ich möchte hier gern mal eine grundsätzliche diskussion entfachen, auch abgeleitet von eigenen persönlichen erfahrungen. damit möchte ich niemandem zu nahe treten, sondern vielleicht eher manchen zeitgenossen zu denkanstössen bewegen. nach meiner eigenen entwicklung fällt mir sozusagen eine dreigeschlechtlichkeit ganz besonders auf:
- frauen, die als solche geboren wurden
männer, die frau sein wollen,
männer, die über ihren schatten springen wollen.
frauen waren bis in die 60er jahre auf rock oder kleid festgelegt, hosen waren für sie absolut verpönt. esther ofarim wurde in einem hamburger, senta berger in einem londoner hotel abgewiesen, weil sie hosenanzüge trugen. irgendwie haben sich die frauen das recht auf die hose erkämpft. irgendwie ... ja, wie eigentlich? wollten plötzlich zwei drittel aller frauen männer sein und haben sich auch als mann zurecht gemacht, um dann eine hose anziehen zu können und akzeptiert zu werden? nein, sie wollten als frau das kleidungsstück hose für sich erobern. wie das passiert ist, darüber kann man trefflich streiten. eine ausschlaggebende kraft war sicherlich der radikal-feminismus mit alice schwarzer, die das arme weibchen als opfer in einer männerbeherrschten welt darstellte. alice schwarzer praktisch als hasspredigerin. sie und ihr radikal-feminismus waren sicherlich medienwirksam, wie z.b. frauenbuchläden, wo männer keinen zutritt hatten, aber daneben äusserte sich die emanzipationsbewegung ja auch in einem weitreichenden gemässigten femismus, der ohne grosses geschrei und getöse seinen weg nahm. am ende stand u.a. das legitimisierte tragen von hosen für frauen.
bei etlichen frauen hier und heute frage ich mich, ob sie trotz ihrer sozialisation nicht ähnliche probleme haben wie manch ein mann hier im forum. es gibt frauen, die nichts anderes anziehen als eine hose, die weder einen rock noch ein kleid im kleiderschrank hängen haben. es gibt frauen, die diese kleidungsstücke zwar zu hause haben, aber nie oder nur äusserst selten anziehen. warum eigentlich? haben sie trotz ihrer sozialisation hemmungen sich mit rock oder kleid in der öffentlichkeit zu zeigen? ich weiss es nicht, vermute aber sowas. medien und werbung hämmern uns voll mit begriffen von ästhetik, schönheit, sexualität (sexismus), diäten und all dieser kram. letzten endes scheint mir das ergebnis zu sein, dass nur die perfekt gebaute frau im rock oder kleid auftreten darf, um damit sexy zu wirken. und wenn ich nicht sexy wirkt? ich sehe manchmal frauen, dick und übergewichtig, die röcke tragen und ihre schwabligen beine zeigen. da frage ich mich: wie oft ernten diesen frauen ein kopfschütteln, weil sie sich so bekleiden und ihre schwachstellen nicht mit hosen verhüllen? dass aussagen kommen: "wie kann man nur so rumlaufen?" ob sowas dann so allgemein akzeptiert wird? aber immerhin: diese frauen haben mut und selbstvertrauen, sich über ästhetische regeln und über moralinsaure zeitgenossen hinwegzusetzen.
darüber hinaus gibt es frauen, die gern zum rock oder kleid greifen. laut einer umfrage sind es etwa 10 - 15% von frauen, die bevorzugt diese kleidungsstücke tragen. an manchen tagen, und zwar nicht im tiefsten winter, zweifel ich selbst daran, wenn ich 100 frauen sehe und davon trägt nur eine einen rock. nach einer ähnlichen befragung würden 10 bis 12% aller männer gern einen rock tragen. die zahl weicht nicht mal sonderlich von den frauen ab. aber wann sieht man einen mann im rock?
der mann im rock. damit kommen wir auf eine seltsame innere spaltung.
- das ist einmal der mann, der sich als frau stylt, der seine umgebung täuschen will, um damit eine legitimation zu weiblichen bekleidungsgegenständen zu bekommen.
und der mann, der auch äusserlich erkennbar als mann eingeschätzt wird, der aber für sich neue möglichkeiten sucht und grenzen überschreitet und dann die bekleidung trägt, die ihm gefällt.
- wenn ich hose trage, geht es mir auch nicht um akzeptanz bzw. setze ich die voraus. wollen wir ehrlich sein: relevant für uns ist eigentlich nur nicht-akzeptanz, insofern wenn jemand sich lustig macht, wenn man z.b. als mann eine rote, gelbe oder weisse hose trägt. darüber kommt man hinweg und ignoriert es. oder man nimmt es sich so zu herzen, dass man sowas nie wieder anzieht.
das zweite ist: ist der anspruch von gesellschaftlicher akzeptanz gegenüber männertragenden röcken nicht zu hoch? was wollen wir? dass wir von jedem zweiten mitmenschen ein kompliment hören, wie toll uns die sachen doch stehen? ansonsten heulen wir? wollen wir am händchen gehalten werden? warum beklagt sich man einer, der im rock draussen unterwegs war, dass man ihn gar nicht wahrgenommen hat? werten wir das doch einfach als gesellschaftliche akzeptanz. und damit ist es ok. und wenn man auf irgendwelche auswüchse von nicht-akzeptanz stösst, na sei es drum. entweder wir ignorieren das, oder es setzt uns zu.
drittens: ist es nicht vor allem unser eigenes gewissen, unser über-ich wie freud es nannte, das uns in regeln und bahnen zwingt, die so unbedingt gar nicht vorhanden sind. machen wir uns nicht selbst in die hose und nehmen eine vermeidungshaltung an, weil wir glauben, wir würden für etwas bestraft oder sanktioniert, wenn wir etwas tun würden, was wir uns wünschen? sind wir nicht gefangener unseres selbst? malen wir uns selbst nicht alles schlimmer aus als es wirklich ist?
wollen wirklich etliche der schreibenden hier im forum lieber eine frau sein? warum? es macht keinen unterschied, ob ich mann oder frau bin. deshalb bin ich kein anderer mensch, deshalb hab ich keinen anderen charakter. es gibt drecksweiber genauso wie es dreckskerle gibt, menschen mit üblem charakter. es gibt liebe omas wie liebe opas, auch keine frage. schätzen diese männer die weibliche menstruation? wollen sie auch selbst kinder gebären können? oder wollt ihr euch zum pinkeln lieber hinsetzen? oder: frauen können vergewaltigt werden, dauernd liest man, dass sie bei den gehältern benachteiligt werden usw. insofern können sich frauen gern als opfer darstellen. ist das die intention der männer, die frau sein wollen? dass sie sich als opfer darstellen können?
ich hatte neulich eine webseite gefunden mit diesem kernsatz http://www.rock-er.de/index.htm?s=michael.html
"Seltsamerweise ist es heutzutage leichter zusagen:
Papa! ich bin Schwul!
als
Papa! ich will Röcke!"
wenn sich ein mann als frau en femme zurecht macht, ist das kein problem. aber es gibt andere probleme. selbst wenn die aufmachung als frau noch so toll ist und der als frau gestylte mann in der öffentlichkeit eindeutig als frau wahrgenommen wird, gibt es probleme in den beziehungen und ehen, wo die freundin oder ehefrau total verunsichert ist und nicht weiss, mit was oder wem sie da eigentlich liiert ist. wollen diese männer wirklich frau sein? wollen sie eine geschlechtsumwandlung?
ich kann aus meinem persönlichen werdegang nur hinzufügen, dass ich auch selbst mal ganz als frau sein wollte. mich verkleiden, mich und andere täuschen, nicht zu mir selbst stehen. es ist halt so wie in vielen anderen lebensbereichen: dass man sich sagt, wenn ich dies und das wäre, dann könnte ich ja auch dies und das tun. ohne dabei die möglichkeit ins auge zu fassen, dass man es auch so tun kann, als der, der man ist. man setzt sich selbst eine unnötige barriere.
man kann auch in ein kaufhaus gehen, als mensch, sich dort kleidung aussuchen, die man gern tragen möchte, und dabei die trennung zwischen damen- und herrenabteilung total ignorieren. man sucht sich als mensch die sachen aus, die einem gefallen. warum gibt es eigentlich diese trennung? kleidung sollte unisex sein, war es sowieso jahrhundertelang. und heute? vielleicht gibt es diese trennung für schwächlinge, die sich selbst nicht orientieren können und denen was vorgegeben werden muss?
ich könnte mir vorstellen, dass eine bewegung: männer in röcken erfolgreicher wäre, wenn die männer zu sich selbst stehen würden, wenn sie als mann, und äusserlich erkennbar als mann, einen rock tragen würden. wenn es darum gehen würde, sich nicht mehr die von der industrie oktroyierten grenzen aufzwingen zu lassen, sondern männer ihre eigenen möglichkeiten erweitern würden. und damit sind die etwa 10% der männer gemeint, die gern rock tragen würden. alle anderen sollen doch ruhig ihre nadelstreifenanzüge mit seidenkrawatte tragen. was soll's? aber diese 10% sollten doch über ihren schatten springen, sich als mann geben, mut und selbstvertrauen zeigen und auch widerständen trotzen und einen rock (wie ich schon oben sagte, der rock steht stellvertretend auch für andere dinge) in der öffentlichkeit tragen. ich könnte mir auch vorstellen, dass sich sowas in beziehungen und partnerschaften leichter klären ließe, wenn man als mann einen rock tragen wollte statt über den umweg von der verwandlung des mannes zur frau das gleiche zu tun.
also was reizt die männer, frau sein zu wollen? geht es um kleider, schmuck, makeup? dann können diese männer auch zu sich selbst stehen, können mann bleiben, ohne sich zu verwandeln, ohne wen täuschen zu wollen. dann können diese männer in der öffentlichkeit einen rock tragen. und damit komme ich am ende zur überschrift: eben aus liebe zum rock.
liebe grüße
martina