eine Gemeinsamkeit, wir verstehen uns einander!
Woher kommt eigentlich dieser Drang nach der Weiblichkeit, nach weiblichen Produkten? Ist es einfach nur ein Fetisch, eine Spielerei um dem Alltag zu entfliehen,
oder ist da vielleicht doch mehr dahinter?

LG, Lina.
Inga
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Re: Am Scheideweg meines Lebens

Post 10 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Lina,

schade, dass du dich noch nicht kurz vorgestellt hast. Es würde leichter machen, dir zu antworten. So muss ich alles aus deinen Beiträgen "zwischen den Zeilen" heraus suchen. Ratschläge zu geben sind da sehr schwer.

Wie auch immer, ich glaube, du hast einen wichtigen Schritt gemacht, dich hier im Forum anzumelden und den Kontakt mit mehr oder weniger Gleichgesinnten aufzunehmen. Vielleicht gibt es in deiner Nähe auch einen Stammtisch oder eine Selbsthilfegruppe, wo du dich regelmäßig austauschen kannst oder kannst um Himmelfahrt zum Jahrestreffen nach Berlin kommen. Der persönliche Austausch miteinander hilft fürs eigene Wohlbefinden ungemein!

CrossDressing ist meiner Meinung nach nicht so sehr ein Hobby, was man mal eine Zeitlang verfolgt und dann wieder sein lässt. Cross Dressing ist eine Leidenschaft, die man höchstens unterdrücken kann und immer wieder hervor kommt und ausgelebt werden möchte. Was sich sonst noch daraus entwickelt, wer weiß. Da ist keine Eile geboten.

Klamotten würde ich an deiner Stelle nicht wegwerfen oder spenden, sondern eher in einem Koffer auf dem Dachboden bunkern, wenn du glaubst, dich aus welchen Gründen auch immer von allem trennen zu müssen. Alle Erfahrung spricht dafür, dass du mehr oder weniger häufig gerne Frauenkleidung tragen magst und es eher eine Frage ist, wie du es ins übrige Leben integrieren kannst. Wenn du hier durchs Forum stöberst, wirst du viele unterschiedliche Beispiele finden, aber auch Entwicklungen von Leuten über die Jahre finden.

Ich meinerseits habe viele Kleidung und manche Paar Schuhe aus der Damenabteilung, die ich sowohl im Frauenmodus als auch im Männermodus trage. Ich bezeichne sie eher als "androgyne Kleidung". Etwa Hosen,T-Shirts, Strickjacken, Anoraks. Es wird dir so selbstverständlich, eben auch Frauenkleidung im Alltag zu tragen, dass du darüber nicht nachdenkst.

Daneben mache ich mich gerne mehrere Tage im Monat bewusst als Frau zurecht, trage dann auch gerne feminine Kleidung wie Röcke oder Kleidung, Perücke und Silikonbusen, etc. und schminke mich. Manchmal ist auch ein androgynes Kleidungsstück dabei, die dann ganz anders wirkt. Das allerdings bisher nicht im Alltag bzw. nur, wenn ich allein zuhause bin.

Wie auch immer, ich hoffe, du findest für dich einen guten Weg, mit deiner Leidenschaft umzugehen, ohne sie zu unterdrücken.

Liebe Grüße
Inga
Simone 65
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Re: Am Scheideweg meines Lebens

Post 11 im Thema

Beitrag von Simone 65 »

Hallo Linalein. Ich habe mich 40 Jahre versteckt. Es gab Jahre ,da konnte ich aus äußeren Zwängen keine Frauensachen anziehen. Ich hatte nur meine Phantasie. Selbst zu der Zeit konnte ich nicht loslassen. Dieses Jahr ist Simone mit aller Macht rausgebrochen . Ich erlebe jetzt Sachen , ohne Ihr , ohne Simone gäbe das nicht Die weibliche Seite verdrängen , das wird nicht funktionieren. Wohin dein Weg geht , wer weiss ? Liebe Grüsse Simone
Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .
steffiSH
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Re: Am Scheideweg meines Lebens

Post 12 im Thema

Beitrag von steffiSH »

Linalein hat geschrieben: Eigentlich dachte ich daran meine Sachen die Tage zu "entsorgen", jedoch wie oben schon erwähnt, kommt es später nochmal wieder. Und dann fängt man wieder bei 0 an.
Genau ! Wieviele schöne Sachen hatte ich schon mal und mußte sie mir später wieder kaufen - stehe die Zeit in der Du keine Lust hast einfach durch und schmeiß'nix weg, die Lust kommt wieder - versprochen!
Gruß,
steffi
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-Mia-
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Re: Am Scheideweg meines Lebens

Post 13 im Thema

Beitrag von -Mia- »

Hey Linalein (moin)

es wurde ja schon viel gesagt , viel kann ich da jetzt auch nicht mehr zu beisteuern, aber als ich das mit dem Beine rasieren gelesen habe von dir ,kam mir das sehr bekannt vor. Ich wollte damals als meine Körperhaare anfingen zu sprießen auch los werden und habe das auch mit meinen Eltern kommuniziert, aber sie sagen auch ,ein Mann muss Haare haben am Körper! Und so hab ich dann auf mich einreden lassen und bin von dem Gedanken erstmal los gekommen mir die Haare zu entfernen oder zu Rasieren. Aber gestört habe die mich immer! Bis heute kann ich das nicht wirklich nach vollziehen wiso ein Mann Körperbehaarung braucht, ich finde es sieht ungepflegt aus. Heute bin ich 36 und wider Single und ich habe keinen der mir in den Ohren hängt das ich die stehen lassen soll. Jetzt machen ich kurzen Prozess mit denen und lasse alle weg Lasern. Ich habe aber auch niemanden von meiner Entscheidung erzählt da ich nicht wider beeinflusst werden will.
Was ich damit sagen will rasier dir ruhig die Beine ,Arme what ever , es ist dein Körper und du musst dich wohl fühlen!

LG Mia ))):s
Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.
ab08
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Re: Am Scheideweg meines Lebens

Post 14 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo Lina,

Du stehst am Anfang Deines Lebens, kannst also Fehler, die ich (heute fast 66) machte, vielleicht vermeiden.

Bitte beherzige den Rat:
Du kannst vor Dir selber nicht weglaufen. - Hör in Dich hinein und versuche Dich & Deine Bedürfnisse zu verstehen.
SCHULDGEFÜHLE und Ähnliches sind da schlechte Ratgeber. Gesellschaftliche Normen sind sicher für ein funktionieres Gemeinwesen wichtig. Der /die Einzelne muss aber prüfen, ob es für ihn/sie persönlich richtig ist, den Normen zu folgen...

Ganz liebe Grüße
Andrea, )))(:

die sich Jahrzehnte verbog, bis sie 2003 lebensbedrohlich erkrankte. :oops:
Erst dann das CO vorbereitete --> CO 2008 und gesund.
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
Magdalena
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Re: Am Scheideweg meines Lebens

Post 15 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo Lina,

ich kenne das Gefühl, welches Du beschreibst. Weil auch ich es so erlebt habe. Heute kann ich für mich sagen, das Verlangen nach weiblicher Kleidung ist zwar in verschieden Phasen unterschiedlich stark ausgeprägt. Aber es ist nie ganz verschwunden. Ich sehe es heute als Bereicherung meines Lebens an, da sich mir auch so neue Einblicke und Sicht- und Lebensweisen offen stehen. Früher war ich meist mit mir und der Welt nicht zufrieden, heute bin ich ausgeglichener, da ich entscheide was ich tragen möchte. Sicher bis dahin war und ist auch der Weg nicht leicht. Doch je mehr Du ausstahlst, wie und was Du bist und nicht gleich von negativen Rückschlägen beeinflussen lässt, um so mehr glaube ich, wirst Du auch ernst genommen, so wie Du bist. Sicher vieleicht nicht von jedem, hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Einige Freunde werden Deinen Weg nicht mitgehen, dafür werden aber neue Freunde und Freundinnen folgen und Dir zur Seite stehen.

Viele Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.
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