Hallo!Michelle_Engelhardt hat geschrieben: Mi 3. Okt 2018, 13:00 Habe ich eben von einer lieben Freundin auf Whatsapp bekommen.
"Wer sich über mich ärgert, sollte immer bedenken, welche unsagbar schlimme Kindheit ich hatte.
Ich hatte kein Handy (GAR KEINS, nicht nur nicht das neueste Modell) und kein Internet.
Zur Schule und zurück musste ich mit dem Bus fahren, zu dem ich auch noch erst zu Fuß hingehen musste. Ich wurde nicht tagtäglich mit dem Auto bis direkt vor mein Klassenzimmer gefahren und dort auch wieder abgeholt. Meine Eltern haben es wohl nicht eingesehen, dass 2 Tonnen Auto für den Transport eines Kindes zur Schule in Bewegung gesetzt werden müssen, wenn da eh ein Bus fährt. Oder es lag daran, dass wir in unserer ganzen Armut nur ein Auto hatten, mit dem mein Vater zur Arbeit gefahren ist. Außerdem gab es vor der Schule eh nur einen Busparkplatz und keine 300 Stellplätze für in SUVs auf ihre Kinder wartenden Helikoptermütter. Dies habe ich wohl nur mit viel Glück überlebt.
Zum Spielen stand uns kein zehnfach TÜV-geprüfter Spielplatz zur Verfügung, wo unter der Schaukel eine Gummidämmmatte war, damit wir uns auch ja nicht zu Tode stürzten, wenn wir zu blöd zum Schaukeln waren. Wir mussten auf dem Bolzplatz oder auf dem Dorfplatz kicken, wir spielten im Feld zwischen Kühen, Stacheldrähten und Hecken, kletterten auf ungesicherte Bäume und liefen durch den Bach. Und wenn wir dabei auf die Schnauze flogen, dann heilte das meist von selbst, ohne dass man uns in Sagrotan oder sonstwas badete und sofort wegen jedem Fliegenschiss zum Arzt schleppte.
Wir waren so arm, wir konnten uns nicht mal eine Laktoseintoleranz oder Glutenunverträglichkeit leisten. Geschweige denn einen Doppelnamen wie Jeremy Pascal oder Finn Torben. Einen Namensaufkleber des Nachwuchses auf der Heckscheibe gab es nicht. Unsere Eltern mussten uns in der ganzen Not noch ohne Hilfsmittel mit Namen kennen. Das ging aber auch, denn sie sahen uns ja auch häufig genug, weil es keine Ganztagesbetreuung in der Schule gab und wir nicht nur zum Abendessen und Schlafen zuhause bei ihnen waren. Selbst die Ernährung ihrer Kinder mussten in diesen Notzeiten die Eltern noch selbst übernehmen. Da gab es haufenweise Mütter, die das historische Ritual des Kochens noch beherrschten und auch durchführten!
Dass wir das alles einigermaßen überstanden haben, grenzt schon an ein Wunder. Dass unsere Eltern dafür nicht in den Knast kamen, noch mehr. Heute ist das alles zum Glück ja gar nicht mehr vorstellbar! Wo kämen wir denn da auch hin???
Aber wer so aufwächst, der muss auch zwangsläufig einen Schaden davontragen. Also habt Nachsicht mit mir. Ich bin ja schon froh, dass ich bei all diesen unsäglichen Missständen nicht gleich gestorben bin!"
Da steckt schon ne Menge Wahres drin![]()
Ergänzend könnte man erwähnen, dass man sich mit seinen Freunden von Angesicht zu Angesicht verabredet hat, oder auf gut Glück einfach zu ihren Elterhaus gelaufen ist und geklingelt hat, Telefon war noch Luxus, geschweige Handy.
Und ja, man war auch Draußen unterwegs und hat auch mal den ein oder anderen Schabernack getrieben. Meistens aber die Umgebung erkundet oder gespielt.
So lernte ich die Landschaft und den Wohnort kennen. Ich sah, wie die Spielwiesen in Gewerbeflächen und Parkplätze verwandelt wurden, und nicht nur den neuen Wandanstrich des Klassenzimmers.
Und meine Eltern wussten noch, wie man den Haushalt organisiert und selber die Arbeiten erledigen musste. Haus- und Kindermädchen konnte sich nur die Reichen leisten. Im Urlaub verreisen war ein besonderes Erlebnis auf das lange gespart wurde. Den ICE und Bahncard gab es nicht und die Autos waren eng und langsam. Die Strassen waren noch durch diverse Ortschaften geführt und an die Landschaft angepasst.
Die Staaten waren noch durch Zollgrenzen getrennt. Mal eben ein Kurztrip ans Mittelmeer oder zum Schoppen nach Polen oder Dänemark undenkbar.
Und was ist?
Richtig wir leben noch.
LG Verena