Wo seid ihr?
Wo seid ihr? - # 3

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Susi T
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Re: Wo seid ihr?

Post 31 im Thema

Beitrag von Susi T »

Lana hat geschrieben: Mi 20. Nov 2024, 21:16 Schön für dich, funktioniert bei mir leider nicht. Zu wenig Pigmente in den Haaren. Und Nadelepilation ist mir inzwischen zu mühsam geworden, das habe ich wieder aufgehört. Ist auch ziemlich teuer. Bleibt selber zupfen (hab ich mal ein paar Jahre lang gemacht) oder rasieren. Beides sehr lästig, und das Ergebnis ist selten zufriedenstellen.
Bei mir nicht viel anders mit den hellen Haaren, nur das meine grau geworden sind, muss wohl am Alter liegen :mrgreen: . Wobei ich Nadelepilation auch garnicht angefangen habe. Nach 1 Jahr Pinzette bin ich allerdings zum Epilieren gekommen, das geht nun Recht gut und ich muß dann nur noch etwas nachzupfen. Vom Rasierer bin ich damit eigentlich weg.
Gut das es langsam nachwächst, so daß ich da nicht jeden Tag ran muß. Wäre sonst komisch, wenn das Ding jeden Tag Krach machen würde, bin ja nur bei meinem Schatz geoutet und wir sind öfter zu dritt :mrgreen:
Ansonsten mach ich meist nur die Augenbrauen und etwas Lippenstift, oft nur getönter Pflegestift.
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Violetta Arden
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Re: Wo seid ihr?

Post 32 im Thema

Beitrag von Violetta Arden »

Ich glaube, dass ich auch spezielle Fühler habe wenn es um "trans" geht. Ich schaue wohl viel genauer hin als die meisten Passanten. Hier bei uns gibt's allerdings wenige, die untertags unterwegs sind. Und die sind meist offensichtlich erkennbar. Das möchte ich bei meinen Ausgängen gerade nicht. Aber viele können es auf jeden Fall nicht sein.
Schönen Tag
Violetta
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Re: Wo seid ihr?

Post 33 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

Hallo zusammen,

Auf alle Fälle ein sehr interessantes und spannendes Thema, dass Du anschneidest, Lana.

Ich kann das nur aus Männersicht schildern, da ich mich noch nicht in der Öffentlichkeit als Frau bewege.
Grundsätzlich beobachte ich in den letzten Monaten die Menschen viel intensiver und aufmerksamer als vorher.
Das ist aber nur möglich, wenn ich zu Fuß unterwegs bin, was nicht so oft vorkommt.
Meist halt mit Auto oder Fahrrad und da nehme ich andere Menschen nur rudimentär wahr,
da ich mich auf den Verkehr konzentriere.
Aber Menschen, die unter die Kategorie trans fallen, fallen mir auch nicht viele auf.
Keine Ahnung woran das liegt.
Wenn ich im Büro arbeite, kann ich immer noch aus dem Fenster schauen, aber da fallen mir auch nicht mehr Personen in diese Richtung auf,
als wenn ich als Passant unterwegs bin.
Einmal Anfang November hatte ich beim Einkaufen einen kurzen Blickkontakt zu zu jemandem, der wirklich so aussah und
hab mich später auch geärgert, dass ich Sie nicht angesprochen habe.
Bin halt in dieser Beziehung etwas schüchtern.

Auf alle Fälle: Ich halte weiter Ausschau...
Lana hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 22:13 Von hinten ist mein Passing ziemlich gut, glaube ich. Dass es von vorne nicht so ist, bestätigen mir immer wieder die enttäuschten Blicke von Männern, die wohl ein süßes Mädchengesicht erhofft haben, wenn sie sich umdrehen nachdem sie mich überholt haben.
Wenn man ein Bild in dem Stil so wie Du für deinen Avatar auswählt, sehen die Anderen immer das was sie sehen wollen, so geht es mir zumindest.
Ich hätte da auch mehr reininterpretiert.
Aber die Rückansicht ist echt spitze, muss ich sagen.
Violetta Arden hat geschrieben: Do 21. Nov 2024, 10:21 Ich glaube, dass ich auch spezielle Fühler habe wenn es um "trans" geht. Ich schaue wohl viel genauer hin als die meisten Passanten.
Genau so gehts mir auch.

Liebe Grüße
Eure Violetta


_____________________________________________________________________________________________
Zuletzt geändert von Violetta-TransFlower am Do 21. Nov 2024, 10:46, insgesamt 1-mal geändert.
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
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Re: Wo seid ihr?

Post 34 im Thema

Beitrag von Vesta »

Lana hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 11:23 Auch, um das Thema Trans besser in der Gesellschaft zu integrieren, ist "Sichtbarkeit" ganz wichtig.
Um es mal drastisch überspitzt zu formulieren: Das ist eine Einstellung für gescheiterte Transsexuelle.

Auch wenn deep stealth in Trans-Kreisen nicht mehr in dem Maße das Ideal ist, wie es das früher war, ich wil keine Sichtbarkeit, ich will keine Aufmerksamkeit, ich willschon gar keinen Kulturkampf, ich will einfach nur in der Masse der Frauen untertauchen und dort dazugehören.

(Für Teilzeit-Trans sieht das anders aus, da sind die Wünsche, Ziele und Möglichkeiten andere.)
Jaddy
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Re: Wo seid ihr?

Post 35 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Vesta hat geschrieben: Do 21. Nov 2024, 21:45
Lana hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 11:23 Auch, um das Thema Trans besser in der Gesellschaft zu integrieren, ist "Sichtbarkeit" ganz wichtig.
Um es mal drastisch überspitzt zu formulieren: Das ist eine Einstellung für gescheiterte Transsexuelle.
Ich kenne zahlreiche durchaus nicht "gescheiterte" trans Personen, die absichtlich offen trans sind. Also: Bekannt als trans Person. In vielen Fällen geht es ihnen darum, durch Sichtbarkeit anderen Mut zu machen, als Kontaktperson zu vernetzen, als Beispiel die Normalität zu demonstrieren und manchmal auch politisch zu wirken. Häufig geht es auch einfach darum, nicht mehr stets und ständig Sorge vor "Enttarnung" als trans haben zu wollen.

Den Wunsch einfach nur in der Masse unterzugehen kann ich durchaus nachvollziehen. Kaum eins mag dauernd als Token rumlaufen. Alles prima und viel Erfolg dabei. Auch dagegen wirkt übrigens vermehrte Sichtbarkeit. So wie bei roten Haaren oder lispeln. Irgendwann ist es einfach kein Thema mehr.

Aber aus den Gründen oben und anderen finde ich es äusserst unangemessen, derart mies über andere zu schreiben. Sei es, dass Menschen aktiv offen leben oder dass ihre Biografie oder Biologie ihnen kein Untertauschen in der Masse ermöglichen.
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Post 36 im Thema

Beitrag von Blossom »

Vesta hat geschrieben: Do 21. Nov 2024, 21:45 Lana hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 11:23
Auch, um das Thema Trans besser in der Gesellschaft zu integrieren, ist "Sichtbarkeit" ganz wichtig.

Um es mal drastisch überspitzt zu formulieren: Das ist eine Einstellung für gescheiterte Transsexuelle.
Ja, sag' mal, geht's noch?!
Jaddy hat es perfekt formuliert. Ich lebe trans offen, helfe anderen, vernetze mich und bin politisch engagiert. Also sichtbar. Anfangs wollte ich unbedingt gesehen werden, aber das hat sich mit den Jahren gelegt. Heute will ich meine Ruhe, wenn ich essen, shoppen oder einfach einkaufen gehe. Es reicht mir, in der Masse unterzugehen ... und das mit roten Haaren und im Rock. Denn allein der reicht heute schon, dass mal genauer hingesehen wird, weil draußen nicht mehr selbstverständlich.
Für dich bin ich also "gescheitert"? Ganz sicher nicht - mein soziales und berufliches Umfeld stimmt. Ich bin als Autorin und Musikerin erfolgreich und allseits anerkannt!
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
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Post 37 im Thema

Beitrag von Desiree Maxima »

Liebe Lana,
Lana hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 11:23 Also, wo seid ihr, dass man euch viel zu selten "sehen" kann?
Das frage ich mich auch immer wieder seit meinem inneren Outing. Seither beobachte ich die Menschen in der Öffentlichkeit genauer - besonders die Frauen. Zum einen, um mir modische Anregungen zu holen und zum anderen, um ev. mal eine Trans*Frau oder einen Crossdresser zu entdecken. Nur, was würde ich dann machen? Sie ansprechen? Einfach nur anlächeln, oder anstarren, weil ich nicht weiß was ich sagen soll oder einfach weiter meiner Wege gehen?

Wie einige vor mir schon geschrieben haben - vermutlich sind wir statistisch betrachtet viel zu wenige, um in der Masse "aufzufallen". In letzter Zeit beobachte ich nicht nur Frauen in der Öffentlichkeit, sondern grundsätzlich alle Menschen, um zu sehen, wieviel Aufmerksamkat sie einander im Alltag auf der Straße schenken. Und das scheint reichlich wenig zu sein. Bestenfalls in öffentlichen Verkehrsmitteln, wo man mehr Zeit hat, die anderen Fahrgäste ein wenig eingehender zu betrachten, ist die Aufmerksamkeit im Sinne von Betrachtungsdauer etwas höher.

Interessanterweise habe ich in der letzen Woche zum ersten mal an unterschiedlichen Tagen zwei Männer in der U-Bahn entdeckt, die in unser "Schema" passen könnten. Der eine hatte scheinbar einen eher unauffälligen Lippenstift und selbst da war ich mir nicht mal sicher, aber sonst eindeutig im MM und der andere war einfach androgyn gekleidet bzw. im Hybridmodus unterwegs. Ich hatte keine Idee, ob ich sie zumindest anlächeln sollte - ich hatte viel zu viele Hemmungen und hatte womöglich auch Angst vor der Reaktion.

Ich selbst bin aktuell noch nicht so weit, um mich als Frau gekleidet und geschminkt aus der Wohnung zu trauen. Derzeit kann ich mir noch nicht mal vorstellen, mich meiner Freundin als Frau zu zeigen, selbst wenn ich mich ihr gegenüber irgendwann mal geoutet haben sollte.

Alles Liebe
Desiree
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Re: Wo seid ihr?

Post 38 im Thema

Beitrag von Klaudia »

Helga hat geschrieben: Mi 20. Nov 2024, 21:56
Lana hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 11:23
Woran liegt es, dass ihr in der Öffentlichkeit kaum sichtbar seid?
Liebe Lana,
um auf diese Frage eine ehrliche Antwort zu geben: Ich bin nicht so sichtbar wie ich es gerne sein würde. Ein bis zwei Mal die Woche ein Wohlfühlabend mit Strumpfhose und bequemem Wollkleid ohne Schminke und Perücke im Haus. Im Schnitt einmal im Monat ein Ausflug en femme (in der Regel dann aber den ganzen Tag), die restlichen 350 Tage des Jahres Männermodus.
Natürlich sind diese seltenen Ausflüge mit einer gewissen Wehmut verbunden, haben aber auch den Vorteil, dass auch nach Jahren noch kein "Alltag" einkehrt und das "Prickeln" beim rausgehen bleibt.
Liebe Grüße
Helga

Ich kann mich da nur anschließen. Auch ich genieße es meist zuhause im Rock oder Kleid mit Strumpfhose und meistens ungeschminkt mich wohl zu fühlen. Gelegentlich gehe ich auch mal raus meistens hybrid im Moment selten geschminkt, weil ich es für mich nicht so sehr brauche und mein Passing sehr mäßig ist.

Ich frage mich aber auch, wo denn all die Trans-Personen, Crossdresser, Männer in Röcken/Kleidern, etc. zu sehen sind. Wenn man die einschlägigen Foren verfolgt, scheint es das selbstverständlichste auf der Welt zu sein, dass jede(r) das öffentlich trägt, was ihm/ihr gefällt. Tatsächlich habe ich ganz selten jemanden wahrgenommen, in den letzten 2 Jahren tatsächlich nur in meinen Urlauben. Dabei bin ich sicherlich sensibel für eine mögliche Sichtung, was mich darauf schließen lässt, dass es lange nicht so normal ist. Das ist eher Wunschdenken.

LG Klaudia
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Re: Wo seid ihr?

Post 39 im Thema

Beitrag von Vesta »

Jaddy hat geschrieben: Do 21. Nov 2024, 22:12Auch dagegen wirkt übrigens vermehrte Sichtbarkeit.
Mein Satz war sicher provokativ, aber ich mag dieses "mehr Sichtbarkeit, mehr Sichtbarkeit, mehr Sichtbarkeit" nicht mehr hören, denn zusammen mit der erhöhten Aufmerksamkeit durch das Selbstbestimmungsgesetz und dem besonders in Amerika woken Kulturkampf wird das ganze kontraproduktiv. Gefühlt kommt es heutzutage häufiger vor als vor zehn Jahren, dass sich Leute bei einer großen Frau fragen, ob die nicht ein Mann sei. Für diejenigen, die einfach nur unauffällig im Wunschgeschlecht leben wollen, ist das nicht wünschenswert. Ich will nicht, dass wir zwischen die Fronten eines Kulturkampfes geraten.

Offen trans zu leben bedeutet für mich, nicht im Wunschgeschlecht anzukommen, sondern zwischen den Geschlechtern stecken zu bleiben. Das ist für mich eine gescheiterte Transition und wäre mir ein Graus. Dabei haben wir eigentlich alle (gemeint sind jetzt Transsexuelle), so wir genug Zeit und Aufwand reinstecken, die Möglichkeit, ein halbwegs brauchbares Passing zu erreichen. Man braucht nicht deep stealth zu leben, man kann Bekannten gegenüber damit offener umgehen, aber ich sehe weder Sinn noch Notwendigkeit, in der Gesellschaft offen trans zu leben. Wer sich so wenig Mühe gibt, dass er oder sie dauerhaft nur trans leben kann, ist für mich diesbezüglich gescheitert - auch wenn das jetzt etwas zu sehr verallgemeinert ist.
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Re: Wo seid ihr?

Post 40 im Thema

Beitrag von Lana »

Vesta hat geschrieben: Fr 22. Nov 2024, 23:59 Offen trans zu leben bedeutet für mich, nicht im Wunschgeschlecht anzukommen, sondern zwischen den Geschlechtern stecken zu bleiben.
Ist das deine Definition für nicht-binäre Menschen? Oder haben die in deinem Weltbild gar einfach keinen Platz?

LGL
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Re: Wo seid ihr?

Post 41 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Vesta hat geschrieben: Fr 22. Nov 2024, 23:59
Jaddy hat geschrieben: Do 21. Nov 2024, 22:12Auch dagegen wirkt übrigens vermehrte Sichtbarkeit.
Mein Satz war sicher provokativ, aber ich mag dieses "mehr Sichtbarkeit, mehr Sichtbarkeit, mehr Sichtbarkeit" nicht mehr hören, denn zusammen mit der erhöhten Aufmerksamkeit durch das Selbstbestimmungsgesetz und dem besonders in Amerika woken Kulturkampf wird das ganze kontraproduktiv. [...]
Offen trans zu leben bedeutet für mich, nicht im Wunschgeschlecht anzukommen, sondern zwischen den Geschlechtern stecken zu bleiben. Das ist für mich eine gescheiterte Transition und wäre mir ein Graus. [...]
Also zum einen ist offen trans zu leben zum Beispiel:
Unbenannt 1.jpg
Balian Buschbaum. Sarah McBride. Nyke Slawik.
Jayrôme C. Robinet. Julia Monro. Romy Haag.

Ich könnte noch mehr Beispiele nennen, wenn es dir so stark um Optik geht. Felix Reda. Linus Giese. Und viele andere. Alle offen trans. Heisst: Sie gehen offen damit um, trans zu sein.

Zum zweiten schuldet kein Mensch irgendwem irgendwelche optische Konformität. Schon gar nicht bezüglich irgendwelcher willkürlicher Gechlechternormen. Du kannst für dich so viel Aufwand treiben, wie du willst, aber das macht dich nicht besser oder weiblicher als jede andere Frau, egal ob cis oder trans. Und tatsächlich gibt es eine Menge cis Frauen, die du mit deinem strengen Blick wohl nicht für Frauen halten würdest - oder für "zwischen den Geschlechtern steckengeblieben".

Drittens betrachtet sich ein Drittel aller trans Personen als weder Mann noch Frau. Ich zum Beispiel. Und das ist ebenso valide wie deine Weiblichkeit. Also haben ich und meine nichtbinären Mitwesen das gleiche Anrecht auf Respekt wie du. Und zwar egal wie ich mich präsentiere. Ich verbitte mir ungefragte Urteile wie "steckengeblieben". Ich bin ausserhalb deiner binären Optik.

Viertens erhöht gerade diese Versteifung auf optische Normen den Druck auf alle Menschen, diesen binären Klischees zu entsprechen. In den USA erleben cis Frauen jetzt besonders, wozu diese Idee optischer Geschlechtskonformität führt, wenn sie aus Toiletten geworfen(1) oder anderweitig angefeindet werden. Einigen meiner butchigen Freundinnen hier passiert das seit Jahren. Weil sie kurze Haare haben, "unweibliche" Kleidung tragen, etc. Dieser "Mühe geben" Unfug spielt dem in die Hände.

Fünftens ist wegducken und versuchen unsichtbar zu bleiben gegen Rechte und andere transfeindliche Menschen völlig sinnlos. Du bleibst Ziel, kannst jederzeit "enttarnt" werden und diese Angst bleibt. Es ist diesen Leuten nämlich völlig egal, wie viel Aufwand du treibst und wie gut du versuchst dich anzupassen. Sie akzeptieren dich trotzdem nie als Frau.

Den "Kulturkampf" haben "wir" nicht angefangen. "Wir" sind nur gerade die neueste Strohpuppe für Leute, die einflussarme, marginalisierte Gruppen, zu denen die Mehrheit wenig Kontakt hat, als Feindbild brauchen, um die Mehrheit zu normieren und dadurch Macht zu gewinnen. Es ist ihnen eigentlich egal, welche Gruppe das ist. Schwarze Menschen, indigene, jüdische, zugewanderte, rothaarige, andergläubige, homosexuelle oder jetzt eben TIN.

Das einzige, was dagegen hilft ist Toleranz und Vielfalt. Und zwar absichtilche. Lebe du ruhig stealth. Ich gönn es dir. Kein Mensch zwingt dich dazu dich irgendwo zu outen. Aber schreib anderen nicht vor, wie sie aussehen sollen, was sie alles machen sollen bzw welchen binären Geschlechternormen sie sich unterwerfen sollen.



(1) wie jene TERF, die wegen ihrer Alopezie keine Haare hat und deshalb für trans gehalten wurde: https://www.msn.com/en-us/lifestyle/rel ... r-AA1sjbdX
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
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Re: Wo seid ihr?

Post 42 im Thema

Beitrag von Christiane »

Vesta hat geschrieben:
Ich will nicht, dass wir zwischen die Fronten eines Kulturkampfes geraten.

Offen trans zu leben bedeutet für mich, nicht im Wunschgeschlecht anzukommen, sondern zwischen den Geschlechtern stecken zu bleiben. Das ist für mich eine gescheiterte Transition und wäre mir ein Graus....

Wer sich so wenig Mühe gibt, dass er oder sie dauerhaft nur trans leben kann, ist für mich diesbezüglich gescheitert ....
Punkt 1 : Sind wir schon. Allerdings sind wir nur die Opfer, weil kleine Gruppe - ideales Ablenkungsziel. Du wirst auch
nach einer noch so erfolgreichen "Umwandlung" immer noch
Ziel dieser Gruppen bleiben. Man braucht nur die Hormon-
tabletten und Cremes aus dem Leistungskatalog streichen.
Kann man die ohne Probleme aus der eigenen Tasche zahlen?

Punkt 2: Macht mich ein wenig traurig, weil Du damit allen die
so zwischen CIS- MM und CIS-FM liegen die Existenzberechtigung
absprichst.

Punkt 3: Mit etwas mehr Empathie würdest Du mal versuchen, Dich in diese Menschen hineinzuversetzen.
Manche können nicht anders, wieder andere sehen die Transition
nicht als Allheilmittel an und möchten da bleiben, wo sie sind. Und - jede*r arbeitet mit den Mitteln, die ihm/ihr zu
Verfügung stehen.

Klar, über manche "Erscheinungsformen" läßt sich streiten,
aber - wollen wir nicht alle eine etwas buntere Gesellschaft?
Da gehören diese Mitmenschen auch dazu.
Genauso, wie der Obdachlose, der kein Ausgestoßener, sondern
auch ein Teil unserer Gesellschaft sein sollte.
Christiane
"Pünktchen sind immer süß!"
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Re: Wo seid ihr?

Post 43 im Thema

Beitrag von Susi T »

Vesta hat geschrieben: Fr 22. Nov 2024, 23:59 Dabei haben wir eigentlich alle (gemeint sind jetzt Transsexuelle), so wir genug Zeit und Aufwand reinstecken, die Möglichkeit, ein halbwegs brauchbares Passing zu erreichen. Man braucht nicht deep stealth zu leben, man kann Bekannten gegenüber damit offener umgehen, aber ich sehe weder Sinn noch Notwendigkeit, in der Gesellschaft offen trans zu leben. Wer sich so wenig Mühe gibt, dass er oder sie dauerhaft nur trans leben kann, ist für mich diesbezüglich gescheitert - auch wenn das jetzt etwas zu sehr verallgemeinert ist.
Ich glaube das sind echt zuviel Verallgemeinerungen. Wir sind alle unterschiedlich und haben alle unterschiedliche Möglichkeiten und Vorraussetzungen. So wie Jaddy in seinen Bildbeispielen aufzeigt, gibt es welche die völlig stealth leben, vor allem eine frühzeitige Transition, aber auch gute Anlagen helfen. Andere haben solche Möglichkeiten nicht, sie fallen nunmal immer auf, egal wie sie sich bemühen würden und wie schon gesagt, gibt es auch Menschen, die absichtlich zwischen den Geschlechtern leben.
Sind Intergeschlechtliche Menschen Schuld an Transfeindlichkeit wenn sie nicht in Transition gehen wollen? Müssen wir sie wieder zwingen, damit andere zufrieden sind?

Ich sehe auch schön an meinem Brieffreund, wie Gaga solch stereotypen wie Körperausprägungen sind. Klar geht's nach Wahrscheinlichkeit, aber eben auch nicht mehr. Breite Hüfte ist Cis Frau und schmale trans? Häufig ja, aber bei weitem nicht immer. Wenn's danach ginge, wäre er sein Leben lang als trans Frau angesehen worden. Umgekehrt konnte er schon vor Hrt mit der Geschlechtszuordnung spielen.
Ich kenne seine Körpermaße über die Jahre vom Modell-Portal und kann die Klamotten von ihm genau zuordnen. Aber seine Röcke waren das erste was mir Probleme gemacht hat. Bei fast gleicher Körpergröße hab ich eine 10 cm mehr Umfang betragene Hüfte. Ich bekomme sie, genau wie manche Hosen nicht Mal übers Hinterteil gezogen(mein Schatz teilweise auch nicht). Seine Lederjacke hat meine Tochter zum heulen gebracht. Sie hatte sich etwas reinquetschen müssen und war sich sicher, das meine Schultern gar nicht reinpassen. Als ich völlig mühelos die anziehen konnte, war klar das ich sie behalten würde.
Ich kenne andere Beispiele, die ähnlich extrem sind.
Ein trans Modell, das soviel hat machen lassen, das gerade solch Auffälligkeiten wie Hüftbreite nichtmehr vorhanden sind. Aber sowas als Standard, oder besser mehr Toleranz?
Jede/r so wie er mag.
Blümchen hat allerdings auch etwas beschrieben, was mir auch aufgefallen ist. Zu Beginn will man am liebsten der ganzen Welt erzählen was man geschafft hat, oder wie gut es tut endlich zu sich gefunden hat. Dann kommt man zunehmend ins neue Leben an und der Drang von sich über trans zu erzählen wird immer weniger.
Manche machen diese Entwicklung so nicht und erzählen mehr und präsentieren sich mehr, aber auch das ist wichtig. Denn ohne dem würde das alles immernoch unter dem Radar fliegen.
Ich bin in unserem Verein Gründungsmitglied, weil jemand siebtes benötigt wurde, bin in den Vorstand nur weil andere ihre Pä/Nä wegen dem ausgebremsten Selbstbestimmungsgesetz noch nicht fertig hatte, hab das aber auch gerne gemacht um zu unterstützen. Als ich den Posten weiterreichen könnte, hab ich das auch gerne gemacht, weil ich weiß das sie da viel mehr Herzblut mitbringen. Ich finde das toll und sowas gehört einfach unterstützt, das hilft dann allen. Als man mir das Interview in den Tagesthemen gezeigt hat, bei der eine aus dem Vorstand eine gute Figur gemacht hat, war ich stolz und dabei ging es nicht ums Aussehen oder Passing, sondern um das was sie gesagt hat und wie sie sich präsentiert hat. Ein bisschen Sichtbarkeit und das dafür mein Name in dem Zusammenhang für immer gegoogelt werden kann, ist dann halt so, auch das ist dann Sichtbarkeit, auch wenn ich persönlich für mich darauf kein Wert lege.
Ich persönlich mag auch nicht die schrillen Töne, aber jeder Mensch ist anders und hab ich das Recht anderen etwas vorzuschreiben? Ich mach vielleicht da einen Bogen drum wenn es mir zuviel ist, schüttel bei manchen Auswüchsen auch Mal den Kopf, aber trotzdem ist es nicht verboten oder gescheitert.
Liebe Grüße, Tira (flo)
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Re: Wo seid ihr?

Post 44 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Vesta hat geschrieben: Do 21. Nov 2024, 21:45 Für Teilzeit-Trans sieht das anders aus, da sind die Wünsche, Ziele und Möglichkeiten andere.

? Hey

Manchmal verwirrt ihr mich schon ein wenig...was ist denn bitte Teilzeit-Trans?
Du meinst eine Person die nur zeitweise sich "gegengeschlechtlich" präsentiert?

trans* ist doch eine Eigenschaft einer Person, und nicht nur eine zeitweise.
Vesta hat geschrieben: Fr 22. Nov 2024, 23:59 Offen trans zu leben bedeutet für mich, nicht im Wunschgeschlecht anzukommen

ich bin da offen und ehrlich, ein Wunschgeschlecht gibt es nicht, also kann man da auch nicht ankommen.
Man kann nur etwas sein und dann das angleichen was für genau diese Person nötig ist.
Und genau das nimmt den Druck raus, denn für die einen kann das nur die Kleidung (ich oute mich jetzt offiziell -
ich finde Feinstrumpfzeug richtig grausam und liebe Hoodies) sein und andere brauchen für sich die körperliche Angleichung
(für mich, nur für mich ist das entscheidend, völlig egal in was ich mich hülle) an das eigene Geschlecht.

Und du weisst wie ich, das nicht immer alles so wie man es sich vorstellt dann auch aussieht.

Christiane hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 08:25 Du wirst auch
nach einer noch so erfolgreichen "Umwandlung" immer noch
Ziel dieser Gruppen bleiben. Man braucht nur die Hormon-
tabletten und Cremes aus dem Leistungskatalog streichen.
Kann man die ohne Probleme aus der eigenen Tasche zahlen?

Ja, kann man. Ich habe 2 Medikamente, eines zahle ich sowieso selbst und das andere sind etwa 30 Euro im Monat,
das ist Lenzetto, was ein Spray ist und eben naturidentisches Estrogen enthält.
Das ist also locker auch bei anderen Medis wie Gynokadin, oder anderen Gelen (auch Testovariante) umsetzbar.
Das ist für unser Gesundheitssystem einfach keine Belastung.
Es sind auch exakt die gleichen Medis die Frauen in der Menopause oder zur Empfängnisverhütung nutzen.
Nicht etwa etwas extra entwickeltes, sondern einfach eine off label Verwendung.

Wenn das jemand als Druckmittel verwenden will, lächle ich müde, zeig den Kassenzettel vor oder
lass die Person auch gerne in die Kostenübersicht meiner Kasse schauen.
Aber eigentlich hat das nicht nur ein klein bisschen mit der Präsenz in der Öffentlichkeit zu tun.

Die Medis, alle OPs, helfen nur bedingt in der Öffentlichkeit, das was du bist, ist so nicht herstellbar,
du bist was du bist. Deswegen ist auch Geschlechtumwandlung das falsche Wort. Wie oben schon gesagt
es ist eine Angleichung, denn Geschlechter umwandeln kann man einfach nicht.

Alles Liebe Marie (flo)
Zuletzt geändert von Lavendellöwin am Sa 23. Nov 2024, 16:07, insgesamt 4-mal geändert.
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Wo seid ihr?

Post 45 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Lavendellöwin hat geschrieben: Sa 23. Nov 2024, 14:38 Ja, kann man. Ich habe 2 Medikamente, eines zahle ich sowieso selbst und das andere sind etwa 30 Euro im Monat,
das ist Lenzetto, was ein Spray ist und eben naturidentisches Estrogen enthält.
Das ist also locker auch bei anderen Medis wie Gynokadin, oder anderen Gelen (auch Testovariante) umsetzbar.
Das ist für unser Gesundheitssystem einfach keine Belastung.
Hallo Marie,

da würde ich gerne eine andere Perspektive einbringen: das gilt für erwachsene, gehaltbeziehende Menschen aber nicht unbedingt für Jugendliche oder junge Erwachsene. Und in meiner aktuellen Situation wären die Kosten für meine Hormone für mich eine große Belastung: nach Grundkosten (Miete und Strom) und Unterhalt an die Kinder habe ich noch knapp 370€ für alles Andere, inklusive Nahrungsmittel, Kultur und Kosmetika. Wenn ich da nun monatlich schonmal 50€+ nur für meine HRT ausgeben müsste...

Was die "steile These" von Vesta angeht
Vesta hat geschrieben: Do 21. Nov 2024, 21:45 Um es mal drastisch überspitzt zu formulieren: Das ist eine Einstellung für gescheiterte Transsexuelle.
Liebe Vesta,

gescheiterte trans* Personen detransitioneren. Alle anderen gehen den Weg so weit sie können und wollen. Da ist nichts "gescheitert".

- Ich lebe offen transsexuell.
- Ich versuche so gut es geht zu passen.
Trotzdem BIN ICH KEINE FRAU. Ich werde nie nie niemals eine Frau sein. Da kann ich mich auf den Kopf stellen, 1000 mal unters Messer legen - ich werde nicht zur Frau. Ich bin und bleibe Trans.

Ich beschreite einen Weg, auf dem mich Menschen begleiten - in der Öffentlichkeit, beim Einkaufen, am Arbeitsplatz, in meiner Kirchengemeinde, in meinem Freundeskreis und in der Elternschaft der Mitschüler*innen meiner Kinder... Die haben doch alle mitbekommen, das aus dem Vater von 4 Jungs auf einmal eine Person geworden ist, die als weiblich verstanden werden will. Für alle diese Menschen bin ich offen trans*. Und die sind neugierig! Und die Kinder auch! Weil es eben dann doch zu wenig Kontakt gibt. Oder der CSD als zu hysterisch wahrgenommen wird.

Gestern haben mich ein paar junge Männer angemacht, ein paar Kinder drehten ein TikTok an der Strasse und meinten nur "da läuft eine Frau mit Bier in der Hand" (war ne leere Rubble Bubble Flasche vom Kindergeburtstag, kurz vorm Altglas) und ich freu mich wie's Keks. Jedesmal.

Und trotzdem würde ich niemals behaupten eine "Frau" zu sein. Wenn, dann bin ich eine Transfrau und darauf auch verdammt stolz. Weil es harte Arbeit ist. So ne Biofrau hat doch keine Ahnung!
Sapphic | Trans* | Femme
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