MarieB hat geschrieben:Nika hat geschrieben:Meine Ohrlöcher sind leider immer noch am Abheilen

Trage leider immer noch diese doofen Stecker.
War im April beim "Durchschießen", was ein Fehler war. Hätte zum Piercer gehen sollen.
Aus Fehlern wird man schlau.
Echt. Soll ein Piercer da die bessere Wahl sein?
LG Marie
Na dann sage ich da auch mal etwas zu, da ich damit etwas Erfahrung habe
Also zuerstmal bzgl. Piercer vs. "schießen".
Ja, der Piercer ist besser und das ist auch außer jeder Frage. Erstens arbeiten die i.d.R. viel sauberer. Ein Ohrloch ist für die echter Kleinkram und medizinisch völlig harmlos. Doch mit den gleichen Mitteln machen die ja auch deutlich spannendere Löcher an ganz andere Stellen! Und wenn die da etwas vermurxen würden, dann wird es *richtig* unerfreulich.
Von der allgemeinen Vorgehensweise abgesehen, arbeitet der Piercer auch ganz anders. Ein Piercer wird dir mit einer Hohlnadel oder sog. "Braunüle" oder Katheder-Nadel vglw. langsam ersteinmal eine Öffnung durch Haut und Gewebe schneiden. Die Nadeln sind ja scharfkantig und an der Spitze nicht rund, sondern angeschrägt. Das bedeudetet also, dass das Gewebe eher saube geschnitten wird. Beim "Schießen" wird der "medizinische" Ohrschmuck (was ein irrwitziger Name) in diese Pistole eingelegt und dann mit ordentlich Schwung und Geschwindigkeit durch das Gewebe geschossen. Die Spitze des Stecker ist rund und spitz, d.h. das Gewebe wird nicht durch eine sehr scharfe Kante geschnitten, sondern durch den Schwung und die Spitze eher gespalten und auseinander gepreßt. Das ist für das Gewebe recht traumatisch und sorgt auch für einen reichlich ausgefransten Stichkanal, gerade auf der Austrittsseite. Das dabei zerstörte Gewebe muss dann erstmal abgebaut werden etc. - das dauert und führt erleichtert zu Entzündungen.
Also in dem Punkt würde ich sicherlich ohne weiteres sagen, ja, der Piercer ist besser.
Jetzt ist aber nur die Frage, brauche ich denn die bessere Lösung oder tut es auch die Einfache?
Das ist nicht so leicht zu beantworten.
Jeder sollte bspw. von sich selbst wissen, wie gut seine Haut verheilt und wie leicht man zu Entzündungen neigt, gerade auf, an und in der Haut. Ist man hier etwas empfindlicher, kann ein sauber gestochenes Piercing sicherlich besser verträglich sein, als die geschossene Variante. Verheilt man aber gut und hat wenig Problem mit Entzündungen beim Abheilen, dann tut es der Schußapparat allemal für einfache Ohrringe.
Und für die "Heimwerker", ja, das kann an auch ganz problemlos selbst machen. Einfach ein Paar dieser medizinischen Ohrstecker mit Spitze besorgen, Ohrläppchen und Hände desinfizieren oder zumindest gut mit ordentlich Seife waschen (und danach sehr gut abspülen) und dann einfach vorsichtig den Stecker druchdrücken. Das piekst ein bisschen, aber das kann man sehr gut aushalten. Der unagenehmste Teile ist der Austritt auf der Rückseite. Vorne hinein geht recht leicht, aber bis er hinten heraus ploppt, muss man doch etwas drücken. Wichtig hierbei ist aber, dass man die Richtung gut beibehalten kann! Man will ja schließlich kein "schräges" Loch haben, dass sieht dann gerade mit Creolen doof aus.
AUF GAR KEINEN FALL OHRLÖCHER DURCH KNORPEL SCHIESSEN !
Es gibt da ja diese hübschen Stellen am Innenohr oder am oberen Rand der Ohrmuschel - dort muß meist, weil sonst kein Gewebe vorhanden ist, der Knorpel mit durchstochen werden. Das darf man auf gar keinen Fall mit so einem Schuß-Dingens machen! Dabei kann der Knorpel *massiv* geschädigt werden. Das muss auf jeden Fall ein geübter Piercer mit einer Nadel machen. Davon abgesehen würde ich davon ohnehin abraten - sieht zwar irgendwie cool aus, aber Piercings im Knorpel verheilen nur langsam (Monate!) und neigen dazu, alle Arten von Problemen bishin zu üblen Geschwülsten zu bilden. Davon abgesehen, machen nicht abgeheilte Piercings in Knorpel ganz arges Aua, wenn sie bewegt werden.
Und dann zuguterletzt, fast genauso wichtig wie das Stechen, ist die Pflege danach.
Man hat dann einen Fremdkörper im Körper, der in einem Kanal von der einen zur anderen Seite steckt. Man hat also zwei Eintrittstellen für unerwünschte "Gäste" und ein warm-feuchtes Milieu dazwischen, wo die sich so richtig wohl fühlen können. Das Wichtigste in den ersten zwei bis vier Wochen ist dafür zu sorgen, dass der Erstschmuck sich so wenig wie möglich in dem Kanal vor und zurück bewegen kann, damit eben keine Bakterien oder Schmutz in den Stichkanal transportiert werden.
Oder anders gesagt: Finger weg!
Wenn man daran herum hantiert, dann bitte nur mit frisch mit Seife gewaschenen Händen und dann den Schmuck gut dabei spülen, um angesetzten Dreck und ggf. Verkrustungen zu entfernen. Bei mir braucht es ca. 4 Wochen, bis sich das Loch beruhigt hat (also nicht mehr näßt etc.) und dann nochmal ca. 4 bis der Stichkanal halbwegs stabil ist. Vorher kann es sehr leicht passieren, dass die dünne sich bildende Wundhaut beim Einsetzen des Schmucks abreißt und wieder aus dem Loch gedrückt wird. Dann gehen die vier Wochen wieder von vorne los

Als Daumenregel würde ich sagen, der Kanal ist zur Verwendung mit anderem Schmuck gut genug abgeheilt, wenn sich gar keine Verkrustungen am Schmuck mehr bilden und fast jegliche Beanspruchung (Bewegung, Ziehen etc.) _keinerlei_ Schmerz mehr verursacht.
Sollte es schmerzen und vor allem ein dauerhafter Schmerz sein, dann stimmt etwas nicht, in der Regel ist es dann entzündet.
In dem Fall als erstes wieder - reinigen!
Zuerst die Hände, dann die Stichstelle mit dem Schmuck. Dann *vorsichtig* den Schmuck herausnehmen, die Stichstelle gründlich reinigen aber aufpassen, nicht zu große Kraft darauf auszuüben. Vielleicht auch ganz vorsichtig mal das Ohrläppchen zusammendrücken - sollte da Eiter mit aus dem Kanal kommen, vorsichtig das ganze so oft wiederholen, bis nur noch Lymphe oder ein bisschen Blut / Wundflüssigkeit kommt. Dann alles sehr gut reinigen, am besten mit einer Neutralseife. Dann mit viel Wasser spülen. Auch den Stecker und die Krone grundlich reinigen! Dann wieder vorsichtig (!) einsetzen. Wenn das bei mir passiert, dann reicht meist eine einmalige solche Behandlung. Das sollte danach dann innerhalb von ein paar Tagen abklingen und dann normal weiter verheilen.
Dann noch zuguterletzt bzgl. der Befürchtungen, dass Frau lange mit den Dingern zu kämpfen hätte und man immer ganz arg darauf achten müsse, sich aber schlußendlich an das "darauf achten" gewöhnt.
Nun, ich denke das stimmt nur zur Hälfte - natürlich achtet man ganz automatisch nach einer Weile darauf. Was aber glaube ich viel wichtiger als das ist, dass wenn die mal richtig abgeheilt sind, da nichts mehr weh tut! Da kann man auch mal dran hängen bleiben, dagegen stoßen etc. Sicherlich merkt man das, aber es schmerzt nicht. Und damit relativiert sich das "darauf achten" erheblich. Also nur Mut! So unangenehm wie in den ersten Wochen bleibt es nicht... ich sollte wissen wovon ich rede, ich bin bei 8 Stück und davon ist nur der erste vor knapp 28 Jahren geschossen worden, er Rest ist Heimarbeit
Viele Grüße
nicole