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Re: Es ist vollbracht

Verfasst: So 14. Apr 2024, 17:13
von Maxine
Nicole Fritz hat geschrieben: So 14. Apr 2024, 13:26 Wie sich der*die Angehörige des Personals der BRD auf dem Plastik-Kärtchen nennt,
Liebe Nicole sei mir bitte nicht böse, aber ich kann Deine Meinung hier aus zwei Gründen nicht teilen.

1. Auch wenn dieses Gesetz hinter seinen Möglichkeiten zurückbleiben mag, ist doch für viele Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen ihr Geschlecht und ihren Namen ändern wollen eine ziemliche Erleichterung. Ich habe den den "alten" Weg seit März hinter mir und hatte dabei viel Glück, Glück was die Kosten betrifft, da mir volle Prozesskostenbeihilfe gewährt wurde, Glück das ich in kurzer Zeit beide Gutachtertermine hatte und beide Gutachter sehr positiv und freundlich waren und schließlich Glück, weil ich schnell einen Termin bei der zuständigen Amtsrichterin bekam.
Ich glaube es gibt aber viele unter uns, die in diesen Punkten irgendwo weniger Glück hatten. Nun mit einer Wartezeit von von 3 Monaten dies einfach beim Standesamt ändern zu können halte ich angesichts der Alternativen für einen kleinen Preis, der vielen eine gewisse Linderung bringen kann.

2. Wenn jemand von unserem Land als Firma und von seinen Bürgern als Personal spricht, so erinnern mich diese Äußerungen doch sehr an die Reichsbürgerszene. Menschen, die sich mit dieser Gruppierung identifizieren oder auch sympathisieren, haben aus der deutschen Geschichte nichts gelernt. Von dieser Szene ist allgemein bekannt, dass es ihr um die Abschaffung der Bundesrepublik geht. Dazu sind sie auch bereit auf Mittel wie Mord, Totschlag und Terror zurückzugreifen. Ich begrüße ausdrücklich jede Form von offenem politischen Diskurs, solange sich an bestehendes Recht und Gesetz gehalten wird. Aber als eine Frau, die vor fast 30 Jahren geschworen hat die freiheitlich demokratische Grundordnung unseres Landes zu verteidigen, bin ich der Ansicht, dass für Menschen, die sich solch einer Szene zugehörig fühlen eben sowenig Platz ist wie für jeden anderen gewalttätigen Extremisten, gleich welchen Lagers oder Terroristen.

Ich möchte hier ganz deutlich sagen, dass ich Dir nicht unterstelle dieser Szene anzugehören, sondern wollte nur zum Ausdruck bringen, was Deine Worte bei mir für "Bilder" ausgelöst haben.

Liebe Grüße
Katharina Maxine

Re: Es ist vollbracht

Verfasst: So 14. Apr 2024, 17:27
von Anne-Mette
Maxine hat geschrieben: So 14. Apr 2024, 17:13 Reichsbürgerszene
[/quote

Muss das so hoch gehängt werden?

Re: Es ist vollbracht

Verfasst: So 14. Apr 2024, 18:06
von Patricia
Nicole Fritz hat geschrieben: So 14. Apr 2024, 13:26 Wenn es um das los Werden irgendwelcher Zwänge geht, ist es sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Aus meiner Sicht wäre aber die Ursache des Problems zu suchen, statt einige Hürden bei der Behandlung der Symptome zu beseitigen. Ich vermute, es wären dann nicht mehr viele, die sich noch als transsexuell einordnen. Aus einer spirituellen Betrachtung heraus ergibt ein soziales Geschlecht keinen Sinn. Damit ist es nur das Spielen einer Rolle bei der Suche nach Anerkennung für sich selbst und in der Gemeinschaft.
Es mag sein, dass das Gesetz wie du geschrieben hast für Dich absolut unnötig ist. Das kann gut sein. Dein Unverständnis gegenüber denjenigen welche angleichende Maßnahmen irgendeiner Art auf sich nehmen hast du oft genug in anderen Beiträgen zum Ausdruck gebracht. Einem großen Teil dieser Gruppe aber psychische Störungen als Ursache für die Transidentität zu unterstellen und das Gesetz für überflüssig zu erklären, halte ich eben für egozentrisch und engstirnig. Egoismus habe ich Dir hingegen nicht unterstellt :)

Das neue Gesetz mag nicht zu Ende durchdacht worden sein und er erleichtert ein wenig das Leben für einige von uns, nur werden damit keine Hürden bei der Behandlung aus dem Weg geschafft, denn am medizinischem Weg ändert dieses Gesetz nichts.
Das neue Gesetz eröffnet aber auch für einige von uns, denen der bisherige Weg bisher aus verschiedensten Gründen nicht möglich war, endlich die lang ersehnte Namensänderung durchzuführen. Ich bin eine dieser betroffenen Personen. Es gab bisher verschiedene Probleme warum ich meinen Namen offiziell nicht ändern konnte. So lebe ich bereits seit Ende 2019 als Frau, arbeite als eine solche, werde seit mehr als vier Jahren medizinisch und psychologisch behandelt und begleitet, kann aber meinen Namen bisher nicht ändern. So aber so einiges an Schriftverkehr mit Ämtern und so einige Dokumente werden auf einen Mann ausgestellt. Ich bin dabei immer dem guten Willen meines Gegenübers ausgeliefert. Das Selbstbestimmungsgesetz ändert dies endlich.

Der Aluhut und der Bullsh*tbutton waren hingegen für die Bezeichnung der Bürger der BRD als Personal, denn das ist eben der Mist den gewisse Gruppierungen von sich geben die häufig auch an verschiedene Verschwörungstheorien glauben.

LG
Patricia

Re: Es ist vollbracht

Verfasst: So 14. Apr 2024, 18:34
von Jaddy
Also erstmal ist das wirklich super, auch wenn die Tatsache, dass es jetzt wirklich bald Realität ist, emotional noch nicht ganz in meinem Bewusstsein angekommen ist. Ich war zusammen mit anderen auf einem langen Wochenende, wir haben den Livestream geschaut und danach einen Sekt getrunken, aber so richtig fühlen werde ich es wohl erst, wenn ich den ersten Menschen erklären darf, wo sie ab 1.8. anrufen können. Ganz wesentliche Erleichterung ist natürlich, dass diese übergriffigen Pseudo-Gutachten wegfallen inklusive der Kosten.

Der für mich wichtigste Punkt ist zentral drin: Voraussetzungslos. Es ist auch kein Antragsvorgang, sondern es wird eine Erklärung abgegeben und das Standesamts hat die einfach nur einzutragen. Es gibt praktisch keine Möglichkeit, das zu verweigern.

Ausserdem stehen allen Menschen alle vier Optionen offen. Es ist sogar streng genommen unwesentlich, ob sich eine Person als trans identifiziert. Es geht um die Wahl des Eintrags, der der eigenen Identität am besten entspricht. Nur dies muss unterschrieben werden.

Wirklich revolutionär daran: Der Staat hat sich gerade aktiv davon verabschiedet, Geschlecht irgendwie feststellen zu wollen(1). Es gibt auch kein scheinbar objektives rechtliches Geschlecht mehr! Es ist eher wie bei Handy-Verträgen. Es gibt drei Tarife, davon einen in zwei Varianten (d/-) und wir können uns den passendsten aussuchen und gegebenenfalls wechseln. Dem Staat ist es nun völlig egal, wie sich ein Mensch einbucht.

Der zweite wichtige Punkt ist ebenso toll wie zweischneidig. In der Begründung zum SBGG steht mehrfach, am klarsten zu -§6, dass der Geschlechtseintrag nur für staatliche Belange gilt. Oder wie Jürgen Lenders (FDP) es in der ersten Lesung sagte: "Wenn ich das mal so sagen darf: Was sich wirklich ändert, ist, ob sie zukünftig als Frau oder Mann Post vom Amt bekommen. Selbst im Personalausweis steht ihre geschlechtliche Identität nicht drin. Mehr, meine Damen und Herren, ändert sich nicht." Die Auslassung nichtbinärer Menschen verzeihe ich ihm mal großzügig ;)

Eigentlich war das juristisch bewanderten Leuten immer klar, auch wenn selbst studierte Rechtsanwälte wie Marc Henrichmann (CDU) einen "objektiven Geschlechtseintrag" wollen, aber hier steht es ganz ausdrücklich: Der Eintrag hat nichts mit Fremdzuweisung zu tun, nichts mit körperlichen Features und nichts mit Erscheinungsbild.

Aber natürlich werden wir weiterhin in allen nichtstaatlichen Belangen und perönlichen Begegnungen nach Augenschein vergeschlechtlicht und entsprechend behandelt werden. Im Alltag, im Job, auf der Strasse und an der Backtheke. Der geänderte Eintrag ist dabei völlig egal - ausser wir klagen gegen eine Diskriminierung o.ä.

Möglicherweise wird diese Erkenntnis auch in die unbedarfte Bevölkerung einsickern: Der Geschlechtseintrag hat keinerlei Beweiskraft. Hatte er noch nie, aber durch die bisherigen Hürden mit scheinbar qualifizierten Gutachten sah es nach aussen für die meisten so aus. Mal sehen, was das im Verhältnis cis zu trans Personen vielleicht ändern wird.

Es ist also wie in der Flensburger-Werbung: Die Änderung mag für uns persönlich unglaublich wichtig sein, aber im (nichtstaatlichen) Einzelfall - Begegnung mit anderen Menschen, Firmen, etc - und ggf beim persönlichen Staatskontakt - Polizei, Behörden - nützt er erst mal nichts. Bei staatlichen höchstens durch Vorlage passender Papiere, bei anderen auch das vermutlich nicht. Wir erhalten dadurch weder "besseres Passing" noch automatisch die Rechte und Möglichkeiten, die uns zustehen.

Dennoch wunderbar und allen viel Erfolg und glückliche Momente, wenn die Änderung vollzogen ist. Jetzt können die nächsten Schritte in Angriff genommen werden.


(1) Ausnahme, die dringend angegangen werden muss: Elternschaft.

Re: Es ist vollbracht

Verfasst: So 14. Apr 2024, 20:02
von Lana
Jaddy,

Danke fürs herausarbeiten der zentralen Punkte:
  • Voraussetzungslosigkeit
  • keine staatliche Feststellung des Genders
  • Nur für die Beziehung zwischen der betroffenen Person und Staat relevant
Das hier verstehe ich aber nicht:
Jaddy hat geschrieben: So 14. Apr 2024, 18:34 Die Änderung mag für uns persönlich unglaublich wichtig sein, aber im (nichtstaatlichen) Einzelfall - Begegnung mit anderen Menschen, Firmen, etc - und ggf beim persönlichen Staatskontakt - Polizei, Behörden - nützt er erst mal nichts. Bei staatlichen höchstens durch Vorlage passender Papiere, bei anderen auch das vermutlich nicht.
Staatliche Stellen und ausführende Organe müssen sich doch danach richten, wie eine Person standesamtlich registriert ist. Im Gegensatz zu Privaten haben staatliche Stellen keine Schlupflöcher wie etwa das Hausrecht, oder an was denkst du, wenn du schreibst:
"ggf beim persönlichen Staatskontakt [...] nützt er erst mal nichts"?

LGL

Re: Es ist vollbracht

Verfasst: So 14. Apr 2024, 20:53
von Jaddy
Lana hat geschrieben: So 14. Apr 2024, 20:02 Das hier verstehe ich aber nicht:
Jaddy hat geschrieben: So 14. Apr 2024, 18:34 Die Änderung mag für uns persönlich unglaublich wichtig sein, aber im (nichtstaatlichen) Einzelfall - Begegnung mit anderen Menschen, Firmen, etc - und ggf beim persönlichen Staatskontakt - Polizei, Behörden - nützt er erst mal nichts. Bei staatlichen höchstens durch Vorlage passender Papiere, bei anderen auch das vermutlich nicht.
Staatliche Stellen und ausführende Organe müssen sich doch danach richten, wie eine Person standesamtlich registriert ist. Im Gegensatz zu Privaten haben staatliche Stellen keine Schlupflöcher wie etwa das Hausrecht, oder an was denkst du, wenn du schreibst:
"ggf beim persönlichen Staatskontakt [...] nützt er erst mal nichts"?
Damit meine ich, dass im ersten Moment, also zum Beispiel Polizeikontrolle, sich im Amt zurecht finden, am Telefon reden, usw. auch Staatsbedienstete logischerweise erst mal wie alle anderen Menschen reagieren und nach Augenschein urteilen. Bis sie zB Ausweispapiere vorgelegt bekommen. Danach verhalten sie sich hoffentlich regelgerecht.

Mir geht es darum, dass der Eintrag im Alltag wenig bis keine direkte Wirkung hat - genau wie in der Begründung beschrieben - und wir natürlich auch nichts anderes erwarten können. Ich möchte, dass er nicht überschätzt wird, auch wenn die jetzt abgeschafften Hürden uns allen immer suggeriert haben, dass er irgendwie wahnsinnig bedeutsam sei.

Re: Es ist vollbracht

Verfasst: So 14. Apr 2024, 21:14
von Blossom
Nicole Fritz hat geschrieben: So 14. Apr 2024, 13:26 Aus meiner Sicht wäre aber die Ursache des Problems zu suchen
Vielleicht fängst du mal bei dir selbst an und hinterfragst dein stetes Pöbeln! Meine Toleranzschwelle diesbezüglich ist nahezu erreicht!
Ich wurde bereits psychologisch begutachtet. Vielleicht solltest du dich auch mal einer solchen Untersuchung stellen?

Für viele bedeutet die erleichterte Änderung der Papiere viel, und für mich persönlich, dass meine Sabine und ich nun bald als zwei Frauen vor dem Gesetz heiraten können!

Re: Es ist vollbracht

Verfasst: So 14. Apr 2024, 21:19
von Lana
Nicole Fritz hat geschrieben: So 14. Apr 2024, 13:26 Ich weiß hier nicht, ob ich mich wirklich freuen soll.
Warum nicht? Wenn es anderen dabei hilft, sich wohl zu fühlen, besser mit sich selbst klar zu kommen, ist es doch eine gute Sache. Klar wird nur das Ego bedient. Für Menschen, die das noch nicht verstanden haben, ist es dennoch schön. Lass ihnen ihre Freude.
Nicole Fritz hat geschrieben: So 14. Apr 2024, 13:26 Es geht darum, was ich bin, und nicht um den passenden Ausweis. Also gebe ich das Geld für die ganzen erforderlichen Änderungen lieber für schöne Dinge aus, und gehe in den Wald statt zu irgendwelchen Ämtern.
Ich stimme dir zu, dass niemand eine amtliche "Bestätigung" seines Seins benötigt. Andererseits unterliegen wir als Bürger dieses Staates gewissen Zwängen, und haben gewisse Rechte. Die kannst du zwar verleugnen, aber nicht ablegen (es sei denn, du gibst die dt. Staatsbürgerschaft auf). Es kann somit sinnvoll sein, sich innerhalb dieser Möglichkeiten passend zu positionieren. Das Selbstbestimmungsgesetz ermöglicht dies nun vielen Menschen auf einfache Weise bei der Geschlechtsidentität, zwingt aber niemanden, es zu tun. Alle haben die Wahl, niemand wird bevormundet. Allein darüber sollte man sich freuen, weil es leider keine Selbstverständlichkeit im Verhältnis zwischen Bürger und Staat ist.

LGL

Re: Es ist vollbracht

Verfasst: So 14. Apr 2024, 21:40
von Lucky70
@Jaddy: ich denke schon, dass das auch direkte Auswirkungen auf den Alltag hat. An so manchen Stellen ist die Basis der amtliche Ausweis, sei es bei Banken, bei deinem Arbeitgeber, Versicherungen, ... . Man muss sich zwar bei all denen um die Änderungen kümmern, aber verweigern dürfen sie diese einem nicht. Ich kann mir nur vorstellen, dass es eines Nachweises der Änderung bedarf (also nicht nur der neue Ausweis ausreicht) - sonst könnte ja jeder mit gleichen Nachnamen daher kommen.
Und genau aus solchen Gründen ist es auch sinnvoll, eine gemeinschaftliche (aka staatliche) Beglaubigung zu haben, wer man ist.

Interessant fand ich auch die Berichterstattung: der (ja liberalen) Süddeutschen Zeitung war es kein eigener Bericht wert, es gab nur einen Artikel zusammen mit der Änderung des Namensrechts und der Bezahlkarte für Asylbewerber. Der bayrische Rundfunk hatte das dagegen am Freitag das im Radio als Topnachricht gebracht. Anfangs unter Erwähnung, dass ja Kinder schon ab 14 Jahren das ändern können - später hat man dann Buschmann zitiert ("eine der am meisten diskriminierte Gruppe"). Und das beim Sender, der sonst Söder in Heavy-Rotation bringt ...

Lucy.

Re: Es ist vollbracht

Verfasst: So 14. Apr 2024, 21:49
von Lana
Blossom hat geschrieben: So 14. Apr 2024, 21:14 Ich wurde bereits psychologisch begutachtet.
Patricia hat geschrieben: So 14. Apr 2024, 18:06 Einem großen Teil dieser Gruppe aber psychische Störungen als Ursache für die Transidentität zu unterstellen
Hmm, ich lese Nicole's Beitrag anders. Da steht nichts von psychologischen Ursachen. Es heißt ganz neutral
Nicole Fritz hat geschrieben: So 14. Apr 2024, 13:26Ursache des Problems
Ich sehe die Ursache mitnichten in einer psychischen Störung, sondern in der Illusion unseres Egos, die wir permanent mit unseren Gedanken produzieren.
Versucht Nicoles Beitrag doch mal in diesem Sinne zu interpretieren.

LGL

Re: Es ist vollbracht

Verfasst: So 14. Apr 2024, 22:09
von Anne-Mette
Guten Abend,

ich wäre dankbar, wenn diejenigen, die sich überhaupt nicht mögen(?)/verstehen(?) (d/m/w) nicht immer wieder aufeinander reagieren. Wie ich schon an anderer Stelle schrieb: "es kommt nichts dabei raus und
es bleiben nur Verletzungen auf beiden Seiten".


Gruß
Anne-Mette

Re: Es ist vollbracht

Verfasst: So 14. Apr 2024, 23:05
von Patricia
Liebe Lana,

ja es kann durchaus sein, dass ich etwas anderes verstanden habe als NicoleFritz gesagt hat. Es gibt in der Psychologie und in der Kommunikation das vier Ohr Modell, welches hierbei definitiv eine Rolle spielt. Vielleicht habe ich zu oft von anderen den Satz gehört, dass wir eben psychisch gestört sind. Ich weiß es nicht.

Für mich bedeutet dieses Gesetz sehr viel, kann ich endlich einen, für mich nicht unbedeutenden Teil, meines Weges abschließen. Dies war mir mit der bisherigen Gesetzeslage nicht möglich. Die Aussage von NicoleFritz ist an der Stelle für mich einfach zu pauschalisierend und ich empfinde diese Aussage als eine Art Unterstellung ich hätte andere Probleme die ich dringend lösen sollte, statt meinen Weg in der Transition zu suchen.

Auch der von Dir gepostete Ansatz mit der Illusion des Denkens ist einfach nichts für mich.

Ich habe mich vor meiner Transition etwa 30 Jahre lang damit beschäftigt wer und was ich bin und wie ich das alles akzeptieren kann. Die Probleme wurden dadurch nicht besser und weniger. Im Gegenteil.
Erst die Transition ermöglichte mir ein normales und glückliches Leben und wenn ich das Gefühl habe, jemand möchte es mir verwehren, werde ich giftig und biestig. Mit Sicherheit nicht immer zu Recht.

In Nicoles Aussage vermisse ich einfach das Verständnis für diejenigen welchen dieses Gesetz tatsächlich eine Erleichterung im alltäglichem Leben bringt. In meiner Interpretation der Aussage werden meine Probleme einfach als unwichtig und geringfügig dargestellt. Daher auch meine vorherige, zugegeben sehr emotionale Reaktion.

Um es noch einmal ganz klar zu stellen. Es geht mir gerade darum wie ich diese Aussage empfinde und was sie bei mir bewirkt.
Sollte ich etwas in den falschen Hals bekommen haben so bin ich gerne bereit zu einer konstruktiven Unterhaltung mit NicoleFritz.

LG
Patricia

Re: Es ist vollbracht

Verfasst: Mo 15. Apr 2024, 00:09
von Inga
Hallo, miteinander,

ich habe es gefühlsmäßig auch noch nicht so recht verabeitet, was am Freitag so recht unauffällig im Bundestag verabschiedet worden ist
und mein Leben verändern wird, aber ich freue mich riesig darüber.

Liebe Grüße
Inga

Re: Es ist vollbracht

Verfasst: Mo 15. Apr 2024, 08:41
von Martina-NB
Jaddy hat geschrieben: So 14. Apr 2024, 20:53 Mir geht es darum, dass der Eintrag im Alltag wenig bis keine direkte Wirkung hat
Das kommt schon auch drauf an, wie der "Alltag" im Einzelfall aussieht.
Ich bin Freiberuflerin, bei Banken, Finanzamt und usw. gilt natürlich mein offizieller Vorname. Im Alltag lebe ich eigentlich als Martina.
Im geschäftlichen Bereich stecke ich bislang in einer Zwickmühle. Schon "Martina" auf meiner geschäftlichen Webseite ist möglicherweise juristisch problematisch. Wenn ich Kundinnen gegenüber als Martina auftrete, und dann aber auf der Rechnung (wegen dem FA) meinen offiziellen Namen schreiben muss, ist das schon ähm schwierig. - Von daher kommt mir das SBG schon sehr entgegen, im geschäftlichen Alltag!

Re: Es ist vollbracht

Verfasst: Mo 15. Apr 2024, 10:53
von Jaddy
Martina-NB hat geschrieben: Mo 15. Apr 2024, 08:41 Ich bin Freiberuflerin, bei Banken, Finanzamt und usw. gilt natürlich mein offizieller Vorname. Im Alltag lebe ich eigentlich als Martina.
Im geschäftlichen Bereich stecke ich bislang in einer Zwickmühle. Schon "Martina" auf meiner geschäftlichen Webseite ist möglicherweise juristisch problematisch. Wenn ich Kundinnen gegenüber als Martina auftrete, und dann aber auf der Rechnung (wegen dem FA) meinen offiziellen Namen schreiben muss, ist das schon ähm schwierig. - Von daher kommt mir das SBG schon sehr entgegen, im geschäftlichen Alltag!
Ja, da hast du natürlich vollkommen recht. Um genau die Erleichterung geht es ja auch beim Eintragswechsel.

Ich gebe zu, es ist etwas Kümmelspalterei. Was ich meine: Wenn wir einer Person begegnen, werden wir erst mal rein optisch geschlechtlich gedeutet (oder akustisch am Telefon). Das bestimmt das Verhalten der anderen Person. Wenn es dann um die rechtliche Identität geht, ist es vor allem der Vorname, der ggf einen Unterschied macht, weil der eben auch geschlechtlich gedeutet wird. Für binäre trans Personen ist damit häufig die Welt in Ordnung, auch wenn sie vielleicht als trans erkannt werden. Offizieller Ausweis = amtlich anerkannt. Auch wenn eine Person nicht trans-freundlich ist, gegen den offiziellen Namen kommt sie nicht an. Super prima und endlich einfach machbar.

Der Geschlechtseintrag selbst hingegen, der Buchstabe im Register, macht im direkten Kontakt mit Menschen keinen Unterschied. So jedenfalls meine Erfahrung seit 2019 (ich habe meine Vornamen, Kai Meine, behalten und nur den GE gewechselt). In der Hierarchie der -hm- "Geschlechtsindizien", die andere für den Umgang mit dir nutzen, ist der Buchstabe weit hinter Optik/Stimme und Vorname, und muss quasi immer angesagt werden.

Für nichtbinäre Menschen mit "gemischten" oder uneindeutigen Vornamen - z.B. Markus Katharina, Meine, Fin - zählt dann die Optik in den Augen der anderen mehr als jeder Ausweis.

Fazit: Ein geänderter Eintrag alleine regelt im Alltag gar nichts - höchstens wie wir bei Post vom Amt angesprochen werden.

P.S. übrigens ist die Anrede unabhängig vom GE.