Angst
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Lebensplanung, Standorte
Simone 65
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Angst

Post 1 im Thema

Beitrag von Simone 65 »

An alle, die mich verstehen. Seit 35 Jahren habe ich Angst entdeckt zu werden. Länge Zeit. Mit 14 Jahren habe ich die Kleider meiner Schwester angezogen. Hoffentlich kommt keiner nach Hause. Ich war dann 3 Jahre bei der Armee und dann 3 Jahre auf hoher See. Das einzige, was ich hatte war meine Phantasie. Seit 1990 wohne ich im Schwabenland in einer eigenen Wohnung. Seit dem bin ich Stubentranse. Vor 10 Jahren bin zum ersten mal mit flachen Damenstiefel raus, Nacht um 12 Uhr. Ich hatte immer Angst entdeckt zu werden. Seit 8 Wochen habe ich mir eingestanden, das ich anders bin. Früher habe ich gedacht, ich bin Pervers, krank. Erst seit Kurzem traue ich mir mehr. Aber die Angst ist immer da. 35 Jahre Angst, das sitzt so tief. LG Simone
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julia21
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Re: Angst

Post 2 im Thema

Beitrag von julia21 »

" Ich hatte immer Angst entdeckt zu werden."

Du bist Single. Warum hast Du Angst, entdeckt zu werden ? Du bist niemandem Rechenschaft schuldig, kannst tun und lassen was Du willst. Was willst Du mehr?
Simone 65
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Re: Angst

Post 3 im Thema

Beitrag von Simone 65 »

Liebe Julia. Du hast Recht, was hält mich davon ab? Aber eine so tief sitzende Angst kann ich nicht weg schieben Wer kennt Das? Oder bin alleine? Simone
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Tatjana 15

Re: Angst

Post 4 im Thema

Beitrag von Tatjana 15 »

Hallo Simone,
es ist furchtbar eine tiefe angst zu haben. Lange hat sie sich in mir versteckt. Sie lähmt mich, hindert mich daran das zu tun was ich will, das zu sein was ich bin.
Ich weiß noch nicht was die ursache ist oder wie ich sie behandeln kann. Jeden versuch saugt sie ein wie ein schwarzes Loch.
Aber ich weiß jetzt das es sie gibt. Und ich werde es schaffen mich über den ereignishorizont hinaus zu bewegen.

Ich denke ich verstehe was du meinst.
Liebe Grüße Tatjana
Simone 65
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Re: Angst

Post 5 im Thema

Beitrag von Simone 65 »

Liebe Tatjana. Ich weiß was du meinst, ich kenne das schwarze Loch. Ich möchte Es herrauslasen. Liebe Grüße Simone
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nicole.f
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Re: Angst

Post 6 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Nunja, sicherlich ist diese Angst nicht völlig unbegründet. Es können schon blöde Dinge passieren.

Das Wichtigste ist aber, denke ich, sich ganz klar darüber zu werden, was denn wirklich passieren könnte. Was ist es wirklich, im Detail, was so furchteinflößend passieren könnte?
Geht es mal wirklich durch - "Wenn ich A mache, dann könnte X, Y oder Z passieren.". Vergegenwärtigt Euch die Situation, spielt sie im Geiste wirklich durch - dort kann noch nichts passieren!
Und dann schaut mal... war das wirklich so schrecklich? Was könnte das Resultat sein?
Kommt es vielleicht auch zu einem großen Teil einfach nur darauf an, wie es passiert, wer die Situation unter Kontrolle hat?

Es ist viel abstruses Kopfkino (bei unseren Gegenüber) dabei, angefangen von sexuellen Phantasien bishin zu Travestie und Show-Bühne.

In der allgemeinen Öffentlichkeit wird einem eher nichts passieren, solange man sich nicht in halbdunklen Ecken herumtreibt und auch nicht übertrieben auftritt. Die viel zu hohen High Heels verbieten sich hier ebenso wie der viel zu kurze rote Lack-Mini oder die billige Wasserstoff blonde Perücke.

Zufälliges "Entdecktwerden" würde ich raten zu vermeiden. Dann spielt das Kopfkino des Gegenüber verrrückt.
Lieber in die Offensive gehen, dazu stehen, aufrecht, mit erhobenem Haupt, das ist eben so, so bin ich, das brauche ich, das gehört zu mir. Wenn Du damit nicht zurecht kommst, dann sag es mir, dann werde ich es in Deiner Gegenwart zu vermeiden versuchen. In aller Regel wird man damit relativ wenig Probleme bekommen, vielleicht sogar im Gegenteil werden Personen Respekt zollen. Diese Erklärung (oder auch Coming-Out) würde ich im Übrigen in der Alltagserscheinung machen, also noch nicht umgestylt. Tritt man direkt "anders" auf, so beginnt schon das Kopfkino, bevor man auch nur ein Wort erklären konnte.


Ich habe heute natürlich leicht Reden, aber 42 Jahre lang endete meine Freiheit auch an der Haustür. Doch als der Druck dann zu groß wurde und es mir egal wurde, ich nicht mehr Angst vor dem Entdecktwerden hatte, sondern eher den Moment des Entdecktwerdens herbei sehnte, erst dann merkte ich, wie leicht es doch eigentlich ist.

Ich glaube das Wichtigste ist, ehrlich zu sich und anderen zu sein und zu bleiben. Und authentisch. Authentizität ist ein ganz wichtiger Schlüssel. Wenn wir uns unwohl in unserer eigenen Haut fühlen, nicht authentisch sein können, so wird dies sofort bemerkt und man wird in Frage gestellt. Tritt man allerdings aufrecht und geradlinig auf, selbstbewusst und natürlich, dann klappt es eigentlich (fast) immer.

Es gibt da allerdings ein paar Ausnahmen, die mit besonderer Vorsicht zu behandeln sind. Eltern, beste_r Freund_in und vor allem Partner_in. Hier braucht es deutlich mehr Fingerspitzengefühl, da diese oft eine besondere Erwartungshaltung haben, die eng mit dem Geschlecht und der geschlechtlichen Darstellung verknüpft sind. Der beste Freund ist eben _der_ beste _Freund_ und nicht die beste Freundin, _die_ _Tochter_ ist die Tochter, nicht der Sohn (und umgekehrt), der Ehe_mann_ ist der Ehemann, nicht die Ehe_frau_ und damit auch ja meist Sexualpartner_in. Hier werden dann direkt viele Erwartungshaltungen in Frage gestellt und darauf aufbauende Konstrukte, wie Freundschaft, Beziehung, Ehe, Familienbande in Frage gestellt.

Also ich würde sagen, so viel Angst braucht man nicht zu haben. In den allermeisten Situationen, kann nichts wirklich Schlimmes passieren. Wir leben glücklicherweise nicht mehr in den 50er, 60er oder 70er Jahren. Auch haben wir glücklicherweise keinen -§175a mehr, der gerade trans* Weiblichkeit schnell in den Ruf von männlicher Homosexualität brachte und damit gleichzeitig an den Rand der Illegalität. Es gibt heute keine Vorschrift oder gar Gesetz, dass uns in irgendeiner Art einschränken würde.

Be proud and out!

Liebe Grüße
nicole
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Valerie Bellegarde
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Re: Angst

Post 7 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

Liebe Freunde,
Es ist klar nachvollziehbar was ihr schreibt, und auch ich kenne und habe diese Angst vor dem Entdeckt-Werden, dem Erkannt-Werden, wenn man en femme auf der Straße ist, schlussendlich die Angst, sich plötzlich für das "Verbotene" was man tut, vor der Umwelt oder (noch peinlicher) vor einem geliebten Menschen oder Partner verantworten zu müssen. Ich wüsste nicht was ich täte, käme ich in eine solche Lage.
Nun komme mir aber keiner mit dem flotten Spruch: Dann oute dich doch morgen und deine Angst vor Dekuvrierung wird ab sofort verschwunden sein. Ich bin mir nämlich fast sicher, dass durch ein outing haufenweise neue Probleme entstehen würden, die sicher nur unzureichend beschrieben sind mit Begriffen wie das Risiko den Partner und den Job zu verlieren, gar nicht zu reden davon, dass man mit Sicherheit zunächst völlig missverstanden wird und vor seinen Kindern oder im Freundes- und Bekanntenkreis plötzlich als lächerliche Figur dasteht. Bisher war ich immer Crossdresser aus Spass, weil es Freude gemacht hat. Ich denke das kann so weitergehen. Wer wie ich keinen Wunsch in sich spürt den Weg zur Transition weiter zu gehen, sollte lernen mit dieser versteckten Spannung zu leben. Wir stecken zwar in einem Dilemma, das meiner Meinung nach aber nicht auflösbar ist. Risiken und Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel.
Valerie (nachdenklich)
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Re: Angst

Post 8 im Thema

Beitrag von SimoneB »

Hallo Valerie,

das ist genau das Thema, mit dem ich auch zu kämpfen habe. Nachdem ich lange mich verleugnet habe, habe ich eine Tür geöffnet und im tiefsten Inneren weiß ich wer und was ich bin. Aber das Eingeständnis und der Weg zum Outen sind nun mal zwei unterschiedliche Themen. In einer anonymen Großstadt ist es einfach und als Single sowieso. Aber irgendwann reicht das nicht mehr aus, ab und zu en Femme rauszugehen, sondern ich will mehr und da fängt der Konflikt an. Ich weiß für mich selber, dass Crossdressing oder Teilzeitfrau mir wahrscheinlich nicht genügt. Aber wie sage ich es, wie bringe ich es rüber? Ich würde so gerne, aber davonlässt mich momentan der Mut, weil ich doch auch ein sehr rational denkender Mensch bin und die gleichen Ängste habe: Angst vor Jobverlust, Angst geliebte Menschen zu verstossen. Auf der anderen Seite habe ich inzwischen einige sehr nette Menschen kennengelernt, die mich unterstützen würden. Aber der Ball liegt bei mir und wie ich mich verhalten soll ist für mich völlig offen.

Wir tun ja nichts verbotenes, sondern wir suchen und finden einen eigenen Weg zu uns selber und der ist nun mal nicht männlich, sondern weiblich. Wo soll das Problem liegen? Weil wir in eingefahrenen Strukturen leben und da raus zu brechen ist nicht einfach und muss wohl überlegt sein.

ich finde es gut, dass Du für Dich deinen Weg gefunden hast, ich wäre glücklich wenn es bei mir auch so einfach wäre.

@Nicole: ja, da hast Du recht, es ist wichtig authentisch zu bleiben. Das versuche ich auch und das gelingt mir auch ganz gut. Ich spüre für mich selber, das der Druck zunimmt und dass es so nicht mehr lange gut gehen kann, deswegen finde ich Deinen Ansatz mit Alltagserscheinung und Kopfkino sehr nachvollziehbar. Ich will niemanden verstossen, sondern erklären, was ich fühle, wer ich bin. Aber ich weiß auch, dass dies alles nicht so einfach werden will. Und ich freue mich auf den Tag, wo dies hinter mir liegt und ich so leben kann, wie ich es eigentlich im tiefsten Inneren auch will.

@Simone: Simone ist ein so schöner Name. Ich kann Deine Ängste verstehen,diese hatte ich auch Jahrelang, bevor ich mich entschlossen habe, endlich rauszugehen. Das wächst mit der Zeit und wie auch Nicole beschrieben hat, wenn Du Dich an bestimmte Regeln hält und selbstbewußt auftrittst (ok ich weiß leichter gesagt als getan, ging mir auch so, dass ich schon ein wenig nervös war, als ich hier in Hamburg das erste Mal als Simone unterwegs war), um so leichter ist es. Und wenn Du erstmal den ersten Schritt getan hast, wird es leichter, denn so war es bei mir, öffnet sich eine Tür und Du bist so wie Du bist. Wichtig ist glaube ich, Dich so zu akzeptieren, wie Du bist, das ist der erste Schritt und der kann schon etwas länger dauern.

Liebe Grüße
Simone
Dolores59
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Re: Angst

Post 9 im Thema

Beitrag von Dolores59 »

Liebe Simone 65,
Angst ist zunächst einmal nichts Schlechtes, sondern überlebensnotwendig. Wenn jemand Angst davor hat, zu Fuß eine stark befahrene Autobahn zu überqueren, dann bewahrt die Angst vor tödlichen Fehlern.

Wenn die Angst allerdings zu unnötigen und ungesunden Blockaden führt, ist Hilfe notwendig. Wahrscheinlich nicht alleine durch Selbsthilfegruppen, sondern auch durch professionelle Hilfe. 35 Jahre Angst ist ein langer Zeitraum und nicht "mal eben schnell" zu überwinden. Es wäre schön, wenn Du einen vertrauenswürdigen Menschen fändest, der Dich an die Hand nähme (im übertragenen und wörtlichen Sinne) und mit Dir zusammen unter die Leute ginge. Dafür wirst Du Dich öffnen müssen und Dich jemandem anvertrauen mit dem, was Dir Not macht. Ein Coming-out im kleinen Kreis sozusagen.

Natürlich könntest Du die angstmachenden Situationen vermeiden, aber das ist keine Lösung. Denn dann steigt der innere Leidensdruck, weil Du Deine weibliche Seite unterdrücken würdest.

Im Moment sehe ich Deinen Zwiespalt zwischen der Angst vor dem äusseren Leidensdruck (Angst vor Jobverlust, Angst geliebte Menschen zu verstossen) und dem inneren Leidensdruck (Unterdrückung eines Teils Deiner Persönlichkeit).

Ein "Weiter so" macht Dich auf Dauer kaputt, fürchte ich. Also wirs Du einen Weg finden müssen. Meine Vorrednerinnen haben schon einige Wege aufgezeigt.

Auf jeden fall ist es gut, dass Du Deine Angst hier thematisiert hast. Jetzt musst Du vom anonymen Forum den Schritt zu einem konkreten Menschen gehen.

Herzliche Grüße
Dolores
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
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Re: Angst

Post 10 im Thema

Beitrag von steffiSH »

Dolores59 hat geschrieben:Jetzt musst Du vom anonymen Forum den Schritt zu einem konkreten Menschen gehen.
Genau, dann komm doch einfach mal zum Forumtreffen nach Berlin (ist immer eine Reise wert), da wirst Du viele - und nicht nur Einen - nette, normale Leute treffen.
sum sum sum - no Latein
Anke
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Re: Angst

Post 11 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo Simone,

Ängste kennt jede von uns im Grunde jeder Mensch. Ängste sind etwas Gutes, denn sie sagen uns: "Denk nochmal nach, möchtest Du das wirklich tun?"

Deshalb finde ich es sehr wichtig Ängste ernst zu nehmen und mit ihnen umzugehen. Mit ihnen umgehen bedeutet aber nicht, sich von ihnen bestimmen zu lassen. Ängste sind ja erst mal ein Warnsignal um genauer hin zu sehen. Manchmal stelle ich fest, das Warnsignal hat recht und dann lasse ich das, was ich vorhatte einfach bleiben. Es ist einfach nicht sinnvoll, die vielbefahrene Autobahn zu Fuß zu überqueeren.

In vielen Fällen, und das sind die meisten, tue ich Dinge trotz meiner Angst. Weil ich mir klar gemacht habe, dass im Grunde nix schlimmes passieren kann bzw. weil ich bereit bin, das Risiko, das mit meiner Handlung verbunden ist, in Kauf zu nehmen.

Das erste Mal als Frau rausgehen ist so ein Fall, wo nix schlimmes passieren kann, sofern Du dir dafür nicht gerade einen sehr ungeeigneten Ort aussuchst. Du wirst es überleben und hinterher stolz auf dich ein. Und natürlich wirst Du in dem Moment, in dem Du die ersten Schritte nach draußen machst, die Angst in dir spüren. Diese Angst hat dann mit der realen Gefahr aber nichts mehr zu tun.

Niemand hier oder sonst wird dir deine Ängste nehmen können. Wir können dir nur Wege zeigen und dabei helfen, damit umzugehen. Zum Beispiel finde ich den Vorschlag von Steffi gut, zum Forumstreffen zu kommen. Da bist Du in einem geschützten Rahmen und kannst deine ersten Schritte machen. Denn das ist eine weitere Möglichkeit, mit Ängsten umzugehen. Einfach mal den ersten Schritt ein bisschen kleiner machen und sehen, wie es sich anfühlt.

Auf jeden Fall bist Du hier mit deinen Gefühlen und Gedanken richtig, Den meisten ging es sehr ähnlich und irgendwann haben sie es geschafft.

Liebe Grüße

Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.

Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)

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martina

Re: Angst

Post 12 im Thema

Beitrag von martina »

liebe simone,
du hattest mal geschrieben, dass du andere ängste, vorm fliegen oder auf see fahren, überwinden konntest. das ist doch immerhin schon eine leistung. wenn du das betrachtest, bist du heute wirklich total gelassen und entspannt, wenn du fliegst oder auf see fährst, oder ist da noch ein wenig angst?
Simone 65 hat geschrieben:Ich hatte immer Angst entdeckt zu werden.
und wenn tatsächlich noch etwas unwohlsein oder unbehagen vorhanden ist, hast du da auch angst davor, entdeckt zu werden?

wovor genau hast du angst? ja gut, vor dem entdecktwerden. aber was dann? was ist da bisher passiert, wenn du dich entdeckt fühltest? hast du da irgendein einschneidendes erlebnis?
Simone 65 hat geschrieben:Seit 8 Wochen habe ich mir eingestanden, das ich anders bin.
irgendwo ist das ganze ja recht seltsam. jeder will sich an irgendeinem maßstab, an irgendeiner richtlinie orientieren, will nicht auffallen. wenn du aber jedem menschen sagst, dass er nur was ganz gewöhnliches ist, nicht unterscheidbar von allen anderen, dann will jeder nicht mehr gewöhnlich, sondern anders sein und sich abheben.
Simone 65 hat geschrieben:Früher habe ich gedacht, ich bin Pervers, krank.
denkst du das heute auch noch insgeheim? wie betrachtest du dich heute? als normal? und was ist normal?
Simone 65 hat geschrieben:Erst seit Kurzem traue ich mir mehr. Aber die Angst ist immer da. 35 Jahre Angst, das sitzt so tief.
du hast angst, wenn du in damenkleidung entdeckt wirst. du hattest ein foto eingestellt. da wirkt dein outfit so dezent, dass es mit sicherheit niemandem auffallen wird. aber mal ganz anders angesetzt: es gibt herrenklamotten, die sind ziemlich ausgefallen und manchmal schrill, nach denen musst du wirklich intensiv suchen, in kaufhäusern findest du sowas kaum. so habe ich lange zeit nach einem langen parka, bis zu den knien reichend, gesucht, nur immer was in der damenmode gefunden. dann endlich bin ich auf ein einzelstück als herrenausgabe gestossen. ich hab ein paar t-shirts, die ein stück über den po reichen, das ginge auch als sommerkleid durch. die teile hab ich unter herrenartikel gefunden. wie wäre es mal mit einer hose in knallgrün, knallgelb oder knallrot? sowas gibt es auch in der herrenabteilung. wenn du suchst, wirst du auch herrenschuhe mit 5 cm absätzen finden. und es gibt total ausgeflippte leggins für männer. vor jahren hab ich mir mal einen long cardigan aus der damenabteilung gekauft, reicht bis zu den knien. solche langen sachen trage ich gern. erst kürzlich habe ich entdeckt, dass es auch solche einzelstücke in der herrenabteilung gibt. wie würdest du dich fühlen, wenn du dich so einkleiden würdest? teile aus der herrenabteilung, aber abgehoben von der bekleidung anderer männer? ist es dein gedanke daran, dass du damenkleidung trägst, die dich so ängstlich macht? wäre es in auffälliger herrenkleidung auch so?

gestern war ich im auto unterwegs und sah schon aus weiter entfernung auf einem kaum frequentierten bürgersteig eine person. ein mann, ganz normal gekleidet mit jeans und dunkelbrauner jacke, aber mit knallroten schuhen. vorgestern hab ich einen mann in einer knallgrünen hose gesehen. weisst du was ich mir dabei gedacht habe? man muss nicht immer nur für ausgefallene sachen in der damenabteilung suchen. selbst wenn dich irgendwer entdeckt, dann kann dieser jemand nicht wirklich absolut sicher sagen, dass es kein herrenartikel wäre. gut, anders verhält es sich mit strumpfhosen und röcken, die ich gern und oft trage. die sachen kommen eindeutig aus der damenabteilung, stört mich aber nicht weiter, weil ich mich damit wohl fühle. gedanklich bin ich tendenziell schon eher so ausgerichtet, dass ich mir manchmal wünsche, entdeckt zu werden und auf diese weise auch andere männer dazu bringen könnte, auch mal röcke und strumpfhosen zu tragen.

liebe grüsse
martina
Tatjana 15

Re: Angst

Post 13 im Thema

Beitrag von Tatjana 15 »

Hallo Simone,

Wenn ich hier lese, dann habe ich das gefühle das es um ganz unterschiedliche Ängste geht.
Zum einen um beschreibbare und dann auch um die Angst ansich um die da ist und sich nicht an irgendetwas anhängt.
Mit allen Ängste die ich beschreiben kann deren Ursache ich kenne, kann ich umgehen ja sie können mir sogar helfen.
Die Angst sich in mir als eine Art schwarzes loch manifestiert, schwebt aber scheinbar leer im Raum. Ich kann ihre ursache nicht finden, sie ist deswegen wegen nicht gut, sie ist ungerichtet und bremst mich bei allem.

ich hoffe nicht das es bei dir ähnlich ist.

LG
Tatjana
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Re: Angst

Post 14 im Thema

Beitrag von Olivia »

Hallo Simone 65,

ja, das kenne ich und mir geht es im Grunde genau wie Dir! Ich dachte früher auch, dass ich verrückt bin und in einer geschlossenen Anstalt enden werde. Jetzt geht es mir besser, da ich es mir eingestehen kann, anders zu sein als die anderen Männer. Trotzdem lebe ich den Wunsch nach weiblicher Kleidung nur heimlich aus. Auch bei mir ist Angst und Schamgefühl einfach zu tief verwurzelt. Das Forum, die Forumsgemeinde und alle, die hier mitmachen und mitschreiben haben mir sehr geholfen und helfen mir auch weiterhin.

Liebe Grüße von Olivia
rika
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Re: Angst

Post 15 im Thema

Beitrag von rika »

Hallo zusammen,

die Angst der Entdeckung kenne ich nur zu gut. "wir" waren in den 60-70ern ja nun mal überhaupt nicht existent außer vielleicht Arndt Bohlen-zu-Halbach, der genug Geld hatte, um Paradiesvogel zu sein.

Entdeckt zu werden ist eines, sich selbst zu entdecken aber viel spannender. :o Ich habe mich in Stufen entdeckt und erkannt, dass die rika mich reich macht und gegen sie kämpfen ein Kampf gegen das Ich ist, welches ich nur verliere kann :roll:

Heute müssen wir ein wenig darauf achten, dass wir nicht als Dekoration in irgendwelchen Sendungen missbraucht werden.

Und jetzt ihr Lieben: die Angst schwindet, seid vorsichtig mit Euch, provoziert nicht mit irgendwelchen Strapsen, nuttigen Stiefeln usw. und schaut geradeaus. Ich war heute Mittag in Bad Nauheim im Park, habe einen Wein getrunken, bin in den Rewe gefahren und später kommt eine Freundin zum Essen. Alles mit geringstem Stress. Aber ich gebe auch zu, dass ein paar Jahre gebraucht hat. Und jetzt ist es gut.

rika
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