"Transfreundliche" Berufe
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JaquelineL
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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 1 im Thema

Beitrag von JaquelineL »

Hallo Sara,

wenngleich ich wahrscheinlich nicht gerade im "mainstream" mit dieser Meinung liege, halte ich alle Berufsgruppen mit Entscheidungsgewalt für sehr trans*-geeignet (wenngleich auf den ersten Blick nicht unbedingt transfreundlich). Also Geschäftsführer, Vorstände, obere Abteilungsleiter. Wer, wenn nicht diese Leute, haben die Möglichkeit, ohne Druck von oben zu ihrem Trans-sein zu stehen?

Das Gegenargument mag sein, dass man in dieser Position viel Verantwortung für Andere (Mitarbeiter) habe. Da ist was dran und ich werde das bspw. nicht in einer Phase austesten, in der sowieso berufliche Instabilität das Geschehnisse prägt. Aber dennoch denke ich, dass zumindest grundsätzlich genügend "Akzeptanz" (oder Ignoranz oder Möglichkeiten, an diesem Sonderstatus vorbei zu arbeiten) vorhanden ist, um den Einfluss auf das Unternehmen handhabbar zu halten.

Was den ÖD angeht, habe ich zwar davon gehört, dass der Job nicht gerade durch's coming-out gefährdet sei, aber das berufliche Fortkommen danach durchaus ein Ende finden kann. Dass man vor einem solchen Hintergrund von "transfreundlich" reden kann, finde ich nicht.

Liebe Grüße
Jackie
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ab08
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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 2 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo Sara,

vorab bin ich natürlich der Meinung, dass jede/jeder sich den Beruf wählen sollte, der zu ihr/ihm passt. Im Laufe der Zeit sollte "Transfreundlichkeit" überall gegeben sein.Wenn genügend Menschen es offen leben, erwarte ich diese Entwicklung.
Aktuell ist es einigen Bereichen sicher einfacher: Friseure, Kosmetik, künsterlerische Berufe,.. auch im IT-Bereich scheint es gut zu klappen...

Bzgl. öffentlicher Dienst (bin ja Gymnasiallehrerin):
Bei mir -> Trotz diverser Schwierigkeiten klappte es einigermaßen. - Aber die 'Karriere' kam zum Stillstand. - Obwohl objektiv das CO die Möglichkeiten, also die Fachkompetenz, steigerte: Die Schüler merkten das sofort. Ihr Einsatz und daher auch ihre schulischen Leistungen stiegen. Es gab deutlich mehr Interesse am Fach und gute Noten (z.B. im Abitur) - Bei privaten Problemen war ich plötzlich als Ansprechpartnerin gefragt...

Zurück zur Frage
- Aufgrund meiner doch sehr beschränkten Kenntnisse, trau ich mir eine umfassende Analyse nicht zu :oops:

Liebe Grüße
Andrea
Zuletzt geändert von ab08 am So 10. Jul 2016, 10:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 3 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,

Ich denke, dass das die falsche Frage ist. Wenn jemand für eine Aufgabe kompetent und geeignet ist, dann ist es egal, ob die Person männlich, weiblich, Intersexuell, transsexuell, behindert, schwarz, weiß oder was auch immer ist.

Es ist sicher interessant zu untersuchen, in welchen Berufsgruppen Transsexuelle auf keine oder nur wenige Probleme stoßen. Aber diese Berufsgruppen dann als "transfreundlich" oder "transgeeignet" zu bezeichnen, geht in die falsche Richtung. Damit findet wieder so eine Normierung wie mit den sogenannten Frauenberufen statt. Das wird nun wirklich nicht gebraucht.

Niemand sollte solche Begrenzungen akzeptieren. Und wenn wir uns hier damit beschäftigen, dann errichten wir Grenzen in unseren Köpfen, die uns dann nur daran hindern, unser Leben so zu leben, wie wir es möchten und es uns gut tut.

Liebe Grüße

Anke
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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 4 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

Guten morgen ihr Lieben,
den ersten Satz von Anke "... dann ist es egal, ob die Person männlich, weiblich, Intersexuell, transsexuell, behindert, schwarz, weiß oder was auch immer ist..." möchte ich mal dahingehend verändern, dass es egal sein sollte...
Leider ist in meinen Augen die Gesellschaft noch nicht so weit.
Auch bin ich der Meinung, dass man das nicht bzw. nicht nur an Branchen festmachen kann, sondern immer auch die dahinterstehenden Menschen im Blickfeld haben muss. In meiner Behörde z.B gibt es eine Offenheit für LGBTTIQ-Themen, weil meine Bürgermeisterin sich da sehr engagiert. Das sagt aber noch lange nichts darüber aus, wie Gruppenleiter xy oder Sachbearbeiter yx damit umgehen. Von Bundesministerien würde ich diese Offenheit per se nicht behaupten, aber auch da gilt natürlich wieder mein oben geschriebenes.

Liebe Grüße aus Cuxhaven (gleich geht es ins Watt)
Svetlana
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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 5 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

JaquelineL hat geschrieben:

Was den ÖD angeht, habe ich zwar davon gehört, dass der Job nicht gerade durch's coming-out gefährdet sei, aber das berufliche Fortkommen danach durchaus ein Ende finden kann. Dass man vor einem solchen Hintergrund von "transfreundlich" reden kann, finde ich nicht.
Liebe Grüße
Jackie
Sehe ich etwas anders als Jackie. Im letzten Jahr wurde ich trotz meiner Transsexualität vom "gehobenen Dienst" in den "höheren Dienst" befördert. Gut, die Wartezeit war wie bei allen anderen Beförderungen auch nicht gerade kurz bemessen bei runden acht Jahren in der letzten Stufe des g.D.
Aber alle in meiner Dienststelle kennen mich als Frau und das Arbeitsverhältnis untereinander ist einfach prima.
Wie es mit Beförderung(en) als "CD" aussehen würde, weiß ich nicht.
LG
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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 6 im Thema

Beitrag von Jenniffer63 »

Hm ...

die Frage ist gut und grundsätzlich sollte jeder und jede jeden Beruf ausüben können.
Am einfachsten ist es sicherlich, wenn du selbstständig, dein eigener Chef bist. Als Einfrau-Betrieb kannst du schließlich tun und lassen was du willst.

Und selbst Mitarbeiter_innen werden sich kaum Ihrer eigenen Chefin gegenüber negativ äußern, denn schließlich werden die Brötchen hier verdient.

Im Profisport, Explorer hat's schon geschrieben, bedeutet das das AUS (Beispiele gibt's genügend).

Aber was ist mit den vielen, vielen anderen , die irgendwo dazwischen liegen? Ich denke es ist weniger eine Frage des Berufsbildes als vielmehr eine Frage der Toleranz und Akzeptanz, so wie andere mit denen du ja zusammen arbeiten musst, dich als Mensch akzeptieren. Spannungen am Arbeitsplatz mindern die Arbeitsleistung. Die Kraft, die du für Stressabbau aufbringen musst steht schließlich der Firma nicht zur Verfügung. Jeder Chef weiß das oder sollte es zumindest wissen. und es ist natürlich immer einfacher, einen allgemeinen Störfaktor zu entfernen als für Toleranz am Arbeitsplatz zu sorgen.
Unsere spezielle Lebenssituation ist da ja nur ein zugegebenermaßen auffälliges Beispiel.

Ich denke einfach, man kann diese Frage nicht nach Berufsfeldern beantworten. Natürlich gibt es Berufe die bevorzugt von toleranteren Mensch ausgeübt werden, aber das ist kein Gesetz nach meinem Wissensstand.

Wir sind Menschen wie alle anderen und wo Menschen wie im Berufsleben zusammenarbeiten, kommt es auf den Menschen an, viel weniger auf den Beruf selbst.

so denke ich darüber.

Liebe Grüße
Jenniffer
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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 7 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,
Explorer hat geschrieben:De facto wird es aber oft anders sein. Da wird es noch einige Vorkämpfer(innen) geben müssen. Aber ich finde es auf persönlicher Ebene auch legitim, wenn jemand für sich diese Vorkämpferrolle ablehnt: Manche Menschen haben schon mit genug Windmühlen zu kämpfen, und so einen Kampf sollte man nur antreten, wenn man auch die Kraft dazu hat.
das ist sicher richtig. Allerdings in Bezug auf Transsexualität auch ein wenig theoretisch. Denn wer sich entschlossen hat den Weg zu gehen, der ist natürlich in der Regel mit einem beruflichen Outing konfrontiert. Da wird Frau eher unfreiwillig zur Vorkämpferin.

Bei CD's sieht die Welt natürlich anders, da kann ich gut nachvollziehen, das jemand diesem potentiellen Konflikt aus dem Weg geht. Das möchte ich auch nicht kritisieren. Es Ist aber trotzdem schade, denn je mehr sich das zutrauen, desto eher wird es akzeptierte Realität.

Und die Frage sollte auch erlaubt sein, ob die Grenzen immer in der Realität oder oft in den Köpfen der Betroffenen liegen.
den ersten Satz von Anke "... dann ist es egal, ob die Person männlich, weiblich, Intersexuell, transsexuell, behindert, schwarz, weiß oder was auch immer ist..." möchte ich mal dahingehend verändern, dass es egal sein sollte...
Leider ist in meinen Augen die Gesellschaft noch nicht so weit.
So habe ich es auch gemeint. Wobei ich wiederum den letzten Satz verändern würde in: Leider sind Teile der Gesellschaft noch nicht so weit.

Liebe Grüße

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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 8 im Thema

Beitrag von Lina »

Natuerlich koennen T ihre Faehigkeiten in jeden Beruf einbringen.
Wie einige hier behaupten.
Abee zu verleugnen, dass das Umfeld extrem wichtig ist, waere doch absoluter Quatsch.
Es ist doch z.B. klar, dass die Akzeptanz wesentlich deutlicher vorhanden ist inde kreativen Berufen.
Und dann hat man vermutlich auch in einigen Berufen einen gewissen realen und nicht nur theoretischen Schutz durch die Gesetze. Im Oeffentlichen Dienst z.B.

Aber letztendlich haengt es auch wesentlich davon ab, wie man sich verkauft.
Als Mann einen Job in einem klassischen Frauenberuf zu finden ist auch nicht leicht und war fruueher noch schwieriger. In die Richtung hielten es selbst Behoerden es fuer voellig ok, die geltenden Gesetze zu ignorieren.
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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 9 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,
Lina hat geschrieben:Natuerlich koennen T ihre Faehigkeiten in jeden Beruf einbringen.
Wie einige hier behaupten.
Abee zu verleugnen, dass das Umfeld extrem wichtig ist, waere doch absoluter Quatsch.
Hat ja auch niemand verleugnet. Wobei ich mit der Vokabel "extrem" auch eher vorsichtig wäre.
Lina hat geschrieben:Es ist doch z.B. klar, dass die Akzeptanz wesentlich deutlicher vorhanden ist inde kreativen Berufen.
Wieso ist das klar? Das ist allenfalls eine Vermutung, einen empirischen Nachweis habe ich dazu noch nicht gesehen. Ich kenne ein paar (professionelle) Musiker, die ich jetzt einfach mal zu den sogenannten Kreativen zähle, die sind ganz schön engstirnig. Ich selbst arbeite in einer Welt voll mit Ingenieuren, Informatikern, Kaufleuten und Juristen. Die Akzeptanz die ich erfahre, ist wirklich vorbildlich.

Ich finde den Denkansatz eben falsch, zwischen transfreundlichen und transunfreundlichen Berufen zu unterscheiden. Damit bauen wir uns nur selbst Beschränkungen im Kopf auf, die uns dann irgendwann im Wege stehen. Und ich glaube auch nicht, dass es wirklich belegbare Unterschiede gibt. Ich glaube vielmehr, dass wenn es zu Schwierigkeiten im beruflichen Umfeld kommt, dass das nur sehr wenig mit den Berufen und sehr viel mit Unternehmenskultur und den jeweils handelnden Einzelpersonen zu tun hat.

Liebe Grüße

Anke
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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 10 im Thema

Beitrag von Lina »

Anke hat geschrieben:Hallo,
Lina hat geschrieben:Natuerlich koennen T ihre Faehigkeiten in jeden Beruf einbringen.
Wie einige hier behaupten.
Abee zu verleugnen, dass das Umfeld extrem wichtig ist, waere doch absoluter Quatsch.
Hat ja auch niemand verleugnet. Wobei ich mit der Vokabel "extrem" auch eher vorsichtig wäre.
Lina hat geschrieben:Es ist doch z.B. klar, dass die Akzeptanz wesentlich deutlicher vorhanden ist inde kreativen Berufen.
Wieso ist das klar? Das ist allenfalls eine Vermutung, einen empirischen Nachweis habe ich dazu noch nicht gesehen. Ich kenne ein paar (professionelle) Musiker, die ich jetzt einfach mal zu den sogenannten Kreativen zähle, die sind ganz schön engstirnig. Ich selbst arbeite in einer Welt voll mit Ingenieuren, Informatikern, Kaufleuten und Juristen. Die Akzeptanz die ich erfahre, ist wirklich vorbildlich.

Ich finde den Denkansatz eben falsch, zwischen transfreundlichen und transunfreundlichen Berufen zu unterscheiden. Damit bauen wir uns nur selbst Beschränkungen im Kopf auf, die uns dann irgendwann im Wege stehen. Und ich glaube auch nicht, dass es wirklich belegbare Unterschiede gibt. Ich glaube vielmehr, dass wenn es zu Schwierigkeiten im beruflichen Umfeld kommt, dass das nur sehr wenig mit den Berufen und sehr viel mit Unternehmenskultur und den jeweils handelnden Einzelpersonen zu tun hat.

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Anke
Das ist ziemlich klar, weil Kreative ohnehin sehr individualistisch sein müssen. Empirischer Nachweis - heißt im Prinzip auch nichs mehr als etwas, was auf Erfahrung basiert ist ... well, das ist zumindet meine Erfahrung. Scheinbar nicht nur meine. Der Peter Großer (Gründer/Inhaber von der Agentur "Größer" - Urheber des beflügelten Wortes "unkaputtbar"), ehemaliger Kollege von mir, hat es mal anders ausgedrückt: "In einer Werbeagentur muss es doch immer einen Schwulen geben. Gibt es doch immer - wer ist es eigentlich hier ...?"
Architekten fallen vielleicht aus dem Rahmen, weil ein Großteil ihrer Arbeit mehr mit Beziehungspflege im Golfclub zu tun hat als mit Kreativität.
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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 11 im Thema

Beitrag von Elfy Adorabella »

Ich denke es kommt immer auch auf die anderen Mitarbeiter und das Team an, dann ist es erst mal egal welche Branche. Aber ich denke auch dass man in der Selbständigkeit die besseren Karten hat da man sich nicht in die Abhängigkeit von Personalern und Teammitgliedern begibt, die möglicherweise doch nicht damit umgehen können auch wenn sie es denken...davon hören und damit konfrontiert zu werden ist eben immer noch zweierlei. Ich hatte gerade einen neuen Job gefunden, war extra quer durch Deutschland gezogen für nix und wieder nix, da sie mir nach 6 Wochen wieder gekündigt haben - und natürlich andere Gründe angeführt haben als die Trans Thematik. Sie kamen mit mir nicht zurecht auch wenn sie es eigentlich versuchen wollten.
Man lernt immer wieder was neues...
So bin ich nun dabei, mir was eigenes aufzubauen auch wenn das wohl alles schwierig und langwierig werden wird aber was soll ich sonst machen..
Alles nicht so leicht....
LG
Elfy
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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 12 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,
Lina hat geschrieben: Das ist ziemlich klar, weil Kreative ohnehin sehr individualistisch sein müssen.
Interessante Schlussfolgerung, ich bin da etwas skeptisch. Meine persönliche Erfahrung ist, dass starker Individualismus nicht selten mit einem gehörigen Maß an Intoleranz einher geht.
Lina hat geschrieben:Empirischer Nachweis - heißt im Prinzip auch nichs mehr als etwas, was auf Erfahrung basiert ist ... well, das ist zumindet meine Erfahrung.
Das ist eben nicht das selbe. (Persönliche) Erfahrung führt zu einer Hypothese, die dann mit Mittel der Empirie überprüft wird.
Lina hat geschrieben:Scheinbar nicht nur meine. Der Peter Großer (Gründer/Inhaber von der Agentur "Größer" - Urheber des beflügelten Wortes "unkaputtbar"), ehemaliger Kollege von mir, hat es mal anders ausgedrückt: "In einer Werbeagentur muss es doch immer einen Schwulen geben. Gibt es doch immer - wer ist es eigentlich hier ...?"
Architekten fallen vielleicht aus dem Rahmen, weil ein Großteil ihrer Arbeit mehr mit Beziehungspflege im Golfclub zu tun hat als mit Kreativität.
Wie es in einer Werbeagentur aussieht kann ich nicht beurteilen, auch wenn ich hin und wieder mal mit einer zusammen gearbeitet habe. Aber ich nehme Lina einfach mal ab, dass die Akzeptanz und Toleranz dort tendenziell hoch ist. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie anderswo automatisch niedriger ist.

Und damit bin ich hoffentlich wieder beim Thema. Die Eingangsfrage war ja, was sind transfreundliche Berufe. Das lässt sich oberflächlich leicht beantworten. Den Kreativen wird sowieso mehr Freiraum zugestanden und ein Softwareentwickler, der den ganzen Tag vor seinem Computer sitzt und sich davor nur weg bewegt, um die sprichwörtliche Pizza in Empfang zu nehmen und auf die Toilette zu gehen, der fällt sowieso nicht weiter auf. Das lässt sich dann sicher weiterspinnen.

Doch ich finde es gefährlich so zu denken. Denn es legt den Schluss nahe, dass beispielsweise ein transsexueller Mensch eben nur diese Berufe ausüben sollte. Das kann es nicht sein. Ich selbst sehe mich weder in einer Werbeagentur noch in de Softwareentwicklung. Und ich habe diese Berufe eben auch nicht gewählt, weil das einfach nichts für mich ist. Ich arbeite im Vertrieb, weil das mein Ding ist, mir Spaß macht und mir auch liegt.

Vielleicht ist auch der Grund, warum ich hier so vehement schreibe, dass ich nach meinem Outing des Öfteren gefragt wurde, ob ich denn zu Kunden gehe. Natürlich tue ich das und ich sehe auch überhaupt keinen Grund, es nicht zu tun. Damit ist mein Beruf genauso transfreundlich, wie der in einer Werbeagentur oder in de Softwareentwicklung.

Liebe Grüße

Anke
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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 13 im Thema

Beitrag von ab08 »

Anke hat geschrieben:Ich glaube vielmehr, dass wenn es zu Schwierigkeiten im beruflichen Umfeld kommt, dass das nur sehr wenig mit den Berufen und sehr viel mit Unternehmenskultur und den jeweils handelnden Einzelpersonen zu tun hat.
Danke, liebe Anke,

das deckt sich mit meinen Erfahrungen! Auch wenn ich in Gesprächen von Schwierigkeiten erfahre, höre ich oft von anderen, die in der gleichen Branche tätig sind, dass es da problemlos klappt.
Es liegt meist an einzelnen Zeitgenossen, die ein enges Weltbild haben und entsprechend reagieren. --> Gilt übrigens auch im Bereich "Schule", da hatte ich persönlich durch spezielle Umstände einfach Pech.

Zu Deinem nächsten Beitrag
Anke hat geschrieben:dass ich nach meinem Outing des Öfteren gefragt wurde, ob ich denn zu Kunden gehe.
:lol: Diese Art von Fragen kommt mir sehr bekannt vor. :wink:
Bei mir klingt das dann meist so "Wie reagieren da Schüler?"
Die Frage kommt bei mir sehr häufig. Daher ging ich in meinem letzten Beitrag mal näher darauf ein...

Liebe Grüße
Andrea

P.S. Unterricht, Schulaufgaben usw. da unterscheide ich mich wahrscheinlich wenig von meinen Kolleginnen und Kollegen. Der Mensch änderte sich durch das CO ja nicht.
Allerdings bin ich heute im Punkt (Geschlecht) ehrlich. - Heute wissen alle über diesen Teilaspekt (TS) meiner Person halt Bescheid.
Wahrscheinlich bin ich heute auch entspannter als früher und kann so besser auf Probleme der Schüler eingehen. --> Das spielt sicher eine entscheidende Rolle und erleichtert Schülern das Verständnis.
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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 14 im Thema

Beitrag von Anke »

Lili Elbe hat geschrieben:
Jenniffer63 hat geschrieben: Jeder Chef weiß das oder sollte es zumindest wissen. und es ist natürlich immer einfacher, einen allgemeinen Störfaktor zu entfernen als für Toleranz am Arbeitsplatz zu sorgen.
Du kannst Toleranz nicht erzwingen. Angenommen bei 5 langjährigen Mitarbeitern macht 1er oder 2e Stress, wegen deiner Transsexualität. Die Beiden werden ganz sicher nicht gekündigt, weil eine Person und dann noch ganz frisch im Team gemobbt wird, sondern du als "Störfaktor" wirst entfernt oder erst gar nicht eingestellt, sofern der Chef weiß, wie seine Mitarbeiter ticken und du Unruhe reinbringen könntest. Kein Chef wechselt seine langjährigen Mitarbeiter nur wegen einer Transexuellen aus.
Ein Chef der Mobbing akzeptiert, schneidet sich am Ende ins eigene Fleisch, denn das vergiftet die Atmosphäre im Team und schmälert am Ende die Teamleistung. Denn wenn ein Mitarbeiter einmal mit Mobbing durchgekommen ist, dann wird er es bei nächster Gelegenheit wieder tun. Und vor der Kündigung gibt es reichlich andere Maßnahmen mit schwierigen Situationen im Team umzugehen. Ich finde es auch problematisch mit Verallgemeinerungen wie "Jeder Chef" oder "Kein Chef" zu argumentieren. Die Welt ist da auch sehr bunt und die Chefs eben auch sehr unterschiedlich.
Lili Elbe hat geschrieben:Noch eine Frage zu Anke. Bist du richtig transsexuell und opriert, dass deine Kunden eine Frau vor sich haben oder nur Crossdresserin? Mir kommt der Verdacht auf, dass es hier mehr um die Reaktionen und Aussichten für Posttranssexuelle geht und Transgender, denen man ansieht, dass sie männlich sind aber sich gegengeschlechtlich anziehen usw.
Was ist denn das für eine komische Frage? Ich bin transsexuell, aber was soll bitte "richtig transsexuell" sein. Und ob ich operiert bin oder nicht, spielt in diesem Kontext überhaupt keine Rolle. Es wäre mir wirklich neu, wenn ich bei einem Kundentermin erstmal einen Genitaliencheck über mich ergehen lassen sollte.

Abgesehen davon spielt es doch überhaupt keine Rolle, ob jetzt jemand transsexuell oder Crossdresser ist. Für einen Außenstehenden ist das doch kaum zu unterscheiden. Und wenn ich einen Kundentermin mache, dann werde ich mich wie bisher mit meinem Namen und mit meiner Aufgabe in meinem Unternehmen vorstellen und keine Erklärungen abgeben, ob ich nun eine transsexuelle Frau oder Crossdresser bin.

Liebe Grüße

Anke
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Re: "Transfreundliche" Berufe

Post 15 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,
Lili Elbe hat geschrieben: Glaubst du, dass ein Chef (zumindest in kleinen, mittelgroßen Betrieben) nicht weiß wie seine Mitarbeiter ticken? Wenn jahrelang kein Mobbing stattfand und plötzlich eine Transsexuelle gemobbt wird
So etwas glaube ich nicht, bzw, wenn ist es eher die Ausnahme. Personen die mobben haben dazu in der Regel eine Neigung und wenn der Chef seine Leute wirklich kennt, dann weiß er das auch. Und Steine des Anstoßes, die so ein Mobbing auslösen gibt es immer: da ist jemand zu dick, zu dünn, zu schlau, zu wenig schlau, spricht einen besonderen Dialekt, kommt aus einer bestimmten Gegend, kleidet sich zu modisch oder zu wenig modisch, etc. Und es ist ja auch nicht so, als ob dann einfach so aus dem Nichts eine Mobbingattacke losbricht. Das fängt doch beispielsweise mit kleinen boshaften Bemerkungen an. Und eine Führungskraft, die hier nicht aktiv wird, die verliert recht schnell den Respekt und die Achtung der übrigen Mitarbeiter. Das führt dann dazu, dass diese in andere Abteilungen oder Firmen abwandern. Ich habe das schon ein paar Mal erlebt, dass Führungskräfte nicht in der Lage waren, eine entsprechende Teamkultur zu etablieren. Es war nur eine Frage der Zeit bis die Fliehkräfte eingesetzt haben. Übrig bleiben dann nur die, die aus den verschiedensten Gründen nicht weg können, teilweise aufgrund mangelnder Kompetenz, teilweise aufgrund fehlender persönlicher Flexibilität. Aber gerade die Kompetenten und damit die Leistungsträger, die gehen als erstes. Welcher Chef kann das wollen?

Ich möchte gar nicht behaupten, dass es nicht genug Fälle gibt, in denen es anders läuft. Die Welt ist leider alles andere als perfekt. Aber von diesen Fällen darauf zu schließen, dass es überall schlecht geht, ist aus meiner Sicht nicht richtig. Ich habe selbst erlebt, dass es gut läuft und kenne auch genug andere, die ebenfalls positives berichten.
Lili Elbe hat geschrieben:Das ist keine komische Frage. Ich erkenne den Unterschied, ob jemand eine Hormontherapie gemacht hat oder ob ein Mann mit schiefsitzender Perücke mir gegenüber sitzt.
Darauf würde ich mal nicht wetten. Auch als Transsexuelle kann die Perücke schon mal verrutschen und die Wirkung der Hormontherapie ist zum Teil sehr unterschiedlich. Vor allem gilt, je später damit angefangen wird, desto weniger die Veränderungen. Mit 50 verändert sich beispielsweise der Knochenbau praktisch kaum noch, mit Anfang 20 sieht das völlig anders aus. Und ich habe einige Crossdresser kennengelernt, da war von "Mann mit schiefsitzender Perücke" nicht mal ansatzweise die Rede. Ich denke da beispielsweise an eine junge Dame, die beim Forumstreffen in Berlin dabei war.

Und so etwas wie "bist du eine RICHTIGE Transsexuelle" und "bist Du operiert", das geht gar nicht. Und schon gar nicht im Rahmen einer solchen Diskussion. :((a

Und für die Diskussion die hier geführt wird, sollte es auch erstmal keine Rolle spielen, ob sich jemand als Crossdresser, Transsexuelle Frau oder als Rumpelstilzchen bezeichnet. Deshalb meinte ich "komische Frage".

Liebe Grüße

Anke

P.S.: Wenn jemand etwas über mich wissen möchte, der kann gerne in meinem Thread "Der Stein rollt" nachlesen. Dazu hier auch der Link: viewtopic.php?f=52&t=9468
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