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Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Di 28. Jan 2020, 14:35
von Carry
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 13:47
Das können/dürfen Männer auch. Sie tun es bloß seltener und mit mehr Angst.
OffTopic
Stimmt! Sehe ich auch so! Niemand verbietet das ...
Und langsam aber sicher kommt das auch in der Mainstream-Mode an ...
https://www.friday-magazine.ch/articles/mann-mode-rock
Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Di 28. Jan 2020, 14:47
von biene38
Carry hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 14:35
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 13:47
Das können/dürfen Männer auch. Sie tun es bloß seltener und mit mehr Angst.
OffTopic
Stimmt! Sehe ich auch so! Niemand verbietet das ...
Und langsam aber sicher kommt das auch in der Mainstream-Mode an ...
https://www.friday-magazine.ch/articles/mann-mode-rock
natürlich steht nicht die Todesstrafe drauf.
Ich sah vor kurzem einen Mann in mittlerem Alter in kurzer Hose und schwarzer leicht transparenter Feinstrumpfhose in einer Fußgängerzone herumlaufen (nicht viel anders, als es oft Frauen machen)....hätte nicht gedacht, dass es so viele Blicke, und auch Gelächter geben könnte. Es war unglaublich.
Und wenn ihr es nicht glaubt, schlagt es doch mal Euren Partnern vor, sie sollen es nachmachen, und ihr geht in sicherer Entfernung hinterher.
Dann reden wir weiter.
Vermutlich vergleichbar, wie wenn eine Frau vor 120 Jahren in Hosen herumgelaufen ist, da waren die Reaktionen vermutlich ähnlich.
Und übrigens was in den 70er Jahren modisch für Männer möglich war, ist schon lange nicht mehr möglich...die Entwicklung geht eher in die falsche Richtung, was man auch an den Modeabteilungen der Männer erkennt, die immer kleiner werden.
Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Di 28. Jan 2020, 14:56
von Jaddy
Carry hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 14:35Stimmt! Sehe ich auch so! Niemand verbietet das ...
Und langsam aber sicher kommt das auch in der Mainstream-Mode an ...
Es gibt immer mal wieder Artikel dazu, aber irgendwie immer auf dem gleichen, leicht sensationellen, die totale Moderevolution für übernächstes Jahr ankündigendem Level. Und das seit mindestens 20 Jahren, die ich es bewusst erlebe.
Meinen ersten "Männerrock" habe ich vor ca. 20 Jahren aus dem damaligen Otto-Katalog bestellt...
Das sind eher Einzelfälle von Modedesigner"¢innen zwecks Publicity. Im Mehrheitsbewusstsein hat sich wenig geändert. Wer als "Kerl" in einem mehrheitskonformen Umfeld soetwas probiert, bekommt gewöhnlich die volle Packung Vorurteile, von denen "schwul" und "Schwanz ab" noch relativ harmlos ist. Und nunja, zahlreiche Partner"¢innen sind ja eben auch häufig reichlich irritiert, sorgen sich um die Gedanken der Nachbarschaft oder stellen gar die Beziehung in Frage.
Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Di 28. Jan 2020, 16:43
von sbsr
Lissy hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 14:23
Denn ich glaube, die Brüste sind mein Hauptgruselfaktor
In dem Punkt seid Ihr Euch ja relativ einig, und ich kann das nicht nur nachvollziehen, sondern vermute eine Erklärung dafür zu haben. Drauf gebracht hat mich im Grunde meine Frau, die näheren Umstände sind nicht relevant, nur so viel, oftmals wenn es um das Thema geht, wer von uns die Frau im Haus ist, fallen Formulierungen wie "soll ich mir die Brüste abbinden und einen Dildo in die Hose packen". Brüste und Penis sind, anders als Kleidung, Makeup oder auch Perücken, körperlich, es sind Bestandteile der Anatomie. Wenn der Mann in ein Kleid schlüpft, sich eine Perücke aufsetzt und schminkt, sind das alles Dinge, die Ihr ebenso machen könntet, weil es nur äußerlich, sozusagen die Hülle ist. Silikonbrüste sind da ein ganz anderes Level, der Mann nimmt sich damit nicht mehr nur leblose Gegenstände, sondern imitiert weibliche Körperteile. Körperteile, die zudem mit einem gewissen Grad an Erotik und Intimität behaftet und somit für cis Frauen schützenswert sind.
Lissy, ich schreibe Dir das gleiche wie einst zu Carry, sag es ganz deutlich wenn Dich die Silikonbrüste stören und bitte ihn darum, in Deiner Gegenwart darauf zu verzichten. So viel Verständnis und Kompromissbereitschaft muss auch von Euren Männern zu erwarten sein.
Damit möchte ich niemandem das Tragen von Silikonbrüsten oder Ähnliches verwehren oder schlecht reden. Abgesehen davon, dass der Schnitt von Damenoberbekleidung auf eine "Füllung" ausgelegt ist, gehört auch das Gefühl und die Optik weiblicher Rundungen für viele einfach dazu, da nehme ich mich nicht aus. Ich möchte nur sagen, es ist (wenigstens für mich) verständlich, dass Partnerinnen es ablehnen, die Silikonbrüste sehen oder gar berühren zu wollen.
Übrigens hängen meine Kleider in einem undurchsichtigen Kleidersack bei den Jacken, meine Ausgeh Schuhe sind in den zugehörigen Schuhkartons im Keller verstaut, die Perücken stehen hinter einem Regal und sind mit einer großen Plastiktüte abgedeckt. Alles so, dass meine Frau ihrem Wunsch gemäß nichts davon sehen braucht, theoretisch aber nur den Kleidersack öffnen oder einen Karton raus nehmen und rein schauen bräuchte. Dagegen sind der eine BH, den ich besitze, und die Einlagen doppelt in Tüten gepackt, und befinden sich in einem kleinen Karton zwischen anderen Kartons mit alten Computerteilen ganz oben, wo meine Frau nicht dran kommt. Ich möchte auf jeden Fall vermeiden, dass sie die unvermittelt findet, es wäre mir tatsächlich unangenehm (zu intim?).
Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Di 28. Jan 2020, 17:29
von Alex_andra
entschuldigt, dass ich mich hier immer wieder einmische.
ich glaube, dass Silokonbrüste bei einem Menschen, der von der jeweiligen Partnerperson als eigentlich cis männlich gelesen und eben auch aus diesen Gründen begehrt wird, oft an eine innere Grenze stoßen (blöde Formulierung), da sie dem wahrnehmbaren Wechsel ins Gegengeschlecht etwas Reales geben, das sich nicht mehr einfach ausblenden lässt.
Hier vermischen sich Sexualität, Gender, Form und ev. Fetisch oder zumindest die Vorstellung davon, was ein Fetisch sein könnte.
Ich empfehle Gelassenheit. Wenn sich die Dysphorie nur dann ertragen lässt, wenn der Mensch allen Anschein nach so gut es geht in das Wunschgeschlecht wechselt, dann ist es doch das Beste, wenn alle Menschen, die sich mit dieser Person ein wie auch immer geartetes Intimleben wünschen, von dieser Besonderheit wissen.
Ausprobieren und bestenfalls alle vorgefertigten Urteile ausblenden. Ihr seid zwei Menschen, die daran arbeiten wie sie auf verschiedenen Ebenen nachhaltig eine Paarbeziehung leben können. Eine Person ist trans* und die andere cis. Beide wissen voneinander um die jeweiligen geschlechtlichen Identitäten. Jetzt gilt es im Alltag herauszufinden ob das passt oder nicht.
Dass solche Prothesen eine extrem Indentitätsstiftende Wirkung haben lässt sich in anderen medizinischen Kontexten wahrscheinlich leichter nachvollziehen, zeigt aber einen Weg, wie mensch sich dem Thema ohne Fetischbezug nähern könnte. Wobei ich jetzt nicht gegen einen solchen Fetisch argumentieren möchte.
Also gelassen an die Sache herangehen, kann ja Spaß machen, dann ist der Umstand, weshalb es einer solchen körperlichen Erweiterung bedarf, eigentlich Nebensache.
Du musst auf alle Fälle herausfinden, wie es die damit geht. Ich vermute, du wirst deine Partner_in nicht ohne den Wusch gegengeschlechtlich gelesen zu werden bekommen bzw. länger halten können.
Liebe Grüße
Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Mi 29. Jan 2020, 00:36
von Michi
Jaddy hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 14:56
Wer als "Kerl" in einem mehrheitskonformen Umfeld soetwas probiert, bekommt gewöhnlich die volle Packung Vorurteile, von denen "schwul" und "Schwanz ab" noch relativ harmlos ist. Und nunja, zahlreiche Partner"¢innen sind ja eben auch häufig reichlich irritiert, sorgen sich um die Gedanken der Nachbarschaft oder stellen gar die Beziehung in Frage.
Nach meinen langjährigen Beobachtungen kommt der Konformitätsdruck vor allem von den Partnerinnen, die sich und ihren gesellschaftlichen Status über ihren Mann definieren, und wird von den Frauen auch diekt sowie über ihre Männer an die anderen Männer weitergeben. Das habe ich oft genug in Gesprächen gehört. Da fallen immer wieder Äußerungen, was alles gar nicht geht, wie z.B. "Shorts", die auf keinen Fall so kurz sein dürfen, dass das Knie u sehen ist. Da fallen schnell Worte wie "ekelhaft" und "widerlich", und dass man das vielleicht noch bei Schwulen duldet, aber auf keinen Fall beim eigenen Mann .. was sollen denn die Nachbarn denken .. und so weiter. Und bei den Ehemännern hört man auch hin und recht deutlich, woher der Wind weht .. "meine Frau sagt/findet .. das geht gar nicht".
Ich kann natürlich nicht mit 100%iger Sicherheit sagen, ob das allgemein so ist, ich im Alltag mit eher rückständigen Menschen zu tun habe, oder ob die sich einfach nur sicher fühlen und kein Blatt vor den Mund nehmen, weil sie nicht ahnen, das der "nicht heteronormative Feind" (ich) unerkannt mithört.
Ich kann jedenfalls von Glück sagen, dass ich mit Frieda (m)eine Frau kennengelernt habe, die nicht so tickt, die wirklich offen und tolerant ist.
Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Mi 29. Jan 2020, 06:25
von ExuserIn-2020-10-20
MichiWell, dazu gibt es ein recht interessantes Interview und einen Podcast auf der Seite mit Nils Pickert.
https://heuteistmusik.de/maenner-und-ge ... interview/
Petra Sofie
Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Mi 29. Jan 2020, 07:23
von ExUserIn-2026-04-08
Moin Lissy und in die Runde,
Lissy hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 14:23
Ich habe zumindest geschafft, Verständnis zu fühlen, dass man Brüste haben möchte, wenn man eine Frau ist. Vielleicht nur ganz kurz, aber es ist mir gelungen. Denn ich glaube, die Brüste sind mein Hauptgruselfaktor
Bleiben wir kurz noch bei der Landkarte. Wenn man die Diskussionen über die Wichtigkeit der Brust bei Frauen, die eine Krebsoperation hinter sich haben, anschaut, wird es sehr schnell deutlich, dass die weibliche Brust eine enorme Bedeutung für sie hat. Kaum eine Frau möchte sie vermissen. Sie sind vielleicht der stärkste sichtbare Ausdruck eines weiblichen Körpers. Wenn also ein körperlicher Mann eine hohe Affinität zu seinem weiblichen Potential hat, ist es da verwunderlich, dass auch für ihn die Brust eine so große Rolle spielt ?
MichiWell hat geschrieben: Mi 29. Jan 2020, 00:36
Da fallen schnell Worte wie "ekelhaft" und "widerlich", und dass man das vielleicht noch bei Schwulen duldet, aber auf keinen Fall beim eigenen Mann .. was sollen denn die Nachbarn denken .. und so weiter.
Hammer ! Wie kann man Respektlosigkeit so direkt ausdrücken ... ? Aber das bringt mich auf noch einen Gedanke für Dich, Lissy. Ich nehme nicht an, dass Du so reagierst, wie Michi es für andere Frauen beschrieben hat. Aber gibt es nicht möglicherweise eine Analogie ? Ich nehme an, Du würdest einen unbekannten Bio-Mann, der seine Weiblichkeit mit Silikoneinlagen ausdrückt, anders wahrnehmen als Deinen Freund in vergleichbarer Situation. Die Silikoneinlagen hätten dann eine andere Wertigkeit. Wenn das so sein sollte, warum eigentlich ? Ist es nicht die persönliche Betroffenheit, die uns Dinge anders bewerten lassen ? Oder anders gesagt, ich identifiziere mich mit dem, wie mein Partner agiert.
Das ist eine grundlegende Frage bei Paarpsychologen. Leider weiß ich gerade nicht, wo ich das gelesen habe, aber eines meiner Lieblingsbücher in dieser Frage ist David Schnarch, Die Psychologie sexueller Leidenschaft, eines meiner Lieblingsbücher. Der Titel ist ein wenig irritierend. Er plädiert für einen anderen Umgang mit den eigenen Betroffenheiten, die vom Partner resultieren, in dem man Unterschiede anerkennt, sie aber ganz beim Partner lässt. Das schafft die notwendige Distanz, um den Unterschieden mit Respekt, auch für sich selber (ganz wichtig !), zu begegnen. Finde ich einen sehr spannenden Ansatz.
sbsr hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 16:43
Silikonbrüste sind da ein ganz anderes Level, der Mann nimmt sich damit nicht mehr nur leblose Gegenstände, sondern imitiert weibliche Körperteile. Körperteile, die zudem mit einem gewissen Grad an Erotik und Intimität behaftet und somit für cis Frauen schützenswert sind.
Wieso imitieren ? geht es nicht darum, eine sichtbare weibliche Brust zu haben und sich damit zu identifizieren ? Hier geht es mMn tatsächlich um Intimität, aber um meine eigene ! Das ist ein anderer Blickwinkel. Gehören weibliche Brüste nur Bio-Frauen ? Muss ich eine Frau um Erlaubnis fragen, wenn ich damit meine Weiblichkeit ausdrücken will ? Ist diese, meine Intimität nicht schützenswert ?
Ich lese sehr häufig, dass sich Transmenschen mit ihren Träumen, Wünschen, Fähigkeiten und Talenten in der Wertigkeit hinter ihre Partnerinnen stellen. Warum ? Wir sind nur dann vollständige Menschen, wenn wir uns ganz (!) ausdrücken können. Das ist unser Recht und muss uns nicht gewährt werden. Ich sage nicht, dass das einfach ist und keine Nachteile beinhaltet. Manchmal ist es auch besser, nicht radikal damit umzugehen und sich zurück zu nehmen. Aber die innere Einstellung, dass es ein Menschenrecht ist, sollten wir uns selber nicht absprechen, in dem wir unsere Bedürfnisse geringer achten als die anderer Menschen.
sbsr hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 16:43
Ich möchte nur sagen, es ist (wenigstens für mich) verständlich, dass Partnerinnen es ablehnen, die Silikonbrüste sehen oder gar berühren zu wollen.
Das sehe ich auch so und es ist das Recht der Partnerinnen, dass es ihnen nicht gefällt und sie es nicht wollen. Für mich ist es entscheidend, wie beide damit umgehen. Meine Frau geht z.Zt. auch noch z.T. auf Distanz. Es fällt mir auch noch schwer, mich ganz zu zeigen. Aber mir scheint, wir machen beide Fortschritte. Ich erkenne, dass die Beziehung anders funktioniert, wenn ich en femme bin. Ich werde als Mensch auch en femme geliebt, auch wenn da viel mehr Distanz ist und die wir beide nicht wollen. Aber das Anerkennen dieser Distanz (siehe Schnarch) macht es vielleicht möglich, besser damit umzugehen. Sie muss ja nicht auf Dauer bleiben. Es bleibt im Fluss. Insofern ist das Verständnis, dass Du, Svenja, oben zeigst, für mich ganz wichtig.
Aber meine Bedürfnisse sind gleichwertig. Diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen, ist Arbeit an sich selber. Der Begriff Beziehungsarbeit ist für mich ein Synonym dafür. Man kann den Widerspruch als eine Aufforderung verstehen, sich zu entwickeln und seine eigenen Potentiale zu entfalten. Ich musste mich von meinen Gefühlen der Minderwertigkeit befreien. Ich musste mich von diesen Vorstellungen emanzipieren, dass ich nur eine Weiblichkeit zweiter Klasse in mir trage. Ich musste lernen, Weiblichkeit Wert zu schätzen, sie aber nicht zu vergöttern und nebenbei meine eigene Weiblichkeit als etwas Wunderbares zu entdecken. Meine Silikonbrüste sind das sehr wichtige äußere Symbol dafür. Sie manifestieren einen wichtigen Teil meines Ichs, auch wenn sie nur "künstlich" sind.
Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Mi 29. Jan 2020, 07:43
von Lissy
Guten Morgen!
Ich schätze eure Gedanken und Beiträge wirklich sehr. Ich habe allerdings das Gefühl, dass das für mich aktuell noch etwas zu weitgehend ist.. ich muss meinen Freund ja erstmal en femme *sehen* um wirklich zu wissen, wie ich das dann finde. Und irrationale Ängste kann man schlecht wegreden, auch wenn eure Argumente gut und für mich nachvollziehbar sind.
Ich werde einfach mal abwarten was passiert, auch mit mir
Liebe Grüße!
Lissy
Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Mi 29. Jan 2020, 08:21
von sbsr
Hallo Vicky,
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 29. Jan 2020, 07:23
Wieso imitieren ? geht es nicht darum, eine sichtbare weibliche Brust zu haben und sich damit zu identifizieren ?
Definitionssache. Da könnten wir jetzt wieder die never ending Diskussion über die Begrifflichkeiten lostreten. Ein Mann = Crossdresser imitiert sie vielleicht, ein Fetishist erregt sich daran, eine Trans*frau empfindet sie als Körperteil. Das ist weder die Kernaussage meines Beitrags, noch in irgendeiner Form wertend, sondern dient der Veranschaulichung dessen, was ich ansonsten geschrieben habe
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 29. Jan 2020, 07:23
Meine Silikonbrüste sind das sehr wichtige äußere Symbol dafür.
Alles was Du schreibst ist richtig und wichtig, für den Moment würde ich aber gerne bei Lissys (gleiches gilt für Carry) derzeitiger Situation bleiben. Und da vertrete ich ganz klar die Auffassung, sie ist sehr offen und möchte ihren Partner unterstützen. Da finde ich es nur fair, diese Offenheit nicht bis aufs letzte auszureizen. Ich hätte gehofft, ich hätte mich deutlich genug ausgedrückt, trotzdem möchte ich es nochmal nachholen: das ist kein generelles Verbot und auch nicht in Stein gemeißelt.
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 29. Jan 2020, 07:23
Das ist unser Recht und muss uns nicht gewährt werden.
Fraglich ist nur, wie oben bereits gesagt, ob man der eigenen Partnerin gegenüber mit aller Gewalt auf dieses Recht pochen muss, oder doch besser auch auf ihre Wünsche eingehen und gewisse Dinge zunächst vertagen kann.
Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Mi 29. Jan 2020, 09:21
von ExUserIn-2026-04-08
Hi Svenja,
mir geht es aber um Begrifflichkeiten, wenn die Inhalte von Bedeutung sind. Imitieren bedeutet für mich so etwas wie "künstlich nachmachen" im Sinne von "es gehört nicht zu mir". Mir war es wichtig, darauf hinzuweisen, dass man Silikoneinlagen auch anders sehen kann. Für mich (sic!) ist meine Weiblichkeit etwas Naturgegebenes. Deshalb spreche ich von zwei "inneren Landkarten". Ich muss zwar Hilfsmittel verwenden, aber sie gehören körperlich zu mir und sind nicht nur "umgeschnallt".
sbsr hat geschrieben: Mi 29. Jan 2020, 08:21
Fraglich ist nur, wie oben bereits gesagt, ob man der eigenen Partnerin gegenüber mit aller Gewalt auf dieses Recht pochen muss, oder doch besser auch auf ihre Wünsche eingehen und gewisse Dinge zunächst vertagen kann.
Da werde ich immer wieder falsch verstanden. Es geht mir nicht darum, etwas durchzusetzen, weder mit noch ohne Gewalt. Es geht mir darum, eine andere Perspektive auf Wünsche und Bedürfnisse einzunehmen, um eben nicht schematisch zu reagieren. Aus einer anderen Perspektive resultieren neue Möglichkeiten. Ich denke, damit bin ich ganz in Lissys Situation.
Es geht nicht darum, dass Lissy unreflektiert etwas akzeptieren soll. Das wäre wenig nützlich. Ich sehe zwei Ebenen, die ineinander verschränkt sind. Lissys Freund, der Bedürfnisse hinsichtlich seiner Weiblichkeit hat und Lisy, die mit einigen Aspekte Probleme hat. Das ist der Widerspruch. Ich denke, hier hilft die andere Perspektive. Lissys Freund akzeptiert, dass sein Bedürfnis wichtig ist. Lissy erkennt die Bedürftigkeit an, wertet sie aber nicht. Sie ist also frei hinsichtlich der eigenen Sichtweise. Das bedeutet Respekt gegenüber dem Partner und sich selber. Sie muss es ja nicht gut finden. Für den Partner ist dieser Respekt ganz wichtig, da er ernst und gleichwertig behandelt wird. Ebenfalls wichtig: Lissy ist in der Position der Handelnden und muss sich nicht als "Opfer" seiner Bedürfnisse sehen. Sie entscheidet, wie sie damit umgehen will. Das ist der Respekt, den sie sich gibt.
Sie kann sagen, sie will damit nichts zu tun haben. Es ist ihr Recht. Ihr Partner muss sich dadurch aber nicht zurück gewiesen fühlen. Es ist die Akzeptanz der Differenz, die eine neue Basis schafft. Das Ergebnis ist offen. Es reicht von gemeinsamen Regelungen über Ignorieren bis hin zur Trennung.
Sie kann aber auch sich damit beschäftigen, warum das bei ihr so ist. Vielleicht sind es gar nicht die Silikoneinlagen selber, die sie stören, sondern etwas anderes, was sie damit verbindet. Hier gibt es viele Möglichkeiten, die nur sie selber erkunden kann. Denkbar wäre ihr Verhältnis zu Geschlechtlichkeit, eine Hinterfragung üblicher Denkweisen (sie hatte ja schon mehrere "normale" Partner, mit denen es nicht geklappt hat, vielleicht ist gerade ihr Freund mit seiner speziellen Eigenschaft das, was sie braucht) oder auch ganz etwas anderes. Aber es ist ihre Entscheidung, ob sie das tun möchte. Das Ergebnis ist auch hier offen, manchmal sogar überraschend. Carry hat sich für ihre Situation in diesem Sinne bereits ausgedrückt.
Lissy kann das Thema auch vertagen. Für was sie sich auch entscheidet, es ist ihr autonomer Umgang damit. Unser bescheidener Beitrag ist die Darstellung unserer Sichtweise, damit sie Anregungen erhält und andere Sichtweisen kennen lernt.
Alles in allem habe ich nur meine Sicht beschrieben. Ob es hilfreich ist, müssen die Betroffenen selber entscheiden.
Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Mi 29. Jan 2020, 09:57
von Lissy
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 29. Jan 2020, 09:21
Alles in allem habe ich nur meine Sicht beschrieben. Ob es hilfreich ist, müssen die Betroffenen selber entscheiden.
Ich empfinde eure Darstellungen und Berichte als äußerst hilfreich! Vieles hätte ich mir auf mich allein gestellt gar nicht erschließen können! Ich werde euch im weiteren Verlauf sicher noch häufiger benötigen und bin mehr als dankbar dafür, dass ihr euch mit mir austauscht
Danke!
Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Mi 29. Jan 2020, 12:05
von Alex_andra
Liebe Lissy und alle Mitleser_innen,
ich möchte dich für deine Herangehensweise an das Thema beglückwünschen und hoffe sehr, dass ihr eine Lösung findet, die euch auf lange Zeit glücklich machen kann.
Ich finde auch die Überlegungen die hierzu gemacht wurden total richtig, auch wenn ich nicht alle Ansichten teile.
Du hast dich augenscheinlich in einen Kerl verliebt hast, der das aber eventuell gar nicht ist, so dass das Label "Freund" schon der falsche Ansatz sein könnte.
Nach deiner Beschreibung würde ich den wesentlichen Teil der geschlechtlichen Identität deiner Partner_in zumindest als nicht männlich bezeichnen, so dass das Fehlen von Körperteilen von diesem Menschen als Makel empfunden wird. Die Person fühlt sich dadurch unvollkommen und sucht einen Weg, von anderen Menschen so wahrgenommen zu werden, wie mensch sich selbst fühlt, empfindet, sieht was auch immer. Das Äußere entspricht mit der Prothese dann dem inneren Körperbild, vergleichbar wie ein Phantomkörper. Die eigene Körperempfindung schafft ein Körperteil, das es real nicht gibt.
Wenn ich das mal auf mich beziehen darf, dann gibt es bei mir Körperzustände, während derer ich das extrem irritierende Empfinden habe, über nicht existente Körperteile zu verfügen, körperliche Erfahrungen damit gemacht zu haben und Erinnerungen daran habe, gerne hätte, dass ich sie berühren kann usw..
Das Fehlen empfinde ich dann als sehr belastend und diese Last liegt dann irgendwann auf allen Teilbereichen meiner Patchworkidentität.
Das macht sehr sehr unglücklich und fängt an mich zu beHerrschen. Ich nehme dann alle Teilbereiche meines Lebens als unreal wahr und bin bei allem und allen gegenüber extrem distanziert. Das Aufrechterhalten meines Cis Passings als Typ kostet mich dann extrem viel Kraft oder hat mich vielmehr vor meinem Outing viel Kraft gekostet, aber auch im eher androgyneren Erscheinen ist das manchmal noch schwer.
Mir hilft es sehr, das meinen Intimpartner_innen sagen zu können und damit über meine Bedürfnisse reden zu können bzw. einen Weg zu finden, wie diese ansatzweise befriedigt werden können.
Ganz wichtig ist, dass ich, wenn ich eher weiblich gelesen werden möchte, von meinen Partner_innen nie als verkleidet wahrgenommen werde. Ich bin in diesen Momenten, wenn all die verdammte Last von mir abfällt, authentischer als in anderen Erscheinungsformen, besser, wahrer, schöner. So wahrgenommen werden zu wollen, bedeutet dann für mich, dass ich das passende Level finde, Kommunikationsmittel wie Schminke, Kleidung, Brustprothesen u.a. so einzusetzen, dass ich damit bei mir bleibe. Wahrscheinlich braucht das Übung und das Eingeständnis gelegentlich auch zu viel zu wollen oder gemacht zu haben.
Dazu zu stehen irritiert mich selbst immer noch und immer wieder. Ich würde gerne diese verdammte Scham loswerden, denn eine Alternative dazu, es zu akzeptieren und in mein Leben zu integrieren, scheint es nicht zu geben.
Genug der Eigentherapie
LG
Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Mi 29. Jan 2020, 13:25
von ExUserIn-2026-04-08
sabine_allein hat geschrieben: Mi 29. Jan 2020, 12:05
Wenn ich das mal auf mich beziehen darf, dann gibt es bei mir Körperzustände, während derer ich das extrem irritierende Empfinden habe, über nicht existente Körperteile zu verfügen, körperliche Erfahrungen damit gemacht zu haben und Erinnerungen daran habe, gerne hätte, dass ich sie berühren kann usw..
Das Fehlen empfinde ich dann als sehr belastend und diese Last liegt dann irgendwann auf allen Teilbereichen meiner Patchworkidentität.
Das macht sehr sehr unglücklich und fängt an mich zu beHerrschen. Ich nehme dann alle Teilbereiche meines Lebens als unreal wahr und bin bei allem und allen gegenüber extrem distanziert. Das Aufrechterhalten meines Cis Passings als Typ kostet mich dann extrem viel Kraft oder hat mich vielmehr vor meinem Outing viel Kraft gekostet, aber auch im eher androgyneren Erscheinen ist das manchmal noch schwer.
Bingo Sabine,
Du beschreibst sehr anschaulich und drastisch, was ich auch so empfinde. Aber ich kann nicht den Schwenk auf die "andere Seite" machen, da ich beide Seiten brauche. Ich habe deswegen von zwei Landkarten gesprochen. Du schreibst von Phantomkörperteilen.
Du schreibst weiter unten:
Ich würde gerne diese verdammte Scham loswerden, denn eine Alternative dazu, es zu akzeptieren und in mein Leben zu integrieren, scheint es nicht zu geben.
Was hindert Dich ? Blöde Frage, was hindert mich, es zu tun ? Ich tue es, immer wieder ein Stückchen mehr. Ich wiederhole für mich mehr und mehr, dass ich ein recht auf meine Weiblichkeit habe und dass dadurch mir kein Zacken aus der (männlichen) Krone fällt und umgekehrt. Dazu kommt der Gedanke, mich mit meiner Männlichkeit zu versöhnen, der meiner weiblichen Seite Angst macht, sie könne dadurch verschwinden. Ich trage beides so massiv in mir, dass ich auf keine Seite verzichten kann und will. Was ich also brauche, ist die eigene Akzeptanz als ganzer Mensch. Das ist leichter gesagt als getan, denn ich glaube nicht, das ich meine Weiblichkeit in meinem Alltag im persönlichen Umfeld inklusive der Arbeit frei leben kann. Das ist wahrscheinlich das, was Du im Schlusssatz meinst. Ich denke, je mehr ich meine weibliche Seite positiv besetze, um so mehr will diese Seite auch offen gelebt werden. Der innere Konflikt vertieft sich, statt sich durch Akzeptanz aufzulösen.
Es ist mMn tatsächlich so, dass es keinen Grund gibt, weshalb ich, je nach Stimmung, nicht offen als Frau und als Mann leben kann. Mein weibliches und mein männliches Ich leben nebeneinander statt miteinander. Das führt immer wieder zu inneren Irritationen und quälenden Situationen. Den Fehler im System im Außen zu lokalisieren macht es nicht einfacher. Es bindet uns die Hände, etwas zu tun. Und das macht uns unfrei. Wir sind damit Abhängige der äußeren Umstände. Ob die real oder eingebildet sind, sei dahingestellt. Wenn ich mir vorstelle, welche Diskussion losgetrten würden, wenn ich mich als "Mischwesen" offen auf der Arbeit präsentieren würde ? Ich habe viele Außenkontakte, die ich nicht verlieren möchte. Also kommt noch das Thema Angst dazu.
Ich glaube, es gibt keinen Königsweg. Aber ich arbeite auch noch daran. Die Traumwelt meiner Weiblichkeit sucht massiv einen Weg in die Realität. Noch ist sie zu sehr ausgegrenzt.
Re: Mein Freund, das unbekannte Wesen
Verfasst: Mi 29. Jan 2020, 14:26
von Alex_andra
Hallo nochmal,
ich weiß falscher thread, deshalb kurze Antwort:
Was mich hindert ist die Tatsache, dass ich mir in der weiblichen Form nicht zu genügen scheine und fast nichts gegen dieses verdammte Gefühl, falsch oder verkleidet zu sein, machen kann.
Ich habe weniger das Bedürfnis mich irgendwie zu kleiden, als wirklich einen anderen Körper zu haben. Aber den habe ich eben nicht und ob ich den Grad der Annäherung daran erreichen würde, wenn ich weiter die HRT mache und weitere körperverändernde Schritte unternehme, den ich bräuchte um mich mehr annehmen zu können als ich das gerade tue, weiß ich eben nicht.
Deshalb ist meine momentane Antwort auf die Frage, wie ich aus dieser Situation heraus komme, die, dass ich versuche immer androgyner zu erscheinen und so gut wie keine Ausschläge in den eindeutig männlich gegenderten Bereich zu haben. Das klappt bei all den Baustellen die es gerade in meinem Leben gibt mom ganz gut.
Ich scheine in dieser Beziehung sehr vorsichtig und zaghaft zu sein und möchte mich gerade eher nicht label lassen.
Aber die ganz tief im Innern sitzende Gewissheit ist die, dass es mein größter Wunsch wäre, unabhängig von all dem Krimskrams als Frau oder weiblich mit annäherndem Cispassing leben zu können. Da das nicht geht, habe ich eben eine anderen nicht nicht so ganz überschaubaren Weg vor mir.
Wieder viel zu viel von mir, aber es könnte ja helfen, einen Bereich des weiten Feldes der Konflikte von trans* Menschen nachvollziehbar zu machen.