Anne-Mette hat geschrieben: Mo 2. Sep 2024, 08:33
Moin,
die Verantworung haben die Wählenden; denn die Partei hat sehr deutlich gemacht, für was sie steht.
In diesem Punkt ist ihr nicht vorzuwerfen
Da müssen Wählende schon recht dumm sein, wenn sie die AFD wählen - oder sie machen das aus voller Überzeugung - warum auch sonst???
So eine Wahl ist kein Spiel - und Brandstiftern stellt man nicht brandbeschleunigende Mittel und ein Feuerzeug zur Verfügung.
Es ist es kein "normaler demokratischer Vorgang", wenn in Deutschland der latent schlummernden Rechtslastigkeit auf vielen Ebenen ein Gesicht oder eher eine fiese Fratze gegeben wird.
Wir sollten uns unserer Verantwortung bewusst sein!
Gruß
Anne-Mette
Die Wählenden haben es aus voller Überzeugung getan, die Partei wurde nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Ausrichtung gewählt.
Zudem kann man bei einem Wahlergebnis von über 30% nicht mehr von einer Protestwahl sprechen, sondern eher von einer "Überzeugungswahl".
Spannend finde ich (wie bereits schon bei der Europawahl), dass bei dieser Wahl viele Entscheidungen und Aussagen auch wieder unter dem Gesichtspunkt der Bundespolitik getroffen wurden.
Natürlich gibt es hier Kritikpunkte, jedoch sollten bei Landtagswahlen eher die Dinge entscheidend sein, die auch im jeweiligen Bundesland wichtig sind. Klar kann man u.a. über den Bundesrat Einfluss nehmen, jedoch stellt sich die Frage, ob man deswegen unbedingt den Landtag so zusammensetzen muss oder ob man nicht eher darauf geschaut hätte, inwiefern sich die jeweilige Parteien auch für das Menschen im Bundesland einsetzen. Das kam generell immer viel zu kurz. Es ging primär um Bundes- und Außenpolitik, die auf Länderebene oft nur eine kleine Rolle spielt.
Letztendlich lässt sich mit der Emotionalität der beste Wahlkampf führen und wie man sieht, auch am besten Wahlen gewinnen.
Rationalität und Faktenbasiertheit lassen sich schwerer vermarkten und vermitteln, denn sie erfordern oftmals auch eine Auseinandersetzung damit.
Sie sind "anstrengender".
Es ist einfacher, mittels Feindbilder vermeintliche Gründe für Situationen zu erschaffen. Schuldzuweisungen gelingen einfacher als komplexe Auseinandersetzungen, Diskussionen und Kompromisse.
Die Wähler der AfD erhoffen sich mit der Wahl eine Rettung aus einer Notlage, die es nüchtern betrachtet nicht gibt. Sie wählen den einfachen Weg, mit dem Finger auf andere zu zeigen und vermeintlich einfache Antworten zu haben. Diese lassen sich gut in 30-Sekunden-Clips auf YouTube, Insta und TikTok verbreiten, die insbesondere bei den Jüngeren gut ankommen.
Doch die Lösungen der Probleme der heutigen Zeit lassen sich nicht in 30 Sekunden erklären oder gar lösen. Sie erfordern größere Anstrengungen und Auseinandersetzungen, als einfach z.B. die "Ausländer" rauszuschmeißen oder die Fördermittel an der einen Stelle zu streichen, um sie dann vermeintlich an der anderen Stelle einsetzen zu können.
So etwas interessiert die Leute aber nicht, sie wollen meist nur "in Ruhe gelassen" werden.
Nur: Sie werden eigentlich schon die ganze Zeit in Ruhe gelassen.
Keiner zwingt sie, zu gendern (eher andersherum: es ist in mehreren Bundesländern verboten).
Keiner zwingt sie, kein Fleisch mehr zu essen,
Ölheizung kann drinbleiben (das Habeck-Gesetz wurde hochgradig "entschärft")
Verbrenner kann weiter gefahren werden (Verbrenner-Verbot kommt von der EU)
etc. etc.
Man kann sein Leben so leben, wie man möchte. Und man könnte damit glücklich sein.
Man könnte glücklich und zufrieden damit sein, in diesem Land zu leben und all die Freiheiten zu genießen.
Man könnte glücklich damit sein, dass man so frei in so vielem ist (insbesondere als weißer, heterosexueller Mann).
Man könnte glücklich damit sein, insbesondere in den neuen Bundesländern, dass man so viele Vorzüge genießen kann, die es in der DDR nicht gab.
Man könnte einfach nur glücklich damit sein, "man selbst sein zu können".
Aber stattdessen trägt man unglaublichen Hass in sich, der all das überschattet.
Der das eigene Leben so dominiert, dass all die vorher genannten Dinge anscheinend unwichtig sind.
Wäre es nur so, dass dieser Hass einfach nur in Sprache vorgetragen wird. Dass man unzufrieden ist, dass man bestimmte Leute nicht mag, das wäre alles legitim. Nur wenn man, angetrieben von diesen Gefühlen, Personen in Regierungspositionen befördert, die gelinde gesagt, anderen Menschen schaden möchten, dann ist das ein Problem.
Wenn man aufgrund seiner eigenen Unzufriedenheit anderen Schaden zufügt, die für diese Unzufriedenheit nicht das Geringste können. Die unter dieser Wahlentscheidung zu leiden haben. Und zwar wirklich zu leiden haben, nicht a la "Man darf nichts mehr sagen" (doch, darf man, in den Talkshows sind die AfD und BSW Vertreter omnipräsent und auch sonst ist alles erlaubt, so lange es nicht strafrechtlich relevant ist - und selbst dann verschwindet ein Höcke nicht im Knast, sondern darf weiter machen).
Jeder darf unzufrieden sein, jeder darf unglücklich sein.
Aber die Lösung dieser Probleme dann im Heil der Wahl einer Partei zu suchen, die außer einfachen Antworten keine konkreten Lösungen bietet, ist meiner Meinung nach der falsche Weg. Insbesondere auch für einen selbst, denn es wurde schon vielfach aufgezeigt, dass letztendlich nur die reichsten Bewohner des Landes von einer AfD profitieren werden. Alle anderen gesellschaftlichen Schichten werden zumindest wirtschaftlich in Schwierigkeiten geraten (gesellschaftlich, sozial und all die anderen Bereiche sowieso).
Leider wird vermutlich selbst dann wieder ein Sündenbock gefunden werden, denn die Zustimmung zu dieser Partei und anderen Ausprägungen ist in einem Stadium, dass eher zu einer Religionsgemeinschaft als einer Partei gehört. Und da wird es immer Gründe geben, dass nicht die eigene Gemeinschaft Schuld an etwas trägt.
Und wenn es ganz hart kommt, dann wusste man am Ende eben von nichts. Man war ja nur ein kleines Licht.