Nora_7 hat geschrieben: Mi 26. Apr 2023, 20:35
Jaddy hat geschrieben: Mi 26. Apr 2023, 20:05
Also: "Kompromiss" ist bei Grundrechtsfragen weder juristisch noch menschlich legitim. Sie gelten entweder unbedingt und für alle oder sind Makulatur.
Der Satz ist grundsätzlich falsch. Das Thema wie oft, in welchen Intervallen, ab welchem Alter man seinen Geschlechtseintrag wechseln kann sehe ich als durchaus einigungsfähig. Natürlich sind die Argumente wie Frau mit Penis in der Sauna irreal, oder Männer verkleiden sich als Frauen um auf die Damentoiletten für sexuelle Übergriffe zu kommen. Klassische Killerargumente fernab jeder Alltagsrealität.
Schön, dass wir uns über die falschen Mythen einig sind. Es kann daher kaum Grundlage der Gesetzgebung sein, solchem Unfug nachzugeben.
Die Grundrechte: ich bin ja kein Jura-Fachwesen, aber dass Gesetze und insbesondere Grundrechte, zum Beispiel
Artikel 3 Absatz 3 unbedingt und für alle gelten, steht direkt im Text (Art.3 Abs.1)

Mein Satz ist also schon mal juristisch formal korrekt.
Bleibt die Frage, wie, wie oft und unter welchen Voraussetzungen eins den Eintrag wechseln darf. Die Altersfrage können wir kurz beiseite legen, aber wenn Personen ab 14 mit Zustimmung der Eltern ihre Religionszugehörigkeit festlegen können... Gender ist ja auch so was ähnliches wie Religion.
Für mich stellen sich zwei Fragen: 1. Lässt sich mit einem anderen Eintrag irgendein Vorteil verschaffen oder erzeugt die Änderung irgendeinen Aufwand oder Schaden? 2. kann das, was der Eintrag abbilden soll, irgendwie objektiv festgestellt werden?
Zu 1: Meines Wissens nicht. Soll auch nicht. Hab ich ein paar mal erklärt. AGG & Co. Der eigentliche Aufwand ist eh im Nachgang bei der betreffenden Person, alle Papiere zu ändern. Realistischerweise sollten wir auch das Stigma "trans" einbeziehen.
Zu 2: Auch nicht. Die empfundene geschlechtliche Identität, ausgelebt als soziale Rolle, kann nicht verifiziert werden. Maximal Stereotypen-Kompatibilität. Das ist gut dokumentiert.
Es spricht also nichts dagegen, diesen Eintrag einfach auf Ansage ändern zu können und damit keinen legitimen Grund, den Betroffenen mehr Steine in den Weg zu legen, nur weil einige Leute falsche Vorstellungen haben.
Nichtsdestoweniger ist natürlich Information und Aufklärung notwendig, um die Mehrheit "mitzunehmen". Findet ja auch statt. Aber das ist noch lange kein Grund, noch ein paar Generationen zu warten, bis das alle verstanden haben.