Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung
Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung - # 3

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
Laila-Sarah
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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 31 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

[quote]Kann man Alice transphob nennen....ich denke nicht wirklich. .
[/quote]

Hallo Aria,

Für mich ist sie transphob, weil sie Transidentität zwar akzeptiert und sich davor sogar für transidente Leute eingesetzt hat. Aber sie sieht trans als einen medizinischen Zustand und das biologische Geschlecht als unrüttelbare Konstante.

Somit bist du als Transfrau keine Frau sondern ein biologischer Mann mit einer Besonderheit. Sprich wie die völkischen Bürger ausschließen daß es einen dunkelhäutigen "echten" deutschen geben kann. Schließen terfs uns als echte Frauen aus.

Sie werfen uns sogar vor so die feministische Bewegung zu unterwandern. In Frauenschutzräume einzudringen. Böses im Schilde zu führen. Als biologische Männer wohlgemerkt.

Sprich Apartheit 2.0: ein Mitteinander mit klar definierten Grenzen. Frauen, Männer und wir am Katzentisch.

Das ist für mich keine Unwissenheit mehr. Sondern Diskriminierung

LG
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Lavendellöwin
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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 32 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Marielle hat geschrieben: Di 12. Apr 2022, 11:49Hab's gut

Hallo Marielle,

vielen, vielen Dank! Du auch...

jetzt, genau jetzt habe ich gespürt, das es ein Zuhören auf einer Ebene geben kann,
die nicht nur auf "ich bin noch lauter" und "ich kann noch besser (Fakten) darstellen" beruht.
Das kam gerade bei mir im Herzen an...

ja, jetzt möchte ich auch ganz gerne noch etwas erzählen, was für mich der Auslöser
war, um kritischer zu werden und alles rund um das Thema trans* anders wahrzunehmen.

Wir haben eine Freundin die hier im Raum Freiburg im therapeutischen Kinder/Jugendbereich
tätig ist und eben auch trans* Kinder und Jugendliche betreut und Indikationen schreibt.
Ihr ist ihre Aufgabe schon immer nicht sehr leicht gefallen, weil egal wie, ihre Mitarbeit
an einem Fall Folgen haben wird.
Nun, eines Tages sprachen die Eltern eines trans* Kindes bei ihr vor in Begleitung einer trans* Frau,
die irgendwo her wusste das wir uns kennen. Von wo, ich weiss es nicht.
Jedensfall hat diese Person vehement gefordert, und das in meinem Namen, das bei diesem
Kind sofort und ohne Umschweife eine Behandlung beginnen muss.
Ich kannte das Kind nicht mal und nach Beschreibung auch die trans* Frau nicht.

Das hat die Freundschaft zwischen uns Schaden nehmen lassen..weil die trans* Frau
wohl recht genau über mich bescheid wusste, auch Einzelheiten und diese bewusst vorgeschoben hat.
Ich habe die Menschen aber nicht dort hin geschickt...
Sowas lässt mich einfach zweifeln, wer verhält sich so?
Hätte ich es rausgefunden wer das war, es hätte massiv Ärger gegeben. Und so entsteht Abstand..

Alles Liebe Marie (flo)
Zuletzt geändert von Lavendellöwin am Di 12. Apr 2022, 13:27, insgesamt 1-mal geändert.
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
manchmal_melissa
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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 33 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Hallo ihr Lieben,

wie angekündigt möchte ich noch an das Thema "Selbstbestimmungsgesetz und Teilzeitfrauen anknüpfen:
Anne-Mette hat geschrieben: Di 12. Apr 2022, 08:58 Es ist eine Frage, ob "bekennende Teilzeifrauen"* das erfassen können, dass es da Diskussionsbedarf gibt; denn sie sind es die ja in vielen Fällen, die "als Frauen vergekleidete Männer" sind, wie es in manchen Äußerungen vorgeworfen wird.
Ich finde, im Bezug auf Teilzeitfrauen wird das Thema richtig interessant, weil es die ganze Aufregung darüber ad absurdum führt. Kleiner Disclaimer: auch bei uns Teilzeitfrauen gibt es verschieden Abstufungen und Ausprägungen, ich rede also vorrangig aus meiner eigenen Perspektive, wenn ich sage:

Wenn ich Melissa bin, dann bin ich eine Frau. Dann möchte ich so gelesen, so behandelt und auch so angesprochen werden, und ich denke das ist unser aller gutes Recht. Was bedeutet das im Bezug auf das Selbstbestimmungsgesetz? Werde ich für jeden Tag en femme zum Standesamt laufen und meinen Namen und Geschlechtseintrag ändern lassen? Sicher nicht! Verwirke ich dadurch das Recht, als Frau angesehen zu werden? Sicher nicht!

Das Problem ist, uns Crossdresser, Teilzeitfrauen, Bigender, genderfluide, wie auch immer man es nennen will, denkt so ein Gesetz nicht mit, weil es sehr binär gedacht ist. Ist es dadurch schlecht? Nein. Es soll einfach nur Menschen, die sich in ihrem zugewiesenen Geschlecht dauerhaft nicht wohl fühlen, einen unbürokratischen Wechsel im rechtlichen Sinn erlauben. Viele pseudo-feministische Themen wie das der Schutzräume gehen deshalb am Thema vorbei. So ein rechtliches Geschlecht ist ja offensichtlich nicht die Eintrittskarte in eine Damentoilette, sonst wären alle Teilzeitfrauen in Vergangenheit und Zukunft kategorisch ausgesperrt. So gesehen sind wir Teilzeitfrauen ja eine viel größere Bedrohung, weil man uns nicht auf ein Geschlecht festlegen kann. Hoffentlich merkt das niemand, sonst steht das T in TERF bald für Teilzeitfrau.

Liebe Grüße,
Melissa
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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 34 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Melissa,
manchmal_melissa hat geschrieben: Di 12. Apr 2022, 13:13...wie auch immer man es nennen will, denkt so ein Gesetz nicht mit, weil es sehr binär gedacht ist.
Es ist nicht im Gespräch, dass das Selbstbestimmungsgesetz auf M und W als Personenstände beschränkt sein könnte.

Sollte ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, der diesbezüglich hinter den Möglichkeiten des -§45b des PStG zurückbleibt (M, W, D, kein Eintrag), würde das zu deutlichem Widerspruch führen. Persönlich kann ich mir nicht wirklich vorstellen, das es zu so einem Entwurf kommt.

Hab's gut

Marielle
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For the rising of the women, means the rising of the race
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But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 35 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Hallo Marielle,

das glaube ich auch nicht"¦ Allerdings wäre der D-Eintrag für mich z.B. auch nichts. Die einzige Zeit, in der ich mich divers fühle, ist während dem (ab)schminken. :lol: Ich wollte eher darauf hinweisen, dass der Eintrag für die meisten Dinge, wie z.B. den Zugang zu Toiletten, keine Rolle spielt oder spielen sollte.

Liebe Grüße,
Melissa
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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 36 im Thema

Beitrag von Jaddy »

manchmal_melissa hat geschrieben: Di 12. Apr 2022, 14:36Ich wollte eher darauf hinweisen, dass der Eintrag für die meisten Dinge, wie z.B. den Zugang zu Toiletten, keine Rolle spielt oder spielen sollte.
Spielt er ja auch nicht. Kann er schon mal gar nicht, weil ausser auf der Geburtsurkunde quasi nirgendwo vermerkt. Ausserdem: Hausrecht. Hatten wir alles schon.

Das riesige Problem ist tatsächlich, dass wir auf die Akzeptanz der anderen angewiesen sind - und Menschen wie Schwarzer, Luis, Amelung, Korte und Co uns ohne Not in Gefahr bringen durch ihre Horrophantasien.
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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 37 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

DLF: Alice Schwarzer: "Transsexualität"
Auf dem Rücken einer Minderheit wird Stimmung gemacht

https://www.deutschlandfunkkultur.de/al ... t-100.html
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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 38 im Thema

Beitrag von Aria »

Laila-Sarah hat geschrieben: Di 12. Apr 2022, 12:02 Für mich ist sie transphob, weil sie Transidentität zwar akzeptiert und sich davor sogar für transidente Leute eingesetzt hat. Aber sie sieht trans als einen medizinischen Zustand und das biologische Geschlecht als unrüttelbare Konstante.
Kann man am biologischen Geschlecht rütteln - es verändern? Ganz sicher nicht. Sollten meine Knochen irgendwann mal bei der Forensik landen und die Fragestellung lautet ob Mann oder Frau vorliegt, wird als Antwort höchstwahrscheinlich Mann dabei heraus kommen, da kann ich noch so ein tolles passing gehabt haben. -¡Es lo que es!
Laila-Sarah hat geschrieben: Di 12. Apr 2022, 12:02 Somit bist du als Transfrau keine Frau sondern ein biologischer Mann mit einer Besonderheit.
Wenn man es rein auf das biologische Geschlecht bezieht - ja. Leider.
Laila-Sarah hat geschrieben: Di 12. Apr 2022, 12:02 Frauen, Männer und wir am Katzentisch.
Ja, so komme ich mir manchmal vor. Aber dafür sorgen nicht Alice & Co, sondern mein eigenes Wissen darum, kein doppel X zu haben. Meine Cis-Mädels lassen mich das keinen Millimeter spüren und auch die Jungs nicht unbedingt, dennoch kann ich es nicht abschütteln. Es geht mal besser, mal schlechter aber im Kern ist das etwas, das jede Transperson mit sich herum trägt - auf Lebenszeit.

Was mich an der ganzen Diskussion stört, das sehr viel durcheinander geworfen und unzureichend fundiert diskutiert wird - auf der einen, wie auf der anderen Seite. Beide versuchen auf ihre Weise zu instrumentalisieren und polarisieren, und das bei einem Thema das auf sehr viel empathischen Verständnis beruht und nicht auf beweisbaren Fakten. Mich ermüdet das, ehrlich gesagt und deswegen ziehe ich mich aus dieser Diskussion zurück.
¡no lamento nada!
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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 39 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Klar kann man Chromosome nicht leugnen. Aber die wissenschaftliche Welt ist da schon seit Jahren weiter als Bio Mann/Frau. Und vor allem gibt es bessere gesellschaftliche Modelle als die binäre Ordnung basierend auf Biologie.
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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 40 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Ach ja, die Fakten... Siehe den Podcast, den ich gestern verlinkt hatte. Schon die Sache mit der Biologie ist nicht so trivial. Wenn "biologisches Geschlecht" gesagt wird, steckt meist nur "sichtbare äussere Merkmale" dahinter. Während die Einsortierung durch andere im Alltag in der Regel auf "B&B" basiert, Bart und_oder Brüste, mit ein paar "Korrekturfaktoren" wie subjektiven Annahmen über typische Körpergröße, Gesichtsknochen usw. meinen gender criticals hingegen Penis oder Vulva. Dass sie bei Vulva annehmen, dass daran ein Uterus und Eierstöcke hängen: geschenkt.

Anyway: Das ist der Kern hinter "bioogisches Geschlecht", right? Der eine Indikator, auf dem die ganze Idee prinzipieller biologischer Unterschiedlichkeit aufgebaut ist, aus der dann die ~ tja, hm, irgendwie geschlechtliche Essenz abgeleitet wird, weshalb ein Mensch mit Penis niemals eine Frau sein kann/darf/soll und ein Mensch mit Vulva niemals ein Mann. So behaupten sie.

Die Story der Mutter einer 17jährigen Tochter, die beim Arzt eines Tages erfährt, dass sie eigentlich chromosomal ein Mann ist habe ich schon ein paar Mal erwähnt. Erfahren hat sie es nur, weil ihre Tochter mit 17 noch kein sonderliches Brustwachstum hatte. Chromosomentest: 46XY, männlich. Wie ihre Mutter. Mit "weiblichen" Knochen, "weiblichen" Organen inkl Vulva, Uterus, usw. In der ganzen Familie sind relativ viele Fälle körperlicher Uneindeutigkeit bekannt. Merke: Intergeschlechtlichkeit kann vererbt werden. Sieh mal an.

Den 70jährigen Vater von vier Kindern hatte ich glaube ich auch schon mal genannt - bei dem sehr zufällig ein Uterus gefunden wurde. Die 46jährige Schwangere, deren Körper ein "Mosaik" aus chromosomal männlichen und weiblichen Organen ist? Soetwas kann zum Beispiel passieren, wenn zweieiige Zwillingsföten verschmelzen und nur ein Kind dabei entsteht.

Und dergleichen gibt es hunderte Varianten. "Biologisches Geschlecht" hat mindestens vier oder fünf unterschiedliche Ebenen. Chromosomen (Genetik und Epigenetik!), Zellen, Organe, Hormone, Reprodutionssystem, ...

Deshalb ist Konsens der Humanbiologie inzwischen: "It's a spectrum".

Der gleiche Körper kann auf verschiedenen Ebenen unterschiedliche geschlechtliche Ausprägung haben. Ohne dass es dem Menschen oder den Ärztys auffällt (wenn sie nicht gezielt suchen oder etwas nicht stimmig funktioniert). Da nicht systematisch gesucht wird und viele beschwerdefrei sind, ist die Dunkelziffer hoch. Schätzungen liegen bei 1-2% aller Menschen.

Und da soll das Gehirn eine Ausnahme sein? (Dann guckt mal hier und hier, inklusive der Quellen dort)

Also, Aria: Sollten deine Knochen irgendwann forensisch untersucht werden und die einzige Informationsquelle sein, wird das einzige, was einigermassen sicher geschlossen werden kann, dass Du höchstwahrscheinlich eine testosterongesteuerte Pubertät durchgemacht hast. Mehr nicht.

Und auch das nur anhand der Länge und Dicke der Gliedmassen und der Form des Beckenknochens.

Aber wie du wirklich ausgesehen hast, welche Organe du hattest, ist daraus nicht zu schliessen. Und schon gar nicht, wie du dich gefühlt hast, wie dein Leben in der kulturellen Umwelt war, welche Eigenschaften dir aufgrund deiner Erscheinung zugeschrieben bzw erwartet wurden - oder ob du deinen Körper aufgrund einer empfunden Inkongruenz äusserlich verändert und trotzdem lange Jahre ein Gefühl von Makel oder unzureichend sein empfunden hast.

Also: "Biologisches Geschlecht" ist in der trans Diskussion reines Derailing, denn darum geht es nicht. Manchen nehme ich ab, dass sie es nicht besser wissen, weil sie sich nie mit dem Stand der biologischen und medizinischen Forschung beschäftigt haben. Sie nehmen ihr Bauchgefühl und die Schulbiologie 8te Klasse von vor zig Jahren und halten das für sowohl ewige, wie vollständige Wahrheit. Wie beschrieben: Unzureichend und unterkomplex.

Andere kennen den naturwissenschaftlichen Stand, verleugnen ihn aber und behaupten stattdessen eine Art "geschlechtliche Essenz", die Menschen "irgendwie biologisch" zu Mädchen/Frauen bzw Jungs/Männern macht. Das nennt sich Essenzialismus und dafür gibt es keinerlei wissenschaftliche Evidenz.

Essenzialismus ist die Basis der meisten transfeindlichen claims und will trans sein sozusagen von Grund auf negieren. "Biologisch unmöglich". Nur, wie gesagt: Das ist nicht wissenschaftlich unterfüttert, sondern sogar durch moderne Forschung widerlegt.

Ich hatte Derailing geschrieben, weil über scheinbare biologische, also vorgeblich objektive, körperliche Parameter geredet wird, obwohl der Teil von trans sein, der Aussenstehende betrifft nicht biologisch ist, sondern psychologisch. Sie machen sich die Doppelbedeutung von "Geschlecht" zunutze. Im Alltag geht es aber um Verhalten, Gruppendynamik, Rituale, Stereotype.

Es wäre also sinnvoll, in der Diskussion allen claims in Richtung biologischen Determinismus und Essenzialismus konsequent zu widersprechen. "Biologisches Geschlecht" liefert hier keinen nützlichen Beitrag, sondern vernebelt und lenkt bewusst ab, ob nun wegen Unwissenheit oder absichtlich.
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 41 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Jaddy hat geschrieben: Di 12. Apr 2022, 21:31 Unzureichend und unterkomplex.
Völlig richtig. Aber wenn Demagogix (ich finde die Wortschöpfung Klasse ...) agieren, geht es immer darum, einfach zu bleiben. Dann lässt sich herrlich "Auflage und Stimmung" machen. Das bedeutet aber auch, dass komplexe Dinge von unserer Seite vereinfacht werden müssen, um unsere Situation der Gesellschaft in der Breite begreiflich zu machen.

Wenn also die geplante Umsetzung des geplanten Selbstbestimmungsrecht als an der Gesellschaft schwer schuldig machend tituliert wird, stellt sich doch die einfache Frage "welche Schuld" und worin besteht denn ein möglicher Schaden ? Ist der menschliche Schaden nicht viel größer, wenn es nicht kommt ?

Wie also können wir die verschiedenen Formen und Ebenen von Trans* so einfach transportieren, dass es völlig "normal" wird trans zu sein ? Wir müssen nicht erklären, warum wir so sind, wie wir sind. Das machen andere auch nicht. Es ist für uns wichtig, aber aus meiner Sicht ist es nicht wichtig für die Kommunikation mit anderen.

Hier ist mMn ein wesentlicher Punkt essentiell. Es geht darum das starre Denken in bipolaren Bereichen zu überwinden und aufzulösen. Es geht um eine Verschiebung der Perspektive. Es muss für jeden Menschen also genau so einfach sein, nicht polare Menschen zu akzeptieren. Gegenwärtig ist es i.d.R. sehr einfach Menschen nach ihrem Äußeren einzuordnen. Ob es das B+B-Kriterium oder das Vorhandensein eines Penis oder der Vulva bei der Geburt ist, ist zweitrangig. Es entspricht einem einfachsten Modell: entweder-oder. Wie kann man es erreichen, dass eine Erweiterung des Denkens mit einem einfachen Schema erreicht werden kann ? Die Idee wäre, Menschen wie Schwarzer und Rowling mit einfachen Mitteln entgegen zu treten und ihre Aussagen dabei ad absurdum zu führen. Wir müssen auf dem gleichen, einfachen Feld agieren, wie sie, aber ohne polemisch zu werden. Dann richtet sich ihre Polemik gegen sie selber. Wir brauchen sozusagen ein "kommunikatives Aikido".
Ziel des Aikidōs ist es, einem Angriff dadurch zu begegnen, dass man die Angriffskraft leitet (Abwehr) und es dem Gegner unmöglich macht, seinen Angriff fortzuführen (Absicherung). ... Der friedlichen geistigen Haltung des Aikidō entsprechend geschieht dies ohne Absicht zum Gegenangriff, sondern vorwiegend durch die Einnahme einer günstigen Position und ständige Kontrolle des Kontakts mit dem Gegner.
Quelle: Wikipedia

Um ganz praktisch zu werden: Ich habe mir ein Bild überlegt, das dem Geschriebenen etwas gerecht werden soll. Wenn man also üblicherweise männlich und weiblich als zwei Bereiche sieht, die durch eine Mauer getrennt voneinenader sind, entspricht das in etwa dem herrschenden Geschlechterbild. Man schaut vielleicht einmal über die Mauer, bleibt aber auf "seiner" bzw. "ihrer" Seite.

Es gibt aber Menschen, die wollen/müssen auf der anderen Seite leben und tun alles, was ihnen zu Gebote steht, um auf der anderen Seite zu leben. Dieser Punkt ist wahrscheinlich noch von den meisten Menschen akzeptierbar. Man kann das Bild aber auch dahingehend erweitern, dass diese Mauer bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich hoch ist. Bei Manchen ist sie kaum bis gar nicht existent. Ihr Leben verläuft in beiden Bereichen. Wo liegt hier ein Problem vor ? Das Ausgrenzen bedeutet für sie, auf einen großen Teil ihres Lebens zu verzichten. Wem soll das nützen ?

Ziel dieses Bildes ist es, für "normale" Menschen auf breiter Basis die Tür zu öffnen und Transmenschen in Würde und auf gleicher Ebene sehen zu können. Dafür müssen wir etwas tun. Das ist im Aikido die Einnahme einer günstigen Position in einer friedlichen Haltung. Wir sollten die Energie des Gegners nutzen, um sie für unsere Verteidigung einsetzen, also die Lächerlichkeit der Aussagen, nicht der Personen (!), deutlich machen.

Edit: Ich habe gerade noch eine schöne Fabel gefunden:

Der Esel sagte zum Tiger:
"Das Gras ist blau."

Der Tiger antwortete:
"Nein, das Gras ist grün!"

Ein Streit brach aus und sie gingen zum König der Tiere, dem Löwen, um ihre Differenzen beizulegen.
Als der Esel den Platz erreichte, an dem der Löwe auf seinem Thron saß, begann er zu schreien:
"Eure Majestät, ist es wahr, dass das Gras blau ist?"

Der Löwe antwortete:
"Ja, natürlich ist das Gras blau."

Der Esel war begeistert und fuhr fort:
"Der Tiger widerspricht mir, und nervt mich, bitte bestrafe ihn."

Der König (Löwe) verkündete:
"Der Tiger wird mit einem Monat Schweigen bestraft."

Der Esel sprang glücklich und ging zufrieden weiter und wiederholte:
"Das Gras ist blau ... das Gras ist blau ..."

Der Tiger nahm seine Strafe an und fragte den Löwen:
"Eure Majestät, wofür habt ihr mich bestraft? Immerhin ist das Gras grün?"

Löwe:
"Das Gras ist tatsächlich grün."

Der überraschte Tiger fragte:
"Warum bestraft ihr mich dann?"

Löwe:
"Das hat nichts mit der Frage zu tun, ob Gras blau oder grün ist. Die Strafe ist dafür, ein tapferes und intelligentes Tier wie du zu sein. Es darf keine Zeit damit verschwenden, mit einem Esel zu streiten und dann meine Zeit mit dieser dummen Frage zu verschwenden.

Die schrecklichste Zeitverschwendung ist es, mit einem Dummkopf und einem Langweiler zu streiten, dem weder Wahrheit noch Realität wichtig sind, sondern nur der Sieg seiner Überzeugungen und Illusionen.
Verschwende keine Zeit mit nutzlosen Argumenten.

Es gibt Leute, die die Wahrheit nicht akzeptieren können, da sie nicht in ihr Weltbild passt, sie verteidigen lieber die Lüge und verspottet denjenigen der die Lüge aufzeigt.
Sie wollen sich nur behaupten. Gleichzeitig sind sie von Hass geblendet und die Diskussion wird von Beleidigungen begleitet.

Wenn Unwissenheit schreit, ist der Geist still."

Quelle: https://www.aikido-weiler.de/
Viele Grüße
Vicky

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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 42 im Thema

Beitrag von Michi »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 13. Apr 2022, 07:42 Die Idee wäre, Menschen wie Schwarzer und Rowling mit einfachen Mitteln entgegen zu treten und ihre Aussagen dabei ad absurdum zu führen.
Hallo Vicky,

in dem von Jaddy verlinkten Podcast hat Thessa Ganserer ein .. wie ich finde .. gutes Beispiel gebracht. Sie sagte (sinngemäß), wenn man Transfrauen dafür in Sippenhaft nehmen möchte, dass sich eventuell ein Vergewaltiger in als Frau verkleidet in Frauenschutzräume eindringen könnte, um dort eine Frau zu vergewaltigen, dann müsste man alle Männer dafür in Sippenhaft nehmen und die Ehe zwischen Mann und Frau verbieten, weil es doch sehr häufig vorkommt, dass Frauen von ihrem Partner misshandelt und vergewaltigt werden.

viewtopic.php?p=343078#p343078

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 13. Apr 2022, 07:42 Edit: Ich habe gerade noch eine schöne Fabel gefunden:
Schöne Fabel. Aber wie passt diese auf unser Problem?

Frau Schwarzer & Co. mögen der Esel sein, der behauptet, dass das Gras blau ist. Aber wir als Betroffene sind nicht der Tiger, sondern eine Maus oder so, welche die Schwarzer in ihr metaphorisches Loch zu vertreiben versucht. Und es gibt auch keinen Löwen, zu dem die Schwarzer geht und fragt, denn sie ist der Überzeugung, im Besitz der Wahrheit zu sein.


Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 43 im Thema

Beitrag von Jaddy »

MichiWell hat geschrieben: Mi 13. Apr 2022, 18:47 Schöne Fabel. Aber wie passt diese auf unser Problem?

Frau Schwarzer & Co. mögen der Esel sein, der behauptet, dass das Gras blau ist. Aber wir als Betroffene sind nicht der Tiger, sondern eine Maus oder so, welche die Schwarzer in ihr metaphorisches Loch zu vertreiben versucht. Und es gibt auch keinen Löwen, zu dem die Schwarzer geht und fragt, denn sie ist der Überzeugung, im Besitz der Wahrheit zu sein.
Vor allem geht es ja nicht darum, dass der Esel dann folgenlos glücklich ist. Das wäre einfach. Aber der Esel läuft ja dann überall rum, überzeugt ne Menge Leute die kein Gras kennen, dass es blau sei - "Ey, der Löwe hat's gesagt" (Argument der Autorität) - und vor allem, dass deshalb nur noch die Esel auf die Wiese dürfen.
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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 44 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

MichiWell hat geschrieben: Mi 13. Apr 2022, 18:47 Aber wir als Betroffene sind nicht der Tiger, sondern eine Maus oder so,
Hi Michi,

das ist doch Deine Selbstwahrnehmung. Lass' uns Tigerinnen werden. Ich muss auch noch kräftig daran arbeiten. Aber es ist für mich definitiv die bessere Perspektive.

Hi Jaddy,
Jaddy hat geschrieben: Mi 13. Apr 2022, 19:32 Aber der Esel läuft ja dann überall rum, überzeugt ne Menge Leute die kein Gras kennen
ich bin gar nicht davon überzeugt, dass die Emma-Frauen wirklich so viele andere Menschen überzeugen können. Sie machen Simmung und schüren Angst (Argument "Frauenhäuser"). Aber Erfolg haben sie bei den Menschen, die selber so unsicher sind, dass sie ihrem eigenen Verstand nicht trauen. Es ist in den letzten Jahren so viel positiv für uns gelaufen und wir haben so viel Aufmerksamkeit bekommen, dass wir auch vorsichtig darauf bauen können. Eine Transfrau in der Öffentlichkeit ist schon lange nicht mehr der Freak, als der wir früher gesehen wurden. Es gibt zwar noch eine Menge Menschen, die dem noch skeptisch gegenüber stehen oder es gar nicht akzeptieren wollen. Letztere können wir nicht überzeugen, will ich auch nicht. Aber die, die noch skeptisch sind, können wir dazu bringen, uns noch mehr als normale Teile der Gesellschaft zu sehen. Ich vertraue darauf, dass es diese menschen sind, die erkennen, dass Schwarzer und Co. die Esel sind, die vom blauen Gras reden.

Die wahre Autorität des Löwen in der Geschichte sind wir selber. Und der Tiger sind wir auch. Wir bestrafen uns selber, wenn wir nicht so leben, wie es zu uns passt. Wir machen uns klein, wenn wir immer nur auf die Anderen als Autorität schauen. Dann schweigen wir, statt für uns einzustehen. Wenn Frau Schwarzer und Co. behaupten, das Gras sei blau, dann sagt die Löwin in mir: "soll sie doch". Und die sagt zur Tigerin in mir, dass es nicht nötig ist, sich damit zu beschäftigen. Es ist Zeitverschwendung.

In dem ich diese Worte aufschreibe, zeige ich mir, wo ich stehe und was mich beschäftigt. Und wieder ist mir etwas klarer geworden. Nicht die Thesen von Frau Schwarzer berühren mich, es sind die Zweifel in mir. Und schon hat Frau Schwarzer mir geholfen, mich mehr bewusst für mich selber einzusetzen. Die Tigerin muss nicht schweigen. Sie ist ein wenig für sich lauter geworden und die Zweifel ein wenig kleiner. Ob Frau Schwarzer das erreichen wollte ? Kurios oder nicht ?
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Spiegel: Alice Schwarzer über Transsexualität. Die große Kränkung

Post 45 im Thema

Beitrag von Michi »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 14. Apr 2022, 06:47
MichiWell hat geschrieben: Mi 13. Apr 2022, 18:47 Aber wir als Betroffene sind nicht der Tiger, sondern eine Maus oder so,
Hi Michi,

das ist doch ...
Hallo Vicky,

du hast mich falsch verstanden. (im Gegensatz zu Jaddy)

Ich schrieb nicht über ein persönliches Problem, sondern über unser Problem als Gruppe.

Zweifellos haben du und ich als Einzelpersonen kein individuelles Problem mit der Schwarzer .. genau so wenig wie wir mit irgendeiner Einzelperson ein individuelles Problem haben, mit der wir nicht irgendwie persönlich in Verbindung stehen.

Hier im Thread geht es jedoch um etwas ganz Anderes:

Frau Schwarzer hat mit uns als zahlenmäßig kleiner, gerne marginalisierter Gruppe ein Problem, bzw. sie macht uns zu einem Problem .. sei es nun, weil sie uns aus ihren verqueren Gedanken heraus als Feind des Feminismus sieht, oder uns als bequemes Mittel zum Zweck missbraucht, um so ihrer schwindenden medialen Beachtung, und ihrem damit verbundenen Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit entgegenzuwirken.


Ich möchte das tierische Abbild gerne noch etwas ausführen:

Was man für ein zutreffendes Abbild der Realität nämlich noch mit in die Geschichte einbeziehen muss, ist die Tatsache, dass "da draußen" Herden von Zebras, Antilopen und Gnus herumlaufen, die Engstirnigen, Unsicheren und Konservativen, die noch nie über die Farbe des Grases nachgedacht haben. Wem glauben die wohl? Natürlich dem Esel, den sie viel eher als Ihresgleichen sehen als einen Tiger .. oder eine Maus.

Nein, in der Realität sind wir nicht der Tiger .. sind schon rein zahlenmäßig der Majorität der Dummen unterlegen. In deiner Vorstellung einer Personalunion aus Tiger und Löwe ist es einfach nur selbst-schädigendes Verhalten, wenn wir dem schwarzen Esel bestätigen, dass das Gras blau ist. Und leider passiert dieses selbst-schädigende Verhalten sogar real aus unserer Gruppe heraus, wie man selbst hier im Forum nachlesen kann. (Vielleicht sollte man mal über dieses selbst- oder besser gesagt gruppenschädigende Verhalten durch diese Gruppen-Angehörigen diskutieren.)


Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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