BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell
BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell - # 4

Aria
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 46 im Thema

Beitrag von Aria »

Helga hat geschrieben: So 24. Jul 2022, 00:09 Ich hinterfrage Dinge, die irgendwo als "gottgegebene" Tatsachen gehandelt werden.
Du kannst für dich hinterfragen so viel du willst! Was du dabei aber all zu gerne tust, ist Betroffene direkt zu ihrer Art von Weg mit dem Thema umzugehen, anzugreifen - und das stößt mir einfach ganz ekelhaft auf. Ich frage mich, warum du immer wieder meinst, Leute bekehren zu müssen. Ihnen vorhältst sie würden sich nicht mit der nötigen Weitsicht auf einen gefährlichen Weg begeben. Für mich bist du wie ein Ex-Raucher, der jeden Raucher von den rauchfreien Vorzügen überzeugen muss, komme was da wolle. Warum lässt du die Leute nicht einfach wie die sind???

Es ist schön für dich, dass du deinen Weg gefunden hast, mit dem Thema umzugehen. Andere finden ihren Weg. Und wenn es heisst, dabei 2x im Kreis zu laufen und paar mal falsch abzubiegen, dann ist das so. Helfen können dabei gut ausgebildete Fachpersonen, von denen es aber leider viel zu wenige gibt. Das ist für dieses ganze Thema von ganz großer Wichtigkeit. Es wird aber niemand zu etwas gezwungen. Jeder ab 18 Jahren ist für sich selbst verantwortlich. Und hier kann ich auch wieder den Bogen zum eigentlichen Thema spannen - halleluja, dass ich das im Forum noch mal erleben darf....

Hätte sich Sabeth einem guten Therapeuten anvertraut, wäre es eventuell nie so weit gekommen. Denn gut ausgebildeten Theras mute ich zu, dass die sehr gut unterscheiden können ob Transsexualität oder eine andere Ursache vorliegt. Es gibt aber bestimmt auch welche die Indikationen genau so schnell schreiben wie AU's bei Kopfweh. Schwarze Schafe gibt es leider überall auf der Welt. Dennoch tust du so, als ob eine Vielzahl dieser Personen genau so handeln und behauptest abstruse Dinge die deine Erfahrung auf dem Gebiet nicht unbedingt untermauern sondern eher dem Populismus zuzuordnen sind. Oder kannst du verlässliche Quellenangaben zu deinen gemachten Behauptungen darlegen?

Was befähigt dich, zu diesem Thema einen derart wehrhaften Standpunkt zu beziehen, auf Betroffene einzureden und ihnen ihre Gabe zur Selbstreflektion abzusprechen? Hast du ein abgeschlossenes Studium der Psychoanalyse? Arbeitest du mit Betroffenen lange Jahre zusammen, um dir ein breites Bild über die Vielzahl der Leidenswege und Möglichkeiten damit umzugehen zu bilden? Oder schließt du nur von deinen eigenen Erfahrungen auf andere und lässt dich von den reisserischen Artikeln der Presse in die Irre leiten ohne wirklich tiefer im Thema drin zu sein als das es Crossdresser nun mal sind?
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Patricia
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 47 im Thema

Beitrag von Patricia »

Hallo Helga,
ich möchte dir sehr sehr entschieden widersprechen.
Helga hat geschrieben: Fr 22. Jul 2022, 21:50 Hat dich jemand vorgewarnt, dass im Zuge der Transition aus einer Geschlechtsinkongruenz eine massive Körperdisphorie werden könnte? Vermutlich nicht. Ob du dich dann anders entschieden hättest steht auf einem ganz anderen Blatt, aber zumindestens wärst du vorbereitet gewesen.
Ist Dir eigentlich bewusst, dass viele von uns bereits lange vor der Transition unter der Geschlechtsdysphorie leiden, die du hier als Körperdysphorie bezeichnest? Das ist sehr oft der Grund, warum wir in die Transition gehen und das ganze Prozedere über uns ergehen lassen.

Helga hat geschrieben: Fr 22. Jul 2022, 22:28 Da ich nicht über die Begriffshoheit verfüge, muss ich dir wohl Recht geben. Ich darf dir aber versichern, dass "Crossdressen" nicht einfach Verkleiden ist. Bei jedem "Zurechtmachen" geht in mir etwas vor, was diesem Begriff durchaus nahe kommt: Ich bewege mich anders, meine ganze Haltung verändert sich, ich fühle anders, mein ganzes Wesen verändert sich. Auf Personen, die mich in beiden Modi kennen, kann dies sehr irritierend wirken. Was da in mir passiert? - Keine Ahnung. Die Forschung beschäftigt sich nicht mit Crossdressern, da es hier nichts zu verdienen gibt.
Liebe Grüße
Helga
Ja, auch mir ging es nicht anders, ich veränderte mich und wurde laut meiner damaligen Lebensgefährtin zu einer anderen Person. Nur war der Schmerz bei der Rückkehr in das "normale" Leben schier unerträglich. Und dennoch war es nur eine Verkleidung und nicht das Leben, welches ich führen wollte. Das ist vermutlich einer der Unterschiede, warum du für das Crossdressing bist und ich mich als eine Frau sehe.
Helga hat geschrieben: So 24. Jul 2022, 00:09 Ich hinterfrage Dinge, die irgendwo als "gottgegebene" Tatsachen gehandelt werden. Sowohl in der cis- Gesellschaft als auch in der Trans- Community.
Ich hinterfrage nicht die Transsexualität an sich, dafür bin ich dem Thema selbst viel zu nahe. Ich hinterfrage aber warum die erste Wahl im Umgang mit Transsexualität bei medizinischen und operativen Maßnahmen liegt und jeglicher anderslautender Vorschlag ungeprüft als ungeeignet abgetan wird.
Es ist mir durchaus bewusst, dass ich damit eine Lehrmeinung hinterfrage, die in der Trans- Community, den Verbänden und den betreuenden Therapeuten fest verankert ist.
Ab und zu müssen Dinge evaluiert, also hinterfragt und überprüft werden, damit es eine Weiterentwicklung gibt. Ich schließe damit nicht aus, dass für eine Teil der Transsexuellen nach wie vor medizinische Maßnahmen erforderlich sind.
Niemand würde auf die Idee kommen eine Krebserkrankung, einen Herzinfarkt oder eine Schizophrenie genauso zu behandeln wie vor 100 Jahren. Aber auf dem Gebiet des Umgangs mit Transsexualität hat sich seit Lili Elbe nichts grundlegendes mehr getan. Die Medikamente haben weniger Nebenwirkungen und die Operationsmethoden wurden deutlich verfeinert, aber vom Grundsatz wird damals wie heute auf Hormonpräparate und angleichende Operationen gesetzt. Es ist mittlerweile sogar erklärtes Ziel mit einer Hormontherapie möglichst schnell zu beginnen, vorgeblich um unnötiges Leiden zu ersparen. Dadurch bleibt allerdings für andere Behandlungsmethoden keine Zeit.
Hormontherapie und GaOP nehmen in jeder Berichterstattung und in jeder Kommunikation einen derart breiten Raum ein, dass völlig unklar bleibt, ob die Betroffenen sich hiermit wirklich auseinandergesetzt oder einfach nur die Lehrmeinung übernommen haben. Natürlich musst du diese Lehrmeinung verteidigen, da das, was du jetzt darstellst, ein Stück weit Ergebnis dieser Lehrmeinung ist.
Vermutlich sind viele maßgebliche Personen und Institutionen der Ansicht, an dieser Lehrmeinung sollte auch nicht gerüttelt werden. Würde die Lehrmeinung angepasst werden könnten sich Menschen, die sich blind auf den alten Stand verlassen haben, betrogen fühlen.
Ich wage nicht zu beurteilen, ob Mirjam und Patricia sich ernsthaft mit der Möglichkeit einer psychotherapeutischen Behandlung ihrer Körperdysphorien beschäftigt haben, oder ob sie sich einfach die Lehrmeinung der Trans- Community zu eigen gemacht haben.
Das Beispiel der Magersucht kam nicht von ungefähr. Auch hierbei handelt es sich um eine Form von Körperdysphorie. Hier kann aber keine OP Abhilfe schaffen. Abhilfe schafft Psychotherapie.
Wenn diese Fragen aus einer anderen Ecke gekommen wären könntest du sie einfach als transphob abtun. Die Fragen haben aber keinen transphoben Hintergrund. Hintergrund ist einfach nur die Befürchtung, dass der meistens eingeschlagene "harte Weg" nicht unbedingt der beste Weg sein muss. Warum geht es so vielen Transsexuellen insgesamt nicht besser als vor vor ihrer Transition?
Neue Generationen von Transsexuellen müssen auch die Chance haben zu neuen Formen des Umgangs mit ihrer Situation zu kommen, ohne dass ihr Weg von außen vorgezeichnet wird.
Liebe Grüße
Helga
Sorry, aber dieser Abschnitt untermauert in meinen Augen regelrecht das, was Aria geschrieben hat. Du sprichst uns die Transsexualität zum Teil ab, und was ich aber noch schlimmer finde ist, dass deine Aussage in diesem Fall sehr pathologisierend ist. Ja ich weiß, es ist die gängige Lehrmeinung, die du kritisierst, aber die Ärzte sind sich einig, dass Geschlechtsinkongruenz bzw. Transsexualismus KEINE Krankheit ist. Erst der Leidensdruck ist die Grundlage für jegliche Behandlung und nicht die bloße Diagnose der Transsexualität.

Ich weiß seit ich 11 oder 12 bin, dass ich trans bin. Ich habe mehr als 30 Jahre lang versucht damit zu leben und zu akzeptieren was ich bin. Es ist mir nicht gelungen. Ich behaupte, ich war lange vor meiner Transition sehr gut darüber informiert, denn ich habe jede Information dazu verschlungen. Ich bin sehr bewußt in die Transition gegangen, denn es war für mich die Wahl zwischen Leben und Tod. Ja, denn ich wollte als Mann nicht mehr leben!
Und auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen. Sich ab und zu zu verkleiden ist und war für mich keine Lösung, denn so ähnlich wie Céline es geschrieben hat sind die Klamotten egal, es geht darum WER ich bin. Was soll da bitte eine Psychotherapie helfen?
Die Dysphorie begleitet mich auch schon seit meiner Kindheit, ist also nicht erst durch meine Transition entstanden, sondern liegt in meiner Transsexualität. Wie soll denn eine Psychotherapie dagegen helfen?
Die Behauptung, vielen Transsexuellen geht es nach ihrer Transition nicht besser als davor, finde ich auch sehr problematisch. Kennt du persönlich denn so viele, die das behaupten? Diejenigen, die ich kenne sagen, es ginge ihnen besser. Auch ich sage das von mir, trotz all meiner Probleme, die ich damit habe. Aber endlich bin ich ich selbst und muss nicht vorgeben jemand anderes zu sein. Ja ich bin mit Vielem daran nicht glücklich, aber ich arbeite daran und unter dem Strich geht es mir deutlich besser als vor der Transition.

Was die HET/HRT angeht, für viele von uns ist es aus verschiedenen Gründen wichtig sie zu bekommen. Es ist schwer einer Außenstehenden zu erklären warum, aber ich wusste seit langem, dass mein Gefühlsleben irgendwie falsch ist. Meine Emotionen waren falsch, wie die einer fremden Person. Ich bin jetzt seit fast 26 Monaten in der HET und was soll ich sagen? Es ist so viel besser. Meine Gefühle passen endlich.
Sehr angenehmer Effekt der HET? Endlich ist Ruhe im Süden und das Ding (aus dem Sumpf) lässt mich weitgehend in Ruhe. Welch eine Wohltat.

Stellenweise habe ich beim Lesen deiner letzten Beiträge das Gefühl bekommen mit Eva Engelken oder Alice Schwarzer oder anderen Transfrauen ablehnenden Radikalfeministinen zu diskutieren.

Du schreibst, die Forschung sei an Crossdressern nicht interessiert, weil es da kein Geld zu verdienen gäbe....Also bist du der Meinung, die Forschung und Medizin beschäftigen sich mit Transsexualismus, weil da das große Geld zu machen sei? Dann muss ich dich extrem enttäuschen. Unsere Medikamente sind alle sog. off-label-use Medikamente. d. h. Medikamente, die für andere Zwecke entwickelt wurden. Die Forschung befasst sich kaum mit dem Thema. Das ist leider so ein weiteres Märchen, was gerne von den o. g. RadFemms verbreitet wird.

Zum Schluss noch Folgendes. Damit wir Anspruch auf HET, Epilation, OPs haben, werden wir von den Krankenkassen gezwungen uns in eine lange Begleittherapie zu begeben, die von den Krankenkassen als Psychotherapie angesehen wird. Sollte der Therapeut nicht alle Bereiche der Psychotherapie abdecken ist in dieser Zeit keine weitere Therapie möglich, da die KKs immer nur eine Psychotherapie bezahlen. Einen Therapieplatz zu bekommen ist teilweise mit Wartezeiten von mehr als einem Jahr verbunden. Bis vor zwei Jahren waren glaube ich 18 Monate Therapie nötig um eine Kostenübernahme für eine GAOP zu bekommen (jetzt sind es mindestens 12 Sitzungen á 50 Minuten). Diese Zeit soll von einem Therapeuten genutzt werden, um Leidensdruck der Patientin zu mindern und herauszufinden, ob OPs notwendig sind. Ebenso ist es im Normalfall notwendig voll in der "Rolle" zu leben.

LG
Patricia
Susi T
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 48 im Thema

Beitrag von Susi T »

Wollte mich dafür bedanken, das ihr die Unterschiede so gut herausarbeitet. Auch wenn wir wahrscheinlich in vielen Dingen übereinstimmen, so scheinen wesentliche Dinge doch einen Unterschied zu machen.
Ich habe schon gemerkt daß das Umfeld, eine liebende Partnerin, gute Freunde und andere Freuden im Leben mir wesentlich geholfen haben mit mir halbwegs, manchmal auch gut klar zu kommen. Wenn ich heutzutage mir die Klamotten die ich nun komplett aussortiert habe ansehe, sehe ich alleine daran aber auch wie unzufrieden ich mit mir war, das sind alles oversize Säcke die mich heutzutage Grausen, nur zum verstecken geeignet. Als mein Leben nach und nach nicht mehr optimal lief, hat mir meine Crossdresser Ausflüge die nötige Entlastung gebracht. Aber mehr ist da nicht möglich, wenn das Problem zu tief sitzt, da hilft auch keine Thera, auch die kann nur helfen mit sich gnädiger umzugehen.
Zu Beginn war das Teil zwischen meinen Beinen nur das Problem, das es mich als Jungen festgelegt hat. Eine meiner ältesten Erinnerung besteht aus dem Gespräch, das ich es nicht abschneiden darf, da ich sonst verbluten würde. Später habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich das Problem mit dem verbluten in den Griff bekommen könnte, leider mit dem selben niederschmetternden Ergebniss.
Meine Lösung war Mauern zu errichten die mich weiter leben ließ. Gesund ist sowas nicht, aber wie gesagt, wenn im Leben sonst alles passt, läßt es sich brauchbar, oder sogar fast gut mit Leben.
Ein Problem was mit der Pupertät auftritt, ist das das Gefühl des Wohlbefindens, des Entspannens mit der kurz darauf folgenden männlichen Seitebzw. deren Aktivierung jedesmal je zerrissen wird. Das ist als würde man grade gemütlich an seinem Lieblingsorte chillen oder seiner Liebsten einen Heiratsantrag machen wollen und du dann jedesmal eine Portion Speed verpasst bekommst und gleichzeitig ein Presslufthammer seine Tätigkeit aufnimmt.
Ja damit läßt sich Leben, ich glaub zwar nicht das eine Thera die Fähigkeit hat sowas auszugleichen ohne gleich zur Gehirnwäsche überzugehen(und dann hätten wir Methoden, die glaub niemand von uns will, so will ich zumindest hoffen), aber ein gutes Leben und optimistische Einstellung und eine liebevolle Partnerin kann da viel bewirken und wenns dabei hakt, kann eine Thera helfen, aber keine Wunder bewirken. In diesem Zusammenhang habe ich meinen frühere Aussage hier im Tread gemeint und ich dachte, das dieser oder ähnliche Konflikte üblicherweise geläufig sind und nicht erklärt werden müssen.
Aber es ist scheinbar wie immer, drüber reden ist wichtig und zu glauben daß der andere alles weiß was man selber weiß, ist selten gut. Macht mir leider umgekehrt noch viel häufiger Probleme, aber das ist ein anderes Thema.
Liebe Grüße Tira (flo)
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 49 im Thema

Beitrag von Michi »

Aria hat geschrieben: So 24. Jul 2022, 13:12 Hätte sich Sabeth einem guten Therapeuten anvertraut, wäre es eventuell nie so weit gekommen. Denn gut ausgebildeten Theras mute ich zu, dass die sehr gut unterscheiden können ob Transsexualität oder eine andere Ursache vorliegt.
Hallo Aria,

dem stimme ich zu. Allerdings bin ich der Meinung, dass kein noch so guter Therapeut mit absoluter Sicherheit erkennen kann, ob eine Transsexualität vorliegt oder nicht. Er kann nur die Betroffenen bestmöglich dazu bringen, ganz tief in sich hinein zu hören, und sich selbst intensivst zu hinterfragen.

Ein Gedanke, der mir bei Sabeth und ähnlichen Fällen auf Grund meiner vielen Jahre in Trans-Foren wiederholt durch den Kopf ging, wenn ich las wie sich man sich darüber austauschte, fragte und Tipps gab, was man dem Therapeuten sagen solle, um die gewünschte Diagnose zu bekommen: Die hohen Hürden des TSG sollen zwar solche Fälle wie Sabeth möglichst vermeiden. Aber womöglich wird das Gegenteil bewirkt, weil sich einige zu sehr darauf fokussieren, diese hohen Hürden zu überwinden, und darüber vergessen/ausblenden, was sie tatsächlich wollen, was gut und richtig für sie ist. Wer Kinder hat, kennt das ja gut, dass etwas um so mehr gewollt wird, um so mehr Widerstand die Eltern entgegensetzen.


Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Aria
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 50 im Thema

Beitrag von Aria »

MichiWell hat geschrieben: So 24. Jul 2022, 22:26 Allerdings bin ich der Meinung, dass kein noch so guter Therapeut mit absoluter Sicherheit erkennen kann, ob eine Transsexualität vorliegt oder nicht. Er kann nur die Betroffenen bestmöglich dazu bringen, ganz tief in sich hinein zu hören, und sich selbst intensivst zu hinterfragen.
Jein, würde ich sagen. Richtig ist, 100 % sicher ist nur der Tod. Ich denke aber, dass es bei gut ausgebildeten Theras in diesem Fachgebiet und mit der notwendigen Erfahrung eine Trefferquote von über 90 % gibt. Transsexualität lässt sich - wenn überhaupt - nur ganz schwer belegen und deswegen sage ich, dass Erfahrung ein wesentlicher Baustein im Fachwissen des Thera darstellt. Dazu kommt, dass ein Ausschluss von Komorbiditäten vorliegen muss, was die KK bestätigt haben wollen um med. Leistungen zu bewilligen. Sabeth wusste eventuell darum und hat sich deshalb einen Thera gesucht aber das Angebot nie weiter beansprucht. Jetzt ist sie wohl in Therapie um der wahren Ursache für ihre Dysphorie (Achtung, ich sage nicht Geschlechtsdysphorie!) auf den Grund zu gehen.
MichiWell hat geschrieben: So 24. Jul 2022, 22:26 Die hohen Hürden des TSG sollen zwar solche Fälle wie Sabeth möglichst vermeiden. Aber womöglich wird das Gegenteil bewirkt, weil sich einige zu sehr darauf fokussieren, diese hohen Hürden zu überwinden, und darüber vergessen/ausblenden, was sie tatsächlich wollen, was gut und richtig für sie ist.
Ich kann es nur immer wiederholen.....das TSG hat NICHTS mit dem MEDIZINISCHEN WEG zu tun! Nicht böse sein, Michi, ich bin immer wieder überrascht wie wenig über die Wege (med. & jur.) der Transition in eingefleischten Kreisen bekannt ist und dementsprechend durcheinander geworfen wird. Leider ist man damit den Stimmenfängern aus den Lagern ausgeliefert, und deswegen haben wir aktuell auch einen derartigen Meinungskrieg innerhalb der Community.

Wir haben es in Deutschland relativ einfach zu unserem Ziel zu kommen, wenn man sich der gebotenen Hilfestellungen nicht verschließt. Es klappt zwar auch illegal aber dann darf man sich nicht wundern vllt. als die nächste Sabeth zu enden. Das einzige Manko ist einfach der Mangel an fähigen Theras und den damit einhergehenden elend langen Wartezeiten. Und da wir zusätzlich in einer Zeit leben, in der immer alles zu jeder Zeit verfügbar ist, können viele Menschen es einfach nicht mehr abwarten und begeben sich so auf risikobehaftete Wege. Leider wird hier in D immer nur am Problem gearbeitet und nicht an der Ursache... :roll:
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 51 im Thema

Beitrag von Zita »

Hallo zusammen,

ich habe jetzt diesen Thread bisher still mitgelesen und wiege in mir die verschiedenen Standpunkte hin- und her. Was ich schade finde ist, dass hier auch schon wieder solche Fronten zwischen TS und CD am aufkommen sind. Ich verorte mich ja selber im Bereich CD und kann mich deshalb bei vielen Argumentationslinien nicht ganz frei davon machen, mich manchmal angegriffen zu fühlen.

Ich glaube aber ein Grundproblem ist, dass die Diskussionslinie hier eigentlich nicht zwischen TS und CD liegt, sondern zwischen TS und NB (Non-Binär). Die meisten Menschen die sich als CD bezeichnen UND die mit dem CD sein zufrieden sind, sind Non-Binär (NB). CD ist ja eigentlich keine Identität, sondern eine Tätigkeit. Jeder Menschen kann aus welchen Gründen auch immer CD betreiben. Und ich glaube, dass viele TS Menschen mit CD angefangen haben, und haben dann den Weg der Transition eingeschlagen. Aus dieser Perspektive ist CD "nur" eine Stufe auf dem eigenen Weg. Problematische wird es nur, und da gebe ich zu, dass auch ich immer wieder angefasst bin, ist, wenn einem bewusst, oder meistens eher unbewusst, oberleherinnenhaft gesagt wird: "Ihr CDs gehört ja gar nicht richtig dazu, ich erkläre euch jetzt mal die Welt!" Und dieses, aus der eigenen Community von oben belächelt werden, das kennt jede CD. Das führt dann auch gerne mal zu etwas aggressiveren Verteidigungreflexen.

Wie gesagt, ich verwende für mich auch eher den Begriff NB, statt CD, und betreibe CD, als Möglichkeit die Frau in mir auszudrücken und ihr Raum zum Leben zu geben. Ich weis sehr genau, wie es sich anfühlt, dass der Körper nicht zum Selbstbild dieses Persönlichkeitsaspektes passt. Mein Körper war mein Leben lang in der Hauptsache nur mein Avatar, mit dem ich in diesem Videogame, dass sich Leben nennt, interagieren kann. Er war immer nur Mittel zum Zweck, dem ich zwar Respekt, aber nie Liebe entgegengebracht habe. Nur, mir würden medizinische Maßnahmen nichts bringen, da selbst wenn die gute Fee kommen würde und mich mit ihrem Zauberstab in ein 20 jähriges Supermodel verwandeln würde, ich immer noch das gleiche Problem hätte, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Ich bezeichne mich nicht als transsexuell. Aber ich verlange schon, dass ich den Begriff transident für mich verwenden "darf".

Und genau das ist das Thema mit dem sich NBs herumschlagen müssen. Ich könnte jetzt ketzerisch sagen: "NBs haben es da ja viel schwerer, weil wir nie ankommen könne" Aber das wäre wieder ein aufbauen von einem Ränking, dass ich absolut für unangebracht halte und auch in keiner Weise zielführend wäre. Ich möchte hier nur, dass auch die Sichtweise von NB Personen ernstgenommen wird und nicht mit Argumenten weggewischt werden wie "Davon habt ihr keine Ahnung, unsere Probleme sind auf einer anderen (höheren) Stufe". Wenn mir ein TS Mensch sagt: "Du hast ja gar keine Ahnung, was TS wirklich bedeutet!" Dann sage ich: "Ja, das ist vollkommen richtig. Aber Du hast auch keine Ahnung davon, was NB sein bedeutet." Insofern möchte ich auf beiden Seiten ein bisschen um einen Cool-Down bitten (auch wenn das bei den aktuellen Temperaturen schwerfallen mag).

Liebe Grüße
Zita
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 52 im Thema

Beitrag von Martina-NB »

Na ja, "non-binary" heißt auch alles und nichts. Für "Crossdresser" (die dann aber eigentlich kein CD sondern NB sind) ist halt bigender oder genderfluid eine Möglichkeit. Aber letztlich kann man das nur selbst beurteilen, was die Motivation für das Crossdressing ist. (Und dass sich das im Laufe der Zeit ändert ist eh klar.)

CD mit NB quasi gleichzustellen ist aber ebenfalls völlig falsch. Denn NB kann "wechselnd" bedeuten, aber auch gleichbleibend irgendwo dazwischen und ist dann letztlich nur eine Obermenge - um nicht zu sagen: ein anderer Begriff - für trans*
Wenn ich mich festlegen müsste, will ich eigentlich nicht, würde ich mich als nicht-binäre androgene Transfrau bezeichnen. Also grundsätzlich fühle ich mich als Frau (auf gar keinen Fall irgendwie als Mann), sehe mich aber auch nicht 100% als Frau (was meiner persönlichen Meinung nach ja schon biologisch nicht möglich ist) und das Outfit ist meist weiblich-neutral und mit dem Passing versuche ich erst gar nicht. (Daher "androgen")

Es ist also alles nicht schwarz-weiß, das dürfte den meisten hier aber völlig klar sein.

Trotzdem sehe auch ich oft die Problematik zwischen TS (in dem Kontext sehe ich mich klar als TS) und CD im Sinne von "Teilzeifrauen". (Den Begriff benutzt mindestens eine Person hier im Forum für sich. Für mich sagt diese Begriffswahl viel aus.) Für MICH ist die "Idee" Teilzeitfrau überhaupt nicht nachvollziehbar. Denn ich bin was ich bin, wie auch immer man es bezeichnen mag, aber das eben 365x24. (Wobei sich die Wahrnehmung im Laufe des Lebens geändert hat, meine Persönlichkeit eher nicht in den letzten 35 Jahren.) Und was ich grad an Kleidung anhabe ändert überhaupt nichts an meiner Persönlichkeit.
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 53 im Thema

Beitrag von Zita »

Martina-NB hat geschrieben: Mo 25. Jul 2022, 18:34 [ ... ]
Trotzdem sehe auch ich oft die Problematik zwischen TS (in dem Kontext sehe ich mich klar als TS) und CD im Sinne von "Teilzeifrauen". (Den Begriff benutzt mindestens eine Person hier im Forum für sich. Für mich sagt diese Begriffswahl viel aus.) Für MICH ist die "Idee" Teilzeitfrau überhaupt nicht nachvollziehbar. Denn ich bin was ich bin, wie auch immer man es bezeichnen mag, aber das eben 365x24. (Wobei sich die Wahrnehmung im Laufe des Lebens geändert hat, meine Persönlichkeit eher nicht in den letzten 35 Jahren.) Und was ich grad an Kleidung anhabe ändert überhaupt nichts an meiner Persönlichkeit.
Genau das ist das Problem zwischen TS und CD oder NB Personen. Ich finde das ist ein guter Punkt auf den man sich einigen kann. Wenn man uns sagt: "Das Konzept verstehe ich nicht." Das ist völlig in Ordnung. Ich will jetzt auch nicht auf Begriflichkeiten herumreiten. Die bringen meistens nicht so wirklich viel. Ich möchte nur soviel sagen. Teilzeitfrau verwende ich auch gerne, auch wenn der Begriff recht flapzig ist und oft auch abwerten mit einem "nur" versehen wird. Klar gibt es auch "reine" CDs, die sich vollständig als Mann definieren und "nur" die Kleidung lieben. Doch die CDs, die ich kenne, die haben mir alle gesagt, dass da deutlich mehr als Kleidung im Spiel ist.

Und dieses Gefühlsleben, zwischen den Geschlechtern zu sein ist genauso real. Mal männlich, mal weiblich, mal beides gleichzeitig und mal keins von beiden. Das existiert genauso, wie Transsexualität, wo sich ein Mensch klar einem Geschlecht zugeordnet fühlt. Auch mit diesen permanet im Fluss befindlichen Gefühlen müssen wir 24/7, 365 Tage im Jahr zurecht kommen. Das ist manchmal als, wenn an auf einem runden sich im Wasser drehenden Baustam balanzierend durch wilde Stromschnellen hindurch muss. Glaub nicht, dass das einfach ist und wir nur Spaß-Transen sind, die mal nur nach Lust und Laune auf Parties schillernde Klamotten spazieren tragen. Es ist auch völlig in Ordnung wenn ein TS Mensch sagt: "Das verstehe ich nicht." Ich werde halt nur unleidlig, wenn man mir direkt oder unterschwellig sagt: "Ach, sei Du mal mit Deinen Macken ruhig."

Liebe Grüße
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 54 im Thema

Beitrag von Mirjam »

Zita hat geschrieben: Mo 25. Jul 2022, 20:26 Es ist auch völlig in Ordnung wenn ein TS Mensch sagt: "Das verstehe ich nicht." Ich werde halt nur unleidlig, wenn man mir direkt oder unterschwellig sagt: "Ach, sei Du mal mit Deinen Macken ruhig."
Wenn du mit dem, was ich im Zitat hervorgehoben habe, jetzt auf das anspielst, was Patricia, Aria oder ich weiter oben in diesem Thema geschrieben haben: Darum ging es uns doch überhaupt nicht, sondern es ging darum, dass uns mehr oder weniger das Gleiche passiert, nur eben "anders rum", wenn beispielsweise versucht wird Transidentität so darzustellen, als könne frau die einfach wegtherapieren. Und da werden wir dann eben möglicherweise zickig, insbesondere, wenn solches oder ähnliches wieder und wieder passiert. Die eine mehr (ja, das mag durchaus auf mich zutreffen), die andere weniger ...

LG
Mirjam
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 55 im Thema

Beitrag von Heidi_J »

Helga hat geschrieben: Mi 20. Jul 2022, 00:14 . . .
Der Artikel zeigt allerdings ein Problem auf, das auch hier im Forum zu beobachten ist: Beim Thema "Transition" wird leider überhaupt nicht mit offenen Karten gespielt. Berichtet wird nur über Glücksgefühle, Himmel voller Geigen und "Angekommen"- Sein. Das hierbei Nebenwirkungen möglich sind, oder dass eine solche Maßnahme auch mal katastrophal daneben gehen kann, fällt leider immer unter den Tisch oder lässt sich bestenfalls zwischen den Zeilen erkennen.
Dies ist aus Sicht der Betroffenen irgendwie verständlich, weil Selbstschutz.
. . .
Etwas mehr Ehrlichkeit Anderen gegenüber wäre schon sehr angebracht. Es geht darum Menschen, die vor einer Entscheidung stehen eine wirkliche Entscheidungsgrundlage zu geben. Nicht darum diese zu locken.
Hallo Helga,

dass Transgender, bei denen während der Transition etwas schief gegangen ist, dies wahrscheinlich aus Selbstschutz nicht publizieren, sehe ich auch so. Was allerdings Deine Einschätzung der Ehrlichkeit anbelangt oder gar die Bemerkung über das "Locken", bin ich doch erstaunt. Auf diese Weise habe ich die Berichte in diesem und anderen Foren noch nie verstanden oder gelesen. Ich bin eine (Trans)Frau und die Diagnose "Transsexualismus" kommt für mich nach der Diagnose von malignem Krebs, aber noch vor der Diagnose von Aids. Wenn ich bedenke, was mir der Umstand, dass ich im gegengeschlechtlichen Körper geborgen wurde, schon alles im Leben verdorben hat. Dazu kommen jahrzehntelangen Selbstzweifel, die Schmerzen jahrelanger Nadelepi, die noch bevorstehende Zitterpartie mit der FFS (und ja, ich habe die Bilder, bei denen die FFS nicht optimal gelaufen ist, gesehen), die GaOP etc. ganz zu schweigen von dem Irrsinn mit dem Psychologen und der Krankenkasse. Da verstehe ich nicht, wie sich jemand davon locken lassen sollte. Das ist für mich in etwa so, wie wenn jemand gerne Aids hätte.

Gut, ich bin 58 und es mag sein, dass das Alter und der Zeitraum der Sozialisation eine große Rolle spielen.

Liebe Grüße,
Heidi
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 56 im Thema

Beitrag von Michi »

Aria hat geschrieben: Mo 25. Jul 2022, 13:06 Jein, würde ich sagen.
Hallo Aria,

ich möchte mich gar nicht um Prozentpunkte irgendwelcher Quoten von Erfolg und Irrtum streiten. Wir wissen aber nicht, ob Sabeth mit offenen Karten gespielt hat, und leichtfertig in die Transition gelenkt wurde, oder ob sie sich gut darauf vorbereitet hatte, die richtigen Antworten zu geben, und es leider geschafft hat, den/die Therapeuten an der Nase herumzuführen.

Deswegen bin ich der Ansicht, dass die Eigenverantwortung viel mehr herausgestellt werden muss. Dem System oder den Psychologen/Therapeuten die Schuld zu geben, wenn es schief gegangen ist, das ist die Methode derer, die uns unsere Rechte absprechen wollen. :wink:

Aria hat geschrieben: Mo 25. Jul 2022, 13:06 das TSG hat NICHTS mit dem MEDIZINISCHEN WEG zu tun!
Ich bitte dich! Da hast du mich falsch verstanden. Ich bin lange genug dabei, um das nur zu gut zu wissen. Du hast leider nicht verstanden, worauf ich hinaus wollte: Wer nur noch darauf aus ist und alles tut, das "System" zu überwinden, um die gewünschte Diagnose zu bekommen, der wird gewiss nicht mehr zwischen rechtlichem und medizinischen Weg unterscheiden, sondern alle manipulieren, die ihm "im Weg" stehen könnten. Ich hoffe, jetzt ist es klarer.


Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Lavendellöwin
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 57 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

MichiWell hat geschrieben: Mo 25. Jul 2022, 22:31 Wer nur noch darauf aus ist und alles tut, das "System" zu überwinden, um die gewünschte Diagnose zu bekommen, der wird gewiss nicht mehr zwischen rechtlichem und medizinischen Weg unterscheiden, sondern alle manipulieren, die ihm "im Weg" stehen könnten. Ich hoffe, jetzt ist es klarer.
Hey Michi,

welches System ist das denn, das immer überwunden werden muss?

Bei uns hier unten ist so das in den Indikationen oft "nur noch" eine Form des Transsexualismus steht.
Kein Festlegen mehr auf schwarz oder weiss, da gibt es nichts zu überwinden, sondern nur ein sei
wie du bist...

mir fällt es manchmal sogar schwer "Gegner" zu finden oder Menschen die mir ja unbedingt was
Böses wollen. Wenn mir eine in Weg steht, bin ich das meistens eher selbst.

Wir haben ein System das funktioniert (ja, sicher es darf besser werden, muss es auch), aber
nicht ein tiefes, schwarzes Loch vor dem alle "Betroffenen" stehen.
Ich fühl mich nicht mal "betroffen" ich bin was ich bin und damit im Reinen.

Alles Liebe Marie (flo)
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 58 im Thema

Beitrag von Zita »

Mirjam hat geschrieben: Mo 25. Jul 2022, 20:58 Wenn du mit dem, was ich im Zitat hervorgehoben habe, jetzt auf das anspielst, was Patricia, Aria oder ich weiter oben in diesem Thema geschrieben haben: Darum ging es uns doch überhaupt nicht, sondern es ging darum, dass uns mehr oder weniger das Gleiche passiert, nur eben "anders rum", wenn beispielsweise versucht wird Transidentität so darzustellen, als könne frau die einfach wegtherapieren. Und da werden wir dann eben möglicherweise zickig, insbesondere, wenn solches oder ähnliches wieder und wieder passiert. Die eine mehr (ja, das mag durchaus auf mich zutreffen), die andere weniger ...
Hmm, ich habe jetzt nicht den ganzen Thread wirklich im Detail gelesen und in meinem Kopf parat. Ich glaube aber hier liegt wieder ein Komunikationsproblem vor. Ich (ganz subjektiv aus meiner Perspektive) hatte in dem gesamten Thread nicht das Gefühl, dass irgendwer Transsexualität wegtherapieren wollte. Ich tue mich allerdings schwer damit, wenn der Begriff Transidentität wieder auf TS verengt wird und alle Bereiche die in den CD und NB Bereich gehen ausgeblendet werden. Das fühlt sich für mich an, wie Mundtot gemacht zu werden. Wie gesagt, ich persönlich bezeichne mich auch als CD als Transident und habe meinen Frieden damit gefunden. Warum sollte ich auf die Idee kommen da irgendwas "wegzuthearpieren".

Diese ganzen fluiden, wechselnden Bereiche im transidenten Spektrum sind aber anders zu handhaben als das Thema TS. Wie gesagt, mir und vielen anderen transidenten Menschen würde eine Transition nur begrenzt nützen. Ich habe das Gefühl, dass hier oft, wenn aus CD Perspektive der Begriff Transidentität geweitet wird, das auf TS Seite gleich als Negierung von TS aufgefasst wird. Die daraus resultierenden "zickigen Reaktionen" werden auf unserer Seite dann als "mit euch wollen wir nichts zu tun haben" aufgefasst, was dann halt gerne zickige Gegenreaktionen auslöst. Wer jetzt angefangen hat, möchte ich allerdings äußerst ungern diskutieren :wink:

Liebe Grüße
Zita
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 59 im Thema

Beitrag von Alex_andra »

Es gibt zu dem Fall auch eine Dokumentation des WDR "Trans* - Der schwierige Weg ins eigene Geschlecht" (https://www1.wdr.de/fernsehen/die-story ... ht100.html).
Ich kann die Bereiche der Diskussion, in denen von eigenen Erfahrungen berichtet wird, gut nachvollziehen, da ich bei meiner eigenen Transition oft eher auf der Bremse als aufs Gaspedal trete und so für viele als auf der Stelle tretend wahrgenommen werde. Mein Körper, meine Transition, mein Tempo, meine Ziele...
Ich habe aber nie erlebt, von anderen zu irgendetwas gedrängt zu werden, außer dazu, dass ich zu mir selbst stehen soll.

Wenn alle ihre Probleme mit den angleichenden Maßnahmen verschweigen würden, woher wissen denn dann die Personen, die damit am eigenen Körper keine Erfahrungen gemacht haben, dass es solche in repräsentativer Anzahl gibt?

Ich weiß von vielen, in meinem Fall Frauen, die nach operativen Eingriffen Probleme hatten und mehrere Korrekturen brauchten. Bei einigen konnten keine nachhaltig guten Ergebnisse erzielt werden. Die meisten wussten aber worauf sie sich einlassen, aber der woher auch immer stammende Leidensdruck war zu groß und ließ sie das Risiko eingehen. So ist das bei eigentlich allen Operationen.

Viele sind aber glücklich mit dem Ergebnis und führen ein Leben, das um einen Konflikt ärmer wurde.
Die spätere Lebenszufriedenheit hängt oft mit dem allgemeinen Passing zusammen, der Akzeptanz des Umfelds, dem Umgang mit der eigenen Vergangenheit und einer gelungenen Op.
Ich erlebe bisher meist eine offenen Diskussion zu diesen Themen, was ich allerdings sehr kritisch sehe, ist diese Abhängigkeit von Bildern, die uns suggerieren, was in einem gelungenen Leben alles möglich sein soll, wie fantastisch wir aussehen können ..., die dann bei den Bilderschauer:innen unerträgliche Sehnsüchte nach einem anderen, unerreichbaren Leben, ja sogar Neid hervorrufen.
Glück haben alle, bei denen aus einem morphologischen Zufall ein gutes "natürliches" Passing haben oder Zufrieden mit sich und der Welt sind, da ihre Ziele eben nicht im "cis" Passingbereich liegen oder liegen müssen... Ich kann aber nicht verstehen, weshalb diese Personen den Menschen Rat geben sollten, denen es eben nicht so ergeht, aus welchen Gründen auch immer. Das eine ist die eigene Akzeptanz, daran kann gearbeitet werden, das andere ist die Wahrnehmung des Umfelds, was triggere ich, welche Reaktionen kommen, wie möchte ich erscheinen, welche intimen Bedürfnisse habe ich und wie werde ich gelesen ...

Das alles ist ein unheimlich kompliziertes Wechselspiel, zu dem es eigentlich keinen einfachen Lösungsalgorithmus zu geben scheint. Maches muss irgendwann einfach ausprobiert werden, mit dem Bewusstsein, dass es auch schief laufen könnte.
Ach ja am Ende noch einen Buchtip, ein Roman, in dem aber ein Großteil der Facetten des trans* Lebens und all der daran gebundenen Entscheidungen und Konsequenzen beschrieben werden, ohne Antworten darauf zu geben: http://www.torreypeters.com/book/detransition-baby/

Liebe Grüße
Lavendellöwin
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Re: BILD | Sabeth (29) dachte, sie sei Transsexuell

Post 60 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Zita hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 09:29 Diese ganzen fluiden, wechselnden Bereiche im transidenten Spektrum sind aber anders zu handhaben als das Thema TS.
Hmmm..

mal ganz ab davon das sich jede Person mal weniger oder mehr männlich oder weiblich fühlt oder einfach gar
nicht und das die wenigsten kümmert sind dann alle flux oder fluid und alle auf einmal transident?
Bin ichs ab da wo ich mir Gedanken drüber mache?
Weil ich eine Hose oder einen Rock trage bin ich Mann oder Frau?
Oder mir die Nägel lackiere?

Wie soll ichs sagen? Nein.

Für mich gehört der Drang/Wunsch/nennen wirs wie wirs wollen dazu, den Körper dauerhaft anzugleichen.
Egal ob man sich als enby, trans* oder sonst wie labelt. Ich label mich gar nicht mehr ausser ich will oder muss
es mal in einfachen Worten erkären wo mein "Ausgangpunkt" war.

Das war jetzt sehr stark verkürzt, allerdings geht mir der Tanz um den Brei auch langsam echt auf den Geist.

Alles Liebe Marie (flo)
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