die das eigene Wohlergehen als einziges Kriterium darstellt
Ich glaube, hier liegt ein grundsätzliches Missverständnis. Es geht nicht darum, das eigene Wohlergehen als einziges und damit als höchstes Kriterium darzustellen. Das ist in meinen Augen nur Egoismus. Es geht auch nicht darum, seine Sicht der Welt durchzusetzen. Es geht mMn
zunächst um das Erkennen, Akzeptieren und Respektieren der eigenen Wünsche, Meinungen und Bedürfnisse, damit überhaupt Wohlergehen gelingen kann. Das bedeutet, dass diese Punkte auch einen Stellenwert und eine Rangordnung bekommen.
Kurz: Ich nehme mich ernst. Das ist die Basis der Selbstliebe.
Wenn nun in einer Partnerschaft beide Menschen auf einem vergleichbaren Niveau sich begegnen, können mehrere Dinge passieren. Ich habe eine Übereinstimmung in den Bedürfnissen oder die Partner haben eine Differenz. Mit dieser Differenz kann man auch unterschiedlich umgehen. Die unterschiedliche Sichtweise kann Anlass sein, die eigene Sichtweise zu hinterfragen und zu verändern oder sie kann einfach als Differenz angenommen werden. David Schnarch nennt das Differenzierung. Auch die Transaktionsanalyse geht in diese Richtung. Das sind aus meiner Sicht die positiven Aspekte.
Wenn nun aber in einer Beziehung diskriminierende Äußerungen von einem Partner kommen, zeigt das mMn mehrere Punkte: Der/die Diskriminierende ist sich seiner selbst nicht sicher. Im genannten Fall ist die Meinung anderer (der Öffentlichkeit) wichtiger als die Sichtweise des Partners oder sogar der eigenen. Aber auch er Diskriminierte zeigt ein ähnliches Selbstverständnis. Er nimmt sich nicht ernst, wenn er keine Reaktion zeigt, die seine Selbstachtung schützt. Demütigen und Kuschen sind die beiden Seiten der gleichen Medaille. Aber die Demütigung kann, genau wie jede Krise, als Anlass verstanden werden, sich selber ernst zu nehmen. Das bedeutet für den anderen, dass er sich darauf einstellen muss. Im besten Fall entwickelt er sich mit. Er kann erkennen, dass sein Verhalten auf einer ungesunden Basis beruht und sie verändern. Macht er das nicht, gerät die Beziehung in Schieflage und kann am Ende scheitern. Dann geht das Ganze mit einem neuen Partner von neuem los. Das geht so lange, bis er endlich erkennt, was für ihn gut ist. Der Partner ist mit seiner Differenz "nur" der Anlass. Wir sind mit unserer Umwelt, vor allem in der Partnerschaft ständig viel mehr verbunden, als wir das wahrnehmen. Egal was ich tue, es hat
immer Konsequenzen für meinen Partner.
Das hat nichts damit zu tun, dass man auch mal zurück stecken muss. Aber in einer gelebten Partnerschaft findet das seinen Ausgleich. Und deshalb sind Diskriminierungen aus Eigenschutz konsequent zu begegnen. Und gleichzeitig ist die Auseinandersetzung für den Partner die Chance, sich mit den eigenen Ängsten und Bedürfnissen auseinander zu setzen. Am Ende hat die Beziehung eine neue Dimension gewonnen. Die ist realistischer, aber sicher nicht romantischer. Für die Partner bedeutet das, dass sie sich in ihren Unterschieden bewusster werden. Es ist der Tod der romantischen Liebe. Aber gleichzeitig ist die Beziehung stärker, weil jeder der beiden sich trotz oder vielleicht wegen der Unterschiede, angenommen fühlt.
Das ist es, worauf es mMn ankommt.
Edit: @Inge: Schön, wie sich es bei Euch entwickelt. Aber mit "Aufs" und "Abs" muss man immer rechnen. Hauptsache, die Richtung stimmt. Im Übrigen schreibe ich nur Gedanken anderer (Michael Lukas Möller, Jürg Willi, David Scharch, Wilfried Nelles, Hans Jellouschek, Gerald Hüther, Eva Maria und Wolfram Zurhorst, Charlie Chaplin uvam.) auf, die ich in meinen Kontext zusammen gefasst und integriert habe. Es gibt so viel. Man muss nur hinschauen ....