Erfahrungen mit Körperfeminisierung
Erfahrungen mit Körperfeminisierung - # 5

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Jaddy
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 61 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Für mein Gefühl wird in einigen Beträge zu stark getrennt. Wer macht "nur" Crossdressing, wer ist "wirklich" trans, usw. Ich bin jetzt einige Jahre in nichtbinären Kreisen unterwegs und sehe, dass da ein mehrdimensionales Spektrum existiert.

Die vergangene Woche habe ich mit mehreren Menschen verbracht, die mit viel Geschick ihren Körper und ihre "Präsentation" abstimmen, bis es wirklich für sie passt. Mehrere trans maskuline, nichtbinäre Wesen, die eine Zeitlang Hormone nahmen, bis zum Beispiel Bart und Stimme richtig waren, dann absetzen. Eine Person auch, weil sie demnächst schwanger werden möchte. Und danach beim körpereigenen Östrogen bleiben.

Also: Es gibt da viele Varianten, die sich nicht so leicht eindeutig zuordnen lassen. Ist Hormon-Mikrodosing plus Crossdressing "schon trans" oder "noch nicht"? Worin unterscheidet sich das zum Beispiel von einer "echten" genderfluiden Person?
Aria
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 62 im Thema

Beitrag von Aria »

Jaddy hat geschrieben: So 9. Jul 2023, 02:26 Also: Es gibt da viele Varianten, die sich nicht so leicht eindeutig zuordnen lassen. Ist Hormon-Mikrodosing plus Crossdressing "schon trans" oder "noch nicht"? Worin unterscheidet sich das zum Beispiel von einer "echten" genderfluiden Person?
Weisst du Jaddy wovor ich Angst habe? Dass uns das "jeder kann seinen Körper nach allen Regeln der Kunst umformen, weil ja jeder alles sein kann" auf die Füsse fällt. Und mit "uns" meine ich die - in deinen Augen - "echten TS", die durch die "offizielle" Prüfung von Therapeut und Co. KG gegangen sind und somit die HET beginnen konnten. Mir machen diese Aktivisten Angst, die alles aus fremden Händen in die eigenen legen möchten und somit in Kauf nehmen, dass diejenigen, die scheinbar "alles in der Hand haben" eines Tages sagen: Bitte, da habt ihr. Kauft euch eure Präparate selbst aber im Gegenzug drehen wir an der Preisschraube. Dann sehe ich, wie meine Dosis Ö pro Monat keine 3 € kostet, sondern vllt. 30 €. Ich sage es dir nur ungern, obwohl ich dich für einen klugen und wertvollen Kopf in der Community halte, aber Aktivisten haben Dinge nicht nur gut gemeint, sondern auch nicht immer gut gemacht. Zu oft kam auf lange Sicht gesehen, ein Pyrrhus-Sieg dabei raus, der für das Individuum zwar als Sieg galt, doch für die Mehrheit eine Niederlage bedeute. Und da hilft es auch nix, das grosse Ganze verändern zu wollen, denn dieser Sieg sollte ja nur ein Etappenziel gewesen sein. Nein, da mag ich nicht mitmachen, denn das ist nicht mein Ziel. Mein Ziel ist es, mein mühsam erarbeitetes Leben so leben zu wollen, wie ich das gerne hätte und wie ich das mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Und dieses Gewissen sagt nicht, dass ich keine Kompromisse eingehen mag. Es sagt, dass ich meinen Weg und meinen Frieden finden muss, in dieser zu oft fremdbestimmten Welt.
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 63 im Thema

Beitrag von andrea8847 »

Aria. Deine Besorgnis ist verständlich. Wenn ich dich richtig verstehe, würde das aber bedeuten, dass diejenigen, die nicht in eine Schublade passen, dann auch keine Hormone bekommen würden. Ob das okay ist, darüber kann man streiten. Wäre nicht die bessere Lösung, dass diejenigen, die diesen Weg wählen, dann auch über Arzt und vor allem ärztliche Betreuung sicherer sind und auch nur die Gebühren tragen müssen?
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Aria
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 64 im Thema

Beitrag von Aria »

andrea8847 hat geschrieben: Mo 10. Jul 2023, 21:51 Wenn ich dich richtig verstehe, würde das aber bedeuten, dass diejenigen, die nicht in eine Schublade passen, dann auch keine Hormone bekommen würden.
Gegenfrage: Warum bekommen nicht alle Frauen einen Brustaufbau genehmigt, die unzufrieden mit ihrer Körbchengröße sind?
Antwort: all die Frauen, die eine Differenz von OBW-UBW <= 13 cm haben, bekommen den BA finanziert. Komplett egal, ob Cis oder trans Frau.

Verstehst du, irgendwo muss man anfangen Grenzen zu setzen, ansonsten landet man im Nirgendwo. Und da kommt als Faktor der Leidensdruck ins Spiel, den es schlüssig darzulegen gilt. Das war für mich nie ein Problem. Für diejenigen, die eine körperliche Morphose nur als Optimierung sehen, ähnlich denen, die sich Hörner in die Stirn einsetzen lassen, weil die sich so dem Satan näher glauben, schon.
Deswegen muss ich auch oft an mich halten, wenn ich so Geschichten von lese, deren Motivation komplett andere ist als meine. Da denke ich mir nur, mach doch, nimm 10k € in die Hand und lass dir dies und jenes machen. Hab ich schließlich auch, in den Punkten, die nicht ob meiner Geschichte von der KK übernommen wurden. Und warum.....weil ich es mir und meinem Seelenfrieden wert war. Bist du es dir auch und kannst schlüssig darlegen, dass es bei dir keinen anderen Ausweg gibt und Komorbitäten nicht vorhanden sind, hast du alle Freiheiten im Rahmen unseres Rechtsstaat.
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 65 im Thema

Beitrag von andrea8847 »

Dann habe ich dich wohl falsch verstanden, wenn du es Menschen mit anderen Motivationen überlassen möchtest ihr selbst zu bezahlen, sind wird minimal fein. Insgesamt aber glücklich für dich, dass deine Motivation kassentauglich ist, während andere es nicht sind. Dabei muss es im Übrigen nicht um Optimierung gehen, sondern es kann ebenso wie bei dir ein großer Druck dahinter stehen. Ein Vergleich mit Satanismus ist hier bestimmt nicht nötig.
Am Ende freue ich mich, dass dein harter Weg zu einem guten Ende kommt
LG andrea
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Nico
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 66 im Thema

Beitrag von Nico »

Aria hat geschrieben: Mo 10. Jul 2023, 22:23 Verstehst du, irgendwo muss man anfangen Grenzen zu setzen, ansonsten landet man im Nirgendwo. Und da kommt als Faktor der Leidensdruck ins Spiel, den es schlüssig darzulegen gilt. Das war für mich nie ein Problem. Für diejenigen, die eine körperliche Morphose nur als Optimierung sehen, ähnlich denen, die sich Hörner in die Stirn einsetzen lassen, weil die sich so dem Satan näher glauben, schon.
Deswegen muss ich auch oft an mich halten, wenn ich so Geschichten von lese, deren Motivation komplett andere ist als meine. Da denke ich mir nur, mach doch, nimm 10k € in die Hand und lass dir dies und jenes machen. Hab ich schließlich auch, in den Punkten, die nicht ob meiner Geschichte von der KK übernommen wurden. Und warum.....weil ich es mir und meinem Seelenfrieden wert war. Bist du es dir auch und kannst schlüssig darlegen, dass es bei dir keinen anderen Ausweg gibt und Komorbitäten nicht vorhanden sind, hast du alle Freiheiten im Rahmen unseres Rechtsstaat.
Ich muss dir widersprechen. Nicht binäre Personen können Körperdysphorie mit dem verbundenen Leidensdruck haben, aber die Kosten für die Operationen werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht übernommen, da die Begutachtungsanleitung nicht binäre Menschen ausschließt.
Wenn ein Mensch sich für eine Mastektomie entscheidet, wollen fast alle Operierenden Indikationsschreiben etc. sehen. Wenn ein Mensch sich hingegen die Brust vergrößern lassen möchte, muss er einfach nur Geld auf den Tisch legen.
LG Nico
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 67 im Thema

Beitrag von Blossom »

andrea8847 hat geschrieben: Mo 10. Jul 2023, 22:36 Dabei muss es im Übrigen nicht um Optimierung gehen, sondern es kann ebenso wie bei dir ein großer Druck dahinter stehen. Ein Vergleich mit Satanismus ist hier bestimmt nicht nötig.
Der Vergleich ist m.E. ja nicht völlig von der Hand zu weisen ... es gibt reichlich Beispiele für Dergleichen: Echsenmann etc ... In meinen Augen reiner Irrsinn. Aber gut, jedem das seine. Auch fällt mir da ein Kanadier ein, der sich ein Auge herausnehmen ließ, um es durch eine Kamera zu ersetzen, die mit einer Software zur Personenerkennung verbunden ist ... Cyborg quasi ... und gilt Optimierung nicht auch bei Tattoos?

Aber bleiben wir mal bei Leidensdruck ... Sollten Kosten auch in den Fällen übernommen werden, in denen Menschen an einer "Body Integrity Identity Disorder" leiden, am krankhaften Wunsch, eine körperliche Behinderung zu erlangen, etwa Blindheit, Querschnittslähmung, oder Amputation eines Körpergliedes? Hier ist wohl eher Therapie angesagt, anstatt dem Wunsch stattzugeben - ganz abgesehen davon, dass es dem "Hippokratischen Eid" oder auch "Genfer Gelöbnis" zuwiderläuft.

Es hat letztlich schon Gründe, warum es einer Diagnose bedarf ... und ganz ehrlich: Was bitte soll die Allgemeinheit alles bezahlen, wo das Gesundheitssystem eh schon an seine Grenzen stößt?
andrea8847 hat geschrieben: Mo 10. Jul 2023, 21:51 Sobald Aktivismus, Religion, Politik mitbieten, ist Freiheit individuell kaum noch möglich 😥
Endet die Freiheit nicht bereits dort, wo sie die eines anderen tangiert? Wenn sich jeder seine individuelle Freiheit herausnehmen könnte, gliche das nicht schon einer Abwesenheit derselben? Dann könnte ja jeder, dem meine Nase nicht passt, mich auch zusammenschlagen, weil er es als seine indivudelle Freiheit betrachtet, dies tun zu dürfen. ich denke, dass wir hier so viele Freiheiten wie wohl kaum anders in der Welt haben ... nur einige immer noch nicht damit zufrieden sind und nicht verstehen, dass Freiheiten auch Grenzen haben.
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
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Jaddy
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 68 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Ich verstehe die Besorgnis derjenigen, die irgendwie mit dem System klar kommen (müssen). Allerdings funktioniert das System nicht so. Technisch hindert einen Menschen mit Approbation und Rezeptblock nichts daran, HET zu verschreiben und die zugehörigen Checks zu machen. So funktioniert es seit Jahrzehnten bei "der Pille" und vielen anderen Dingen, die beileibe keine Smarties sind, aber im Gegensatz zu einer "gegengeschlechtlichen Hormontherapie" gesellschaftlich akzeptiert(er). Das Thema könnte also mit einem Federstrich geklärt werden. "GBA beschliesst HET als voraussetzungslose Regelleistung".

Es geht aber genau um Grenzen. Speziell darum, warum sie in vielen Fällen überhaupt existieren. Nein, Kosten sind es nicht. Das habe ich schon mal vorgerechnet. Es sind rein politische Intentionen, weshalb das eine bezahlt wird - zum Beispiel die Folgen von Nikotin, Alkohol, Fehlernährung, usw. - und andere Dinge nicht.

Für mich sind deshalb alle "irgendwo müssen wir Grenzen setzen" in Bezug auf Transitionen nur vorgeschoben und zwar von Menschen mit bestimmten Interessen. Wir sollten darauf nicht reinfallen. Wir könnten allen Menschen, die wollen, eine Transition ohne den ganzen Aufwand ermöglichen. Einfach indem die Hürden gestrichen werden. Letztlich verhindern die Zwangstherapien und Gutachten keine Transitionen. Sie erzeugen nur mehr Leiden und Kosten. Genauso könnten wir wieder Brillen und Zahnersatz vollständig zahlen, wie vor Kohls neoliberaler "Wende". Oder Bahn und Bus fahrscheinfrei machen. Das ist alles machbar.

Die Frage lautet: Warum wird es nicht getan? Wer profitiert davon, finanziell und_oder politisch? Und da komme ich noch mal auf die Befürchtung, die Verantwortlichen könnten sich quasi durch die Preise "rächen" (was unrealistisch ist): Das geht letztlich in die gleiche Richtung wie meine Argumentation. Die Erkenntnis, dass es aktuell Instanzen mit Entscheidungsmacht gibt, denen "wir" - trans, nichtbinär - ausgeliefert sind und von denen wir zu Bedürftigen und Bittstellenden gemacht werden. Dem können wir mit Angst und Fügsamkeit begegnen, oder aber die Unfairness benennen und dagegen vorgehen. Ich neige zur zweiten Variante.
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 69 im Thema

Beitrag von Patricia »

Jaddy,
ein wenig muss und will ich dir widersprechen. Ganz so einfach ist das Ganze nicht, zumindest nicht für mich. Ich habe seit dem Beginn meiner Transition mehrere Menschen kennengelernt bei denen ich das bezweifle ob Hormone wirklich der richtige Weg sind oder ob die Gabe nicht deutlich später erfolgen sollte, wenn bestimmt psychische Probleme stabilisiert sind. Einige Menschen versprechen sich wahre Wunder von der HRT und sind dann bitterbös enttäuscht wenn diese nicht eintreten und brechen dann alles ab und geben anderen Menschen die Schuld daran.
Sabeth, wäre so ein prominentes Beispiel, das wir alle aus den Medien kennen, aber ich habe einige wenige solcher Menschen auch persönlich kennengelernt.
Von daher finde ich das, zumindest teilweise, gut, dass es eine gewisse Hürde auf dem Weg gibt. Diese Hürde ist für einige von uns kein großes Problem, für andere wiederum schier unüberwindbar und belastend, aber am Ende frage ich mich ob diejenigen die diese Hürde (und die ist wirklich oft nicht so hoch) nicht schaffen wirklich bereit dazu sind mit einem verändertem Körper und Geist dem alltäglichem Leben zu begegnen. Ich habe letztes Jahr einen jungen Menschen kennengelernt, welchem bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde und dieser Mensch identifiziert sich als nicht binär und wollte unbedingt Hormone, war aber nicht bereit ohne eine HRT sich auszuleben. Ganz ehrlich da habe ich massive Bedenken ebenso habe ich mal eine Transfrau kennengelernt so um die 50 Jahre alt, welche der Meinung war sie kann nicht sie selbst sein ohne Hormone und sie feindete alle an die ihr gesagt haben, dass das sehr wohl geht und dass Hormone eigentlich nur ein Goodie bei der ganzen Sache sind.
Bei solchen Fällen habe ich definitiv Bedenken was den uneingeschränkten Zugang zu Hormonen und operativen Eingriffen angeht.
Ich bin definitiv nicht gegen selbstbestimmtes Leben, doch wie das Leben mich gelehrt hat, sind einige von uns ab und an nicht in der Lage die Konsequenzen des eigenen Handelns einzuschätzen. Daher sind gesellschaftlich gesetzte Grenzen oft ein notwendiges Übel.

LG
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 70 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

ich denke, dass alle Schreibenden in diesem Forum eine Verantwortung haben.
Die rechne ich natürlich auch mir zu - und in diesem Sinne habe ich geantwortet..
Wenn eine Person "neu" ist im Forum, ganz gleich ob das am Anmeldedatum liegt oder an einer sehr geringen Anzahl von Beiträgen, dann schaue ich erstmal, was diese Person bisher von sich gegeben hat (falls es Beiträge gibt).
Bei einer Person, die sich als "Crossdresser" bezeichnet und bisher "relativ belanglose Beiträge" geschrieben hat (das soll nicht abwertend, sondern beschreibend sein), dann bin ich äußerst vorsichtig mit einer Empfehlung, "es mit Hormonen einfach mal zu versuchen".
Dabei ist eine Brustentwicklung nicht einmal gesichert durch Hormongabe zu erreichen.
Ich denke, um gezielt beraten zu können, muss man einen Menschen näher kennen.
Dabei finde ich es nicht notwendig, im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit der Fragestellung auf die medizinischen und gesellschaftlichen "Systemfehler" zu kommen und darauf, was "schlimmer ist, als mal Hormone auszuprobieren" (aber erlaubt/geduldet).
Das ist ein extra Thema in meinen Augen.

Gruß
Anne-Mette
Jaddy
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 71 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Patricia_cgn hat geschrieben: Di 11. Jul 2023, 09:10 Jaddy,
ein wenig muss und will ich dir widersprechen. Ganz so einfach ist das Ganze nicht, zumindest nicht für mich. Ich habe seit dem Beginn meiner Transition mehrere Menschen kennengelernt bei denen ich das bezweifle ob Hormone wirklich der richtige Weg sind oder ob die Gabe nicht deutlich später erfolgen sollte, wenn bestimmt psychische Probleme stabilisiert sind. Einige Menschen versprechen sich wahre Wunder von der HRT und sind dann bitterbös enttäuscht wenn diese nicht eintreten und brechen dann alles ab und geben anderen Menschen die Schuld daran.
Ich verstehe die Idee, bin aber nicht überzeugt. Aktuell wird HET von mehreren Seiten überhöht. Vor allem rückt das Gatekeeping sie in eine ziemliche Ferne und lädt sie mit Erwartungen auf. Schliesslich muss, was so reglementiert wird, ja wohl was besonderes sein. So wird es auch unter vielen trans und nichtbinären Personen behandelt. Große Erwartungen und in vielen Fällen wohl auch ein erheblicher Placebo-Effekt, wenn es dann soweit ist.

Anders gesagt schaffen die Hürden wohl erst einen nicht geringen Teil der Probleme, die Du schilderst. Ähnliche Effekte sind von anderen Verboten bzw Zugangsbeschränkungen bekannt.

"Bestimmte psychische Probleme" werden auch nicht besser, wenn die Projektionsfläche (HET) als Belohnung aufgebaut wird: Füg dich, dann kriegst du sie. So dramatisch sind die Wirkungen von HET nicht, als dass Hormontherapie nicht in den allermeisten Fällen aus der Therapie-Gleichung rausgenommen werden könnte.

Was aber wäre, wenn zumindest erwachsene Personen einfach zu einer fachkundigen Person gehen könnten? Ausführliche Aufklärung über die vermutlichen Effekte und Konsequenzen, Einverständnis unterschreiben und - ja, tatsächlich - antesten. Ohne den Druck, es doch durchhalten zu müssen (sunk cost fallacy) und ohne überzogene Erwartungen, weil auch in der Bubble entsprechend kommuniziert würde. Es wäre für alle einfacher und entspannter, darüber zu reden, zu unterbrechen, zu modifizieren oder es einfach wieder sein zu lassen, weil es jederzeit wieder in Reichweite wäre.

Ich meine das ganz real: Hormone sind keine Smarties, aber auch nicht lebensbedrohlich. Jeweils knapp eine Hälfte der Menschheit lebt ziemlich prima mit dem jeweils anderen Set - und kriegt ihre "eigenen" Hormone ziemlich problemlos, wenn bspw das Alter zuschlägt. Sowohl Östrogen als auch Testosteron. Nur wechseln wird derart reglementiert. (Dass Pubertätsblocker seit über 40 Jahren vor allem an cis Kinder gegeben werden, die zu früh pubertieren ist bekannt, oder?)

Deshalb finde ich viele Bedenken einfach unsinnig. Ja, du kriegst eben Bart oder Brüste. Stimmbruch oder Kraft/Konditionsminderung. Das ist der Deal und vielleicht sogar das Ziel. Das wird auch soziale Konsequenzen haben. Aber dafür sind wir erwachsene Menschen, die noch ganz andere Dinge machen können, die sich im Nachhinein vielleicht für einige wenige als nicht ganz schlau herausstellen.

Meiner Ansicht nach werden auch hier im Forum bestimmte Themen unangemessen dramatisiert, die es real im Vergleich mit anderen, akzeptierteren nicht sind. Deshalb bin ich dafür, offen aufzuklären, was passiert, was vermutlich eher nicht und die Risiken. Ohne Überhöhung, ohne Mystifizierung.
Aria
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 72 im Thema

Beitrag von Aria »

Nico hat geschrieben: Mo 10. Jul 2023, 23:22
Aria hat geschrieben: Mo 10. Jul 2023, 22:23 Verstehst du, irgendwo muss man anfangen Grenzen zu setzen, ansonsten landet man im Nirgendwo. Und da kommt als Faktor der Leidensdruck ins Spiel, den es schlüssig darzulegen gilt. Das war für mich nie ein Problem. Für diejenigen, die eine körperliche Morphose nur als Optimierung sehen, ähnlich denen, die sich Hörner in die Stirn einsetzen lassen, weil die sich so dem Satan näher glauben, schon.
Deswegen muss ich auch oft an mich halten, wenn ich so Geschichten von lese, deren Motivation komplett andere ist als meine. Da denke ich mir nur, mach doch, nimm 10k € in die Hand und lass dir dies und jenes machen. Hab ich schließlich auch, in den Punkten, die nicht ob meiner Geschichte von der KK übernommen wurden. Und warum.....weil ich es mir und meinem Seelenfrieden wert war. Bist du es dir auch und kannst schlüssig darlegen, dass es bei dir keinen anderen Ausweg gibt und Komorbitäten nicht vorhanden sind, hast du alle Freiheiten im Rahmen unseres Rechtsstaat.
Ich muss dir widersprechen. Nicht binäre Personen können Körperdysphorie mit dem verbundenen Leidensdruck haben, aber die Kosten für die Operationen werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht übernommen, da die Begutachtungsanleitung nicht binäre Menschen ausschließt.
Wenn ein Mensch sich für eine Mastektomie entscheidet, wollen fast alle Operierenden Indikationsschreiben etc. sehen. Wenn ein Mensch sich hingegen die Brust vergrößern lassen möchte, muss er einfach nur Geld auf den Tisch legen.
Ich erkenne jetzt nicht den Punkt, indem du mir widersprichst....aber gut. Dass NB's auch Dysphorie erfahren können, habe ich auch nie bestritten. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die aus der Begutachtungsanleitung herausfallen, weil die sich eben uneins sind. Frei nach dem Motto, wie kann man was wollen, von dem man überhaupt nicht weiss, ob es zu einem passt, ja, weil NB's keine genaue Aussage darüber können und sich eher "zwischen den Stühlen" fühlen. So jedenfalls meine Denke, da ich NB's auch nicht verstehe. Darüber hinaus ist es ausserdem unbestritten, dass es einige Ungerechtigkeiten im ganzen Massnahmenkatalog der KK gibt. Das geht aber nicht nur uns so, sondern ganz normalen Leistungsantragsteller auch. Warum eine Mastek eine Indikation bedarf und eine BV nicht, könnte ich auch damit herleiten, dass bei ersterer etwas gesundes entfernt wird und bei der BV vorhandenes nur hervorgehoben wird.
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Aria
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 73 im Thema

Beitrag von Aria »

Jaddy hat geschrieben: Di 11. Jul 2023, 00:22 Ich verstehe die Besorgnis derjenigen, die irgendwie mit dem System klar kommen (müssen). Allerdings funktioniert das System nicht so. Technisch hindert einen Menschen mit Approbation und Rezeptblock nichts daran, HET zu verschreiben und die zugehörigen Checks zu machen. So funktioniert es seit Jahrzehnten bei "der Pille" und vielen anderen Dingen, die beileibe keine Smarties sind, aber im Gegensatz zu einer "gegengeschlechtlichen Hormontherapie" gesellschaftlich akzeptiert(er). Das Thema könnte also mit einem Federstrich geklärt werden. "GBA beschliesst HET als voraussetzungslose Regelleistung".

Es geht aber genau um Grenzen. Speziell darum, warum sie in vielen Fällen überhaupt existieren. Nein, Kosten sind es nicht. Das habe ich schon mal vorgerechnet. Es sind rein politische Intentionen, weshalb das eine bezahlt wird - zum Beispiel die Folgen von Nikotin, Alkohol, Fehlernährung, usw. - und andere Dinge nicht.

Für mich sind deshalb alle "irgendwo müssen wir Grenzen setzen" in Bezug auf Transitionen nur vorgeschoben und zwar von Menschen mit bestimmten Interessen. Wir sollten darauf nicht reinfallen. Wir könnten allen Menschen, die wollen, eine Transition ohne den ganzen Aufwand ermöglichen. Einfach indem die Hürden gestrichen werden. Letztlich verhindern die Zwangstherapien und Gutachten keine Transitionen. Sie erzeugen nur mehr Leiden und Kosten. Genauso könnten wir wieder Brillen und Zahnersatz vollständig zahlen, wie vor Kohls neoliberaler "Wende". Oder Bahn und Bus fahrscheinfrei machen. Das ist alles machbar.

Die Frage lautet: Warum wird es nicht getan? Wer profitiert davon, finanziell und_oder politisch? Und da komme ich noch mal auf die Befürchtung, die Verantwortlichen könnten sich quasi durch die Preise "rächen" (was unrealistisch ist): Das geht letztlich in die gleiche Richtung wie meine Argumentation. Die Erkenntnis, dass es aktuell Instanzen mit Entscheidungsmacht gibt, denen "wir" - trans, nichtbinär - ausgeliefert sind und von denen wir zu Bedürftigen und Bittstellenden gemacht werden. Dem können wir mit Angst und Fügsamkeit begegnen, oder aber die Unfairness benennen und dagegen vorgehen. Ich neige zur zweiten Variante.
Sorry Jaddy aber ich lese bei dir in letzter Zeit immer öfter Ausdrücke wie "das System" und "die da oben". Deine Ansätze und Gedanken mögen im Kern alle richtig, fair und irgendwie auch machbar sein, doch haben sie wenig mit der Realität zu tun und werden es auch auf längerfristige Sicht nicht sein. Deshalb ist es mir zu anstrengend, mich in klein-klein zu verlieren und über Dinge zu streiten, die im Konjunktiv liegen. Du bleibst uns allen auch die Antwort auf die Frage schuldig, wer denn davon profitiert, dass es ca. 1% der Bevölkerung so schwer gemacht wird an all die körperverändernden Massnahmen zu kommen. Das muss ja ein richtiger triftiger Grund sein, wenn dadurch Milliarden eingespart werden können *Ironie off*

Noch kurz zu dem Preis-Rache Argument: Es muss nicht gleich an der Preisschraube derart gedreht werden, dass es mit Rache in Verbindung gebracht werden kann aber es reicht mir schon, dass dieses Medikament, mich vierteljährlich um die 50 € kosten würde anstatt 5. Diese Preiserhöhung von 1000% würde ich fast schon mit Rache in Verbindung bringen, zumal ich ein Leben lang davon abhängig bin. Und da werde ich dann auch ziemlich ungehalten, wenn Leute meinen, sie müssten sich dafür einsetzen, dass es Hinz und Kunz dafür nutzen können, ihren Körper nach Lust und Laune gestalten zu können und das auch noch bezahlen zu lassen, obwohl kein driftiger Grund dahinter steckt.
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 74 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Aria hat geschrieben: Di 11. Jul 2023, 20:03Dass NB's auch Dysphorie erfahren können, habe ich auch nie bestritten. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die aus der Begutachtungsanleitung herausfallen, weil die sich eben uneins sind. Frei nach dem Motto, wie kann man was wollen, von dem man überhaupt nicht weiss, ob es zu einem passt, ja, weil NB's keine genaue Aussage darüber können und sich eher "zwischen den Stühlen" fühlen. So jedenfalls meine Denke, da ich NB's auch nicht verstehe.
"Die", also nichtbinäre Menschen, sind sich eigentlich selten uneins. In der Regel wissen sie ziemlich genau, was sie an körperlichen Maßnahmen wollen, weil es Dysphorie-auslösend ist bzw nicht zur gewollten Gednerung durch andere passt. Das entspricht nur nicht dem vollen binären Katalog.

Das ist bei binären trans Personen aber auch nicht anders, von denen auch bei weitem nicht alle alle möglichen Maßnahmen wollen. Insbesondere trans maskuline Personen verzichten z.B. häufig auf Penoidaufbau. Einige auch auf Hysterektomie. Nicht alle trans weiblichen Menschen wollen einen Brustaufbau oder eine Genital-OP oder vielleicht nur eine Orchiektomie. Das ist alles möglich mit der BGA, so lange eins der Kasse eine binäre Indikation abliefert.

Nichtbinäre Personen fallen nur aus einem Grund aus der Begutachtungsanleitung: Weil es auf Seite 14 so steht. In den Reaktionen auf die Veröffentlichung der BGA haben Therapeutys und med. Fachverbände klargestellt, dass überhaupt nichts dagegen spricht, nichtbinären Personen die gleichen Maßnahmen anzubieten und über die üblichen Indikationen abzusichern.
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Re: Erfahrungen mit Körperfeminisierung

Post 75 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Aria hat geschrieben: Di 11. Jul 2023, 20:28 Sorry Jaddy aber ich lese bei dir in letzter Zeit immer öfter Ausdrücke wie "das System" und "die da oben". Deine Ansätze und Gedanken mögen im Kern alle richtig, fair und irgendwie auch machbar sein, doch haben sie wenig mit der Realität zu tun und werden es auch auf längerfristige Sicht nicht sein. Deshalb ist es mir zu anstrengend, mich in klein-klein zu verlieren und über Dinge zu streiten, die im Konjunktiv liegen. Du bleibst uns allen auch die Antwort auf die Frage schuldig, wer denn davon profitiert, dass es ca. 1% der Bevölkerung so schwer gemacht wird an all die körperverändernden Massnahmen zu kommen. Das muss ja ein richtiger triftiger Grund sein, wenn dadurch Milliarden eingespart werden können *Ironie off*
Das Wort "System" verwende ich in der Tat häufig, aber so weit ich sehe immer in einem konkreten Kontext und nie im Sinne einer anonymen Macht, wie es in Verschwörungsmythen oder ähnlichem verwendet wird. Ich habe auch mal nachgesehen: Bis mindestens Anfang 2020 zurück habe ich nirgendwo "die da oben" geschrieben. Normalerweise benenne ich die jeweilgen Akteurys. Kann ich das nicht, kennzeichne ich meine Aussagen als Vermutungen.

Es wären auch hauptsächlich Vermutungen, wer von den Restriktionen profitiert. Einige Therapeutys, ja. Und selbstherrliche Paternalisten wie Korte. Aber das sind keine wirklichen Faktoren. Die könnten sich auch anders ausleben. Es würden auch keine Milliarden gespart, die jetzt irgendwo hinflössen, wo Leute daran Interesse hätten. HET ist vergleichsweise billig, siehe unten, Epilation auch (vor allem einmalig) und das mit den OPs hatte ich ja schon erklärt. Das einzige realistische EInsparpotenzial sind eine Menge Zeit, Geld und Nerven von Klientys und die Arbeitszeiten von ein paar Therapeutys und dem MDK.

Was ich vermute ist ein gedankliches Beharrungsvermögen an den entscheidenden Stellen. GBA, MDS, BMG, usw., die genau den Perspektivwechsel nicht hinkriegen, den ich hier offenbar auch nur schwer verständlich machen kann: Dass es keinen plausiblen Grund gibt, eine freiwillige "gegengeschlechtliche" HET (z.B. informed consent) schwieriger erreichbar zu machen, als zum Beispiel "die Pille" oder Viagra oder "eigengeschlechtliche" HET.

Ich vermute auch, dass dieses Beharrungsvermögen daran liegt, dass für cis Personen allein der Gedanke an eine nicht mit dem Zuweisungsgeschlecht konformen Veränderung des Körpers einfach exotisch ist. Weil es um "Geschlecht" geht. Vielleicht in Gedanken auch um Sexualität. Und sobald diese Themen berührt werden, ploppen an vielen Stellen ziemlich seltsame Überhöhungen, Befürchtungen und Vorurteile hoch. Diese Irrationalitäten werden erst langsam abgebaut. Sei es homosexuelle Liebe, polyamore Beziehungen, kinky Sex, oder eben nicht-cis-konforme Gender. Insbesondere, wenn es nicht-binäre sind, nicht wahr?

Also noch mal in einem Satz: Ich weiss, wie die Situation aktuell ist und sage, dass sie irrational und unfair ist, weil sie die Bedarfe von trans Personen ohne triftigen Grund restriktiver behandelt als andere medizinische Bedarfe - tw mit den gleichen Medikamenten, aber bei cis Personen.
Aria hat geschrieben: Di 11. Jul 2023, 20:28 Noch kurz zu dem Preis-Rache Argument: Es muss nicht gleich an der Preisschraube derart gedreht werden, dass es mit Rache in Verbindung gebracht werden kann aber es reicht mir schon, dass dieses Medikament, mich vierteljährlich um die 50 € kosten würde anstatt 5. Diese Preiserhöhung von 1000% würde ich fast schon mit Rache in Verbindung bringen, zumal ich ein Leben lang davon abhängig bin. Und da werde ich dann auch ziemlich ungehalten, wenn Leute meinen, sie müssten sich dafür einsetzen, dass es Hinz und Kunz dafür nutzen können, ihren Körper nach Lust und Laune gestalten zu können und das auch noch bezahlen zu lassen, obwohl kein driftiger Grund dahinter steckt.
Nur dass ich das richtig verstehe: Du befürchtest, dass zum Beispiel ein informed consent Verfahren für HET zu einer Preiserhöhung führen würde, ja? Zum Beispiel indem "gegengeschlechtliche" HET aus der Rezeptgebühr-Regel genommen wird? Das wäre eine Entscheidung des GBA oder BMG (bin da nicht ganz sicher), so wie bei "der Pille".

Ich nehm die mal als Beispiel, weil quasi die gleichen Medikamente und auch freiwilliger Bedarf. Nach aktuellen Regeln gibt es "die Pille" bis 22 für 5€ Rezeptgebühr pro Packung. Danach eigentlich nur zum "vollen" Preis von aktuell 6-20€ je nach Präparat und Packungsgröße. Es sei denn, Arzty schreibt einen anderen Grund als Verhütung auf die Abrechnung mit der Kasse, zum Beispiel Hirsutismus o.ä. Das ist aber Arztys eigene Freiheit und Verantwortung.

Umgerechnet auf "gegengeschlechtliche" HET wäre das z.B.: Wenn F64.0 (bzw HA60) oder irgendein anderer Code warum auch immer auf der Kassenrechnung steht, gibt's das Rezept für 5€ pro Packung, sonst als "Eigenvergnügen nach Aufklärung" für den vollen Preis.

Aber nochmal: Diese Regeln sind willkürlich politisch gemacht.

Ich weiss nicht, wie Du das siehst, aber bewusst stillhalten angesichts von Willkür und Unfairness gegenüber anderen, damit die eigene, aktuell quasi auf Duldung durch die (irrationalen, willkürlichen) Zugangsbeschränkungen basierende Vorteilsposition nicht gefährdet wird - weil Entscheidungsgremien vielleicht schlechte Laune kriegen und noch unfairer werden - finde ich eine ziemlich miese Einstellung. Eine Art Appeasement oder vor dem Bully kuschen. Lass ihn die anderen weiter schikanieren, hauptsache mir passiert nix. Ist ehrlich nichts, was ich gut haben kann.

Ah, ein Nebenthread noch wegen Kosten. Hormone sind eigentlich billig. Sie zu kochen ist für eine Pharmabude nicht schwieriger als für uns, eine Nudelsuppe zu machen. Hormone sind ein Mega-Profit-Markt, und zwar auch ohne trans Personen. Die machen nämlich als Kundys nur einen Bruchteil aus.

Meine Estrifam Tabletten kosten original 24 € / 84 Pillen á 2mg. Das sind ~14,3ct/mg. Reines Estradiol direkt aus der Fabrik kostet ~1000€/kg(1), also 1€/g = 0,1ct/mg Rohware. Meine Kasse übernimmt also 19€/Monat, während ich jeden Monat über 700€ Beitrag zahle. Auch wieder eine Frage der Perspektive.

Wenn ich 60 Jahre lang meine Dosis von 6mg/d beibehalte, sind das 133g reines Östrogen im Rohwert von 133€. In jeder Packung Estrifam steckt also Wirkstoff für unter 20ct. Das ist eine Monatsration für mich. Die restlichen 23,80€ abzüglich mischen, dosieren, tablettieren und verpacken machen also eine Differenz von 11900% aus.

(1) z.B. bei made-in-china.com, Suchwort CAS 50-28-2. Woher weiss ich das? Es gibt DIY Anleitungen im Netz für Hormongel oder Tropfen, die alle mit "kauf dir 100g 17b-Estradiol bei Ali Baba" beginnen.
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