Mal wieder eine Rede von Lana Wachowski
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Vivian Cologne
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Mal wieder eine Rede von Lana Wachowski
Ich finde ja nicht immer toll, was ATME e.V. verlautbart, aber das neue Video in ihrem Youtube-Kanal teile und empfehle ich gern.
Lana Wachowski (ja, die "Matrix"-Regisseurin) hat mal wieder eine Rede gehalten - bei der Preisverleihung von Trans100. Wer Lana einmal gesehen hat, wird verstehen, warum ich wieder begeistert bin. Sie ist witzig, nachdenklich, engagiert - bitte mehr solcher Transfrauen, die im Rampenlicht stehen.
Diesmal spricht sie spannende Gedanken über Natürlichkeit, das Normale, Erwartungen aus. Was sie zum "Passing" sagt, hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ist das wirklich mehr Druck und Zwang von außen als der Schutz, als den ich den Begriff bisher empfunden habe.
Bei allem Ernst: Ihr Friseur spielt auch wieder eine Rolle.
Hier zu finden:
https://youtu.be/szsjJ6G2Q_E
Vivian
Nachtrag: Die Gebärdendolmetscherin ist auch toll. Die hat es nicht leicht, Lana Wachowski redet so viel mit den Händen ...
Lana Wachowski (ja, die "Matrix"-Regisseurin) hat mal wieder eine Rede gehalten - bei der Preisverleihung von Trans100. Wer Lana einmal gesehen hat, wird verstehen, warum ich wieder begeistert bin. Sie ist witzig, nachdenklich, engagiert - bitte mehr solcher Transfrauen, die im Rampenlicht stehen.
Diesmal spricht sie spannende Gedanken über Natürlichkeit, das Normale, Erwartungen aus. Was sie zum "Passing" sagt, hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ist das wirklich mehr Druck und Zwang von außen als der Schutz, als den ich den Begriff bisher empfunden habe.
Bei allem Ernst: Ihr Friseur spielt auch wieder eine Rolle.
Hier zu finden:
https://youtu.be/szsjJ6G2Q_E
Vivian
Nachtrag: Die Gebärdendolmetscherin ist auch toll. Die hat es nicht leicht, Lana Wachowski redet so viel mit den Händen ...
Zuletzt geändert von Vivian Cologne am Fr 3. Apr 2015, 07:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Marielle
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Re: Mal wieder eine Rede von Lana Wachowski
Hallo Vivian, Hallo zusammen,
bisher hatte ich noch nichts von diesem Menschen, Lana, gehört; ist schlicht an mir vorbeigegangen, leider. Und ich muss zugeben, dass es mich einige Mühe gekostet hat, ihren Ausführungen zu folgen, weil mein Englisch-Verstehen bei Amerikaner_innen gelegentlich an's Limit kommt. Umso besser, dass du, Vivian, diesen Link hier eingebracht hast. So hab ich bis zum Ende 'durchgehalten' und hab' (spätestens) ab der fünfzehnten Minute gebannt zugehört. So um die Zeit rum kommt folgender Satz:
'passing is an idea, that values conformity over difference'
Frei übersetzt etwa: 'Passing ist eine Strategie, die Anpassung höher bewertet als Individualität'
Ich denke, im Hinblick auf deine Frage nach Schutz oder Zwang, es ist am besten, wenn man diesen Satz ernst nimmt. Immer dann, wenn Passing, auch nur zum Teil, Anpassung ist, ist es eine Form von Zwang. Wenn es Individualität ist, braucht es keinen Zwang.
In der Hoffnung, dass jede_r diese Unterscheidung für sich frei treffen kann, ohne äusseren Zwang und ohne innere Schranken
habt es gut
Marielle
bisher hatte ich noch nichts von diesem Menschen, Lana, gehört; ist schlicht an mir vorbeigegangen, leider. Und ich muss zugeben, dass es mich einige Mühe gekostet hat, ihren Ausführungen zu folgen, weil mein Englisch-Verstehen bei Amerikaner_innen gelegentlich an's Limit kommt. Umso besser, dass du, Vivian, diesen Link hier eingebracht hast. So hab ich bis zum Ende 'durchgehalten' und hab' (spätestens) ab der fünfzehnten Minute gebannt zugehört. So um die Zeit rum kommt folgender Satz:
'passing is an idea, that values conformity over difference'
Frei übersetzt etwa: 'Passing ist eine Strategie, die Anpassung höher bewertet als Individualität'
Ich denke, im Hinblick auf deine Frage nach Schutz oder Zwang, es ist am besten, wenn man diesen Satz ernst nimmt. Immer dann, wenn Passing, auch nur zum Teil, Anpassung ist, ist es eine Form von Zwang. Wenn es Individualität ist, braucht es keinen Zwang.
In der Hoffnung, dass jede_r diese Unterscheidung für sich frei treffen kann, ohne äusseren Zwang und ohne innere Schranken
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As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
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nicole.f
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Re: Mal wieder eine Rede von Lana Wachowski
Das akustische Verstehen ist zuweilen etwas schwer, daher habe ich mal von den drei Reden von ihr hier Transcripte gesammelt:
http://nf.dpin.de/trans/texte/lana-wach ... ward-2012/
http://nf.dpin.de/trans/texte/lana-wach ... nois-2014/
http://nf.dpin.de/trans/texte/lana-wach ... s100-2015/
Die letzten beiden habe ich selbst abgetippt - wenn jemand Fehler findet bzw. Korrekturen hat, nehme ich die Gerne
(Gerade bei der Trans100 Rede habe ich einige Teile schlich nicht heraushören können.)
Ich finde ihre Reden auch großartig! Lana ist eine große Philosphin, weiß viel, hat viel erlebt und viel reflektiert. Bei all dem schafft sie es, die wirklich wichtigen Punkte gut nachvollziehbar rüber zu bringen. Ich habe mal versucht die Essenz dessen, was mir besonders im Gedächtnis blieb, von ihrer Trans100 Rede mit eigenen Worten wiederzugeben. Es ist mir nicht wirklich gelungen. Besonders beeindruckend fand ich den Teil als sie herleitet, dass wir Trans*-Menschen, obwohl wir als die unnormalsten und absonderlichsten erscheinen, eigentlich doch die sind, die am universellsten und alles durchdringend sind - wir sprechen jede Sprache, wir sind in jedem Land, auf jedem Kontinent, wir haben jede Hautfarbe und jedes Geschlecht, wir sind schwul, lesbisch und bi - wir sind alles. Wir sind der Teil, der Teil von allem ist. Vielleicht ist es auch gerade genau das, was uns für einige so bedrohlich erscheinen lässt? Wir sind nicht leicht zu fassen und zu beschreiben. Wir können jede und jeder sein, der Nachbar, der Kollege, sogar ein Familienmitglied!
Über einen Aspekt, den sie dabei auch anspricht, denke ich auch bereits lange nach: Was bedeutet es, "normal" zu sein und sein zu wollen? Ist der Wunsch, als "normales" Mitglied der Gruppe der Männer oder Frauen angesehen zu werden wirklich das Ziel? Ist das Ziel die erneute Konformität? Ein "normales" Passing zu haben? Oder ist der Wunsch dazu eher das Resultat der Angst vor dem Gegenteill? Ist "Passing" wirklich ein erstrebenswertes Ziel? Oder sollten wir lieber einen gewissen Stolz entwickeln, trans* zu sein? Wir müssen nicht als CIS "passen", als etwas, dass wir nicht sind. Wir sind trans*, und das ist gut so - Lana sagte "When I came out I knew, that being trans will forever after be attached to my identity. ... But guess what? That was cool to me.". Ist es nicht viel mehr die Gesellschaft, der Staat, das System, das uns dazu bewegt, uns, sobald wir die eine stereotype Schublade verlassen haben, nackt und exponiert sofort wieder den Schutz der nächsten beengten Schublade zu suchen? Alles um uns herum ist kunstvoll nur um diese beiden Schubladen herum konstruiert worden. Doch nicht wir haben es so konstruiert. Dies haben andere vor uns für uns getan. Sie taten dies mit der impliziten Erwartung, dass wir uns auch daran halten würden, es aufrecht erhalten und weiter geben, so wie sie es von ihren Vorgängern geerbt haben und diese von ihren und so weiter. Wir sind nun diejenigen, die Löcher in die Wände der Schubladen treiben, um das Licht der Erkenntnis hinein scheinen zu lassen. Dunkelheit hat Vorteile für die, die nicht sehen wollen.
Ich schweife ab...
Gerade in den USA wird Lana wegen ihres Vergleichs der Situation von Trans* Menschen mit der von People of Color heftig kritisiert. Dazu maße ich mir besser kein Urteil an, dazu müsste man wohl eher in den USA aufgewachsen sein, um dies wirklich beurteilen zu können. Ich fand ihre Analogie nicht so unpassend, wie die US-Amerikaner, allerdings fiel es auch mir beim hören der Rede auch direkt auf, dass dies nun vielleicht etwas arg weit her geholt sei. Trans* Menschen wurden noch nie versklavt oder völlig entrechtet. Tran* Menschen wurden nie als Menschen dritter Klasse, fast Tieren gleich betrachtet. Trans* Menschen wurden nicht zu hunderttausenden aus ihrer Heimat verschleppt, um als billige Arbeitskräfte missbraucht zu werden. Dies sind aber alles Erblasten, die noch heute den People of Color gerade in den USA anhängen und die sie noch heute zum Ziel struktureller Diskriminierung und individueller Gewalt machen.
So sehr ich Lana schätze, ich glaube da hat sie sich doch etwas verstiegen. Ich glaube aber dennoch an sie und das sie das richtige meinte, es nur unbedacht ausdrückte.
Ich liebe sie trotzdem
Liebe Grüße
nicole
PS: Die Serie Sense8 von ihr (und Kollegen) ist einfach großartig! Ich habe noch nie eine TV Serie mit derart philosophischem Tiefgang gesehen - und eine Transfrau spielt eine Transfrau in einer der Hauptrollen - so cool!
http://nf.dpin.de/trans/texte/lana-wach ... ward-2012/
http://nf.dpin.de/trans/texte/lana-wach ... nois-2014/
http://nf.dpin.de/trans/texte/lana-wach ... s100-2015/
Die letzten beiden habe ich selbst abgetippt - wenn jemand Fehler findet bzw. Korrekturen hat, nehme ich die Gerne
(Gerade bei der Trans100 Rede habe ich einige Teile schlich nicht heraushören können.)
Ich finde ihre Reden auch großartig! Lana ist eine große Philosphin, weiß viel, hat viel erlebt und viel reflektiert. Bei all dem schafft sie es, die wirklich wichtigen Punkte gut nachvollziehbar rüber zu bringen. Ich habe mal versucht die Essenz dessen, was mir besonders im Gedächtnis blieb, von ihrer Trans100 Rede mit eigenen Worten wiederzugeben. Es ist mir nicht wirklich gelungen. Besonders beeindruckend fand ich den Teil als sie herleitet, dass wir Trans*-Menschen, obwohl wir als die unnormalsten und absonderlichsten erscheinen, eigentlich doch die sind, die am universellsten und alles durchdringend sind - wir sprechen jede Sprache, wir sind in jedem Land, auf jedem Kontinent, wir haben jede Hautfarbe und jedes Geschlecht, wir sind schwul, lesbisch und bi - wir sind alles. Wir sind der Teil, der Teil von allem ist. Vielleicht ist es auch gerade genau das, was uns für einige so bedrohlich erscheinen lässt? Wir sind nicht leicht zu fassen und zu beschreiben. Wir können jede und jeder sein, der Nachbar, der Kollege, sogar ein Familienmitglied!
Über einen Aspekt, den sie dabei auch anspricht, denke ich auch bereits lange nach: Was bedeutet es, "normal" zu sein und sein zu wollen? Ist der Wunsch, als "normales" Mitglied der Gruppe der Männer oder Frauen angesehen zu werden wirklich das Ziel? Ist das Ziel die erneute Konformität? Ein "normales" Passing zu haben? Oder ist der Wunsch dazu eher das Resultat der Angst vor dem Gegenteill? Ist "Passing" wirklich ein erstrebenswertes Ziel? Oder sollten wir lieber einen gewissen Stolz entwickeln, trans* zu sein? Wir müssen nicht als CIS "passen", als etwas, dass wir nicht sind. Wir sind trans*, und das ist gut so - Lana sagte "When I came out I knew, that being trans will forever after be attached to my identity. ... But guess what? That was cool to me.". Ist es nicht viel mehr die Gesellschaft, der Staat, das System, das uns dazu bewegt, uns, sobald wir die eine stereotype Schublade verlassen haben, nackt und exponiert sofort wieder den Schutz der nächsten beengten Schublade zu suchen? Alles um uns herum ist kunstvoll nur um diese beiden Schubladen herum konstruiert worden. Doch nicht wir haben es so konstruiert. Dies haben andere vor uns für uns getan. Sie taten dies mit der impliziten Erwartung, dass wir uns auch daran halten würden, es aufrecht erhalten und weiter geben, so wie sie es von ihren Vorgängern geerbt haben und diese von ihren und so weiter. Wir sind nun diejenigen, die Löcher in die Wände der Schubladen treiben, um das Licht der Erkenntnis hinein scheinen zu lassen. Dunkelheit hat Vorteile für die, die nicht sehen wollen.
Ich schweife ab...
Gerade in den USA wird Lana wegen ihres Vergleichs der Situation von Trans* Menschen mit der von People of Color heftig kritisiert. Dazu maße ich mir besser kein Urteil an, dazu müsste man wohl eher in den USA aufgewachsen sein, um dies wirklich beurteilen zu können. Ich fand ihre Analogie nicht so unpassend, wie die US-Amerikaner, allerdings fiel es auch mir beim hören der Rede auch direkt auf, dass dies nun vielleicht etwas arg weit her geholt sei. Trans* Menschen wurden noch nie versklavt oder völlig entrechtet. Tran* Menschen wurden nie als Menschen dritter Klasse, fast Tieren gleich betrachtet. Trans* Menschen wurden nicht zu hunderttausenden aus ihrer Heimat verschleppt, um als billige Arbeitskräfte missbraucht zu werden. Dies sind aber alles Erblasten, die noch heute den People of Color gerade in den USA anhängen und die sie noch heute zum Ziel struktureller Diskriminierung und individueller Gewalt machen.
So sehr ich Lana schätze, ich glaube da hat sie sich doch etwas verstiegen. Ich glaube aber dennoch an sie und das sie das richtige meinte, es nur unbedacht ausdrückte.
Ich liebe sie trotzdem
Liebe Grüße
nicole
PS: Die Serie Sense8 von ihr (und Kollegen) ist einfach großartig! Ich habe noch nie eine TV Serie mit derart philosophischem Tiefgang gesehen - und eine Transfrau spielt eine Transfrau in einer der Hauptrollen - so cool!
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
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Marielle
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Re: Mal wieder eine Rede von Lana Wachowski
Hallo, Guten Abend,
an Nicole erstmal einen ganz lieben Dank für das Skript. Das muss eine höllische Arbeit gewesen sein, die die Rede aber viel besser erschliesst, als das Video.
Ich finde es auch prima, dass der Thread so nochmal nach oben kam. Aber es ist hier offenbar, leider, nicht anders als anderswo; Äusserliches geht vor Inhalt, Show vor Reflexion und Philosophie. Und so ging der Thread schnell wieder unter. Das hat, in seiner bezeichnenden Art, etwas Bitteres, Tragisches. Häme, Ignoranz und Prügel für das wahrhafte Selbst, Preise und Lob für die Inszenierung. Ist das wirklich euer Ernst des Lebens? Ist alles nur Spass, nur Operette? Oder ist es die Matrix, in der Individualität nur eine IIlusion, nicht mehr als die Anbiederung an ein Bild in einem Lifestylemagazin, ist? Ich dachte, es ginge um mehr als das.
Habt es trotzdem gut
Marielle
an Nicole erstmal einen ganz lieben Dank für das Skript. Das muss eine höllische Arbeit gewesen sein, die die Rede aber viel besser erschliesst, als das Video.
Ich finde es auch prima, dass der Thread so nochmal nach oben kam. Aber es ist hier offenbar, leider, nicht anders als anderswo; Äusserliches geht vor Inhalt, Show vor Reflexion und Philosophie. Und so ging der Thread schnell wieder unter. Das hat, in seiner bezeichnenden Art, etwas Bitteres, Tragisches. Häme, Ignoranz und Prügel für das wahrhafte Selbst, Preise und Lob für die Inszenierung. Ist das wirklich euer Ernst des Lebens? Ist alles nur Spass, nur Operette? Oder ist es die Matrix, in der Individualität nur eine IIlusion, nicht mehr als die Anbiederung an ein Bild in einem Lifestylemagazin, ist? Ich dachte, es ginge um mehr als das.
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nicole.f
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Re: Mal wieder eine Rede von Lana Wachowski
..und prompt beschweren sich die ewig sinisteren Pharisäer aus sicherer Entfernung mal wieder nur über das eine, den vermeintlich "falschen" Begriff. Ein Blick über den Tellerrand hinaus wäre ihnen vielleicht stattdessen mal empfohlen, denn komischerweise gibt es kaum in einem anderen Land der Erde derart verbitterte Glaubenskriege um die Deutungshoheit von Begriffen, wie bei uns hier. Warum ist das nur so? Wenn sich hierzulande eine Person selbst als "transgender" bezeichnet, erscheint dies schon fast wie eine selbst Degradierung - "Frau/Mann mit transsexueller Vergangenheit" wäre das Richtige, sagen sie. Unsinn, sage ich, denn es kommt nicht darauf an, was andere mir versuchen zu diktieren, wie ich mich und aus welchen Gründen selbst beschreiben müsse. Ich hoffe, dass das auch bei uns irgendwann endlich nachlässt oder besser noch, ganz aufhört. Denn es trägt absolut gar nichts zur Lösung unserer größeren Probleme bei, sondern sorgt im Gegenteil für eine innere Spaltung unserer gemeinsamen Peer-Community. Diese kleinlichen Begriffsstreitigkeiten schwächen uns und unsere Position. Sie machen Kommunikation, die so dringend nötig wäre, annähernd unmöglich. Es ist schon heute so, dass es praktisch nicht möglich ist, einen Text zu oder über uns zu verfassen, der nicht von einer größeren Gruppe alleine schon wegen der Begrifflichkeit darin auseinander genommen wird. Was für ein Irrsinn! Haben wir wirklich nichts Besseres zu tun, als uns selbst zu zerfleischen?
Ich spreche im Übrigen bewusst von Transfrauen oder Transmännern, wenn ich Personen meine, deren Selbstdefinition Frau oder Mann ist und die aber gleichzeitig offen zu ihrer Trans* Geschichte stehen und nicht versuchen, in der Anonymität eines möglicherweise vermeintlichen Stealth-Mode zu verschwinden. Jeder Person, die dies möchte, sei dies von Herzen gegönnt, vor allem wenn sie es auch tatsächlich schafft. Ich halte es nur nicht für ein allgemein erstrebenswertes Ziel, schon gar nicht für Aktivist_innen. Wie soll man denn glaubhaft etwas vertreten, dessen Existenz man mit der Verengung auf das Resultat praktisch negiert? Da gibt es in der Tat Menschen die meinen, sie seien schon immer Frau oder Mann gewesen und Transsexualität wäre eine Art zwischenzeitlicher Zustand gewesen - wie ein Schmetterlings-Kokon. Aber eigentlich waren sie immer nur genau und exakt das eine. Spannend. Doch es ist auch unglaublich tragisch, denn es verleugnet die Existenz von all jenen, die nicht von der einen Schublade direkt in die anderen Springen können oder wollen. Es begrenzt das Verständnis von Geschlechtlichkeit schon wieder auf die zwei kleinen Kästchen, die seit Jahrhunderten so vielen Menschen so viel Leid bescheren. Es grenzt aus, es unterdrückt, es übt Zwang aus und es macht so viele Menschen schon wieder unsichtbar. Sie werden nicht mitgedacht, ignoriert, übergangen und isoliert. Wollen wir das wirklich? Glücklicherweise scheint mir doch langsam die größere Bewegung weg von diesem Binär zu gehen. Ich begrüße dies sehr!
Doch nocheinmal einen Schritt zurück zu einzelnen Personen und der angemahnten Vermeidung von Begriffen wie Transmann oder Transfrau. Was ist dann mit Menschen, die gerade erst am Anfang ihrer Transition stehen? Menschen mit "transsexueller Vergangenheit" wäre ja wohl eindeutig falsch, denn das ist für sie noch Zukunft. Die Selbstbeschreibung "Mann" oder "Frau" würden sie sicherlich nehmen, doch das macht dann Kommunikation sehr schwer - oder wie erkläre ich es dann, dass da ein Mann nach einer Mastektomie fragt? Ach ja, der Zwischenschritt, das ist dann ein transsexueller Mann? Also in kürzerer Schreibweise und unter Auslassung der Sexualität, die hier nun wirklich nichts zur Sache tut, doch einfach ein Transmann? Oh richtig, die "Sexualität" in "Transsexualität" bezieht sich auf "Sexus", das Geschlecht, im Englischen auch "gender" genannt, wenn man sich nicht nur auf das rein Biologische beschränken möchte. Womit wir dann auch bei Transgender wären?
Es ist völlig müßig darüber zu diskutieren, was wohl wo, wann und wie das eine "richtig" wäre. Das *eine* "richtig" wird es vermutlich nie geben. Ich probiere es mal so, in der Wissenschaft nennt man das die Falsifizierung einer Theorie: Ich lehne für mich die Beschreibung "Frau mit transsexueller Vergangenheit" ab und würde mich mit Transfrau viel eher beschrieben fühlen. Und nun? Wir drehen uns im Kreis. Es darf nicht länger darum gehen, wer richtiger als andere liegt. Wir alle, die wir eine trans* Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft haben, haben viel grundlegendere Probleme, als uns über Begriffe zu streiten. Wenn wir irgendwann einmal, in hoffentlich nicht all zu ferner Zukunft, an dem Punkt angekommen sind, an dem trans* zu sein kein Stigma mehr ist, kein Grund für Diskriminierung, kein Grund an den Rand gedrängt zu werden, kein Grund Familie und Freunde zu verlieren und vor allem kein Grund mehr für so viele Trans*-Menschen ist, lieber den Freitod statt das Leben zu wählen, dann können wir gerne beginnen, über spitzfindige Begriffsdefinitionen zu streiten.
Liebe Grüße
nicole
Ich spreche im Übrigen bewusst von Transfrauen oder Transmännern, wenn ich Personen meine, deren Selbstdefinition Frau oder Mann ist und die aber gleichzeitig offen zu ihrer Trans* Geschichte stehen und nicht versuchen, in der Anonymität eines möglicherweise vermeintlichen Stealth-Mode zu verschwinden. Jeder Person, die dies möchte, sei dies von Herzen gegönnt, vor allem wenn sie es auch tatsächlich schafft. Ich halte es nur nicht für ein allgemein erstrebenswertes Ziel, schon gar nicht für Aktivist_innen. Wie soll man denn glaubhaft etwas vertreten, dessen Existenz man mit der Verengung auf das Resultat praktisch negiert? Da gibt es in der Tat Menschen die meinen, sie seien schon immer Frau oder Mann gewesen und Transsexualität wäre eine Art zwischenzeitlicher Zustand gewesen - wie ein Schmetterlings-Kokon. Aber eigentlich waren sie immer nur genau und exakt das eine. Spannend. Doch es ist auch unglaublich tragisch, denn es verleugnet die Existenz von all jenen, die nicht von der einen Schublade direkt in die anderen Springen können oder wollen. Es begrenzt das Verständnis von Geschlechtlichkeit schon wieder auf die zwei kleinen Kästchen, die seit Jahrhunderten so vielen Menschen so viel Leid bescheren. Es grenzt aus, es unterdrückt, es übt Zwang aus und es macht so viele Menschen schon wieder unsichtbar. Sie werden nicht mitgedacht, ignoriert, übergangen und isoliert. Wollen wir das wirklich? Glücklicherweise scheint mir doch langsam die größere Bewegung weg von diesem Binär zu gehen. Ich begrüße dies sehr!
Doch nocheinmal einen Schritt zurück zu einzelnen Personen und der angemahnten Vermeidung von Begriffen wie Transmann oder Transfrau. Was ist dann mit Menschen, die gerade erst am Anfang ihrer Transition stehen? Menschen mit "transsexueller Vergangenheit" wäre ja wohl eindeutig falsch, denn das ist für sie noch Zukunft. Die Selbstbeschreibung "Mann" oder "Frau" würden sie sicherlich nehmen, doch das macht dann Kommunikation sehr schwer - oder wie erkläre ich es dann, dass da ein Mann nach einer Mastektomie fragt? Ach ja, der Zwischenschritt, das ist dann ein transsexueller Mann? Also in kürzerer Schreibweise und unter Auslassung der Sexualität, die hier nun wirklich nichts zur Sache tut, doch einfach ein Transmann? Oh richtig, die "Sexualität" in "Transsexualität" bezieht sich auf "Sexus", das Geschlecht, im Englischen auch "gender" genannt, wenn man sich nicht nur auf das rein Biologische beschränken möchte. Womit wir dann auch bei Transgender wären?
Es ist völlig müßig darüber zu diskutieren, was wohl wo, wann und wie das eine "richtig" wäre. Das *eine* "richtig" wird es vermutlich nie geben. Ich probiere es mal so, in der Wissenschaft nennt man das die Falsifizierung einer Theorie: Ich lehne für mich die Beschreibung "Frau mit transsexueller Vergangenheit" ab und würde mich mit Transfrau viel eher beschrieben fühlen. Und nun? Wir drehen uns im Kreis. Es darf nicht länger darum gehen, wer richtiger als andere liegt. Wir alle, die wir eine trans* Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft haben, haben viel grundlegendere Probleme, als uns über Begriffe zu streiten. Wenn wir irgendwann einmal, in hoffentlich nicht all zu ferner Zukunft, an dem Punkt angekommen sind, an dem trans* zu sein kein Stigma mehr ist, kein Grund für Diskriminierung, kein Grund an den Rand gedrängt zu werden, kein Grund Familie und Freunde zu verlieren und vor allem kein Grund mehr für so viele Trans*-Menschen ist, lieber den Freitod statt das Leben zu wählen, dann können wir gerne beginnen, über spitzfindige Begriffsdefinitionen zu streiten.
Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
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Anke
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Re: Mal wieder eine Rede von Lana Wachowski
Hallo,
vielen Dank an Nicole für die Transkripte!
Die Analogie zum Thema Schwarz/Weiß geht für mich daneben, auch wenn ich verstehe was sie will. Auch große Menschen greifen mal daneben.
Zum Thema Begriffe und insbesondere Transfrau möchte ich sagen, dass ich das Thema gerade hier in einem anderen Thread und auf Facebook hatte. Ich kann mich auch nur wundern, warum damit wie Nicole es schreibt "pharisäisch" umgegangen wird.
Die Empfindungen und Sichten sind unterschiedlich und genau das geht in all diesen Merkwürdigen Diskussionen meist unter. Mir persönlich gefällt es besser mich als Transfrau, denn als transsexuelle Frau zu bezeichnen. Damit fühle ich wohl. Wenn eine andere das für sich anders sieht, dann ist es das ihr gutes Recht.
Und ich kann mich wieder Nicole anschliessen, die Diskussionen um die Begriffe lenken von der Lösung der wahren Probleme ab. Und unsere Energie sollten wir lieber auf letzteres lenken.
Liebe Grüße
Anke
vielen Dank an Nicole für die Transkripte!
Die Analogie zum Thema Schwarz/Weiß geht für mich daneben, auch wenn ich verstehe was sie will. Auch große Menschen greifen mal daneben.
Zum Thema Begriffe und insbesondere Transfrau möchte ich sagen, dass ich das Thema gerade hier in einem anderen Thread und auf Facebook hatte. Ich kann mich auch nur wundern, warum damit wie Nicole es schreibt "pharisäisch" umgegangen wird.
Die Empfindungen und Sichten sind unterschiedlich und genau das geht in all diesen Merkwürdigen Diskussionen meist unter. Mir persönlich gefällt es besser mich als Transfrau, denn als transsexuelle Frau zu bezeichnen. Damit fühle ich wohl. Wenn eine andere das für sich anders sieht, dann ist es das ihr gutes Recht.
Und ich kann mich wieder Nicole anschliessen, die Diskussionen um die Begriffe lenken von der Lösung der wahren Probleme ab. Und unsere Energie sollten wir lieber auf letzteres lenken.
Liebe Grüße
Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.
Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)
https://www.transcuisine.com
Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCQc7XaiWBuzchBQTnGRv80g
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