Hallo Jaddy,
Jaddy hat geschrieben: Di 22. Apr 2025, 18:45
jetzt wird es sehr sachlich
Ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor. Wie du ja nun lang und breit in deinen wissenschaftstheoretischen Exkursen ausgeführt hast, erfüllt Glaube jedweder Art nicht die Anforderungen, die an eine wissenschaftliche Diskussion gestellt werden. Damit ist klar, dass der moderne naturwissenschaftliche Anspruch (basierend u.a. auf objektiver Beobachtung, nachvollziehbarer Wiederholbarkeit und präziser Messung) für Gespräche über Glauben und Religion ungeeignet ist. Wozu sich also damit abmühen, zu versuchen, etwas mit dem unpassenden Werkzeug zu bearbeiten? Jeder Versuch wird scheitern, er muss es nachgerade aufgrund der fehlenden Voraussetzungen.
Mögen diese Prämissen in anderen Fällen wunderbar geeignet und zur wissenschaftlichen Erkenntnis absolut notwendig sein, so sind sie in dieser Diskussion nicht nur überflüssig, sondern kontraproduktiv. Sie führen nicht zu neuen Erkenntnissen, sondern beschädigen letztlich die Beteiligten.
Umgekehrt wirst auch du intuitiv zustimmen, nämlich dann, wenn es darum geht, dass Glaube kein geeignetes Mittel ist, um naturwissenschaftliche Phänomene zu klären.
Wobei, wenn man sich die Gedanken der modernen Teilchenphysiker anschaut, dann ist es wohl doch nicht völlig ausgeschlossen (Stichwort "Gottesteilchen")...
Letztlich geht es doch um die Frage, wer für sich in Anspruch nehmen darf, die letztgültige ("absolute") Wahrheit verkünden zu dürfen. Das behaupten die modernen Naturwissenschaften (Primat der Wissenschaft), die der Menschheit den ganzen technischen Fortschritt gebracht haben (aber auch zahllose negative Begleiterscheinungen wie psychische Krankheiten, kaputte Gesellschaften oder Umweltzerstörung).
Das behauptet aber auch jede spirituelle Strömung, die für sich in Anspruch nimmt, den Menschen als Wesen zu akzeptieren, das mehr ist als nur eine fein ausgeklügelte biochemische Maschine. Nur auf dieser metaphysischen Ebene können bestimmte menschliche Bedürfnisse überhaupt angesprochen werden, die sich um das Leben als solches drehen und Transzendenz zum Ziel haben: Was ist es, woher kommt es, wieso haben wir ein Bewusstsein, und so weiter.
Alles essentielle Fragen, auf die die Naturwissenschaften keine Antwort liefern. Sie haben es bisher noch nicht einmal geschafft, das Phänomen der Entstehung von neuem Leben schlüssig zu erklären.
Transzendenz ist etwas völlig anderes als
Erkenntnis.
Der Mensch ist keine Maschine, auch wenn uns die moderne Wissenschaft dies ständig einzureden versucht. Er hat über die reine organische Funktionsfähigkeit hinaus
essentielle Bedürfnisse, die er empfinden und äußern kann. Er kann sie auch unterdrücken und verleugnen, aber das ist seinem Wohlergehen abträglich. Erwird dennoch
existieren können, aber wirklich
leben?
Dieser Dualismus von physischer und spiritueller Welt ist so alt wie die Menschheit. Genauso alt ist vermutlich der Streit um die Deutungshoheit. Wir werden ihn hier nicht lösen können, das sollten wir akzeptieren.
LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal