Für solche "Jokes" bin ich der falsche Adressat. Ich spreche u.a. fließend binär.Jaddy hat geschrieben: Fr 7. Mär 2025, 01:09 "Es gibt 10 Gruppen von Menschen. Die, die binär verstehen und die anderen"...
Selbstverständlich zähle ich religiöse Menschen zur ersten Gruppe, wenngleich ich ihnen durchaus mildernde Umstände zugestehe, weil sie in der Regel bereits von frühester Kindheit an indoktriniert werden.Jaddy hat geschrieben: Fr 7. Mär 2025, 01:09 Wenn du zu der ersten Gruppe auch religiöse Menschen zählst, bin ich bei der Wahlfreiheit nicht so sicher. So wie die ganze Sache mit dem freien Willen nicht so sicher ist. Unser Wollen ist immer bedingt. Durch unsere Vergangenheit, durch unsere Lebensumstände und durch unsere Hirnchemie.
Natürlich bestreiten sie diese Indoktrination durch die Familie und Religionsgemeinschaft, während sie umgekehrt nicht müde werden, Menschen wie dir und mir zu unterstellen, dass unsere Selbstwahrnehmung gar nicht real und nur das Ergebnis woker Indoktrination sei.
Das Problem religiöser Menschen ist, dass sie permanent umgeben von zahlreichen gleichartig religiösen Menschen in einer religiösen Echokammer heranwachsen, und im Gegensatz zu uns nicht die permanente Dissonanz zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung erleben und erleiden müssen, und sich dementsprechend nie oder kaum ernsthaft selbst hinterfragen und erkennen mussten.
Daher wage ich zu behaupten, dass sich religiöse Menschen viel schwerer in unsere Situation hineinversetzen können, als wir in ihre.
Der Unterschied, den ich bereits angedeutet habe, ist ein intrinsisches Bedürfnis auf "unserer" Seite vs. permanente Gehirnwäsche schon ab frühester Kindheit in der Religion.Jaddy hat geschrieben: Fr 7. Mär 2025, 01:09 Wie viele der Teilnehmenden hier (trans mal ausgenommen, die sind ja quasi "offiziell entschuldigt") könnte zum Beispiel Crossdressing einfach willentlich bleiben lassen, ohne Bedauern, ohne Verlust von Lebensqualität? Wie viel Aufwand und Nerven stecken viele da rein, riskieren Beziehungen und Familie, hadern mit sich und der Welt? Könnten sie nicht einfach etwas anderes wollen? Können religiöse Menschen das Bedürfnis einfach "wegwollen"? Oder sich einfach für eine etwas praktischere Religion entscheiden, ohne Fasten und Gebote?
Also der "Hang" zu einer Religion ist schon sehr vorhersehbar, denn der wird den meisten von klein auf eingetrichtert. Bei einer Fehlsichtigkeit wüsste ich jedoch nicht, wie das gehen sollte!Jaddy hat geschrieben: Fr 7. Mär 2025, 01:09 Ich denke, dass Menschen an ihrem Bedürfnis (oder Nichtbedürfnis) nach einem für sie stimmigen metaphysischen Sinngebungskonzept, wie zum Beispiel einer Religion, ebenso wenig ändern können, wie an ihrer sexuellen Orientierung, ihrem Geschlechtsempfinden, ihrer Fehlsichtigkeit oder ihren Vorlieben für irgendwelche Gemüse. Welche genau es werden ist nicht vorhersehrbar. Eher eine Art Schmetterllingseffekt, welchen Angeboten von aussen wir in bestimmten Momenten begegnen.
Wenn das so wäre, könnten Menschen nicht von sich aus religiös werden, die Religion wechseln oder ganz ablegen, und sich dabei rundherum gut fühlen. Dagegen kann man Eigenschaften wie trans oder schwul zwar unterdrücken, und gegen seine Natur leben, wird sich dabei aber nie rundherum gut fühlen, wird immer still leiden. Nicht umsonst ist es um die psychische Gesundheit von Menschen schlechter bestellt, die auf Grund unveränderbarer individueller Eigenschaften nicht der normativen Mehrheit entsprechen.Jaddy hat geschrieben: Fr 7. Mär 2025, 01:09 Auf der anderen Seite werden meiner (subjektiven) Beobachtung nach Ansprüche umso mehr zurückgewiesen, je mehr wir sie persönlich als "willkürlich" einschätzen. Typischer Bestätigungsfehler. Also wie bei "X is a lifestyle choice". Als ob wir eine Wahl hätten, so zu sein, wie wir sind; queer, trans, schwul oder religiös.
Es liegt mir fern, andere auf derartige Weise zu provozieren, und das, obwohl gerade religiöse Menschen ständig andere ungefragt mit ihren religiösen Glaubenssätzen belästigen und bedrängen, und damit übergriffig gegen meinen Willen in meine Privatsphäre eindringen.Jaddy hat geschrieben: Fr 7. Mär 2025, 01:09Mir geht es auch im ganz direkte Begegnung. Also Mensch zu Mensch. In dem Artikel auch, wenn ich das richtig gelesen habe. Die betreffenden Menschen nicht damit aufziehen, keine "haha witzigen" Bemerkungen machen, keine betont anti-Aktionen, wie das eigene Mittagessen extra in der Nähe verspeisen, usw. Also einfach ein netter Mitmensch sein. Golden Rule und all sowas. Mehr war da gar nicht drin. Und natürlich nicht durch penetrante Fragen oder ähnliches in deren Privatsphäre eindringen (ohne auch nur ansatzweise zu fragen, ob die Person das möchte).MichiWell hat geschrieben: Do 6. Mär 2025, 23:40Ich stimme dir zu. Doch zu mehr als Akzeptanz, nämlich zu darüber hinaus gehender Rücksichtnahme wie sie in dem Artikel erwartet wird, bin ich so generell nicht bereit. Das geht mir zu weit. Dafür habe ich über die Jahre zu viel Negativ-Erlebnisse mit Menschen gehabt, die mich mit ihrer Religion ungefragt grob belästigt haben, und tief in meine Privatsphäre eingedrungen sind, ohne auch nur ansatzweise zu fragen, ob ich das möchte.Jaddy hat geschrieben: Do 6. Mär 2025, 16:28 Ich bin übrigens komplett atheistisch und halte Religionen für Märchenkram. Es steht mir aber genau wie allen anderen nicht zu, Menschen ihr seelisches Wohlbefinden wegnehmen oder madig machen zu wollen, solange sie mich nicht zwingen wollen, mitzumachen.
Das schließt nicht aus, dass ich es mit einzelnen Menschen anderes handhabe, bei denen ich individuell durchaus entgegenkommender bin.
Erstens mal glaube ich nicht an Karma. Und zweitens bestrafe ich Menschen nicht für die Taten anderer oder "räche" mich gar an ihnen, was ja ein aktives Handeln erfordern würde. Nein, ich übe lediglich Zurückhaltung auf Grund meiner bisherigen Erfahrungen, solange ich einzelne Personen nur auf Grund der Labels einordnen kann, die sie sich selbst anheften, und ich sie nicht näher kenne, um sie auf Grund ihrer Worte und Taten konkreter beurteilen zu können. Wer sich vordergründig über das Label seiner Religion definiert, wünscht diese Einordnung.Jaddy hat geschrieben: Fr 7. Mär 2025, 01:09 Ich bin mit den karmischen Gesetzen nicht so vertraut, aber heute irgendwelche Menschen wegen ihrer Religion für die Taten anderer Menschen an dir vor Jahren zu bestrafen, scheint mir in keinem guten logischen oder ethischen Zusammenha2ng zu stehen. So sehr ich solche Verletzungen auch nachvollziehen kann. Ich hab auch diverse prägende, negative Begegnungen gehabt. Rein psychologisch betrachtet verlängerst du aber nicht nur dein Leid, sondern vermehrst es auch noch in anderen, an denen du dich anstelle der Verantwortlichen "rächst".
Ich erzähle anderen übrigens nicht ständig ungefragt und ohne notwendigen Kontext/Bedarf, dass ich trans* bin.
Wie schon gesagt, akzeptiere ich andere Menschen wie sie sind, solange sie nicht die Freiheit anderer verletzen, aber ich nehme bei fremden Menschen keine besondere, darüber hinausgehende Rücksicht. Ich werde jedoch niemals akzeptieren, geschweige denn Rücksicht darauf nehmen, wenn Menschen mir .. warum auch immer .. meine Existenz absprechen, mich auf Grund ihrer Religion ablehnen, sagen dass ihr Gott nicht gewollt hat, dass ich so bin, oder ähnliches mehr.
Warum sollte ich meine Einsichten "wegwollen" wollen? Warum sollte ich Menschen die Freiheit geben wollen, ungefragt und unerlaubt in meine Freiheit eindringen zu dürfen und sie mir beschneiden zu wollen? Welchen vernünftigen Grund sollte es dafür geben?Jaddy hat geschrieben: Fr 7. Mär 2025, 01:09 Das wirft die Frage auf, ob du dir diese heutige Reaktion ausgesucht hast und ob du sie auch wieder "wegwollen" kannst.
Du kennst mich nicht gut genug, um mir unterstellen zu können, dass ich mein Leiden verlängern würde, und noch mehr, ich anderen Leid zufügen und Rache nehmen wollen würde. So gesehen sind diese deine Worte auch übergriffig, auch wenn du dies mit dem Verweis auf die Psychologie bemäntelst. Du darfst mir gerne zugestehen, dass ich einfach nur weiß, wie weit meine Freiheit geht, und dementsprechend meine Grenzen ziehe, wie weit ich andere ohne weiteres gehen lasse.
Mit besten und freundlichen Grüßen
Michi