Wo seid ihr?
Wo seid ihr? - # 4

allgemeiner Austausch
Helga
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Re: Wo seid ihr?

Post 46 im Thema

Beitrag von Helga »

Violetta CD hat geschrieben: Do 21. Nov 2024, 10:42 Einmal Anfang November hatte ich beim Einkaufen einen kurzen Blickkontakt zu zu jemandem, der wirklich so aussah und
hab mich später auch geärgert, dass ich Sie nicht angesprochen habe.
Stell dir vor du bist en femme in der Stadt unterwegs und plötzlich spricht dich ein wildfremder Mann mit den Worten: "Sag mal, bist du trans?" (oder so ähnlich) an. Du würdest überlegen- ist das jetzt eine Anmache? Will er mich transphob beschimpfen, vor allen Leuten outen oder sogar schlagen?
Es gibt auch Menschen, die möchten nicht an ihren Trans- Hintergrund erinnert werden.
Im Rahmen eines CSD oder ähnlichem ist dies sicherlich kein Thema, im Alltag bitte vorsicht.
Liebe Grüße
Helga
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Re: Wo seid ihr?

Post 47 im Thema

Beitrag von Helga »

Jaddy hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 03:47 Also zum einen ist offen trans zu leben zum Beispiel:
Hallo Jaddy,
das sind gute, aber gleichzeitig schlechte Beispiele. Würde ich einen dieser Menschen irgendwo auf der Straße treffen, ich käme nie auf den Gedanken einen trans- Hintergrund zu vermuten.
Sie mögen zwar in ihrer Bubble oder in Teilen der Medien offen trans leben, die Reichweite der letzteren dürfte aber so begrenzt sein, dass sich die Auswirkungen auf den Alltag in Grenzen halten dürften.
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Re: Wo seid ihr?

Post 48 im Thema

Beitrag von Helga »

Vesta hat geschrieben: Fr 22. Nov 2024, 23:59 gescheiterte Transition
Vor nicht allzulanger hielt die Gesellschaft einen Mann, der kein Haus gebaut, keinen Baum gepflanzt und keinen Sohn gezeugt hatte für gescheitert. Ebenso war eine Frau gescheitert, die nicht mindestens fünf Kindern das Leben geschenkt,ihre Famile dreimal täglich bekocht und trotzdem das Haus stets pikobelle gehalten hat. Das sind Vorstellungen aus einem früheren Jahrtausend, bei denen das "Scheitern" an klischeehaften Vorstellungen festgemacht wird. Von diesen Altlasten sollten gerade wir uns dringend lösen. Wir können in der Fahrprüfung, im Abitur oder im Studium scheitern. Als Mann, Frau, Trans, Divers, NB... können wir nicht scheitern, da sämtliche Maßstäbe, die hier angelegt werden könnten, rein subjektiv und widerlegbar sind.
Liebe Grüße
Helga
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Post 49 im Thema

Beitrag von Vesta »

Jaddy hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 03:47 Drittens betrachtet sich ein Drittel aller trans Personen als weder Mann noch Frau.
Dann ist dieses Drittel nicht trans. Trans bedeutet hinübergehen, transsexuell entsprechend zum anderen Geschlecht hinübergehen. Wer aber gar nicht zum anderen Geschlecht möchte, sondern dazwischen stehen bleiben will, geht nicht hinüber und ist damit per definitionem nicht trans. Auch nonbinäre Menschen sind damit nicht trans, weil sie nicht hinüber wollen.

Du lebst offen nonbinär, ich lebe offen weiblich, aber wir beide leben nicht offen trans. Offen transsexuell leben hieße, zum anderen Geschlecht gehören zu wollen, aber trotzdem freiwillig im Aussehen und Worten zu zeigen, welchem ursprünglichen Geschlecht man angehörte. Und damit bleibt man auf der Strecke. Das ist was anderes, als denen, die es ohnehin wissen oder es ahnen, frei davon zu erzählen.

Zu Anfang der Transition lebt man oft offen trans, alleine schon, weil man allen Bekannten sagen will, was Sache ist, und weil das Passing noch nicht stimmt, Da kann man aber noch nicht von scheitern sprechen, weil die Aufgabe noch lange nicht fertig ist. Aber wer dauerhaft offen trans lebt, obwohl er oder sie eigentlich zum anderen Geschlecht gehören will....

Diese Aufrufe, Sichtbarkeit zu zeigen, fordern nun genau dazu auf, offen trans zu leben statt sein Wunschgeschlecht. Nein, das ist überhaupt nicht mein Ding.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 15:11 Trotzdem BIN ICH KEINE FRAU. Ich werde nie nie niemals eine Frau sein.
Und das ist die Einstellung, die ich nicht verstehe. Dann kannst du doch niemals ankommen und den ganzen Mist hinter dir lassen. Klar, zu Anfang der Transition, wenn die Hormone noch nicht angeschlagen haben und man abends im Spiegel einen Mann sieht, dann verstehe ich es vollkommen, wenn man da nicht sagen kann "ich bin eine Frau". Aber muss das denn dauerhaft so bleiben? Keine geborene Frau ist in jedem Aspekt eine Frau, und wir können weit genug kommen, um mit gutem Gewissen sagen zu können "ich bin eine Frau".
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Post 50 im Thema

Beitrag von Lana »

Vesta hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 23:07 Klar, zu Anfang der Transition, wenn die Hormone noch nicht angeschlagen haben und man abends im Spiegel einen Mann sieht, dann verstehe ich es vollkommen, wenn man da nicht sagen kann "ich bin eine Frau". Aber muss das denn dauerhaft so bleiben? Keine geborene Frau ist in jedem Aspekt eine Frau, und wir können weit genug kommen, um mit gutem Gewissen sagen zu können "ich bin eine Frau".
Nun, jede entscheidet selbst, was "weit genug" für sie bedeutet. Ich bezweifle, dass alle das Ziel haben, am Ende von sich zu sagen "Ich bin eine Frau". Du kannst deine Meinung dazu gerne haben, sie ist aber nicht allgemein gültig.

Ebenso die Vorstellung, dass Hormontherapie unbedingt dazu gehört. Es gibt tausend individuelle Gründe, die gegen die Einnahme von Hormonen sprechen. Trotzdem sind diese Menschen trans*, wenn sie selbst sich so definieren. Oder wie sonst war das mit der Selbstbestimmung gemeint?

Deine buchstabengetreue Interpretation von "trans" ist m.E. aus der Zeit gefallen. Aber wenn es dir hilft, dann ersetze doch bitte den Begriff trans in dieser Diskussion gedanklich durch TIN. So ist es nämlich gemeint, zumindest von meiner Seite, und sicherlich noch von einigen anderen.

Damit sollte klar sein, um welche Menschen es in diesem Thema geht.

Ansonsten bitte ich, die weitere Diskussion über Definitionen in ein separates Thema auszulagern, falls dazu bedarf besteht (obwohl es dazu im Forum bereits genug Meinungen geben dürfte).

LGL
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Post 51 im Thema

Beitrag von Maya »

Vesta hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 23:07 Zu Anfang der Transition lebt man oft offen trans, alleine schon, weil man allen Bekannten sagen will, was Sache ist, und weil das Passing noch nicht stimmt, Da kann man aber noch nicht von scheitern sprechen, weil die Aufgabe noch lange nicht fertig ist.
Ach sooooo hat das zu sein. Danke für die Aufklärung. Das wusste ich natürlich noch nicht.
Ich hätte da mal 2 freundliche Fragen:

1. Kannst Du mir mal mitteilen, woher Du dir diesen Stuss gesaugt hast?
und
2. Sag mal, hattest Du jemals realen, intensiveren Kontakt zu Trans- und nonbinären Menschen?
Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.
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Post 52 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Vesta hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 23:07 er aber gar nicht zum anderen Geschlecht möchte, sondern dazwischen stehen bleiben will, geht nicht hinüber und ist damit per definitionem nicht trans.
Hmm, das macht mich nachdenklich. So manch eine, die Deiner Definition von Trans entsprechen, sieht und versteht sich als Frau und will auch so akzeptiert werden. Ok. Da gibt es Cis-Frauen, die genau dieses Selbstverständnis als Frau bezweifeln. Was sagst Du denen ?

Und dann kommst Du mit Deiner Definition daher und bezweifelst den Transstatus von Nichtbinären, die sich zumindest zeitweise als Frau verstehen ? Ich kann Dir als Nichtbinäre auch sagen, dass es mir sehr, sehr wichtig ist, mich als Frau fühlen zu können. Ich meine richtig als Frau und keine PSeudofrau, die mal Spaß daran hat, weibliche Kleidung zu tragen. DAs gibt es auch und für mich st das auch völlig ok so. Ich möchte aber in meiner Weiblichkeit nicht weniger ernst genommen werden als Du.

Knäckebrötchen hat das gut beschrieben. Es ist ihr klar, dass sie niemals eine "echte" Frau sein wird, aber sie lebt ihr Leben, so wie es ihr gerecht wird. Ich bin da ganz bei ihr. Keine Transfrau wird jemals wirklich nachvollziehen können, wie eine Cis-Frau sich selber wahrnimmt. Sie ist und bleibt mit ihrem Hintergrund trans. Das ist aber kein Grund, ihr ein Leben als Frau abzusprechen.

Und mit dem gleichen Recht erwarte ich auch, dass ich als Transmensch akzeptiert zu werden. Trans bedeutet nämlich nicht zwangsläufig, ganz hinüber zu wechseln, sondern kann auch bedeuten, wieder zurück zu gehen. Und auch hin und her. ICh mache keine "Rangfolge" zwischen den unterschiedlichen Mensch, die sich mir als Frau präsentieren. Ich bemühe mich, jede einzelne in dem ernst zu nehmen, wie sie sich mir zeigt. Und wenn eine Nichtbinäre zu mir sagt, sie sei trans, dann ist sie es für mich. Was soll eine Abgrenzung denn bringen ?

Übrigens, wenn wir schon von Definitionen reden, zitiere ich Wikipedia:
Transgeschlechtlichkeit ... oder Transidentität... bezeichnet bei Personen, dass ihre Geschlechtsidentität nicht oder nicht vollständig mit dem in der Regel anhand äußerer Merkmale vor oder unmittelbar nach der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.

Transgeschlechtlichkeit ist ein Überbegriff für viele Personen, die sich dem queeren bzw. LGBT-Spektrum zuordnen. Sie ist unabhängig von sexueller Orientierung. Zum Überbegriff gehören binäre Transmenschen, beispielsweise Transfrauen und Transmänner, genauso wie nichtbinäre Transpersonen und allgemein eine Vielzahl an Personen, die ihre Geschlechtsidentität auf diverse Weise definieren.
Ich nehme das jetzt als Allgemeingut und die Kurzform Trans als den hier beschriebenen Oberbegriff. Ich finde es schade, dass wir uns darüber noch immer austauschen müssen. Wenn Du also trans anders definierst, ist das Dein Recht, aber ich fürchte, damit bist Du in einer Minderheit.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Wo seid ihr?

Post 53 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Malvine hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 13:24 Hallo Lana

...und danke für das Thema.

Ich stelle jetzt mal ein paar eigene Thesen in den Raum.

Wenn ich durch die Stadt oder sonst wo unterwegs bin, dann schaue ich mir zwar gerne auch die Menschen um mich herum an, doch ist mein Focus mehr auf dem Weg vor mir und den Gegebenheiten um mich herum - sprich, es gibt viele Sachen, die meine Aufmerksamkeit erfordern, so dass ich nicht ständig auf der Suche sein kann, ob diese oder jener einen trans Hintergrund hat.
Auffallen tun mir Menschen eigentlich nur, wenn sie deutlich von der gewohnten "Norm" abweichen, durch Verhalten oder Aussehen. Da kommt ein gutes Passing - das nicht perfekt sein muß - dem ganzen entgegen, unsichtbar zu bleiben.
Dann stellt sich mir natürlich auch noch die Frage, ob wir - egal ob Trans oder CD - wirklich so oft in der Stadt beim Bummeln oder Einkaufen unterwegs sind. Es gehört wohl viel Glück dazu, den passenden Augenblick für eine Begegnung zu erwischen. Denn letztendlich sind wir doch nicht so stark in der Bevölkerung vertreten, wie wir es vielleicht manchmal denken.

LG
Malvine
Das sehe ich auch so.
Ich achte mehr auf den Verkehr, die Menschen sind da nur bewegliche Hindernisse. Mir fällt es also nicht wirklich auf, ob Jemand ein TV, CD oder sonst was ist.
Tatsächlich sind mir bisher in Tübingen (in 13 Jahren) nur zwei TV aufgefallen, der eine dabei schon vom Weiten, wegen seines ungeübten Ganges und der, dem männlichen Kopfkino nach empfundenen Garderobe.
Der Rock für den Herbst zu kurz, die Absätze zu hoch. Eher ein Fetisch. Der zweite verhielt sich unauffällig, aber er lief direkt an mir vorbei, so das ich ihn wahrnahm.

Die beiden Junggesellen beim Abschied zähle ich nicht mit. Das hat mit TV nichts zu tun, ist nur ein Partygaudi und blamieren tun die sich selbst.

Und ich?
Warum verstecke ich mich? Weil ich nicht so weit bin, mich als TV zu outen, und anders als eine transidente Person auch nicht den Zwang habe, mich outen zu müssen.
Obgleich ich gerade in der wärmeren Jahreszeit gern mal rausgehen würde.
LG Verena
Solange Du in Dir selber nicht zuhause bist, bist Du nirgendwo zu Haus.

Die Natur ist Wakan Tanka. Leider haben das nur Wenige verstanden.

Maka Ke Wakan Die Erde ist heilig
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Re: Wo seid ihr?

Post 54 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Vesta hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 23:07
Jaddy hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 03:47 Drittens betrachtet sich ein Drittel aller trans Personen als weder Mann noch Frau.
Dann ist dieses Drittel nicht trans. Trans bedeutet hinübergehen, transsexuell entsprechend zum anderen Geschlecht hinübergehen. Wer aber gar nicht zum anderen Geschlecht möchte, sondern dazwischen stehen bleiben will, geht nicht hinüber und ist damit per definitionem nicht trans. Auch nonbinäre Menschen sind damit nicht trans, weil sie nicht hinüber wollen.
Also das liest sich schon arg nach Trolling, was du hier so schreibst, aber sei's drum. Eine kleine Einführung in aktuelle Terminologie und Konzepte, damit du vielleicht besser verstehst, was andere hier eigentlich meinen:

Deine (binäre, transmedikalistische) Definition von "trans" hängt ungefähr 20-30 Jahre hinterher. Ich kann verstehen, wenn du an den alten hängst - aber irgendwie in einer ziemlich kruden und engen Art -, aber das kollidiert natürlich mit dem aktuellen Selbstverständnis und erzeugt Konflikte durhc nicht nur semantische Unterschiede.

Also: Die Begriffe haben sich verändert. Vor allem die Lesart. Und zwar sowohl in der Community, als auch in der Fachwelt; WHO, WPATH, APA, AWMF usw. "Transsexuell" ist in der Diskussion überholt, weil es eben nicht wie homo-, bi- oder pansexuell eine Variante der sexuellen Orientierung ist, sondern eine der geschlechtlichen Identität im Sinne von Gender; also des Selbstbilds in der (zu paarundneunzig Prozent) binär vergeschlechtlichten Gesellschaft. Transidentität und transgeschlechtlich waren im deutschen eine zeitlang gängige Fachsprache, transgender in der englischen.

Da inzwischen aber seit ~15 Jahren auch in der Fachwelt angekommen ist, dass geschlechtliche Identität nicht in ein binäres Schema passt, wird dort allgemein von geschlechtlicher Inkongruenz geredet (DSM-5 (seit 1994), ICD-11, WPATH SoC, etc). Nur die deutsche Version des ICD hängt noch hinterher; Stand 2004 an dieser Stelle. ICD-11 (HA60: Geschlechtsinkongruenz) müsste eigentlich längst eingeführt sein.

Inzwischen wird trans als Adjektiv verwendet und zwar mit der Bedeutung "mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht nicht kongruent". Das beinhaltet alle Formen. Also auch alle nichtbinären inklusive fluiden und "fluxen".

Deine Definition oben ist nicht nur veraltet, sondern für viele heutige trans Personen auch aggressiv abwertend. Alle nicht 100% binär transgeschlechtlichen Menschen haben unglaublich zu kämpfen gegen binäre Denke in ihrem Umfeld, bei der Anerkennung udn richtigen Behandlung im Medizinsystem, rechtlich - bis vor 3 Wochen war der Personenstandseintrag faktisch kaum zu ändern -, usw.

Deine Aussage spricht all diesen Menschen - mir zum Besipiel - die Existenz ab, bezeichnet sie als nicht echt, nicht gleichwertig, nicht vollständig, nicht berechtigt. Wie gesagt ein Drittel aller trans Personen, weltweit ziemlich einheitlich.

Ich vermute mal zu deinen Gunsten, dass du in deinem Verständnis von trans irgendwo im letzten Jahrtausend hängen geblieben bist oder von einer dieser strikt binäre transmedikalistischen Gruppen aus der Zeit geprägt wurdest. In der heutigen Zeit jedoch werden deine Sätze mindestens als rückschrittlich und uninformiert aufgefasst, und wenn sie absichtlich aufrecht erhalten werden, als feindlich.
Vesta hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 23:07 Du lebst offen nonbinär, ich lebe offen weiblich, aber wir beide leben nicht offen trans. Offen transsexuell leben hieße, zum anderen Geschlecht gehören zu wollen, aber trotzdem freiwillig im Aussehen und Worten zu zeigen, welchem ursprünglichen Geschlecht man angehörte. Und damit bleibt man auf der Strecke. Das ist was anderes, als denen, die es ohnehin wissen oder es ahnen, frei davon zu erzählen.
Auch da hängst du ein paar Jahrzehnte hinterher. "Offen trans" bedeutet inzwischen, dass Menschen wissen, dass eine Person trans ist. Egal wie sie aussieht.

Deine Definition von - ich formuliere es mal höflich - "optischer Unzulänglichkeit" oder "mangelnder Mühe" ist ebenfalls längst überholt und stammt aus eben jener Zeit, in der in trans Gruppen um perfektes Passing gewetteifert wurde, was so ziemlich alle ausser den wenigen Stars der Gruppen unglücklich machte. Da sind wir längst drüber hinaus. In den Communities wird allgemein anerkannt, dass wir alle unser Päckchen zu tragen haben. Dass gerade jene, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht unerkannt in der Masse untertauchen können es am schwersten von uns haben und sie deshalb auch noch innerhalb der Community abzuwerten ein ziemlich mieser Zug ist, der im übrigen auch Leben kosten kann.

Mit deiner ziemlich offensiv geäusserten Bewertung anderer anhand ihres Äusseren fliegst du heute vollkommen zurecht aus jeder trans Gruppe, die ich kenne.
Vesta hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 23:07 Diese Aufrufe, Sichtbarkeit zu zeigen, fordern nun genau dazu auf, offen trans zu leben statt sein Wunschgeschlecht. Nein, das ist überhaupt nicht mein Ding.
Wie oben erläutert, hast du da eine ziemlich ... rückständige ... Definition von "offen trans" und landest deshalb auch bei einer völlig anderen Interpretation von "Sichtbarkeit", die keinein hier propagiert.

Was hier allgemein gemeint ist: Dass mehr trans Personen offen sagen, dass sie trans sind. Dass Menschen wissen, dass wir überall irgendwie dabei sind, im Job, im Verein, an der Backtheke. Dass in einem Publikum von 1000 Leuten je nach Altersklasse 10 bis 40 trans Personen sind und keinein sich deshalb zu fürchten braucht. Es normalisiert das Verhältnis (contact theory) und macht "Eggs", "ungeschlüpften" trans Personen Mut.

Wenn das nicht dein Ding ist und du dein trans sein lieber geheim hältst: Auch fein.

Aber bemühe dich wenigstens zu verstehen, was hier gemeint ist und sprich anderen nicht ihre Existenz oder ihre Anstrengungen ab.
Vesta hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 23:07
Knäckebrötchen hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 15:11 Trotzdem BIN ICH KEINE FRAU. Ich werde nie nie niemals eine Frau sein.
Und das ist die Einstellung, die ich nicht verstehe. Dann kannst du doch niemals ankommen und den ganzen Mist hinter dir lassen. Klar, zu Anfang der Transition, wenn die Hormone noch nicht angeschlagen haben und man abends im Spiegel einen Mann sieht, dann verstehe ich es vollkommen, wenn man da nicht sagen kann "ich bin eine Frau". Aber muss das denn dauerhaft so bleiben? Keine geborene Frau ist in jedem Aspekt eine Frau, und wir können weit genug kommen, um mit gutem Gewissen sagen zu können "ich bin eine Frau".
Wenn ich dich da auch mal ins aktuelle Jahrtausend einladen darf: "Trans-philosophisch", aktueller Stand, bist du Frau, wenn du für dich feststellst, dass du eine bist. Das betrifft dein Selbstverständnis, deine persönliche Positionierung in der Gesellschaft. Wo fühlst du dich zugehörig, welche Menschen empfindest du als deinesgleichen (auch wenn es ein Sehnsuchtsziel ist), welche verfügbaren Rollen sind deine.

Diese Selbstbestimmung ist eminent wichtig für alles. Geschlechtsidentität ist nicht ertestbar. Nicht medizinisch, nicht psychologisch. Punkt. Und angesichts der Ablehnung und vielfältiger Bestrebungen von Fremdbestimmung, Gatekeeping, etc ist es auch gut, dass diese Nicht-Ertestbarkeit aktuell Fachkonsens ist.

Gleichzeitig ist glücklicherweise die Zeit ziemlich vorbei, als "wir" überall darauf bestehen mussten, "wirklich und echt Frau" zu sein - oder Mann; mal nicht das zweite Drittel vergessen hier. Wir sehen aktuelle eine kleine, sehr laute Ansammlung von Rechtsextremen, Religiös-Autoritären und TERFs, aber das ist nicht die Mehrheit.

Knäckebrötchens Selbstverständnis ist für mich durchaus verständlich und nicht selten: Gerade bei späterer Transition ist die Biografie ja nicht weg. Die Kindheit und Pubertät im Zuweisungsgeschlecht, die Orientierung beruflich, im Freundeskreis; eine Familie gründen mit all dem cis-hetero-Zeugs, das damit zusammenhängt. Erwartungen, die eins zu erfüllen versucht und die Bewältigung der Konflikte.

Gleichzeitig fehlen diese Jahre und Jahrzehnte an Lebenserfahrung im Identitätsgeschlecht. Eine Kindheit als Mädchen, wenn du bei Geburt männlich einsortiert wurdest. Die Erfahrung als Mädchen und junge Frau gesehen, behandelt und auch sexualisiert zu werden. Das was dir aufgelastet und abgesprochen wird, wie du dich gegenüber anderen verhalten sollst. Wo Jungs beigebracht wird, das sie stark sein und was sie alles tun können sollen.

Und natürlich das ganze Thema weiblicher Körper. Nicht nur die Unterschiede in Kraft und Reichweite, sondern vor allem die Wahrnehmungen rund um Menstruation, schwanger werden können, usw.

Es ist vollkommen nachvollziehbar, sich dieser Unterschiede bewusst zu bleiben. Auch als trans Frau. In gewisser Hinsicht werden "wir" unser trans sein nie ganz los. Die unterschiedliche Biografie, aber auch die verschiedene Körperlichkeit, die eine asmyptotische Annäherung ist, aber nie 100%. Einige Organe waren da, andere werden nie und werden es auch nie sein. Die Narben bleiben und ab und zu werden wir auch körperlich/medizinisch daran erinnert. Wir können unsere Geschichte nicht vollständig vor uns verleugnen. Wer es versucht nimmt häufig seelischen Schaden. Die gesündere Art scheint zu sein, sich damit zu versöhnen.

Aber nochmal: Du bist, was du in dir als wahr und stimmig spürst. Egal wie du aussiehst, egal wie andere dich sehen, egal was du an Anstrengugen unternimmst. Und es ist legitim, alle die dir irgendwas anderes erzählen als mindestens uninformiert zu sehen, bzw bei Persistenz als feindlich.
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Re: Wo seid ihr?

Post 55 im Thema

Beitrag von Susi T »

Warum fällt es so schwer das "*" als Zusatz zu benutzen, um alle da mitzunehmen? Wäre das nicht viel einfacher?
Wird doch auch sonst gerne benutzt um alle mit einzubinden und das klar zu formulieren.
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Re: Wo seid ihr?

Post 56 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Danke Jaddy,

Du hast das so schön geschrieben, meine krude Variante müsst ihr darum nicht mehr lesen.

@Vesta: what they said!
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Re: Wo seid ihr?

Post 57 im Thema

Beitrag von MelanieD »

Vesta hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 23:07 Trans bedeutet hinübergehen, transsexuell entsprechend zum anderen Geschlecht hinübergehen.
Mit Verlaub, nein.


Bedeutungen:

[1] vorangestelltes Wortbildungselement in Fremdwörtern aus dem Lateinischen mit der Bedeutung: auf die andere Seite, über-, hindurch-
[2] vorangestelltes Wortbildungselement mit der Bedeutung: transgeschlechtlich/transident/transgender

Herkunft:

von lateinisch trans- → la "über-, durch-"[1]

Sinnverwandte Wörter:

[1] über, über-, hinüber, hinüber-, jenseits, durch-, hindurch-, quer durch, über hinaus


https://de.wiktionary.org/wiki/trans-


Wenn sich jemand (wie ich zum Beispiel) als "trans" bezeichnet, dann heisst das eben nicht automatisch, dass ich das Geschlecht wechseln will. Ich bin eher "über" dem rein männlichen oder auch eben "hindurch". Ich bin auch nicht "non-binary", weil ich mich meistens halt doch als Mann fühle, nur eben nicht immer. Es ist für mich völlig ok, bei diversen Buchungen das "männlich" anzuklicken.


LG
Melanie
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Re: Wo seid ihr?

Post 58 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

MelanieD hat geschrieben: Sa 30. Nov 2024, 13:13 von lateinisch trans- → la "über-, durch-"
... oder auch hinüber (in den Untergang) - sic transit gloria mundi - So geht der Ruhm der Welt dahin ... . (moin)
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Re: Wo seid ihr?

Post 59 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo allerseits,

dann mal ganz allgemein zum Thema - insbesondere das Zeigen in der Öffentlichkeit.

Ich denke, CD und trans sind zwei grundsätzlich verschiedene Welten. Eine Trans-Person möchte ihr Wunsch-Geschlecht so unauffällig wie möglich im Alltag ausleben. Dazu ist sie bereit eine Hormon-Behandlung und eine oder mehrere Operationen in Kauf zu nehmen. Ihre Erscheinung soll dann nicht übertrieben weiblich sein und auch nicht irgendwie nach einem Fetisch aussehen. Mir würde eine solche Person vermutlich irgendwo draußen auffallen, wenn ich nicht, wie eigentlich immer, mit anderen Dingen beschäftigt wäre.

Bei einem CD steht die Darstellung in einer Gemeinschaft im Vordergrund. Hier sind es vor allem Fotos, die in einem Internet-Forum gezeigt werden. Egal, wo man dort hinein schaut, es ist fast immer diese Person alleine irgendwo in der Natur oder an einem unbelebten Ort in einer Stadt zu sehen. Der Stil Kleidung ist dann irgend etwas zwischen "Fetisch" und betont Weiblich. Um ein Auffallen in der Öffentlichkeit geht es also eher nicht. Da ist es wohl angenehm, irgendwo draußen auf der Straße oder in einem Supermarkt in der Menge unter zu gehen.

Bei 'nicht binär' ist es noch anders. Ein mögliches Auffallen ist da entweder gleichgültig oder erwünscht. Der von der Gesellschaft vorgeschriebene Stil der Kleidung wird einfach nicht akzeptiert. Hier ist eine möglichst weit verbreitete Sichtbarkeit oft erwünscht. Man möchte zeigen, was einem da nicht passt. Um "Fetisch" oder "betont weiblich" mit Perücke, Schminke, kurzem Rock und hohen Absätzen geht es dabei nicht. Da kann sich schon mal jemand mit Glatze und Stoppelbart in einem luftigen Sommerkleid zeigen. Die ersten Versuche sehen aber oft nach "Fetisch" aus.

Was Veranstaltungen angeht, fallen mir da für mich nur eine Karnevals-Feier in Simmern 2018 und das Simmerner Oktoberfest 2019 ein. Fotos gibt es nur vom Karneval 2018. Hier fiel ich als "Alice aus dem Wunderland" überhaupt nicht auf - irgendwie klar, es war ja Karneval.

LG Nicole

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Re: Wo seid ihr?

Post 60 im Thema

Beitrag von conny »

Nicole Fritz hat geschrieben: Mo 2. Dez 2024, 20:46 Der von der Gesellschaft vorgeschriebene Stil der Kleidung wird einfach nicht akzeptiert.
Welcher Stil ist denn vorgeschrieben? :roll:
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