Pauline hat geschrieben:Aber was können WIR dagegen tun, außer Flagge zu zeigen und uns die Köpfe heiß zu reden? Hast Du da einen Ansatz?
Liebe Pauline,
"was können WIR dagegen tun?"
Du Elektromeister - ich Lehrerin ==> Vorab: Persönlich halte ich von großen Aktionen wenig, da es viel Kraft kostet und häufig ineffekiv ist.
Im Beruf machte ich die Erfahrung, dass das
Vorbild recht wirksam ist. Ruhiges, korrektes, verantwortungsvolles Verhalten im Beruf und im Privatleben hilft.
Wenn man/frau dann bei Bedarf mit seiner/ihrer Meinung nicht hinter dem Berg hält, zeigt das auf mittlere Sicht Wirkung.
- Man/frau kann sich auch in Foren(z.B. hier) äußern oder Leserbriefe schreiben. Dabei ist wichtig, dass es nicht zu häufig und nicht irgendwo geschieht.
Wer gesund altern will, muss lernen, mit Kräften hauszuhalten. Somit äußere ich mich meist

nur, wenn Medium /Gegenüber schätze. Wenn ich das vernachlässige, ärgere ich mich über mich selbst. Leserbriefe (2-3 pro Jahr/natürlich Klarnamen) werden oft gedruckt. Dort kommt in der Regel ein neuer Aspekt zur Sprache.
Bei berufspolitischen Versammlungen höre ich aufmerksam zu und sage selten was. Wenn unbedingt nötig, melde ich mich zu Wort. Denn jeder/jede verliert leicht ihr Gesicht. Vernünftige Aussagen die danach erfolgen, werden oft überhört. -
"Si tacuisses, philosophus mansisses" - den Satz zu beherzigen, ist dabei sehr wichtig.
==> An der Stelle wieder ausdrücklich ein ganz herzliches Danke für Deine sehr differenzierte Antwort!
- Private Kontakte zu Personen mit Einfluß sind ebenfalls wichtig, um etwas zu bewegen. Aber vor allem brauchen WIR Beharrlichkeit und sehr sehr viel Geduld.
- Vor allem sollten WIR den Glauben an die Vernunft unserer Mitmenschen, egal wie komisch sie sich bisweilen äußern, nie verlieren. Natürlich wird häufig viel Porzellan zerschlagen (vgl AfD). Aber wenn dort nun z.B. "Frauen" Thema sind, sollten WIR bedenken, dass über 50% der Bevölkerung weiblich ist. Unrecht, Ausgrenzung, Diskriminierungen usw. geschehen, aber früher oder später bricht das in sich zusammen. Das "tausendjährige Reich" dauerte nur kurz, die DDR brach zusammen...
==> Ich bin eine Frau. - Mein
weibliches Selbstverständnis neigt eher zu abwarten, ertragen, nur wenig eingreifen, nach dem Sturm aufräumen helfen.
Ganz liebe Grüße
ab
P.S.
- Bei akuter Gefahr würde ich eingreifen, Strafanzeigen stellen etc. Aber da hätte ich die Erfolgsaussichten im Blick. Eine Strafanzeige macht nur Sinn, wenn sie wirksam ist, zum Umdenken und möglichst zu Kettenreaktionen (vg. Radioaktivität) führt. Auch das überlaß ich nach Möglichkeit Menschen, von denen ich weiß, dass sie Erfahrung haben und angemessen handeln.
Zum Vergleich: Erste Hilfe leiste ich mit meinen bescheidenen Fähigkeiten nur, wenn kein erfahrener Notarzt neben mir steht. (Aber ich kenn gute Ärzte...

)
- Meine Kenntnisse im Bereich Vorurteilsforschung sind übrigens auch noch gering, aber frau lernt ständig dazu...
@ all
Nachtrag, fiel mir gerade ein, also ohne(!) Bezug auf irgendwas - Andererseits vielleicht ein hilfreicher Tipp:
Im letzten Jahrzehnt, wo ich auch in der Psychiatrie unterrichte, lernte ich, Vorsicht walten zu lassen, was das Urteil über Mitmenschen betrifft.
Urteile, die wir über andere fällen, welches Verhalten sie gegenwärtig auch zeigen mögen, liegen meist schwer daneben.
Daher ziehe ich es heute vor, mich mehr um
mein Verhalten, als um das Verhalten anderer zu kümmern. Mich selber glaub ich,
zumindest einigermaßen(!) zu kennen...
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz