MoreThan2m hat geschrieben: Di 3. Sep 2024, 09:47
FDP-nahe Medien:
Die "Springer-Presse" (Axel Springer Gruppe, Welt, Bild, etc) war mal "nur konservativ" bzw hauptsächlich anti-progressiv, "gestrig". Das schon seit den 60ern. Das ging gegen Brandt, gegen die Ost-Verträge, gegen die Studierenden, gegen die Umweltbewegung, gegen Sicherhaitsgurte, Promillegrenzen und Katalysatoren usw.
Mit Matthias Döpfner als Vorstandvorsitzender wurde seit 2002 brachialer Populismus quasi Vorgabe. Dabei irrrlichtert er auch selbst in Artikeln und Aktionen umher: Über Ostdeutsche ("die Ossis sind entweder Kommunisten oder Faschisten"), über die Klimakrise ("Umweltpolitik — ich bin sehr für den Klimawandel. Zivilisationsphasen der Wärme waren immer erfolgreicher als solche der Kälte."), Angela Merkel ("Sargnagel der Demokratie") und die Stimmungsmache inklusive Falschmeldungen in der Pandemie und die Hetze gegen Lauterbach und Drosten kamen auch quasi direkt von ihm. 2020 forderte er die Mitarbeitenden dazu auf, "am 3. November [2020] morgens eine Stunde in uns gehen und beten, dass Donald Trump wieder Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird."
Praktisch jedes Thema, das aufregt, auf Minderheiten haut, gegen Modernisierung, gegen Besonnenheit, gegen Fakten etc liegt voll auf Döpfners Linie. Und zwar wohl nicht primär, weil es Zeitungen verkauft, sondern weil es seinen Überzeugungen entspricht. Hauptsache Chaos und Spaltung, bloss keine Sachdiskussionen.
Er hing eng mit Julian Reichelt zusammen, der inzwischen vollends in den Des- und Disinformationsbereich abgebogen ist ("Nius"), konnte ihn aber auch mit Vertuschungsversuchen und internen "Ermittlungen" gegen die Betroffenen und Belastungszeugen nicht halten, nachdem sexuelle Gewalt, Missbrauch, Drogenkonsum usw in der Bild-Chefetage doch zu viel wurden. Reichelt rächte sich mutmasslich durch gezielten Leak privater Nachrichten von Döpfner. Dabei kamen auch obige Aussagen an die Öffentlichkeit, insbesondere aber folgende:
Brisant sind Aussagen über die FDP, die Döpfner im Zuge der Bundestagswahl 2021 als seine "letzte Hoffnung" bezeichnet haben soll und sich demnach für die Partei ein Ergebnis von 16 Prozent wünschte. Es wurden schließlich 11,5 Prozent. Die veröffentlichten Dokumente zeigen, wie Döpfner offenbar versuchte, den Ausgang der Wahl über die von Springer herausgegebenen Medienmarken "WELT" und "BILD" zu beeinflussen. In Nachrichten, die mutmaßlich an den damaligen Chefredakteur Julian Reichelt gingen, heißt es: "Nur wenn die sehr stark wird — und das kann sein — wird das grün rote Desaster vermieden. Können wir für die nicht mehr tun." Sechs Wochen vor der Wahl schreibt Döpfner schließlich: "Please Stärke die FDP. Wenn die sehr stark sind können sie in Ampel so autoritär auftreten dass die platzt. Und dann Jamaika funktioniert."
Neben Döpfner (22%) und Friede Springer (23%) ist die Investmentgesellschaft KKR mit 36% größter Eigner von Springer. KKR ist einer der größten Investoren im fossilen Bereich und will daran auch festhalten. Seit 2019 kaufen sie gezielt Anteile an Medien, insbesondere Springer.
Die Kampagnen mit gezielten Falsch-Infos und Stimmungsmache gegen GEG, gegen Ausbau der Erneuerbaren, etc sind also wohl nicht ganz von ungefähr. Ich schätze es aber nicht parteipolitisch ein, sondern rein egoistisch: Gut ist, was den eigenen Profiten dient, also auch den Fossil-Beteiligungen. Aktuell profitiert eben die FDP davon, die im Koalitionsvertrag vereinbarte und aufeinander abgestimmte Projekte blockiert. Das Klimageld, die Vermögens- und Erbschaftssteuer (für Vermögen ab mehreren Millionen!), usw. Quasi alles, wo "der Streit in der Ampel" medial eskaliert wird: Döpfner, Springer, KKR.
Aktuell sollen wohl Umverteilungs- und Aufteilungspläne geschmiedet werden, wo KKR Medienanteile an Döpfner/Friede Springer gibt und dafür mehr im Anzeigengeschäft von Springer bekommt (Stepstone, Immobilienanzeigenportale). Döpfner arbeitet parallel daran, Springer in den USA zu vergrössern, wo er schon einer der grössten Player ist.