Claudia2nd hat geschrieben:Rücksicht hat nicht unbedingt etwas mit verbiegen zu tun, sondern es geht eher darum, den anderen in der ihm eigenen Art genauso zu akzeptieren wie wir akzeptiert werden wollen.
Darum geht es doch, oder? So nah wie ich ein persönliches Umfeld habe gibt es mich nur als Gesamtpaket. Das erwarte ich von diesem Umfeld. In diesem Umfeld wird auch nicht weniger von mir erwartet. Das ist die gute Nachricht - ich verlange nicht mehr von meinem Umfeld als ich bereit bin zu geben. Die schlechte ist, so nah erwarte ich viel.
Du beziehst dich leider nur auf den Teil der unter der Überschrift "Unmittelbares, persönliches Umfeld" steht. Darin sind keine Verpflichtungen für irgendwas - außer eben, dass ich mich darin wohlfühlen muss, da ich auch damit leben muss - ganz unausweichlich und unmittelbar.
Ich habe für mich herausgefunden (schmerzhaft), dass es für mich besser ist, da eher mit dem Stahlbesen zu kehren als nur einen einzigen Störfaktor zu belassen. Das heißt natürlich nicht, dass ich jedem Kritiker gleich die kalte Schulter zeige oder mich nur mit jasagenden Groupies umgebe. Wenn du einige kennenlernen würdest, nun, ich denke, du würdest genau den gegenteiligen Eindruck bekommen. Ich bin bereit andere Meinungen zu akzeptieren und sie stehen zu lassen, auf sehr vielen Ebenen - auch auf solchen, die keinerlei rationale Begründung haben, da sie einfach eine Sache des Glaubens sind. Nur bitte ich mir dann Unterlassung von Missionierung aus, ein Austausch von Standpunkten funktioniert trotzdem.
Ich sagte selber, dieser Personenkreis ist nicht eben groß. Aber er ist seit dem letzten großen Kehraus eher gewachsen denn geschrumpft.
Claudia2nd hat geschrieben:Das ist für mich eine extrem egozentrische Haltung, mit der du Gefahr läufst, sehr bald einsam zu sein. Und es hat auch den Beigeschmack der Arroganz, weil Du meinst der Maßstab zu sein. Eine Annäherung ist so nicht möglich, kein Herantasten
Wenn es für dich eine egozentrische Haltung darstellt, das tut mir Leid zu hören. Aber ich verlange dicht auf Ehrlichkeit und Komplettpaket, genauso wie ich es gebe.
Arroganz... ja. Sicher. Der Maßstab meines Erfolges und Scheiterns in meinem Leben kann nur ich selber sein - geht es mir mit dem was ich tue gut, auf allen Ebenen? Wenn nicht, dann habe ich definitiv etwas falsch gemacht. Das bezieht sich nicht auf "Mein Haus, mein Auto, meine Frau" - wobei ein angenehmer Wohnort, problemlose Mobilität und ein passender Partner sicherlich sehr zuträglich sind. (Für die zugrunde liegende Geisteshaltung und wo sie herkommt, das führt weit, weit weg vom Thema - sogar dieses Forums. Aber wir können uns ja auch anderweitig drüber austauschen...) Ich weiß was ich mir wert bin, und ich arbeite aktiv an der praktischen Umsetzung - sowohl Dinge abzustellen was da drunter liegt als auch das zu praktizieren was dem entspricht. Das ist wohl ein lebenslanger Lernprozess.
Das Problemfeld, das sich hier um etwaige ("Meine"? Besitze ich sie?) Kinder aufspannt - damit werde ich mich befassen wenn und falls das aktuell wird. Vorher ist das hypothetisches, weises Gerede ohne praktischen Hintergrund für mich, entsprechend ein Feld in dem ich mich mit meiner eigenen Meinung mangels Erfahrung zurückhalten sollte - "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Klappe halten!" beziehe ich auch auf mich selbst. Auch das bin ich mir Wert.
Das nächste was ich da derzeit tun kann ist eine entsprechende Entwicklung im näheren Umfeld beobachten. Das ist mir derzeit allerdings auch nah genug.
Claudia2nd hat geschrieben:Das Leben ist keine Spielwiese, von der wir uns zurückziehen können, wenn es mal keinen Spaß mehr macht.
Stimmt -
mein näheres Umfeld allerdings ist
meine Spielwiese auf der ich im eigenen Interesse sowohl Recht als Pflicht habe es so zu gestalten dass ich damit zurecht komme. Ich sehe keinen tieferen Sinn darin, sich hier sinnlos Steine in den Weg zu legen, Igel zu knutschen und Unterwäsche aus Stacheldraht anzuziehen, nur weil ich dadurch Kontakt zu mehr Leuten habe. Sie werden dadurch nicht zu guten Freunden, sie nutzen einen nur aus und genießen die Show. Das musste ich auf die harte Tour so lernen.
Ich beschreibe hier ganz explizit
meine Art und Weise, in diesem persönlichen Umfeld zu agieren. Das hat seine ganz eigenen Vorteile, und auch seine ganz eigenen Härten, seine ganz eigene Dynamik und beinhaltet auch eine ganze Menge Arbeit, Gefühle und Offenheit mehr als sich das für viele anhören mag. Damit kommt sicherlich nicht jeder klar, und das ist ganz explizit nicht das Ziel - vielmehr hat jeder das explizite Recht, mit mir nicht einer Meinung zu sein und das zu äußern.
Aber eben genau das. Umgekehrt gilt das genauso. Ich kann mir den Mund fusselig reden, niemand braucht auch nur ein Wort davon anzunehmen. Oder auch nur zuhören. Ich erzähle es der Wand natürlich nur ungerne da ich ein gutes Gespräch schätze.
Kurz gefasst, mit den Worten eines anderen: "Jeder hat das Recht auf seinen eigenen Alptraum."