Alyssa hat geschrieben: Mi 11. Mai 2022, 09:39
Immer wieder schön die verdrehende Interpretation von 20 Jahre Afghanistan Krieg zu lesen . Besonders von Lana. Wie einfach es ist 9/11 mt tausende Tote als Vorgeschichte mal auszublenden und daraus eine Koloniale Invasion zu basteln. Das Afghanistan mit den Taliban ein Terrornest für Osama bin Laden war wird vergessen.
Ja, Vorgeschichte:
Ich gebe zu, dass meine Darstellung stark verkürzt war. Deine beginnt jedoch an einem beliebigen Punkt, ohne zu berücksichtigen, wie es dazu kam.
Wenn du besser verstehen willst, was dort los war, dann beschäftige dich mal mit den Ursprüngen der Taliban. Die waren nicht einfach mal so da, sondern sind infolge der von den USA während des Sowjeteinmarsches gesponsorten Mudschahedin entstanden und später mit saudischem Geld radikalisiert worden (zudem sind die Gründe für den Einmarsch der Sowjetunion ganz interessant).
Osama bin Laden und die Beziehung seiner Familie mit dem saudischen Königshaus und den verschiedenen US-Regierungen zu verstehen hilft auch bei der Einordnung der Ereignisse ab 2001. Auch der war nicht einfach mal so aus dem Nichts aufgetaucht. Das war eher ein wenig wie beim Zauberlehrling, der die Geister, die er rief nicht so leicht loswurde, als sie nicht mehr nach seiner Pfeife tanzen wollten.
Was die Toten angeht:
Du weißt schon, wie viele zivile Todesopfer es während der letzten 20 Jahre in Afghanistan durch Drohneneinsätze, Fehleinschätzungen und sonstige "Missgeschicke" gegeben hat?
Dir ist sicherlich auch bekannt, dass der Mohnanbau in diesen Jahren im wahrsten Sinne des Wortes eine Blütezeit hatte und die Exporte zumindest vom ausländischen Militär geduldet, wenn nicht gar unterstützt wurden, mit allen Folgen die die leichre Verfügbarkeit von billigem Opium für die Bevölkerung dort und in den Nachbarländern hatte (im Iran ist das Zeug zum Beispiel billiger als Alkohol)?
Aber es war ja für einen "guten Zweck".
Zuerst Brunnenbohren, dann Mädchenschulen, und irgendwann wusste eigentlich keiner mehr so richtig, was man dort eigentlich tut und was das Ziel der ganzen Aktion sein soll. Deshalb ist man ja wohl letztes Jahr Hals über Kopf zurück nach Hause gefahren. Dabei hat man die Leute vor Ort im Stich gelassen, die jahrelang gegen erhebliche Widerstände in ihrer Umgebung und teilweise unter Bedrohung des eigenen Lebens für ausländische Organisationen gearbeitet haben. Wieviele von denen noch dort und überhaupt noch am Leben sind, will auch niemand so genau wissen.
Und wie es mit dem verwüsteten Land weitergehen soll, ist den Mitverursachern dieser Misere auch ziemlich egal.
Nochmal eine Klarstellung:
Für Konflikte braucht es immer zwei (oder mehr) sich feindlich gesonnene Parteien. Dass ich hier überwiegend die westliche Militärkoalition kritisiere liegt daran, dass die sich an den von ihr selbst ständig auf dem Silbertablett vor sich her getragenen "Werten" messen lassen muss. Ich erwarte also einen kritisch-reflektierten Umgang mit den Ereignissen.
Von den Taliban erwarte ich überhaupt nichts nennenswert Positives, weshalb man darüber auch nicht viele Worte verlieren braucht. Deren fundamentalistischer Steinzeitislam ist völlig indiskutabel.
LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal